Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1956 (26.7.1924)
- Date
- 1924-07-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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CM* 4 Men, SamStag Wiener MorgerrzeZturrg. 26. Mi IM Nr. 19« Ae Savus-AurrottungsMon in Lstemova. Me f^ensveiche Hilfstätigkvit, die das Mierican Joint Distribution Committee für die notleidende jüdische Bevölkerung in Mittel- und Osteuropa eingerichtet und die so viel zur Linderung des Leides und zur Aufrichtung zusammengebwchener Existenzen beigetragen hat, kennt die blvtile Oeffentlichkeit zur Genüge. Wenig bekannt ist aber eine Aktion des Joint Committees, die sich keine kleinere Ausgabe zum Ziele gesetzt hat, als die Ausrottung des inden osteuropäischen Ländern fast endemisch herrschenden Favus '(Kopfgrindes). Wenn man die Ausdehnung des Aktionsbereiches bedenkt, der sich über Litauen, Polen, Lettland, Kärpathorußlhnd und Rumänien erstreckt und die Zahl der Erkrankten mit nur 30.000 Menschen annimmt, daim wird man ermessen, welche ungehenere großartige, ohne Beispiel dastehende Aufgabe daS Joint Committee auf sich genommen hat. Der- Erbgrmd ist eine Erkrankung, die fast ausschließlich die behaarte Kopfhaut befällt und durch einen Pilz verursacht ist. Die Krankheit, deren Verlaus sich meist auf viele Jahve erstreckt, führt zum Ausfall der Haare an den befallenen Stellen. Die Haut daselbst wird narbig atrophisch und dauernder Haarausfall ist die Folge. Der Erbgrind kommt dort endemisch vor, wo Menschen eng zusammengepfercht, in schlechten sozialen und unhygienischen BechäÜmssen wohnen. DaS trifft insbesondere für die Juden in den Randstaaten Rußlands zu.. Die von der Krankheit Betroffenen sind auch wirtschaftlich insoferne schwer geschädigt, als sie, von dem Schulbesuch, ausgeschlossen, gesellschaftlich boykottiert, ein zurückgezogenes Leben führen müssen. Die Ausheilung dieser lästigen und entstellenden SjoaU* erkrankung erfolgt neuerdings durch Röntgenbestrahlung, wobei es zu einer vollständigen Entfernung, Epilation, der Kopfhaare koinmt. Hernach werden mehrfach Schälungen der kranken Kopfhaut, die die Pilze enchält, mittels Pinselungen von Jodtinktur ausgeführt. Eine mehrmonatige Ueber- Vachung der Kranken ist notwendig, um eine Wiederkehr der Krankheit zu verhüten. Der bekannte Röutgenologe und Rassentheoretikei. Dr. Z oll sch an aus Karlsbad organisierte, nun über Weisung des Joint Committees em großzügiges Arbeits- Programm für die betroffenen Länder. Es wurden in verschiedenen größeren Städten, wie Krakau, Lemberg, Wilna, Lodz,- Kowno, Brest-Litowsk, Bialystok, Riga und Kowno nach dem Mustennstitut in Warschau Röntgenbehandlungsstätten geschaffen und deren Arbeitsweise durch entsprechende Ausbildung der Aerzte und des Pflegepersonals gewissermaßen normalisiert, um mit geringstem Aufwands in kützester Zeit lue besten Heilresultate erzielen zu können. Ueber die ersten Erfolge dieser vorbildlichen Arbeirsweise, die sich etwa über eine eineinhalbjährige Zeitspanne erstritt, berichtet der- "unerÄAöluhe Organisator und Leiter der .Mion- Dr. Zollschan, in der „-Medizinischen Klinik". In dieser kurzen Zeit gelang es, über 6000 Favuskranke vollständig zu .heilen. Eine so große Zahl Geheilter bedeutet gleichzeitig, -mit Rücksicht auf die leichte Uebertragbarkeit des Leidens, eine Verhütung des Erbgrinds unter vielen tausenden Einwohnern. Es ist zu hoffen, daß, bei Fortsetzung dieser Heilaktion die völlige Ausrottung des Favus unter der Bevölkerung der russischen Raudstaaten gelingen wird, und das American