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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-03 · Heft 1964 (3.8.1924) · p. Seite 16

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1964 (3.8.1924)
Date
1924-08-03
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Ve«e «8 Wien, SomckH Mentztr MorseitzelLims. s. Adst IM M. tm SPP} AUTO-BEILAGE DER WIENER MORGENZEITUNG'ERSCHEINTSÖNtsITÄÖ Was braucht ein Kleinauto? Kein Zweifel, so lautet sie, die zweithäufigst gestellte „Anfrage aus dnn Publikum" an die beati possidentes von kleinen Wagen. Die häufigste nämlich, die Frage der Fragen gleichsam, betrifft den Anschaffungspreis des Wagens. „Sagen Sie, Verehrtester,, was haben Sie eigentlich für Ihr Wagerl bezahlt?" so tönt es dem Kleinautler von heute immer wieder entgegen, allerorten, auf der Straße, im Cafe, im Klub. Und jedesmal, wenn die neugierige Frage mehr oder minder wahrheitsgetreue Erwiderung gefunden hat, setzt der Fremdling eine einigermaßen sehr enttäujchte Miene auf und meint: „So viel! Das hätte ich nie für möglich gehalten." Ja, lieber Kleinautler in spe, so viel kostet ein Volkswagen in unserem automobilistisch noch lange nicht sanierten Oesterreich und wenn nicht alle Vorzeichen trügen — warum sollten sie auch? — wird es bald weit mehr kosten. Erstens, weil wir knapp vor einer akuten Erhöhung des Zollsatzes halten, zweitens,» weil es ein offenes Geheimnis ist, daß die inländischen Kleinautoerzeuger mit den derzeit geltenden.Verkaufspreisen ihr Auskommen nur schwer finden können, wiewohl und obzwar ... Doch darüber ein andermal. Für heute wollen wir unser Interesse auf die Titelfrage konzentrieren: Was braucht ein Kleinauto heutzutage? Viel und nicht viel — wie man es nimmt. Viel, wenn man mit der notwendigen Rigorisität vorgeht bei der Betriebskostenberechnung, indem man alles, aber auch alles mit ins Kalkül zieht, die Amortisation des Kaufpreises, den Zinsenverlust der . angelegten Summe, die auf das Jahr entfallende Reparaturquote, die Haftpflicht-, Feuer-, Unfall- und Diebstahlsversicherung usw. usw., wenig, wenn man lediglich die im vollsten Wortsinne-„fließenden" Ausgaben, die Spesen für Benzin und Oel, eventuell noch die „reibenden" Kosten, den Gummiverbrauch, in Rechnung stellt und alles andere links liegen läßt. Um es vorweg zu sagen: die direkten, sozusagen täglichen Ausgaben, die der Kleinautobetrieb verursacht,.find lächerlich geringe und fallen bei einem Manne von halbwegs auskömmlichen Einkommen gutbürgerlichen Kalibers kaum in die Wagschale. Da wäre zunächst v der Benzinverbrauch des kleinen, noch besser gesagt, Kleinautos, von 750 bis 1000 Kubikzentimeter Volumen. Entspricht es den neuesten Bauvorschriften, wird es mit sieben Litern pro 100 Kilometer auch im Stadtverkehr auszukommen wissen. Gewiß, ausländische, allen voran französische Kleinautofäbriken, garantieren in ihren redseligen Katalogen und Propn gandaschriften nicht selten einen Liliputkonsum von nur fünf, ja selbst vier Litern Betriebsstoff für das Kilometerhundert. Aber die Praxis weiß es besser. Sechs Liter, das dürfte so ziemlich als Existenzminimum auch des spar samst veranlagten, weil leichtest und modernst konstruierten Volksautos anzusehen sein. Motoren, die noch bescheideneren Appetit bekunden, sind Ausnahmserscheinungen, mit denen wir uns hier nicht befassen können. Wie gesagt, der Durchschnittskleinautler.. gibt sich mit sieben Litern Verbrauch gerne zufrieden. Was kosten nun diese sieben Liter? In Wien zirka 35.000 Kronen. Selbstredend spielt da das spezifische Gewicht, die Qualität des Betriebsstoffes eine wesentliche Rolle und nicht minder die Einkaufsquelle. Auch ist es keineswegs gleichgültig, oh das teure Naß beim Grossisten oder beim Benzingreisler bezogen wird. Doch nehmen wir 5000 Kronen als Grundlage für unsere Rechnung. In diesem Fall stellt sich das pro Kilometer verbrauchte Benzin auf 350 K. Nun zum Oelverbrauch. Der freilich ist eine sehr variable Größe,' ein luftgekühlter Motor benötigt eben intensivere Schmierung