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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-04 · Heft 1965 (4.8.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1965 (4.8.1924)
Date
1924-08-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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T eene * UVICIM» IHK BeöS ÄM Maas 8WVKÄ &Ä\t: »♦V»>'*‘V :wä I EIN FUSS BALL'ROMAN VON SIDNEY HORLER Nachdruck dovbehaltvn. 36. Fortsetzung. Der Kerl soll sich in acht nehmen! Wenn ich jemals ihm Leben mordü^trg war, war es in dem Zlugenblick, als dieser arme Irrsinnige das erste Goal gab! Es war genau so ein Goal wie er em Schiedsrichter ist!" Mt dem beruhigenden Lächeln, das nie verfehlte, die , aufgeregten Gemüter im Hollywood-Lager Zu besänftigen, antwortete Warriner dem zornigen Verteidiger. ,fS§ war die ärgste Fehlentscheidung, die ich je in memem Lebe» erfahren häbe", gab er zu, ,/lber jetzt ist sie vorbei und erledigt, Ben, mein Junge! In der zweien HÄfte müssen wir spielen und nicht schimpfen! Hollister und die DmÄoren werden schon über dieses Prachtexemplar von Schiedsrichter an den Verband berichten, aber das än- 'dert nichts an der Tatsache, daß wir ein Goal gegen uns haben. Vorwärts, Jungens, gehen wir!" Als sie wieder den Platz betraten, beschattete der Hollywood-Kapitän seine Augen mit der Hand und sagte: „Seht ihr? Die Sonne kommt heraus, das ist ein gutes Omen für uns!" Es bedurfte nicht dieser Worte ihres Kapitäns, um die Männer in der roten Dreß aufzuMvern. Walter Bell mochte scheuen und Tranfield mochte schimpfen, aber das war nur oberflächlich, jeder Mann des Teams war im Innersten dcwvn durchdrungen, daß ihre Stadt, die ihnen Glückwünsche geschickt hatte, auf keinen Fall enttäuscht werden durfte. Die zweite Halbzeit begann aus sofort mit einer Sturmattacke auf das Girnsleh-Tor. Die Hollywood-Vorhut war rm Handumdrehen Herr der Situation; der Ball ging von Mann zu Mann mit einer Präzision, die im Hinblick auf die Bodenverhältnisse erstaunlich war. Auf der -Außenlinie aufgehalten, gab Dean den Ball mit der 'FeHe an Pat Finnegan zurück. Der Rechtsinnen legte Marx'zielsicher vor, welcher den Ball noch erreichte, obgleich er sofort foul angegangen wurde. Kunstvoll gefälscht, schwirrte der Ball gegen das Tor. Mit Entsetzen im Herzen und halb ersticktem Angstschrei sah die Menge, wie sich der Girnsley-Tormann mit einem verzweifelten Sprung dem Ball entgegen warf. Sein langer Arm erreichte ihn noch, aber alles, was er tun konnte, war, ihn Niederschlagen, so daß er gerade vor des herankomwenden Finnegans Füße gelangte. Mt einer raschen Wendung entzog sich der Rechtsinnen einem wuchtigen Rempelverstrch eines Girnsleh-Backs und schoß. Auf die kurze Distanz war 'e§ unmöglich, daneben zu schießen, doch das Glück war noch mit den Einheimischen. Der wuchtig getretene Ball traf die Schulter des Tormannes, und-obwohl dieser durch die entsetzliche Gewalt des Schusses niedevgeschleudert wurde, sprang der Ball über -die Mange und rollte hinter das Metz. Horner!" riefen die Hollywood-Spieler, und >zu ihrer: Uebervaschung (denn sie waren nach dem ersten Goal'auf alles gefaßt) zeigte 'der Schiedsrichter auf die Kornevfähne. Dean war stotz auf seine Kornerschüsse. Wenn man ihm schmeicheln wollte, mußte man ihm nur sagen, daß er Kower wie Meredith