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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-07 · Heft 1968 (7.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1968 (7.8.1924)
Date
1924-08-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1968 Men, Donner'Slktz Wiener MorgenzeiLung. 7. August 1924 - - - Geile S in 3 eleganten Halbleinenbänden der „Wiener Morgenzeitung*, der die Bezugsgebühr sür 1 Jahr im voraus bezahlt, erhält Außer der JahreSgebühr sind für Versandspesen des „Graetz" noch ö. K. 25.000 z u 44 entrichten Sie letzten Kurse. (Nadiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) Loir-on» 6. August. Börsen! An der heutigen Börse war neuerlich ein lebhaftes Geschäft mit deutscher Anleihe zu verzeichnen. Ein weiteres Steigen ihrer Kurse fand aber nicht statt, weil die Preise übereinstimmend vor dem Ankauf warnte, der als Spekulationsmanöver der Interessenten erklärt wurde. Deutsche 3%{ge Anleihe notierte 31, 87» W erst 24, dann 20, 4°/»ige erst 23, dann 20. Petroleumwerte unregelmäßig, Mittelwerte 'fest. Heimische Anleihe gut. Französiche besser. Ungarische verloren “/«%■ Brasilianer behauptet. Rubber-Aktien steigend, weil das Rohmaterial um 1 Schilling 7< Pence pro Pfund stieg. Teeaktien wieder geftagt. London. 6. August. Wechselkurse r Wien 316,000, Prag 150.75, New-York 4,457,«, Paris 827„ Brüssel 90,877*, Rom 101.877,, Zürich 23,667,, Madrid 88,157„ Amsterd-rn 11,84'/«, Kopenhagen 27,477,, Christiania 32,117„ Stockholm 16,72'/,, HelsingforS 177.50, Berlin 18,60, Bukarest 1000. Metallmarktr Kupfer Standard Kaffa 64,5 bis 64.7.6, dreimonatig 65.5 bis 65,7,6, Elekttolht 68 bis 68,10, Zinn Standard 259,6 bis 259,10, dreimonatig 259,10 bis 259,15, Blei englisches 34, ausländisches 32,16 bis 31,17.6, Messing ausländisches 82,10, Baumwolle: Full Middling 17,70, Terminware 9 bis 17 Punkte höher, August 16,97, September 16,62, Oktober 16,26, Jänner 15,86, März 15,81. 12 Uhr amerikanische 9 bis 21 Punkte höher, August 16,94, September 16,62, Oktober 16,31, Jänner 16.95, März 15,90. Verkauft 4000 Ballen. 13 Uhr 16 Minuten amerikanische 12 bis 14 Punkte höher. August 16,94, September 16.65, Oktober 16,30, Jänner 15,96. März 16,93. Baumwolle Schluß August 16,99, September 16,76, Oktober 16,44, Jänner 16.09, März 16.01. Aegyptische 20 Punkte höher. August 23,95, Oktober 21.20, November 20,70, Dezember 20,35, Jänner 20,40. New-Iork Baumwolle 11 Uhr Oktober 28,55, Dezember 27,91, Jänner 27,97, März 28,02. Oesterreichische Anleihe 90.20, tschechische 96.50, Prager 89,50, Skoda 67,50. Bankverein 8, Bodenkredit 18.6, Central nüning 11, General mining 11,6, DiamondS 17, DebeerS 11,76, Mo Tinto 34,625, Royal Dutch 29, Shell 4.625. Parts, 6. August. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —.—, Pragobanka 410.—, Credit Lyonais 1600, Suez 14,000, Platine 660, Dabrowa 762, Banque Ottomane 775, Central Mining 912/ Rio Tinto 28.46, Le Naphta ruffe 410, Succeried Egypte 1038, Cautschoues sin 150,50, Chartered 60,46, Debeers ordin. 934. Goldfields 79—, HuanchakaS 349, Jägers Fontain 252,—, Malacca ordin. 150,—, Maltzoff 457, Mexiean Eagle 79.-, Padanq 380,-, Rand Fontain 83.—, Randmine 263.—, Silva plana 159,—. Tanganyika 153,60, Tubice soie 625.-. Utah Copper 1535. Shell 331,50, Royal Dutch 24,000, Burmah —, Bakou 25,81. New-BorK» 6. August. Effektenbörse. Atchinson 1057,. Baltimore 63, Canadian Pacific 1497«, Milwaukee 15‘/„ Union Pacific 157„ Royal Dutch 42'/«. Aew-Dork» 6. August. (Radio.) Devisenschlnßkurker Taggeld —.—, Wechsel auf London 4,457„, 60 Taqe- Wechsel 4,427«, Paris 5,477„ Amsterdam 38,56, Prag 2,95'/«, Berlin 287,. Silber "*.il . * —1-i ' .'