Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1967 (6.8.1924)
- Date
- 1924-08-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' MeH «M, VMKöH «Ilem ist sr notwendig, daß das Vertrauen wieder yergepellt weide." Reichskanzler Dr. Marx führte ferner ans, das Schicksal Deutschlands und Europas hange von dem Erfolg der Konfere ab. Die deutsche Delegation sei der Ansicht, das; der Dawes-Bericht das deutsche Volk zu Freiheit und Frieden führen werde und müsse, und ih r die Möglichkeit biete, mit den anderen Völkern an dem Wiederaufbau Europas zusammcnzuarberten. Sobald die wesentlichen Bedingungen für eine wirtschaftliche Tätigkeit Wieder hergestellt sein werden, werde sich das deutsche Volk mit seiner ganzen Kraft der Erfüllung der im Dawes- Bericht enthaltenen Verpflichtungen widmen. Mae Donald ergriff hierauf nochmals foa8 Wort und sagte, er übergebe setzt der deutschen Delegation den Text der von den Alliierten gefaßten Beschlüsse, von denen einzelne bloß die Miierten angehen, wie jene, die die Feststellung von-Verfehlungen und der Sanktionen zum Gegenstände haben, während die anderen die Deutschen betreffen. Er forderte die deutschen Delegierten aus, di jBsschlüsse durchzu-Iesen und Zn erwägen und wenn möglich schon abends die Punkte anzugeben, die sie zur Sprache zu bringen wünschen. Die Konferenz werde dann wieder zusamnteutreten, um darüber zu beraten. „Ich lvürde wünschen," fuhr Mae Donald fort, „daß wir am Freitag fertig werden. Wir können ohne Unterbrechung arbeiten. Wir haben den festen Vorsatz, keine unnützen Debatten zu führen und leine lai'.g.'u Reden za halten. Unter diesen Umständen bin ich sicher, am Samstag, 4 Uhr 80 Minuten, wie ich beabsichtige, nach Schottland abzu reisen. Nach dr e iv ie r telstünd ige r Dau e r war die Vollsitzung, die in durchaus herzlicher A t >m £>•» spHäre verlief, zu Ende. Nachher hielten die sechs Führer der alliierten Delegationen eine Besprechung ab. Sie weren täglich am Vormittag zusammentreten. An den Nachmittagen werden sie mit Dr. Marx Und Dr. S -t x esemann zusamm'en-kommen können. Wie es heißt, sei der -deutsche Finanzminister Dr. Luther ganz besonders mit den VcrhaMungen mit der Repa rationsk o m mission betraut. In alliierten diplomatischen Kreisen herrscht allgemein ein günstiger Eindruck über die Haltung der deutschen Delegierten, die ihre Genugtuung über, den ihnen bereiteten Empfang zum Ausdruck gebracht haben. Reichskanzler Dr. Marx erklärte gegenüber einem Vertreter des Reuterschen Burearrs, er sei urit dem aufrichtigen Wunsche nach England gekommen, die beste Methode ,sür die Jnswerkfetzung des DaweS-Planes, ohne daß daran Aenderungen vorgenommen werden, ausfindig zu machen, und -dazu beizutragen, daß er von Deutschland in loyaler Weise zur Anwendung gebracht werde. Er zweifle nicht daran, in London dem gleichen Geiste zu begegnen, um rasch zu einer Einigung zu gelangen. Die deutschen Berwer?rmserr. Die deutschen Sachverständigen haben nachmittags die Prüfung der amtlichen Dokumente begonnen und werden morgen der Konferenz ihre ersten Bemerkungen miiteilen. In deutschen Kreisen wird bezüglich dieser strengstes Stillschweigen beobachtet. Morgen, spät nachmittags, soll eine Konferenzfitzung stattfirwen, in der die deutschen Delegierten ihre Bemerkungen entwickeln werden. Interpellation Lloyd ©eorses über dir Londoner Konferenz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 5. August. Im Unterhaus hielt Lloyd George heute eine Rede über die Londoner Konferenz. Er