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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-03 · Heft 1964 (3.8.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1964 (3.8.1924)
Date
1924-08-03
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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m i m wie«, MnntaH passierte, bereits tot. Oiun ist die SiLbftmörderbauk alt mio morsch geworden und «drohte jcbeit Augenblick einzm'türsen. Nicht einmal die SMstnrordkandidaten suchten sie mehr auf. So entschloß sich die New-Aorker Dtadttzerwaltrulq, die unheimliche Bank zu entfernen. * Handschriftliche Materialien zur Geschichte der Medizin in Palästina. Der bekannte palästinensische jüdische Forscher R<?f n e l M o r d e ch a i M a l a ch i, der vor kurzenr auf Grund der von ihm Mfgefrmdenen Handschriften in der jüdischen NatwnalbibÜothek wertvolle Beiträge zur Geschichte Palästinas veröffentlichte, hat umlängst unter den Handschriften der Nationalbibliothek ungemein interessantes Material zur Geschichte der Medizin in Jerusalem um das 17. Jahrhundert ge« fanden. * Fünf Flugzeuge gege» eine Frau. Der italienische UieAergeneral Pietro Rndtziero Piccio, Sieger in 43 Luftkampfen im Kriege, hat kürzlich seinen ersten Luftkampf in dem Ehekrieg gewonnen, den er mit seiner Gattin führt. Es gelang chm nämlich, auf offenem Meer in der Nähe von Sardinien feine junge Gattür einzufangen, die mit ihrem Kind in einem kleinen Motorboot über das Mittelmeer zu fliehen versuchte. Aber der Sieg gehörte. nicht ausschließlich ihm; denn obwohl er die Verfolgung mit einem Geschwader von fünf Flugzeugen leitete, wurde seine Frau von dom Motorboot eines seiner Freunde gefangen, von denen viele mit ihren Motorbooien an der Jagd tmnahmen. Die Gräfin Piccio, Amerikanerin von Geburt, die nicht mit ihrem Gatten zusammenwohnte, hatte die Pflegerin des Kindes in denr römischen Heim ihres Mannes bestochen, und das Kind nach Neapel und Civitavecchia entführt. Hier hatte sie ein Motorboot gemietet, um nach Korsika zu fahren, wo das Kind — auf französischem Gebiet — außerhalb der Reichweite des Vaters gewesen Ink Der verzweifelte Vater bat bei der Regierung um die Erlaubnis, ein Fluazeug benützen zu dürfen, um seinen einzigen Sohn Wwderzufinden, und man stellte ihm auch sogleich fünf Flugzeuge zur Verfügung. Trotz eifriger Benützung von Scheinwerfern gelang es aber nicht, eine Spur von dem Motorboot der Gräfin im Dunkel der Nacht zu entdecken, und der General kehrte verzweifelt aufs Festland zurück. Als sie von der anfsehenerrrengenden Flucht hörten, hatten sich indessen einige Freunde des Generals von Cagliari auf Sardinien aus auf schnellgehenden Motorbooten aufs Meer hinausbegeben, unr die Gräfin zu hindern, Korsika zu erreichen. Sie halten mehr Glück als der General, und es glückte ihnen, das Motorboot der Gräfin einzufangen. Auf Besohl der italienischen Behörden wurden Mutter und Sohn nach Italien zurückgebracht, wo ihr Mann wahrscheinlich Klage gegen sie erheben wird. * Australische Saphire. Eine Lodoner Firma hat kürzlich das Monopol für die Verarbeitung sämtlicher in Queensland in Australien vorhandener Saphire erworben. Vor - dem Kriege war die australische Saphirindustrie größtenteils in beit Händen deutscher .Firmen, deren Vertreter die Saphire vom Fundorte direkt an die Fabriken in Deutschland sandten, wo sie — zumeist auch heute noch — poliert werden. Seit dem Kriege jedoch hat die Regierung von Queensland die Minierarbeiten in Australien den AuÄändern entzogen und die englische EdelftemiNdustrve erfuhr seitdem einen nennenswerten Aufschwung. Die Käufer sind von der Regierung bestellte Agenten, dre den Mrnierern nach einem Stufeltsystem