Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1968 (7.8.1924)
- Date
- 1924-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wlene« Movsenzelkima. N_, 7. Awg-H 1SÄ Zer Mord des Grafen Boy. Lar Mtfel von gnrttsdorf. f fctlfc % (RSfett, DonirerZtag ■_ BERKEL-wagE! ByP SW Br% Sl «SD KW i Mlttion im Gebrauch Ete ist SrlSfuna und Wohltat für Cetlflufec und Konsumenten. Sir beschleunigt, kontrolliert, spart und kostet nach « Wochen Gebrauch nichts! Jedem Wiener GeschiistSmann wird auf 8 Tage unverbindlich und gratis über Berlaugr» ciue Wage zur Probe zur Äerfilgnug gestellt BERKEL-Vertrleb, Wien, I. Biberstr. 9 Tagesbericht. Der BrotMeis — unverkndert. Wtz-che NüchglebkgMt der Bäcker. - Ucberprüfnug der Brotprolfe. In letzter Stunde ist b:e angekündigte Brotpreiserhöhung unterblieben. Die bessere Einsicht siegte über jene, solche d't tendenziösen Ernteergebnisse sich „auswirken" lassen wollten. Wir wiesen erst jüngst darauf hin, daß die internationalen Erntemeldungen ungünstig gefärbt sind. In Oesterreich ist das Ergebnis befriedigend, die neuesten ungarischen Schätzungen übertreffen die gehegten Erwartungen und in Jugoslawien war ein ausgesprochener Preiskrach des Getreides, der auch eine Ermäßigung cres BwtpreiseS in der Hauptstadt Belgrad gefordert hat. An der gestrigen Produktenbörse hat sich der Roggenpreis um 50 Kronen ermäßigt. Wahrscheinlich hat auch die inzwischen von der Wirtschaftspolizei begonnene Ueberprüfung der Brotpreise dazu geführt, daß die Bäcker von der noch gestern als nn ans weichlich hingestellten Notwendigkeit, der Brotpreiserhöhung in raschen: Entschluß Abstand nahmen. In den nächstem Tagen wird dennoch auf Einladung des Bundeskanzleramtes die Preisprüfungsstelle in einer Sitzung die Angemessenheit der von den Brvterzeugern vereinbarten Preise und der ihnen zugrunde gelegt«: Kalkulation überprüfen. Außer den Vertretern der Brotfabriken und der Bäckergenossenschaft wecken au dieser Sitzung auch Vertreter des Bundeskanzleramtes, deS Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft, der Harckels- «td Gewerbe kammse, der Arbeiterkammer, des Hauptverbcmdes der Industrie und der Landwirlschastskummer tmknehmen. _._ wie Me KkiegsLeschSdigir gibt es in Sester« reich? S11.M ZnöÄidemmmeldungen. — 229.000 Krirgshirrter- Mrbem. AuS den statistischen Nach.veisen der mit der Turchführnng Invalidenfürsorge betrauten Organe geht hervor, daß bis zum 80. Jmü S10.S2S A ns p r » ch 8 a n m e l d u n ge u auf staatlichsZnvalidenfürsorge erfolgt sind. Ende Juni wmden 328.865 Anspruchsan Meldungen VonWitwer^ Waisen usw. gezählt. Die Zahl der Kriegsbeschädigten, die mehr als 86*^ Ei « b » ße der Erwerbfähigkeit answeisen, denen also Renten zuerkannt'wurden, betnrg am 30. Juni 42.545. Unter diese« Invaliden befinden sich insgesamt etwas mehr als S»/, Schwerinvalide, d. h. Kriegsbeschädigte, deren Einbnße an Erwerbsfähigkeit mit mehr als 75% anerkannt wurde dabei find die Hilfslosen und Blinden mitgerechnet. Die Gesamtzahl dieser Schwerinvaliden beträgt 4041. Unter den Schwerinvalide» befanden sich am 80. Juni 568 Hilflose und 272 Blinde. Unter den Jnvalidenrentenempfängern befinden sich auch 74 W e h r m a n n e r, die im Dienste invalid geworden find. _ Re verlkaer Gedenkfeier für die Wischen Kriegsopfer. Aus Berki« iberichdst I. T. A.: Die Gedenkfeier Dr die jüdischen KviegZvpfer, äderen mrsprüngikiches Verbot großes Au-ffehen erregte und die dann doch gestattet wrvrde, hat Sonntag auf dem Ghrenfriedhof der Mischen 