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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-06 · Heft 1967 (6.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1967 (6.8.1924)
Date
1924-08-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1967 Wien, MNwoch_ Tagesbericht Samson Wertheimer. Zu feinem 2VOjährigen Todestage. Am 6. August 1724 — 17. Ab 5484' — starb zu Wien - Her reichste und angesehenste Jude des damaligen Europa, Samson Wertheim er, der, wie vor ihm Samuel Oppenheimer, aber mehr als dieser vom Mücke begünstigt, unter den Kaisern Leopold dem Ersten, Josef dem Ersten und vornehmlich Karl dem Sechsten den Staatshaushalt Oesterreichs geradezu ermöglichte. Dieser Jude hat, wie die verschiedenen kaiserlichen Diplome bezeugen, durch seine genialen Finanzoperationen die jämmerlichen Zustände der 'österreichischen Staatswirtschaft, in welche diese durch die unaufhörlichen Kriege geraten war, durch Jahrzehnte hinaus verbessert oder, wie man es heut«, aussprechen würde, saniert. Durch seine zahlreichen Darlehen an das Ho'flricgsizahlamt, durch die öftere Begleichung der kaiserlichen Schulden an deutsche Fürsten — Sachsen, Kurbayern, Kurmainz n. a. m. — hat der „kaiserliche Oberhosiaktor" Wcrthetmer mit „Alter Verminst und Geschicklichkeit" dein kaiserlichen Hause, dem er sogar Mitgiften und Brautausstattungen verschaffte, unschätzbare Dienste geleistet. Was die kaiserlichen Truppen auf ihren Märschen an den Rhein, auf den Zügen gegen die Türken, in Schwaben uüd Franken, in Ungarn ulld Sachsen brauchten, fast den gesamten Proviant, die Gage für die Heerführer und Offiziere und die Löhnung für die Mannschaft: für alles dies sorgte finanziell der Jude Wertheimer. Geboren am 17. Jänner 1656 als Sohn des rabbinisch gelehrten ' Vorst chers der altehrwürdigen Gemeinde Worms, kam er als Sechsundzwanzigjähriger nach Wien. Hier, im gastlichen Hause seines Oheims Samuel Oppenheimer, leitete er, durch seine ausgezeichnete Geistesbildung und die große Klugheit dazu befähigt, das Comptoir als „des Oppenheimers Kays. Factors bestellter". Durch den aus dieser Stellung sich ergebenden nahen Verkehr mit den Hofämtern, den Ministern und selbst mit dem Kaiser beschreitet er die Bahn der glänzenden Erfolge. Schon 1694 werden ihm und spater mehreren Mitgliedern seiner Familie Gnadenketten verliehen, und in den Schutzbriefen dreier Kaiser, von denen das Wiener „Iüdische Museum" denjenigen des Kaisers Karl des Sechsten aus dem Jahre 1712 besitzt, wird ihm volles Lob gezollt, insbesondere, weil es sein schöpferischer Geist versteht, immer neue Geldquellen als Stütze des österreichischen Staatskredits zu erschließen. Dabei vernimmt man mit Staunen, wie dieser Geldvermittler des Kaisers sich mit honorigem Gewinn begnügt; er berechnet 6, 8, 9, höchstens 12 Prozent. Ties alles erfährt man zum größten Teil aus den Privilegien, in deren einem (27. August 1700) er „der gesamten Judenschaft in des Kaisers Landen Vorgesetzter Rabbiner" genannt wird. Er bekleidet, durch den Besuch der Frankfurter Talmndschnle (Jeschiba) in den Jünglingsijahren dazu befähigt,' das Ehrenrabbinat bedeutender und alter Gemeinden. Der Rabbinaisbrief der Gemeinde Eisenstadt und der Nachbargemeinden befindet sich außer anderen Reliquien im Besitze seines Deszrn- «denten, Herrn Sandor Wolf nt Eisenstadt, während das ,/Jüdische Museum" in Wien ,ben Räbbinatsbrief der großen Gemeinde Krakau verwahrt, der am Dienstag den 1. Weadar 5472 (1712), von