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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-06 · Heft 1967 (6.8.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1967 (6.8.1924)
Date
1924-08-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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«efl* 1 Men, MtttvoH Wiener Morgenzeitung. 6. August 1924 Nr. 1967 VÜhwe» We »Dar goldene Kolb" hier beenden; in Wien, in Baden Md draußen-in der Wachau. Sie MM sich als WhetvlLnderin — wie ste ganz offen einMstcht — hier viel Wohler als im dem Trubel Berlins. Die Presse interessiert sich ' «MMch bedeutend mehr für den „Prater". Und sie erzählt '«ÜMelhetü» von diesem Film urtd man merkt, daß ihre Freude au Wien nicht konventionell, sondern echt und wirklich ist. / Vom geht von ihr nicht mit dem Empfinden weg, einer fttzernationalen Größe eine leidige, konventionelle Aufmerkfltfeti erwiesen zu haben, sondern mit der Erinnerung an jjW anregende Stunde, die man in der Gesellschaft einer Wimen und geistlichen Frau verbracht hat. Kntgleisnng einer Zages in BndaW. AuL Budapest wird uns unterrn 6. d. gemeldet: Heuie vormittags ijst auf der AnH^unMsite ^des Westbahn'hvfes in Budapest der Teil eines LMlzüges, -den aVerdit^zS die Passagiere bereits verlassen Hatten, infolge falscher Weichenstellung entgleist. Die Waggons stürzten um, so daß ein bedeutender Materialschaden entstand. Bo» der Bnüonnlbibliothei in Frmsalrm. Der Stand am 1. In ui 1924. Don der von der Hebräischen National- und Unidevsitätsbrbliochek herausgegebenen Vierteljahresschrist „Kirjath Softr" ist soeben da? zweite Hest erschienen. Es enthält außer einem Bericht über den Fortgang der Arbeiten m der BMiothek und für ste und einer wertvollen hebräischen und jüdischen Bibliographie eine Anzahl von wissenschaftlich hochstehenden Aufsätzen, insbesondere über bisher nicht veröffentlichte Manu- ' flr'wte. Nach dem ev.vähnten Bericht der Bibliothek nmfaßte ste am 1. Juni dieses Jahres 66.357 Werke mit 78.600 Bänden. Me die öowjettegieruug für sozisIWche SchrMeller sorgt. Der Direktor des „Joint", Rabbiner Kowalski, der vor kurzem aus Rußland nach Amerika zurügekehrt ist teilt mit, daß er in Kiew dem alten hebräischen Dichter Jehuda Leb Lew in <Jshalal) begegnet sei, über dessen Aufenthalt large Zeit keine Nachrichten Vorlagen. Lewin, der um das Jahr 1840 geboren ist, zählt Mt den letzten Ueberlebemden der Harkäbabewegrmg; er spielte in den Jahren 1860 bis 1885 ein; führende Rolle in der hebräischen Literatur. Schon in stzimer Jugend veröffentlichte er beachtenswerte h> -räische DiwÄmgen, die zu dm schönsten Schöpfungen der Ausläufer der HaKälab»wegung zählen. Zusammen mit dem hebräischen Pu blitz isten L'ebermann, der zu den ersten sozialistischen Schriftstellern der hebräischen Literatur zählt, schuf er die 'ersten Ansätze zu einer jüdisch-sozialistischen Bewegung. Er arbeitete auch in der ersten von Liebermann herausgegebenen soziülistischen Zfftschraft in hebräischer Sprache ,Haeme'h" mit. ' Ir: den achtztget JäMen des vcrigen Jahrhunderts trat'er firr eine verstärkte, j». d'.f che Emigration nach Erez Israel ein, da er nur dort die eintzige Möglichkeit sah, der .Judentum snot cvzuhelsen. Im Jahre 1883 nahm er an der von Dr Mundest am begründeten Gesellschaft' zur Fbr0»mng der jüdischen Kolonisation nach Palästina regen Anteil. In den letzten Jahren wohnt er in Kiew, wo er längere n der Zuckerfabr.' des jüdischen Millionärs Br,dsky eint bescheidene.Stellu".g bekleidete. Seit dom bolschewjkischen N-.sturtz befindet sich L^win in elenden Lebensverhältnnsen und muß, obwohl er in der hebräischen Literatur miv"8iiienblum, Liebrrinann l.nd Mm.rewski, der vor kurzem von der Sowjetregierong nach Rußland berufen wurde, zu den ersten Soz.alistrn zählt im Lan': drr sozialen Revolution Hunger und N.