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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-30 · Heft 1960 (30.7.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1960 (30.7.1924)
Date
1924-07-30
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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'■vmwp^FW'’ X” t.' ^n,'5'.;' 'T^i f •.' ’ ‘" Nr. I960 ... Wien, MiKtvoH v*—11" ' '■■ ---—-——“- —- ■■■■■■■—■ .-■ '•■" - —— SesterreichWe Natioualbank. Die gesstrn, veWen'^ichte WochenMerlsicht der Noten bank weist ein« Zunahme toeS Wechselp ortefeudlI« S aus, die «die Verminderung tecSf-eT&on-während der letzten Ausweisperiode um ein Gerimges übersteigt, so daß der Höchststand des Mechselporteseuilles vom 7. d. um 6 Milliarden Kronen Werschritten wird. Hingegen hat erfreulicherweise der Barschatz in dieser Woche eine Stärkung um. 6,7 Milliarden Kronen erfahren. Die umlaufende Notenmenge hat sich um fast 200 Milliarden Kronen verringert, wohingegen die Verbindlichkeiten aus dem Giroverkehr um 298 Milliarden Kronen gestiegen sind. Die Differenz findet in den: stärkeren Anwachsen der „Anderen Aktiven" gegenüber den sonstigen Passiven" ihre Erklärung. Devisen- und Balutenkurse. (Mitgeteilt von der Oesterreichtschen Nationalb aM VIO+« 29. JuH 28. HW v*®^a Geld Ware Geld Ware Amsterdam f. 1 holl. Gülden . 27151.- 27250.- 27170.- 27270.- Agram > J«a. Kronen , .; * 839.— 843.— P37,- 841.— Belgrad 1 Dinar .' «3g.— 043.- "37.- 841.- Berlln* 1 deutsche Reichsmark * lfi8io,~ 16990.— 16850 — 169*0.- Brflssel 1 belgische Francs . ’ 3^71,— 3280.- 3234. 3291.- Budapest** 1 ungarische Kronen «8.23 90.25 87.75 89.75 Bukarest 1 Lei.* 807.— 3fQ.— 3"3.— 305.- Chrlstlnnla 1 norweg. Kronen * 8831.— tz37o.— 9330.— 9370.— Kopenhagen 1 dänische Kronor * 1138a.— 11420,— 11780.— 11320,— London 1 Pfund Sterling . . 3115no.- 312500,- 3l2mo._ 313010.- Madrld 1 Pesetas 838.1.— 9420,— 9380,— 9420,- Mallnnd 1 Lire.• 3074,- 30B6.— 3o64,— 3076.— New York I Dollar.* 70035.- 7,185.- 70935,- 71185.- Parls 1 Francs.j 3532.- 3598,- 3622.- 3638.- Prag 1 tschecho-slow. Kronen . 2093,— 2103.— 2107.— 2117.— Sofia 1 Lewa .; 513.— 517.— 516.- 520.- Stockholm 1 schwedlseheKronor 18770.— IPSiQ.— 18720.— 18780.— Warschau*** 1 polnische Mark 13650.- 13750.- 13550,- 13650.- ZUrlch 1 schweizerische Francs . 13055,—. 13105.— 13055,— 13108.- Noten Amerika», Noten v. 5 Dollar a«h», 70469.— 70860,— 70460.- 70850.- . „ kleinere . . . 70350.- 7076".- 70360.- 70760.- Belglsche Noten 100 Francs . . 323o,- 3250.- 3245.- 3275.- Bulgarische Noten zu 1000 Leva , 480.- 493,— 499.— 498,- „ . * 100 „ . . . .kleinere... *70.- 478.- 470.- 478.- Danlsche Noten 100 Kroner . . 112«).— 11329.— 11160.- 11249.- Deutschc Noten*. 16540.- 16660.- 16540.- I6B61.- . m . IOO , , , — » B kleinere* . . , 16440 - 16560.- 16440.— 16560.- Engl. Noten von 5 Llvrcst. aufw. 319700.- 311300.- 3lo20o.- 311800.- * , kleinere.Z09100.- 311,00.- ZIOHO.- 311600.- FranzOslsche Noten 100 Francs ’. 3560.- 359(1.- 3585.- 3615.- HoliSndlsche Noten 100 Gulden . 26*50.- 27050.— 26850.- 27051.- lta!t®ilr.che Noten v. 100 Lire aufw. 3081.- 3'09.- 3070.- 3090.- „ „ kleinere . . . 3050,— 3070.— 3040,— 3060,— Jcgosl. Noten uugest.zu 1000 Dinar 837.— 843.— 834.— 840 — " * * kleinere . 827*.- 833*.- 824.- 830.- Norweglsche Noten 100 Kroner , 9210.