Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1963 (2.8.1924)
- Date
- 1924-08-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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M. i960 Men, GmMais .—.—. doch nicht genügten, um tatsächlich diese Gründungen auch durchzuführen. So sind für mehrere Milliarden Aktien der Rudolf-Hütte A.-G. abgesetzt worden. Trotz alledem ist die OlaSHÄNenan'lage noch nicht fertig und ebenso ist auch die elektrochemische Anlage in Anssee eine verfehlt^ Gründung, die nunmehr still steht und einer grÜMichen Reorganisation bedarf. Nicht anders verhält es sich bei sämtlichen anderen Gründungen. Vielleicht hätte Herr Dr. Braun-Stamm fest seine Tätigkeit noch weiter ungchindert fortsetzen können, wenn nicht seine Transaktionen bei den Danken Anlatz zu einer strafrechtlichen Unter« s u ch u n g gegeben hätten. Vor ungefähr einem Jahre hat sich Herr Dr. Braun-Stamm fest bereit erklärt, in das MasoritätSsyndikat der Wien.er Handelskreditbank einzntreten. Er sollte damals 600.000 Aktien im Nominalbetrags von 3.600,OlD.OOO K. übernehmen. Tatsächlich aber hat er weder die Angabe von 600,000.000 K. geleistet noch auch irgendwelche Arrstaitten getroffen, diese Schuld zu bezahlen. Mittlerweile wurde er aber auf Grund seiner Anteilnahme am Majorität-, fyndkkat zum Vizepräsidenten der Bank ernannt und als folcher hatte er es verstanden, von der Bank große Kredite für seine Unternehmungen zu erlangen. Durch diese Machinationen ist die HandelKkreditbank um nicht weniger als sieben Milliarden geschädigt worden, denn Dr. Braun-Gtammsest hatte auch die Handelskredit'banL zu veranlassen gewußt, daß ste einen Kredit bei der Wiener Kaufmannsbank garantiere. ES wurde gestern schon in diesem Matte berichtet, unter welche« Bedingungen er die Kredite bei der Wiener Kaufmannsbank in Anspruch genommen hat, und auf Grund der Anzeige der Handelskreditbattk wurde eine Untersuchung gegen die Dr. Braun-Gtammfestschen Unternehmungen eingeleitet und eS stellte sich heraus, urit welch beispielloser Sorglosigkeit diese Gründungen in Szene gesetzt worden waren. Die B u ch- Haltung war vollkommen ordnungswidrig geführt, die Konti des einen Unternehmens mit den anderen vermengt und es war überhaupt kein« richtige Bilanz festzuftellen. Die WirtfchaftSPoltzei beschäftigt sich schon fett einig« Ze-tt mit dieser Frage. Auf der Börse tontrbe die Angelegenheit gestern sehr intensiv besprochen, zumal da di« Dr. Brau n-Stammfestschen Aründungen oft die Tätigkeit der Banken i« Anspruch nahm. DaS Rssnltat der Untersuchung steht noch nicht fest, wohl aber zeigt sich, daß sie immer weitere Kreise zieht. Die Aera, welche durch Dr. Braun-Stammfest inauguriert wurde, ist eines der traurigsten Kapitel der österreichischen NachkriegSzait. Wiener Börfr. Die Nachrichten anS London liehen die Vermutung aufkolMnen, daß «S M einer für Deutschland ertrÄglichen Verständigung kommen werde. Auch dar reichliche Geldanbot zu einem Wochenzinsfuß von 0,37 Prozent befestigte die Tendenz d« gestrigen Börse. Die Vorgänge bei der Kaustnäuniischen Bank fanden fast gar keine Beachtung, da van einer dgr Bank nahestehenden Seite die feste Absicht besteht, ein Arrangement auf