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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-06 · Heft 1967 (6.8.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1967 (6.8.1924)
Date
1924-08-06
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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SBfctf« Morgenzeikung. Sit. 1867 Alle Arten von Kommandlte der Kroatischen Eskomptabank,Agram KredtTuna Bankgeschäften Mtzn., |, $@gf 26^8$56 4 "SSEßKS" Warengeschäfte Telephone: 60-4-02, 60-4*93, 63-4-85, 64-4*42, 68-4-78, 69*4-82 10405 Telegrammadresse, ~ Beste 3_Men, MMoH_ Rose Gilbert verunglückt. Aus New-York wird uns berichtet: Im jugendlichen Alter von 21 Jahren ist die Schauspielerin Rose Silbert, die erst vor kurzem den Theater- Manager Oskar Grün geheiratet hatte, das Todesopfer eines Unglücksfalles geworden. Rose Silbert und ihr Gatte benützten zur Reife von Boston nach New-York das Schiff „Boston", das bei Long-Jsland-Sund mit einem anderen Schiff karambolierte. Bei diesem Zusammenstoß kam Rose Silbert umS Leben; ihr Gatte wurde verletzt. Die auf so tragische Weise umgekommene jüdische Schauspielerin, die einer Schauspielerfamilte entstammte und von frühester Kindheit an auf den Brettern stand, war eine Hoffnung des New-Iorker jüdischen Theaters. Professor Hörwarter 70 Jahre alt. Im 11. d. begeht der Professor an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, Josef Eugen Hörwarter, einer der wertvollsten Künstler Wims, in Bad Gaste in in voller Gesundheit und aus dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft seinen 70. Geburtstag. Er ist ein Schüler Äaufbergers und Eisenmengers und begann in jungen Jahren sein'. Lehrtätigkeit an der Wiener Kunstgowerbchchnle, wuvde Leiter der allgemeinen Zeichenschule und dann Professor an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt. Hörwarter ist auch als Porträtist, Landschafts- und Genromaleo sehr beliebt. Besonders seine StiMeben haben Anerkennung gefunden. Im LaNfe seiner lah^elaugen Lehrtätigkeit hat ein großer Teil bedeutender Wiener Künstler zu seinen Schülern gezählt, unter anderen Jane'ich, Jungwirth, Hoihenberger, Kruiß, Aiatsch, May, Puchinger. Roika, Roux, Schaffer und Schattenstein. Budapester Theaterexport. Die Budapester Dramatiker sind flink und tüchtig und die Budapester Stars nehmen nicht gewöhnliche Mühe auf sich, um den Werken ihrer Meister den Weltrekord zu sichern. Sary Fedak unternimmt es jetzt. Lengyels „Antonia" in yjcht weniger als vier Sprachen und zwei Erdteilen zu spielen. In ihrer Muttersprache, aber daneben in Wien in deutscher, in Amerika in englischer und in Paris in französis cher Sprache. Der Dichter und Verleger dürfen mit der Fedak zufrieden sein und haben alle Ursache, ihre Sprachstudienaufs eifrigste zu fördern. Kleine Kuustnachrichten. Der Berliner E u p H orlion-Berlag bereitet gemeinsam mit Paul Graupe eine Graphikausstellung von Toulouse-Lautrec, dem berühmten französischen Maler, vor. — Einer der wenigen Künstler, die das Erlebnis des Krieges künstlerisch gestalten konnten, ist Otto D i x. früher hat bereits ein großes Sch ütz e n gra b en b i ld von ihm Aufsehen erregt. Nun wird im Dresdner Kunstgewerbemuseum ein weiteres Merk von chm, „Der Krieg", ausgestellt. Serichtssaal. ein Mädchen ohrfeigt den Verführer bei Gericht Ter zwanzigjährige Beamte K. lernte imJah^e 1922 die damals 16jährige S. T. kennen. Nach einigen Monaten entspann sich zwischen den beiden ein Liebesverhältnis, das nrcht ohne Folgen blieb. Nach einem höchst schwierigen Paternitätsprozeß mußte der junge Mann mit gerichtlichem Urteil die Vaterschaft an dem Kinde anerkennen. Gestern hatte.er.sich vor dem Strafbezirksgerichte wegen Verführung unter der Zusage der Ehe zu verantworten. Er gab zu, das damals noch unschuldige Mädchen