Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1964 (3.8.1924)
- Date
- 1924-08-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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IM m. ejwtt, Voml-vütz <&Gh .r 9 ■ Trikotseide behält ihre blendende Farbe beim Reinigen mit Lux :MfcX.I lü l* 6 1ÄTT C H E N E8n Reiben aller farbigen feinen Stoffe, wie es durch das Waschen derseioen mit gewöhnlicher Seife bedingt wird, beschädigt die Farben und nimmt ihnen den Glanz. Bei der Verwendung des weichen Schaumes, der durch Auflösen der über die ganze Welt geschätzten Lux-Seifen-Blättcnen gewonnen wird, wird ein Reiben überflüssig gemacht, weil dieser den Schmutz von selbst aus den Seidenfasern herauszieht. Lux ist wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich» r Beachten Sie genau , Waschvorschrift auf den Originalpaketen. die Am meinen krinuerungen an Theodor Herzt. Die Audienz bei Sultan Md ul Hamid. Bon Dr. WeMsch (Konstantinopel.) In seinem GarteiPimmer des Hotel Royal in Konstantinopel saß der eben vom JAdis-Kiosk zurückgekehrte siebzigjährige Professor Vamberh voll Mißmut gegen den Sultan. „Gr lliigt," sagte er plötzlich gang unvermittelt. ,-Seine Höflichkeiten sind leeres Zeug. So hat er es fertig gebracht, falbst England zu belügen? Im Großen und Kleinen immer dieselbe Art und Weise. Der Königin Viktoria gegenüber bestand er darauf, daß auf den Aegypten bewegenden Vertrag erst die Königin ihre Unterschrift fetze, da der Frau der Vorrang gebühre und verweigerte dann feine Unterschrift. Sein ja ist kein ja." GS war der Unmut, der den alten Herrn wegen der allßu vagen Zulsicherungen Abd ul Hamids in Angelegercheiten der Audienz Herzls nicht zur Ruhe kommen ließ. Die Sache ging ihm recht nahe, da er einen eventuellen Mißerfolg als eine Desavouierung feines vielgeüöhmten Eiusluffes auf den Sultap empfinden mußte. Gr hatte schon mchrere Male feine Koffer gepackt, wurde aber jedesmal etiwa eine Stunde vor Abgang des 'Zuges durch Boten benachrichtigt, daß der Padrschah ihn noch einmal sehen wolle. Schließlich echielt er die endgültige Zustrge, daß er abveifen und Herzl kom'men möge, was soviel hieß, daß er sich während -der Anwesenheit Herzls nicht in Kowstantinopsl befinden dürfe. Dreiser Vorbehalt befriedigte ihn., denn er war ein Anhaltspunkt dafür, daß dem-Versprechen diesmal zu trauen sei. Damit war jedoch nicht alle Besorgnis zerstreut. ,-Jch kenne HerA" s<yte mir später Vambery, „er ist imstande abzureifen, ohne den Sultan gesehen zu haben, fallihn Abd ul Hamid noch vor der Anberaumung der Audienz altzufchr 'den Herrn der Türkei fühlen lassen sollte. Bei der Launenhaftigkeit Abd nl Hamids war es nicht ausgeschlossen, daß es ihm aus irgend einem'Grunde einfallen . könnte, den Audienzwerber in jene Kategorie von Menschen eiwzureihen, welche man jedes Entgegenkommen als Gnade empfinden läßt. Vambery unterließ es nicht, mir all seine Bedenken mrtzuteÄen, als er mich auffobderte, ich möge mich Herzl zur Verfügung pellen. Obzwar ich überzeugt war, daß die Sache als solche den höheren Interessen des Landes nicht zuwiderläuft, konnte ich, angesichts der chaotischen Berhältmfse. in der Staatsverwaltung und insbesondere des mir schon allzu gut bekannten Treibens der Jildisleute, meine Bedenken hinsichtlich Einer amtlichen Eigenschaft nicht «Mvörtert lasien. ,M gehört allerdings ein mutiger Entschluß dazu," sagte schließlich Vambery, ,Me 'halben es aber mit einem Miauen Gentleman zu hm und ich bin übrigens sicher, daß Sie es verstehen werden, über alle Klippen hinw eg zu kommen. Ich werde Herzl an Sie weisen. Ich habe mit dem Sultan vereinbart, daß er ihn empfängt und 'anhört. Er hat eS mir versprochen, aber