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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-27 · Heft 1957 (27.7.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1957 (27.7.1924)
Date
1924-07-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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’VWMw'WWg™ * Nr. 1957 " Men, SvM'iag _. Wiener Morftenzeitung. _ 27. KM IM_ 7 S-W S hebräische Schule zu schicken, weil sie dort „entjndet" werden. Den Vätern, die trotz des „Chevems" die Kinder in die Schitle weiter.schicken, wird verboten, in den Synagogen vorznbeten, manidarf sie auch zur Thora nicht■ aufrnsen. Ferner wird dem „Mohel" verboten, neugeborene Kinder dieser.abtrünnigen Väter bei der Brith Milah zu beschneiden. Dieses Dokument, welches an das finsterste Mittelalter erinnert, wurde in sämtlichen Bet- und Synagogen-- Hausern angebracht. In Uhnow dagegen hat der dortige agudistische. Rabbiner in den Synagogen einen Cherem verlesen lassen, wonach sämtlichen Gemeindentitgliedern verboten - wird, „jüdische und hebräische Bücher zu lesen und der Zionistischen Organisation anzugehören". Als die in der Synagoge versammelte Fugend die Verlesung dieses schmachvollen Dokumentes nicht zulassen wollte, chat der Rabbiner bei der Polizei den dort bestehenden zionistischen Verein als einen kommunistischen denunziert. Die Polizei hat hierauf im Vereinslokal eine strenge Hausdurchsuchung vorgenommen. Dieses Vorgehen des Rabbiners hat im Städtchen ’ große Erregung hervorgerufen. Eine englische Rottenparade. London, 26. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Flottenschau von S pite h e a d ging heute in Gegenwart des Kön g s v on statten. Sie stellte die.größte ihrer Art seit 1914 dar. 200 Kriegsschiffe nabmen daran teil. Sie waren in mehreren hintereinander liegenden ParaMfronten aufgestellt, die sich zusammen auf 40 Meilen erstreckten. Das Geschwader setzte sich aus der atlantischen Motte unter dem Kommando Sir John de R o b e ck und der Reserveslotte unter dem Kommando des Vizeadmirals Stanley zusammen. Die jüdische Gemeiudeordnung in PMstma. Eine Anftage im englischen Unterhaus. London, 26. Juli. (I. T. A.) In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses erklärte Herr I. H. Thomas, der Staatssekretär für die Kolonien, daß er vorläufig keinen Bericht über die vorgeschlagenen Statuten der jüdischen Gemeinden Palästinas erstatten könne. Der gesamte Komplex dieser Frage werde jetzt unter seiner Aussicht bearbeitet. Lieut.-Colonel Howard B u r h fragte den Kolonial- Staatssekvetär an, ob ihm die seitens der orthodox c n Judercheit erhobene Opposition gegen die vorge'schlagenen Palästina-Gesetze bekannt sei; ferner, ob er die Sachlage vor Ratifizierung der Verordnung einer neuen Erwägung unterziehen wolle, und ob die Palästina-'Regierung bereits zahlreiche Bittschriften über denselben Gegenstand erhalten hätte.' Herr Thomas antwortete folgendes: Ichsetze voraus, daß Lieut.-Colonel Howard Bury sich auf die vorgeschlagenen Statuten der jüdischen Gemeinden bezieht. Ich werde die Frage reiflich überlegen und ziehe es vor, über dyn Gegenstand gegenwärtig noch keinen Bericht zu erstatten. Die B'nai B'rith in Amerika für die hebräische Universität in Jerusalem. Die Exekutive der B'nai B'rith in Amerika hat beschlossen, für die hebräische Universität in Jerusalem ein Stipendium von 5000 Dollar zu schaffen. Vom schönen Haar der öchweßerä Pest. Bon Koloman Mikszath. Es wäre wahrlich besser gewesen, das berühmte goldblonde Haar der Schwestern Peri wäre nicht so lang, so schön und üppig gewachsen, sondern hätte sich lieber in Flachs verwandelt oder wäre einzeln ausgefallen. - Wäre es Flachs, würde man daraus Linnen weben, fiele es aus, würde die Erde, auf die es fällt,, glauben, es