elf Vorstehern unterschrieben, an Wertheimer abgesendet wurde. Das Stück ist auch vom graphisch-ikünstlerischen Gesichtspunkte aus bedeutsam. So hoch an Ehren in der jüdischen Welt stand Samson Mertheimer, und man verficht die kurze Bemerkung der klugen Hamburger Jüdin, der Memoirenschreiberin Glückel von Hanteln, wenn sie von dem „hochgelehrten Oberrabbiner, reichen und vornehmen Samson Wertheimer" spricht. Die sterblichen Ueberreste dieses Mannes, „der vor Königen gestanden", des ,-Stadlan", der seine Beliebtheit bei Hose immer, wo es nottat, zugunsten der verfolgten Brüder in aller Welt verwendete, ruhen in Wien auf dem alten ... _WienerMoLgenzeitung._ Die letzten Me. (Rabiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) London. 6. August. Wechselkurse r Wien 316,500, Prag 149'/*, New-York 4,45«/*, Paris 83,35, Brüssel 90'/., Rom — Zürich 23,722«/*, Madrid 33,06, Amsterdam 11,55, Kopenhagen 27,40«/*, Christiania 32,07«/*, Stockholm 18,69«/*, Helsiugfors 177«/., Berlin 18,30, Bukarest 1000. Paris, 6. August. Die heutige Börse stand, wie die gestrige nuter dem Einfluß der Entspannung des englischen Pfund und des Dollar, jedoch fand das Angebot leichten Absatz, sodaß die Börse ein freundlicheres Bild bot. Die meisten internationalen Werte gingen durch das Angebot allerdings etwas zurück, wogegen die meisten Metallwerte eine feste Haltung und Steigerung aufwiesen. Als gegen Schluß der Börse da8 Pfund plötzlich stark fiel, entspann sich auf dem ganzen Markte eine große Uneinheitlichkeit, die den Geschäftsgang sehr erschwerte. Das Pfund stand bei Eröffnung der Börse 83.45 und hielt sich dann zwischen 83,10 bis 83,20, um plötzlich in der letzten Börsenstunde auf 81,98 herunter zu gehen. Die ftanzösischen Werte zeigten sich sehr widerstandsfähig, und leicht im Steigen begriffen. Rio Tinto das anfangs mit 28,43 gehandelt wurde, stand bei Börsenschluß unter dem Einfluß des Sinkens der englischen Devise auf 28,36. In der Kulisse war Festigkeit vorherrschend. Kautschuk und Goldwerte erzielten leichte Kursgewinne, der Umsatz war lebhaft. Paris, 5. August, (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —Pragobanka 415.—, Eredit Lyonais 1586, Suez 13,960, Platine 823, Dabrowa 741, Banque Ottomane 775, Central Mining 921, Rio? Tinto 28.36, Le Naphta ruffe 412, Succeried Egypte 1025, Cautschoues fin 144, Chartered 46.—, Debeers ordin. 977, Goldfields 78,50, Huanchakas 344, Jägers Fontain 244,50, Malacca ordin. 149,—, Maltzoff 467, Mexican Eagle 77.-, Padanq 363,-, Rand Fontain 85.—, Randmine 264.—, Silva plana 159,—. Tanganyika 163.-, Tubice soie 624.-, Utah Crpper 1529, Shell 336.-, Royal Dutch 24,300, Burmah —, Bakou 25,61. Aew'Vork, 5. August. (Radio.) Devisenschlußkur i e: Taggeld nominell, Wechsel auf London 4,46, 60 Tage- Wechsel 4,43«/., Paris 5.45, Amsterdam 38,68, Prag 2,97, Berlin 23V,, Silber —. I u b e n f r i e v h o f e in der S e e g a s s e (Nr. 9, im Hose des Mtersversorgungshauses), dessen Inschriften durch das gelehrte Werk des Familienforschers Wach st« in bekannt geworden sind. Die große Inschrift auf dem Marmorsarkophag, die im Stile der Zeit von den ungewöhnlichen Verdiensten des großen Mannes berichtet, ist trotz alles Pompösen, alles barocken Aufputzes von der wahrhaftigen Ueberzeugung diktiert, die die Zeitgenossen von Samson Wertheimer hatten. Wir sind heute arm i-M Vergleiche zu ihnen, denn mehr als damals setzt dieser „Samson, der Monn der Tat" Made heute „unsere Reichen auf die Anklagebank". D r. Jakob B r o n n e r. Wie uns aus Berlin berichtet wird, ist dort vor furent der Schris st Tee A ex ander Eliasberg gestorben. Eliasberg, ein russischer Jude, kam in jungen Jahren nach Deutschland, wo er sich durch seine zahlreichen Ueberse!