forderte den Premierminister auf, die Stellung der Regierung genau zu definieren, über die miIirärische und wirtschaftliche Räumung der Ruhr sowie über die Räumung der Kölner Zone. Er hoffe, sagte Lloyd George, daß die englische Regierung nicht auf dm Standpunkt der französischen und belgischen Negierung stehe, die ausdrücklich bekanntzugeben haben, daß sie die Kölner Zone in der nach dem Friedens-Vertrag festgesetzten Zeit nicht zu räumen gedenken. Eine Verlängerung der militärischen Besetzung der Ruhr nach der wirtschaftlichen Räumung dieses Gebietes wäre eine Provokation. Er sagte ferner, wenn Deutschland erklären sollte, daß es nicht bezahlen kann, an wen hat dann Deutschland zu appellieren, an die Reparatlonskommission oder an die in London eingesetzten Komitees? MacDonald erklärte: Der einzige Zweck der Konferenz ist, die Mittel zur Jnswerksctzung des Tawes- Planes ausfindig zu machen, den wir als Ganzes mit seinen Mängeln nehmen, denn er weist Undollkommenheiten auf. Die Konferenz würde mehrere Jahre dauern, wenn jede Einzelheit in den Meinungsverschiedenheiten erörtert werden müßte. Wir versuchen, Fragen sehr, begrenzten Umfanges zu bereinigen, deren Lösung aber für die künftigen Beziehungen Frankreichs und Englands einerseits und Deutschlands und der Alliierten andererseits von Wicht'.gleit ist. Mac Donald erklärte schließlich in Erwi- _ 86lener Mor^enzekkntt:^_ öerung auf verschiedene Polemiken, er würde es ablehnen, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß man den Dawe^-Bericht in den Winkel tuevf-e und zur Lage zurückkehre, wie sie seit dem 10. Jauner 1923 bis zum Beginn des Jahres 1924 bestanden habe. A«e neue AbrüstnusskonsereM. Unter der Aegidr Amerikas. (Eige-'.di-enst der „Wiener Morgeuzeitung") Berlin, 6. Anglist. Der New-Aorker Berichterstatter des „Berliner Tageblattes" drahtet: Zuverlässige Informationen ans Washington besagen, die amevrkaNische Regierung werde nun, da die Annahme und Durchführung des Dawes-Planes endgültig sichergestellt sei, alsbald Vorarbeiten für die Einberufung einer neuen internationalen Abrüstungsko nfe r e nz in die Wege leiten. Man erwartet, daß Hughes sofort nach seiner Rückkehr Mitte August die Vorarbeiten persönlich leiten werde. Ter Staalsstckretär hat sich bei seinem Besuch in den europäischen Hauptstädten über die Auffassung der interessierten Regierungen zur Frage weiterer Rüstungsbeschränkungen genau unterrichtet, und es heißt in unterrichteten Kreisen, er sei sehr hoffnungsvoll in bezug auf die Verwirklichung seiner weiteren Pläne für die Befriedung 'der Welt, sMild die Reparationsfrage dem politischen Meinnngs,kämpfe entrückt werde. Amerika werde mit aller verfügbaren Energie der Lösung des Problems einer allgemeinen Abrüstung sämtlicher Großmächte zw streben. Sie englisch-raMÄen Verhandlungen wieder abgebrochen. London, 5. August. (Reuter.) Amtlich wird nrrtgeteilt: Im Hinblick aus die Unmöglichkeit, zu ehtemt Einvernehmen Lu gelangen, sind die englisch-russischen Lerhandlung-en abgebrochen worden. Zu einer Vertrags,unberzeichnung wird es tt i cT> t k o nt m e n. London? 