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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-29 · Heft 1959 (29.7.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1959 (29.7.1924)
Date
1924-07-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 'IE' Mm, Menstag . Wiener Morgenzettuns. '“ 29. IM 1924 * : 'T‘ Gert« S «r I F 6 *M ■••'• *>;■•' HB IXTTC H E N Auch zutn Reinigen Ihrer Kinderkleidriten und -Jäckchen ist das geeignetste Mittel LUX. Gewöhnliche Seife und Waschmittel greifen die Wollfaser an, und zwar schon deshalb, weil eine Reinigungswirkung nur durch Reiben erzielt wird., Der weiche LUX-Schaum zieht den Schmutz aus den Fasern heraus, ohne diese zu verletzen. Drücken Sie die zu reinigenden Kleidungsstücke in dem lauwarmen, Schaum mit Vorsicht hin und her, spülen Sie im lauwarmen Wasser gut nach, und breiten Sie die Stücke flach gelegt zum Trocknen aus. Man hänge die Stücke zum Trocknen nie auf, da sie sich sonst verziehen. LUX ist wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. r o ij , ■ «/: '•/j o. ' V» itii Sie Raffentheorie im NatmMorkschen Museum. Wie ^errchtet, wurde den Halkenkreuzlern Miede die änthropologisch-ethnographische Mte.ilu.ng des Na!>uchistovischenMuseums, die bisher der Direktor Dr. Joses Bayer leitete, in drei von einander getrennte Sektionen geteilt. Die Rassenschützler .wollten durch diese Zerreißung der Sammlungen an Dr. Bayer Rache nehmen, weil er in das neugegründete Institut für Rassen- und Konstitutionsanthropologie den Anatomieprofessor Dr. Tandler, einen Juden, berufen hatte. Im Zuge der Erörterungen über diesen Fall wurde auch der Untervicht's.minlster Doktor Schneider von verschiedenen Seiten angegriffen. Nunmehr veröffentlicht die ^taatskorrefpondenz' einen ihr von amtlicher Seite zugemittelten Bericht, in dem sich das Unterrichtsministerium reinzuwafchen versucht. Die Verfügung des Ministeriums fuße — wie es in dieser Mitteilung heißt — auf sachlichen Erwägungen. Als die Sammlung im Jahre 1876 gegründet wurde, bildeten die in ihr zusammengefaßten D^iplinen, die Anthropologie, die Ethnographie, und die Prähistorie noch ein Ganzes, das von einem einzigen Forscher verwaltet werden konnte. Im Laufe der letzten Jahrzehnte seien aber diese drei Fächer zu gewaltigen Wissensgebieten angewachsen. Die Spezialisierung habe sich längst durchgefetzt und es bestehen getrennte Lehrstühle für Prähistorie einerseits und ' für Anthropologie und Ethnographie andererseits. Dieser Prozeß habe naturgemäß auch die wissenschaftlichen Sammlungsgebiete ergriffen. In den letzten Jahren .hatten sich in der -in Betracht kommenden Abteilung des Museums immer schärfere Schwierigkeiten geltend gemacht. Das Untevrichtsministerium habe die Wohlimenmng berufener Fachvertreter eingeholt und auf Grund des nahezu einstimmigen Votums dieser Beratung, die in Anwesenheit des Direktors Dr. Bayer vor sich ging, habe das Ministerium di« Selbständigkeit der prähistorischen und ethnographischen Sammlung — die anthropologische ist noch unbesetzt — verfügt. Dieser amtliche Reinwaschungsversuch geht natürlich am Kern der Sache vorbei und hält sich an das Gutachten jener Hakenkreuzler, die zufällig Lehrstühle inMhaben und aus ihren Assistenten und Dozenten, .die vermutlich auch ihre Eouleurbrüder sind, beamtete Sammlungsdirektoren machen und ihr Mütchen zugleich an Dr. Bayer,kühlen wollen. Dies beweist die Sonntagsnummer des Wiener Hakenkreuzblättchens, das wie folgt aus der