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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-07 · Heft 1968 (7.8.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1968 (7.8.1924)
Date
1924-08-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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em * «Bfeit, VoErStag - Mener MoraenzelLrM^ V. Äugl^si 16§Ä dfa, 1868 NachLorninen britischer Einwanderer in den Kolonien ' Noch immer als Vorbild dient. Dazu kommt noch bei Australien und Neuseeland das Bedürfnis, gegenüber drohenden japanischen Angriffen des Schutzes des Mutterlandes gewiß zu sein. Großbritannien hat einst gegen Rußland in Japan einen Bundesgenossen gesucht und Japans Anwachsen zur Großmacht ermöglicht. Es hat Japan später fallen lassen, da es die Freundschaft Amerikas suchte und führende Kreise in England auf einen Bund der anglo-sächsischen, englisch Senden Völker hoffen. Australien selbst ist^ das n mit seinem ständigen Menfchemibersäwß nächster Kolonisationsgebiet, dessen nördliche, fast unbewohnte Hälfte sich, infolge ihres Klimas zur Besiedlung durch die gelbe Rasse vorzüglich eignet. Doch weisen verschiedene. Anzeichen darau.f hin, daß keine der Machte mit irgendwelcben unmittelbar bevorstehenden Konflikten im Stillen Ozean rechnet. Mer die Lage unter den fünf großen Mächtegruppen ist völlig ungewiß. Eine jede betrachtet die andere mit Mißtrauen. Vor allem sucht eine jede nach "neuen Kalonisatir.osländern. Aber die Erde ist mit verschwindenden Ausnahmen bereits aufgeteilt. Auch die wenigen unabhängigen kleineren Staaten sind wirtschaftlich von einer oder der anderen der Großmächte cckchängig, so zum Beispiel die mitteleuropäischen Staaten von Frankreich, dagegen Holland, Norwegen und Portugal von England. Neues Kolonifationsgebiet, wobei die Kolonisation nicht so sehr im militärischpolitischen wie im wirtschaftlichen Sinne zu verstehen ist, können die Großmächte nur gegenseitig von einander erlangen. Hier liegen Gefahren mancher künftiger Kriege. Gegen sie sucht England die Einheit und Größe seines Reiches zu wahren. Es sucht einigende Bande zu schmieden. Wembley ist ein solches. Teile der britischen Flotte haben in diesem Jahre -alle Häfen des Weltreiches in fünf Erdteilen ausgesucht und so in verborgene und weltabgelegene Punkte das Gefühl des großen Zusamenhanges gebracht. Presse, Schule und Propaganda suchen dieses Gestühl auf ihre Art zu stärken, Im Herbste findet in Südafrika, zum ersten Male auf überseeischem Boden, eine Konferenz der Abordnungen der Parlamente des Weltreiches statt. Kanadier, Australier, Neuseeländer und Engländer werden das ganze Gebiet der südafrikanischen Dominions bereisen und, so soll es in den nächsten Jahren in den anderen Dominions geschehen. - All das, sind Bande der Reichseinheit. Wembley ist sicher eines der wirkungsvollsten darunter. In dieser Hinsicht dürfte die Ausstellung ihren .Zweck erfüllt haben. _ AommuMerwerhaskmgen kl Men. (Eigendirnft der „Wiener Morgenzeitung".) Landen, 8. August, „Daily Heralb" meldet, daß die Polizei in den Räumen der kommunistischen Partei ix ftwtben gestern eine Durchsuchung veranstaltet und nach Beschlagnahme einer groß«: Menge von Flugschriften die Angestellten in Haft behalten habe. Ae kommunistische Agitation in Bulgarien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 6. August. Bor einigen Dagen hat 'hier eine Besprechung kommunistischer Delegierter aus Moskau mit Agitatoren aus Bulgarien und Rumänien stattgefunden, in welcher das Vorgehen für die nächste Zeit St Bulgarien