Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1961 (31.7.1924)
- Date
- 1924-07-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1961 Wien, Donnerstag Miene* Mirtten^eitnnci. 31. Juli 1924 Seit« 8 SEIFE NB LA* T T C H V’^p. wirklich reine Freude empfinde-' Sie beim Reinigen Ihrer Vorhänge und Spitzen mir LIJ5K N Durch das Waschen Ihrer Vorhänge und Spitzen unter Verwendung gewöhnlicher Seife werden dieselben beschädigt, weil solche Seifen starkes Reiben bedingen. LUX-Seifen-Blättchen von wunderbarer weiss-durchsichtiger Feinheit in heissem Wasser aufgelöst, erzeugen einen reichen, welchen Schaum, welcher den Schmutz aus dem Gewebe herauszieht, ohne dass das geringste Reiben erforderlich wird. LUX, das weltberühmte, sehr geschätzte Edelprodukt, ist wieder in allen einschlägigen Geschälten erhältlich. Man beachte genau die Waschvorschrift auf den Originalpaketen Sie letzten Kurse. (Nadiodienst der „Wiener Morgenzeitung*.) . London. 80. Juli. Wechselkurse: Wien 312,800, Prag 148'/,, New-Aork 4,39'/,, Paris 87,17»/„ Brüssel 96,43, Rom 101,20, Zürich 23,80, Madrid 32,99, Amsterdam 11,81»/,, Kopenhagen 27,20»/., CHMania 32,32»/., Stockholm 16,52, HelsingforS 178,50, Berlin 18,40, Bukarest 10,10. O e st e r r e i ch i s ch e Anleihe 90.75, \ tschechische 98,50, Prager 90, Skoda 87,50, Bankverein 7.6, Bodenkredit 17,6, Central mining 108,75, Diamonds 16,6. DebeerS 118,25, Rio Tinto 33V,. Royal Dutch 29,25, Shell 49,376. Baumwolle: Full- Middling 19,17, amerikanische Terminware anfangs 6 Punkte niedriger, dann 2 Punkte höher. Juli 18,82, August 17,63, Oktober 16,79, Jänner 16.32, März 16,27, 11 Uhr 4 Minuten bis 2 Punkte niedriger. Mittag 19 Punkte höher. Mai 4000 Ballen Umsatz. 13 Uhr 15 Minuten 26 bis 3 Punkte höher. Mittag 19 Punkte höher. Mai 4000 Ballen Umsatz. 13 Uhr 15 Minuten 26 bis 3 Punkte höher. 14 Uhr 15 Minuten 21 bis 5 Punkte höher. Juli 19,03, August 17,72, Oktober 16,94, Jänner 16,49, März 16,41. Paris. 30. Juli. Trotz des nahen Monatsendes war der Markt ungewöhnlich belebt und fest. Eine neuerliche Steigerung der fremden Devisen hat besonders den Valutenpavieren Kursgewinne verschafft. Die französischen Banken waren allgemein fest, Suez stiegen während der Börse bis 14.4,57, während Rio Tinto den Kurs von 3000 einen Augenblick streifte. Auch Petroleumwerte waren besonders fest. Der russische Markt dagegen schwach und unbelebt. In der Kulisse war Festigkeit vorherrschende und kam, natürlich in erster Linie den guten Minenwerten zugute. Wechselkurse: New-Dork 19,45, London 86.75, Wien 28.25, Schweiz 370,—, Bukarest 8,65, Prag 59,30, Italien 85,—, Belgien 90,50. Aew-Dorl», 30. Juli. (Radio.) Devisen schlußkurier Taggeld 2*/«, Wechsel auf London 4,39,75, 60 Tage-Wechsel 4,36,75, Paris 4,98»/„ Amsterdam 38,16, Prag 2,96, Berliner Schlußkurs 23V, bis 24. Silber 68. Ae Intellettuellenkommiffion der Mlkerbundes. Bergson wieder Präsident. Gens, 30. Juli. Das Internationa'!.' K-mäe-, für geistige Zusammenarbeit im Völkerbund h<tz unter dem Vorsitz Henry Berg so ns die Beratungen begonnen. Ter Vorsitzende begrüßte die neuen Mitglieder Luaone >t! (Argentinien) und Einstein (Deutschland), die zun,: ersten Male an den Beratungen teilnahmen. In seiner Rede feierte er besonders den Weltruihm Einsteins. Er nannte sein Werk „eine der gewaltigsten Anstrengungen, die der Mensch je gemacht hat, um die Begrenzung des m e n is ch >l i ch e n D e n k e n s a u s z u s ch a l t e n. In unerwarteter Erweiterung des genialen Werkes des großen Loren tz", so fuhr