Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1964 (3.8.1924)
- Date
- 1924-08-03
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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KW ... Wen, Sonnkag ~7W7,r" .f MorgWzeWrrO ' T.iAüMi: 1Ä8 Seite '18 - *• n o pt ei I c Damenwäsche. •' . Mi einem schwer, die duftigen, HvuWrrten Dingerchen, gemeinhin als Wäsche zu bezeichnen. Sind es doch raffiniert auSgedachte kleine Wunderwerke aus edelstem Material, kostbarster Spitze und kunstvollster Handarbeit, die die Mode der kultivierten eleganten Frau in ständig neuen Variationen, mit tausend originellen Einfällen und mit allem, was das Kunstgewerbe ersinnt, beschert. Fast unerschöpflich ist ihr Repertoire, so daß sie der Eitelkeit der Frau, eine unendliche Auswahl unterbreitet. Vorbei sind die Zeiten der braven, dutzendweisen. Ausstattungen,. Marke .„Unzerreißbar".. Sie sind genau so dem ewigen neuen Kreislauf der Mode unterworfen, die kleinen,..in-' timen Wäschestücke, wie Hüte und Kleider, und es ist eine Frage der Kultur, des Geschmackes, eine Frage des Charakters, wem die Frau ihr Hauptinteresse zuwendet. „Zeige mir deine Dessous . . Wien ist heute tonangebend in der Wäscheerzeugung und dies mit Recht. Man sieht Stücke von erlesenem Geschmack, die hochkultiviertes Kunstgewerbe darstellen. Kleine Farbensymphonien! Alle Nuancen der Farbenskala kommen zur Geltung. Rosa, Orange, Zitronengelb, Elfenbein, Flieder und Aprikosen, alles in den zartesten Tönen, sind vorherrschend. Blaue Wäsche ist unmodern geworden. Crepe de Chine ist noch immer das Hauptmate. riÄ, doch für die heißen Tage sind feiner 8 inon - Batift, Batist und Opal sowie verschiedene .Makogewebe vorzuziehen, da sie kühler und praktischer sind als Seid.e. Ueberhaupt ist man bemüht, den praktischen Zweck mit den Anforderungen des Geschmackes in Einklang zu bringen. Aus diesem Grunde bevorzugt man die Kombination von Hemd und Beinkleid. Zumeist ist das Höschen bis zur Taille geschlitzt und nur durch Bänder zusammengehalten. Zur heutigen Kleidermode sind Hemden geschaffen worden, sogenannte Kasackhemden, , die über das Beinkleid getragen werden. Sie sind zumeist ganz Plissiert und haben als Abschluß eine zarte breite Spitze. Für das H ö s ch e n gilt nach wie vor die Devise: Kurz! So kurz als möglich; jedenfalls darf es nur noch dett Rand des langen Strumpfes bedecken. Raffinement und. auserlesener Geschmack zeigen sich in der Harmonie der Farben, des Materiales und der Garnierung. Vornehme Zusammenstellungen ergeben zartrosa Crepe de Chine mit gelber Spitze oder gelbe Seide mit feiner, schwarzer Stickerei. Bon diskreter Schönheit sind blaßlila oder Heliotropfarbene Kombinaten Mit weißem Seidentüll garniert, der als Aufputz beliebt ist, da er sich zart der Okkasionsverhauf von eleganten Damenhüten K250.000 ■ädeoanle Qhmmh&te P®5 enonMa I. Mahlerstrasse 13 Copyright Nachdruck verboten. ■ Indischer Verlag, Berlin. 59. Fortsetzung. Hawdoloh und Wsenftreich. Bon Sammh Grvnemann? " Wie. , ich um aber die feudale und arisch-reine Gesellschaft am oberen Ende der Hufeisentafel naher bewachte, da sitzt auf einmal zwischen all den feierlich-ernsthaften Rittern der Tafelrunde, naben dem Vorsitzenden, ein weibliches Wesen, und zwar M recht angenehm anzusehendes junges Mädchen, das mir lächelnd znnickt und das überhaupt sich so vergnügt gebärdet, als . feite ganze hochansehnliche Versammlung eigenis zum Zwecke ihrer Unterhaltung. veransiMet sei Md sie in ihre PvotokMKHrung so hineinschmunM, als ob sie nur . alle Stilblüten u^rd Drl.mnHsiten, die etwa gemacht würden, zur späteren Wiedergabe in ihrem Kränzchen notieren wolle. Und . wie