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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-27 · Heft 1957 (27.7.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1957 (27.7.1924)
Date
1924-07-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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’ Seite 6 Sfiftbctt, Sonntag Weinende Schakale. Eine Wiistenlegende von Moses Schifsris. Breit und weit hingestreckt liegt die Wüste Rapa. Oben blauer Himmel und unten zieht sich die lange Strecke grauer Sanderde hin. Die blaue Meerzunge, die irgendwo längs des sandigen Users sich hinschlängelt, wird von hohen, viele Meilen langen Sandbergen verstellt, die nicht lange auf einem Platze ruhen. So, oft der Wüstensturm über die Berge heult, ändern sie ihre Gestalt, Die runden Berge werden spitz und die einen spitzen Gipfel hatten, werden flach. Es sieht aus, wie wenn ein großer genialer Bildhauer ein riesiges Kunstwerk mit schwerer Gedankenarbeit gemeißelt und dann, enttäuscht über sein. eigenes Werk, es mit einer wuchtigen Handbewegung zerstört und eine neue Arbeit begonnen hätte. Doch eine solche Riesenarbeit vermag nur eine göttliche Hand zu schaffen. Da und dort im endlosen Grau, im Schatten der Sandberge, .liegen zerstreut Zelte, von Beduinen. Viereckige Zelte, das eine weit entfernt, vom anderen. Drei Wände mit einem Dach aus Machend und Ziegenwolle, tzprne eine Oeffnung, die mit einem farbigen Tuch verhängt ist. Rings herum Stille, wie wenn hier das All in das große Geheimnis des Vorabends der Wclterschaffung versunken wäre. Zwischen den Zelten, am Fuße des größten Berges, halb in Sand versunken, steht elend, einsam, ein kleines, ärmliches Zelt. Man nennt es das Zelt Ibrahims und noch keiner außer Ibrahim hat den Fuß über die Schwelle dieses Zeltes gesetzt. Die umliegenden Zelte stehen noch nicht, lange hier. Die Beduinen bleiben eine Zeitlang auf einem Ort und wandern dann weiter. Neue Wanderer kommen an und ziehen wieder fort. Kommen zurück und wandern weiter. Ihr Blut verträgt es nicht, lange auf einem Ort zu verweilen. Nur das Zelt des Ibrahim steht schon hier seit Jahren und Jahren. Und Ibrahim hat schon die ganze Rapawüste der Länge und der Breite nach durchwandert. Heber diesen sonderbaren Ibrahim erzählen die Beduinen die folgende Geschichte: Bor vielen Jahren wohnte hier in der. Wüste Jsalim der Geizige und dieser hatte eine Tochter Rachama. Rachamä war schlank wie die Palme, hatte zwei Augen, feurig wie der Sand der Wüste, zwei Reihen Zähne, weiß wie Elfenbein und zwei lange schwarze Zöpfe, die über ihre Schultern fielen wie zwei breite, mit Silberfäden durchwobene Seidengeflechte. In derselben Gegend wohnte auch Aba-al-Salim, eine gebrochener Greis mit zitternden Händen, rinnenden Augen, und einem abstoßenden rötlichen Bart. . Aber dafür besaß er unzählige Kamele und Rinder, viele Trageseln und Pferde und eine ganze Menge Topfe, angefüllt mit türkischen goldenen Pfunden, die er unter seinem Zelt vergraben hielt. Und der greise Aba-al-Salim ging zu Jsalim und die Partie wurde abgeschlossen. Rachama und ihre Freundinnen weinten sieben Tage und sieben Nächte, und weinend, ihre jungen Jahre beklagend, zog Rachama in das Zelt Aba-al-Salims. In der Nähe wohnte auch ein armer Jüngling, Ibrahim; gleich Rachama schlank wie eine Palme. Er besaß nichts als seine brennende, heimliche Liebe und seine unbändige Sehnsucht, Rachama in sein Zelt zu bringen, mit ihr auf seinem