Bergson fort, „kam Einstein zu seiner Theorie der Schwerkraft und zu einer neuen Methode, die über ihr Ziel hinausging und die zweifellos die Anregung zu neuen Entdeckungen geben wird. Das Wunder dabei ist nur", sagte Bergson, „-daß solche Theorien, deren Schwierigkeiten geeignet wären, Gelehrte und Philosophen von Beruf abzuschrecken, die. ganze Welt leidenschaftlich erregt haben. Einstein scheint einen großen Teil der Menschheit für diese erhabenen Theorien gewonnen zu haben. Möchte ihm das auch auf anderen Gebieten gelingen." Tann sprach Bergson von dem Interesse, das Einstein seit jeher den g e i st i g e n Beziehungen der Völker entgegengebracht habe, und gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß er sich durch seine Wirksamkeit für die Festigung dieser Beziehungen nunmehr ein neues Verdienst. um die Menschheit erwerben möchte. Zum Präsidenten des Komitees wurde Bergson wiedergewählt, die Wahl des Vizepräsidenten fiel auf Murray (England). Das Komitee nahm die Berichte über die Konstituierung und die Tätigkeit der einzelnen nationalen Ausschüsse des Komitees zur Kenntnis. Hierauf kam das Verhältnis des Komitees zu dem vor kurzem gebildeten katholischen Ausschusses und zum Internationalen Verband der geistigen Arbeiter zur Sprache. In der auf Grund eines umfangreichen Berichtes geführten Debatte über das geistige Leben in den einzelnen Ländern wurden Vorschläge über die Mittel erstattet, durch welche die Schwierigkeiten zu überwinden wären, mit denen einzelne Länder in Mittel- und Osteuropa ans dem Gebiete der geistigen Arbeit zu kämpfen haben. Es wttrde der Plan aufgetvorfeu, den Austausch ■ von U n i v e r s i tä t s p r o fe s s o r e n undHörernzu erleichtern und eine engere Verbindung zwischen dem geistigen Leben in Mittel- und Osteuropa und bontijcitt'OGU der westeuropäischen Länder herzustellen. Großes Interesse erweckte ein Bericht über die Bedeutung und die Nolle des Kinos im geistigen Leben. Sie Budavester Handgranaten. Auch schon im Polizeigefängnis. - Aus B u d a p e st wird uns berichtet: Heule vormittags wurden auf dem Dach des P o I i z e i g e f 8 n g n i ff e s in der Mavkogasse im Verlauf von Dachdeckerarbeiten zwei Eierhandgranaten entdeckt. Die Polizei hat eine Untersuchung cinaele'tet. Me die große zeit anßng. Me dem Kaiser der MobWerungsbefehl abgeschwindelt wurde. Im Berliner „Achtuhrblatt" erzählt Oberst Seeltg e r, seinerzeit Pressechef im k. u. k. Kriegsministerium: . Da — werfe ich einen Blick auf die Wand, es ist 9 Uhr 23 Minuten abends — schrillt das Telephon: ,-Hallo! AllerhöchsterBefehlfür die Mobilisierung „Fall B" (Balkan). Erster Alarmtag der 27. Juli, erster Mobilisierungstag der 28. Juli . . Ach lasse die Hörmuschel sinken. „Das ist der Kriegszustand zwischen der Monarchie und Serbien", sagt der Chef, „das europäische Pu l v e r s a ß ist entzündet." Mas war geschehen? Hatte Conrad v. Hotzendorf das Bekehrungs-, wunder beim alten Kaiser vollbracht, als er vergangene Nacht dem zu diesem Zeitpunkt noch in Wien weilenden Grafen Berchtold die angeblich bereits am 24. nachmittags erfolgten Mobilmachungsmaßnahmen Serbiens mitgeteilt hatte? War Berchtold derjenige, der den Kaiser zum Kriegführen umgest'.mmt hatte? Nach einer halben Stunde, wenige Minuten vor 10 Uhr, gab das Telephon bedeutungsvolle Auskunft: „Se. Majestät war zur Unterschrift des Mobilisierungsbefehles n i ch t g e n e i g t." Ta verlas Graf Berchtold ein S a r aj e v o e r Telegramm über den heutigen Einbruch s e r b i s ch e r K o m i t