^t leiden. Selbstmord aus religiösem Wahn. Aus Belluno wird gemeldet: Die 64jährige Wirtschafterin des Kanonikus Mast, Johanna Sonnaca, tränkte in einem Anfalle von religösem Wahn ihre Kleider mit Petwleum, zündete diese an und konnte nicht mehr gerettet werden. Auf dem Bette der Unglücklichen fand man ein Gebetbuch und Heiligenbilder, ferner knotige Stäbe, auf denen die Sonnaca zur Buße zu schlafen pflegte. Unter dem Polster fand man Eisenketten mit Metallspitzen und Messer, mit denen sie sich ins Fleisch schnitt. Um den Leib trug die Unglückliche ein mit Eisenspitzen versehenes Kettenhemd. Irr Blldapester Numerus rlausus. Aus Budapest, 4. d., wird gemeldet: Der Universitäts- Professor Dr. Karl Hoor äußerte sich vor einem Mitarbeiter des „Magyarorszag", daß sich bis jetzt für das nächste Semester 357 neue Hörer meldeten. Nach dem Gesetze des Numerus clausus kann die Zahl der jüdischen Hörer nur fünf Prozent der Gesamtzahl ausmachen. Bis jetzt dürfen sich also nur 17 jüdische Hörer inskribieren. In Frisdensjahren inskribierten auf der Budapester Universität Mm 800 Juden, also fünfzig mal so viel wie jetzt. Ler gestohle«e Palma BeMo. Dr. Kovaes verhaftet. Ans Budapest wird uns «unterm 8. d. gemeldet: Wie ein Abendblatt meldet, hat der Unetrsuchun-gsri chlor heute nachmittags den Bndapester Advdkaten Doktor Kovaes in Präventiv ha ft genommen, weil er daH aus der Kirche der italienischen 'Gemeinde Quevo stammende Bild Palma di Beechio'S versteckt hält. / Irr „Universalgatte" Sin Film ans Auf eigenamige Weife hatte eS ein Mann verstanden, sich bald dieser, bald jener Frau eines als verschollen oder gefallen ' bczeichneten Ein gerückten (als HÄmgcsschrter fälschlich totgesagter Gatte) zu nähern und auf fremde Kosten ein behagliches Leben zu führen. Die Zweckel und das Mißtrauen der aufs Höchste überrraschten und erschrockenen Frauen wußte, er dadurch zu zerstreuen, daß er den Gekränkten spielte; vier Jahre Schützengrailnn und ein paar. Jahre Kriegsgefangenschaft nehmen zwar, so sagte er, einen Menschen gewaltig her, aber daß er sich s o verändert habe, daß er nicht einmal mehr von seiner Frau erkannt wer^e (hier begann er zu weinen), das hätte er doch nicht gedacht. So gab er sich einer Kriegerswitwr in Wien als ihr Mann aus, der fälschlich in der amtlichen Liste als geifallen bezeichteet worden fei. Er lebte so sieben Monate lang als Gatte der nicht unbemittelten Frau, die den Fremden sonderbarerweise nicht entlarven konnte, und verschwand dann unter Mitv.dymi von 15 Millionen Kronen. In Tulln gab er sich, als den znrückgekchrten Gatten einer Obepbcmarbeiterswitwe aus, bezog den Gchalt des Verschollenen, lehnte es aber alb, dessen Arbeit zu ükbemchrwn, indem er Kriegsgobrechen vortäufchte und sich in den Krankenstand versetzen ließ. Auch von hier verschwand ernach einigen Monaten und setzte dieses Spiel in anderen Orten fort. In G r o ß - K a d o l z, wohin er einmal geriet, ga!b er sich. da er dort keine Kriegerswitwen ausfindig zu machen vermochte, als den kriegsvermißten Sohn eines wohlhabenden Landwirtes ans, wo er sich, um sich von den Kriegststvapazen zu erholen, gut füttern ließ, sich von allen Verwandten Großer Brand in Neutra. Aus Neutra wird unterm 5.' b. gemeldet: Aus der Burg in Neutra.'brach heute abends aus bisher unbMnnter Ursache ein Brand aus. Wegen des großen Mangels' an Wasser ist es der Feuerwehr bisher nicht gelungen den Brand zu lokalisieren. Das Dach des