sei himmlisches Gras und sie würde es im nächsten Frühling vervielfacht wioderbringen. Was geschah aber? Armer, alter Peri. . . warum hat er sie aber auch von daheim fortgehen lassen, ohne Aussicht, so weit fort? Irgendwo in der Gegend des Csevhat waren die beiden schönen Mädchen beim Schnitt beschäftigt. Dort hat sich die große Schande zugetragen. Kata, die größere, arbeitete mit der Sichel, während die kleine Judith bloß die Garben zusammentvug, die dann der freche Pista Csato mit seinen kräftigen Armen zuiammenband, und so oft sich das Mädchen bückte, erschien ihr' aufgelöstes Haar vor seinen flimmernden Augen wie eine zur goldenen Wolle gewordene Weizengarbe. Und dann wieder erschienen ihm die Weizengarben, als wäre jede von ihnen das blonde Haar der Judith Peri. Dabei ist' Pista Csato ein verheirateter 'Mann; auch ist'seine Frau nicht eine der letzten:' jene hohe, stattliche Gestalt dort neben Kata Petri. (Vorsicht! Sie wird sich mit der Sichel gleich in die Hand schneiden!) Sie blickt so unruhig auf ihren Mann zurück. Entweder liebt sie ihn sehr oder aber sie hat großen Verdacht. Im Kreise schneidet die Sichel, es knirschen die Halme, das Stoppelfeld wächst an und enthüllt das Vogelnest; die winzigen kleinen Wachteln schauen neugierig, wo der schattige Strohwäld' hingekommen ist? Und erst ihre arme Mütter, wie wird die staunen! > Judith nahm ihr Kopftuch und breitete es über das Rest. So wird sie hinfinden, wenn sie abends nach Hauke 704 Schahei mit eingebautem „Berson“«Gummi-Absatz Die letzte» Kurse. (Nadiodienst der „Wiener Morgeuzeitung".) - London. 26. Juli. Wechselkurse r Wien 31L600, Prag 148, New-Aork4,39'°/„, Paris 86,29'/,, Brüssel 96,12'/,, Nom 101,81'/«, Zürich 23,87'/j,, Madrid 32,87'/,, Amsterdam ll,515/„ Kopenhagen 27,20'/„ Clmstiania 32,67'/,, Stockholm 16,52, Helsingsors 175,75, Berlin 18,50 Billionen, Bukarest 920. Paris, 26. Juli. (Priv.) Unter dein Eindruck der Verschleppung der Londoner Konferenz und der sich widersprechenden Nachrichten aus London hat der Franken heute auf dem Markte etwas nachgelassen. Das Mund stand 86,46 und der Dollar 19,67. Gegen Ende des; Vormittags erholte sich der Franker eures ko dag der außerbörsliche Verkehr folge,-dermaßen schloß: Pfund 86,10, Dollar 19,55. Wechselkurse: London 35.50, Wien 27,50, Schweiz 62, Belgien 89,95, NewjOcrf; 19 65, Prag 58,40, Italien 85, Nu,nennen 68. New-Bork, 26. Juli. (Radio.1 Devise ukchtußkurie: Tagqeld —,—, Wechsel auf London 4,40,25,. 60 Tage-Wechkel 4,37,25, Paris 5,11, Amsterdam 38,16. Berliner Schlußkurs 23-/, bis 24. Silber 68%, Prag 2,97. Znland. Ein Schlag gegen die vrotokokierten »anslente. Am 24. d. ist im Bundesgesetzblatt Nr. 243 eine Verordmulg des Bundeskanzleramtes und der Buudesministericil für Handel und Verkehr und für Finanzen erschienen, wonach der für die Eigenschaft eines Kaufm a n n e § vollen Rechtes maßgebende Mindestbeirag an einjähriger staatlicher Ecwerbstener einheitlich mit 4,200.000 K. festgesetzt wird. Damit ist die für die Protokollierung erforderliche Stenergrenze in derartiger Höhe statuiert, daß die Folgen für die Vollkaufleutc gar nicht abzusehen sind. Die bisher maßgebende Erwerbfleuersumme betrug (nach der Verordnung Bundesgesetzblatt Nr. 208 aus dem Jahre 1923) 11.000 K. pro Jahr, eitle nach dem heutigen Geldwert zweifellos lächerliche Summe, deren Erhöhung gerechtfertigt erscheint. Wäre doch nach dicsenl Steuersätze strenge genommen jede Grünzeughändlerin und jeder Greisler protollierungspflichtig gewesen. Ter nunmehr fe-taesetzte-Steuersatz schlägt jedoch ins Gegenteil um. und'hat beispielsweise zur Folge, daß Unternehnlungen, bei denen die Verwendung von Kapital im Vergleiche zur Arbeitskraft eine geringe Bedeutung hat und deren Reinertrag 6000 Steuereinheiten nicht