Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1966 (5.8.1924)
- Date
- 1924-08-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1966 Ätt, Disnsüdg Wiener Morgenzeitung. 5. Augch 1924 Seite 8 I F E M B L % T T C E N J&te erhalten Ihre JFlaneMöloffe am' besten' durch Reinigen derselben mi£ LUX L.UX ist hochwertigste Seife in feiner, viereckig geschnittener Blättchen-Form, deren weicher Schaum die zarten FaseTh der Flanellstoffe vom Schmutze befreit, ohne dass es erforderlich ist, die Stoffe zu reiben. Reiben zerstört und verfilzt die Fasern und verursacht das Eingehen der Stoffe. LUX ist wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Beachten Sie genau die Waschvorschrift auf den Originalpaketen fHer Hochschüler erscheinen dämm nicht vertreten. Ein Cmfchwiten gegen diese betoupe Irreführung -er vNischen Studenten gegenüber den Behörden wirnicht gefo-vdevt. Diesom Schritte haben stch auch sämtliche n alti»lna>lsreicheitliche, freideutsche Korporat'o'nen an g e schlossen, so daß der „Deutsche Hochschuttag^ nur als eine Tagung der isolierten vierhundert völkischen Studenten, des ileinsten Teiles der deutschen Studentenschaft, anzu- 14» T __ Sie Tragödie von Fnzersdorf. Eine degenerierte Familie. In einer Heilanstalt in Jnzersdors hat, wie wir berichteten, Samsrag früh ein Pflegling den Wärter Lw,.olo Zaruba mit einem Holzprügel erschlagen. Der Täter ist d-.r dort internierte 21 jährige ungarische Graf Bela B a y, über dessen Person ein ungarisches Blatt folgendes erzählt: Mit dieser Schreckenstat des geistesgestörten Vay wird eine Familimtrazidie beschlossen, durch welche eine der allsten Familien Ungarn« seit Jahrzehnten verfolgt wird. Der V ifec des" Grafen Belr Vay, Gras Adam Bah, ein äußerst Kerniger und gewalt. öliger Mensch, erschoß sich vor vielen Jahren noch einem Famiuenstreit mit seinem Jagdgewehr. Die M.ttter, eme Schwägerin >cs Grafen Julius Andrassy, suchte jahrelang bei den berühmtesten Professoren des In- und Auslandes Heilung gegen ein schweres Augenleiden, bis sie schließlich aus beiden Aug.'.n erblindet ist. Der junge Vay soll schon in frühester Jugend ein Wunderkind an vielseitiger Begabung gewesen sein. Seine Inteltigert) war im Al.er von zwölf Jahren, so cmSgebildet, daß der damalige Ministerpräsident Stephan Tisza den Knaben sehr .gerne bei sich sah und mit ihm über feine Studien plander.e. Mt 19 Jahren verriet er ein bewundernswertes Wissen aus den Gebieten der Soziologie und Nationalökonomie. In politischer Hinsicht wurde der Jüngling überzeugter Sozialist nnd , ein gWhender Anhänger seines Cousins, des Grasen Micha'.! Karolyi. In Wien begannen sich zuerst die Zeichen ge'stiger Umnachtung bei dem jungen- Mann zu zeigen, Er kehrte vorübergehend nach Budapest zurück, wo er aber immer mehr vom Verfolgungswahn ergriffen wurde. Er hatte die fixe Idee, das; er von dm Wiener ungarischen Emigranten verfolgt werde, weil er ih.-e Sache im Stich gelassen habe. Als er eines Tages sich tätlich an seiner Mutter vergriff, die er sonst über alles liebte, wurde er nach Wien gebracht und in der Heilanstalt in Jnzersdors interniert. Besonders tragisch zeigt sich das Verhängnis, das auf der Familie lastet, an dem Schicksal des jüngeren Bruders des Vay, der ebenfalls in der Nervenheilanstalt ist. Der jüngere Vay saß vor einigen Jahren mit den übrigen Familienmitgliedern an einem Tisch im Speisesa-al eines vornehmen Hotels von St. Mcritz. Plötzlich fühlte sich der junge Mann von einem Herrn an einem Nachbartisch fixiert. Der junge Vay zog einen Revolver aus der Tasche und erschoß den fremden Herrn, der ihn fixiert hatte, worauf er im Essen fortfuhr, als ob nichts geschehen wäre. Nach dieser Tat rechnete die Familie damit, daß auch Bela Vay eines Tages dem in der erblich belasteten Familie schlummernden Mordwahn verfallen werde. Bor einer Bertenerung der