Schule schwätzt: „Dr. Bayer hat an der Universität einen persönlichen Gegner im ehemaligen Leiter der ethnographischen Museumsabteilung, 'im Assyriologen Dr. Christian, der ihn seinerzeit einmal zum Duell gefordert v hat, und auch in Dr. Rock (einen Assistenten, der jetzt selbständiger Leiter einer Abteilung wird), der gegen Dr. Ba yer den Vorwurf des Mißbrauches seiner Amtsgewalt erhoben hat. Endlich denkt Dr. Bayer an persönliche >G e g ne rs chaft, weil er seinerzeit in das neu gegründete Institut für Rassen- und Konstitutionsanthropologie den sozialdemokratischen Juden Stadtrat Dr. Tandler berufen hat." Das also ist des Pudels Kern! UnterrichtSminister Dr. Schneider, dem gewiß der gute Glaube zugebilligt werden muß, ist eben der hakenkreuzler-ischen Maffia an der Universität aufgesessen. Erkühnen sich doch diese Afterwissenschaftler zu der Behauptung, daß die Beruf n n g T a n d le r s in das erwähnte Institut ein m e t h o d i s ch e r. w i s s e n s ch a f t l i ch e r Fehler gewesen sei, weil Tandler als Jude, obwohl er in der Frage des § 144 vor seiner Partei nicht kapituliert habe, v or seiner Rasse unbedingt d ie Wasfen st recken >w.e rde. Rassenkunde m us s e d i e Wissenschaft, wenn sie objektiv sein wolle, den Jude n e b e n s o versperren, wie etwa die Interpretation der reingermanischen Literatur." ' Demnächst Mrden diese Vertreter der teutonischen Afterwissenschaft vielleicht eine germanische Arithmethik- und eine arische Physik für sich vindizieren. Woraus aber schließlich doch nur das eine erhellt, 'daß diese Koterie von Rassenrernen alle Lehrstühle, alle Dozenten- und Assistentenstellen für die alten Herren ihrer Studentenverbindungen und für ihre Leibburschen Mit Beschlag belegen will. DaS Gedränge bei der geringen Anzahl dotierter Stellen schon jetzt sehr groß und die Zeit ist nicht sehr ferne, da der letzte Jude aus dem akademischen Betrieb verdrängt sein wird. Die alten Herren und LeiNburschen werden dann ganz unter sich sein und einander bald in den .Haaren liegen. Sie Brotpreiserhöhung. Der Brotpreis ist seit gestern für den Normallaib, das Extrabrot und die weißen Wecken um 100 K., das Kleingebäck um 20 K. erhöht, so daß der L a i b Brot 7 2 0 0 K., das Extrabrot 6400 K.. der weiße W e ck e n 3600 K. und das K l e i n g e b ä ck 6 2 0 K. kosten wird. Miitwoch soll die anaekündigte neuerliche Erhöbungum300 K. beschlossen werden, die am Montag den 4. August in Kraft tritt. Die Erhöhung wird mit den gesteigerten Getreidepreisen begründet. Es ist jedoch anzunehmen, daß zu dieser Erhöhung außer der Spekulation auf die Schätzung der angeblich so ungünstig sich gestaltenden Getreideernte auch die Befürchtung eines kommendenGetreidezolles beigetraaen hat, die sich hoffentlich nunmehr als unbegründet herausgestellt hat. Rowosadismur. In der „Deutschen Arbeiter-Presse", dem Wochenblatte der österreichischen Hitler-Leute, finden wir die folgende A nkünd i g u n g, die wahrscheinlich dazu dienen soll, das Gerede vom Terrorismus der Hakenkreuzler zu widerlegen: . . Dieses Hochverräterblatt (gemeint ist die „Wiener ° Morgenzeitung"), Lessen Anhängern der Aufzug am Sonntag mit dem Zionsstern ohnvweiters gestattet war — in Hinkunft w e r d e n wir uns d u r ch j e d e n Zions ste r n und durch jeden Zionssternträger provoziert fühlen — dieses Blatt und dessen Schriftleiter werden in Wien, 2. Bez., Taborstraße 1—3, noch weiter geduldet." An einer anderen Stelle wird über eine Münchener