fixe Preise bezahlen. Die australischen Saphire find dun k Ter' als die indischen und daher nicht so wertvoll. Das Shaphirsprengeu macht nicht von heute auf morgen zum reichen Mann; die Bergleute können selten mehr verdienen als 30 Schilling bis zu zwei Pfund die Woche. Ihre ganze Ausrüstnng besteht aus Spitzersen, Schaufel Ultd Kerosinapparaten (Stichflamme). Sie durchforschen die ausgetrvckneten Betten kleiner Buchten und Baien nach Spuren von Saphiren, und oft entscheiden sie sich für oder wider das Graben durch das Werfen einer kleinen Münze. Der Kopf stimmt dann für den Versuch. Oft finden sich die gesuchten Steine mehr als sieben Meter tief unter dem. kiesMgen Grund alter Wasserkanäle. DaS britische Reich produziert jährlich so kostbare Melisteine, daß ihr Wert die Erzeugnisse aller anderen Nationen weit übersteigt. * Die politische Brücke. Usber den Sestrcs-lutz, der F i n n» l a n d von S olo j -e t r u ß ln n d trennt, führt eine Brücke, die dem Eisenbahnverkehr dient. Da die Brücke neu an gestrichen werden mußte, so bestimmte die Sowjetregierung für den Anstrich als Symbol ihrer politischen Anschauung rote Farbe. Das war aber nicht nach dem Geschmack der finnischen Regierung, die für die rote Farbe nicht viel übrig hafte. So einigte man sich denn auf der mittleren Linie. Die Brücke wird in Rachland rot, in Finnland jckoch weiß sein. * Hochzeitsflüge. Eine holländische Zeitung hat die Feststellung gemacht, daß HochzetisrMen durch die Luft immer mehr in Mode kommen. Sie erinnert daran, daß ehemals nurbesonders eilige Geschäftsleute oder amerckanssche Touristen verwegen genug waren, in eünen Aerovlan zu steigen. Heute gehen nach London,, Konstantinopel, Rom, Stockholm und anderen europäischen Hauptstädten regelmäßig die Flugzeuge hin, und jedesmal sähe man in den Kabinen junge Paare eng aneinander geschmisgi dasttzen, die in die Luft fliegen, anstatt wie früher auf der Ewe zu bleiben Md sich trotzdem wie im Himmel vorAukommen. Es sei fetzt eine Zeit der größeren Wagnisse angebrochen. Aber was in dem Artikel dieser holländischen Zenung das Wichtigste ist, das ist doch die Feststellung, daß bei all den Hochzeitsreisen durch die Luft die Idee immer von der Braut ausgegangen ist. Das Blatt hat extra einen Berichterstatter an die Landungsstelle -geschickt. Er hat die Paare ausgeftagt, und es ist ihm ausgefallen, daß sich sie jungen Damen beim Start weit weniger nervös benahmen als die jungen Ehemänner. Wie es in der Luft bestellt ist, hat der Berichterstatter nicht nachgeprüft. * Die Trauerftier für Bufoni. Die Berliner Akademie der Künste bereitete ihrem Mitglied Fervuceio Bufout. ein Trauerfeier, wie sie nur gam wenigen Künstlern zuteil geworden ist. Der Thiels che Madrigalchvr und das Havemann« Quartett umrahmten uie groß e Anzahl der Trauerrchner mit Darbietungen künstlerischen Charakters. Zuerst sprach Prost WaWemar Baußnern namens der Akademie und stierte Busoni als Persönlichkeit, die in ihrer künst-. lerischen Sendung auf dem Erbe der Meister Bach, Mozart nitd Liszt fußte. Prof. «Max Desoir, der von den Berliner Hochschulen entfendet worden war, feierte ihn als Wieidereriwecker platonischer Kchven. «Seine Götter in der Literatur wären Cervantes, Goethe und E. T. A. Hoffmann gewesen, mit deren. Geist er sich vollgesoaen hätte, um ihn in sturer Musik wredcrzuspiegeln. Prost Adolf Weiß mann richtete im Namen der JnternatioMen. MuWMells-chaft einige Worte "des Gedenkens' au die zMrÄcheWienene Zuhörerschaft, in denen' er die Wahl Busvnis znrlr Mreuvorsitzenden /der -musikalischen Internationale. «aus der «fresheWchen Gesinnung des Verstorbenen erklärst. Nach Abschluß der Feierlichkeiten wurde der Sarg ins Krematorium Wtl-mtersdvrs übechührt. ,/ ' , Wiener MorMnzeliuns. WM EmiaeBelsDielei ijättlÖUScKüTlß! , j~, , ■i'wwwmwtürti’wwrir-““ wslLL fernen Kpeugspanöet'i* * schuhe un& KalbschuKe nochmals herabgesetzt auf K.