— 9290.— 9210.— 9290,— Polnische Noten **• .....!358o.- 13720.— 13580.- 13720.— * . kleinere . . . 13380.- 13529.- 13381.- l3s2o.- RumSnlsche Noten zul000u.500Lel» 303.- 307.- 298.- 302.- * . kleinere . .. . 293.- 297.- 288.- 292.- Russ, Noten (Roman.) zu 500 Rubel — 1. » » m JOO , —.— — „ „ „ kleinere . . — Schwedische Noten 100 Kronor . 18560,— 18660,— 18530,— 1B631,— Schweizerische Noten 1Ö0 Francs. 13060,— 13140.— 13050,— 13140.— Spanische Noten 100 Pesetas . . 9260.— 9340.— 9260.— 9340.— Tschecho-slow. Not. v.1000 autw. 2684.- 2100.— 2100.- 2118.- , . kleinere . , 2079.- 2095.-, 2095.- 2111.- '[firklsche Pfund-Noten ..... 33900.— 34700.- 33ÖUO,- 34700.*- jngar. Noten**(n. Eni.) zitlOOOKr. 85.50 88.50 85.— 88.— , «zu 10.000 Kr. ... —.-1 . . kleinere. 80.50 83,50 80.- 83.- * Für eine Billion Mark« ** für 100 ungarische Kronen. *** für 1 Zloty aufwärts. Wiener MAvsenzeltanft. Lie rusammengebrochene HMer-VM. Die Generalversammlung. der Deutsche» Badeübank. — Der Verwaltung wird das Absolutorium verweigert. — Die Zentral-B.odenbauk als Träger der Opposition. Gestern fand die Generalversammlung der Deutschen Bodenbank statt. In der vorgelegten Bilanz pro 31. Dezember 1923 wird der Reingewinn mit 34 Millionen cmsgewiesen. Als Vorsitzender fungierte Präsident Groß. Derselbe erklärt: Im April dieses Jahres sei der Vorstand darauf aufmerksam gemacht worden, daß sich in den Büchern eine ganze Reihe von ungedeckten Konti befinde. Eine hierauf eingeleitete Untersuchung ergab, daß diese Konti von dem BevwältnngSrat Hedenigg stammen. Wohl halbe der Vorstand der Bank sich sofort bemüht, von Hedenigg die Gutmachung deS Schadens zu erlangen, doch sei dies nicht gelungen, da das Vermögen. Hedenrggs bei anderen Banken verpfändet war. Ein zweites ungedecktes Konto von 11 Milliarden Kronen rühre von Samuel Bronner her, doch dieses fei mittlerweile sichergestellt, da eine Hypothek auf die dem Bronner und feiner Frau gehörigen Realitäten evwirkt wurde. Um die Sanierung leichter durchzuführen, beantragt der Präsident eine Aenderung der Bankstatuten in dem Sinne, daß zu einer Erhöhung des Mtienkapitäls die einfache Majorität genügen solle. Dieser Antrag wurde aber abgelehnt. Als Sprecher der Opposition fungierte der Direktor der Zentral« Boden'bank I 0 l l e ß, La diese Dank die Majorität der Aktien des Hitler-JnstitutS besitzt, sie scheint auch durch den Zusammenbruch der Deutschen Bodenbank in Mitleidenschaft gezogen zu sein. Der Verwaltung wurde das Absolutorium verweigert. Keine Herabsetzung der Fürsorgeabgabe im Banlgewerbe. Stadtrat Breitner empfing heute eine Deputation des Wiener Bövseuvereines, bestehend ans den Herren Börsenrat Ernst Straßer, Paul Bjchavy, Oskar Landauer und Sigi Singer. Die Deputation schilderte die schwierige Lage des Bankgewerbes, welches unter den diversen steuerlichen Belastungen zusamweuzubrechen drohe. Hierzu sei besonders auch die Füosorgeabgabe zu rechnen, die in Wien fiir Banken und Ban'kgeschäftr 8,5 Prozent der Lohnsumme ausmache und für Privatbankgeschäfte allein pro Monat etwa 800 Millionen Kronen betrage. Das, bedeutet, daß die Fürsorgeabgabe, die der Unternchmer für 10 Angestellte zu entrichten hat, da8 Gehalt für einen weiteren Angestellten ausmache. Bei einer Ermäßigung der Fürsorgeabgabe auf die Hälfte könnte deshalb