besprochen wurde. Gegen die bulgarischen Truppenvermehrungen. Athen, 5. August. Die angMnldigte griechisch- ^ugo slawische Demarche 'bei den alliierten Regierungen wegen der bulgarischen Truppenvermehrungen ist heute erfolgt. Gewesene Stambulirki-Mnister in 8ugoslawirn. Belgrad, 5. August. Wala.) Die beiden Mitglieder des Kabinetts Stambuliski, der gewesene Präsident des Sobrauje Nedelko A t a n a s o w und -der gewesene Minister des Innern Christo S t i a n o w, die aus dom Zentralgefängnis in Sofia geftvherr sind, sind gestern an der serbisch-bulgarischen Grenze in Zaribrod-eingetroffen. Sie gaben ihre Absicht kund, sich nach Dalmatien zu begeben. London, 6. August. Nach einer den ganzen gestrigen Tag und die Nacht Währenden Durchberatung de's Memorandums der Alliierten hat die deutsche Delegation heute vormittags ihre Bemerkungen Ku den biHerigen BereiMruugen der Konferenz dem Getteraleskretär der Konserenz ^u-sammen mit einem von Marx gezeichneten Handschveiben an Mac Donald als Präsidenten der Londoner Tagung übergeben, in welchem - unter anderem hervorgchoben wird, daß die vorliegendem interalliierten Beschlüsse nach Ansicht der deutschen Delegation den mit der Inkraftsetzung des Sachverstä n d i« genplanes zusammenhängenden Fragenkomplex nicht erschöpfen. Die deutsche Delegation müsse insbesondere entscheidenden Wert darauf legen, die Frage 'der militärischen Räumung der über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete zur Erörterung zu stellen; ferner sei die französische Forderung auf Zuteilung von etwa 2000 französischen und belgischen Eise nbahnbed i'en ste ten für das linksrheinische Eisenbahnnetz mit dem Sachversländigenplan nicht vereinbar. Die Berührung dieser zwei Punkte, die tags vorher Mac Donald a'ls außecha-lib der Konferenz liegend bezeichnet hatte, machte keinen guten Eindruck, sich sofort zeigte, als gegen Mittag die Führer aller Abordnungen der Verbündeten unter Hinzuziehung je eines zweiten Bevollmächtigten und je eines Sachverständigen und im Ski fein des deutschen Reichskanzlers Doktor Marx, des Außenministers Dr. Stre-semann und eines deutschen Sachverständigen im Außenamte zusammentraten!. Namens der deutschen Abordnung gab Reichskanzler Dr. Marx eine allgemeine Darstellung der zuvor schriftlich Übersichten Belmevkumgen. Hieran knüpfte sich keinerlei Besprechung, ausgenommen über die Frage -des emzu-schlagenden Ber- Paffe in Spstofftion. '. :•]. 6. August. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad: .In -der gestrigen Sitzung des radikalen Klubs wurde der gewesene Ministerpräsident Pa sic einstimmig zum Präsidenten des Klubs gewählt. Hierauf folgte eine ausführliche Debatte über die Politik der radikalen ’ Partei, über' die Wahl des Skupschtinapräsidiums und über die Taktik der Partei. Es wurde beschlossen, daß das -bisherige Präsidium der Skupschtina, das in den Händen der Radikalen lag, demissionieren solle. De Wahl Pasic' zum Präsidenten bedeutet die schärfste Opposition der. Partei gegen die neue Regierung. Die Regierungserklärung. Heute wurde die außerordentliche Session der Skupschtina eröffnet. Ministerpräsident Davids v i c verlas 'die R e g i e r u n g s e r k l ä r u n g, in der besonders 'betont wird, daß die neue Regierung an'dem Parlamentarismus unverbrüchlich fefthalte. In bezug auf Ae elften Schritte der Deutschen in London. Ungünstiger kindruck. - Sie Besprechungen des Rates der Vierzehn. (Eigendteust der „Wiener Morgenzeiümg".) mevkungen an jeden der interessierten Ausschüsse zur Prüfung zu verweisen. Herriot und die übrigen