'KriegßgefaNemn Mn Weiftensee stattgesunden. Die von der jüdischen Gemeint Berlin gemeinsam mit dem Bund Mischer Frontsoldaten veranstaltete Feier nahm einen sehr eindrncksv ollen Verlauf; es -wohnten ihr mehrere tausend Personen bei. Die Berliner Ortsgruppe -des Reichsbundes Mischer Frontsoldaten, sowie die studentischen-Korporationen traten korporativ zu der.Feier an. Die Gedenkrede hielt der frühere Mdpredia-er Rabbiner Dr. Bge ck, der in ergreifenden Worten der 12.000 deutschen Juden gedachte, die für Deutschland den T o d erlitten haben. Im Namen des Bundes jüdischer Frontsoldaten sprach Doktor Wiener Worte des Gedenkens. Nitteilmge« aus dem Publikum. V RESTAURANT 22 S. BILLE? VORZÜGLICHE POLNISCHE KÜCHE Wien, II. Hammer-Purgstallgasse 4 Die Angelegenheit des Grafen Bela V a y, der vop einigen Tagen in der Irrenanstalt in Jnzersdorf einen Wärter mit einem Holzbrett erschlagen hat, hat durch die mysteriösen Einzelheiten des Falles großes Aussehen erregt. Der junge Mann -gehörte, wie schon berichtet, der sozialdemokratischen Partei an und hat in den ungarischen Emigrautenkreifen in Wien große Achtung genossen. Seine Schilderungen * des weihen Terrors, der sich Ungarns bemächtigt hat, riefen viel Erregung hervor und trugen, dem Autor, der.den höchsten magyavschen Adels- Weisen angchört, den Haß der bloßgestellten Oligarchie ein. Seine Mutter ist ein Schwägerin des Grafen Julius Andrassy, des letzten Außenministers der Monarchie. Gras Bela Vay, dessen beide Brüder sich seit langer Zeit in dem Jnzersdorfer Sanatorium befanden, pflegte sie dort öfters zu besuchen. Von einer Visite, die er vor zwei Jahren absolvierte, ist er nicht mehr znrückgekchrt und man erhielt erst jetzt durch seine Tat wieder Kunde von ihm. Es besteht nun die Version, daß er einem Racheakt der magyarischen Grafen zum.Opfer gefallen und als geistig krank in das Irrenhaus gesteckt wurde. Daß selbst cm anfänglich Gesunder unter solchen Umständen wahnsinnig wird, ist eine bekannte Erfahrungstatsache. Ob dies bei dem Grasen Bela Vay zutrifft, wird die gerichtliche Untersuchung auszuklären haben. Einer unserer Mitarbeiter suchte gestern das Sanatorium Fries in J-nzersdors aus nnd berichtet uns: Der Kranke, der sich bereits völlig beruhigt hat, befindet sich nunmehr in einen: Pavillon für gemeingefährliche Geisteskranke im Gitterbett in einer Zwangsjacke. Er wird dort so lange verbleiben, bis die Staatsanwaltschaft darüber entschieden Haben wird, was mit ihn: weiter zu geschehen hat. Men: Anscheine nach liegt ein unglücklicher Zufall vor, für den niemand verantwortlich gemacht wecken kann. Graf Vay wurde im September vergangenen Jahres über Ersuchen seiner Mutter, die mit ihren beiden anderen Söhnen in dem feit fünfzig Jahren bestehenden Sanatorium des Dr. Fries wohnt, von einem Oberpsleger aus dem Bnda- Pefter Sanatorium Bati sfalvy in das Jnzers'dorfer Sanatorium gebracht und dort ausgenommen. Die erwähnte ungarische Heilanstalt dient Nervenkranken zum Aufenthalt und besitzt keinerlei besondere Vorkehrungen zur Bewachung gemeingefährlicher Ge:fteZkrank-er, was auch bei dem jungen Vay nicht nottvendig war, da feine Krankheit durchaus harmlos war und er-sich stets ruhitz verhielt. Er hat-sich auch freiwillig in die Anstalt bringen lassen. Die Jnzersdorfer Anstatt besteht aus zwei AbtMmgen, und zwar ans einer für Nervenkranke und solche ungefährliche Geisteskranke, die sich freiwillig in das Sanatorium begaben, sowie ans Pavillons für gemeingefährliche Irrsinnige, für die besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen sind. In beiden AbteHlurrgen stchen die 68 Kranken Dag imb Nacht unter ständiger Beobachtung von 46 Pflegern nnd Pslegerinen nnd drei Merzten. Die Wärter wohnen in eigenen Zimmern. Der unglückliche Kostbare Napoleon-RettMe» getänden. Das Familienarchiv der Baffano. — Ae Totenmaske Napoleons. Wie der „Brunner Tag-esbote" meldet, wurde in Brünn ein Fa m il ien sch atz von geradezu unermeßlichem Wert Pfunden. Dieser Schatz datiert ein Jahrhundert zurück. Sein U-heber ist der berichmtt Vertrante, Staatsseketä.- und M'nistc: Napoleons, Herzog -ugo Bernhard v. Basjano. Nach dem Sturz Napoleons na'rm der Herzog von Bassino als französischer Verbannter in C^sterreich Wohnsitz- Das setz: enfgefi'Ndene Archiv enthält 21' Brie.se an den Herzog von Bassano: hiervon sind 87 von des Kaisers eigener Hand ghchricben, l.'IO bcm Kaiser eigenhändig unieriferligt. Ein ganz besonders wertvolles Kleinod des Famll'enschatzes ist die To: en m a s k e des Kaisers, die sich im Besitz dc§ kaiserlichen Leibarztes Antom archi befunden ha! und von diesem dem Herzog von Bassano geschenkt worden ist. Ferner sollen sich in diesen: Archiv eigenhändige politische?hus;cichnunö - n Napoleons, unter anderem auch solche über den russischen Feldzug, befinden. Weiters sind die Erinnerungen an Napoleons Sohn, den Herzog von Reichstadt, zu erwähnen, mit dem der Schn Bossa nos eng befreundet war; ferner Briefe des Brnosrs des Kaisers, Jerome Bonaparte, V-cr von Napoleon zum König von Westfalen erhoben'worden, war und, nachdem ihn die Alliierten des Thrones ftir verlustig erklärt hatten, in Oesterreich im Exil lebte. Schwere Katastrophe aus einer elektrische« Lokalbahn. „Corriere. della Sera" berichtet von einem schweren S t r a ß e n b a h n u n g l ü ck in V a r e s e. In einem Zug der elektrischen Lokalbahn versagte d t e B r e m s e, so daß der Zug auf abschüssigem Terrain itn Zentrum der Stadt aus dem Geleise sprang. Die L o k o m o t i v e und drei mit Passagieren vollbesetzte Waggons überschlugen sich buchstäblich bei der Entgleisung. ES gab 5 T o t e und 4 0 V e rletzte. Es spielten sich unbeschreibliche Schreckensszenen ab, da sich das Unglück auf dem H a u p t v l a tz e vor den Augen der Passanten ereignete. Zaruba hatte über Ersuchen der Gräfin Vay freiwillig im Zimmer ihres Sohnes sein Bett aufgeschlagen. Vay hatte sich vor kurzer Zeit aus der Anstalt für zwei Tage entfernt. Die Leitung des Sanatoriums erklärt, es habe keine Veranlassung bestanden, ihn znvückzhalten, da er einerseits aller menschlichen Voraussichtlich noch ungefährlich war und andererseits kein gesetzlicher Grund vorlag, ihn zurückzuhalten, da er als freiwilliger Patient das Recht besaß, ftderzeit -die Anstalt zu verlassen. Der Ob erb ez-irksarzt der BezirkshauPtmannsLaft Hietzing Umgebung, dem die Oberaufsicht über die Heilanstalt obliegt, erklärte unserem Mitarbeiter folgendes: Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Gerüchte in der Oeftntlichkeit aus, daß geistig Gesunde aus verschiedenen Gründen unschädlich gemacht würden, indem man sie in eine private Jrrenansta-lt stecke. Das ist vollkommen ausgeschlossen. Jede derartige Anstalt hat die Verpflichtung, die Ausnahme eines Patienten binnen 24 Stunden der Bezirkshauptmannschast, und falls es sich um zwangsweise Internierung handelt, auch dem zuständigen Bezirksgericht zü melden. Ist letzteres der Fall, erscheint der Gerichtsvorstand mit dem GcrichtSarzte und überzeugt sich persönlich von