ein weiterer Personalabbau vermieden werden. Siadtrat Breitner verschloß sich durchaus nicht den vorgebrachten Argumenten, deren Stichhältigkeit und Berechtigung er vollkommen anerkenne. Das Budget der Gemeinde, dessen Auftechterhaltung seine hauptsächlichste Aufgabe ist, gestatte ihm jedoch nicht, dem ihm vorgebrachten Wunsche der Deputation nachzukommen. Es wäre sogar von seinem Gesichtspunkte aus eine Erhöhung der Fürsorgeabgabe notwendig gowesen, von welcher er allerdings nunmehr Abstand nchmen wolle. In Fällen, wo er einzelnen Firmen ganz unmöglich sein sollte, die Fürsorgeabgabe pünktlich zu entrichten, 80. Juli 1924 ~ ■ Seik 7 ".1 Vvo er über begründetes Emschreile:! . .'Nluelle EtundungS. gesuche wohlwollend behandeln. Bon einer Generalisieruna könne aber auch hierbei absolut nicht die Rede sein, wie denn auch eine Ermäßigung der Fürsorgeabgabe im gegenwärtigen Zeitpunkt vollständig ausgeschlossen erschiene. Stadtrat Breitner versicherte die Deputation der Wertschätzung, die ’ef dem soliden Bankgewerbe entgegenbrmge, dessen Bedeutung sür Staat und Stadt er durchaus anerkenne. Er bedaure, schon mit Rücksicht auf seine früheren Beziehungen zum Bankgewerbe, es ungemein, aus budgetären Gründen den sonst absolut gerechtfertigten Wünschen der Deputation über die gemachte Zusage hinaus nicht entgegenkommen zu können. Erhöhung der gesetzlichen Zinsen. Der Nationalrat hat durch Bundesgesetz vom 15. Juli 1924 die gesetzlichen Zinsen (Verzögerungs-, Bevzugszienfen ufw.) nach bürgerlichen Rechl von 5 Prozmt auf 10 Prozent, nach Handels- und Wechfelrecht von 6 Prozent aus 12 Prozent pro anno erhöht. In Hinkunst ist der Bundeskanzler im Einvernchmen nnt dem Finanzminister ermächtigt, das Ausmaß der gesetzlichen Zinsen, entsprechend den wirtschaftlichen Verhältnissen, durch Verordnung zu echölhen oder herabzusetzen. Die . erhöhten Zinssätze treten am 1. August 1924 in Geltung. Insolvenzen. Der Kreditorenverein meldet folgende ZaWungseinstellungen: Brüder Nvwak. 1. Bez., Rauhenstein' gasse 5; Michael Moser feit., Ammirrmerster in Dentfchbach, Gemeinde Rabenstein: „Wa'ldland." Handelsgesellschaft für Wald- und landwirtschaftliche EaMgung, G. m. b. H., St. Pölten; Josef Spiller, Mechaniker, St. Pölten; Rudolf Prohaska, 2. Be^., Große Stadtgutgasse 22. Erleichtevuna,^ der Effektenausfolgung in der Tschecho- Slowakei. Aus Prag, 29. d., wird uns telegraphiert: Vom Fmanzminifterium wird mitgeteilt: Die Ausgabe von Wertpapieren und Depots der Geldiustitute, Aemter und Personen, die Wertpapiere für ansländische Staatsangchörige oder für hiesige Staatsangehörige, die im Auslände leben, in Verwahrung haben, kann nunmehr auch von den ©teucrämtemi gestattet werden, während sie bisher lediglich das Finanzministerium bewilligt hat. PÄens Erntraussichten. Aus Warschau wird uns gemeldet: Der Stand der heurigen polnischen Ernte ist nicht besonders gut. Infolge zahlreicher Hagelniederschläge hat besonders das Korn gelitten. Dagegen scheint die Weizenernte besser zu sein. Gute Ergebnisse erhofft man sich aus der Hafer- und G erst euer nie. Wiener Börse. Ruhig. . Ter Zusammenbruch der Kauftnännischdn Bank, bet* ■ Kunde» mit den Nachrichten aus Lonldon, welche eine Verzögernng bei den DechaMungen verzeichneten, minderten ' noch die mäßige Kauftust des vorgestrigen Tcuges und