verführt zu haben, bestritt jedoch, daß er ihr die Ehe versprochen habe. Auch habe er Grund, anzunehmen, daß das Mädchen keinen ganz einwandfreien Lebenswandel geführt habe. Der Richter sprach den Angeklagten von der Anklage der Verführung unter Zusage der Ehe frei, bemerkte jedoch in der Urteilsbegründung, daß die Handlungsweise des Angeklagten in höchstem Grade unanständig und verwerflich sei. „Sie haben", sagte der Richter, „in einer ganz unerhörten Weise, die geradezu ehrlos zu nenueu ist, ein junges Mädchen verführt." Weinend entfernte sich die Urivatbeteiligte aus dem Verhandlungssaale und, als der' sreigesprochene Verführer auf dem Korridor an ihr vorbeiging, versetzte sie ihm unter Zurufen: „Da hast du, du ehrloser Schuft! Du gemeiner Verführer!" zwei kräftige Ohrfeigen und brach dann vor Aufregung zusammen, so daß sie gelaöc werden mußte. ein monarchistischer Narr. Der monarchistische Agitator Stüphan Padajannigg, der unter dem hochtrabenden Titel eines „Kabinettsdirektors" in Kaffee- und Gasthäusern mit Ansichtskarten, die das Bildnis des Kaisers Otto zeigen, hausieren geht und durch feine geräuschvolle Art überall Aergernis erregt, wurde gestern einem Berufungssenat unter dem Vorsitz des HofrateS Mafchke auS dem Jnquisitenfpital dorge>führt. Der hälbgelähmte Krüppel kann sich nur mühsam auf zwei Krücken aufrechchalten. Er wurde vom Bezirksgericht zu 100.900 K. Geldstrafe verurteilt, weil er bei einer Gerichtsverhandlung wüste Beleidigungen gegen den Nationalrat unfodie Richterschaft ausgestoßen hatte, er bezeichnete sie als Rebellen, die ihren Eid gebrochen haben. In Anbetracht des gebrechlichen Zustandes Padajauniggs hatte der Richter das außerordentliche Milderungsrecht angewendet, wogegen die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte Berufung eingelegt hatten. Bei der Verhandlung benahm sich der Angeklagte sehr selbstbewußt und erklärte, die von ihm gebrauchten Aeußerungen, die als Amtsehrenbeleidigung und Beleidigung der gesetzgebenden Körperschaft mkriminiert wurden, vollinhaltlich aufrechtzuerhalten. Der Senat gab der Berufung der Staatsanwaltschaft wegen zu geringer Bestrafung F o l g e und erhöhte die Strafe aus fünf Tage strengen Arrests. Ein Milchfchwindel. Der Hausbesitzer und Milchhändler Peter Geher hat wochenlang nichtpasteüriisierte Milch als pasteurisierte Milch verkauft und dabei einen unverhältnismäßig hohen Gewinn erzielt, denn er hat anstatt des Preises der von ihn verkauften Frischmilch pro 4760. K. 5060 K. verlangt urtd erhalten. Geyer, der Pferd und Wagen besitzt, aus den er die Milch verführt, wurde dom Bezirksgericht vor kurzem zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Kronen verurteilt. Als mildernd nahm der Richter das Geständnis an, „denn sonst", sagte der Richter, „hätte ich Sie wchl zu einer Arreftstra.se verurteilt". Volkswirt. Sie Gefahr der Auswirkung der Finanzkrise. Der 18. Monatsbericht des GeneralkommifsärS. — Wunsch nach Herabsetzung der Geldumsatzsteuer. Gestern wurde der 18. Monatsbericht des GeneralkommifsärS deS BölkerbuMS, Dr. Zimmerman, veröffentlicht, welcher die Zeit vom 16. Mai bis 15. Juni umfaßt. In diesem Bericht wird auf die Genfer Verhandlungen Bezug genommen und erklärt, paß die Kontrolle so lange dauern werde, bis der Piilkerbundr at die dauernd gesicherte Stabilisierung der österreichischen Finanzen fest ge stellt haben wird. Mit anderen Morten, es wird zugrZeben, daß die Kontrolle nicht am Ende dieses Jahr aufhören wird, sondern erst dann, wenn tatsächlich das stabile Budget fchgrstellt svm wird. Die in Genf für August beschlossene Konferenz in Wien dürfte in dieser Hinsicht entscheidende Beschlüsse fassen. Der Generalkommissär stellt mit Befriedigung die beträchtliche Verminderung des Defizits der Bundesbahnen und der Süwahn