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Wiener Morgenzeitung · 1924-08-03 · Heft 1964 (3.8.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1964 (3.8.1924)
Date
1924-08-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Serie« W. IM "" ' Gsntckttz Uorgeni Morgen!! gesellschaftliches \ Ereignis! ist die letzte Nachtvorstellung, die vorletzte Vor- , Stellung des Amerikanisch-Jüdischen Kunsttheaters * Montag den 4. August, 10l/9 Uhr J Carltheater. J „Schwer zu sein ein Jnd“ j Komödie von Scholem Alejchem » ■ zugunsten des Keren Kajemeth jj ' ■ Verlängerter Strassenbahn-Verkehr nach allen Richtungen J Mac Donalds Einladung. (EigeMenst der „Wiener Morgen^eitung".) Berlin, 2. Angnst. Das Schreiben Mae Donalds an ten deutschen Botschafter, womit die deutsche Regierung zur Teilnahme an der Londoner Konferenz eingeladen wird, Hai folgenden Wortlaut: „Als Präsident der jetzt in London versammelten interalliierten Konferenz habe ich die Ehre, Eure Exzellenz zu ersuchen, der deutschen Regierung eine Einladung zu uvermittel», Vertreter zu ernennen, um mit der Konferenz die besten Methoden für die Inkraftsetzung des Dawes-Berichtes vom 9. April d. I. zu erörtern, den die alliierten Regierungen ihrerseits als Ganzes angenommen haben und der von der deutschen Regierung in ihrem Schreiben an die Reparationskommifsion vom 16. April angenommen worden ist. Ich wäre dankbar, wenn Cure Exzellenz mir sobald als möglich die Namen der deutschen Vertreter und dm Zeitpunkt ihrer Ankunft mitMen würden, die, wie ich hoffe, nicht später als Montag den 4. d., erfolgen wird." . Die deutsche Delegation. Berlin, 2. August. Die deutsche Delegation für die Londoner Konferenz setztsich folgendermaßen zusammen: Bevollmächtigte Delegierte: Reichskanzler Dr. Marx, Reichs rmmster Dr. St re se mann, Reich'sminister Dr. Luther; GeNevalkomntissär der Delegati.on: MinisterialÄMÄtor v. Schubert; 13 Vertreter der deuts-chen Behörden und das Bureaupevfonal. Unter den Vertretern der deutschen Behörden befinden sich solche des Reichsfinanärmnister'lums, des Reichsinnenmtniisteviums, des Reichswirtfchaftsministeriu-ms und de's Reichsministermms für die besetzten GsAiete; ferner ist die Delegation von je einem Vertreter Preußens und Bayerns begleitet. Die deutsche Delegation wird Montag vormittags nach abrsifen. Böhmische Badereise. Bon Egon Dietrichsiein. Karlsbad. Die Atarienbader, die Karlsbad aufsuchen, sind froh, wieder in Marienbäd, die Karlsbader, die sich in Marienbad aufhallen, nicht minder froh, wieder in Karlsbad zu fein. Dies der wesentlichste Unterschied zwischen Marienbader und Karlsbader Kurgästen. Karlsbad mag um einige Wärmegrade mehr oder weniger Sommerfrische sein, es ist ebenso sicher um einige Dutzend Autos, Kaffeehäuser, Hotels, Liftaufzüge, Bahnomnibuffe und mindestens einen Jahrgang Toilettennovitäten mehr mondäne Großstadt, um drei Heilquellen und einige tausend Kurgäste mehr Bad und um hundert Amerikaner und 50 Inder internationaler. Nun, da die Saison übergeht, dem Hotelmetier fremde Familien enge zusammenrücken, um dem Fremden phcmtasiepreistreiberischen Unterschlupf zu geben; die Magenbeschwerden aus allen fünf Erdteilen in das Karlsbader Heilwasser tauchen; die bedeutendsten Deklamatoren, Sänger, Kabarettiers, Operettenkomiker, Symphonieorchester, Tennisturniere und Trabrennfoste alle Kur-, Restanrations-, Theatersäle, alle Bars und Varietelokale besetzt hallen; der offizielle Omnibus wie ein zur Eile gepeitschter Astrnathiker, arbeitsüberlastet, durch