Reischhreise. Die LebensmilkelmSrKle. Da ans dem gestrigen Rindermarkt in St. Marx infolge verminderten Auftriebes die Preise uni 1600 K. pro Kilogramm gestiegen sind, so ist mit einer Verteuerung der Ri n dfleischpreise während dieser Woche zu rechnen. Gestern sind vorläufig Lei belanglosem Verkehr keine PreisverLnderungen vorgekommen. Der Naschmarkt war trotz bes Montags mit Ausnahme von Kartoffeln auf den meisten Gebieten günstig versorgt. Kartoffel haben mäßig im Preise angezogen, wogegen Paradeiser unter dem Drucke des gesteigerten Angebotes sich. billiger stellten, 3000 K. per Kilogramm. In Gurken, Paradeiser und Zwiebel überwogen die Anbote die Nachstage. Für Kohl und Kohlrüben war die Nachstage eine lebhafte. Auf dem Obstmarkte beginnen di« Zwetschkenzufuhren Tag fiir Tag an Umfang zuzunehmen. Gestern langten größere Sendungen serbischer Zwetschken ein, die zum Großteil in beschädigtem Zustande sich befanden und daher zu tief herabgesetzten Preisen abgegeben werden mußten. Eier langten in ausreichenden Mengen ein, wogegen Butter fiir den Bedarf knapp reichte. __ Sie SelbftmordeWemie. Der 52 jährige Küchengerätehändler Heinrich; S. versuchte vorgestern nachts sich in seiner Wohnung ans unbekannter Ursache zu töten. Erst versuchte er, sich zu erhängen; dann brachte er sich mit. einem Taschenmesser eine S ch n i tt>w u nde an der rechten Pulsader und. eine Weite an; KW kij schließlich jagte er sich aus einem Revolver zwei Kugeln in den Kopf nnd in die Brust. Lebensgefährlich verletzt wurde er aufgefnnden. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn ins Spital. — Im Schiveizergarten hat sich gestern ein etwa 36jähri'ger Mann an einem Baum erhängt. — Samstag nachmittags hat sich im Ottakringer Walde nächst'der stark belebten Straße ein Mann an einem Baum erhängt. — Zwei Straßenkehrer wurden in ihren Wohnungen erhängt aufgefunden. Desgleichen der Tapezierer I. S e i d l e r. — Die 21jährige Strickerin Th. Z a r a d n i k verübte Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas. ein Sprung in die Hauptallee. Samstag abends entstand auf dem oberhalb der Hauptalle« gelegenen Stadtbahnperron Haltestelle Praterstern zwischen mehreren offenbar angeheiterten Personen eine Rauferei. Der Bahnportier Ferdinand B u r g r a st versuchte, um ein Unglück zu verhüten, die Gesellschaft der Raufenden vom Perron abzndrängen, wurde dabei jedoch von dem Hilfsarbeiter Franz P i ck e r l angegriffen und zerkratzt. Als Pickerl sah, daß er weiterem Widerstand unterliegen würde, trat er rasch an das Gitter des mehr als ein Stockwert hochgelegenen Perrons und sprang in die Hauptallee hinab. Er zog sich beim Ausfallen mehrfache Verletzungen zu und schlug sich überdies einige Zähne aus. Die Rettungsgesellschast brachte ihn ins Spital. * Kasseneinbrnch beim Wiener Konsumverein. In der Nacht zum 3. d. wurde in der Filiale Hohenstanfengasse de? Ersten Wiener Konsumvereins ein Einbruch verübt. Aus einer erbrochenen eisernen Kasse wurden etwa fünf Millionen und aus dom Lager Waren im Werte von 60 Millionen gestohlen. * Abfallsammelkör»e auf den Straßen. Für Reinhaltung der^Wiener Straßen gelangen demnächst Sannnelkörbe zur Aufstellung, die an Gaskandelabern nnd ruderen Stellen zur Aufnahme von Abfällen angebracht werden. Passanten, welche diese V^rickcisicn ric!' einballen werden, können dann von Auffichtspersonen zur sofortigen Zahlung von Strafgeldern verhalten werden. * Der neue Oberrabbiner von Syrien. Aus Beirut meldet I. T. A.: Laut „Ales Ba" hat Rabbiner Bachbout in Bcgieitnna des Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Beirut den Oberkommissär Syriens besucht. Tie Zeitung fügt hinzu, daß die Mandatsbehörden und die Libanon-Regierung der Ernennung des Rabbiners Bachbout zum O b e r r a >b i n e r der jüdischen Gemeinschaften Syriens ihre Z u st i m m u n g gegeben haben. * Die „Lctöstwchr". Tie dieswöchige Nummer „SÄbstwehr" enthält: Die Uöberbrücknng der Kluft von Artur Engländer (Jerusalem). — Die Lern- und Arbeitssiedlung oes Blau-Woiß in der tschecho-slowakischen Republik. — Ausführliche Berichte über die A. C.