-ungen russischer Literatur, vornehmlich der klassischen Autoren, bekannt machte. Später dehnte er seine umfangreiche Uebersetzertätigkeit auch auf das Gebiet der jüdischen Literatur aus; seine Uebertragnngen der Werke von Perez, Schalem Alejchem, Mendele Mocher Sforim haben insbesondere in den ersten Jahren des Krieges, da in Deutschland großes Interesse für das „neuentdeckte" Ostjudentum bestand, die jüdische Literatur in Deutschland bekcknntmacheu geholfen. Eliasberg hat unter anderen Perez' „Chasstdische Geschichten" (Löwit-Verlag), einen Band Skizzen von Scholem Alejchem unter dem Zuschriften an die Redaktion. sowie unverlangt einlangenden Manuskripten wolle man stets Rückporto beilegen, da sonst eine Deautwvrtung» beziehungsweise Rücksendung nicht erfolgen kann. 6. August 1924_ _©etfe_3 Titel „Aus dem nahen Osten" (Verlag Georg Müller), zw» Bände jüdischer Schauspiele und Komödien von Pinski, Hirsch bein, Perez und anderen unter dem Titel „Jüdisches Theater (ebenfalls bei Müller), Mendeles unsterbliche Erzählum „Fischke, der Krumme" (Löwit-Verlag), ferner eine Rech von ausgewählten Skizzen und Erzählungen verschiedeite» Autoren bei Reclam, Kiepenheuer und anderen erscheine! lassen. Seit längerer Zeit war Eliasberg herzleidend; sein« Krankheit verschlimmerte sich, als er vor einigen Monaten in München verhaftet wurde. Als Grund der Verhaftung wurde angegeben, daß seine Frau, eine Russin, ein« deutschfeindliche Aeußerung getan hätte. Frau Eliasberg, die zu einer absprechenden Aeußerung über völkisches Wesen durch antisemitische Beschimpfungen einer „deutschen Jungfrau" provoziert worden war, ist bekanntlich vom Münchner Volksgericht zu einer mehrmonatigen G efängnisstraf« verurteilt worden. Eliasberg selbst wurde aus München a u sgewiesen. Er lebte in den letzten Monaten, schwerleidend, in Berlin. Dort hat Eliasberg vor dem Kriege eine Zeitlaug die Leitung des Jüdischen Verlags inue gehabt; in den letzten Jahren war er selbst als Verleger tätig. Mit ihm ist ein guter Kenner der osteuropäischen Literaturen, insbesondere des jüdischen und hebräischen Buches, dahingegangen. _ Heimtz Porte« in Wie«. Der Empfang. — Das nächste Arbeitsprogvamm. Am Westbahnhof sammelt sich schon um halb 4 Uhr nachmittags eine etwa 3000 Köpfe starke Menschenmenge an. Alle warten sie voll größter Spannung auf Hcnny Porten, die Filmschauspielerin. Bis zur Ankunft des Zuges sind eS bereits etwa 7000 Leute; die Spannung wächst enorm. Am Perron ist die ganze Presse vertreten und verschiedene Zweig« der Filmindustrie in schwächstem Ausmaße. Der Zug läuft ein. Me Hälse recken sich erwartungsvoll und die Kondukteure rufen — ganz in ihr Schicksal ergeben —: „Hmter'm Speisewagen!" Eine Menschenflut — an der Spitze wie ein Banner ein Filmaufnchmeapparat — treibt unaufhaltsam den Perron hinaus. Die Ankommenden des Berliner Zuges werden rücksichtslos wieder in die Waggons zurückgedrängt. Durch die ganze riesige Halle gellt ein Schrei: „Hennh Porten!" Sie steht auf den Stufen des Waggons. Der Apparat zieht schon quietschend das Filmband durch sein komplizier Ts Rädevwevk und die Porten lacht und dankt. Offizieller Empfang, offizielle Fronde, wie einst regierende Fürstlichkeiten. Eindruck: Vor