die Straßen läuft; die Sommevnachtsfeste, bei schöner Witterung herabregnen, die ersten internationalen Taschendiebe festgenommen werden; nun muß man wohl sagen: Karlsbad hat Heuer wieder alle Eigenschaften des Weltbades erreicht. Alles, was zum Karneval der Hochsaison gehört, alles, was die Ueberfüllung heranschwemmt, ist da; die Geschäftsläden auf der Alten Wiese halten bis in, die Nacht ihren übervölkerten Jahrmarkt, bei „Pupp" haben sich die Kapitalisten aller Länder vereinigt, aus Staaten, in denen die Sonne der Konjunktur noch nicht untergegangen ist, und uns anderen: Deutschland erscheint in Massen; Wiener in kleineren Verbänden (ein tschechisches Blatt begrüßt sie mit der Feststellung: es seien diejenigen Wiener, die in Karlsbad weniger die Prozente der Diabetes als die der Ausglüchsquote fortspülen wollten: Sie müßten sich nun mit 50 Pro- Wiener Morgimzeltuns. 3. August IM Die Sabotagepolitik der deutschen Schwerindustr-ie. Berlin, 2. August. (Wolfs.) Der Reichsverband der deutschen .Industrie erhebt unter erneuter Betonung seiner grundsätzlichen Zustimmung zu dem Da we 's -- Guta cht e n gegen die Versuche E i. nspru ch, auf der Londoner Konferenz die Grundlagen des Sachverständigengutachtens zu verschieben. und fordert die Reichsregievuug auf, an die Durchführung hes Gutachtens erst dann zu geben, wenn Gewähr dafür besteht,. daß auch die Gegenseite seine Bestimmungen einhält. Der amerikanische Generalzahlungsagent. Paris, 2. August. „Petit Parisien" -will erfahren haben, daß die diplomatischen Vertreter Frankreichs und Englands in Washington eingeladen worden seien, gemeinsam den Teilhaber des Hauses Morgan, Morrow, wegen Übernahme der Funktionen des Generalagenten der Reparationszahlungen zu sondieren. Berhvstung der Hagener Friedhofrvandalen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 2. August. Die polizeilichen Erhebungen über die Verwüstung des jüdischen Friedhofes in H a g e n, wo 52 Grabmäler teils umgestürzt, teils vernichtet wurden, ergaben, daß als Täter vier junge Leute und e i n M ä d ch e n in Betracht kommen, die eine Familiengruft berauben wollten, in der sie Wertgegenstände zu finden hofften. Sämtliche Täter bis auf einen sind verhaftet. Die tschecho-slowalische Armee. Prag, 2. August. Der Friedens st and des tschechoslowakischen Heeres für die Zeit vom 1. Oktober 1924 bis 30. Septmeber 1927 wird jeweilig für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. März mit 150.000 und vom 1. April bis 30. September mit 90.000 Mann festgesetzt. bin Zionist - PrWentderWWe« Gemeinde in Warschau. . (Cigeudienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 1. August. Nach langen Vorverhandlungen zwischen den einzelnen Parteien wurde vom abtretenden Vorstand der jüdischen Gemeinde eine neuerliche Eröffnungssitzung ernberufen, in welcher nach Annahme einer Protestresolution gegen das Verbot der jüdischen Verhandlungssprache ein neue's Präsidium mit einem Zionisten an der Spitze gewählt wurde. Sie letzten Kurse. (Nadiodienst der „Wiener Morgenzeitung".') London, 3. August. Devisenschlußkurs Wien 312.500, Berlin 18,45 Billionen. Prag 148,75, Retv-Ao 4,41'Vie, Paris 85,33»/,, Brüssel 94.93, Rom 101,65, Züri 23,75*/,, Madrid 33,01'/,, Amsterdam 11,53*/*, Kopenhagi 27,39V,, Christian!« —, Stockholm 16,567„ Helsingfoi 1757«, Bukarest —.