Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1968 (7.8.1924)
- Date
- 1924-08-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Fahrgans m enamm=riimfme Mmog krMreiche Bsmdigung der evilffch rMcheu Konferem. — Abschluß eines Handels- und allgemeinen Vertrages. — An »euer krfsls der Regiemng Mar Donald. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 6. August. Die Regierung Mae Donald hat ihrem ersten großen außenpolitischen Erfolg, der Londoner Konferenz zur Siegelung des deutschen Problems, einen zweiten, nicht minder wichtigen Erfolg zur Seite stellen tonnen. Heute erklärte Unterstaatssekretär des Aeuhern Ponsonby im Unterhaus, um halb 4 Uhr nachmittags sei es endlich zu einer Vereinbarung mit den Sowjetdelegierten gekommen, und es fei ein Handels- und allgemeiner Vertrag abgeschloffen worden. Die Verträge würden dem Unttthause vorgelegt werden, damit es seine Ansicht äußern Tonnte. Der Handelsvertrag berücksichtige das von der Sowjetunion gehandhabte Au tz e n h andel smo nopol. England gewähre gewissen Handelsvertretungen die.gegeWWHtz stehenden Bureaus. Damit ist - die feit Wochen Wende e n g li f ch - r n f s i s H e H o n fe r e n z, welche sich an die formale Anerkennung' der Sowjetregierung durch England schloß, zu einem erfolgreichen Abschluß gekommen. Oft und oft drohte der Faden der Verhandlungen zu reißen, und ebenso oft sagte man ein völlges Scheitern dieser Konferenz voraus. Erst gestern hieß es, daß die Konferenz resultatlos abgebrochen worden sei. In der Frage der Gewährung von Garantien hätten sich starke Meinungsverschiedenheiten ergeben, da die englische Delegation forderte, daß vor Gewährung solcher Garantien ein Spezialvertrag abgeschlossen werden' solle, der alle Verpflichtungen der Sowjetregierung, vor allem bezüglich der Entschädigung für d a s n a t i o n a l isierteEigentum, festsetzen müsse und die unbedingte Befriedigung aller rechtmäßigen Ansprüche der Engländer beinhalten solle. Die Sowjetvertreter hatten sich zu einer solchen Anerkennung der Verpflichtung Rußlands zur Entschädigung an die englischen Staatsbürger nicht entschließen können und machten die schon von früher bekannte Geste des verhandlungsavbrucheS, den sie rasch durch ihre Presseagenturen verbreiten ließen. Sie scheinen sich aber ebenso rasch die Tragweite solcher politischer Schauspielerei vor Augen gehalten zu haben, und bereits g e st e r n abends wurden die Verhandlungen wieder ausgenommen. Die Sitzung wurde heute fortgesetzt. An ihr nahmen Ponsönby und der Führer der russischen Delegation RäkywSki teil. Nun ist endlich der wirtschaftliche und der allgemeine Vertrag zwischen England und RvMnd unterDachnydFach gebracht.>Die Bedeutung.»diPr TatfäW 'sW die Ordnung Europas . ‘y/; ist außerordentlich. Rußland anerkennt die Vorkriegsfchulden. lieber den -oben erwähnten strittigen Punkt kam d'e Verer n'bavnng dahin zustande, daß Rußland die Borkriegsschulden, EntschädigunjgAverpflichtun>gen ■ und alle Forderungen gruundsätzlich ame-rte nn twogegen die brit-sche Negierung die Anleihe zugunsten Rußlands garantieren wird, während die Zinsen und Amortisationen für die ersten drei Jahve von vorne-herein in England deponiert werden -müssen. Die Anleihe besteht nicht aus Bargeld, sondern größtenteils aus Warenlieferungen, die auf Grund des Gesetzes zur Erleichterung des Haudei^verkchrZ efsektuiert werden. - Die Rüstungen auf dem Balkan. Erklärungen des engNschen Untevstaatssekrretärs. London, 6. August. (M-suier.) Unterstaatssekretär für Aeußeres P o n s o n b y erklärte, es fei wohl wahr, -aß in Großbritannien Bestellungen für die Lieferung von Kriegsmaterial nach dem Balkan erteilt worden seien. Diese Bestellungen seien jedoch nicht geeignet, beunruhigende Auslegungen zu rechtfertigen. Die Lage auf dem Balkan sei zwar gegenwärtig gespannt, aber die britische Regierung überwache die Situation und werde ihre guten Dienste zur Verfügung stellen, um ein billiges Einvernehmen für alle Schwierigkeiten,, die sich ergeben könnten, zu ermöglichen. Iie polnische Kriegrhafenvnlerhe. (Eigendienst der ,Miener Morgenzeitung".) , Berlin, 6. August. Der polnisch- -fr a n z ö s if che V ertrag über den -Ausbau von Gdin g e >n ist. nach längeren Verhandlungen gestern in Danzig abgeschloffen worden. Dom Vertrage gemäß, müssen die Bauten sofort begonnen und bis zur Fertigstellung des Hafens im Jahre 1930 ohne' Unterbrechung fortgesetzt werden, Die Kosten, sollen der. VoranWa-gung. gemäß 50 M i l l i o -n e n Z l o t y übersteigen. Der polnische Staat verpflichtet sich, die Anleihe in sieben Raten zu amortisieren, ferner hat Polen noch einen Zusatzvertrag mit-der "beikauut-eu Firma S chm c i d e r - C r e u z -ot - über eine weitere Anleihe von 15 Mi llio neu Zloty abgeschlossen, die gleichfalls zum Ausbau des Hafens benützt werden sollen. Minister' Grabski hofft durch ■ die Hafenbau ten die Arbeitslosigkeit mildern zu können, Die