Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1957 (27.7.1924)
- Date
- 1924-07-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wt. IM Mett, SEkatz ntbrannter Krieg weiter brennt durch Generationen und Seiten, wie er alles zerstört, was groß und heilig ist in Mer Seele — und letzte Verzweiflung und ernster Mut Herden uns die Kraft verleihen, eine Welt von Teufeln >u besiegen, den Krieg auf ewig zu vernichten, so das; er jtte wieder entstehen kann. Eine Welt, in der Einstein lebt, der die Menschen aus der Enge der sinnlichen schränken befreit hat und Beziehungen denkbar macht, die jeder Vorstellbarkeit spotten, die darf den Krieg unter den Menschen nicht weiter Protegieren, die kennt nur i i«c Beziehung zwischen den Menschen, die der Menschlichkeit. Die Demonstration des Verbandes „Nie wieder Krieg". Anläßlich des zehnten Jahrestages der ersten Kriegserklärung veranstaltete der Verband „Nie wieder Krieg", dem IS Friedensvereine angeschlossen sind, eine unpolitische Volksknndgebung, die gestern abends in der Volkshalle des Rathauses stattfand. Unter den 16 Vereinen befanden sich der Landesverband Men der Kriegsinvaliden und Kriegshinterbliebenen, die Ossterreichische Friedensgesellschast^ die Bereitschaft, der Bund herrschaftsloser Sozialisten, die Freidenker, der Bund der Kriegsdienstgegner Oesterreichs und der Tolstoi- Mnd. .Der große Raum der Volkshalle war bis aus das letzte Plätzchen besetzt. Man sch größtenteils Arbeiter und Angehörige des intellektuellen Mittelstandes. Unzählige Standarten, Fahnen und Abzeichen trugen die Inschrift „Nie wieder Krieg". Es waren zahlreiche Jugendliche, anwesend, die durch ihr Erscheinen zeigten, daß sie mit jenen jungen Leuten, die noch immer in ihrer Verblendung des Soldatenspiels nicht müde sind, nichts -gemein haben wollen. Dies brachte auch ein Redner der Jugendgruppe der Kriegsdienstgegner zum Ausdruck. der die Eltern auss-orderte, ihre Kinder, wenn sie sich für hie hakenkrenzlerischen Spiele interessieren, Wer das Wahnwitzige dieses Vorhabens aufzuMren. Namens des Bundes der Kriegsdienstgegner Oesterreichs sprach Frau Olga M i s a r, die zur Propaganda der Tat gegen den Krieg -aufforderte. Auch hier in Oesterreich sei ein Mergisches Vorgchen notwendig, denn in unseren Fabriken werde Munition erzeugt, die ins Ausland gehe, mit der in vielleicht nicht allzu ferner Zeit unsere eigenen Brüder getötet werden können. Die Rednerin forderte auch zum stärksten Widerstand gegen die geplante Einführung der allgemeinen .Wehrpflicht in Form der Miliz auf. Angelo Carraro wandte sich gegen die Lügen vom heiligen und -gerechten Krieg, die uns ausgeschwatzt wurden. Für den Verein Bereitschaft'sprach Dr. Trebitsch. Auch er forderte in beredten Worten die Versammlungsteilnehmer auf, rm Falle eines Krieges den Gehorsam zu verweigern und gedachte derer, die. der Herrschsucht und dem Machtdünkel einiger weniger zum Qpser gefallen waren. Dr. John Metz überbvachte die Grüße der. amerikanischen Pazifisten. 'An die Versammlung, schloß sich ein Fackelzug, der sich Mer die Ringstraße bis zum Schwarzen'bergplatz -bewegte. Die Versammlung verlief in vollkommener Ruh«. Heute vormittags veranstalten -die Sozialdem okraten eine Massenkundgebung vor dem Rathause. Die Arjbeite-rschaft eines jeden Bezirkes wird in geschlossenen Zügen jjum Rathause marschieren. Auch die Invaliden werden sich M der Kundgebung beteiligen. Plünderer und AurgeMnderte. Bon Eugen Holly (Preßburg). Wiener Morgenzeltung. 