Delegierten sprachen sich dagege«! auS und ersuchten die Deutschen,' zunächst die deutschen Schriftstücke zur Kenntnis nehmen zu dürfe»!, da sie noch nicht Zeit gehabt hätten, dieselben zu lesen. ES wu-rd: also beschlossen, daß ein Sitzung zwischen Delegierten der Verbündeten und deutschen Delegierten um 9 Uhr abends im Unterhause stattsinden soll, an der für jede Delegation zwei Mitglieder und ei« Sachverständiger teil« nehnwn werden. Die in dem Schreiben der deutschen Delegatio;' behandelten Fragen werden gegenwärtig von dem großen Vierzehner-Rat erörtert, -der eine Art ad Hoc-Ovganifation zu fein scheint, die aus zwei Mitgliedern der mit solchen Fragen befaßten Mächte besteht. Dieser Rat der Vierzehn wird die von der Konferenz nicht bchaudekten Fragen erörtern; er ist als außerhalb der Konferenz stehend KN betrachten. Die Domerkungen des deutschen Memorandums sollen bis auf weiteres im Wortlaut nicht veröffentlicht werden. Die erste o s s i z i e l le S i tz u n g mit den deutschen Delegierten soll morgen nachmittags stattsinden. Dr. Schacht wieder in London. Berlin, 8. August. Wie die Blätter melden, ist Reichsbankpräsident Dr. Schacht in London angekommen. Anleihen für die deutsche Industrie. New-Aork, 6. August. (Funkspruck.) Zahlrr.che Bankiers äußerten die Ansicht, die Auflegung der Hälfte der im Dawes-Plan vorgesehenen Anleihe hierzulande bedeute nur die Einleitung des amerikanischen Programms für die finanzielle Unterstützung Deutschlands. Das Inkrafttreten des DaweS-Planes werde weitere Kredite und Anleihen für die deutsche Geschäftswelt zeitigen. Einzelne Bankiers leiten bereits Dollarkredite für verschiedene Industrien ein, unter andeven den ViermiMnendollavkrsdvt für die Zuckerindustrie. Die Voruntersuchung, die sich äußerst schwierig gestaltet^ hat ergeben, daß Pogonyi nach ss'mer Rückkehr aus der russischen KoiegSgefangenschaft in Berlin!, Wien noch Düsseldorf im Interesse der Moskauer Internationale tätig war. M Jounnal-ist in Erlau stand «k in Korrespyardenz mit der Sekretärin Bela Kunin, MMm. Ws Grund dieses Tatbestandes wird tote Anklage gegen Pogonyi wegen des versuchten UmstU-rze's der Staats- und GBellfchaftsordnung erhoben. Der Beschluß des MutersuchuugKvichterS auf Erhebung der Anklage wich unter anderem auch damit ^begründet, daß' zwischen Ungarn und Sowjetvußland inimer noch .ber Kriegszustand besteht, weil der Friedensvertvatz von Trianon auf Rußland nicht bezug nimmt und der Friede von Brest-LitowE in Ungarn keine Gesetzeskraft erlangt hat. Pogonyi .beteuert te Gefängnis unMässig seine U nschuld und hat neuerlich wieder ein Gesuch evngereicht. daß man -ihn auf freien Fuß setzen möge. Keine Amnestie für die Kronenkonteminmre. Budapest, 8. August. Dar Ung. Tel.-Korr.-Burecm wird von zuständiger Stelle zu der Erklärung ermächtigt, daß die Zeitungsnachrichten, wonach im Finanzministerium eine A mnestieverorduung i» Borbereitung wäre, wodurch allen Personen, die die Kronendevalvation gefördert haben, Straflosigkeit zugesichert wurde, der Wahrheit nicht entsprechen. Das Straf- und UebertretungSverfahren in Fällen von Kronenansbietnng, Valutenspekulalion und Wechselschmuggel wird durchgeführt und eine Amnestie i st k e i n e 8 w e g s beabsichtigt. _— Gelehrtenimstansch zwischen Frantteich Md der Lschecho-Slowalei. (Eigendienst der ,/Wiener Morgenzeitung".) Prag, 6. August. Die ftanzösische uud die tschecho-slowakische Negierung haben ein Abkommen über die kulturelle Zusammenarbeit beider Staaten im Bereiche der, Literatur, der W i s s e n s ch a f t und des Schulw e