-"-.-ü .. —U-j sasa Die Lage in Marokko. Die Wiener spanische Gesandtschaft läßt durch die Amtliche Nachrichtenstelle folgende Mitteitung ergehen r Die alarmierenden Nachrichten, welche die ausländische Presse in der letzten Zei überdieLage in d e r s p a n i s ch e n Z o n e v o n Marokko verbreitet hat, haben, obwohl sie jeder Grundlage entbehren, dennoch Rückwirkungen aufdie handelSgeschäftlichen Beziehungen mitMarokko ausüben können. Entgegen den im Ausland verbreiteten Nachrichten ist die S i ch e rheitin der spanischenZonevon Marokko sowohl in geschäftlicher als auch in privater Bez i e h u n g absolut gewahrt, ebenso wie die Lage in T e t u a n jeder Gefahr entbehrt. Die kgl. spanische-Gesandtschaft in Wien bezeichnet alle entgegengesetzten Nachrichten ausdrücklich als falsch und versichert, daß für alle ausländischen Geschäfte und Berbindungenmit Marokko nicht die gering st eUrsache zur Beunruhigung besteht. ___ vom Board of Deputier. -Aus London wird uns geschrieben: In der letzten Tagung des- Board of DePuÄes teilte der Präsident Henviguez mit, daß «der Board an der am 15. September in Stockholm stattfindenden interstaatlichen jüdischen Konferenz teil nehmen 'werde. Weiters wurde auch die Frage der Naturalisation fremder Juden in England behandelt. Das Ministerium des Innern ersuchte nämlich den Board um Informationen über jene fremden Juden, die sich gegenwärtig mn eine Natnralisievung bewerben. Sodann folgten Berichte über die Tätigkeit des Board auf dem Gebiete der Emigration. Dr. Joche!mann griff in schärfster Weise die Tätigkeit des Herrn Lucien Wolfs auf dom Gebiete der jüdischen Flüchtlings frage n an und erklärte, daß es von Seite des Herrn Wo fff u>nverantwortlich sei, wenn er für die Nückbeförderung der russischen Flüchtlinge nach Rußland eintrebe. Eine in diesem Sinne unternommene Aktion müßte geradezu als verbrecherisch bezeichnet werden. Sodann berichtete Goldschulidt über die Intervention des Foreign Eomrnittee in der Frage des N u «m e r u s clausus und teilte mit. daß bereits entsprechende Schritte beim internationalen Schiedsgericht unternomnien wurden. Irr Halenkreuzlertag in Salz! Ausstellung einer vaterländische» Armee. - Sin Weltantisemitentag in W.ui. — die tschechischen Schulen. (Ergendienft der „Wiener Morgenzettung".) Wie schon berichte!, hat letzten Sonntag in Salzburg der Reichsparteitag der Nationalsozialisten itongefnnden. Der demonstrative Aufmarsch ^er bcwassneten Sturm:rnpps aus Wien und den Alpenländern mißglückte vollkommen. Auf dem Parteitag erstimnr der Parierobmanu Schulz den politischen 'Beruht, in welch:a er den Christlichsozialen und Sozialdemokraten die Schuld an dem „schleichenden Bürgerkrieg" in Oesterreich gab. Der Nationalsozialismus.sei eine gegen das I u d e n t u m gerichtete Kampfgruppe, die,sich nicht kaufen lasse. Die Beschlüsse des Parteitages bestätigen zunächst den Hmauswurf Walter RiehlS und seines Freundschaftsbnndcs. Der Vaterländische Schutzbund, die Organisation, die sich in Sipillern und Klosterneuburg bewährt hat, soll zum Kern der künftigen vaterländischen Armee ausgebaut werden. Ein Antrag verlangt die Einleitung einer Volksabstimmung über die Judenfrage, und zwar mit folgendem Inhalt: Die Einreise ausländischer Inden -nach Oesterreich, beziehungsweise der Aufenthalt hier soll auf nur 14 Tage in jedem Kalenderjahr beschränkt werden. Eine Ausnahme darf nur sür protokollierte Kaufleute unter Nachweis der Notwendigkeit gemacht werden. Ausländische Juden können in Oesterreich nur in dem gleichen Maße eingebürgert werden, in dem