verringerten den U-msatz, während aber die Kursbewertung unter diesen Meldungen nur Weng M. Die Anfangktkurse Wiejsen nur unbedeutende Einbußen ans. Für österreich?sche Bankwerte zeigte sich mehr Interesse, so daß sie den Vovgestrigen. Kuröverbust wieder einholten. Die Betrrabseinfchränikungen bei der Alpinen MontauggsellsWt, die infolge Absatz-, stockungen vorgenommen wurden, tangierten^in keiner Weise i den Kurs dieses UnteMahmens. Die Krise in der Gisemudu» strie, die den Welteffenmabkt schon läge bedrängt und nun in großer Auswahl STÖfF£ ttitt UU((m Kt 7Q2JSi» Copyright Nachdrud verboten. JLdlscher Verlag, Berit». 55. Fortsetzung. Von Sammy Gronemann. Das war ein Umschwung und ein Evfolg — in gleicher Weise ehrenvoll für Schüler und Lehrer. Earlobach hat mir oft gesagt, wieviel er in fener Zeit in Kownv gelernt hat und wie er sich davon ubeweugt hat, daß die nationale Gegehfterung und der nationale Wille der jüdischen Jugend anzuerkennen find und daß daran vorüderzugehen.Aöd und verbrecherisch fei. Und Wege» dieses ehrlichen Zugeiständnisses ftll er für diesmal ungeneckt bleiben, trotz aller Versuchung, getreu einem Wort Zweigs, aus dem unserem prächtigen Feldwebel Bottke gewidmeten Sonett: Die Arme mit den giftigen Rapieren, Sie feniken sich — man muß chm salutieren! Rachibari nnen. Ich hatte eine passable. Wohnung dicht neben dem Gymnasium gefunden und in der großen Pause füllte sich, wenn ich daheim war, oft mein Zimmer. Gleich am Abend meines Einzuges hatte ich ein Mttes Erlebnis. Es war ein Freitag Abend und ich setzte mich im Dunkeln aufs Sofa, um vor dem Schläfen etwas zu träumen. Mädchenstimmen aus dem Nebenraum ließen mich aufhorchen, und was ich chörte, fesselte mich so, daß ich zwei Stunden interessiert zuhörte. Zwei jüdische Mädchen lasen zusammen Heines „Atta Troll". Es war unendlich reizvoll, zu verfolgen^ wie sie sich durch dies an versteckten pMtifchen^ unliterarischen Anspielungen, so reiche Werk durchardülteten, welche Hypothesen sie aufstellten, um ohne Wissenschaft hon der Entstehungszeit jener Dichtung und -der längst vergessenen Tagesgrößen jener Periode gar nicht verständliche Wendungen sich zu erklären — sie kamen der Wahrheit oft sehr nahe —. und wie sie doch ahnungsvoll'das Schöne und Künstlerische der Dichtung gefühlsmäßig in sich aufnahmen. Mir wars eine erfreuliche Bestätigung der Wahrheit meines Faustkapitels in Tohuwabohu. Späterhin habe ich mit meinen Nachbarinnen, zwei jungen BeMufermnen, mich angofreundet und wir haben zusammen ,Mta Troll" und noch manche andere Me Bücher gelesen. Weniger erfreulich gestaltete sich das BevhaltniS Arnold Zweigs zu seinen Mitbewohnern. Da seine keusche Muse sich beharrlich weigert, ihn in dem Soldatenguartier zu beisu^n — sie war von Claudia her ein behaglicheres Milieu gewohnt hatte Struck ihm ein Zimmer seiner OffizierAwohnung eittgeräumt, leider aber, ohne vorher die Genehmigung seiner Hausiyrannin cinzuholen. Diese, eine tvsfftichö Priästerin am Herde der natioual^jüdischen Küche, um derentlvillsn Struck der Frau Michelsohn ungetreu geworden war, thronte rnafestätisch am Herdvltar, von >den mystischen und woWiechenden Dämpfen des Schalet und der Kuggel umhüllt. Den „Herrn Laiftiant" bemutterte und protegierte sie, .Heinrich Eisemann duldete sie — aber gegen gemeine^ Land-stürmer, wie Zweig, war sie von einer durchaus nicht verborgen gehaltenen Verachtung erfüllt. So erfüllte Streit und Lärm das Zimmer, welches unserem Arnold zu stiller Sammlung bereitet ivar — die Muse entwich indigniert und das schöne gelbliche Papier, das die Avine, blonde Sella, in Strucks Vorzimmer befcheidsMich in der Ecke hockend, zufchnrtt, blieb gänzlich unbsdichtat auf dem Tisch liegen. Der negative Einfluß der kochkuudigen Lena auf die deutsche Literatur ist nicht zu unterschätzen. Welchen Einfluß ihr« kulinarische Tätigkeit auf die Gestaltung des Dezernats für jüdische AngelegenheitLn aüsübte, und ob sie durch ihre auf Wivkung auf ldas Innevste des Menschen berechneten Leistungen nicht erst recht eigentlich dem Dezernenten, unserem Hermann. Struck, daß rechte und volle Verständnis für die Psychologie twte ihm ändert rauten Bevölkerungstciles erschloß,. Meibe dahingestellt. D a S j ü d i s ch e D e z e r n a t. Tatsache ist, daß Strucks Wirken ein gär nicht hoch genüg zu wertendes Glück für die Juden und für die Verwaltung war. Mehr noch als das Viele, was er geschaffen hat, «war vielleicht, was er an Unheil verhüten konnte. Leicht hatte man es chm anfangs nicht gemacht und vo« Warschau aus tat inan dass möglichste, um ihm sein WM - zu erschweren. Glücklicherweise war bei unS die deutsche Agudah, deren Mißtrauen gegen chn groß war, durch ausgezeichnete und ehrliche Menschen vertreten, und bald bewies Struck, unterstützt zumal durch Heinvich Eisemaun, wie bei gutem Willen eine gedeihliche Zusammenarbeit auch der heterogensten Elemente möglich ist. Seine absolute ObMivität gewann ihm das nnemgeschränkte V-ertrauen dev Ziouisten wie der Orthodoxen und ebenso der radikalsten Sozialisten. Alle wandten sich vertrauensvoll an ihn und - alle ihm mit ÜM zufrieden — bis auf einen Punkt, in dom eine Verständigung nicht möglich war. Und hier wieder ivaran alle gegen ihn geeint. Er hatte es sich in den Kops gesetzt, die Leute, die ihn aufsuchten, zur Pünktlichkeit zu erzilShen und seine Sprechstunden zu respektieren. Wer st mit Ostsuden oder überhaupt mit Leuten aus dem Osten zu tu» gehübt hat, wird begreifen, daß diese Zumutung als ein unerhörter Angriff auf alte Üeberlieserung und Gewohnheit betrachtet und abgelehnt wurde, llsian überfiel ihn im Restaurant und auf der Straße, man störte ihn in seiner Privatwohnung aus dem Mittagsschlaf — nur in der zum Enipfaug festgesetzten Zeit erschien niemand, außer mir, der ich wußte, daß ich ihn dann ungestört sprechen Sonnte. Und auch die Herren vo« der Verwaltung hatten Vertrauen zu ihm. Man sah, daß er die entgegensichenden Interessen auözugleichen sich redlich und unparteiisch bemühte. Es gelang i-hm, durch seine Vorstellungen die Aufhebung Mer Reihe von Verordnungen durchzusehen, die nur böses Blut gemacht hatten, und. mit den schlimmsten MißstLnden aufzuramnen^ Er fand anch beim-.Oberguartiermeiister eiuigeS Verständnis und guten Willen, wenn auch nicht immer die Mächt, die guten Absichten gegenüber den Nachgeordneten Stellen durchzusetzen. Vis zu einem gewissen Grad gelang es damals auch, die Heft tige Abneigung und das Mißtrauen der jüdischen Vevöl-. «kermig gegenüber den Werbungen für Arbeit in Deutschland zu überwinden. ■ -- Fortsetzung folgt. 1

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