Joint Distribution Committee wird sich nicht allem em unvergängliches Denkmal in den Herzen aller leidenden Menschen in Osteuropa gesetzt haben, sondern es ist durch diese vorbildliche Organisation zum ersten Male ein neuer Weg g^eigt worden, wie endemische Krankheiten mit Erfolg bekSckpft werden können. __ Dr. Sauet Beer. ff i« Luter rötet seine drei Kinder. Aus O Ä c r ö u rg bei Burgdorf (Schweiz) wird u>ns dntcrm 25. d. gemeldet:? Heute ereignete sich hier gegen die Mittagsstunde eine s chwe re Blu tta t. Der Fabriksarbeiter Christian Ruch gab auf seine drei etwas geistesschwachen Kinder im Alter von 7, 8 und 12 Jahren mehrere Red olde rschirsse ab. Hieraus richtete er den Revolver gegen sich und tötete sich durch einen Schuß in den Mund. Die Kinder wurden -mit schweren Brust- und Bauchschüssen nach Burgdorf in das -Bezirkskrankenhaus gebracht. wo sie nach kurzer Zeit verschieden. Horthyr Mieterschutz. Eine Familie mit drei Kindern auf der Straße. Aus Budapest wird uns gemeldet: Bor drei Wochen wurde die aus sünsMitgliede'rn bestehende Familie des Maurers Franz Kirchenbaum delogiert, die in einem Hause in der .Königsgasse ein Zimmer mit Küche bewcchint hatte. Aus Grund einer Anzeige d e s Hausmeisters wurde die Wohnung angefordert und der Maurer samt Familie aus die Straße g e s e tz t. Das Ehepaar Kirchenbaum verbrachte zwei Nächte am Fuß der Sphinx st atu e vor dem Opernhaus. Die Polizei griff die Obdachlosen aus und brachte sie samt ihrer kärglichen- Wohnungseinrichtung wieder in die T o r e r nfahrt ihres alten Wohnhauses in die .Kvnigsgasfe zurück. Die Familie wohnt nun seit drei Wochen unter dem Torgewölbe des Hauses. Bezeichnend ist es, daß Frau Kirchenbaum auf eine Frage von Zeitungsberichterstattern, ob sie denn gar keine menschenwürdigere Unterkunft gefunden habe, zur Antwort gab, daß sie mit ihrem Mann in den Höhlen im Ofner Gebirge Wohnung gesucht hätte, doch seien diese Höhlen vollständig besetzt gewesen. „E s g-i b t k e i n e l e c r e n Hohle n!" jammerte die .Avbeitersfrau, « TAUSENDE verlassene. schmucklose Gräber beweisen, datz die Mb volle Srinnenmg «n die Berewigren auSstlrbt. Mt Armut darf »ieman» seine Gleichqültigteit und Ge» fühISlosigkeit entschuldigen, den» di« lkunststeinfabrik „ASRA", Wien, I. Stubenrang Nr, 1A Verkaufssiliale: XX. Timmeringer Hanptftr. 351% bhm siklert rüustlerilch auSgeiUhrte, garantiert wetterfeste Grabsteine r« betsblelloS billigen Preise,,. n Besichtig, die ständige Ausstellung! WMStter so« bleiben. Eine Adresse der Münchener Universität. München, 25. Juli. Die vor kurzem beschlossene Kund« gebllng deS Rektors und Denates der Universität München an den von dem akademischen Ha-kenkreuztum angeekelten Geheimmt W ill st ä tt e r hat folgenden Wortlaut: „Hochverehrter Herr Kollege! Die.überraschende Kunde, daß Sie sich mit dem'Gedanken tragen, Ihre Wirksamkeit an. unserer Hochschule mMitgeben, hat bei Rektor und Sena.t.ditz Gefühle der Trauer ausgeM. Seit Sie als würdigster Nachfolger Ihres großen Lehrers a>u!f Grund einst-imm-igen Borschlages hicher-berufen wurden, halben wir uns Ihres Besitzes erfreut, als eines Forschers von Weltr u s, eines begeisternden Lehrers und eines ziel bewußten Leiters eines unserer bedeutendsten Institute. Ms die größte Hochschule des Reiches Die für sich zu gewinnen suchte, waren UnterrichtSoeNvailtuug. Lehrkörper uuid- Studentenschaft einmütig in dem Bestreben, unserer Universität diesen kostbaren Besitz zu bewahren. Daß es gelang, erfüllte uns mit der Hoffnung, Sie mmmchr dauernd zu erhalten. Die von Ihnen kundge-geben« Absicht