- welss feinen Jchnü^iiefel nochmals herabgesetzt auf IC ßp&uefetnen .Chnüphalbschuhe mo&epne,spif^e Tom Preis nur für diese Woche K Amikalbhalbschuhe in wei'ss u covct»coaf.moderne.spii^e fopm ^8 M| * nochmals herabgesetzt aufiC. 1 Tausend (Die nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) * Großer Sommer - Raumungsverkauf bei Brüder Schiffmann, 2. Bez., Taborstraße 48. 'Prima Regenmäntel 175.000 K., frauz.Wasch-Boile pro Meter 17.900 K., Modell-Bott- Etamine, große Auswahl aparter Muster, pro Meter 39.000 K., Eponge für Kleider und Kostüme vro Meter 39.000 K., Schweizer Etamine in allen Farben pro Meter 39.000 K., Covercoats. 130 Ztm.' breit, pro Meter 08.000 K. Reichhaltiges Lager in Damen- und Herrenwäsche. Leinenwaren, Vorhängen, Teppichen nsw. zn bekannt billigen Preisen bei vorzüglicher. Qualität. 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Nach einem Iaht ist Paul Baratoff wieder irr Wien zu Gast, wo-er seine ersten Schritte auf dem jüdischen Theater getan und wo seine große, in ihrer harnlonischen Art immer wieder überwältigende Kunst zuerst 21 wert gesunden hat. Er kommt aus Amerika, das diesen einzigartigen Darsteller enthusiastisch aufgenommerr hat. Eine Sorge: hat nicht am Ende das Amerika der groben Effekte vori Baratoffs Darstellung jenen wunderbaren Glanz abgestreift, den seine Fähigkeit, die feinstell Schwingungen seelischer Vorgänge wiederzugeben, allsstrahlt? Hat nicht am Ende Amerika diesem vollendeten Darsteller der Beseeltheit seine schönste Gabe genomnlen? Es dauert quälend lang, bis diese leise Unruhe Lösung findet, doppelt lang durch breit ausgezogene Szenen, die in geradepr läppischer Art exponieren. Dann betritt Baratoff endlich die Szene: Er gibt einen Mann, der mrs jugendlichem Trotz sich vor 25 Jahren von der jüdischwr Gemcillschaft losgerissen hat und auf dem Lande unter Bauerll lebt, lvie sie gekleidet ist, mit ihnen durch Sitte, Gewohllheit lmd Sprache verbunden, aber kraft Ueberlegcnheit des Geistes, des Denkens, des Fuhlens Herr, Mann der Geltung, des tätigen Sinnes. Der Mann komlnt arrs dein Bühnenhintergrund langsam nach vorne und man spürt: dieser herrische Riese ist von einem Schicksal umschnilrt; nlan sieht förmlich die Stricke, die um seinen Leih gewickelt sind und deren anderes Ende irgendwo in einem jüdischen Städtchen gepflockt ist, wo die Seele dieses verbauerten Feraponow weilt und immer wieder zllr Gemeinschaft zurückruft. ' Baratoff spricht die ersten Worte und die llilrllhige Sorge, die vor seinem Auftreten vibrierte, ist mit einem Schlag geschwunden: In diesen paar Worten fchwillgt die. Tragik eines Menschen, der seine Umgebung verachtet und' sich aus ihr retten will. Ein unterdrückter Schrei nach Erlösung sind diese wenigen Worte; wie sie Baratoff bringt, darin enthüllt sich sofort die ganze Tragödie, lvie sie durch drei Akte abrollen soll. Diese Tragödie des losgerissenen Juden, der sich nach jahrelangem Grübeln über seinen seelischen Zustand zum Entschluß durchgerungeu hat, zu seinem Volke zurückzukehren, . der es aber njcht mehr darf, well er durch sein Blut schon diesem Pvlke Unheil' gebracht hat, der darum ulftergehen mutz , diese Tragödie schafft Baratoff aus dem clenleutaren Wesen seiner großen Kunst. Und nirgends ein Suchell llach Effekten,, niemals ein Theaterschrei (wobei in Parenthese bemerkt werden muß, daß dieser Darsteller alle Register des Theaters meistert, aber mit solcher Vollendung

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