als ein wassergekühlter und auch von der Art der Schmiervor richtung hängt die Oelokonornie, bezw: Unökonomie der Maschine in hohem Grade ab." Auch.' hier wollen wir pessi-' mistisch sein, um allfalligen Enttäuschungen vorzübeugen. Ein hochtouriger französischer - Kleinautomotor (mit 750 Kubikzentimeter) mit primitiver Schleuderschmierung, wie sie von den tonangebenden Fabriken des Auslandes angewendet wird, zeigt einen Oelverbrauch von zirka drei.Liter für 1000 Kilometer oder 0,3 Liter für 100. Was kostet nun etn Kilo Oel? Sehr verschieden! Es gibt im Handel sogenanntes offenes Oel von, nicht immer einwandfreier Beschaffenheit, das verführerisch billig abgegeben wird, bis hinunter zu 10.000 Kronen das Kilo, ferner plombiertes amerikanisches Oel in..Zwei- oder Mehrliterkannen, schließlich auch englisches „Luxusöl" zu Extrempreisen. Und merkwürdig. Gerade dieses findet immer, mehr und begeistere Anhänger, es wurde beispielsweise aus.der Alpensahrt der .kleinen Wagen vorzugsweise verwendet. Nichtsdestoweniger möchten wir das amerikanische' Oel, das „auch" ganz gut ist, für unsere Kalkulation heranziehen. Sein Detailpreis, beträgt etwa 30.000 K., das gibt für den Fahrkilomeier rund 100 K Damit wären die laufenden Spesen des kleinautomobilistischen Haushaltes erschöpft, denn der Wasserverbrauch ist eine quantite negligeable, selbst bei den erprobtesten „Würstelsiedern". Und der ReifenverVrauch? Aus diese Frage eine präzise Antwort zu geben, ist schlechterdings unmöglich. „Von wegen" der Ballonreifenmode. Nänllich: jedes bessere Kleinauto trägt heutzutage Ballon- oder Niederdruckreifen und jedes schlechtere sollte sie erst recht tragen.. Filzpatschen nennt sie beziehungsvoll der Volksmund. Besagte automobile Filzpantoffeln nun sind eine relativ junge Erfindung, erst die Fahrsaison 1924 hat sie in Trab gesetzt, und zwar vorerst in Frankreich, wo sie das Wellhaus Michelin als Confortreifen erzeugt. Noch weiß niemand Authentisches über die . Lebensdauer dieses Wunderpneus zu berichten, dieweil auch, die ältesten Autoballonisten in Oesterreich sich beim schlechtesten Willen nicht erinnern können, jemals einen Ballonreifen totgefahren zu haben. Es heißt schier abwarten, bis verläßliche Daten darüber vorliege.n, ob sich beim Ballon zu den nervenschonenden Eigenschaften für Wagen und Insassen noch der vielfach nachgerühmte Vorzug methusalemitischen Alters gesellt, was beinahe schon zu viel des Guten wäre. Freilich, grundsätzliche Skeptiker in automobilistischen Dingen beteuern, er, der Ballon, könne nicht annähernd so lange währen als der Normalreifen, wobei sie auf die ununterbrochene Knickung der Seitenwände bei Niederdruckreifen verweisen. Anders die Reifenfabrikanten selbst, soweit sie nämlich den Ballon favorisieren. Sie sind voll Enthusiasmus über die erzielte Kilometerleistung von ballonisierten Wagen, die, wie sie versichern, alles' bisher Dagewesene überschatten soll. Und in der Tat: Die bisherigen Erfahrungen mit dem Ballon in Oesterreich sind vielversprechend. Nach,6000 Kilometer Land- ^straßenfahrt blickt so ein Weichreifen d'rein, wie eben erst -geboren, jungfräulicher kann man nicht. Wenn er sich also nicht mit unwahrscheinlicher Plötzlichkeit eines besseren (Jenseits) besinnen sollte, darf man sich auf 20.000 bis 25.000 Kilometer zumal bei Leichtwagen (mit etwa 500 Kilogramm Leergewicht) gefaßt machen. Setzen wir die neue Reifengarnitur erstklassiger ausländischer Provenienz (die übrigensbeim Gros der Kleinwagen im Katalogpreise eingeschlossen ist) hoch gegriffen mit vier Millionen an, so gelangen wir auf Basis einer 20.000 Kilometerdistanz zu einem Kilometerpreis von 200 Kronen, ein sicherlich mäßiger Betrag. Addieren wir: Benzin .... 350 Kronen Oel . .... 100 „ Reifen .... 200 .. Summe. 