—. Aew-Dork, 2. August. (Radio.) Deviseusch lußkurier Taggeld —, Wechsel auf London 4.43*/„ 60 Taqe- Wechsel 4,40V*, Paris 5,27»/,, Amsterdam 38,39, Prag 2,97, Berlin 237*. Silber —. W Schuhe! mit eingebautem „Berson^-Gumtni-Absatz Das polnische Tabalmonopol. (Eigendienst der „Wiener Morqenzeitn-ng".) Warschau, 2. August. Da vom 1. d. das Staatsiabakmonopol in Polen eingeführt worden ist, wurden alle Privattabakfabriken in Kongretzpolen und Posen vom Staate angekauft. Der Staat übernimmt acht Privatsabriken. Inland. Die Betriebrreduktion der Alpinen. Die von der Alpinen Montangesellschaft in ihren Wer^?en eingeleitete Betriebsreduktion veranlaßte die Kammer für Arbeiter und Angestellte in Graz, den Landeshauptmann Dr. Rintelen zu ersuchen, eine Aussprache zwischen der Alpinen Montangesellschaft und den Vertretern der Arbeiterschaft herbeizuführen. Diese Aussprache fand, wie aus Graz gemeldet wird, gestern nachmittags statt und eS nahmen daran Vertreter der Alpinen Montangesellschaft, die Präsidenten der Wiener und der Grazer Arboiterkammer Domes und M u ch i t f ch, die Betriebsräte der von der Entlastung betroffenen Werke in Eisenerz, D o n aiv i tz, Kinvberg und Föhnsdors, Vertreter dieser Gemeinden und der in Betracht kommenden Berufsorganisationen teil. Nationalrat Domes ersuchte den Landeshauptmann Rintelen dahin zu wirken, daß Bundes-- und Landesregierung alles unternehmen, damit weitere Arbeiterentlastungen bei der Alpinen Montangesellfchaft vermieden werden. Landeshauptmann Dr. Rintelen verlvies auf seine Bemühungen, den Ausbau der steirischen Wasserkräfte zu fördern und damit auch der Arbeitslosigkeit im Lande zu steuern. Die g ü n st i g e n Ergebnisse der Verhandlungen mit Wiener Banken und mit der italienischen F i n a n z g r u p p e haben den Ausbau der o b e r st e i r i s ch e n K r a f t w e r k e Bruck-Mixnitz wesentlich näher gerückte Nach einem ihm zugekommenen Telegramme aus London stehen dort die Verhandlungeil über die Kreditbeschaffung für den Ausbau der steirischen Wasserkräfte sehr günstig. Die Alpine Montangesellschaft habe erklärt, daß mit der Beschaffung von Strom für das Werk in Neuberg die Wiederaufnahme dieses Betriebes möglich sei. Generaldirektor der Alpinen Montangesellschaft Tr, AP o l d erörterte die Schwierigkeiten, in welche die Alpine Montangesellfchaft gekommen sei und. welche zu den Entlastungell geführt, haben. Es bestehe eine G e l du n d e i n e A b s a tz k r i s e. ^Mit Rücksicht auf den hohen Zinsfuß könne die Alpine Montangesellschaft dermalen nicht auf Vorratproduzieren. Der Redner stellte schließlich in Allssicht, die Frage der Arbeiterentlastungen zum Gegenstände von Besprechungen bei den einzelnen Betrieben zu machen. zenten ausgleichen, einige Diners bei „Pupp", hoffen sie, würde dies auf 25 herabsetzen. Man wird auch wiede^eine Entrevue in die Chronik 1924 eintragen können: Masaryk und der serbische König sind angesagt. Natürlich mit einigen dazugehörigen Ministern. Karlsbad steht damit im Zenith. Es hat seinen höchsten Stand erreicht. Und seine höchsten Preise. Dennoch — die Stadt ist so vielseitig, daß man mit Vermeidung von Luxusausgaben auch billig leben kann. Aber die meisten Kurgäste wollen gar nicht. Wozu wäre man denn sonst ein Karlsbader Kurgast? Marienbad. Einer jener koniferenduftigen Hochwaldspaziergänge, die man hier zur Diätkur des P. T. Publikums eingerichtet hat, trägt die Orientierungstafel „Profestor Alfred Grünfeld-Weg". Eine wehmütige Erinnerung an jene Vergangenheit, da Wien, Wiener Kultur und vor allem Wieller diesen international gemischten, immer french- und vielsprachig saisonbelebten Kurort als Gäste im eigellen Lande die heimatliche Wiener