trifft uns auch nach der persönlichen Seite hin überaus schwer. Tenn wir sahen Sie gemeinsam mit uns in der harten Zeit des Krieges rmd der folgenden Jahre unter dom Schicksal des Vaterlandes schwer leiden, wir sahen mit innerer Freu.de und Bewegung, wie Sie Ihre geniale Begabung und Ihre eiserne Willenskraft dem großen Ziele widmeten, diesem Vaterland zu dienen, indem Sie unserem Heere chemische Schutz- Waffen schufen und unserer Heimat neue Lebensguelten erschlösse,! und durch Ihre Le-istungen dem Ausland Ach t n n g v o r D e u t s ch l a n d und seiner Wissenschaft ab- «wangen. Wir haben Sie, den in akademischen Vertrauensstellungen Betvährteu, ob der Verbindlichkeit «Ihrer Formen und der Lauterkeit Ihrer Gesinnung wahrhaft hvchschätzen gelernt. Hochverehrter Herr Kollege! Ml dies steht uns lebendig vor Augen, und so bitten wir Sie in dieser Stunde dringend, sich zu einem Verzicht auf Ihre Rücktrittsa b sichten bewegen zu lassen. Sie würden sich dadurch um unsere .Universität ein neues Verdienst erwerben. In diesem Sinne richten wir an Sie die herzliche Bitte: „Bleiben Sie der unsere!" Mische Bücherfreunde. Die Soncino-Gesellschast in Berlin. In Berlin hat kürzlich die gründeich« Versammlung einer neuen Bidtiophilengesellschaft stattgesunden. Die Gesellschaft, die sich die besondere Pflege des jüdischen Buches zur Aufgabe gestellt hat, nennt sich nach dem Namen der klassischen hebräischen Drnckerfamilie des 15. Jahrhunderts „Sou eino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches" e. V. und will nach den Gesetzen der unlösbaren Gebundenheit von Buchinhalt und Buchform das schöne jüdische Buch schaffen. Sie gibt „Beiträge zur Kunde des jüdischen Buches" als Vierteljahrsschrist von jährlich 24 Bogen Umfang unter der Redaktion von Arnold.Zweig heraus, während die bibliographische Beilage, die als Fortsetzung der nach 21jährigem Bestehen vor zwei Jahren eingegangenen „Zeitschrift für hebräische Bibliographie" gedacht ist, Professor A. F r e i m a n n, Frankfurt a. M., leiten wird. Ferner beabsichtigt sie die Herausgabe seltener Texte und wertvoller Drucke von Werken jüdischen Inhalts uufc jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zeiten und Kulturen, welche in bibliophil und wissenschaftlich einwandfreier Weise als Privatdrucke für die Mitglieder her-gestellt werden und ihnen, ebenso wie die Zeitschrift, gegen Entrichtung des Beitrages von 1Y Mark pro .Halbjahr ohne weitere Nachzahlung zugehen. Dem Ehrenausschuß.der Gesellschaft gehören unter anderen an: Dr. Martin Buber, Oberrabbiner Dr. Chajes, Rabbiner Meier Hildesheimer, Legattonsrat Professor Doktor Moritz Soberuheim, Hermann Struck und Professor Gotth. Weil. Die Gesellschaft umfaßt bei der Gründung zivka hundert Mitglieder. Die Anzahl der Mitglieder ist auf fünfhundert begrenzt. Die Geschäftsstelle der Gesellschaft befindet sich Berlin C. 2, Kaiser Wilhelm-Straße 12. Die Kinderbewahranftalt der Haloah. Die Leitung des Sportklubs Hakoah sendet uns folgend Zuschrift: Vor 14 Jahren gründeten einige selbstbewußte Jude, einen Verein, dem sie den Namen Hakoah mit dem Programn der Regeneration der jüdischen Jugend gaben. Schwer Ware, die Jahre des ersten Anfanges und Aufbaues. Als sich die erste, Früchte der anstrengenden Arbeit zu zeigen begannen, kam bei alles zerstörende Krieg. Wie groß die Verluste der Hakoal waren, wird die in Ausarbeitung befindliche jüdische Statistii nur zu deutlich zeigen. Die ganze schwere vor dem Krieg ge leistete Arbeit mußte von vorne begonnen werden. Und schoi die ersten Jahre nach dem