Hauptge'bäudes und das oberste Stockwerk mit den dort befindlichen Möbeln sind bisher den Flammen zum Opfer .gefallen. Gräßliche VeMmmelnng eines Wiener Lmristen. Durch eine Handgranate ans der KriegSzeit. Am 26. v M. waren der 21jälhrige Richard Brau n e r und zwei Begleiterinnen, Anna H. und Hedwig H., ans einer Tour im Valdjatal begriffen, das eine hart umstrittene Stellung im Kriege war. Brauner suchte abseits vom Wege nach Kriegsandenken" und fand dabei eine sogenannte Eier-Hajndgranate. Als die Gesellschaft rastete, schlug er die Granate gegen einen Stein. Eine heftige Explosion erfolgte, und entsetzlich zngerichtet, stürzte Brauner blutüberströmt zusammen. Die öeldcn Begleiterinnen kamen mit leichten. Verletzungen davon. Durch einige Ortsbewohner wurde den Unglückliche auf einer improvisierten Tvag'bahre nach Birnbaum gebracht, cvo sich seiner zwei! dort aus Sommenfrische weilende Arrzte annahmen. Drei Touristen aus Wien, ein Baumeister und ein Bürgerlschullehrer samt Gattin hrtten sich kurz nach dem Unfall in nächster Nähe befunden und jode Hilfeleistung für den Schwerverletzten auch die der Verständigung der Ortsbewohner verweiigert. @in Raubmord I» Sirs!. Wie uns ans Innsbruck gemeldet wird, faüd die Gcndarmric von Schönberg auf der Brenncrftraße in der Nähe der Slephcms-BrüSe die Leiche eines Mannes, der am Hinterhaupte cme tödliche Einschußöffnung auswies. Der Erschossen: war anscheinend aus geraubt worden. Verschiedene Verdachtsmomente weisen auf den po'ligeibekannten Wjälhrigen Wilhelm Breyer aus Innsbruck als Täter hin. Im Lauft des Nachmittags fand die Gendarmerie von M-Wau am Inn em Koffer che n, das den Minen Dr. Anton S i e g I trug Kurz vovher war der Koffer von einem unbekannten jungen Mann mittels Depotschein am HaupGahnhofe in Innsbruck behckben, vermutlich seines Inhaltes beraubt und ocnn tocggewovfen worden. Man glaulbt, daß der K o f f e r d e m E x m ordetcn aebört einer, der die Fenster einschlägt. Montag abends zertrümmerte eilt Manir mit cinenr in Zeitungspapier gewickelten Stein die Auslage eines Antogeschäftes in der Innern Stadt und ließ sich dann von einem Wachmanns widerstandslos festnehmen. Er ist der 37jährige Tischlergehilse Heinrich Sch abl, ohne Unterstand, durch Verlust eines Auges zu 30 Prozeirt Kriegsinvalider. Er gab an, im Iahte 1915 mit 4000 Krone>n abgefertigt worben zu sein und das Geld damals in der Sparkasse Mistelbach angelegt zu haben, tvo es noch heute erliegt. Er hielt sich obdachlos in Wien auf, während seine Frau und ein Kind in Lanzendorf sind. Seit dem 18. Jänner dieses Jahres arbeitslos, lebte er ovn der Arbeitslosenunterstützung. Aus Verzweiflung über seine Obdachlosigkeit und über seine erfolglosen BenuHungen durch dem Leben. seines „Vaters" GeWeträge enEch, woraus er verschwand. Eine Wirtschaftsbesitzevin in Stvatzdovf bei Krems, als deren zurückgekchrter Gatte er sich vmstellbe, hatte nach dew ge-, richtlschen Todeserjklärung ihres erngerückten Mannes wieder geheiratet. Sie und ihr zweiter Patce waren nicht wenig erschrocken, den für tot erklärten ersten Gatten wieder vor sich zu sehen. Hier war dgs Mißtrauen der Fvau so groß, daß sie ihn verhaften ließ, allein er mußte wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da sich da8 Gegenteil seiner Bchanpkmgen nicht erweisen ließ. Die Gendarmerie behielt ihn aber iim Auge und pflog eingehende. Erhebungen, aus Gvund deren schließlich festgestellt werden konnte, daß der Gauner mit dem aus Obermühl bei NeuhauS in Böhmen stammenden, vecheirateten Anton Schöberl identisch ist, der im Kriege von der Front desertierte. Während des Umsturzes gelang es ihm, aus