Bertretnng Frankreichs im Völkerbund. (Eigendienft der >,Wiener Morgenzeitung".) Genf, 6. August. Nach einer verbürgten Nachricht bereitet Herriot eine bedeutende Persanalver änderung in der französischen Delegation des Völkerbundes vor. Leon Bourgeois und de Juvenel verbleiben weiter, dagegen werden Hamataux, Barthelemy und Senator Reynolt, die dem nationalen Block an gehören, durch Angehörige der Linken ersetzt werden. Gandhi in knroya. (Eigendienst bei Miener Morgenzeitüng".) Berlin, 6. August. Der Führer der indischen Natro- Misten G a n d h i, der jetzt eine Enropaveife untermm-nit, ist auf dem Wege van Bozen in Südtirol nach Ber I.t n, wo er eine Woche zu bleiben gedenkt, um dann nach London wei-terzureisen. _ Sk russisch-polnische GÄzreguliernag. Warschau, 6. August. (P. T. A.) In Moskau-ist das Protokoll über die r u s s i s ch - p o l n i f ch e Wr e nzr e g u l i e r u n g ü n tze r z e i ch n e t worden. Grosser in allen. Abteilungen des Warenhauses Los Wembley aus gesehen. 1. L o n d o n, im August. Vor mehr als siebzig Jahren hat in London ein« Weltausstellung stattgefunden. Der damalige Prinzgemahl eröffnete sie mit Worten der Hoffnung aus einen kommenden Frieden unter allen Völkern. Alle Nationen waren vertreten. Anders ist es bei der diesjährigen großen Ausstellung in Wembley. Nur die Völker und Teile des britischen Reiches haben Vertreter und Erzeugnisse gesandt. Die Ausstellung' dient dem Zwecke, die Größe und die- Einheit des britischen Reiches zu zeigen, sie zu festigen und zu stärken. Das britische Reich nach dem Kriege fühlt die Notwendigkeit einer Heerschau. Vor dem Weltkriege war seine Uebermacht unangezweifelt. Am Ausgang des Krieges sah es seine zwei größten Rivalen Deutschland und Rußland besiegt und aus dem Wettbewerb ausgeschieden.. Aber Rußland beginnt seine alte asiatische Politik wieder auszunehmen und durch die agitatorische Kraft seiner sozialistischen Idee zu verstärken. Aber neben Rußland treten Japan, einst sein Gegner und vielleicht einmal sein Verbündeter, und Amerika, das heute Rußland und Japan feindlich gegenübersteht, dem ersteren als Hüter und strengster Hort deS Kapitalismus, dem anderen aus Gründen der Rassen- .feindschast. An Stelle Deutschlands aber ist Frankreich getreten, das heute ein zusammenhängendes Gchiet vom Rhein bis zum Kongo besitzt. Fruchtbar-und gr-beitsam, reich an Industrie, weist Ps daneben - heute.- die - größte metaM , auf. Es hat. eijye - ausafrikanischen Reserven genährte starke Arme- undin Mittel- und Osteuropa eine Reihe Vafastenstaaten, die es gegen Rußland und Deutschland schützen,:-deren Rüstungen es kommandiert und deren Armeen es durch seine Offiziere aus'bildet. Diesen vier großen Mächtegruppen gegenüber hat das Britische Reich den Nachteil, daß sein Gebiet nicht zufamenhängend ist, wie das aller anderen. Doch ist diese Zerstreuung auch ein Vorteil; denn gerade sie er? möglicht ihm die Herrschaft über die Meere. Andererseits aber ist ein nicht zusamelchängendes Reich von solcher Größe leichter zersetzenden Einflüssen ausgesetzt. Daß es noch immer von großer Festigkeit ist, beweist ein nicht immer genügend gewürdigter Umstand. Vor dem Kriege war die Londoner City der Mittelpunkt des Finanzlebens aller Erdteile. Beim Ende des Krieges, hätte man geglaubt, der finanzielle Schwerpunkt der .Erde werde nun an die NÄv-Aorcker Wallstreet verlegt werden. Dies ist nicht geschehend Die City hat sich vorläuftg als stärker erwiesen. Sie ist noch.immer der Ort, an dem die meisten Anleihen gezeichnet werden. Vor dem Kriege hatten die britischen Dominions und Kolonien Rohstoffe geliefert und von England ihre Jndustrieprodukte bezogen, zuerst Baumwollwaren aus Manchester, später Stahl und Maschinen aus Birmingham. Dies hat sich während des Krieges geändert. Die Dominions haben selbst Industrien gegründet und sind heute auf dem Wege, sich wirtschaftlich möglichst unabhängig vom Mutterland zu machen, Aus dem Bestreben, die Reichs'einheit doch irgendwie wirtschaftlich festzuhalten, entspringt der von der konservaüven Partei gefaßte Plan, .das ganze Reichsgebiet zu einer autarktischen wirtschaftlichen Zollunion zu gestalten. Tatsächlich find auch England und die Kolonien reich an allen Rohstoffen und industriell hoch organisiert. Aber die Dominions suchen immer mehr ihre -Unabhängigkeit zu betonen, und zwar.nicht 'nur auf dem Gebiete der Wirtschaft (auf' dem Gebiete. der inneren Verwaltung sind 'sie schon länge völlig autonom), sondern auch auf dem Gebiete der äußeren -Politik. Das Mutterland gibt ihnen hier immer weitere Freiheit/ Schon wird vermieden, von dem britischen Reich zu sprechen. Man spricht von dem Bunde 'der britischen' Nationen. Was noch auf Jahrzehnte Las gemeinsame Band bilden wird, ist -das Vorbild englischer Kultur, ist der Umstand, daß das englische, Leben den II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1-79 En gros En clnkall 8621