-Sitzung in London. — Moderne jüdische Lyrik von S. Meisels. — Persönliche Erinnerungen an Herzl von R. -Kobler. — Gemeindebcvichte. — Das Judentum im Inland und Palästina. — Sportzeitung m'l c'nun Pr-.scs,siorialismus im jüdischen Sport. PrriiviWiiifi ftp; 9f KwMckimiedt. Wien. 1. Bez.. Wollzeile. Keine Verpachtung per Apotheke der Statt* herzigen Brüder. Einige Zeitungen hatten berichtet, der Konvent der Barmherzigen Brüder habe an eine Einkaufsgenossen-. schuft deutschösterreichi cher Aerzte die Apotheke des Spitals in der Taborstraße auf zehn Jahre verpachtet. Wie wir von authentischer Stelle erfahren, ist diese Nachricht völlig aus der Luft gegriffen. Der Sachverhalt ist folgender: Die Landärzte sind verpflichtet, gewisse Medikamente, die sie in ihren Hausapotheken führen, von einer Apotheke zu beziehen. Da sich nun beim Einzevbezug dieser Medikamente ans privaten Apotheken oft Differenzen ergaben, hat ein Konsortium lliederösterreichischer Landärzte mit dem Konvent der Barmherzigen Brüder einen zehnjährigen Vertrag abgeschlossen, in welchem sich letzterer verpflichtet, die von den Landärz.i'n seiner Apotheke gelieferten Drogen zu Medikamenten ve arbeiten z,i lassen. Außer der vorgeschriebenen Taxe erhält der Konvent noch/ ein Prozent vom Betrage des Bruttomnsatz.'s. Eine weitergehende Verpflichtung ist der Konvent n'-cht eingegangen. Die Nachricht von der Verpachtung der Apotsieke dürfte vielleicht uns die ungünstige finanzielle Lage der Barmherzigen Brüder zurückzuführen sein. Der Konvent ist fast zur Gänze ans Private Wohltätigkeit angewiesen und befindet sich ebenso wie' die Freiwillige Rettungsgesellchaft, obwohl be:de Institutionen dem öffentlichen Wohle dielten, infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise in steten Geldsorgen. Trotzdem würde sich die Spitalsleitung nie zu einer Verpachtung der Apotheke verstehen können, da eine Heilansta-It ohne eine solche nicht bestehen könnte. Sas Wetter. Die Wetterpropheten hatten leider Recht. Der vorgestrige Tag stand keineswegs im Zeichen des Hochsommers. Statt eines „Hundstages" war das Wetter „hundsmiserabel". Der kleinen 1 AuSheitenmg von gestern sollen heute wiederum Regen und Abkühlung folgen. Die Wettermacher behaupten eS. Leider kann man sich auf sie verlassen, überhaupt wenn, es sich um schlechtes Wetter handelt. Wirbelsturm und Äochwasser. In der Rheingegend herrschte ein Wirbelsturm, der besonders die Stadt Verdingen heimsuchte. Dächer wurden abgerissen und teilweise bis an das andere Rheinufer geschleudert, wo auch ein Strandbad vollständig zerstört wurde. Die Donau beiW i e n stieg weiter und überflutet bereits große Teile des JnundationSgebieteS. Auch viele Schrebergärten wurden weggeschwemmt. Das Krttzendorfer Strandbad hat ebenfalls sehr gelitten. Falls nicht neuerlich größere Niederschläge eintreten, ist jedoch mit dem Abflauen der Waffermaffen zu rechnen. Eine Hochwassergefahr für-Wien besteht derzeit nicht. __ 1 Wien, 6. August. * Ein Kind von einem Streiswagen getötet. Gestern mittags wurde die zweijährige Theresia Holisch von einem Gärntnerwagen ersaßt und überfahren. Das Kind erlitt schwere Verletzungen und starb. * 3775 Schriften über die Relativitätstheorie. Welche .lsdehnung die ütt'raiui über Einsteins Relanvitätseorie angenommen hat, geht aus einer Bibliographie über e Einstein-Schriften hervor, die der Mathematiker an der niversität von Löwen, der bekannte Pazifist Maurice, L eeot, rrausgege-ben hat. Es handelt sich um nicht weniger ÄS '75 solcher Schriften. An erster Stelle steht Deutschland mit 135 Schriften, ihm folgt England mit 1150, Frankreich mit X). Italien mit 216, Holland mit 126. Die Anzahl der Gehr.