der Notwendigkeit der Internierung. Hat hingegen der Patient die Hilfe der Heilanstalt frekwiMg in Anspruch genommen, kommt den nächsten Tag der Oberamtsarzt des Bezirkes und vergewissert sich über die näheren Uurstände. Auch wenn später bei einem freiüvillig Eingetretenen die Notwendigkeit einer Internierung sich gibt, muß das Gericht verständigt werden. Die Dementia praecox, an der Vay und seine Brüder leiden, ist eine nach dem heutigen Stand der ärztlichen Wissenschaft leider zumeist urcheilbare Krankheit. Die von ihr Befallenen sind für ihre U-mwelt ungefährlich. Es schien daher »icht notw endig, den jungen Vay in der Abteilung für Gonieingesährliche unterznbringen, um fo mehr, als feine beiden Brüder, die sich feit September 1922 in der Anstatt befinden, auch völlig harmlos sind nnd erfahrungsgemäß die Krankheitsbilder in heriditär belasteten Familien fast immer gleichartig verlaufen. Nach der Ueber- Mrgung des Psychiaters liegt tot diesem Falle lediglich ei« nnglücklicher Zufall vor, für den unter den obwaltenden Umständen nienmnd dritter verantwortlich gemacht iwecken kann.' HM Sanatorium FrieS seien bis jetzt auch keine größeren Unfälle vorgekommen, wenn auch zugegeben werden muß, daß bereits wiederholt Patienten aus der Anstatt dnrchgebrannt sind, was bei der nur zwei Meter hohen Unftassungsiilarler nicht allzu schwierig ist. Die Kranken sind aber regelmäßig nach kurzer Zeit von selbst heimgekehrt. Zu bemerken ist noch, daß Vay einer Malariakur, nach dem System Wagner-Ianreg g unterzogen wurde nnd ihm auch Einspritzungen vov Hovmonaan gemacht wurden. Gin Erfolg der Kur war jedock bis jetzt nicht zu verzeichnen. Lokale Moudesßnstemis. Eine vollständige M'ondesfinsternis, wie sie am 14. dwieder zu beobacht«: sein wird, ist eine ungetnein malerische Himmelserscheinung. Der treue Trabant unserer Erde verschwindet nicht völlig, wenn er in den Kernschatten der Erde eintancht, sonbem bleibt in den herrlichsten Kupsertönen tiefster Dämmerung sichtbar, einem ungeheuren Feueropal vergleichbar, der magisch erstrahlend zwischen den Sternen hängt. DieSmal wird das Schauspiel dadurch noch besonders interessant, daß links vom Mond der M ars seine!: ebenfalls kräftigen roten Glanz aufleuchten läßt, jener Planet, der wenig über eine Woche nach dieser Moudesfiirsternis sich der Erde in diesem Jahrhundert am bedeutendsten nähert. Der Anfang der Verfinsterung um 7 Uhr 30 Minuten mitteleuropäischer Zeit wird dadurch beeinträchtigt, daß der Ntond um diese Zeit noch im Aufgange begriffen ist. In einer Stunde rückt er dann um seinen Durchmesser vorlvärts und ist um 8 Uhr 31 Minute,: schon vollkoinmen im Erdschatten versunkeir. Während dieser zunächst inehr schwärzlich aussah, kommt von nun an: die kupfrige Färbuirg immer deutlicher hervor. Um 9 Uhr 20 Minuten hat die Verdunkelung ihre,: Höhepunkt erreicht, und um 10 Uhr 9 Minuten taucht der linke MondrMd zuerst wieder ans den: Erdschatten hervor. Langsam arbeitet er sich aus den: Schattenbereich heraus, beit er dann um. 11 Uhr 9 Minuten wieder vollständig verläßt. Der Brand in Neutra lokaAliert. Avuira, 6. August. Nach Ueberwinbuug des Wassetlttangeis gelang es, nachts d en Brand derBurg von Neutra zulokalifieren, fo daß flir die weiteren Teile derselben und für die Stadt Neutra keine Gefahr nrehr besteht. Durch den Brand wurde das Dach u u d das zweite Stockwerk der Hauptgebäudes derBurg vernichtet. Das erste Stockwerk wurde gerettet. Auch die bischöfliche Kirche erlitt nicht unerheblichen Schaden.