übersteigt, von der Registrierung ausgeschlossen erscheinen oder, falls sie handelsgerichtlich registriert sind, von einer unerträglich hohen, die Sätze des Personalstenergesetzes weit übersteigenden Erwerbsteuer, getroffen werben. Soll.man nicht an einen Druckfehler glauben, oann bleibt diese fiskalische Nebenwirkung als Hauvtursache der übertriebett hohen Festsetzung bestehen, durch welche die Autvendnng der Sätze des Personalstener-geetzes für einen Großteil der Kaufmannschaft illusorisch gemacht werden. Im geh! — bis dahin möge es ihnen aber Schatten spenden. Pista nahm es sofort weg und verbarg es an seiner Brust. Ach, was war das für ein süßes Tuch. Es brannte und kitzelte ihn. Die Wärnre der jungen Vögel hastete noch daran, und der Dust jenes seidenen Haares. „Werden Sie das Tuch sofort aus seinen Platz zu rückgeben!" schrie ihn Judith zornig an. „Nur gegen einen. Kuß!" flüsterte Pista Csato leidenschaftlich. „Gehen Sie! Schämen Sie sich nicht?" sagte Judith errötend. Lieber will ich das Tuch nie wieder sehen." Sie wendete sich trotzig ab, als zürnte sie ihm wegen des verwegenen Wortes. Möge er es behalten. Wo dieses Tuch gekauft wurde, gibt es noch Tücher genug. „Wie gut hat cs doch so ein Vogel!" seufzte Pista. Judith fragte nicht, weshalb es ein Vogel gut haben sollte. Sie schwieg. „Er kann sich ein neues Nest bauen, wenn er des alten überdrüssig ist." Judith, fragte nicht, was er damit meinte, sie senkte den Kopf.. . Auch am nächsten Tag verlangte Pista vergebens den Kuß. Als sie sich aber dam: am dritte.il Tag aus den Heimweg machten, nahm er Judith unten ans der Lichtung,, wo sie das Weidengebüsch vor beit rückwärts kommenden Schnittern verbarg/plötzlich um die Taille und ließ sie nicht früher los, bis sie mit einem feurigen Kuß-ihr Tuch ausgelöst hätte, Pista lachte. „Beginnen einmal aus der Aehre die Körner zu fallen, ist sie vollkommen reis." Dann sagte er laut:. „Sei um -Mitternacht im . Gebüsch hinter der Kirche.. Ich werde schon früher dort sein." Das Mädchen schaute, sich erschrocken um. „Sprechen Sie leiser! Man könnte es hören!" „Komme barfuß," flüsterte er, „damit deine Stiefel . nicht durchnäßt werden, sonst würde man es am Morgen wissen. Im kurzen Rock; einen laugen.würde der Kot-beickmutzen. Frieden hat der entsprechende Steuersatz. 12l)' K. im Jahp betragen. Es ist also selbst bei voller Valorisierung fast einei Verdreifachung des Friedensatzes emgetreten. Bleibt diese völlig ungerechtfertigte Maßregel in Kraft und wird, wie an-' zunehmen, von den Steuerbehörden entsprechend verwertet/ dann dürfte nicht nur die Protokollierung - neu gegründeter Firmen u n ter b le i ben, sondern auch. e i ne Fl uch t' aus dem Handelsregister beginnen, welche bei dem volkswirtschaftlichen Werte und den Vorzügen einer seriösen, handelsgerichtlich registrierten Kaufmannschaft bedauerlich' wäre. Damit werden sich die beruflichen Vertretungskörper der Kaufmannschaft und der Industrie wohl noch zu befassen haben. _ gltt Sepotübereinkommen mit Numßnien. Die Verhandlungen einer rumänischen Delegation unter Führung des Staatsministers I. N i st o r mit österreichischen Regierungsstellen über zwischen Oesterreich und Rumä n i e n schwebende Fragen, die sich aus der Durchführung des Staatsvertrages von St. Gevmain ergeben halben, sind am 26. d. in einer Schlußsitzung unter dem Vorsitze des BuudeSministers Dr. Grünberge r a bg es ch l o s s e n worden. Die VerhaMnngen 'hatten eine große Anzahl von Angelegenheiten zum Gegenstände, welche die Finanz-Verwaltung, das Verkehrswesen, das kulturelle E i g e n t u m und Fragen des Zivilu n d Verwaltungsrechtes betreffen. Sie fanden ihren Abschluß in der Ausfertigung eines Sch l u ß p r o t ok o ll es, einer Reihe von Erklärungen und einer Anzahl von Uebere