a t s ch i b a n d e n auf bosnisches Gebiet, wobei auf unserer Seite v i e r h u n d e r t Grenzsoldaten n n d G e u d a r in e r i e getötet oder verwundet wurden. Bei dieser Nachricht ruckte der Kaiser zusammen und sagte tonlos: „Was? So viel Blut ist schon vergossen worden? Dann a l l e r d i n a s ist der Krieg u n v e rm ei dl ich." Und der 84jcchrioe Monarch setzte s'ch '.um Schreibtisch und n n t e r fc rt ig te mit sttt"rnder Greifenband den Mobilisierungsbefehl ... Tie Lawine war int Rollen. Ich bat den Inspoktionsoffi'k'r. m'ch für kurz.' Zeit beim Telephon zu vertreten, und eilte hinüber ins E v ideu; bureau des G e n e r a l st a b e s, Näheres hinsichtlich der so blutigen Depesche über den heutigen Kamvf an der Grenze zu . erfahren.. Im Evidenzbureau Taufen organ'sationsgemäß ausnahmslos alle belangreichen Meldungen aus Bosnien und Herzegowina ein. um dort geprüft, gesichtet und eventuell weiiergeaeben zu werden. Aber — was soll das heißen? Ich durchstöberte >vn gar: um Einlauf von gestern und von heute — keine Spur von v i e rb u n d e r t T o t e r: oder Verwundeten! Meine Freunde und Kameraden im Evidenzburean wissen nichts von einer derartigen Nachricht. Ein Grmzgeplänkel hat an der Drina stattgefunden, wobei aber nur vier Gendarmen l e i ch t v c r w u n d e t wurden, sonst , nichts. Was soll das heißen? Verblüfft gehe ich hinaus. Draußen, auf der Stiege, begegne ich trotz der Nachtstunde dem Grafen Rudi Kinskh. -Iugerildgenosse der alles wissenden Hofburgschauspielerin Kathi Schratt. Ich teile ihm meine Ratlosigkeit über das mit. was ich vor fünf Minuten hier — nicht erfahren habe. Da faßt mich der Graf an der Schulter: „Freunderl, sind S' denn wirklich so naiv? Der Berchtold! DieDepcschemitden v i e rh u n d e r t T o t e n. d i e h a t e r s i ch j a s e l b st g ema ch t — sonst hätte er dem alten Herrn ja nie und nimmer die Unterschrift zur Mobilisierung herauslocken können!" Wie vor den Kaps geschlagen wankte ich über die mitternächtig ballenden Korridore und ädert Stiegen in mein Bureau zurück." mm Amtlich wird mitgeteilt, daß Handelsmirnster Doktor S ch ü r f f Dienstag Betriebsräte der Wöllersdorfer Werke nicht empfangen habe und infolgedessen die ihm zugeschriebeue Erklärung, daß er eine Zusage wegen der Weiterführung des Betriebes nicht mache:: konnte, jeder Begründung entbehre. Parallel mit der Untersuchung der Wirtschafts- Polizei war ein Disziplinarverfahren gegen die beteiligten Beamten des Handelsministeriums, darunter den Sektionschef Hilli.iger. eingeleitet worden. Dieses Disziplinarverfahren wurde vorläufig unterbrochen, bis Resultate der vort der .Staatsanwaltschaft durchgeführten Untersuchung vorlicgcn. Masaryl Wer die ersten KrirMage. Aus den Memoiren des Präsidenten. „Ich war damals mit meiner Familie in Schandau. Seit dem Ultimatum war ich in steter Spannung und hoffte, es würde kein Krieg sein. Noch nach der Verk -ndi- . gung der Mobilisierung bewies ich meinen Bekaun'm. daß das nur ein Popanz sei und das; die entscheidenden Staatsmänner züsammenkommen und den Streit schlichten würden: von der Mobilmachung zur Erkläruna und Durchführung des Krieges sah tch eine merkliche Distanz. Auch die Kriegserklärung hielt ich nicht für das letzte Wort. Ich galt als unheilbarer Pazifist und Idealist — in Wirklichkeit sah ich in meinem Innern den Krieg voraus, w c all anderen, aber ich fürchtete mich vor der letzten Entscheidung, daß ich jetzt meine Opposition gegen Oesterreich und das Oesterreichertum durch die Tat betveisen