Sie kennen ihn ja, er ist unberechenbar und kann immerhin die Dinge so komplizieren, daß es schließlich beim Versprechen bleibt. Es wich daher Ihre Ausgabe sein, dafür zu sorgen, daß HerA sich in der WdiÄwelt zuvechffmde und daß er spätestens den ersten Freitag nach seiner Ankunft empfangen werbe. Ich habe daS TervaM so weit als möglich vorbereitet, Tahsin (erster Sekretär des Sultans, Bei, später Pascha) ist einverstanden, halten Sie sich an ihn. Ich fahre, da der Sultan mich nicht gleichzeitig mit Herzl hier haben will, nach Budapesi, wo.Hertzl.mich erwarten und wahrscheinlich Noch am Tage meiner Ankunft hierher abreisen wird." * Herzl kam mit W v l ffs oh n und Marmo r ek. Der Eindruck meiner erste« Begegnung mit Herzl übertraf weit die 'begeisterten SchAdermtgen von feiner Persönlichkeit.' Die imposante Gestalt, seine Art und Weise, die natürliche, ssder Künstelei bare Liebenswürdigkeit, jede Geste verriet den vornehmen Mann, jedes Wort den Men Menschen. Nachdem er mich seinen Begleitern Vvrgestellt, bat er mich in sein Zimmer. Wolffsohn und Mavmovek blieben im Salon. Seine Ausführungen galten den Weisungen Bamberys, fernem die Audienz betreffenden Jdoengang, der Iudenfrage und dem Zionismus. Ein Jude, wie ich es damals war, in nichtjüdischem Milieu erzogen, von ultrapatriotischen Anschauungen der Adoptilvheünat vollgepfropft, der für das Judentum nicht - viel mehr übrig 'hatte, als das Pflichtgefühl gelegentlicher Verteidigung seiner Stammesgenossen, ohne m der nichtjüdischen Umwelt eine innerliche Befriedigung finden zu können — wußte die vom selten Mm Geiste erfüllten Ausführungen «IS eine Offenbarung Pm MrwWMdtzp Kych MtßMn. Es fehlten mir die Worte, die ich auch nicht, suchte. Ich eMärte mich einfach bereit, mich ihm und der Sache vorbehaltlos zur Verfügung. zu stellen und nur den Wunsch zu haben, meine Mitwirkung als selbst. geiwollte Pflichtarbeit gewertet zu sehen. Er umarmte mich mit den Worten: ,Me sind ein guter Jude." Wir traten wieder in den Salon. Herzl sagte zu seinen Begleitern, daß ich die mir zugedachte Ausgabe Übernommen 'habe, und sprach einige Worte der Befriedigung, worauf Wolffsohn bemerkte, „Herzl sucht und findet die Menschen, die der Zionismus braucht." Es entwickelte sich alsbald ein lebhaftes Gespräch über den Zionismus, den Sultan und die Türkei. Herzl bekundete für alles, was den Verkehr mit der Umgebung des Sultans, das Leben und Treiben im Iildis und der Staatsverwaltung betraf, ein überaus ernstes Interesse, ließ aber auch recht gerne die heiteren Seiten des Treibens dieser eigenartigen Gesellschaft auf 'sich einwirkken. Nach Feststellung der Umrisse des zu beobachtenden Borg chens fand meine erste Begegnung mit dem Führer ihr Ende. Ich schied in tiefer Bewegung, bereichert mit neuem Lebensinhalt und freiem jüdischem Svlbstböwntztsein. * Am nächsten Morgen mußte ich zu Tahsin, um ihn vorerst von der Ankunft Herzls zu verständigen. An Hand meiner persönlichen Erlebnisse und der während meines langen Berkchrs im JMs gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen, war ich in der Lage, Herzl alle in Betracht kommenden Personen und deren Beziehungen zueinander zu charakterisieren und ihm Dinge vor Augen zu bringen, die seiner Einführung in sein neues Tätigkeitsfeld zu dienen geeignet waren.' Er hat sich auf dem ihm unbekannten Terrain gerne leiten lassen. Dähsin, mit dem ich persönlich nicht am besten stand, empfing mich freundlicher, als ich -dachte. Immerhin fand ich es, um jeder Voreingenommenheit gegen meine Person zu 'begegnen!, im Interesse der Sache für richtig, ihm-einige Mit Höflichkeit bespickte Phrasen zu sagen. Es' 'war gut so. Er begann sich dann über die Persönlichkeit