österreichische Juden im H -erkunftsstaat des Aufnahmswervers eingebürgert wurden. Auch die übrigen Punkte des Antrages laufen auf eine Drosselung der Judeneinwanderung nach Oesterreich hinaus und fordern eine U e b e r p r ü s u n g der bisher e rteilten A use n th alt s bew il l ig n uge n, Einbürgerungen und Optionen. Bei Widersetzlichkeiten wären die betreffenden Juden in Internierungslagern zusammenzufassen und Von Staats wegen zur Arbeit zu verhalten. Den Inden ist weiters das aktive und passive Wahlrechl in die österreichischen Bertretuugskörper zu entziehen und die jüdischen Kinder sind in besonderen jüdischen Schulen zu unterrichten, um sie mit ihrem verderblichen Einfluß von den einheimischen Kindern abzusondern. Weiters wäre die Entstehung gewisser jüdischer Großvermögen in den letzten Jahren eingehend zu überprüfen und die Steuerbehörden haben nach Notwendigkeit Nachsteuern zu verhangen. Weiters sollen durch Volksbegehren bis längstens zum Parteitag 1926 folgende Fragen behandelt werden: ein brauchbares Antiterrorgesetz, der Anschluß Oesterreichs an das Deutsche Reich und die Umänderung des heutigen Wahlrechtes mit gebundenen Listen m ein solches mit freier Streichung und Aenderuug der Listenuamen. Gleichzeitig soll bis spätestens Pfingsten 1926 in Wien ein Äleltantiscmitcntag stattsinden, wozu mit allen antisemitischen Pereinigungen der Welt ein Einvernehmen hergestellt werden soll. Da die Einzelheiten dieses Antrages auf dem Parteitag nicht verhandelt werden konnten, wurden nur die Grundlinien einstimmig genehmigt und die weitere Behandlung der Bundespart-eileitung übertragen. Die Arbeitsmöglichkeiten im Staate sollen für die bodenständige Bevölkerung in erster Linie Vorbehalten werden. Weiters hat die Parteileitung bei der Negierung Schritte zu unternehmen, um die Ueberzahl der tschechischen Schulklassen in Wien auf die im Brunner Vertrag vereinbarte Anzahl zurückzuführen. An den Beratungen nahmen aus Deutschland teil: Ter Borkum-Abgeovdnete Graefe-Goldeben, der Führer der „Reichskriegsftagge" Hauptma'nn Röhm, Hauptmann P r o s ch e, Kapitänleutnant Krüger und Oberstleutnant Ahle mann. Deutsche, kaufet kein Lysol! Die Angst der Hakenkrcuzler. Das in der ganzen Welt bekannte Desinfektionsmittel Lysol ist plötzlich eine jüdische Angelegenheit geworden. Diese Feststellung verdanken wir dem von dem deutschen Hakenkreuzlerabgeorldneten Wulle herausgegebenen „Deutschen Tageblatt". Dort wird erzählt, daß die Fabrik von Schulte u. Mayr in Hamburg, in welcher Lysol erzeugt wird, in den Besitz der amerikanischen Firma Lehn u. Fink übergegangen sei, deren Inhaber Juden seien. Dies veranlaßt nun Herrn WulleS geistvolles Organ zu den: Mffschrei, kein Deutscher möge mehr das amerikanisch-jüdische Lysol kaufen. Dieses D-sinsektionsmittel scheint sich also aus einem den deutschen Jungfrauen bisher so nützlichen plötzlich in ein schädliches verwandelt zu haben. Schließlich weiß Herr Wulle samt seinen Knappen, was sie tun: So ein jüdisches Lysol könnte am Ende, statt desinfizierend zu wirken, eine Infektion verbreiten (mein Gott, warum soll man nicht die Legende von der Brunnenvergiftung answärmen, die man seinerzeit so gern gegen die Juden und, als man es sür die Kriegserklärung brauchte, gegen dir Franzosen auwandte). Aber Herr Wulle kann beruhigt sein: Lysol, auch wenn es jüdisch ist, ist ein sehr harmloses Desinfektionsmittel. Gegen die Gehirnerweichung hilft es nicht. GumVol genraßregett. Berlin, 6. August. Endlich ist es den Rechtsradikalen ge» lungen, eine Handhabe zum Einschreiten gegen den so verhaßten Privatdozenten Gumbel zu