einzigen Rappen durch die Wüste'zu reiten und mit ihr Allah und seinem Propheten Mahomed zu loben. ° In Wirklichkeit jedoch behielt Ibrahim seine Liebe im Herzen und Aba-al-Salim eine Rachama in seinem Zelt. Ibrahim sprach mit niemandem. über seine Liebe zu Rachama. , Aber wenn die Nacht hereinbrach, kam über ihn furchtbares Weinen und die Klagen seines Herzens vermengten, sich mit dem Wehklagen der Schakale/ Und einmal drang Ibrahims Weinen bis an das Zelt, wo Rachama ihre Jugend, betrauerte. Und das Weh? klagen Ibrahims drang tief in ihr Herz hinein und. .die Geliebte verstand den Geliebten. So oft nächtens die Schakale weinen,, fahren die Frauen in den Zelten erschreckt empor. Nur Rachama fühlte die Freude in ihrem Herzen, das aufjauchzte, so oft sie dieses nächtliche Weinen hörte. Und Rachama wußte und fühlte es, daß unter den Schakalen Ibrahim ein Schakal ist, der in Liebe entbrannt, mit glühendem Atem ihr entgegenschmachtet. Und wenn Rachama des Nachts das Weinen der Schakale hörte, wand sie sich wie eine Schlange fort von der Seite Aba-al-Salims und stahl sich geräuschlos aus. dem Zelt hinaus. Und der Alte in seinem tiefen Schlaf hörte Nichts Und spürte nichts. Nur die stille geheimnisvolle Nacht hat alles gesehen und zitternd alles verdeckt und verschlossen mit siebenmal sieben Schlössern. Und wenn bei Morgendämmerung am Horizont ein schmaler Silberstreifen kündete, daß die verschwiegene Nacht zu Ende sei, nahmen sie mit beißen Küssen Abschied von einander und Rachama schlich sich wieder unbemerkt in ihr Zelt zurück. Kommt dann die Zeit, da die Weintrauben und Mandeln bereits auf den Märkten liegen und die Schakale wild vor Hunger sind, dann wehe dem, der ihnen unbewaffnet in den Weg tritt. In solcher Zeit war es. Wild, von Hunger getrieben, rasten die Schakale durch die Wüste, mit flammendeü, wilden Augen jeden Winkel absuchcnd nach etwas, was ihren Hunger stillen könnte. V MW' Wiener Morgenzeitung. 27. Juli 1924 Nr. 1957 Es war eine Nacht von tiefer Bangigkeit. Als die ersten Sterne am Himmel erschienen, wurde wieder.jenes Weinen voll brennender Leidenschaft hörbar. RachamaS. Herz hüpfte vor Freude. Schon fühlte sic sich Ibrahims nahe. Und wieder schlich sie sich aus dem Zelt und ging in die Richtung, woher der Ruf des weinenden Schakals; zu ihr gedrungen war. Aber kaum war sie aus dem Zel^ getreten, sprang ihr ein Schakal mit seinen scharfen Zäh- '< nen an den Hals^ und stillte seinen Hunger . . . ' Der alte Aba-al-Saliin beklagte seine Zeitgenossin während des Tages und die Klageweiber halfen mit. Aber Ibrahim beklagte sein Lieb in stiller Verborgenheit, allnächtlich, wenn die Dunkelheit hereinbricht, und sein Weinen und Wehklagen vermengt sich mit dem wetnenden Geheul der hungrigen Schakale ... Kn halbes Jahrhundert Weltpostverein. (Anläßlich der Stockholmer Augusttagung des 8. Weltpostkongtesfes.),; Nachdruck verboten. Das Tätigkeitsgebiet des modernen Postwesens war im Laufe der-Zeit infolge der Wirksamkeit derer von Thurn und Taxis und der Einführung des Hill schen Pennhpörtos (18-40) immer ausgedehnter geworden. Sein Umfang war längst ein so großer, daß der Boden.für die Schaffung eines ,'Allgemeinen Postvereickes" gehörig vorbereitet schien, als dessen Grundgedanke auftanchte — zum ersten Male 1859 als Anregung des dänischen Postmeisters Josef Michaelsen und nachher allen Ernstes in einer 1808 verfaßten Denkschrift des so berühmt gewordenen deutschen „Postbismarck" Heinrich v. Stephan. Auf Grund dieses denkwürdigen Schriftstückes, welches die Grundlagen und Hauptaufgaben einer solchen Schöpfung andeutete, setzte' sich der Norddeutsche Bund, der Vorläufer des Deutschen Reiches, mit mehreren der bedeutendsten Staaten in Verbindung, doch brachte der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges die Unterhandlungen auf lange hinaus zum Stillstand. Erst Mitte September 1874 konnte in BerV bcr von v. Stephan vorgeschlagene Postkongreß zusammentreten, der einen „Allgemeinen Postvereinsvertrag" zuwege brachte zwischen zunächst 2 2 Ländern mit rund 550 Millionen Einwohnern, darunter ganz Europa,' die Vereinigten Staaten, sowie ein großer Teil von Asien und Afrika. Dieser erste Vertrag blieb noch ans die sogenannte „Briefpost" beschränkt (Briefe, Karten, Drucksachen, Warenmuster, Geschäftspapiere); späteren Kongressen blieb es Vorbehalten,. die Pccketpost und die mannigfachen Geldgeschäfte in. den Kreis der internationalen Vereinbarungen: zu ziehen. Der treibende Beweggrund der Errichtung eines einheitlichen. weltumspannenden Postorganismus war das Streben.des -modernen Zeitgeistes nach Beseitigung der eben* so veriwirverchen.wie vevkehrshemmenden Mannigfaltigkeit der Mnzelverträge im allgemeinen, der Portosätze, Transitgeldet, Pörtoverteilungsgxundfätze usw. rm besonderen. Waren schon die Jnlandtavist bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Regel Von verblüsseuder Höhe und Unklarheit, wie erst die zwischenstaatlichen Tarife. Die nackteste, aber auch kurzsichtigste Selbstsucht bildete überall die einzige Richtschnur bei Aufstellung der uns heute oft erstaunlich anmutenden Bestimmungen über die Beschaffenheit, Bezahlung und Behandlung von Postsendungen. Mit der Entwicklung der Verkehrsmittel wurden die PostvechMnisse mit wenigen Ausnahmen immer unerquicklicher und unhaltbarer, so. daß sich Neugestaltungen als immer dringlicher erwiesen. So war denn die Zeit reis für eine Schöpfung wie der Weltposwerein. Dieser trat am 1. Juli 1876 der Hauptsache nach auf folgenden Grmtdlagen ins Leben: Zusammenschlich aller Vereinsländer zu einem einzigen Postgebiet ohne jede politische Grenze. Freiheit des Durchzugsverkchrs. Festsetzung gleichmäßiger und sehr niedriger See- und Landtrausitgebühcen. Völlige Vereinheitlichung und weitgehende Verbilligung der Tarifsätze. Aufhebung der Teilung und Verrechnung der Porti zwischen den Staaten. (Jeder Aufga'bestaat behält das ganze Porto für sich.) Planmäßige Regelung der Haftpflicht für verlorene Sendungen. Errichtung eines Zentralbureaus mit dem Sitz in Bern. („Internationales.Weltpostamt.") Auf diesen Grundlagen hat sich seither der Weltposwerein in natürlicher organischer Fortbildung zu seiner jetzigen Großartigkeit ausgestaltet. Gegenwärtig umfaßt er so. ziemlich das ganze Erdreich.. Die Entwicklung von Poftkongreß zu Postkongreß vor dem Kriege — alle fünf bis acht Jahre einer — war eine sehr rasche sowohl hinsichtlich des Beitrittes neuer Mitglieder' als auch bis 1910 bezüglich der Einführung neuer Geschäftszweige, Verkchrserlcichterungen und Tarifermäßigungen. Der zweite Kongreß fand in Paris statt, der dritte ' in Lissabon, der v:?rte in Wien, der fünfte in Washington, /der sechste im Jahre 1990 in Rinn, der siebente infolge des Krieges erst 1920 in Madrid. Nach Rom blieb-.'n nur noch weinte wichtige Reformen zu vollziehen, iusüefo:r)ere die Mslige Unentgeltlichkeit des Durchgangsverkehrs