Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1970 (9.8.1924)
- Date
- 1924-08-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-k. 1970 Men, SamZtag_ Hoffnungsvoll, aber noch nicht geregelt. Die Lage btt Londoner Konfernz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 8. August. Die alliierten Dslegationsfuhrer haben sich heute vormittags während Kwei Stunden mit den Konferenzarbeiten beschäftigt. Eine zweite Sitzung mit Einschluß der deutschen Delegierten ist um halb 3 Uhr nachmittags abgehalten tvorden. Diese hat sich vor allem mit der Forderung Deutschlands beschäftigt, daß das Schiedsgericht auch in Kraft treten solle, wenn eine MeirmMsv-erlschiedenheit zwischen dem Ueberweisungskomitse und der deutschen Regierung auftritt. Die deutschen Delegierten erklären ferner, daß die fünfte Bedingung, in welcher von der Durchführung h«es Versailler Vertrages gesprochen werde, dahin ausgeliegt werden könne, als ob - : die deutsche Regierung für den eventuellen Mißerfolg der .Anfangsanleihe verantwortlich gemacht werden könnte. , Mehrere Sachverständige sind beauftra,gt worden, die Fassung der fünften Bedingung nochmals zu prüfen und nötigenfalls einen Abänderungsvorschlag einzureichen. Auch die R e p a r a t i o n s k o m m i s f i o n hat zwei Sitzungen abgchalten. Die offizielle Sitzung, die, wie man glaubte, heute zusammentreten würde, wurde von neuem vertagt. Im allgemeinen kann heute die Lage der Konferen-z als hoffnungsvoll, aber ngch nicht als geregelt bezeichnet werden. Es ist zu erwarten, daß die Beratungen des zweiten Ausschusses über die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebietes mit einer Einigung enden werde. > Reise Herriots noch Paris. '-'A Ministerpräsident Herriot wird sich morgen wahrscheinlich mittels Flugzeuges in Begleitung des Kriegsministers Rollet und des Finanznrinisters Clemente l nach Paris begeben. Er beabsichtigt, feine Ministerkollegen. über die im Gang befiM'ichen diPlom'iHchen Verhandlungen zu unterrichten und ste über die Haltung zu befragen, die die französische Abordnung auf der Konferenz bezüglich der beiden noch strittigen Fragen, nämlich der militärischen Räumung des Ruhrgeibietes und der Belassung französischer -und belgischer Eisenbahner auf den rheinischen Eisenbahnen, letzten- Endes einzunehmen haben wird. Herriot und seine Mitarbeiter werden Sonntag abends nach London zurückkehren. Die Reise Herriots nach Paris darf nicht als Anzeichen-einer Krise in den Konferenzarbeiten gelten, sondern Herriot will am Vorabend wichtiger Entscheidungen in vollem Einvernehmen mit allen feinen Minrsterkollegen Vorgehen, deren Ansicht er seit nahezu vier Wochen nicht hat einholen können. Eine neue Konferenz. In politischen^ Kneifen wird erKÄrt, daß nach Beurteilung der ganzen Situation nunmehr der Plan aufgetaucht ist, nach Abschluß der gegenwärtigen Konferenz eine Zusammenkunft der Finanzminifter und Sachverständigen in Paris zu vereinbaren, Gegenstand der neuen Konferenz wäre die Verteilung der Reparativ nszahlungen, die von Deutschland seit Beginn des Jahres 1923 erhalten wurden und während des ersten Jahres der Wirksamkeit des Dawes-Planes erhalten Würden, zu beraten. Ein anderer wichtiger Punkt wäre die Frage, ob die französische und belgische Regierung die Ausgaben für die Richrbesetzuing aus dem Guthaben der Rapavationskommisiion nehmen dürfen. Sie Verfolgung des HebrSifchrn