ich mir unsere Klio näher ansehe, ist das doch Hansel Traub, für die ich Grüße ans Berlin halbe. Und das lvar eigentlich das Erfreulichste an der ganzen Wemnstalttmg, und ich muß wahrheitsgemäß festfteMen, Haß einige der feudalen und feudalsten Herren ganz derselben Anschiauring zju sein schienen. Urrd — wenn nicht die Hansel Traub gewesen wäre oder ^vielmehr, wenn ich nicht, wie aus diesem Beispiel ersichtlich, an den unwahrscheinlichsten Orten und Gelegenheiten immer wieder auf jüdische Menschen und Dinge stoßen würde, hätte ich mit dem vorigen. .Kapitel meine Erinnerungen abschließen können. So aber habe ich noch einiges aus -Brüssel zu berichten. Allerhand jüdische Treffpunkte. Es 'handelt sich nämlich nicht Wr um Hansel Twnb. AU ich im Cafe Metropole nach Tisch mit einem Unbekannten eine Partie Schach spielte, stellte es sich heraus, daß diAr Kevv Mtec «tneS jüdischen TlWerunteMHimenß 'war, weichen Seche > anpäßt. Kostbar, - vornehm unddoch bescheiden pnd..eins - h ist eine elfenbeinfarbene Garnitur, die eine aus füiftzehnHändhohlsaÜmreihen bestehende,- gerade herumläüsende Paffe hat, die in der Mitte vorne von einem kleinen Oval unterbrochen wird-in dem eine kleine Blume oder auch das. Monogramm, in schwarzer Seide-gestickt, Platz findet. Das Unt'erkleid paßt sich in Färbe und Schnitt dem Kleide an. Man wählt die einfach gerade Form, damit die schlanke Linie gewahrt bleibt.; Däs Nachtgewand ist schlicht und anmutig. Gern greift man bei seiner Herstellung in das Bereich, der Baby-, ^Wäsche oder Herrenmode. Der kleine BubikWgen, die ajou-?vierte Weste mit kleinen Knöpfen und großem Monoigramm ist ebenso beliebt wie der runde, große, plissierte Babykragen, der breit über die Achsel fällt und so die Aermel erübrigt. Aermellose Nachthemden sind momentan, en Vogue. Größere Beachtung findet heute das lustig-bunte Pyjama. Es ist nicht mehr nur Schlafanzug und Begleiter im Schlafwagen. Der Bubenkopf,. die l-a Gareonne hat -es groß gemacht. Viele...Wanke Frauen tragen, es auch im Hause und vertauschen es an heißen Tagen mit keinem anderen Kleide. Aus diesem Gesichtspunkte. sind elegante. Pyjama geschaffen, die das' Herbe ablehnen und eine weite : FaMnsMe zeigen.' China gab viel 'Anregung dazu, es entstanden schöne Modelle aus glänzender Seide, mit farben-! frohen, phantasievollen Stickereien des Ostens geschmückt. '. Für den Sommer ist wohl Zephir und Waschseide das angenehmste Material, wenn die Monotonie vermieden wird. Bevor man sich aber für das Pyjama entscheidet, ist es ratsam, das eigene Spiegelbild einer genauen und scharfen Kritik zu unterziehen. Das lange, schmale Beinkleid äst leider sehr indiskret. Guter. Geschmack wird wohl auch' 'hier das Richtige treffen.. Ina. Das Monogramm. Bon einer gut nnterrichteten Dame. Die kleine Wahrheit im Märchen vom Rumpelstilzchen bestätigt sich immer wieder: der Name ist das Geheimnis. Solange er uns unbekannt ist, sehen wir in ihm das süße, prickelnde Interessante des Verschleierten und Gehermnisvollen. Der Ritter, mit dem Schild ohne Wappen spukt in der mittelalterlichen Säge. Wir, Le-' sonders die Damen, sind .heute raMMer.,^ Das dunkle, „ durch nichts angedeutete Geheimnis ist. an und für sich. schon interessant. Gesteigert wird her Reiz aber, wenn ein kleines Stück des Schleiers gelüftet wird, so daß wir wohl einen kleinett Blick, aber beileibe nicht mehr tun dürfen. Erst der Finger, dann die Hand. Mit dem kleinen Blick werden uns wenigstens Hoffnungen gegeben, daß die Bentühungen, den rätselhaften Grund des Unbekannten zu finden, nicht ganz umsonst sein werden. Däs wäre soweit das Modepsychologische an der Monogrammnouveante. Die Mode