privatem Wege herhetzuMren. Trotzdem herrschte an der gestrigen Börse, ebenso wie « den letzten Tagen, «ra hochsommeMche GeschÄftsstille. Bon Privaten lagen nur geringe Kaufaufträge vor. Das Interesse konzentrierte sich gleich zu Beginn de- Verkehrs auf Werte der österreichische« Kreditbank umjb der Länderbank. Auch Timler Aktie« waren gesucht, während auf Prager Abgaben tschechische und Montanwerte Kurseinbußen erlitten. Kurz vor Schluß war Wiener Morgenzeitung. " der Verkehr mit Rücksicht aus die .bevorstehende zweitägige Unterbrechung etwas lebhafter, so daß die Börse mit geringen Veränderungen dem Vortage gegenüber schloß. Die Variationen d e r K n l i s s e n w e r t e waren gestern keine bedeutende. Von d e n V a u k w e r k e n gewannen Oesterreichtsche Kredit 900 K., Ungarische Kredit 5500 St., Länderbank 12.600 K., Unionbank 4000 K. s die Einbußen der übrigen Bankwerte waren nur geringe. Von den I n d n st r i e w e r t e u stiegen Krupp um 4800 K.. Siemen? um 500 K., Limb er nur 14.900 St., Salgo um 8000 K., Lrifailer um 2100 K.. Vrünner Maschinen um 12.000 K., Karpathen um 2800 K., während ungarische Hofherr 7000 K. verloren. Auch im Schranken waren einzelne Papiere, wie Veitscher Magnesit, Scheideniandl-Aktien und Dlmamit Nobel sehr gesucht. Von den chemischen Werten gewannen Dnnamit Nobel 60.000 K., Holzverkohlungs-Industrie 80.000 K., Scheidemandl 526.000 K., Leerag 9000 K. Die Petroleum werte blieben ebenso wie die M a s ch i n e n w e r t e im großen und ganzen unverändert. Der A n l a g e m a r k t zeigt eine feste Tendenz. Begehrt waren nngarische Renten und tschechische Eisenbahnobligationen. Von den E x o t e n notierten r Knoblocki 3000 bis 4 ©00 St. - Mraznica 36.000 bis 40.000 ft., Lepege 45.000 bi? 45.500 St.' Universale 18.750 bis 20.000 K. 8evr?en> und Dalutenkurfe. (Mitpeteilt von der Oesterretchischen Nationalbank.) Vista AitiÄfertatti f* i holl. Guld«n 1 fnp. Kro"«" . . . 1 Dinar .' Berlin* t deutsche Reichsmark Brüssel t belgische Franr» Budapest«« t ungarische Kronen Bukarest 1 Lei. Chrlstlanla 1 norwee. Kronen Kopenhagen 1 dRnlsehe Kronor London t Plund Sterlln« . . Madrid 1 Pesetas ..... Mailand i Lire. New York 1 Dollar. Paris l Francs. Pra?! tschecho-slow, Kronen Sofia 1 Lewa ...... Stockholm 1 schwedlseheKrnnor Warschau*** 1 polnische Mark Zürich 1 schweizerische Francs . Noten Amerlkan. Noten v. 5 Dollar auliv. . . kleinere . . . Brtgltehe Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . . . .100.. , » kleinere. . . DSolscbe Noten 100 Kroner . . Deutsche Noten*....... » mm 100 v . _ , M . Heinere« . . . Bogt, Notes von 5 Llvrest. aufw. . kleinere ..... fteoeOefsehe Noten 100 Francs , HolMndlnche Noten 100 Onlden . Italienische Noten ▼. 100 Lire aufw, . . , kleinere . . . Jngosl.Noten ringest, tu 1000 Dinar . . . , 100 , « . „ kleinere . . Norwegische Noten 100 Kroner . , . kleinere . « . Rumänische Noten zu 1000 u. 500Lei » . kleinere . . . Raas. Noten (Roman.) tu 500 Rubel » , . kleinere . . Schwedische Noten 100 Kronor . Schwelserlsche Noten 100 Francs. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-alow. Not. v.lOOOautw. , . kleinere Uagar. Noten**(n. Em.) zu lOOOKr. . »zu 10.000 Kr. . . . . , kleinere. '1. Auguat 31. .7ttU Oeld Ware Oeld Ware 37I5U,- 27250.