s e n 8 unterschrieben. Zwischen beiden Staaten soll ein regelrechter- Austausch von Hochschulprofessorenaber auch von G e l e h r t e n, die nicht im Schulwesen tätig sind, organisiert werden. Den tschecho-slowakischen und französischen Studierenden soll er ermöglicht werden, a k a d e m i s ch e Gradeinbeiden Staate n zu erlangen. Snowden schlug vor, die deutschen die innere Politik würde sie trachten, eine allgeineine Verbrüderung der Serben, Kroaten und Slowenen zustande zu bringen. Sie Werde ebne srieWche Jnnenpolit.il betreiben unddie «innere KonsMdiernug «des Staates auf Gru-nd des gegenseitigen Einverständni s s e s der drei Nationen anistveben. / Bezüglich der Außenpolitik werde die neue Regierung die Hauptlrnien der P o l i t ik d e r alten Regierung beibehalten. Sie werde das freundschaftliche Vechälinis zu den Nachbarstaaten kräftigen und sich auf den Standpunkt stellen, daß ^der Balkan den Balkanv ölkern gchöre. Sie werde bestrebt sein, das .bisherige brüderliche Verhältnis zur Tschecho- Slowakei und gu den 'anderen Staaten der kleinen Entente anftechtzaerhätten. In bezug ans die allgemeine europäische Politik wer.de sich die neu« Regierung den allgemeinen RickMnien der Mae Donaldschen und Herriotschen Europapolitik an schließen und mit 'den westlichen Demo:kratien zusam'meuarbeiten. Am halb 11 Uhr wurde die Sitzung geschlossen und auf morgen vertagt, wo die Debatte über die Regierungsevklärnng eröffnet werden wird. Bei der Verlesu-ng der Re-gierungseMärung kam es zu einem Zwischenfall. Der dsmolkratische Abgeordn«rte Wildner von der Pribicevic-PaM rief: ,/Tas ist die D e k l a r a t i o n d e s R a d i c!" und ävarf ein Bündel Tvucksorten, die den Text des angeblichen Telegrammes enthielten, das Radic am 6. August 1914 anläßlich der KriegHerklärung an Kaiser Franz Josef gerichtet hat, in den Saal. Polnische Beamte in Rußland verhaftet. Warschart, 6. Augu«st. (P. T. A.) In St. Petersburg wurde der Sachverständige der polnischen Delegation bei der gemischten Kolmmission, Prof. S o ch a n ie iw i c z, und der Beamte dieser Delegation Stanislawski verhaftet. Minister ites Aeu.ßern Skrzynski hat von dem Vertreter der Sowsetregierung in Warschau kategorisch ihre unverzügliche Freilassung gefordert. Zer anßrnpoMsche Beirat in Polen. (Eigendienst der ,Miener Morgenzeitung".) Warschau, 5. August. Für die Zeit der Sounuerferiert des Sejm, die soeben begonnen baben, wurde eine Subkommission für äußert' Angelegenheiten eingesetzt, die im engsten Kontakt mit dem Außenministerium arbeiten soll. In diese Kommission sollen nur die fünf polnischen Klubs ihre Vertreter entsenden, die Klubs der nationalen Wttnderheiten sind in dem Beirat nicht vertreten. Kriegrznftand zwischen Ungarn und Sawiet rußland. Budapest, 6. August. . (Tel.-Kemp.) Der Unter suchuugsrichter hat die Einleitung des Strafverfahrens geg-cn dep Erl au er Journalisten Anton Pogonyii ver fügt, der vor einigen Monaten in Erlau unter fee.nt Ver drülM Lmnm ' ischer Propaganda verhaftet worden M Rücktritt Dr. Aases Lnrier. Jerusalem, 6. August. (I. T. A.) Dr. Josef L u r i e, der Direktor des Untervichtsdepavtemeut's -der Ziouistischen Organisation in Palästina., hat infoisge der H e r a bsetzung des Erzie'hungsi'budgets seiteiss des Wttonskomitees sein Amt n ie d e r g e! e g t. Das PaläftiUettsische Unterrichtsbudget, das auf dev Londoner Tagung des WtionRmnite.es angenoiir.u-m wurde, beträgt 63.000 Pfund gegen 100.000, beziehungsweise 76.000 Pfund in den letzten zwei Jahren.

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