schießen konnte. Tommy Dean hrtte das Kornerschießen so gründlich trainiert, daß er das Leder bis auf einen Zoll genau placieren tonnte, und so konnte man ihm die überlegene Geste, mit der er immer an seine Aufgabe schritt, nicht übeluehmen. Sein -.Ball schien sich mit der Tücke einer Schlange gegen das Tor zu winden. Ein wildes Getümmel, in dessen j Mitte Marx stand, der besonders roh hergenommen wurde, war die Folge, bis es schließlich dem Tormann gelang, den Ball kurz wegzufäusteln. , Das Leder fiel einem der GirnSley-Holfbacks auf den Kopf, der es rasch weitergüb. Aber ein kleiner, vierschrötiger Spieler in roter Dreß war auf der Wache. Ben Warriner traf den Ball hals-volleh mit seinem linken Fuß und lenkte ihn sausend in die rechte , Ecke des Netzes. Das Goal war auf eine Distanz von nahezu 30 Iard geschossen wor- ’i den und ließ selbst diejenigen, die imstandelvaren, dieser! rapiden Aktion mit den Augen zu folgen, starr vor Staunen. Ein einziges Wehes Stöhnen stieg aus der Menge auf, wie ihr Tormann den Ball aus dem Netz holte und' zornig gegen die Feldmitte schleuderte, wohin der Schiedsrichter > mit der Pfeife schon zeigte.! Aber die Hollywood-Spieler kümmerten sich wenig um den Kummer der Feinde. Wie ein Mann warfen sie sich auf ihren geliebten Führer und gruben ihn förmlich unter der Fülle ihrer Liebe in dem schlammigen Boden! So wertvoll das Goal an sich ihnen tvar, die Tatsache, daß gerade Ben Warriner es geschossen hatte, brachte den Becher ihrer Freude zum Ueberftießen. Der Schuß övar ihnen ein gutes -Omen, ein Regenbogen auf grauem Himmel; ein Zeichen des Schicksals, daß alles so enden würde, wie sie es in ihrem Herzen wünschten, wenn der Schlußpfiff ertönen würde.. Es war auch ein Wunder, daß gerade der Hollywood- Zenierhalf das Goal schießen mußte. Er toar ein großes, international berühmest Fußballgenie, doch schien es, als wenn er seit dom Tage, da er die dunklen Gründe eines Kohlenbergwerkes. verlassen hatte, um Fußballprofessional zu werden, noch niemals ein Goal geschossen hätte. Er tvar immer der Schlachtlenkrr, der Feldherr gewesen. Mit Kopf und Füßen konstruierte er die. Situationen, die seine Stürmer dann nur zu devwerten hatten; doch nietnals hatte Warriner den Ball ins Tor befördert. Die Menge liebte ihn und lachte doch, tvenn er je versuchte, selbst, ein Goal zu schießen. Wohl lachte man mit herzlichem Wohlwollen für den kleinen, vierschrötigen Spieler — aber man lachte. War es da ein Wunder, daß die begeisterten Hollywood- Leute dieses Goal als sicheres Omen des Sieges betrachteten? Aber von dem Augenblick an brach es über die Mnge wie ein Irrsinn herein. Die 30.000 Zuschauer drängten wild und drohend an die. Barriere, während die Girnsley- Spieler selbst w»: hungrige Wölfe losbrachen. Ein Mann, Per die rote Dreß Hollywoods trug, konnte kaum den Ball ansehen, ohne sofort brutal angegangen und zu Boden gelegt zu werden. Ben Warriner ging der Mannschaft mit dem besten Beispiel der Selbstbeherrschung voran. Wäre er nicht auf dem Felde gewesen, so hätte mancher Hollywood-Spieler, wütend über die schrankenlos Brutalität der zahlreichen Fouls, mit gleicher Münze heimgezahlt. Doch als Nixon mit selbst hier ungenwhrrlicher Roheit einfach niedergeschlagen wurde, forderten die Hollywood-Leute energisch vom Schiedsrichter, daß der Täter sofort vom Felde gejagt werde. . Der Schiedsrichter wollte nichts hören. Er hatte jede Kontrolle über das Spiel verloren und niemand wußte das besser als er. . Es wurde eher schlechter als besser und das Spiel entwickelte sich aus einem Fußballmatch zu einer Keilerei, wobei allerdings die Gastmannschaft nichts anderes tat, als sich gegen die rohen Ausfälle ihrer Gegner schützen. Trotzdem verlor sie den Mut nicht. Als Lennie in die .