Herzls zu informieren, frug unter anderem, ob Herzl der „Neuen Freien Presse" angehöre. „Jawohl," antwortete ich, „doch er kommt als Chef der Zionistischen Organisation, nicht als Mitarbeiter der Zeitung." Zürn Schluß der Unterredung sprach er den Wunsch aus, Herzls Besuch zu empfangen. Der Antrittsbesuch Herzls, bei welchem erst ich, später der im Zimmer anwesend gewesene Marschäll Fuad Pascha den Dolmetsch machten, verlief im Austausch vornehmlich dem Sultan geltenden Höflichkeiten, und endete mit der Versicherung Tahsins, daß er nicht ermangeln werde, Sr. Majestät die Ankunft Herzls unverzüglich zu melden. - Tahsin empfing wich bei jedem meiner täglichen Besuche mit gleicher Freundlichkeit, ohne aber mir irgend etwas Positives über die Audienz zu sagen. Als er mich im Laufe der Tage frug, ob Herzl im Beisitze eines Ordens sei, antwortete ich, daß er anläßlich einer Reise, die ihn auch nach Konstantinopel führte, die dritte Klasse des Medschidie-Ordens verliehen erhielt, ihm jedoch bei der heutigen Bedeutung feiner Persönlichkeit zum mindesten der Großkordon des Medschidiije-Ordens zugedacht werden könne. Diese Frage Tahsins war zwar kein sicherer Anhaltspunkt für das Statffln'den der Audienz am ersten SelamWtage nach der Ankunft Herzls, berechtigte aber zur Annahme, daß eine Verschleppung nicht beabsichtigt war. Auf meine Befürchtung, daß der Sultan'Herzl an irgend eine andere Persönlichkeit seiner Umgebung oder an den Großwesir vor Freitag weisen könntz, was zum mindesten einer Mnderbewertung der Persönlichkeit Herzls bedeutet hätte, war glücklicherweise gegenstandslos geblieben. Dahsin behielt die Sache fortdauernd allein, in der Hand. Abd <tk Hamid hielt sein Wort. Beim Selamlik wurde Herzl in das Botschafterzrmmer gebeten. t Nach dem Selamlik geleitete ihn der Oberzeremonienmerster Ibrahim Pascha zum Sultan. Die Audienz währte zweieinviertel Stunden. Ich wartete im Salon Tahsins. Herzl kam nach der Audienz sichtlich ermüdet. Wir bestiegen unseren geschlossenen Wagen. Diener und Bettler drängten sich zum Wagenfenster. Herzl gab, was er an Gold und Silber bei sich hatte. Das letzte halbe Pfund bekam ein Bettelderwisch. / : Im Wagen wurde wenig gesprochen. In der Nähe des Hotels bat mich! Herzl, den neben chm liegenden Großkovdon zu verstecken. Wolffsohn und Marmorek warteten in banger Sorge. Es war ein freudiges Wiedersehen. Herzl ist tot, Vamberh ist tot, Marinorek und WolfsiWM Sw# ttüs. Ane Truppenschau aus Tausendundeiner Nacht. Parade in Haidarabad. 'Haidarabad, der größte der Vasallenstaaten des indo« britischen Reiches, ist die starke mohammedanische Zitadelle Indiens, obwohl neun Zehntel der. Bevölkerung ans Hindus besteht.. Der Beherrscher des Reiches, das fast doppelt so groß wie Italien ist, der Großnabob des Nizam und Khan von Golcouda, ist Mohammedaner, und auch die Beamten und Militärpevsonen seines Landes gehören dem Islam an. Der islamitische Charakter tritt auch im Bilde Haidarabads scharf in Erscheinung. Mit den gertenschlanken Minaretts und den Kuppeln seiner Moscheen gemahnt die Hauptstadt des Nizam an Konstantinopel, ein Konstantinopel freilich in schimmernder Weiße und mit sauberen Straßen, in denen sich die weißgekleidete Bevölkerung drängt. Nur die verschiedenfarbigen Turbane bringen farbiges Leben in dieses schneeweiße Straßenbild. Die Mzams von Haidarabad haben England, Isebbst in dem großen Sepoyaufstaud des Jahres 1857, stets die Treue gehalten. Auch der gegenwärtige ,Inhaber des Thrones der Nizam ist der britischen Regierung anscheinend sin zuverlässiger Vasall; doch darf nicht unerwähnt bleiben, daß heute. die Großen fernes Reiches, säst ausnahmslos in den- Reihen Gandhis zu finden