in kommen über die Freigabe der Depots, die Ausfolgung der Bergegüter, die Altkrouenschulden, die Pensionen und die'sozialen Versichernugen. - - . Kleinrentnekfonv und 8pex»gesch. Das Kleinreutnergesetz wird, wie bereits berichtet, vor den Ferien, nicht mehr vor den Nationalrat kommen. In -der Fveitagssitzung des Unterausschusses für das Kleinrentnergesetz teilte der Berichterstatter Dr. S ch u macher mit, daß das Ergebnis der Verhandlungen der Regierung mit den Ländern und den anderen Rechtsswbjekten, die für den Kleinrentnerentschädigungssünds zur -Beitragsleistung herangezogen werden sollen, unbefriedigt waren. Aus diesem Grunde sei die Verabschied u n g ' d e s G esetzes -derzeit nicht möglich. Wenn der Bund allein an den Fonds Zahlungen leiste, könnte lediglich die gege nw ä r t i g e U u t e r st ü tz u n g s a k t i ö n fortgesetzt werden. Abg. Dr. Eisler erklärte daraufhin, die weitere Beratung des Grseües für zwecklos und bezeichnet-dw S tb a f-' s u n g eines S p e r r g e s e tz e s für den einzigen Ausweg. Dr. Auge rer schloß sich Vieser Meinung an und' fügte hinzu, daß durch das Sperrgesetz wenigstens die E i nl e i t u n g n n d D u r ch f ü h r n n g d o 1t: E x e k n t i onen gegen not leidende Kleinrentner verhindert werden könnte. ... Finanzmiurster Dr. Kienböck sprach, sich gege n das SP e r r g e s e tz aus. Der christlichsoziale Doktor Schumacher hielt die Vertagung, über das Kleinrentnergesetz b i s na ch -de u So mm e rser.i c n für den einzig möglichen Ausweg. Seine Partei werde jedoch dem Sperrgesetz nicht zustimmen können. Der Unterausschuß nahm den Vertagung'santrag au. beschloß aber, nächste Woche noch eine Sitzung zum Zwecke der Beratung des Sperrgesetzes abzn'halten. ... Zu viert, zu fünft, schliefen die Mädchen und' Frauen, aus dem Felde. Das Dunkel der Nacht, verdeckte das reizende Bild. Nur die -Sterne blickten oben, während sich hier unten die Augen schlossen. Sterne muß es immer geben. Vor dem ersten Hahnenschrei wachte. Kata Peri auf; sie lag zwischen Judith und Frau Csato und bemerkte, daß keine von beiden schlief. - Unter dem Kopfpolster der Frau Csato rutschte, indem sic sich unruhia hin und her warf, ein glänzender Gegenstand hervor. Kata betastete ihn: es war eine Schere. Gewiß huldigte sie irgend einem Aberglaüben, dachte Kata. - Nach dem zweien EHahn"uscbrei. w-ichi': .Kata R'-:i wieder auf; aber die Plätze der Judith und der Frau Csato waren leer. Sie sprang entsetzt ans; wo mag.die Schwester hingekomnien sein? Es war ihr, als vernäbnA.sie aus der Ferne verworrene Stimmen. Sie eilte instinktiv ain das Gebüsch zu, wo sie Judith leblos hingvsunken vorfand. Als wäre 3y>§ Gras rings V-nmt mit e-oideu " St'ckerei ausgenäht, so schimmerte Judiths langes Haar. Es war bis an die Wurzel abaeschnitteu. Eine rächende. H-apd batt" Vas ganze Büschel in die Luft geworfen, ein Lüftchen hatte sich seiner bemächtigt und die >Haare mutwillig zerstreut. Tie uiedergetretenen Grashalme erkärmten sie aber. . als ihre Geschwister an und gestatteten ihnen, sich sanft zivischen sie zu spinnen. Kataverstandall.es. „Stehe aus! Wir gehen von hinneu! .Ich führe dich nach Hause zum Vater." Sie vermochten aber, nur bis zmu nächsten Städtchen zu gelangen. Judith erkrankte am Fieber, tagelang mußte sie unter fremden. Leuten, . weit von ihrem Heimatsdovsc. liegen. Kata pflegte sie und sorgte für sie., Als ihr Geld zu Ende und ihre überflüssigen Kleidungsstücke verkauft waren, hatten die Schwestern keinen Besitz mehr, als nur jenes Haar, in das sich. Pista Csatos Herz versponnen und das Frau Csato. abgeschnitten hatte: oder doch nur die Hälfte jenes Haares. Wenn es Schande bringen konnte, vielleicht ließe sich daraus auch Geld machen.

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