fest, wodurch das Dudgetdefizit eine kleinere Hohe erreichte, als cs sonst der Fall gewesen wäre. Es wird festgcstellt, daß von der im Genfer Protokoll festgesetzten Zahl von 100.000 Beamten bisher nur 67.109 obgebaut wurdet. Eine längere Ausführung wird den Einnahmen aus dem Tabaksgefälle gewidmet und dabei der Beweis geführt, daß d'« indirekten Einnahmen in einem im Sanierungszustand bestndlichen Lande größere Bedeutung haben als die Einnahmen aus den direkten Steuern. C8 scheint, daß der Generastommissär darauf auch feine Vorschläge > für die weitere Sanierung aufbaut. Dieselben sollen darauf beruhen, daß weiterhin das Schwergewicht auf die indirekten Einnahmen gelegt wird. lieber die wirtschaftliche Lage äußert sich der Bericht verhältnismäßig befriedigend. Cs wird festgestellt, daß sich die Handelsbilanz gebessert habe und daß die Bauarbeiten trotz der Krise den einzelnen Produktionszweigen einen kräftigen Impuls gegeben haben, Dennoch wird nicht die Gefahr geleugnet, die daraus erwachsen kann, daß die finanziell Krise sich auch pus die wirtschaftliche E. Wicklung auswirken könne, namentlich insoiferne die UWnügenden Geldverhältnisl'e hier ihre Wirkung ausüben können. Andererseits glaubt Dr. Zimmerman, daß die Dörsenkrise auch günstige Folgen für die Industrie haben lönne, indem nunmehr die Spekulation, welche bisher große Geldmittel in Anspruch genommen hat, lahmgelegt sei und die freiwerdenden Geldmittel der Produktipn zugeführt werden könnten. Es wird als notwendig angenommen, daß die Industrie billige Kredite erhält, damit sie weiter produzieren könne, und dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß nichts vernachlässigt werde, was die Spannung zwischen dem Kredit und Debetzinsfuß vermindern könnte. Dcibei gibt der Generalkommissär der Ansicht Ausdruck, daß die Steuern, tvelche zur Verteuerung des Geldes beitragen muffen, herabgesetzt werden müssen, um die Interessen der Staatsfinanzen mit denen der Volkswirtschaft in Einklang zu bringen. Her Zusammenbruch der Kaufmännische» Bank. Line Versammlung der Einleger. Gestern fand iw Saale der Bezirksvertretung de8 neunten BeMes eine Versammlung der Einleger und kleinen Gläubiger der Ocherre'ichischen Kaufmännischen Bank statt, welch« vom VeMnd der Sparer und Kleirentner Oesterreichs einberufen worden war. In der Versammlung, die sehr gut besucht war, wurden wiederholt Ausrufe gegen die Leitung der verkrachten Bank laut. Der Referent berichtete, daß es bis jetzt nicht möglich war, einen Status des Vermögens der Bank auszustellen, doch sei nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung gewiß, daß die Bank tatsächlich passiv sei. Die Ueberschpldung der Bank sei auf die leichtfertig.e Gewahruvg von Krediten ohne genügende Unterlage zürückzuführen. Der Redner wies auf den Zusammenbruch von mehreren Banken in der letzten Zeit hin und bemerkte, es sei Sache der Gläubiger der Bank, wenigstens in diesem Falle zu verhindern, daß das noch vorhandene V^mögen durch „Sanierungen" verschleppt iverde. Schließlich wurde 'folgende Resolution angenommen: ■ x. Die Versammlung bevollmächtigt den Verband der Sparer und Kleinrentner Oesterreichs zur Vertretung der Interessen der Einleger und kleinen Gläubiger. Die Einleger werden ailfgefovdert, binnen acht Tagen ihre Forderungen beim obgeMinten Verband anzumelden. Der Verband wird weiters ersucht, beim Handelsgericht sofort die nötigen Schritte zu unternehmen, damit über die Kaufmännische Bank das Konkursverfahren oder das Ausgleichsverfahren verhängt wird, falls die Sanierung der Bank binnen drei Togen nicht so weit gediehen sein sollte, daß an ihren Schaltern die Einlagen zurüüibezahlt würden. Der Verbaud habe dafür: Sorge zu tragen, daß bis zur Befriedigung der Einleger und Gläubiger jede VermögenSverfchleppung