denkt, manchmal ist es auch ein Fühlen, außerordentlich raffiniert. Nichts läßt .sie unbeachtet, und so ist sie neuerdings auf das Monogramm geraten. Erst sahen wir es auf der linken Brustseite von Matrosenblusen, dann auf Sommerkleidern; und jetzt können wir es bald überall erblicken, wo sich überhaupt Platz dafür findet. Sogar des Hutes hat es sich bemächtigt, wenigstens des Teiles, der sonst für Blumen oder anderen Schmuck bestimmt ist. Ein zierliches Monogramm ist beispielsweisl in Goldblech ausgeschnitten und vorn auf der rusiisch auf« geschlagenen Krempe des kleinen, schwarzen Seidenhutes befestigt. Sind Blick und Augenaufschlag ebenso ent. sprechend, dann ist das geheimnisvolle Fait accompli Vorhänden. Sie sitzen beispielsweise im Tearoom. Am anderer Tisch löffelt die Dame mit dem Monogrammhut ihr Eis, Glace ptstache et vanille mixte. Verbindungen irgend, welcher Art sind zwar nicht vorhanden, aber auf dem Hw ' leuchten zwei goldene Buchstaben: 8 und I. Lili, Lolo. j Lukrezia, weiß Gott, was das noch alles heißen soll. Beim j zweiten Buchstaben ist die Deutu«"Z noch viel verzwickter. ' Aber, es ist eine Brücke über die Kluft, auf der die beider«! feitigeu Gedanken vergnüglich hin- und herüber — uni vielleicht auch zusammen wandern können. Nachher spielt! die größere oder mindere Schüchternheit noch eine klein«! Rolle, bis aüs dem Finger die Hand wird, von der wir! oben berichteten. Also der Endzweck ist bei Madame Mod« j immer derselbe. Sie sollen sich kriegen; mit vollem Recht:! sonst stürbe die Welt aus, was für uns ein ungesunder Zustand wäre. _" Der gefährliche Lippenstift. Der Gebrauch des Lippen» .stiftes bürgert sich'in der Damenwelt immer mehr ein,, die -purpurroten Lippen^ mit denen die Schönen prangen, mögen \ ihren verführerischen Reiz ausüben., aGnz harmlos ist aber! diese Verschönerung für ihre Trägerin nicht. In England hat. , man in letzter Zen bei jungen Mädchen öfters Vevdauungssstörungen beobachtet, die die Aevzte von dem Gebrauch der ' Lippenpomade herschreiben. Die Lippenpomaden können als i harmlos gelten, solange sie ans reinen und unverdorbenen Stoffen her-gestellt werden. Der beständige Gebrauch wirkt; aber auch dann auf die Lippen schädigend, indem er sie aus- 'trocknet und äufspringen läßt. Durch allzu viele Verwendung 'des Lippenstiftes verlieren die Lippen immer mehr an Farbe, so daß die Färbung, die zunächst nicht notwendig war, sich als Zwang ausdrängt. Wenn aber oie Lippenpomade billig ist und ' nicht mit d er nötigen Sorgfalt her gestellt wird, dann kann si e auch ernsthaftere 'Störungen in den Organen Hervorrufen. Im Laufe des Tages wird eine beträchtliche Menge des auf die Lippen ausgetragenen-Stoffes verschluckt. Besteht nun der -Farbstoff aus künstlichen Mitteln, wie. z. B. aus Anilin, dann verursacht die beständige Ausnahme kleiner Mengen von. Kohlenteer Verstimmungen des Magens und im Anschluß, Waran Störungen der Verdauung. ‘ Mode und Heim. Unter dieser Devise findet im September 1924 in den gesamten Ausstellungsräumen des Berliner Sportpalastes eine Messe statt, welche unter 'Mitarbeit erster Künstler und Fachleute dem Publikum Gelegenheit bieten soll, sich von dem kulturellen Hochstand deuiischer Mode und Raumgestaltung zu überzeugen. Die Ausstellung wird alle Zweige der hierfür in Betracht kommenden Industrien umfassen. * . ' ' . _■ PERMANENTE AUSSTELLUNG Kunstgewerblicher Arbeiten aller Art Blasen / Handarbeiten / Hippes Feine Damenwäsche Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Hanna Menzel & Cie* Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage ' 10622 und als ich bei meinem pflichtschuldigen Antrittsvisiten z>u