finden, der in -einet Reihe von Büchern ein geradezu aufreizend reichhaltiges Material zur Geschichte des Mordverschwörertums gesammelt hat. Er hat auf einer „Nie wieder Krieg"-Veffammlnng in Heidelberg eine pazifistische Rede gehalten. Daraufhin hat die philosophische Fakultät der Heidelberger Universität, ohne Dr. Gumbel angehört zu haben, mit Zustimmung engeren Senats auf Antrag einer Studenten Versammlung sofort ein Verfahren gegen Dr. Gumbel wegen Pflichtverletzung eingeleitet. Das Ministerium untersagte chm bereits am 31. Juli die Ausübung seiner Lehrtätigkeit. Barbusse kann in Deutschland nicht sprechen. Berlin, 6. August. Bei einer von den Liuksratt^ien in Greifswald -unter der Devise „Nie wieder Krieg" veranstalteten Kundgebung, bei der Henry Barbusse sprechen sollte, entstanden heftige Z u s a m m e n st ö ß e mit Rechtsradikalen. Gleich nach den ersten Begrüßungsworten erhoben sich die Rechtsradikalen und sangen außer dem „Deutschlandlied" auch das Lied: „Siegreich wollen wir Frankreich schlage n". Darauf entwickelte sich, als der Franzose G e r m e t das Wort ergriff, eine furchtbare Schlägerei, bei der eine große Anzahl von Personen verletzt wurde. Die Polizei mußte den Saal stürmen. Es gelang ihr erst nach großer Mühe, die Kämpfenden hinauszulre:b''n. Barbusse konnte seine Rede nicht halten und ist noch an: selben Abend ahgereift. 3H Sie Morde der Horthtz-Leute. Das Bewcismaterial über die Ermordung der Redakteure der „Nepszava". Budapest, 6. August. Wie „Az Est" mittest:, hat der Provisorisch aus freien Fuß gesetzte Führer der'ungarischen Republikaner, Emmerich Veer, die in seinem Besitz befindlichen dokumentarischen Beweise und Belege über dir Erm o r du ng der sozialdemokratischen Redakteure S o m o gy i und Bacso dem gewesenen Minister des Innern- Edmund Beniczky zur Verfügung gestellt, der dieses Mtenmaterial -demnächst den kompetenten' Behörden unterbreiten wird. Die Ermordung des Weinhändlers We'Sz in Biezke. - Vor dem Honvedgericht begann heute der Prozeß gegen den Husarenwachtmeister Paul Balogh und den Kadetten Ladislaus Ju h as z vom Detachement Pronay, dir im Jahre 1921 in Bicske den Weinhändler und Grundbesitzer Eugen Weisz und dessen Familienmitglieder schwer mißhandelt und beraubt hatten. Der Weinhändler West; ist sei nur bei dieser Gelegenheit erlittenen Verletzungen kurz darauf erlegen. Am heutigen ersten Verha-ndlnngstage wurde die Witwe des totgaprügelten Weiuhäudlers' Weisz eiuvernommen, die unter anderem angab, daß auch Oberleutnant. Gras Hermann c a l m bei der Mißhandlung ihres Gatten und der Ber mbang der Wohnung zugeigen war. Auch ein anderer Oberleutnant des Detachements Pronay namens S z e n: m i k l o s y nahm an den Ausschreitungen teil. Auch andere Zeugen sagten U' ähnlichem Sinne aus. Daher wurde auf Antrag des Mili-;äiaubttor§ die Verhandlung vertagt, um die Uniersnchung auch auf die anderen Personen ausdchneu zu können. Sie krhslnngsreise der Bundeskanzlers. Wien, 6. August. Gestern abends ist Bundeskanzler Dr. Seipel nach Mehre reau bei Bregenz a b g e r e i st, wo er Gast des Zisterzieuser-StisteS sein wird. In seiner Begleitung befinden sich Sektionsrat Doktor Winnneg und Assistenzarzt Dr. Nyird. Bei der gestern abgehaltenen Beratung der behandelnden Aerzte des Bundeskanzlers wurde ein andauernd g ü nst i g e r Z u st a n d f e st g e st e l l t, so daß die Steife zum Zwecke des Aufenthaltes in kräftiger Luft empfohlen werden konnte. Für die Behandlung der s i ch st e t i g b e s s e r n d e n S t fl y e l st 3 rnng wird weiter i'-r. *••*•••

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