das Weltvennyporto. Dem Madrider Kongreß lagen überdies nuhnach Anträge aut Herabsetzung der Sätze für Briefe auf 10 Centimes für je 20’ Gramm (int Verkehr Großbritaunicns mit feinen fämtlchien Kolonien und mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika war das Pennyporto längst eingeführt), für Karten auf 5 Centimes vor. Aber nach dem Kriege wuchs von verschiedenen Bereinsländern die.,Erhöhung auf 40 bis 60, bezw. 20 bis 25 Centimes.beantragt und für das Einschreiben auf 50 Centimes. Vergeblich, erklärten sich mehrere Verernsstaaten gegen die geplanten Gebührenechöhungen; der Gesamtverband der britischen Friedensvereine ersuchte beit Kongreß in einer.Denkschrift, „jede Erhöhung der Tarifsätze als ein ernstes Fortschrittshemmnis zu betrachten, welches sich nicht durch lediglich fiskalische EMvägnpgen rechtfertigen ließe" Leider war von vornherein sehr geringe Aussicht vorhanden daß in Madrid die Vernunft siegen werde, und sie ist bekanntlich unterlegen, am schwersten in der Schweiz. Auch mit bei .Neuregelung des Paket-, Mandat- und Zeitungsabonnenten' Verkehres sowie der Transitgebühren mutzte sich der Madrids; Kongreß befassen, natürlich auch mit dem jungen Luft postwesen. Mit dem letzteren wird sich der Stockholmer K o n> greß, der.im August stattfindet, erst recht zu beschäftige« haben. Sein Hauptaugenmerk wird allerdings auf die Her. absetzung und Wiedervereinheitlichung bei Frankosätze gerichtet sein; doch sind von ihm auch nock andere nützliche Reformen zu erwarten. Der Stockholmer Kongreß wird der größte aller bisherigen Postkongresse sein. Et umfaßt über 70 Staaten und wird wahischeinlich drei bis vier Wochen dauern. Unter dem Walten der Grundsätze des Weltpostvereine; sind selbstverständlich nicht nur seine qualitativen, sonder« auch noch viel mehr seine quantitativen Leistungen gestiegen Die Ziffern sind geradezu staunenerregend. Nach der statt, stijchen Zusammenstellung des Umsatzes des Weltpostvereine; im internationalen Auslandsverkehr stieg die Zahl der Briefpostsendungen (Briese, Karten, Drucksachett, Warenmuster, Geschäftspapiere) von 144 Millionen im Jahre 187L aus 2400 Millionen im Jahre 1922, die der Bcreinsländer vor 15 auf 100, die dergewöhnlichen Postpakete von’ 4,75 auf 8k Millionen (1913 waren es aber bereits 64,75 Millionen Stück), die der Wertbriefe und Wertschachteln von 085.000 auf 3,2k Millionen (1913 schon mchr als 4,5 Millionen Stück), die der Postanweisungen von 918.000 auf 14,5 Millionen (ein stärket Rückgang übrigens infolge des Krieges, denn vor diesem wai der Verkehr schon auf weit über 34 Millionen Anweisungen gestiegen). Der Weltposwerein ist entschieden eine der großartigsten Erscheinungen unseres Kulturlebens, eine der imposantesten Errutlgenschaften des internationalen Fortschrittes. Durch di» Beseitigung der nationalen Schranken, durch die Verbindung fast der ganzen Code zu einer einzigen Gemeinschaft erlangt dieser Organismus die vorbildliche und symptomatische Bedeutung eines hervorragenden Friedensföcherungswerkes, welches beim Wiederaufbau der Weltwirtschaft eine ungcheure Rolle spielen wird. Leopold Kätscher (Jnterlaken). Die Anfichttksrte. Von Egon Dietrichstein, Wien. „Die-Ansichtskarte ist die kleine Münze der Volkskunst." Peter Altenberg. Wir verabschieden uns von einer Freundin, die. uns durch die beste, schönste Zeit des paradiesischen Friedens geleitete. Sie ging mit uns auf die Reise, in ihrer Gesellschaft vet> brachten