650 Kronen Also: 10.000 Kilometer Fahrt, ein stattliches Jahrespensum, verursachen dem Kleinautler an direkten Spesen 6,500.000 Kronen, zu denen allerdings noch die Gebühren für Garage und Reinigung hinzutreten. Hier handelt es sich um Ausgaben, für die es einigermaßen schwer hält, das arithmetische Mittel zu eruieren. Die Einstellungstarife unserer öffentlichen Garagen sind zurzeit ziemlich gepfeffert, 500.000 bis zu 1 Million Kronen monatlich werden dort in der Regel gefordert, doch nur in der Ausnahme bewilligt. Der Wiener Durchschnittskleinautler weiß es sich schon irgendwie zu „richten". Sei es, daß er im Hofe seiner Behausung eine Garage improvisiert (Wellblechbau oder Holzschuppen) sei es, daß er den Wagen bei Bekannten für ein Billiges-unterstellt. Gelingt ihm das nicht, dann freilich bildet die Einmiete des Wagens in einer öffentlichen Großgarage eine , gar gewichtige. Ausgabenpost, die die Rentabilität. des KleinautoMriebes . für den Arzt, Kaufmann, Agenten, wie überhaupt den Berufsfahrer, aufs , ungünstigste beeinflussen kann. Auch, bezüglich der-periodischen oder täglichen Reinigung des Wagerls läßt sich keine allgemein - gültige Kostenberechnung aufstellen. Häufig wirdhiezu der'Hausdiener, Gärtner, Geschäftsdiener, jaselbst die Hausgehilfin: herangezogen. Manche Reinlichkeitsfanatiker von Herrenfährern lassen es sich nicht nehmen, das Vchikel eigenhändig abzüspritzen und trocken zu legen, andere' wieder legen überhaupt keinen Wert auf -den ästhetischen! Eindruck des Wagens und , säubern ihn nur alle. heiligen. Zeiten. Das-Kostspieligste ist. auch hiex die Garage) die für die Reingung des Kleinautos keine Ausnahme gelten lassen will. Aber nochmals: Jene Kleinautler, die volle Preise für Garage und Waschen bezahlen, sind die,,kompakte" .Minorität, die Majorität zahlt kaum die halben. . . Man.sieht: die direkten Kosten des volksautomobilist ischcn Haushaltes belasten die Brieftasche in durchaus erträglichem Matze. Weit peinlicher berühren , sie die indirekten Ausgaben, als da sind: Amortisation, ^msverlusü Reparaturen, Versicherung, die wir nächsten Sonntag tu.' den Kreis unserer Betrachtungen ziehen wollen. Allein schon jetzt, angesichts der Teilkalkulation der kleinautolichen Betriebskosten, dürfte dem Wunschautomobilisten die Erkenntnis aufdämmern: Kleinautler werden ist nicht schwer, Kleinautler sein dagegen sehr! Fabrikationspause bei Amilcar. Im Zusammenhänge mit der sattsam bekannten Krise im Wiener Arsenal, tritt nuumchr auch bei den österreichischen ArmlcarMerken eine Unterbrechung in oer Erzeugung ein. Die Fabrikationspause dürfte, wie wir hören, bis Mitte September dauern. Falls es inzwischen gelingt, die Finanzierung des Unternehmens auf eine neue und dauerhaftere Basis zu stellen, wofür günstige Aussichten bestehen. ist beabsichtigt, den Bau des österreichischen Amilcar im Herbste in noch größerem Stile als bisher aufzunchmen. Das lebhafte Interesse, das dem ■ österreichischen Amilcar in kleinauiomobilisti.schen Kreisen entgegengebracht wird und das seinen praktischen Ausdruck in großen Aufträgen auf österreichische Anrillcars gefunden hat, beweist uns, wie gesund der Gedanke war, gerade diesen, so überaus leistungssährgen und rassigen .Kleinwagen im Jnlande herzustellen. Bon einer Absatzkrisc kann demzufolge bei den .Oesterreichischen ■ Amilcar-Werken keinesfalls gesprochen werden. Allenfalls von einer Geld'beschaffungskrise, und die wird unschwer überwunden werden. vor cker Zollerhöhung d.- risv.erteste aller am?-;, .\utos 9 27 mit allem Komfort, Dynamo, Anlasser etc., komplett fahrbereit, verzollt 85 Millionen General-Repräsentanz 3068 Auto - Verkaufs-G. m. b. H. Fichtegasse 8 WIEN B. Kolowratring 6 OesterrelclUsche Loftoerkehrs I. G. Wien München Nürnberg Fran kfurt Zü ri ch Genf Budapest Mit Junkers Ganzmetall-Limousinen Flugscheine und Auskünfte im Oesterreichischen Verkehrsbureau, Wien, I. Friedrichstrasse 1, Telephon 52-5-90 AUTOFAHRSCHULE RUMPLER vom Landesschulrat genehmigt 1 IIL Marxergasse 30 und 32\ Telephon 57-3-32 u.51-7-55 so87 Verlangen Sie Prospekte! I ICH FAHRE NUR Souple-Görü und Vollgümmi- Reifen V Autozubehöre Reparaturen Vollgummipresse Kaufmann & Eissler Wien, III. Ungargasse 12a :: Tel. 7388 u.842/8

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