In Rußland. Die Kultur der Tätigkeit der Wischen Kommunisten. Wve wir feit§ vor längerer Zeit meldeten, haben einige hebräische Schriftsteller dem VolMommissaoiat für nationale Minderheiten in Moskau ein Memorandum über die Verfolgung der hebräischen Sprache durch die jüdischen Kommunisten überreicht. Das Kommlssariat für nationale Minderheiten hat nun den Beschluß gefaßt, daß die Verfolgung einer Sprache in Sowijetrußland n n zulässig sei, und dementsprechend an sämtliche Behörden die Weisung ergehen lassen, daß es unstatthaft sei, privaten Personen, die den -Wunsch haben, die hebräische Sprache zu „kultivieren", zu vevfolgen.z lieber Protest der jüdischen Kommunisten hat die Exekutive der Volkskommissare die Versendung dieses Zirkulars aufgehalten. Fnland. . Sesterreich «nd die Wrkei. Mgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Konstantinopel, 8. August. Der österreichische Gesandte wird sich in den nächsten Tagen nach Angora begeben, wo inr Austausch der Rat if ika iion sNrktt nden des zwischen Oesterreich und der Türkei abgeschlossenen Freundschaftsvertrages erfolgen wird. Wiener Morgenzeitung. i«K 9iatu/c&deAt/$& 210# pbvSföaiuvsJu u. ffitauM» -tfeäEedeb j ooo - Verkaufsstellen s II. Taborstrasse 17 b; III. Landstrasser Hauptstrasse 12; V. Reinprechtsdorfer« strasse 52; VII. Martahilferstrasse 92; VII. Schottenfeldgasse 24; XIV. Reindorfgasse 8; XVI. Thaliastrasse 25; XVIII. Währingerstrasie 89; XX. Wallensteinstrasse 15;XXI. Brünnerstrasse 12; Baden; Klosterneuburg; Mödling. 8061 .000'-, Tagesbericht. Cm Morgen in Bozen. Der Hahn hat noch nicht gekräht. Drüben, gegenüber dem Hotelfenster, entschleiert sich der Magdalenen-Berg, der üppigste aller Weinhügel, mit Zypressen besteckt, die wie bewundernde Ausrufungszeichen in die smaragdgrüne Landschaft gefügt sind. I Ein versierter Operateur, dem die Sonne als Lichtquelle dient, scheint hinter diesem Hügel postiert zu sein und läßt seine Scheinwerfer auf die Dolomiten spielen. Mit vollendeter technischer Fertigkeit' nimmt er zunächst die gigantischen Becgspitzen unters Licht und rückt Linie für Linie tiefer. Tu die AuLen auf, Neuling, schäntt dich nicht des sperrangelweit aufgerissenen Mundes, dessen liebliches Abbild du eben in der Fensterscheibe entdeckst. Eine ganze Versammlung versteinerter Hochstrahlbrunnen steigt rechts am Horizont in den Himmel, rosige Farbenspritzer sind in die erstarrte, blandend-weiße Gischt gemengt. Weil du nicht lange bleiben. kannst, hat man dir die RosengarcengruPPe der Dolomiten in Morgenpracht gezeigt. * Verwirrt durch die Farbenfülle eines südlichen Gartens, durch die schlohweißen, safrangelben, fleischroten Blütenkatarakte, welche Bäume, Büsche, Villenfronten verschütten, verfehlte der erregte Morgenwanderer den beabsichtigten Weg und verirrte sich auf das Glücklichste in die „Dr. Streiter-Gasse".' - ~----- Märchenwinkel aus dem deutschen Mittelalter unter italienischen Himmel! Hier haben sich Nürnberg mst Capo d'Jstria, deutsches Volkslied mit italienischem Sonett vermählt. Spitzweg und Segantini gaben die lauschigen, dämmerigen, gemütvollen und die blanken, scharfen, glashellen Farben, Mozart und Verdi die heiteren, herzhaften, unbekümmerten und die schluchzenden, schmetternden, leidenschaftlichen Musiken. Da keine Tür noch knarrt, kein Schritt noch hallt außer dem eigenen, kann man ungestört und ohne zu stören, die gewundenen