Zusammenbruch brachten einzig da« stehende Erfolge, anerkannt in der ganzen Welt von Inden uni Nichtjuden. Alle Arbeit, die geleistet wurde und wird, erstreb einzig und allein die restlose Durchführung deL gegebener Programms, die Regeneration der jüdischen Jugend. Leider war die Unterstützung von seiten der jüdischer Oeffentlichkeit nicht derartig, wie allgemein angenommen wird Im Gegenteil, nahestehende Kreise versuchten eS stets, a, Stelle von, Hilfsbereitschaft unbegründete Kritik zu üben Schwierigkeiten, ja sogar Zwistigkeiten in die Hakoah hineii zu fragen. Es gelang ihnen nicht, denn es wird und darf nich - gelingen, weil das große, ,,'.elbewußte Programm der Hakoal nur ehrliche Arbeit und nichts anderes zuläßt. Dieses Programm, vertragt keine Störungen durch einseitige Einstellungen Alle Richtungen im Judentum sollen nebeneinander an sein« Durchführung arbeiten. Leere Phrasen und Ratschläge störe, und müssen mit allen Mitteln ferngehalten werden. /-/Daß dieser Standpunkt der einzig haltbare ist und du bisherige TätiBeit der Hakoah dem Sinne ihres großen Pro gramms vollkommen entspricht, zeigt am deutlichsten der An« schluß des ältesten jüdischen Wohlfahrtsvereins Israel,lischt Kinderbewahranstalt, dessen Kreise bis nun dem Programm der Hakoah sthr ferne standen. Die triste materielle Lage alle, jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen hat auch den Verein Israelitische Kinderbewahranftalt im 2. Bezirk nicht verschon,. Tros aufopferndster Bemühungen feiner Leitung standen die Anstalten im 2. und 20. Bezirk vor der Austassung. Jüdrschi Väter und Mütter, dje ihrem Erwerb außer Haus nachgehe, müssen, kannten bisher ihre vorschulpflichtigen Kinder diesen beiden Instituten tagsüber anvertrauen, denn sie wußten i'ü in bester Aufsicht. und, Pflege. Durchschnittlich wurden 20t .Kinder in der Schvffamtsgasse und 160 Kinder im 20. Bezirk Othmargasse, täglich von bewährten Kindergärttrerinnen betreut, aus Anstaltsmitteln gegen ganz geringe Elternbeitrag« beköstigt und deren Gesundheitszustand von bekannten Aerzte» überwacht. Bis vor wenigen Jahren diente die Anstalt in dci Schiffamtsgasse auch der Heranbildung von jüdischen Kindergärtnerinnen. Durch volle 86 Jahre konnte der Verein diesem schöne, mw idealen Zweck der Kinderbetreuung Nachkommen. Mit Ende des heurigen Schuljahres stand er aber vor der endgültiger Auslassung beider Anstalten. Das markante Haus jüdische, Fürsorgetatigleit in der Leopoldstadt sollte anderen Zwecke? geführt werden. In dieser trostlosen Situation bot der Verein Israelitische Kinderbewahranftalt sein Haus in der Schissamtsgasse der Hakoah an. Eingedenk ihres Prrx,ramms wa, sich bie Hakoah ihrer Pflicht sofort bewußt, die Kinderbewahr-, anstalt den atmen Jude* de§ 2. und 20. Bezirkes zu echalten Die Klulbleitnng faßte den einsttmmigen Beschluß, gemeinsam mit der bisherigen Vereinsleitung der Kinderbewahranstab den Betrieb weiter zu führen, Die Hakoah verlegt somtt ibi Klubheim in die SchiffamtSgasie. in das Zentrum des Jude.,, bezirkes, ertveitert durch Zubcruten das bestehende Objekt ünl renoviert das Institut im 20. Bezirk. Die Hakoah ist überzeugt, daß alle Juden Wiens ihr öediesem großen Werk in jeder Beziehung zur Seite stehen werde, und fordert sie a.uf, zur Durchführung dieser ebenso schönen all schwierigen Aufgabe in ihre Reihen zu tteten. Die Fürsorm für das jüdische Kind kennt nur Opfersteudigkeit ohne Unterschied der Parteirichtung. Angkobankdirettor Weinberger verunglückt. Ter Direktor der Anglobank Wilhelm Weinberg er erlitt vorgestern abends bei