87. Mi 192* Sie Mmofinta der LimgeneutzündilW ♦ ßitt neues > Wie berichtet, hat ein in Rom lebender Biologe, Dr. Alexander Tomarkin. ein neues Heilverfahren für Lungenentzündung (Pneumonie) und für die Entzündung der Lunge und der Luftwege (Bronchopneumonie) angegeben. Hierzu gehen uns aus Romnoch die folgenden Mitteilungen zu: . Die Geschichte der Slowakei, jenes Landes, das zuweilen ebenfalls als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erscheint, ist dieser Tage um ein merkwürdiges und inter- >efsanltes Kapitel reicher geworden. Bisher wußte man, daß es hier verschiedene, mannigfaltige Vereine, Bereinigungen und Korporationen gab. Aber das Neueste, was es auf diesem Gebiete, auf dem sich gesellige Menschen treffen, um Statuten oder lParagraphe zu konstruieren, gibt, nennt sich viel origineller wie alle übrigen gleichgearteten Kollegien, denn der neueste »Verein, die jüngste Organisation, die, der Genauigkeit halber' sei es gesagt, bei tausend legitimierte Mitglieder zählt, heißt Bereinigung der Aus geplünderten". Mit diesem Titel hat man sogleich den Wildwestgeschmack im Munde. .Man denkt an brennend^ Herrenhose, an verwüstete Häuser, an' russische Pogrome, an jammernde Greife und bedrängte Jungfrauen, an die heulenden Kolonnen der Flüchtlingsromantik. Alles, was Fantasie mit dem Worte „Plünderung" zu zeitigen vermag, steigt vor dem Auge der Erinnerung auf, drängt sich auf den offiziell klingenden verspießerten Schild: „Vereinigung der Ausgeplünderten". Also auch das gilbt es? ES gibt noch Menschen, die man plünderte, Leute, die man hör sechs Jahren, zur Zeit der düsteren Novembertage 1918, beraubte, bestcchl, ruinierte. Und diese Leute haben heute nach sechs Jahren noch immer die Kraft, sich zu organisieren, sich hrrauszuschälen aus dem Gros der anderen, der übrigen, die .verschont blieben, und sich ftei, offen, ohne Umschweife, als Bund der Aus geplünd erten einer staunenden Welt vorzustellen. Tatsächlich, es lohnt sich, jene fiebernden Tage der -Vergangenheit zu betrachten. Da türmt sich die lebendige Geschichte aus dem Datenmaterial dieser Körperschaft und die 'Wochen der Bedrängnis ziehen versengt von der Glut einer ^Unrühmlichen Epoche vorbei. > " Als die Plünderungen 1918 im ganzen Gebiete des Landes einsetzten, gab' es weder Telephon noch Tel e- .g r ap h. Nichts stand den Opfern einer raffiniert -organi--. sierten Bewegung zur Verfügung und die Mitwelt erfuhr »eigentlich nie, was sich in den kleinen Städten, einsamen Orischasten und Dörfern der Slowakei zutrug. Heute tveiß!mau mehr, aber noch nicht, alles. Man weiß beispielsweise, Daß die Fäden der Plünderungen und Pogrome in Luhac^v- Die Entdeckung besteht in der Anwendung eines neuen, von Tomarkin erfundenen und Herigestellten bakterientötenden Mittels, das den Namen „Antimicrobum" führt' und, in den menschlichen Köper eingeführt, die Bakterien, durch welche die genannten Krankheiten verursacht werden, radikal zerstört. Die Erfindung dieses Mittels ist das Resultat vieler Jahre mühevoller Arbeit, die Tomarkin, mit den größten Schwierigkeiten materirller und anderer Natur kämpfend, daran gewendet hat, jene Prinzipien der modernen Chemotherapie auf die Behandlung der genannten Krankheiten anzuwenden, welche die allgemeine Sterilisierung des menschlichen Körpers mit Hilfe spezieller bakterizider Mittel bezwecken, wobei man in der Herstellung dieser Mittel speziell ans die zerstörende Wirkung derselben auf die besonderen iy Frage kommenden Bakterien abzielt, ein. Prinzip, das sich insbesondere in der chemischen Therapie ' der luetischen Jnfektton erfolgreich erwiesen hat. Das neue Mittel wurde in der Universitätsklinik in Rom unter Kontrolle des Primarius Professor Nazari, Mitarbeiter des Professors Marchiafava, einer eingehenden Prüfung unterzogen und die Resultate in der „Revista Ospedaliera", einer der führenden italienischen Zeitschriften, zeigen, daß, während die Mortalität in jenen Fällen Pneumonie, in welchen „Antimicrobum" nicht angewendet wurde, 35 Prozent betrug (eine Ziffer, die ziemlich genau mit dem laut der Landesstatistik aller italienischen Spitäler sich ergeberrden Durchschnittsmortalitätsziffer von 35 Prozent gut übereinstimmt, die Mortalitcsisziffer in jenen Fällen, die mit „Antimicrobum" behandelt wurden, sich auf ettva 2 Prozent reduziert hat. Tat- Heilmittel. ächlich ist von 60 