Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1957 (27.7.1924)
- Date
- 1924-07-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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W' ' ' 'v »ry1' ■- * MV ^fwwtw w i > ■, v, «t^rr^j,f^y MW v-jHe8e H Wieu, Sonntag bin Jahrzehnt. Von S. Weisels. Vor hundert Jahren noch war es in kleinen Städten im fernen Osten beim Volke üblich, die Zeitrechnung von einem Tage an zu bestimmen, an 4>ent die Bevölkerung von irgend einem furchtbaren Elementarereignis heimgesucht wurde. Die mageren Begebenheiten des Kleinstadtlebens wurden gewissenhaft, in chronologischer Reihenfolge und in mündlicher Ueberlieferung, entweder von einer großen Feuersbrunst oder von einer verheerenden Ueberschwemmung oder von einer gräßlichen Epidemie, also regelmäßig von irgend einem flnheilstag an datiert. Aber nicht nur vor einem Jahrhundert und in kleinen Städten im fernen Osten, sofern auch noch vor viel kürzerer Zeit und in großen Städten des nahen Westens war diese Art der Zeitrechnung häufig der Brauch. Ich habe zum Beispiel in- Hamburg noch Leute aus dem Volke gekannt, die die Abfolge von Ereignissen und Begebenheiten nicht anders als von der Zeit der Cholera in Hamburg zu bestimmen wußten; das geschah zehn Jahre nach der Cholera, jenes ereignete sich fünf Jahre vor der Cholera. Also eine richtige, für Gefchichtszwecke durchaus verwendbare Chronologie mit dem dazu gehörigen „Vor" und „Nach" und der Cholerc^eit als ruhenden Schluß- und Anfangspunkt. Die Tage des Zornes und der Heimsuchung haben sich von jeher den Menschen tiefer ins Gedächtnis geprägt als die Tage des Glückes unü> der Freude. Deshalb haben die Menschen fast in allen Geschichtsepochen gerade das schreckhafte und schmerzliche Ereignis als Zeitpunkt gesetzt, van dem an sie chronologisch die Jahre zählten. Biele Aeren und Zyklen rm Altertum -wie im Mittelalter und selbst in der Neuzeit knüpfen an irgend ein unheilvolles Ereignis an. Wenn die alten Griechen von dem Untergänge Trojas, die Juden von der Zerstörung Jerusalems, die Christen in Alexandria von der Thronbesteigung des Diokletian, die Römer vom Regierungsantritt bald dieses 'bald jenes Tyrannen ihre Jahre zählen, so ist es fast das gleiche, wie wenn der Kleinstädter im Osten von der Zeit der großen Ueberschwemmung oder der großen Feuersbrunst oder der großen Epidemie an die Jahresfolge ckbgahlt. Nur dem Grade nach ist Zwischen diesen und jenen Ereignissen ein Unterschied vorhanden; im Grunde jedoch gleichen sie einander. Denn hier wie dort ist das unheilvolle Ereignis zugleich das merkwürdige, das im Gedächtnis hasten bleibt und das gewissermaßen von selbst zu einer Säule gefriert, mit der man die Zeiten mißt und die minder wichtigen Begebenheiten der ruhigen Jahre in geordnete Reihenfolge bringt. Wir Heutigen sind wahrlich keine KleinstÄter mehr und kennen weder Aeren noch Zyklen. Wir haben uns auf unsere alte Zeitrechnung festgelegt und kein noch so erschüttertes and furchtbares Ereignis vermag unserer Zeiten Ordnung zu verwirren. Wäre es anders und würden wir heute noch in Mchem Maße wie die Alten oder wie die Kleinstädter auf jedes Schreckliche und Furchtbare reagieren, so müßten wir in riesen Tagen den Atem anhalten und Rückschau halten in die nur halb verflossene, weil noch «spürbar nahe Vergangenheit. Denn in diesen Tagen wird sich ein