Äalflinie zurückgezogen wurde, um die Verteidigung zu ver-! stärken, griffen die vier übrigen Stürmer genau so tapfer an wie früher. Es schien aber, als tvenn das.Glück sie wieder verlassen hatte. Der Regenbogen am gwuen Firmament schien nur! eine trügerische Spiegelung zu sein. Schüsse regneten nur so j auf das Girnsley-Tor, jedoch der Tormann arbeitete wie ein Besessener! Er hielt Bälle, welche scheinbar unhaltbar | waren, hielt sie oder lenkte sie zu Kornern, welche dann . verschossen-wurden. Zweimal brach Marr durch die gegnerische Verteidigung, aber jedesnE wurde er im Strafraum regelwidrig.! attackiert, ohne daß der Schiedsrichter angesichts der Wutj schnaubenden Meng? gewagt hatte, seine Pflicht zu tun. Die Halbzeit nähette sich schon ihrem Ende. Die Hvlly- 1 Wood-Spieler hinkten, wo immer sie einen Augenblick zur. i Ruhe kamen. Nixon, ziemlich schtver verletzt, war noch immer kampfunfähig und am anderen Flügel war Wrenlock in einem derartig schlimmen Zustand, daß er auf den rechten Flügel gehen mußte, wo er sich. darauf beschränkte, Finnegan den Ball zuzuspielen. Pat arbeitete mit wund- 1 gestoßenen Knöcheln für drei, aber wenn auch der Geist sehr willig tvar, das Fleisch schmerzte ihn furchtbar. Abgesehen von Walter Bell, der unschuldig auf der Außenlinie auf seine Chcmeetvartete, die nie zu kommen schien, war Marr in der Hollywood-Stürmerreihe beinahe allein. Sein ganzer Körper schmerzte ihn, aber die weißen Torpfosten vor ihm hielten seinen Kampfgeist tvach und seine. Nerven gespannt. Er dachte an das Mädchen, das krank in Hollywood lag und das von ihm erwartete, paß er das Goal schießen würde, welches diesen wilden Kampf entscheiden sollte. Er merkte, daß der Schiedsrichter auf die Uhr blickte, ein sicheres Zeichen, daßdas Ende nahe 'war. In diesem; Augenblick hörte-er sich scharf 'beim Namen rufenund sah Ben Warriner aus einem Knäuel auftauchen und ihm da» Leder vor die Füße rollen. Der Zentersttirmer jagte mit dem Ball nach vorne. Um ihn 'herum war kein Rot zu sehen, also mußte das wohl eine Soloaktion werden. In einem halsbrecherischen Tempo raste er über den gefährlichen Boden, vorbei an' dem ersten Verteidiger, der sich ihm in -den Weg stellte. Je weiter er kam, desto kühler und sicherer wurde er. Geschickt enttvand er sich dem gefÄhrtichen Angriff des linken Verteidigers, eines notorischrohen Tacklers, aber, obwohl er dem Rempelversuch entgangen war, konnte er sich doch nicht der ortsüblichen Taktik.seines Gegners entziehen. Als dieser merkte, daß. er geschlagen tvar, stellte er dem Zenterftürmer ein Bein, so daß Marr, das achte Mül während dieses Spieles, zu Boden geschleudert wurde, daß ihm beinahe Hören und Schon verging. Doch im Augenblick stand er, als wäre er ein Gummiball, wieder auf den Beinen. Mt vor Schmerz tränenden Augen sah er den Ball langsam gegen das Tor rollen. Er tonnte kaum Zwölf Pard von