-m, die üoer o.L Re^a.ivitätscheorie geschrieben haben, beägt 1175. Sie bMeilen sich wie folgt auf die verschiedenen atiouen: Deutschland 350, England 185, Frankreich 160, erernigte Staaten 128, Italien 65, Holland 80, Oesterc i ck 19. Schweiz 3/. vö- 2. A.) * Busonis letzte Worte. Hans Mersmann veröffentlicht in >r Zeitschrift für Musik „Melos" den letzten Aufsatz Ferruccio usonis ,/Vom Wesen der Musik". Das ManuMpt ist vom Juni 1924 datiert. Der Aussatz schließt mit den Worten: Zuweilen in seltenen Fällen hat ein Irdischer vom Wesen der lusik etwas Uniirdisches erlauscht: das zerfließt h\ den Händen, bald man danach greift, erstarrt, sobald es durch das /nnkel unserer Mentalität geschleiftwirddoch blerbt von inem himmlischen Ursprung noch genug Erkennbares, daß eS ns als 'das Höchste, Edelste und Hellsie erscheint von allem uhen, Edlen und Hellen, das uns erkennbar umgibt. — Nicht ie Musik ist ein Abgesandter des Himnrels" wie der Dichter tdm, sondern des Himmels Abgesandte sind gerade jene Erwählten, 'denen das hohe Amt aufgebürdÄ, ist, einzelne Strahlen des UMchts -durch unermeßlichen Raum uns zuguringen. Heil dem Propheten!" * Ein triftiger Grund. Wie jedes Staatsoberhaupt, wird uch Gaston Donmergue, der Präsident der französischen Reublök. täglich mit Bittschriften überschüttet. In einer der chteingelaufenen heißt es nach „Le Quotidien", daß der Bitt- -e'ller arbeitslos und Vater von vier Kindern sei und an das nie Herz Doumergues deshalb appelliere, weil er — auch wston heiße. * Wer liest Zeitungen? Der soeben veröffentlichte dritte Bericht des „Bureau os Addertising facts" vom Publicity Club u London enthält einige interessante und lehrreiche Statistiken ber den Umlauf der Zeitungen und ihren Leserkreises. Als Beispiel seien die folgenden Zahlen genannt: 143 von Männern jekaufte Zeitungen wurden gelesen von 297 Männern und «64 Frauen, zusammen von 561 Personen. 52 von verheirateten fronen gekaufte Zeitungen wurden gelesen von 69 Männern cnd 76 Frauen, zusammen von 146 Personen. 84 von unvereirateten Frauen gekaufte Zeitungen wurden gelesen von 85 Nännern und 187 Frauen, zusammen von 272 Personell. Jede Leitung wird also im Durchschnitt von 3/5 Personen gelesen, üer Bericht schreibt: „Der Kaufmailn". dem wir diese Anlaben entnehmen, läßt sich aber leider nicht dari'tber aus, wie »er PllWoity Club seine Echebungen angestellt hat. Erst dann ieße sich beurteilen, inwieweit die gewonnenen Zahlen als oirklich zuverlässig angesrhen werden können. Jedenfalls beve:sen diele Zahlen. auch die Frauen eifrige Z-itungsvserinnen unlb, -Käuferinnen sind. * 40.000 FlKhe. Ein Pariser Blatt berichtet, daß jemand >em Londoner British Museum eine Kollektion von Flö'hen Unterlassen hat, die er mit einer ähnlichen Kolleklion des Dr. ,Karl Jordan veroint wissen wollte. Es sind also jetzt nicht voniger als 40.000 -Flöhe .betsaillmeir, die 690 verschiedenen Sorten anqchören. * Der anerkannte Apache. Der Pariser „Figaro" berichtet, das Wort „Apache" sei setzt von der Akademie anerkannt uni: in. den offiziellen Sprachschatz des französischen Volkes ansge- * Henny Porten in Wien. Heute Dienstag um 4 Uhr 20 Min. trifft Henny Porten in Begleitung einer Reihe von prominenten Schauspielern hier ein, um an den Zl-ufnahmen zu den Westi-Films „Das goldene Kalb" und „Prater" teilznnchmen. Es sollell z-ll diesen Films Allfnahmen im Prater, in .! - nrv-.r.... .....— rrs.:* Anfinfu cvilm* ißresse (mpfargen tociKu, Eiul Vereine. Borträge und Bersammluugen. Zionistische Jngendgrilpve Leopold' st a d t. Heute, lJa8 Uhr abends, im Lokal des LandeSkomiteeS 2. Bez., Taborstraße 20a, um 8 Uhr abends. Vertrag des Heni Karl Glaser. 'Gäste willkommen. Ra^ t-' Ulir abends keir aß. Tausendkronenblocks zur Verrechn! > -