Ring schließen und eine Dekade wird sich vollenden. Denkt man an den 27. Juli, vollends aber an den 1. August des Jahres 1914, und schreibt man die Jahreszahlen mit dem üblichen Gleichheitszeichen hin: „1914—1924", so erschauert man ein wenig. Ein Jahrzchnt ist um, ein volles Jahrzchnt. Obgleich wir seit einigen Jahggfeftfle Moimemeltitng. __ ren im Frieden oder, wie es gewöhnlich heißt, in der Nachkriegszeit leben, so kann 'man-denndch iw historischer Terminologie den Zeitraum 1914—1924 das Jahrzehnt' der Weltkriegs zeit nennen. Ohne Ankündigung und ohne Vorzeichen brachte uns das Jahr Neunzehnhundertvierzchn die große Schreckenszeit. Das : Jahr hatte, wie die Jahre vorher, im vollsten Frieden begonnen; doch plötzlich, ganz unversehens, brach wie ein Lawinensturz der Weltkrieg über die Menschheit herein. Das Jahr 1914 war der Anfang einer neuen Märtyrerä r a, wie sie kein Martyrologimn verzeichnet, der Eintritt einer gewaltigen Ueberschwemmung, derengleichen die Geschichte nicht kennt, der Beginn einer furchtbaren Feuersbrunst, wie sie die Welt noch nie gesehen. Es ist sicher, daß der Kleinstädter im Osten und der Mann aus dem Volke im Westen lange, lange Zeit, rückblickend und ausschauend, die Kette seiner Jahre und ihre Begebenheiten an diese Weltkatastrophe knüpfen wird. Er tut es vielleicht heute schon und wird es -dereinst als Großvater seinen Enkelkindern erzählen: Das und 'das ist fünf Jahre vor dem Weltkrieg passiert, das und das ha>1 sich zehn Jahre nach dem Weltkrieg ereignet, und so den Weltkrieg zum Termin einer neuen Zeitrechnung «rächen. Auch die Kalerchervermevle und die Geschichistafel-n wevden das Furchtbare dieses Zeitraumes künden, und die Propheten mit dem nach rückwärts gewandten Blick, die Romanschreiber der Zukunft, wevden in dicken Geschichtsbüchern über alle Einzelheiten dieser Schreckenszeit berichten. Alle diese Datensammler und Geschichtsschreiber werden Vas letzte Dezennium zwar nicht als den Anfang einer neuen Zeitrechnung, Wohl aber als einen neuen Zeitabschnitt in der Geschichte der Menschheit behandeln. Nur die Völker und Nationen werden darüber hinweggehen und dieses Jahrzehnt, wie jedes andere, in die chronologische Zeitabsolge einordnen. Und dieses leichte. Hinweggleiten über die Schwere der Jahre ist merkwürdig genug. Dies wird uns noch merkwürdiger erscheinen, wenn wir uns die Fülle der Ereignisse und Begebenheiten des letzten Jahrzchnts vergegenwärtigen. Groß und ereignisreich war die französische Revolution; und da sehen wir, wie deren Schöpfer (nach dem erwähnten Muster) den Faden der Geschichte an dieses Ereignis knüpfen: sie führen eine neue Zeitrechnung ein, sie schassen einen neuen Kalender. Zwölf Jahre lang hat die französische Revolution nach diesem republikanischen Kalender die Jahre gezählt, und alle Historiker stimmen darin uberein, daß die zwölf Jahre dieses republikanischen 'Kalenders mehr Denkwürdiges enthalten als irgend ein Jahrhundert der europäischen oder als zwölf Jahrhunderte der chinesischen Geschichte. Das , letzte Jahrzehnt aber ist an denkwürdigen Geschehnissen um ein Zehnfaches reicher als die zwölf Jahre des republikanischen Kalenders. Und dennoch wird die heutige Menschheit den Anfang dieses Jahrzehnts nicht als den Anfang einer neuen Zeitrechnung festsetzen. Die Menschen tun vielleicht gut daran, ihr Gedächtnis nicht