dom Objektiv — Schauspielerin. Eine kleine blonde Schauspielerin begrüßt sie mit einem Blumenstrauß im Namen der Wiener Filmdarsteller. Sie nimmt ihn ihr ab und dankt, freut sich und man siecht, sie ist wirklich ein Mensch mit einem warmfühlenden, empfindsamen Herzen. Keine Schauspielerin mehr — und die kleine Relly W -e i t c n t h a l e r steht da und möchte am lie'bsten ihrer großen Kollegin um den Hals fallen, weil vor ihr nicht mehr der Star steht, der ihr großes Vorbild ist, sondern eine Frau, die nichts als Freude, große Freude über «im kleine Aüftuerksamkeii zeigt. Um 6 Uhr ist offizieller Empfang der Presse im neuen Hause des „Bristol". In einem Eckzimmer des dritten Stockes stcht sie in einem blauen Nachmittagskleid mit weißen Einsätzen und ist nur mehr liebenswürdige Hausfrau. Ist anfangs etwas befangen, findet sich schnell in die etwas ungewöhnliche Situation einem Dutzend frentber Herren gegenüber, und nach fünf Minuten plaudert sie schon ganz unbefangen, lebhaft und entwickelt einen wirklich bezaubernden Charme. Erzählt, daß es schon lange ihr Wunsch war, hier zu filmen. Allerdings in einem Wiener Kostümfilm; ein Wunsch, der leider heute infolge der Mode, die nur zeitgemäße Filme vorschreibt, unmöglich ist. Einen ausgesprochenen Wiener Film wird sie aber trotzdem hier machen, den „Prater", wird eine kleine Pjaidlerin spielen in dem Milieu, das sie bereits im „Alten Gesetz" kennen gelernt hat, und die Außenauf- Von Paul Verlaine. Die Pariser „Nouvelles Äitteraires" veröffentlichen die nachfolgende „Chronique" des berühmten französischen Dichters, die im Jahre 1895, also kurz vor feinem Tode, in der „Revue blanche" erschien, aber in die Ausgaben seiner Werke nicht aufgenommen wurde: Es ist bedauerlich, wenigstens vielleicht für den Teil der Wohlwollenden, die sich für mein schlichtes Schaffen interessieren, daß ich auf jede literarische Kundgebung verzichten zu müssen glaube, die sich auf meine Person oder auf meine Persönlichkeit bezieht. Tenn ganz neuerdings — warum soll, ungeachtet des soeben erwähnten Beschlusses, darau nicht erinnert werden? — hat sich ein wahrer Kampf erhoben um meinen „Eintritt" in verschiedene Spitäler, samt und sonders und der Reihe ttach mehr ober minder falsch angeführt. (Sind.nicht einige Faseler so weit gegangen, unter den in Frage kommendeit Anstalten Trousseau, das speziell für junge Kinder ist, zu nennen?) Wäre es nicht um des Wortes willen, das ich mir selbst, unüberlegt vielleicht, gegeben habe, kein Sterbenswort mehr von mir zu sagen, so hätte icfj' mein Bestes getan, um über diese falschen Nachrichten, die zum mindcstm einer gewissen Originalität nicht entbehren, zu scherzen. Wahrscheinlich hätte ich sogar mit der ganzen mir noch zu Gebote stehenden Schärfe gewisse gehässige Anspielungen hervorgehoben, die jedoch, wie ich höre, von einem kleinen Idioten stammen, den die Dummheit der Verantwortung enthebt; — sei es darum ch aber immerhin, folgendes zum Beispiel, wörtlich ungefähr, lesen zu müssen, ist hart: — „Der Dichter Verlaine ist soeben dem x-Spital wieder einmal eingeliefert worden" (es war das erstemal, daß dort praktizierende Frennde mich hineingebracht hatten). „Soeben eingeliesert", heißt es im Neg'ster des öffentlichen Hilfsdienstes (besagtes Register existiert wohlverstanden nicht) —„um wie alljährlich, sein altgewohntes Winterquartier zu beziehen". — Wie dem sein mag, unb dieses sei gesagt, um der Vertrauensseligkeit, die bisher meiner ganzen „Literatur" zugrunde gelegen hat, endgültig Gute Nacht zu sagen: Vom letzten Spital, in dem ich mich aufgchalten habe, habe ich wenig zu berichten. Es befand sich unmittelbar diesseits der im Norden gelegenen Festnigsmaueru von Paris, in einer Bastion der Stadtmauer, die von zwei Flügeln flankiert war, in deren e'nem ich sechs verhältnismäßig glückliche — zu sehr verhätschelte — Wochen „absaß", die zu schnell vergingen, um viel Gutes zu tun — selbst moralisch, fürchte ich. Ich wurde in der Tat sehr verhätschelt jene sechs Wochen, sowohl von den Professoren wie von den Schülern und vom Spitalpersonal, anfangend mit dem Direktor, einer alten Bekanntschaft von Alphonse Lemerre her, der sich mir wegen der tausendundeinen Kleinigkeiten in Betreff der mannigfaltigen Bequemlichkeiten, die ent solcher Aufenthalt in solchen Un st'iuden. erfordert, zur Verfügung stellte. In der Tat, zu sehr verhätschelt, wenn ich es reiflich bedenke: denn das Leben ist desto härter, meint malt zum Schriftstlllecdasein zurückkehrt, wo es wahrscheinlich keinen ehrlichen Pfennig zu verdienen gibt; zum frierenden oder schwitzenden Leben von Hand zu Mund, luo> übrigens einen die Krankheit voit neuem packt und, bei einigem guten Willen, ms Spital zurückführt — was jedoch — leider! — bei mir nicht zutraf, denn ich bin wahrhaftig und unerbittlich krank, in der Art, die stets irritierend, oftmals die schmerzhafteste und die am wenchstm, auf Mitleid stoßende ist, ober, meint sie Erbarmen findet, dann mit ünanstmdigeir und boshaften 1 Hintergedanken: „Ucberbleibsel einer guten Lebensführung, hm, hm, hem, hem" und allen höflichen, verletzenden und scheidenden et caetera — vom Augenblick ab, da ich das Asyl allzufrüh fast — gleichsam auswattiert — verlasse, wo ich mich von einent von der Urkrankheit abhängigen Wehweh kuriereu ließ. Ja, die Aerzte wollen mich noch einige Tage in- Behandlung behalten, aber ich weiß nicht, welcher Teufel mich da versuchte — kurz, ich ging — um mich nach tveitigen Tagen mit einem sehr bösen Rückfall belohnt zu sehen, der mich an mein Bett fesselte — diesmal aber an mein „heimisches" Bett, nunmehr wie es scheint, endgültig. Bon Blumen umgeben, gewiegt, von Vögeln geweckt — derart ist mein Lager. So auch die Möbel, bescheiden, aber weich: nicht milliardärgemäß, aber warm und frisch, mit hübschen Sachen: gehäkelte Bettdecken und Tischdecken, unschuldige Bilderchen und Statuetten, mit dem Bildnis Vater Hugos, wie es sich geziemt, ans der Platte des Sekretärs, des Hauptstücks in den, hohen Zimmer, und drei Bilder von meiner Wenigkeit in Photo- und Lithographie, die an der Wand nicht zu schlecht hängen. Von Sorge umgeben — dieser Kranke, dies „Ich bei Sich" — von liebender, manchmal auch scheltender Sorge umgeben, aber ich sorge auch dafür, zu verdienen, daß dieses Beiwort nicht mit Unrecht am Platz sei, glaubt inirs, und traut der Peinlichkeit eines Gewohnheitskranken, dazu mit meinem CHarakter im allgemeinen. Und bei dem sehr wirksamen Vogelgesang, im Angesicht des milden Glanzes und Dustes der letzten Winterblnmeu, nicht in einem sicherlich durchaus würdig erworbenen Spitalbette, sondern zwischen feinen Leintüchern und gleichfalls in aller Würdigkeit mache ich eine tut Grunde mehr moralische als physische Kur durch. Da mir der Arzt, mein Arzt, Ruhe empfiehlt, ersuche ich meine Herren des erdichteten Interviews und der „revortage" zu einem Franken den Absatz un!-Schwei">e>!.

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