Farbe, die vornehme Sommerfrischenfröhlichkeit und die herrschende Signatur gaben. Zwischen Marienbad und Wien liegt heute ein fremdes Reich und noch vielmehr vielleicht eine fremde Valuta, aber die Wiener Tradition, die Wiener Luft in diesen grünumkränzten böhmischen,Wäldern ist noch immer erhalten. In den Operettenmelodien, die aus den Frühstück- und Jausenstationcn klingen, tu den „Walzertrauln"-Potpvurris und Strauß-Walzern, in den Konzerten, Varietes, Bars, die, nebell den Berliner Größen, die Lieblinge der Wiener Kunst beschäftigen, vor allem iln Repertoire der Speisenkartc, die das Wieller Schnitzel, das Wiener Backhuhn, in.einer Zubereitung, die man in der Urheimat dieser Delikatesten längst verlernt har, serviert, in den Firmatafelu der Cafes, die Wiener Cafes bleiben, wenn sie daneben auch „Kavarna" heißen. Mag die hellblonde Kaisersemmel als Reliquientestament Wiens auf allen Tischen stehen ltnd das Vilja-Lied zur, Freude des Berliners in sentimentaler Klage über - die schlägobers- | gekrönte Wiener Melange schwirren, Marienbad vermißt ) dennoch diese alte Donaustadt, die Hofräie, die Listig vornehme Mittelklasse Wiens, vermißt selbst die Trabanten, die sich der Hofbegleitung König Eduards zugesellten: den österreichischen Kavalieradel, die englische Diplomatie und jene Kreise, die König Eduard in seine. Gesellschaft zog. Auf dem Tennisplatz hinter der Wäldquelle vergnügte sich, jugendlich, der Prinz von Orleans, in ihren livrierten Equipagen fuhren die russischen Großfürsten durch die Stadt, der Schah von Persien, die berühmte Diamantenagraffe in seiner Astrachanfellmütze, vor dem Kreuzbrunnen, umgeben von Heiducken und seiner schlvarHgebräunten exotisch-phantastischen Eortege. Auf jenem Balkon, den jetzt ein Amerikaner, der nicht einmal ein Millionär zu sein braucht, gemietet hat, thronte König Eduard mit seiner dicken Zitzarre im geblümten Schlafvock, auf dem Golfplatz, der längst dem Gebrauch des Publikums übergeben wurde, führte er politische Gespräche mit dem russi», scheu Minister des Aeußern, in der Theaterloge saß er im königlichen Frack, dem Prachtmeisterstück englischer Hofschneiderei, an der Galatafel des Kurhauses sprach er, an der Seite des Tepler Stiftsherrn, den Geburtstagstoast des Kaiserfestes .. . das sind die Bilder aus der Fest- und Glanzzeit Marienbads, als hier noch ein freilich rettungslos kranker Kurgast behandelt wurde: die internationale Politik. Nun aber scheint es, als würde die politische. Epoche für Marienbad wieder beginnen. Wenn auch nicht mehr jene Monarchenentrevuen, so doch die republikanischer Minister, die Politik der kleinen Entente. So sind viele Marienbader Spezialitäten endgiiliig verschwunden. Erfreulich, daß man die übrigen, denen der Ort organischer undfester verknüpft ist, noch an alter Stelle vorfindet: die Kultur des Manderns, die Cafe-Etablissements, oft in grüngegipfelten Höhen, die gepflegten Wege. Selbst die Badescherze auf den Ansichtskarten fitib gleich. Der Maricnbader Tag beginnt nach wie vor init einem Choral der Kurkapelle und endet mit Kaiserstraßen- Korso und Cremeschnitten, beim Konditor. Ponyhespannie Wägelchen kutschieren zu den Ausflugsstätten, die Marienbader Hotelonmibuste, die ihren Namen aus der Topographie der ganzen Erde genommen haben, erwarten die Fremden, die wieder aus der ganzen Welt kommen, nur daß.diese Welt, wenigstens für die Kürorte/erheblich kleiner geworden ist. Stadt „Schlüsselbnrg" . steht aus einem

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