allzu' sehr mit Erinnerungen an Unheilstage zu belasten. In der Tat hatten sich bie alten Völker und Nationen^ einer - Art von historischem Masochismus ergeben, wenn sie die Leiden und Qualen der Vergangenheit zum Maß der Zeit nahmen und sie durch Rückblicke immer wieder im Geiste durchlebten. Unser Geschlecht will nicht immer wieder die Erinnerung an die ungeheuerlichen Erlebnisse der vergangenen Tage selbstquälerisch Wachrusen und nicht an die Zeit der furchtbaren Katastrophe stets von neuem gemahnt sein. Und es ist vielleicht recht so. Denn nützlicher und tatfördernder als die Erinnerung an die Vergangenheit ist die Hoffnung auf die Zukunft. Kata trat bebend und hoffend in den Krämerladen. „Kausen Sie mir dieses Haar ab! Es hat meiner krankert Schwester gehört. Sie benötigt Arzneien und wir haben kein Geld. Kaufen Sie es aber sofort. Ich muß eilen. Ich habe sie allein gelassen." Der Krämer zuckte die Achseln; er konnte es nicht brauchen, es war zu wenig, dazu aber von zu eigentümlicher Farbe, um es mit anderem Haar vermengen zu können. Da aber Kata ganz dasselbe Haar hatte, würde er alles zusammen für sehr gutes Geld kaufen. Das Mädchen erbleichte; sie warf einen traurigen Blick in den Spiegel, seufzte und senkte ihr schönes Haupt, wie die Aehre unter die Sichel. Keuchenlangte sie alsbald daheim an, aber die Kranke war nicht mehr allein. Der alte Peri ging im Zimmer mit finsterer Miene aus und ab. Er ist gekommen, hat hierher gefunden; das Gerücht hat ihm zugetvagen, was geschehen ist, und die Bitternis hat ihn bewogen, sich auf den Weg zu machen. „Wo ist deiner Schwester .Krone hingekommen?" fragte er zorig die Eintretende. „Man hat sie ihr abgeschnitten!" entgognete .Kata trotzig ans Bett tretend, als wäre sie entschlossen, jene zu verteidigen, die ohne Besinnung darin lag.' Peri verstummte, dann hefteten sich feine Augen plötzlich wild auf Katta. „Und wo ist denn dein Haar 'hingekommen?" „Ich habe es abgeschnitten!" sprach sie furchtsam und zog unter der Schürze die Arzneiflasche hervor. Ter Me seufzte; dann betrachtete er lange von den zwei schönen Mädchen bald bk eine, bald die andere. Die eine, die dort steht, rot wie eine Rose, und die andere, die dort ächzt, bleich wie eine Lilie. Und er bedauerte dennoch die Rose zuerst. Er trat zu ihr hin Und streichelte zärtlich, liebevoll ihr kleines Köpfchen. „Arme Kata! Dein Haar wird wieder nachwachsen." dun Ungarischen übersetzt von Maurus Merei.) Pariser Brief. Wenn man von den Juden in Paris spricht oder schreibt, muß man genau zwei von einander verschiedene Schichten unterscheiden. Tie eine, die vielleicht am besten dadurch gekennzeichnet wird, daß man sie als diejenigen Juden bezeichnet, die bereits bei der Ehrenlegion angelangt sind und die andere, die diesem Ziele zustrebt. Zwischen den beiden gibt es unverkennbar innere psychologische Zusammenhänge, und der genaue Beobachter vermag bereits festzustellen, welch gewaltigen Einfluß die zweite Schichte auf die sogenannte Oberschicht auSübt. Diese letzte wird zusehends jüdischer, ohne daß die zweit.' von ihrem jüdischen Wesen allzuviel abgeben würde. Ich glaube wohl, daß Zangwill in Paris seinen „Melt'mg Pot" nicht hätte schreiben können. Allerdings die Berührungspunkte zwischen diesen b iden jüdischen Gesellschaftsschichlen zeigen manche Uebergangscrscheinung, die dem fremden, oberflächlichen