ihm entfernt sein und der Tormann rannte, mit richtiger Witterung für die Gefahr, da auch die beiden Der-. leidiger nicht mehr rechtzeitig zurückkonnten, aus dem Tor, um den Ball zu erhaschen. Mit einer letzten Anspannung seines gequakten Körpers lief Marr wie ein Betrunkener vorwärts, taumelte, glitt aus und gelangte doch schließlich rechtzeitig genug ans Leder, um es den ausgestreckten Händen des Torniannes zu entziehen. Mit einem Bein, das aus Blei geformt zu sei» schien, stteß er den Ball in das weit gähnende, unbeschützte Tor. ■ Dann fiel er auf den nassen Boden, denn er war mit seinen Kräften zu Ende. Er hörte nicht mehr den Schlußpfiff des Schiedsrichters und erkannte erst, als er von seinen Gefährten im Triumph von diesem Felde des Schlammes Und der Verzweiflung getragen wurde, daß das Spiel zu Ende war. Richard Marr vergaß diesen Augenblick nie mHr \n seinem Leben. Eine Totenstille lastete über den Zuschauern, als könnten sie es noch nicht glauben, daß ihr Team Girnsley, die kampferprobte Pokalmannschaft, in der erste« Runde des Cups geschlagen worden war! Und doch — es war so —, es war herrlich, unbeschreiblich herrlich »wahr! Das kam Marr so recht deuMchzurn Bewußtsein, als er im Ankleidezimmer auf die Füße gestellt wurde und Kanonier >Sage, der Trainer, beide Arme ü« seinen Hals legte und ihn unter Tränen küßte. „Gott segne dich, Dick, mein Junge!" sagte «r; es gibt nicht viele Gvbete, die sich mit diesem a» Innigkeit und i Aufrichtigkeit messen konnten. Die Hollywood-Spieler waren vom Kops bis zu de« Füßen mit Schlamm bespritzt, doch niemand dachte ans! Umkleiden. Statt dessen wurden sie nicht müde, Warrs Hände zu schütteln und ihm auf die Schulter zu Lopst«. Die Gefühle, die sie bis nun streng verschlossen im Fstmi» getragen hatten, drängten jetzt nach Befreiung, und-wen» einer sprach, brach seine stimme. Doch sie waren Stoiker verglichen mit Sam Hollister. Er ging wie geistesabwesend von einem Mann WM anderen, und murmelte starren Blickes immer und immer wieder zu. sich selbst: „Gött sei Dank! Gott sei Dank!" Wie eine Gesellschaft ausgüwachsener Gchukbuheü kletterten die Hollywood-Spieler schließlich in ein 'großes Gesellschaftsauto, das'sie zur Station bringen sollte. ' Pat Finnegan hatte, tveiß der Himmel woher, eine Keine Blechtrompete erwischt und er «WeS .in gutmütigem Spott auf die schimpfenden Zuschauer herab. die das . Tor noch umlagerten.. ' ' Der Zug langte um 11 Uhr nachts in Hollywood an. Um diese Stunde war die Station gewöhnlich menschenleer. I Tranfield, der den Kopf aus dem Fenster gesteckt hatte,gotz j ihn plötzlich mit einem erstaunten Pfiff zurück. ' „Der Bahnsteig ist ja dichtgedrängt voll Leuten?" sagte er. „Was mag da wohl los sein?" „Du bist ein ganz guter. Back, Trammy, aber vvck .Hals angefangen hinauf aus Holz!" scherzte Nixon,/der trotz seiner schweren Verletzung sehr glücklich schien. „Siehst du' nicht, daß die Einwohnerschaft in Pyjamas und Nachtjacken ausgerückt ist, um den Cupsieger willkommen , zu heißen?" - Manch wahres Wort wird im Scherz gesprochen. . So - war es auch jetzt. Kaum waren die Spieler, ausgestirgen, wurden sie sofort von Hunderten umringt und degrHt.1 . (Fortsetzung folgt.) uw» «99(ii0 HWWUWW * fl'itt'iTIVffttliWr'niitfrifniMrflliilifili

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