Hitler-Versammlung berichtet. Landtagsabgeordneter Streicher sprach über „Hitler-Treue" und stellte (wörtlich zitiert!) „am Schlüsse seiner Ausführungen eilten Vergleich an mit der messianischen Idee, den Verfolgungen des Messias durch die Juden und der heutigen Verfolgung der nationalsozialistischen und deutschvölkischen Idee durch den jüdischen Marxismus und Bedrückergeist. Großer, stürmischer, langanhaltender Beifall folgte auf feine Ausführungen. Das Niederländische Dankgebet endete die Versammlung." Streik der Angestellten der Krankenfstrsorge» anstalt der Gemeinde Wien. Die Angestellten der Krankenfürsorgeanstalt der Wiener, städtischen Angestellten und Bediensteten traten heute früh in den Streik. Bor mehreren Monaten überreichte der Reichsverein der Angestellten der sozialen Versicherungsinstitute der Leitung der städtischen Krankenfürsorgeanstalt die Forderung, der Gehaltsregulierung nach dem Gehaltsschema der sozialen Versicherungsinstitute. Diese Forderung, die kürzlich wiederholt und bis zum 25. d. befristet wurde, blieb ohne Erfolg. Um nur zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen, hielt der Reichsverein gestern eine Versammlung ab, zu der sich außer den Angestellten der städtischen Anstalt die Angestellten fast aller Sozialversicherungsinstitute Wiens eingeftmden haften. Der Vorsitzende erklärte, die Angestelltenschaft der sozialen Versicherungsinstitute werde es nicht zulassen, daß die Wiener städtischen Angestellten der Krankenfürsorgeanstalt schlechter entlohnt werden als die. anderen Angestellten der sozialen Versicherungsinstitute. Nach einem eingehenden Referate des Obmannes Petersilka, der darauf hinwies, daß man mit allen möglichen Mitteln und Intrigen die Angestellten zu bewegen versuche, ihre Uebernahme in den Gemeindedienst anzustreben, dessen Gehaltsschema viel ungünstiger sei als das der Versicherungsinstitute, entspann sich eine lebhafte Debatte, in welcher, die Leitung der Anstalt einer scharfen und sehr abfälligen Kritik unterzogen wurde. Zum Schlüsse wurde einstimmig eine R esolution angenommen, in welcher erklärt wird, daß die dem Reichsverein angehörigen Angestellten der Krankenfürsorgeanstalt der Stadt Wien Dienstag früh in den Streik zu .treten haben. Der Versamluug, heißt' es weiter, »versichert den Streikenden vollste Solidarität und verpflichtet sich, falls es notwendig werden sollte, in den •' Solidaritätsstreik zu treten Ser Brand des „SIymv?a"-Barieter. Der Zirkusdirektor als Brandleger. Der Brand, dem gestern nachts, wie gemeldet, das große Zirkusvariete „Olympia" zum» Opfer gefallen ist, wird nach dem Polizeibericht auf Brandlegung zurüügesührt. Der Verdacht, diesen Brand gelegt zu haben, richtet ich gegen den früheren. Konzessionär der Direktion Martin Heinz, der finanziell abgefunden war, und erklärt hatte, keine Forderungen an die nunmehrige Direktion zu stellen. Trotzdem verlangte er Sonntag neuerlich Geld. Das Unternehmen war von der Gemeinde mit 1. August gekündigt worden, was Heinz mit großer Freude überall erzählte. Nun war ein Verlängerungsgesuch eingereicht worden, das Aussicht auf günstige Erledigung hatte. Heinz soll zu einem Feuerwehrmann gesagt haben: „Die Bude stecke ich noch einmal an allen vier Ecken an." Zwei Nachtwächter des Zirkus waren in den Verdacht geraten, an der Brandlegung beteiligt zu sein, doch haben sie ihre Unschuld nachgewiesen. Die Arena selbst ist gegen Feuer auf 8 0 0 M i l l i o n e n, das Inventar aus 120 Millionen versichert. Sar Wetter. Die Wetterlage hat sich gebessert. Es wird vorwieg-'.'