wir die Rast in einsamen Höhengasthöfen, in ihrer Anwesenheit die Sonntagsausflüge. Die satisarbigeu oder hellbraunetr Photographien im handlichsten Taschenformat servierte die Kellnerin jeder' Erholungsstation mit dem Touristen-, imbiß, sic leuchteten aus den Papierwürenhandlungen, lugen, auf den: Bahnhofbüsett mit Reiselektüre, auf den Gasthaustischen der Bahnhofrestaurationen, wo sie-rasch, während eines Aufenthaltes von wenigen Minuten beim Umsteigen, zwischen zwei Zügen, mit eiligem Bleistiftgekritzel bis an den Rand vollgeschrieben wuchcn, ohne das Bild zu schonen. Bis in den blauen Himmel hinauf, der stets in romantischer Pracht über die Rciselandschaften der Ansichtskarten leuchtete, stiegen jene herzlichsten Grüße, jene humoristischen und satirischen Ergüsse der Sehnsucht, jene stilistisch anspruchslosen, harmlosen und inhaltslosen Nichtigkeiten, welche die Ansichtskartenkorrespondenz so schwungvoll und üppig entfaltete, im blauen Meer schwammen die poetischen Gelegenheitsverse, sie überdeckten die grünen Papierwiesen und zerschnitten den Schnee der Papieralpen. Diese heute nicht mchr ganz begreifliche sehnsüchtige Eile der Reisemenschen, Verwandten und Freunden die Landschaftsbilder ihres eben gegenwärtigen Standotres zu zeigen, hat nicht nur die Postiarife, sondern sicherlich auch den Fremdenverkehr gehoben. Es waren eigentlich lauter Propagandamittel für Reisetouren und Wanderfahrten, die da kreuz und. quer, in alle Weltgegenden, durch die Poswerbindungen der Erde gingen, eine Reisereklame, vielfach auch ein Reiseersatz, der sich freilich zum wirklichen! Genüsse etwa verhielt wie da-. Studium des Kursbuches zur Benützung der Eisenbahn. Man braucht wahrhaftig keine statistischen Behelfe nach-, zulesen, um eine bösartige Erkrankung, eine Krise der ganzen Ansichtskartenproduktion und ihres Absatzes festzusteüen. Das Postporto Deutschlands und Deuschösterreichs hat freilich den. Schutz und Schirm protegierender Maßnahmen auch im Sturm der Erhöhungen über die Ansichtskarten gehalten. Es wurden. Ausnahmsbestimmungen konzediert — was jedoch den Rückgang dieses Papierkonsmns von Landschaftsbildern nicht gehindert hat und nicht hindern wird. Die Vergnügungsreisen haben so gut wie aufgehört, wenn man von der Sommererholung äbsieht, touristische Ausflüge entwickeln sich nur in einem reduzierten Ausmaß und der Geschäftsreisende, der heute den Luxus- und Saisonfahrer ersetzt, kann als Kundschaft der Ansichtskartenindustrie nicht in Betracht, kommen. Der Berg-, Lederhosen- und Gamsbartfex, der in seinem Rucksack als Wegzehrung ein Paket Ansichtskarten mitschleppt und, wie die Kartenaufschlägerin, 300 Meter über dem Meeresspiegel ausbreitet, ist die charakteristische Figur von vorgestern. Mit den Komplikationen des Reiseverkehres setzen die graphischen Schwierigkeiten der Ueberbringerin unserer Reisegrttße gefährlich zu: „Der Dreifarbendruck, der die Land-, schüft so naturgetreu koloriert, ist eine mit den Finessen neuer Reproduktionskunst arbeitende Technik, die heute von schweren' Hindernissen.belastet wird. Das Schicksal der Ansichtskarte ist von Papiererzeugung, von' Papierpreisen abhängig und dieses Schicksal ist schon aus diesem Grunde kein rosiges.. Die Ansichtskarte wird also von einer Todeskrankheit befallen, ohne eine besondere lange Jahresreihe durchmessen zu haben. .Sie ist Made in Gerrnantz", ein Produkt deutscher /

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