- 27175.- 27275.-?i8.- «52.— «48,- «52.- p48. - «52.- *'48.— «52.- KWOO.-. 16030.— 15890. - 16990.- 32Ö4. 329*3.— 3221.- 3235.- AA.75 91.75 «9.40 91.40 3"'7<— 300.—?.o8.- 3U1.— P480._ 0530, - 9480.- 9520.- 11310.- 11370.- 11330.- 11370.- 312*^0._ 3ll'.nn,- 3123"0.- 313300.- 0?10,_ 9370.- 9331.- 9370.- •rou.- 7086.—' 3059.- 3071.- 7(1031.- 71185,— 70936.- 71185.- 3602,- 3818.- 3542.- 3558.- 2103. - 2113.— 2«'95.— 2105.- 513.— 516.- 512.- 516.- U720.— 1«780.- 18720.- IP730. - 135-0.- 13550.- 13550.- 13650.- 13195.-* 13245.- 13155.- 13205.- 7C450.- 70850.- 70461.- 70860.- 703.30.- 70760.- 7035".- 70760— 3240.- 3270.- 3185. - 3215. - 490.- 498.- 490.- 498— 47o!— 47b! - 470*.— 478!- 11190.- 11270.— 1119'.'.- 11279— 16540.- 16661.- 16550.- 16670— 16440*.— 15560*.- 16440*.- 16560*— 310700.- 312300.- 311500.- 312100.- 3lö3f0.— 312100.- 310300.- 311900— 3576.- 3605.— 3505.- 3535— 26450.— 27050.- 26«50.- 27050.— 3085.- 3105.- 3070.- 3090— 3055.- 3075.— 3040.- 3060— 844. — 850.- 844.— 850— «34.- 840.— 934!- 840— 9360.- 9440.- 0360,— 9440.— 13510.- 13640.- 135» 13670— 13300.— 13440.- 13330.- 13470.— 304.— 308.- 390.- 310— 294.- 298.- 296.- 300— Z’~ l»520s- 18620!- 18520*.- 18620— 131ÖV- 13270.- 13! 40.- 13220— 0210,- 9290.— 9410.- 9290— 2002.- 2108.— 2977.- 2093— 2687.- ’072.— 2088— S38>a,- 34600.- 3380».— 34600— 86.25 89.25 88.25 89.25 8I.25 84!» 81Ä 8L25 * Für eine Billion Mark, ** für 100 ungarische Kronen, für 1 Zloty aufwärts. coprrlght Jüdischer Verlag, Berlin. Nachdruck verbot««. öS. Fortsetzimg. KawdoloH und Ichsenftreich. Von Sammh Groneman«. Aber bei aller bis nun gewahrten Ga-ststeundschaft sah man dem Abzug der OMusMonStvuPPen bezre-Mcherweife doch mit ei Niger Freu,de entgegen. So war Ä denn etwas anzüglich, als der würdige Rabbiner Reb wissen Karg in seiner Tischrede zum Thema datz Wort wählte: Gesegnet fei dein Eingang — gesegnet fet auch dein Ausgang! Dr. Rosenack aber brachte mt jenem Abend unser aller Dankesgefühl zum Ausdruck, Md als w in unserem Namen nicht nur, sondern inr Namen der deutschen Behörde «und der deutschen Allgemeinheit es ausiprach, daß die ungeheure. Güte und Gastfreundschaft, die )ie Deutschen Hier im Osten erfahren, nie vergessen werden würde, ahnte wohl keiner von uns etwas von jener Ostjudenhetze und --Verfolgung, mit der später jene Liebe vergalten werden sollte. Schließlich kau: der Tag des endgültigen Abschiedes, md als meine Droschke au der Konditorei Steinbach vprrber xolfe — rief -cs: „Mt, Reb Leiser." Reb Leiser hielt ut, Wiadavt« Steinbach und ihre Tochter nahten sich urrt;ewaltvg«n Mengen Proviant und Kuchen, die ich absolut rls Mschiedsgabe anuehnren mußte. Adieu, Kotvno! ... E i n z u g i n B r ü s s e l. Aus den Tag genau zivei Jahre, nachdem ich meinen dienst in Oberost angetreten hatte, meldete ich mich wieder m Or'donnauzanzug in der Regentlaau 23 zu Brüssel beim ^ruptmann Bevtkau. Ich >)mir nicht .nnaugenehm überascht, im Borzimmer statt eines grimmigen Feldwebels in schnippisches, junges Mädchrn zu treffen — aber noch rstaunter war ich. als ich dann im Zimmer des Ehefs nein« Meldung heruntergeschnurrt, hatte: „Unteroffizier i)ronemaun