.^ heiteres undwärmereSW etter angekundrgt, lden Nordalpen allerdings mit späterer Trübung. ' Wien, 29. Juli. * Leichenbegängnis. Aus dem neuen jüdischen Friedhof hat gestern vormittags das Leichenlbegänignis des im Alter von ' 19 Jahren verstorbenen Theodor Schallt, Sohn des Vorstandsmitgliedes der Kubtusgemeinde und gewesenen Vizepräsidenten des Zionistischen Laudeskomitees, Dr. Isidor Schal.it, stattgesinnden Zu der Feier hatte sich ein zahlreiches Publikum eingchunlden. Die Kultusgemeinde war durch den Präsidenten Professor Dr. Pick vertreten. Die in Wien weilenden Mit-. Melder der VeMnduW ,-Kadimah" waren unter Führung des , Vorsitzenden des Älte Herren-Werlbandes Dr. Wassermann vollzählig erschienen, alle zionistischen Verbände hatten Vertreter entsendet. * Der Wettbewerb für Tempelban Hietzing. Wie wir vorn Tempelverein für den 13. Bezirk erfahren, find 48 Projekte zu diesem Wettböwerbe einigelansen. Da die meisten Mitglieder der Jury derzeit verreist find, wi-rid die Entscheidung, erst Ende September d. I. erfolgen. * Die Selbstwehr. Die dieswöchige Nummer der Prager ,/SeWftwchr" enthält: Die Arbeiterbewegung in Palästina; Die Nationalitäteiipolitik der Sowjets und die Juden; Die - Mchecho-flowakische Blau-We>iß-Stedlung; Die Darstellung des . bürgerlichen Rechtes in Palästina. Feuilleton: Der entfesselte Schulrat von Sammy Gronemann; Nachrichten aus dem In-, Auslände und Palästina; Aus der jüdischen Welt; Gemeindeberichte; Frauen- und Sportzeitung. Erhältlich bei A. Goldschmied, Wien, 1. Bez, Wollzeile 1. * Besorgung vn Patzvisa nach allen Ländern. übernimmt das Bureau des Norddeutschen Lloyds- Wien, 1. Bez., Kärntnerring 13. Rascheste Durch- > führung. (Entgeltlich.) * Die erste türkische Aerztin. Frau Dr. Sasieh Ali, die türkische Pionierin für die Befreiung der Frau und der erste weibliche Arzt in der Türkei, weilt zurzeit in London, wo sie als Delegierte am Internationalen Kongreß der Aerztinnen teilnimmt. „Ich bin der Pionier der weiblichen Aerzre in der Türkei", erklärte sie einem Berichterstatter, „und manchmal wünsche ich, ich wäre es nicht. Mich tröstet indessen der Gedanke, daß ich nicht lange allein sein werde, und daß sich mir rudere Damen zugeselleu werden, die meinem Beispiel gefolgt sind. Eine studiert bereits hier in London und zwei andere hospitieren in deutschen Krankenhäusern. In Konstantinopel ist Arbeit genug für eine unbegrenzte Zahl von uns." * „Eine Reise durch Erez Israel im Jahre 1923", der Palästinaftlm des Keren Kaseimokh l'Jsrael (Jüdischer Nationaffonds). Auiffühmug in -Baden am Montag den 4. August tm Doblyofpark-Kino. * Das jüdische Waisenhaus in Konstantinopel abgebrannt. Aus Konstantinopel meldet I. T. A.: Das 'jüdisch: Waisenhaus ist durch einen Brand zerstört worden. 200-Waisenkinder, die im Institut Unterkunft gefunlden hatten, sind obdachlose Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Lage der Kinder 'P Verzweiselt, da die Gemeinde geger^wärtig nicht das nötige 'Kapital besitzt, das Waisenhaus wielder aufzolbäuen. * Das erste Rindvieh im Flugzeug. Der „Maiin" be richtet, daß aufder Lnftverkehrsstrecke Paris—Rotterdan kürzlich ein Zuchtbulle im Flugzeug befördert worden ist - Illach dem schon früher erfolgten Transport eines Renn j .’ferbcS werden derartige fliegende Archen bald keine Sen 1 sation mehr darstellen.

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