5. Anglist. (Havas.) In dem Eommunique, . in welchem vom Abbruch der euglisch-russischell Verhandlungen Mitteilung gemacht wird, wird daraus hingewiesen, daß die gestern mittags begönnerte Vollsitzung «bis heute 7 ll.hr 15 Minuten früh gedauert habe, daß es jedoch unmöglich gewesen sei, zu einem Einvernehmen zu gelangen, da die russische Delegation nicht bereit war, den Aenderungen der im Artikel 14 des Vertragsentwurfes angebotenen Konzessionen znzustvmmen. Abreise der Nüssen. Wie das Neutersche Bureau erfährt, ha>be in der Sitzung -der beste Geist vorgeherrscht. Die Russen gaben jedoch die Erklänurg ab, daß der Grundsatz des Artikels .14 der die Frage der Vermitwortlichkeit der Sowjetreg ierrmg.bezüglich der Nationalisierung der Güter und des Eigentums -der Fremden -betrifft, schon auf der Kow ferenz von Genua von den Sowjewe-rtveteru verworfen worden sei, daß sie aber auch bezüglich dieses Punktes gewisse Zugeständnisse gemacht 'hätten, obwohl sich ihre Haltung in dieser Beziehung kaum geändert habe. Tie Spezialmission wird alsbald nach Rußland z n r ü ck k e h r e n. Henderso« nach Wand abgereift. London, 6. .August.' (Wolfs.) Außer dem Kolonialminister Thomas ist auch Minister des Junen: Henderso n in aller Eile nach Dublin abgereist. Wie „Daily Expreß" meldet, .hat der Präsident.des irischen Freistaates Losgrave Lei seinem Aufenthalt in London zugestimmt, daß die Vorlage betreffend den irischen GvenzkonflN in der Herbstsess.ion des irischen Parlamentes erledigt werden soll. Nach seiner Rückkehr nach Dublin habe es aber das Parlament ab ge lehnt, sich wir einem Beschluß darüber zu befassen. Diese Enffcheidung des Parlamentes sei mit Rücksicht ans die Haltung her Republikaner erfolgt. Msffnl. London, 5. August. (Tel. d. „Wiener Morgeuzeitung".) Die Negierung von Angora hat die letzte englische Note in der Mos sulf rage, beantwortet urt-b gleichzeitig den türkischer: Geschäftsträger in London, Hi km et Bei, be-, anftragt, mit der englischer: Regierung in Verthandlungen über diele Frage einzutveten. Der Inhalt der türkischen Antwortnote wird zwar streng geheimg-ehalten, .doch ist anzunehmen, daß die Türkei bei einigem Entgegenkommen Englands auch von ihren territorialen Forderungen bedeutend nachlaffeu 'wird. Herbert öam«l in der Schweiz. (Eigendieust der „Wiener Morgenzeitung".) London, "4. August. Der Oberkommissär von Palästina, Sir Sam u e l, der, wie berichtet, während seines Aufenthaltes in London mit dem britischen Kolonialamt Verhandlungen über palästinensische Fragen, besonders den Gesetzentwurf über die jüdische Gemeindeordnung in Erez Israel, pflog, am 24. Juli der Sitzung des Großen Akti-oEomit-ses und am 29. Juli der UnterharOdebatte '. f flfeV'.v. | Werbet Abmmentenfürdie I I „Mmsr Morgenzettlmg" I 'mMm mmMM i V v. Autzufi 1 m _ _Nr. 1967 über das Budget dÄ nvAkeren Ostens als Gast Ufo wohnte, ist mit feiner Gattin nach der Schlveiz abgereift. Er kehrt anfangs Septe.m.ber nach Erez Israel zuriick, wo während feines Urlaubes Sir E l a y t o n die Geschäfte deö Oberkomm'ifsärs sti-hrt. Der Gouverneur von Jaffa, Sir Reginald Storrs, 'welscher ebenfalls in London weilte, ist bereits auf seinen Dienstposten zurückgeikehrt. Ae kMsrdung de Hsane. Gusnranns Alibi erwiese». (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Jerusalem, 4. August. Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Chaluz Gusmann, der als Attentäter de Haans verhaftet wurde, sagten feine Freunde, die trete ihm zusammen im ,Met HaBereu'^ arbeiteten, vor dem Untersuchungsrichter aus, daß Gusmann während foei Zeit, da das Attentat vollführt wurde, mit ihnenzusarnrnen auf Arbeit war. Ueber Beschluß der paWinenisifchen Regierung wurde die Anzeigerin Frau P i n k o w i e z in eine Irrenanstalt aibgegebsn. Sie Beleidigung der Wischen Kriegstste« in JenMland. (Eigendienst der Miener Morgenzeitung".) Berlin, 6. August. Generalleutnant Stein schreibt den: „Berliner Tageblatt": „Das Verbot einer Feier an den Heldengräbern des jüdischen Friedhofes ist eine Beleidigung aller Gefallenen und schließlich aller Frontkämpfer... Es. wäre ein feiger Verrat an allen soldatischen Ehrbegriffen, wollte man ihnen die Ehrensalven verweigern." Ein Hitler-Putsch i« Memel vereitelt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ■ . Berlin, 5. August, lieber einen vereitelten Putsch im Memclgebiet meldet das „Berliner Tageblatll^ aus Memel: Die Poii-zei hob in der Nacht vom Samstag auf Sonntag bei einem Handlungsgehilfen in Ianffchven eine geheime Versammlung nationalistischer Geheimbündler au's. Die Sitzung hatte - den Zweck, die letzten Boribereitungen für einen Putsch in der. Nacht vorn 4. zum 5. d. zu treffen. Aus dem beschlagnahmten Belastungsmatevial geht hervor, daß der geplante Putsch den Zweck haben sollte, das Atemelgebiet als Freistaat -mit absoluter Arvtonoimie auszuM.fen. ES war beahstchitigt, um 11 Uhr abends in die Kttstzrnen einzudringrn und daS Mtitär zu 'entwaffnen. Darauf sollte der Bahnhof und das Postamt besetzt werden. Nach der BesetzU!Ug der wichtigisten Punkte der Stadt follte die deutschv ölkirfche Hitler-Orga uisation in Tllfiit Wer die Grenze marschiierm und Memel besetzen. Bis jetzt sind 27 Personen verhaftet worden, darnnter auch Angehörige des deutschen Heeres. Eine Reihe weiterer Bechchbungen steht bevor. , . ÄreftiuM wieder i« Berlin. (Eigendienst der Miener Morgenzeitnng".) Berlin, 5. August. Der russische Botschafter K r estin'ski, der kurz nach de.m Zwischenfall in der russischem Handelsdelegation in Berlin nach MoSkau abgeveist war, ist jetzt wieder in Berlin e-inaetroffen. Er hat bereits wlieder seine Amtsgeschäfte übernommen und am Sonntag abends dom Rvichsaußenminister Dr. Stvese.ma-nn einen Besuch abgestattet, u-m mit ihm über verschiedene poMfche Frager: zu fpre-chen. Besserung der varlamentarischen Lage in Jugoslawien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Belgrad, 6. August. Der Haupiausschuß der deutschen Partei, hielt gestern in Seml-in eine Sitzung ab, in welcher der Führer der Partei, Dr. Stephan Kraft, die politische Lage erörterte. Der Haupw-uSschuß mchm eine Resolution an, in welcher erklärt wird, daß die auf der Grundlage der bürgerlichen Gleichbevechtign'Ng sämtlicher -in Iugoflawien lebenden Volksstämine gsdildew Regierung Da widowitsch zur Konsolidievung des Landes beitrage. Dr. Kraft -hat den Ministerprälsidenten von dieser Stellungnahme des Hauptauss-chusses der -dauffchen Partei sofort Mitteilung gemacht. In RegiermMkreifen 'hat man den Beschluß, der dsutschrn Partei sowie der Radicianer, die Regierung zu unterstützen, mit großer Befrivdigung aufgenom.Mn, weil nunmehr die parlamentarische Sitmativn des neuen KMnetts vollkommen gesichert er-schleink. Bethlen md seine LoMdewolraku. (Eigendienst der ,Wiener Morgenzeitnng".) Budapest, 6. August. Wie „Az Ujsag" erfährt, ist Ministevpräftdent Graf Bethlen gestern mittags'zu einem kurzen Aufenthalt -in Budapest eiugetrosseu. Er konferierte mit dem BoKswohlfahrtsrnmisier Josef Baß und dem FinanzmiNister Baron K o r a n y t. In parlametttarifchen Kreisen glaubt man, daß -die Frage einer Ginibevuf-unig der Nationalversammilung zu einer außerordentlichen Sitzung ni cht mehr aktuell ist. Selbst die Sozialdemokraten bcsteihen nicht Mehr auf. dieser Maßnahme, sondern warten ab, welche Schritte die Regierung in der Frage der Be- Kmpfung der Arbeitslosigkeit und der öffentl-ichen Arbeiten unlternehmen wird.