Beobachter ein Schmunzeln d:r Besremdung entlockt. Dort, um die Nue Pavee herum zum Beispiel und in der Rue des Rösters glaubt man sich in irgendein östliches Ghetto versetzt. Die Menichen sprechen hier zum größten Teil jüdisch, ab und zu hört man auch hebräisch sprechen und einen neuartigen französisch-jüdischen Jargon, der dem Jüdisch noch zu den russischen und polnischen Wortstämmen neue französische Worte und Redewendungen hinzufügt. Hier, in diesen wmkeligen Gassen sind die Geschäftstafeln zum größten Teil jüdisch und hebräisch, hier sind die Mauern mit Plakaten in Jüdisch und Hebräisch beklebt, die Buchhändler legen hier jüdische Literarur in ihre Schaufenster, Origiialwcrke und Uebersetzunger und hier wird auch Palastm.'.wem angepriesen, genau so, wie in den Judenvierteln von Lemberg, Krakau oder Warschau. Hier, in diesem w'ch ganz jungen Judenvierjel bekommt man auch alle di-: b,.lärmten jüdischen Lieder und Noten: „Sulamrth", „Ä Briewele der Mamme" usw. Die oben erwähnten Uröergangssymptome zeigen sich in den Geschäften, in bencit man schon häufiger ein mit 27. IM 1924 _____ Nie wieder Krieg! N r. IM Von Dr. Adele Wiener. JederKrieg ist viel, viel länger als er dauert. Jetzt haben wir" seit 1914 Krieg, 10 Jahve lang — und doch hat er nicht halb so lang gedauert, „nur" vier Jahre. Der Sonntag vor zehn Jahren war der 26. J-ulsi der erste Kriegstag. Gran war die Welt in dichte Regenschleier gehüllt und banges Ahnen lag grau und 'drückend in den Lüsten. Seit jenem Tag haben wir gelernt, was es heißt, mit den Mitteln unserer teuflischen Technik die Gesten wilder Horden nachzuahmen. Die wilden Horden, die im DnnAl leben, die nicht wissen, oh die Freunden, die sie treffen, nicht etwa Menschenfresser sind, die nicht sehen und darum zu eigener Sicherheit vernichten, lvas ihnen nahe -kommt, die brauchen Krieg. Dürfen wir auch die Entschuldigung geistiger Enge für uns in Anspruch nehmen, die wir fast allgegenwärtig sind? Die wir fast um den ganzen unsere Stimme schicken und hören lassen können? Die wir bald auch werden sehen können, -was irgendwo aus -der Erde geschieht? Wir wissen, daß es überall, unter allen Völkern und Nationen, bessere und weniger gute Menschen gibt, daß aber kein Volk nur aus Wilden und Bösen besteht. Wozu der Krieg? Um die schlummernde Wildheit auf legitime Weift austoben lasten zu können? Diese Möglichkeit hat die herrliche Fortentwicklung unserer modernen Kriegstechnik vollkommen ausgeschaltet: In den nassen, schmutzigen Schützengräben läßt cs sich nicht gut toben. Also führt man Krieg, um sich in der Vollkommenheit der Vernichtung'stechnik zu messen? Oder nm zü erproben, auf welcher Seite die Konstruktion der Mordwerkzeuge bester geheim-gehalten wurde? Nein, nein, .das sind die Ursachen des Krieges nicht, sondern einzig die Möglichkeit, durch ihn -emporzuko-mmen. Der militärische Berus bringt Ehre und Ansehen und Einkommen, verlangt aber von jedem einzelnen ein großes Quantum Kriegsbegeisterung, die nach Drill und Pauke mechanrsch geliefert wird und den Krieg zum Leben erhält. Gin zweiter bedeutender Faktor der Kricgsmöglichkeit wir durch die Lieferanten repräsentiert, die durch den Krieg zu großen Gütern kommen und die Macht und den Einfluß ihaben, Kriegsmethode und Kriegsnwde ausrechtzuerhalten. All« anderen VoMkreise, die den Krieg verfluchen, aus tausend