sind. Sonderlich durchsichtig sind die Beziehungen, die zwischen dem Nizam und der britischen Rvaieruug bestehen, überhaupt nicht. Das Land sieht unter dem „unsichtbaren" Protektorat Englands, , das wenige Kilometer von Haidarabad entfernt, in Si'kandarabad, ein 'befestigtes iLager mit einer starken Truppenmacht nebst Flugzeugen, Artillerie- und Ingenieuvparks unterhält. Der Nizam verfügt seinerseits außer einer Leibgarde von 15.000 Mann über ein imposantes eigenes Heer, das üominell der britischen Armee alliiert ist. Seinen ausgezeichneten Beziehungen hatte es Mario Appel ins, der indische Sonderberichterstatter des „Popolo d'iJtälia", zu danken, daß er von dem Nizam, dem vornehmsien, neben dem Emir von Belnffchistan und dein Maharadscha von Kaschmir auch mächtigsten Fürsten Indiens eim Einladung zu der an malerischem Reiz unvergleichli-chen Parade dieser Truppen erhielt. „Der Schauplatz der Truppenschau," so schreibt der italienische Korrespondent, „ist der Hauptplatz von Haidarabad. Auf ihm sind 30.000 Krieger, 10.000 Pferde, 3000 Kamele und 400 Elephanten in dichten Kolonnen aufmarMert. Auf den Lanzenschäften weihen grüne Fahnen und Oriflammen. Die Leibgarde des Großnabob in himmeMauer Uniform bildet den rechten Flügel der Aufftellung. Auf dem linken! Flügel stehen die buntfarbigen Tmppen der Provinzen, nach Klans geordnet. Nach 'dem FeuMfystem des Reiches des Nizam hat jedes Oberhaupt eines Klans oder Standmes die DerMchtuug, dem Souverän eine 'bestimmte Zahl' von Leuten zu Fuß oder zu Pferde zu. stellen. Jeder Klan hat seine eigene Uniform, die je nach 'dem Vermögensstand des Stammeshäuptlings mehr oder we^riger prunkvoll ausfällt. Man sieht 'daher weiße, grüne, rote, violette und organgefavbige Truppenteile mit Gold und Silber verzierten Turbanen, ohne Turbane und allen Arten anderer Kopfbedeckungen. Die berittenen Truppen auf Pferden und Ka-melen, die von den Stämmen der Hochebene gestellt werden, zeigen sich noch buntscheckiger, da jedermann sich kleiden kann, wie er eben will. Sie entfalten deshalb ein. -farbenfrohes Bild, van 'weißen und blauen Mänteln, von federngefchmückten Turbanen, Beduimenburnufsen, Fahnen, Standarten, int Sonnenlicht . blitzenden schweren und leichten Säbeln und Lanzen. Daneben sieht man Bogen und Flinten, kurz, man glaubt sich einem phantastischen Heer orientalischer Strauchdiebe des 16. Jahrhunderts gegenüber, wenn man nicht an eine Kinoauffrihrung denkt, die uns ein Bild aus dem orientalischen Mittelalter vor Augen zaubert. Dem Jahre 1924 fühlt man sich jedenfalls weltenfern. Den Hintergrund des malerischen Bildes bildet die Wtasfe der. Pvnnkpaläste des Fürsten im Rahmen Wauschimmernder Gärten. Im Osten urnrahmt die Szene die Marmorgruppe der Moschee des Khan- Minar, im Westen die .monumentale Moschee von Zum» utona MuHid, das Pantheon der Nizamdynastie, das Mch dem Muster der Kaaba zn M-ekka erbaut wurde. Die Trommeln rasseln, die Trompeten schmettern, d'e Banner senken sich; Lanzen' und Schwerter blitzen im Sonnenlicht. Bon fern her hört man die begeisterten Ruse der Menge. Auf der Felsenfesiuug Tschauk bellt eine alte Kanone. Hundert unvefftändliche KoMmändovufe, die lartg wie Proklamationen klingen, durcheilen die unbeweglich stehenden Rei'hen des Fußvolkes und der Reiter. Mit tadelloser Richtung.schwenken die Elephanten in die Mitte de» Platzes ein. Der Nizam sprengt in kurzem Galopp heran, als. wäre er Saladin der - Zweite, der die Parade seiner Ianitfcharen abnimmt. Er reitet allein in silberfchimmernden Gelvand, mit wchendem Mantel, 'den schweren Pallasch in der Faust, und auf dem Kopf den Turban mit der Reiherfeder und dem Halbmond aus Bril-. ' WvÄSÄ WM tüOm Dm galoppiert in cp