dom Kerker zn entfliehen. In den Jahren 1922 und 1623 brachte er sich, nachdem er Frau und Kinder verlassen hatte, aus die geschilderte Artmls „Universalgatte" fort. Aus Stratzdorf, wo er sich nicht sicher genug Mlte, verschwand e: bald nach seiner Freilassung und begab sich dann, als ihm der Boden in Oesterreich zu heiß wurde, wieder in die Tfchecho-Llowakel, wo er in verschicidenen Orten diesalsben Betrügereien als heimgekehrtev Gatte verübte. In seinem Heimatlande ereilte ihn aber setin Geschick. Er wurde vor mehreren Monaten vom Kreisgerichte Jicin wegen der auf tichrcho-slowakischem Boden verMen Betrügereien zu fünf Jahren schweren Keickers verurteilt. Nach Mbüßung dieser Scrafe wird er jenem österreichischen Gerichts, das sich zuerst um ihn „b e w o r b e n" hat, Lusgeliesert werden. das Wohnungsamt eine Wohnung zu bekommen, hat er vor etlichen Wochen auf der Mariahilferstraße die Auslagen des Kanditengeschäftes Rudolf Eigl und des Tischlers Gutfreund zertrümmert und beschlossen, so lange Auslagen zu zertrümmern, bis er Wohnung und Arbeitsmöglichkeiterhalte. Damals wurde die Straft: bedingt ausgesprochen. Als er nun durch acht Tage im Asyl- und Werkhaus war und auch diesen Unterschlupf verlor, beschloß er, wieder eine Auslage zu zertrümmern. Cr wurde dem Landesgerichte eingelieftrt. Vestemng der Gesnndheitsverhältniffe in Wien. Die Grippe verMmden. In der letzten Sitzung der städtischen Amts- und Austaltsäezte wurde der Bericht über die GesundheitSverhältnisseim Juni erstattet. Danach ist eor Krankenstand in diesem Monat gegen den Vormonat zurückgegangen. Auch die Zahl der Infektionskrankheiten war im Berichtsmonat gegenüber dem Monat Mai des laufenden Jahres und auch gegenüber dem Monat Juni des Vorjahres um ein Beträchtliches geringer. Der Rückgang betraf vor allem die Schafblattem, Tuberkulose, Scharlach und Diphtherie. Die Grippe ist fast vollständig geschwunden. Im ganzen waren in diesem Monat aus der Bevölkerung 667 Anzeigen von Infektionskrankheiten eingelauftn. Die Sterblichkeit in der Wiener Bevölkerung war um 85 Fälle niedriger als im Mai dieses Jahres und um 56 Fälle höher als im Juni des Vorjahres; insgesamt starben 9048 Personen gegen LI87 im Mai .1924 und 1986 im Juni des ^Vorjahres. Schwindende ftnnßmft der Konsnmenten. Die Lehensmittelmärkte. Trotz Monatsbtzginries hält sich der Verkehr auf allen Marktgebieten in den bescheidensten Grenzen, tvaS darauf zurückzuführen ist, daß die Kaufkraft der meisten Verbraucherfchichten konstant i m A b n e h nt e n ist. Der Fleischabsatz stockt empfindlich. In der Großmarkthalle ist gestern Rindfleisch, vorläusig nur im Großhandel, im Preise gestiegen. Im - Detailverkehr blieben die Preise einstweilen noch unverändert, dürsten aber im Laufe der Woche gleichfalls in die Höhe gehen. Auf dem Naschmarkt. sind die Preise trotz andauernd günstiger, stellenweise den Bedarf überwiegender. Zufuhren stabil. Kartoffeln, Gurken, Paradeiser und die verschiedenen Grünwaren langten in großen Mengen ein. Angesichts der Einschränkungen vieler Haushaltungen war der Absatz toenig lebhaft. Der Obstmarkt ist mit Birnen, Pflaumen und Pfirsichen überfüllt. Auch hier sind die Preise zum großen Teile unerschwinglich. $er Brotpreis. Die Bäckergenossenschaft kündigt für nächste Wuchs eine neuerliche Erhöhung der Brytprciss um m e h r e r e hundert Kronen an. Die Maßnahme wird mit dem um 25 Prozeict teueren Mehleinkanf begründet. Ins Wetter. Das Wetter ist veränderlich, dabei vorwiste i', sl,siecht. Die BörauSsage spricht von einer seh r lang i a , ox t« schre! tendenB -scru n g.

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