wirtschaftlichen Gründen und einem menschlichen Grund, die ihn verfluchen, weil er geschaffte Güter von lausend Arten zerstört und weil er wertvolles Merlschml-obtzn -kostet, alle die zusammen haben nicht die Akacht, die von Militär'; und Lieferanten ausgerichteten Mordmaschinell zu schleifen. Aber nur deshalb, weil sie ihre Macht nicht kennen, nicht kennen wollen. Ihre Macht, die in überall kraftvoll und standhaft ausgesprochener Ueberzeugung besteht, die jede Kriegserwägung als verbrecherischen, atavistischen Wahnsinn weit von sich weist. Jeder einzelne, der aus Scheu vor dem Odium der Lächerlichkeit oder Beschränktheit die Notwendigkeit eines Krieges gelten läßt, ist mitschuldig. Heute glaubt kein Mensch mehr an die Notwendigkeit der unseligen Kriegsmethodik. Wenn er anders spricht, so tut er es nur aus Konvention. Und aus Konvention kommt es schließlich zum Krieg. Ist aber diese Konvention gebrochen, spricht kein Mensch mehr von einer Kriegsnotwendigkeit, wie kein Mensch mehr daran glaubt — dann kann es eben zu keinem Krieg mehr kommen; denn nur Menschen machen ja den Krieg und wenn sie es nicht mehr tun, dann gibt es keinen Krieg mehr. Wir sind in den Martern und Höllen des abgelaufenen Dezenniums um Jahrtausende gealtert, wir sehen, wie entsetzlich ein französischen Floskeln versetztes Jüdisch zu hören bekommt. Und gar erst in eurem jüdischen Gasthaus! Die Speisekarte in einem solchen Judenwirtshaus Hai in der Tat von manL'n GesiLtSpuukien aus betrachtet Kvlturwert. Da bekommt man zum Beispiel unter dem Namen „Bouillon aux Kreplach" eine sehr schmackhafte, nach altjüdischem Rezept zubereitete Taschkerlsuppe und bestellt man sich am Abend „Bilkes au fromage" so wird man mit den Topfen- oder Käsedalkeln, die man serviert bekommt, immerhin zufrieden sein. Und während man sich an den französierten jüdischen Speisen delektiert, muß man auch den heiseren Grammophon über sich ergehen lassen, der den „Haschkiw.enu", irgend eines zahnlosen Chasans oder den /,Pripetschik" einer Soubrette dritten Ranges von sich gibt. Auf -der anderen Seite die Schichte der Ehrenlegion, die gerade in der jüngsten Zeit ihre eigene, intime Feier hatte, weil der Oberrabbiner von Paris, H. Dreyfuß, zu seinem 60. Geburtstag zum Offizier der Ehrenlegion ernannt wurde, nachdem er schon seit dreißig Jahren Chevalier der Legion war. Mit Stolz wird hier darauf hingewiesen, daß schon früher Pariser Rabbiner mit solchen Ehrentiteln bedacht wurden, so Rabbiner Rafael Levy, der gleichfalls Offizier der Legion war und der Großrabbiner von Frankreich Israel L e v i, der wie auch die Pariser Rabbiner Emanuel W e i l l und Kaguenau Chevalier der Ehrenlegion ist. Ich sprach vorhin von dem Einfluß, den die sogenannte untere Schichte auf die obere ausübt. Eine Folge dieses Einflusses ist die Gründung der französisch-jüdischen Gesellschaft „Schema Israel", die sich die Vertiefung des religiösen Lebens unter den französischen Juden und die Verbreitung jüdischen Wissens zum Ziel gesetzt hat. Diese Vereinigung wählt für ihre Propaganda die modernsten pädagogischen Mittel. So veranstaltet sie in kurzen Intervallen Exkursionen für die Jugend und für Erwachsene in die verschiedenen großen Museen, wo ein Fachgelehrter Vorträge über die in den Museen vorhandenen auf die Geschichte des Judentums bezüglichen Antiquitäten und Religpien Mp J.--b.