von der Presseabteilung Oberost versetzt zur 8vesftz-eniral-e West" — wie der Hauptmann mich begrüßte: ,MWowmen, Herr Rechtsanwalt! — Nehmen Sie Platz!" Ich setzte mich verdutzt. „Ja — waruur tragen Sie denn Uniform?" fragte Bertkau amüsiert. Darauf hatte ich leine Antwort. ,-Sie sind ja jetzt Zivilist," fuhr jener fort. „Unsere Presiezentvale ist eine Abteilung der Zivil- Verwaltung!" Ich -starrte mein Gegenüber einige SeArnden sprachlos an Vdann hatte ich begriffen und rief: „Dann gestatten Sie, daß ich abrüste!" riß den Helm vom Haupt und-schnallte die Koppel ab. * Es war wirklich wahr! Moine glorreiche militärische Laufbahn, die im Juni 1915 in Rathenow begonnen, mich über den Einjährigenkurs in Biandenburg und »och einmal über Rathenow in den Schützengräben und dann über allerhand Lazarette zum Ersatzregiment in FürsteMvalde, von ba -nach Kowno geführt -hatte, war plötzlich und überraschend zu Ende, ohne!daß ich aus derartiges gefaßt tvar oder hingearbeitet hatte. Meine soldatische Laufbahn nahm sich wirklich ihöchst kriegerisch aus. Die Kämpfe bei Sm-orgon -freilich niachten nicht viel atls — aber als Mitglied des Stabes gehörte ich -einem kämpfenden Truppenteil an, und so hatte ich -offiziell an sämtlichelr Schlachten und kriegerischen Handlungen teilgenommen, -die es 1916 bis 1918 im Osten überhaupt gegeben hatte. Das genügte meinem Ehrgeiz. selbst als das für mich längst beantragte Eiserne Kreuz ausblieb, so ausfallend -c§ auch 'toat, wenn jemand, der zwei Jahre nicht an der Front war, diese Dekoration nicht -trug. Und nun erlebte ich andanerud neue Ueberraschungen. Ich wurde zu dm Geheimrat Ouvrier geschickt, um über mein Gehalt zu verhandeln — ,Mehalt" statt der Unt-erofsizierslohuung. Ich bekam ein nettes Garten- -haus als Dienstgebäude, das ich mir behaglich einrichten ließ d— eure ausgezeichnete Spezialsekretärin, eilten Hilssarberter und in dmn DruckerDranzl ans München einen prächtigen Buraudiener. Ich 'hatte De-lephon und an der Tür meines Vorzimmers Prangte mein Auivaltsschild. Dann fand ich eine reizeiide Etagenwohnung mit der Krone aller Stubenmädchen — Colette, die sich wie. eine dgm französischen Vaudeville entsprungene Soubrette ausnahm — der prächtigen Wirts'leuten. Es war eine märchen- 2. August 1924 Ctaijtt 7 DURCH Dffi BANKENWELT Austro Holländische Bank Zentralbureau: WI4n, I. Df. Karl Luegerplatz 4 (l. ßbendorferstr. 6l Telegrammadresse: Hollandbank Wien / Tel. 27-6-25 Serie Ifommanditgesellschaft ■%/igmund Amarant & Co. Wien, I. Qf oben 22 (Eingang: Petersplatz 4) / Tel. 60590 Serie nrrtmn* m ‘Jtuw * »njrresaai Dorotheum - Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Fides, Treuhand-Bank 6&24,m5?2 l. Neutorgasse 17 G. m. b. H. Tel.: 01-3-20, 61-2-24. 64-C-72 Oesterreichische Holzbank Wtan, I. Tuchlauben 17 Tel.: 63-5-25 Serie u. 66-3-05 Tel. Adr.r „Holzages. BonkKonunondltgesellscliflft Franz PollnK Wien, I. SeitzergassB 4 (Ecke Bognerg. beim Graben) Telephone: CO-4-82, 60-4-93. 