hintängchalten werde, damit eS zu keiner Verringerung der Befriedigungsquote komme. * Die Sauierungsverfuche der Oesterreichischen Kaufmännischen Bank. Di« AuSgleichSverhaMungen der Oesterreichischen K a u f m ä n n is ch e n B a n! und der 'Zentralbank der deutschen Sparkassen stoßen infolge Unstimmigkeiten über den Status der Bank auf unüberwindliche Schwierigkeiten, da die Passiven nach genauer Aufstellung bedeutend höher find, als sie seinerzeit beim Zusammenbruch von der Kausmännischey» Bank angegeben wurden. Der Leiter der Verhandlung, Präsident Schallaböck, ist erkrankt, was ebenfalls zu einer Erschwerung der Verhandlungen führt. Die G e k a w e hat deswegen die Absicht, allein ein Separatabkommen mit ihren Gläubigern zu treffen und dürfte eine 70prozentige Quote im Ausgleichsverfahren anbieten. Für den Fall, daß die G e k a w e ohne Rücksicht auf die Kaufmännische Bank ihre Absicht auS'führt, hat die Kaufmännische Bank ihre bedeutendste Stütze verloren. Me vielen Begünstigungen, die der Kaufmännischen Bank infolge des engen Zusammenschlusses mit der Gekawe zugsfichert wurden, kämen dann bei den VerhaMungen nicht mehr t* Betracht. Starke Vergrößerung der Textilindustrie in Asten. (Eigenbericht der „Wiener Mvrgenzeitmng" ) Den amerikanischen und europäischen Fabriken ist in den letzten Mn Jahren ein großer Mitbewerber in Msien erwachsen, dessen Käufe sich bereits -auf den Baumwollbörsen stark auSwirken. Nach Prof. Schultze gibt die International Cotton Federation folgende interessanten Zahlen über den Bauwollverbrauch in Ballen: 1928 1922 Indien . ..1,036.000 1,151.000 Japan .. 1,298.000 1,260,000 China. .. 739.ÖD0 760.000 3,068.000 8,171.000 Sonst hatte nur Amerika einen Mehrbedarf, wahrend Europa nicht imstande war, dasselbe Quantum -u verarbeiten. 1928 1922 Amerika.8,793.000 3,294.000 Europa . . 8,787.000 4,268.000 Me Vereinigten Staaten stehen dabei an erster Stelle, dann folgt England, während schon an dritter Stelle Indien erscheint. An vierter und fünfter Japan und China, während Deutschland erst jetzt nach Frankreich an siebenter Stelle steht und von Italien boinahe erreicht wird. Oesterreich steht hinter Polen wie Holland. 1923 / 1922 Vereinigte Staaten . . . . 8,365.000 2,898.000 England . . . . i, . .1,264.000 1,488.000 Indien ........ . 1,036.000 1,151.000 Japan.. . 1,293.000 1,260.000 China......... . 789.000 760.000 Frankreich. 601.000 Deutschland. . 455.000 609.000 Italien.. . 433.000 425.000 Rußland. . 218.000 257.000 Tschecho-Slowakei- . . . . 188.000 173.000 Polen. .. . 103.000 117.000 Oesterreich....... . 53.000 54.000 Holland.. . 52.000 66.000 Während der großen Wirtschaftskrise im ersten Halbjahr 1921 war der Verbrauch der japanischen Fabriken um die Hälfte größer als der der englischen. Dann folgte Indien. Diese beiden Jndustiezentren verbrauchten damals dreimal so viel Baumwolle wie England. Sehr instruktiv sind auch die Geldausgäben für Neuanschaffungen von Maschinen. Indien kaufte: 1918 für 623 LakhS Rupien 1919 „ 686 1917-18 gingen 70 Prozent der indischen Baumwolle nach Japan statt nach England; seine Ausfuhr von Baumwollwaren von durchschnittlich 3,1 Millionen Fand bis 1914 stieg 1918 auf 94,5 Millionen Yard. 1914 besaß es 2,307.828 Spindeln, 1918 bereits 3,000.000. Die englischen Maschinenfabriken ftrrbdabei nicht imstande, so viele Spindeln, wie bestellt werden, zu liefern. Es wurden in England bestellt: 191547.1,270.000, geliefert bis 1919 nur 560.000. Im Jahre 1919 wurden weitere i.300.000 Spindeln für Baumwolle, 250.000 für Seide und Leinengarne und 870.000 Stück in Amerika hinzu'btstellt. Nach der International Cotton Federation waren im Bau im Juli 1923: > Für Europa.. . 425.055 Spindeln „ Asien ......... 1,235.137 . 8988399519485975

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