müßte! Als England den Krieg an Deutschland erklärte (am 4. August), war es mit dem Trösten vorbei; oberes erschien mir doch, als ob Deutschland in dem Ultimatum an Belgien und dann in dem Belgien gemachten Vorschlag eines friedlichen Austragens (6. August) schwanke; ich sah darin einen gewissen Respekt vor der 'Meinung der Welt. Aber freilich — das alles waren eitle Wendungen um den heißen Brei;' der Hals ist auch für den Politiker ein sehr lieber Körperteil ... Aus Schandau konnten wir wegen der Mobilisierung nicht nach Kaufe gelangen, die Bahnen waren für die Soldaten und Rekruten reserviert; auch die österreichischungarischen Untertanen kehrten hausenweife aus Deutschlandmach Hause zurück. Der Aufenthalt in Sachsen ermöglichte mir, in Dresden und in verschiedenen anderen Städten die deutsche Mobilmachung zu beobachten und sie mit der österreichischen zu vergleichen, die ich beobachtete, als. ich (um den 10. August) nach Hause zurückkehrte. Die Deutschen " hatten in alledem eine viel größere Ordnung, und bas" Heer war viel besser und solider bewaffnet; peinlich war es mir, die österreichischen Rekruten zu seihen, die ans Deutschland und über Deutschland nach Hause kamen — ganze Massen waren betrunken. Aus dieser Fahrt beobachtete ich den ersten tschechischen Soldaten aus der Nähe: einen Feldwebel, ich sprach mit ihm. Es war unweit von Melnik (wir fuhren auf einen Umweg von.Tetscheu); ich warf ihm einige skeptische Bemerkungen über den Verlauf des Krieges hin-Ich sehe den Armen noch heute, wie er mich mit großen Augen an'äh und sich mit einem traurigen: „Was können wir machen?" Erleichterung zu schaffen suchte. Ja, was konnten wir, was mußten ' wir tun! Ich wußte, was wir tun mußten, was ich tun mußte, von Tag zu Tag war es mir klarer. In Prag war eine politische Wüste: alle Tätigkeit der politischen Parteien und der einzelnen war unterbunden: wir Abgeordneten kamen zwar zusammen, um über irgendwelche adrn'uistrative Lappalien zu reden, aber es wir zu spüren, daß unser Geist anderswo weilte, als im Beratung'ssaal ... Unsere tschechischer: Soldaten, die Prag verließen, gäben ihre antiösterreichische Gesinnung kund; von der Armee kamen Nachrichten, daß sie sich widersetzten oder gar aufrührerisch waren. Bald veruabnr war: von einem . strengen Einschreiten der Militärbehörden, ia von Todes- , strafen. Sie wurden für das bestraft, was ich. der Abgeordnete, verkündet hatte — konnte, durfte ich weniger Inn. als dieser eimache Soldat und Bürger, den ich in der antiösterreichischer: und slawischen Gesinnung bestärkt hatte?" , wmhiiw'M iimiwiiiiwwiBiiiiiimi' i n im min »!»!»>»«! I».in ini wiiimuninwim m I»» > -! Das Unterrichtsministerium pe-mt die dentlche Stndrntenkamrnr!-. Das Unterrichtsministerium hat dem sozialistischen Hochstbulausschuß auf seine Fraae, ob die Kammern der deutschen Stndentenschast als offizielle Stndmtenvertretungen gleich den „Deutschen Stndmtenschaftm" auzusehm seien, geantwortet, dich; es au den österreichischer: Hochschulen keine solchen Körperschaften gebe, deren Rechtsstatus jenen: der in der „Deutschen Studentenschaft" vereinigten „Studentenschaften" der reichsdeutschen Hochschulen entspreche, und daß die Unterrichtsverwaltung aller: ordnuugsm'mü'; konstituierten studentischen Vereinigungen die volle Gleichberechtigung gewähre. Aus dieser Antwort geht hervor, daß die deutsche > Slüdentenkammer nicht das Reckst hat die offizielle Vertretung der gesamten österreichische:: Studentenschaft in Anspruch zu nehmen, wie sie behauptet.