Wölkersdorf einen schweren Autvunfall. In Begleitung seines Chauffeurs fuhr er nach Wien. In der Dämmerung bemerkte der Chauffeur nicht, daß der Eisenbahnschranken heruntergelassen war und bremste erst in: letzten Moment. Infolge des starken Bremses kippte das Automobil um, siel in den Straßengraben und begrub Direktor Weinberge r unter sich. Direktor Weinberger erlitt lebensgefährliche Verletzungen, unter anderm zog er sich eine tiefe Wunde zu, die vom Knie des rechten Fußes bis zum Oberschenkel läuft. Er wurde iuS Sanatorium Fürth gebracht. Der Chauffeur blieb unverletzt!' Bo« der Wiener Wisimschaft. In, Wiener Naturhistorischem Museum besteht seit 1876 eine einheitliche anthropologisch-etihnographische Sammlung, an deren Spitze feit 1919 Direktor Dr. Josef Bayer, ein Gelehrter ohne jede politische Vergangen,heit, steht. Seine wissenschaftliche Einstellung gegen die „Rassenlheorie" in Verbindung mit dem Umstand, daß er bei der im vorigen Jahre erfolgten Schaffung eines Instituts für Rassen- und Konstttutionsanthropologie den UnivevsitätsProfessor Dr. Tandler in desien Leitung berufen ließ, haben zu einer gegen ihn gerichteter!.systematischen -Hetze der r.e ch't s r a d i k a l e n d e u t f ch n a t i onalen Kreise au der Universität geführt, die es nun durchzufetzen wußten, daß der wissenschaftliche Wirkungskreis Dr. Bayers geschmälert werde. Anr 94. d. wurde in ein er im Uuter rich ts-ministe ri um älbge'haltenen Sitzung, an welcher viele N i ch t f a chl e u t e, nicht jedoch Dr. Bayer teilnahmen, die -Z e rreißung der bisher einheitlich geführten anthropologischethnographischen Sawlung in drei E i n z e la b t c ilu nge n für Prähistorie, Anthropologie und Ethnographie beschlossen. Der offenstchtliche Zweck dieses Beschlusses ist der, Dr. Bayers Wirkungskreis auf die prähistorische Erforschung Europas zu beschränken, sich so des unbequemen -wissenschaftlichen Gegners der W a b e r s ch c lt R a s s-e ntheorie zu entledigen und die beiden anderen Referate bem KakeyLvoutz austzuliefen. Sie Gemeinde Wie« vnd das Arsenal. Die „Rathauskorrespondenz" teilt mit: Gegenüber Zeitungsmeldungen, nach denen die Gemeinde Wien beabsichtigt, das Arsenal zu übernehmen, >vird sestgestellt, daß kein wie immer gearteter diesbezüglicher Plan besteht. Es wiederspricht auch vollständig den Tatsachen, daß bereits eine Besichtigung des Arsenals durch Ingenieure der Gemeinde Wien erfolgt ist. Hedenigg auf freiem Faß. Der Generaldirektor der Deutschen Bodenbank Doktok Hedenigg, dem der Zusammenbruch der Bodeuban? zugeschrieben wird, wurde von der psychiatrischen Klinik Wagner-Jauregg entlassen und auf freien Fuß gesetzt. Im Finanzausschuß kam Abgeordneter Dr. E l l e n b o g e n auf die Enthaftung Hedeniggs zu sprechen, der durch seine Spekulationen eine Milliardenschuld auf Kosten seiner Bank angehäilft hat. Nach den neuesten Meldungen — sagte Dr. Ellenbogen — sei er aus Steinhvf undaus der Haft entlasseu tvordeu. Die Großdcutschen haben anläßlich der Debatte über die Haftpflicht der Bonkfunktionäre im Hause erklärt, daß sie alles tun werden, um die Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen. Wie es in Wqbrheit damit bestellt fei, zeige der Fall Hedenigg. * Sie Lage in der Metallindustrie. In der Metallindustrie ist die Situation imall gemeint utiverändert. Der Streik bei der Firma Graf u. Stift dauert fort. Der Metallarbeiterverband hat sich an den Wiener Jtldustriellenvecband wegen Einberufung eurer Verhandlung über die Lösung des Konfliktes gewendet. Die -Aussprache dürfte m der nächsten Woche stattfinderr.