Gassentveppen zu den Stockwerken verfolgen, den erstaunlichen Formenstreil der hundert Erleer und Loggien, der bemoosten Brunnenwinkel und blumenumrankten Söller, der nordischen Giebel und südlichen Dachgärten, der schmiedeeisernen Geländer, gegitterten Fenster, der Torbeschläge, Firmenschilder, Wahrzeichen, Haussprüche. Dicht geschatt wachen die steinernen Zeugen der Vergangenheit, von venetianisch bunten Wäschebehängen überschattet. Ein Jünger der Kunst mit Feldsessel, Mappe und Farbkasten kommt raschen Schritts, geht auf einen bizarren Winkel zu und ist auch schon in der Arbeit. Daß es dem gelang, aus dem Schatz ein Juwel zu wählen! Rückblick in die unvergleichliche Perspektive dieser unvergleichlichen Gasse. Dann tauche ich im summenden duftenden Obstmark unter. * Des Morgens Füllhorn ist,dem F emdling gnädig. Es präsentiert mir während der Bergfahrt auf her Schwebebahn nach Köhlern das ganze Bozener Tal. Di? Wekngartenstadt, nnbeengt zwischen Gebirgsriesen gebreitet, an das heitere Band der Etsch geheftet, wächst im Aufwärtsgleiten zu voller Entfaltung. Der Gewitterregen der jüngsten Nacht hat das entzückende'Panorama reingewaschen. Unter dem verläßlichen Lnftfahrzeng, das sich an einem beruhigend dicken Gängelseil bis zu zwölfhnndert Meter über dem Meeresspiegel erhebt, rauscht ein Wald von Edelkastanien, Schneegipfel recken sich am Horizont auf, Gebirgsbahnen wandem von allen Höhenzu Tal, Autokolonnen laufen wie weiße Raketenpfeile ans allen Richtungen nach dem Herzen von Bozen, dem Woltervlatz. Jetzt hat sich der Bergrücken unterm kletternden Hängewagen vorgeschoben, nur der Saum am Gewände der Stadt ist noch sichtbar, daun verschwindet Bozen. Im Führer steht: „Bozen (265 Meter) . . . alte Handelsstadt, Sitz verschiedener Aemter und Behörden und Schulen. . ." — Ich entfalte den Plan von Stadt und Umgebung und besinne die Freuden jenes Morgens der Bozener Wunder: Erwachen der Dolomiten — Dr. Streiter-Gasse — Schwebebahn nach Köhlern. Otto Abeles. , 9. August 1924 Seite 8 Furchtbare Katastrophe einet Donausöhre. Fünf Personen ertrunken. Aus L i uz wird uns gemeldet: Gestern nachmittag» kippte infolge Ueberlastung das vom Gasthaus in Strudel bei Grein über die sehr hoch gehende Donau führend Ueberfuhrboot mit 11 Insassen um, wobei 6 Perfönen de n Tod fanden. Darunter befinden sich Fräulein Rosa Kramer, die erst unmittelbar vor dem Unglück mit dem Zug ans Wien in Grein zum Lommerauftnthalt ein« getroffen war, Fmu S t r e e m e aus W i e n, die zur Sommerfrische dort weilte, ferner der Ue'berfühver A i st i n g e r sowie der Schwager und die Nichte Aistingers. Die übrigen Personen konnten sich teils durch Schwimmen, teils durch aufopferde Hilfeleistung dev Ueberführerin' Rosa Heizinger retten, die mit eigener Lebensgefahr den vom To.e Bedrohten beisprang. Die Unfalls st eile liegt mitten in dem gefürchteten Donaustrudel. Verhaftung einer internatianalen Räuberbande in Trieft. Aus Triest wird uns berichtet: Die Polizei hat eine internationale Hochstapler- und Räuberbande ansgehoben, deren Wirkungskreis sich auf die Schnellzüge Triest—Wien, Triest—Belgrad und Triest—Budapest erstreckte. Der Bande gehörten M ä n u> e r u n d Frauen an. Es befinden sich darunter Russen, Rumänen, Türken, Serben und Griechen. Im ganzen wurden 10 Personen verhaftet. ' Die Bande hat Reisende aus der Fahrt bestohlen und auch sonst Untaten verübt, mit deren Aufklärung jetzt die Polizei beschäftigt ist. In den Wohnungen der Bandenmi Weder wurde ein vollständiges Arsenal von Diebswerkzeugen, Masken, Betäubungsmitteln und Waffen beschlagnahmt. Die Bande soll auch an einem großen Juwelendiebstahl teilgenommen haben, der in der letzten Zeit in Agram verübt wurde. Der Palma Vecchio gefunden. In Amsterdam in Aufbewahrung.