Dr. Ebstein komme, sitzt der verzweifelt vor einem ihm zur Zensur MHereiichten jüdischen Manuskript. Mo ich kam immer wieder in mein altes Jnteressenmiilieu hineilN. Dem Dr. Ebstein konnte ich Helsen, und so 'war ich ba'ld als Mischer Dheaterzensor im Nebenamt vor und hinter 'den Kulissen der sehr übben, aber gutgemeinten ’ Liebhaberschmiere tätig. Es war für mich eine erstaunliche Feststellung, daß in Brüssel »nährend der OWuPvtion sich eine große ostjüdische Kolonie gebildet hatte — hauptsächlich bestehend aus galizischen Flüchtlingen aus Antwerpen, hie als feindliche Ausländer von den Belgiern ausgewiesen wahren. Im Verkehr mit dieser Kolonie fand ich manche intevefsante Ergänzung meiner Grfährugen im Osten. Bvn den belgischen Juden >lann ich'wenig berichten; sie hielten sich noch in größerem Mlaße vielleicht als die nichtjiidlschen Be-lgier vor jeder näheren Bezielhung mit den Deutschen fern und ich schloß gerade aus ihrer pwnoneiert kühlen und ablchnenden Haltung daß sie sich ihrer Gleichberechtigung denn doch nicht so ganz sicher fühlten und in Betätigung ihres ^Patriotismus Mehr M ihre Pflicht"^ zu tun für angezeigt hielten.-Die große Synagoge machte im Innern keinen sympathischeren Eindruck als von außen, türmen war eigentlich auch alles Fassade". Mir die deutschen lFuden gab es zwei Arten von Zentvw. ,Fm Hotel 'Boulevard fanden sich jeden Donners- . tpg abends nach Brüssel imit dem Heer verschlagene Herren und Damen ein. Es war im weHMichen ein zwangloses gesell«lM^, biKweÄen diirch Vorträge ve.rfchärfteZ Bei- : fammLNsii» auf der Grundlage gemeinsamer Langeweile. PW Vorträge beharideltün das in so vielen jüdischen Ber- ' einen beliebte Thema „ . . . .. und die Fudeu" also etwa Goethe und die'Juden, Nietzsche und , Noah und —, Buddha urw die Juden — dieses Dhsma, das eben überall da geschätzt wich, wo jüdische Dinge 'wesentlich nur mH dem Eindruck nach außen hin gewertet, werden. Ich machte, unterstützt besonders von einigen energiischen weiblicheir Mitgliedern der Gesellschaft, den Versuch, auch für positiv jüdische /Themen ohne Kopula lFntevesse zu erwecken und das gelang überraschend. Einen anderen Kreis aber fand ich, in dem keinerlei Vorstoß mehr nötig war, das lvar der Zivkel um Hansel Twub. Me hatte eS vsvstanlden, in ihrer hübschen Wvhnung hinter dein Cinquantenaire für die deutschen Zionisten und Zionistinnen ein richtiges gemütliches Heim zu schaffen, und ihr danken es eine gwße Zcchl von Akademikern zumal, daß sie aüs der.Oede ihres Kasernendaseins und dem Stumpffinn des Ko'Mmisses. sich in eine behagliche und geistige Atmosphäre zeitweise flüchten konnten. Sie bemutterte diese Keine Kolonie regelrecht, schützte die verwahrlosten Ehemänner einigermaßen vor Verwilderung, ließ Ikemvn albgerissemn Knopf durchgehen, und Einkäufe ohne sie 'waren undenkbar — was aber ledig 'war, verlobte sich allmählich unter ihrem segensreichen Einfluß. Einer, glaube ich, blieb unverlo>bt, und den heiratete sie dann nach dem Fvichen selbst. Mit einigen Mitgliedern dieses Zirkels unternahm ich nun «ine Expedition in die Bezirke der ostjüdischen Kolonie. Abgeschveckt von den Erfahrungen mit der Brüsseler Zivil- 'bevölkevung sonst, hatte man sich rwch nicht dorthin getraut. Wir wurden auf das freuM-ichste empfangen, und bald in «dem Bsth- Zion, dem zionistischen Klubhaus in der Nähe des Gare du mit«, heimisch. Ich wohnte doch einer Reihe sehr interessanter Diskussionen bei, und wenigstens von "einer muß ich erzählen, weil sie mit. dem, was ich , daran 'knüpfte, chamkterisiischer für den ostjüdischen Radikalismus ist als irgend etlras, tvas ich im Osten selbst gesehen hatte. (Fortsetzung folgt.)