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 Telegrammadresse: Frapobonk Rankhau» M. RoHatyH Wien. I. Maria Therasianstrasse 10 Telephon 11-4-60, 11-4-61 Wiener Handelskreditbank A.G. Wien, I. Wfpplingersfirasse 23 Telegrammadresse: ^Haoredo* Telephon 64-5-6S Serie Expositur: I. ßohottenrlng 18a — Telephon 15°|oZlnsen LhypotheKarlsche Sicherbeii erhaiten'Sle für Ihr Kapital bei der Hypothekarverslcherungs-Oesellschaft (Rluntone Adriatica dl Slcurta), I. Tegethoffstrasse 7 Der Geldmarkt. Die geringe Geschäftstätigikeit an der Börse bringt e8 mit sich, daß die großen Geldbeträge, die zü MonatSschluß angelboten wurden, nicht plaziert werden konnten. Die Hauptnrsache dieser großen GelÄslGftgkett ist auch dem Umstande zuzuschreiben, daß nur an seriöse Firmen Kredite gegeben werden, während schwächer aMreditierte Firmen trotz hohen Geildbedarfes keinen Kredit fanden. Der ZinNsatz ist auch zwecks Prolongation unverändert geblieben und schwankte von 0^7 bis 0-5 Prozent pro Woche. Jahvesgel-d war Msch 18 und 20 Prozent angeboten. Die Verhandlungen der Gekawe. Die Schwierigkeiten der Gekawe, die durch den Zusammenbruch der Kansmännischen Bank arg in Mitleidenschast gezogen wurde, dürften in kurzer- Zeit beseitigt werden, da ihre Bechandlungen mit der Zentralbarvk der dcnischen Sparkassen einen glimstigen V-erlaidf haste DaMung meiner Verhälttrisie, und -nur über eines -war ich noch im unllaren, lvas für eine Tätigkeit sollte ich nun eigentlich in meinen schönen Diensträuimen, mit der schicken Sekretärin, dem braven Hilfsarbeiter, dem fleißigen Franzi, aus-üben — mit was für Akten meine funkelnagelne-ueu Regale — womit meine Dienststünden ausfüllen? Es fand sich Rat; der gescherte Dr. Bockwitz, der das wundervolle Pressearchiv angelegt hatte und im Bovdergebäude in seinem sehenstverten, mit Prefsekuriositäten aller Art gefüllten Museum saß. erschloß mir ein sehr interessantes Tätigkeitsgebiet, da's im einzelnen zu schildern, hier zu weit führen würde. Jedenfalls wurde in meinem Burenn bald flott gearbeitet -und ich wurde Referent — mit eigenem Zeichnu-ngsrecht — bitte sehr! — der neu eingerichteten „Nachdrucks-, Rechts- und Bertragsabtei'luug" nahm an allerlei Konferenzen und auch an -der großen Mittwochkonferenz teil, zu der sich unter Vorsitz des 'Herrn Bertkau aller'hand gewaltige Herren versamuieltcn. Noch hatte ich mich nicht vollkommen wieder an die ZivMleidnng gewöhnt — noch steckte mir der preußische Drill in den Gliedern und ich mußte mich zusammeNnehmen, um nicht vor irgend einer der Uniformen plötzlich die beviihmtc „stramme Haltung" anz.ilnehmen. Also dieser Zirkel nnterschi-ed sich nach mehreren Richtungen merklich von denr Jntellert-uellenstammtisch in Kowno. Freilich gab es an dem einen Flügel, da wo die Herren von' der Presse saßen — unter Führung des grimmen Werthenner —, allerhand sehr beachtliche Männer der Feder und Wissenschaft. Mit einer, gewissen Genugtuung stellte i-ch fest, daß auch an diesem Flügel einer der Herren die Ehre der geistigen Arbeiter durch ein ins Auge gelammtes Monokel zu vertreten wußte. Das ivar der Dr. Otto Ebstein, der vor.dem Kriege Pressevertreter in Paris geivesen war — und so mutig dem funkel-uden- EingigS standhielt, das furchterregend am anderen Ende der Tafel den Erbprinzen von Ra-iibor zieric, den Prince pomme de terre oder Prince Potatibor, wie ihn, den Verpfügskommissär, die Brüsseler nannten. (Fortsestung folgt.1