Patienten, die an Pneumonie und Broncho-Pnenmonie litten, nur ein einziger gcswrbell, alle anderen wurden gehest. Ferner hat auch die Militärverwaltung Versuche mit /Antimicrobum" in dem Militärspital von Nom durchgeführt, die ebenfalls vorzügliche Resultate erbracht. haben. Um die ungeheure Tragweite dieser Erfindung WÜr^gen zu können, muß man bedenken, daß von allen Todesfällen etwa 12 Prozent von Pneumonie verursacht werden. Die außerordentliche Tragweite der Tomarkurschen Erfindung hat bereits das Interesse weiter Kreise, erregt. In- Rom hat sich aus einer Anzahl Männer voll hoher gesellschaftlicher Stellung, die die eminente soziale Bedeutung der Erfindung erkannt haben, ein Komitee gebiloel, um die. Herstellung des neuen Heilmittels in großMdem Weltbedarf entsprechenden Maßstab vorzubereücn ^-nUr anderen nimmt an diesem Komitee auch der hervorragende Lungenspezialist Professor Dr. Sforza einen führenden Anteil. Es ist bezeichnend, daß der Erfindung nicht Mr von seiten der Aerzte aller Länder, sondern auch von seiten der Versicherungsgesellschaften ein sehr reges Interesse entgegengebracht wird, da cs für diese von außerordentlich großem Vorteil wäre, wellst durch die Anwendung des neuen Mittels die Sterblichk^itsziffer wegen Pneumonie und Broncho-Pneumome unter den Versicherten wesentlich verringert würde. Wie es heißt, sind derzeit Versuche TomärktNs rm Gange, die Prinzipien, die so offenbar erfolgreich in der Bekämpfung der genannten zwei Krankheiten angewende wurden, auch auf die Bekämpfting der Lungentuberkulose anznwenden. Die Ergebnisse dieser Versuche sind außerordentlich vielversprechend. Wie wir erfahren, wird der he^ vorragende jurrge Gelehrte recht bald in der Lage f6™' ouc9 die Resultate dieser Versuche zu publizieren, und man kann hoffen, daß seine Bestrebungen, diese schwere Plage des Menschengeschlechtes zu bekämpfen, von dem gleichen Erfolge begleitet werden. BERKEL-WAG£! ft# ft» 2IftÄB Bo 1 Million im Gebrauch Sie ist Erlösung und Wohltat für BeNäuser und Konsumcnien. Sie beschleunigt, kontrolliert, spart: und kostet nach 6 Wochen Gebrauch nichts l Jedem Wiener Geschäftsmann wird auf 8 Tage unverbindlich nnd gratis über Verlangen eine Wage zur Probe zur Verfügung gestellt BERKEL-Vertrieb, Wien, I. Biberstr. 9 wicz zufammenliefen. Dort gab es eine geheime Gesellschaft, die „slowakische Maffia", die die Flammen des Aufruhrs in der Slowakei enffachte. Von dort aus wurde das Land mit Agenten überschwemmt. Sie erschienen in jedem Hose, auf jedem Dorfe und. entfesselten die schlummernden rohen Elemente, die brutale Gewalt; verbitterte Heimkehrer, die den Mannlicher in Kleiderschränken verborgen hielten, wurden zu Hyänen, Holzhacker oder Waldhüter verkündeten den „Anbruch der Neuzeit" und schon sanfte der erste Stein gegen die Scheiben der Jud e n g ewö lb e, gegen die Fenster der .Reichen.-Was .Luhacsowicz berechnend ersann, wurde pünktlich ausgeführt, die Slowakei, ihre Täler nnd Mulden standen in Hellem Aufruhr, der triftigste Grund zur Besetzung der rebellierenden Landsttiche war gegeben. Am 2. November 1918, pünktlich zur selben Stunde, setzten die grandios organisierten Pogrome ein und am Morgen des dritten zogen tausende Flüchtlinge mittellos, heimatlos, beraubt, verprügelt, das blanke Entsetzen im Auge, irgend wobin in die Welt. Die" regulären Truppen rückten ihnen nach. Graf Karolyi in Budapest hatte das Spiel so gut wie verloren, denn im Waffenstillstandsvertrage, von F r a n ch e t d'E speray unterzeichnet, befand sich ein Punkt, laut welchem jeder unrichige Strich Land, jedes rebellierende Dorf besetzt werden konnte. Auch die ungarischen Gendarmen räumten das Feld, schritten auf Befehl weder gegen die Plündererbanden noch gegen die sengenden Horden vor. Ueberall, wo die Ordnung' hergestellt werden sollte, konstituierten sich später „Narodni Vybors", Vollzugsausschüsse, in deren Reihen gerade die bekanntesten Banditen saßen. Man