^ Aus Budapest'wird uns gemeldet: Der Eigen» tümer des Altarbildes von Ouero, Rechtsanwalt Doktor Kovacs, hat heute dem Untersuchungsrichter mitgeteilt, daß sich das Gemälde derzeit bei der Zentral-Kredit- und HandelsMiengesellschaft in Amsterdam «in Aufbwohrung befindet. Die Staatsanwaltschaft hat das Geständnis des Advokaten unverzüglich an 'das Ministerium des Aeußeren weitergeleitet. Dr. Kovacs hatte mit dieser Firma eine. Vereinbarung getroffen, wonach sie verpfichtet sei, das Bild bis zum 15. September kommissionsweise auf Lager zu halten. Nach diesem . Termin habe sie das Recht, das Bild zu verkaufen. Wie der Verteidiger Dr. Kovacs' erklärt, hangt die Auslieferung des Bildes nunmehr von den diplomatischen Schritten ab. In dieser Angelegenheit sei der .Haager Gerichtshof zur Entscheidung berufen. Re katholische« Studentenverbindungen treten ans der Hakenkrenrorgnnifation ans. Aus Berlin wird uns berichtet: Nach einer Meldung der „Germania" aus München sei das K a r t e l l der k a t h o l r s ch n S t n t c n v e r b i n d u n g e n aus dem Hochfchulring dcutsck?r Arr ausgetreten, nachdem die Verhandlungen über die Beschwerde des Kartells wegen der antikatholischen Demonstrationen, de an der Münchener Universität unmittelbar nach dem Hitler- Puijch stattgefuuden haticn. zu keinem Ergebnis geführt halben. Ser Greifenring mit dem blitzende« Hammer. Ein Dokument des Rassenschätzlertums. Welcher Idiotien das sogenannte Rasseschützlertum fähig ist, acht ans einem Dokument hervor, das der Beniner „Vorwärts" veröffentlicht: „Wer auch nicht das kleinste Tröpfchen Juden- oder Negerblut in sich fühlt, wird Mitglied des Greifenringes deutschen Ordens. Nicht nur Arier, sondern auch ArierinnLn können Mitglied dessellben werden. Nachstehend wollen wir das Anmelduugsschreiben einer solchen Thusnelda veröffentlichen: „An die Kanzlei des Greiftnringes deutschen Ordens. Ich , geb. — jetzt Stütze in stvaße, bitte um Aufnahme in dm -Gvciieming deutschen Ordens. Ich versichere an Eides Statt, das? ich frei von jüdischem oder farbigem Blute bin, soweit ich es feststellen konnte." Tie Antwort und gleichzeitig die Anfftah irebescheiniguv-- sieht wie folgt aus: „Deutschgeiboven... Nachdem Du Dich dem Greiseurmg im Hohen Deutschen Orden ans deutschem Willen ZUgiiwandt. die . erforderliche Bürgschaft erbracht, Dein Blntsbe'.'cnntnls abgelegt und auch der Handfeste die Treue geschworen hast, nehme ich Dich auf m unsere hohe gottümliche Gemeinschaft, als Kämpfer für deutsches Wesen, im alten Recht, in deutscher Sitte. Gedenke Deines deutschen Geschlechts. Uüber uns schwebt die ewige Reichskrone, ringe nach ihr, halte Stand im Sturm mit festem Herzen, mit starker Hand! Das Zeichen des Lichts, der blitzende Hammer, wacht über uns! Blut um Blut. Treue um Treue, Heimat zu Heimat! Ich grüße Dich!" Deutsche TSder metdrn! Ein antisemitischer Hstelbesitzer im Harz vernichtet eine Heine-Jnschrist. Alts Berlin berichtet I. T. A-: Nachrichten aos dem Kaoz besagen, daß dort mehrere Hotelbesitzer emen offenen