verteilte Grund und Boden, Frucht Nnd Haustter, wies Familien ans, beschlagnahmte und reqmrierte, bis dann die fürchterliche, blutige Revolutionsoperette langsam zu Ende lief. Die Plünderer, die Banditen, die Anführer ducken fich heute. Aber die Ausgeplünderten, die Beraubten, die schommgslos Vertriebenen wachen auf. Sie klagen an und. f o rdern ihr Ha'b und Gut, ihren gestohlenen Besitz zurück. Kein Mensch versteht jedoch ihre Klagen. Wen interessiert es auch, was der oder jener einmal befaß? Man sagt: Revolution, winkt gleichgültig ab und denkt: Es war sinä Dr. Hoffbauers Entfettungstabletten von beBterWirkung, angenehmen Geschmack, vollständig unschädlich. Kein Diätzwang oder Aenderung der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahme Keine Schilddrüse m Kein Abführmittel einmal. Die Regierung selbst verschließt ihre sonst so membranischen Ohren und schützt gewissermaßen die Plünderer, die sich mit dem meuchlings ergatterten Gut: breit u»d sicher im neuerworbenen Besitz rekeln. Bettler, Holzfäller, Knechte wurden so zu behäbigen Bauern, zu reichen Unternehmern. Der Mannlicher vrrhalf ihnen zum Glück. Das Moratorium hilft.zum Bestand. Aber die Opfer der Pogrome sind jetzt vereinigt. Sie ■ haben das schematische Motto difstr bürgerlich-demokratischen Zeit begriffen: „Ohne Unterschied der Nationalität, des Glaubens, gleichgültig, vb Jude oder .Christ." So entstand dieser einzigartige Verein. Dieser Kegelklub einer Revolution. Diese triste Farce einer, geschichtlichen Zeit. Im Vorzimmer des Ministers werden Schnallen gebrückt. Man verspricht, man gelobt. Man versichert.. Aber nichts weiter geschieht. Die Hunderte geraubter Ptillionenwerte befinden sich auch jetzt im Besitz der „Revolutionäre". Sie sind es, die sich verbürgerlicht haben. Die Opfer hingegen haben sich nur verspießert. Sie besitzen zwar die Hoff""ng aus Vergütung. Sie haben die Erinnerung an eine geschichtliche Episode. Und sie haben einen Verein. Sonst haben sie ob«! nichts. Die Fnden in Turkestan nnd DnchM. Die Juden, die feit undenklichen Zeiten in Türke st a n und in Buchara leben, sollen aus Persien ein-Lstwandert sein, wohin sie zur Zeit des ersten Exils aus Palästina gekommen sein dürften. Ihre Sprache ist ein persischer Dialekt. Ihre Zahl berägt heute 100.000 Seelen. Die größten Gemeinden befinden sich in Samarka nb, T a s chkent, Buchara. Die Juden-dieser Gebiete beschäftigen sich meist mit Handwerk und Handel. Früher war dort der Wohlstand beträchtlich, aber seit der russischen Revolution wurde ihre Lage eine sehr prekäre. Der Handel liegt danieder, da auswärtige Verbindungen fehlen. . , Alte Traditionen fallen. Die jüdische Frau kämpft für ihr Recht, sich den Mann zu wählen, den sie will. Vvr kurzem fand eine Konferenz jüdischer Frauen statt, es wurden Resolutionen angenommen, die eine Gleichstellung der Frau im Gemeindeleben forderten. Bis *922 tvar Hebräisch die Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen, kn letzter Zeit wurden Persisch und Russisch eingefsihrt. Es herrscht Mangel an jüdischen Lehrern. In Samarkand wohnen 12.000 jüdische Seelen in einem besonderen -Viertel, das ,Maohne Israel" genannt wirb. Es existiert dort ein Arlbeiterklub, ein Theater mit h e b r ä:=> schem Repertoire, eine h e b r ä -i s ch e Z e i t ü n g, eine Bibliothek, ein Museum, 40 Synagogen sMie drei Schulen mit mit 600 Schülern. 1500 Kinder können aus Mangel an Schulen keine Erziehung erhalten. In T a s ch k e n t wurde unlängst ein jüdisches Lehrerseminar eröffnet, das von 150 Hörern besucht wird. In der Nähe von Taschkent wurde vor kurzem eine jüdische Kolonie gegründet, die den Namen des ersten jüdischen Dichters in Buchara, „Jesoha", führt. Die Lage der Juden in diesem Gebiet ist heute «me solche, daß, wenn die Isolierung von der übrigen Judettheit fort« dauert, ihre nationale Existettz vom Untergang bedroht ist. i - - - <3- T. & i'ii ilil;;•!. ) ‘ ■Vi iffaiSwi