Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1956 (26.7.1924)
- Date
- 1924-07-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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CeHe 8 Men, SamStag Wlcncr Morncnzcttung. ^■**»*- M. l3Sur, iss« 9!t. 1969 Londoyer zionistische Konferenz Sitzung des Aktionskomitees. (Eigendienst der „Wiener Morgenzettung".), jrger wie je. Dieser Zustand verschuldet es vor allem, atz alle Bestrebungen auf eine materielle Hebung des Standes scheitern. Es wäre falsch, geistige Arbeit solhen Kalibers höher zu werten. Diese Rektoren und Professoren, die Diener der frechsten Vergiftung der fugend, die Fackelträger der Dummheit verdienen kein nweres Schicksal, als daß sie so rasch als nur möglich som Schauplatz abtreten. Sie Inn es aber nicht und Minen sich der Freiheit der Wissenschaft, die sie meinen. ' ___ gaghlul Pascha besucht Frankreich. Alexandrien, 25. Juli. Ministerpräfident Zaghlul ß a s ch a ist nach Marseille abgereist. blutiger Kampf rwstchen Kommunisten und ötahlhelmlenten. Aus Berlin wird uns telegraphiert: Bei einem Schützenfest in B a r n e L e r g kam es zwischen K o m- NU nisten und Stahl heimle uten zu einem Streit, 'ei dem die.Landes-jäger der umliegenden Ortschaften chlietzlich eingreifen mußten. Bei dem sich daraus entoickelnden Ka-mpfe wurde ein Kommunist durch einen Schutz gelötet, einige Landjäger wurden vervundet. . __ Ser Wische Tenatsklub und die Budgetdebatte. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung") Warschau, 25. Juli. In der letzten Sitzung des Senates besprach bei der Behandlung des Budgets für das Außenministerium der jüdische Senator Szereszew'ski bie Tätigkeit des Amtzenmrniftervums und wies daraus hin, Satz eine-Außenpolitik nur dann wirksam geführt -werden Lmne, wenn auch in der inneren.Politik volle Harmonie jervfche. .Die Wichtigkeit der Minderheitsfragen werde noch immer ignoriert rmd ihre BehaM-u-irg zeige aus jedem schritt , von Unkenntnis 'ber politischen Bedingungen. Es ei notwendig, di« MinderheitsvAker als gleichberechtigte bürger zu behandeln. Femer verlangte er im Namen des Mischen Genatskbubs eine stäiBere Berücksichtigung der Bedeutung des Völkerbundes. die Koustttuierung des Radomer jüdische« . . Gemeiuderates annulliert. (Eögerchienst der ,Wiener Movgenzeitung".) . Würfchair, 26. iJM. llsbsr Veranlassung des. Ktarosten von Radom wurde die Konstituierung des i>orligm Nsugewählten Mischen Gemeinderates annulliert, da besten in. Mischer Sprache geführt wanden. Der- Vorsitzende des alten Gemeinderates nutzte chienmf eine mene Sitzung einbemfen und eine Nsu- * stxHl düst Vorstandes vornehmen.. Bei dieser. Sitzung wurde peyen die Bevordrm des Starosten eine Protestvesobutivn gefaßt, die dem.jüdischen Sejmklub und dem Ministerium übermittelt wurde. Nach. Zusammentritt de's Sejm wird der Jüdische Klub in dieser Angelegenheit den Innenminister interpellieren. » ZMnd. Au» dem Nationalrat. Am DiierÄtag den 29. d. um 3 Uhr nachmittags findet die nächste . Nationalra tssitzung statt, auf deren Tagesordnung zunächst nur das Haftpflichtgesetz ffir BankfunWonäre und die Gebührennovelle .stehen, die gestern vom Finanzausschuß beschlosten -wurdest. Das K l e i n r e n t n e r g e s e tz wird vor den Ferien nicht mehr zur Verhandlung gelangen, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß an seine Stelle e« Sperrgesetz für Hypotheken dom Sonder-- astsschutz dem NationaErat vorgelegt werden wird. Das Rätselraten, ob der 'Z o l l t a r i f noch im laufenden Sessionsabschnitt Gesetz werden wird, hat noch ntmver kein Ende, da auch die gestrige Parteisnbesprechrtwg;ü keinem Kompromiß führte. Bor- und nachmittags waren die Parteiführer versammelt. Die Agrarier zeigten stch in Mrge>n Punkten zu Zugeständnissen bereit, doch war die erzielte Annäherung zwischen den Forderungen der Opposition, welche auf der Zollfreiheit ' der Lebensmittel beiharrt, und der von der Gegenseite konzchlerten Ermäßigung einzelner Zoll- Po'; it io neu nicht bedeutend. Unter diesen Umständen eajschlotz man sich den Parteienklubs -das Resultat der gestrigen Beratung zur Beschlußfassung zu unterbreiten. Die Klubs werden sich am Dienstag versammeln. Der Schwerpunkt liegt nach wie vor bei den Sozialdemokraten. Pie Besoldungrrefokm und die Hochschullehrer. ik. 23. d. tagende Rektorenkorffereniz hat einmütig ihr leibhaftes Befremden davüber zum Ausdruck geibracht daß bei der 6ben verabschiedeten Besoldungsreform die Wünsche der. Hochschullehrer nicht nur völlig unberücksichtigt blieben, sondern daß sogar die bisherige soziale Stellung der Hochschullehrer in unglaublicher Weise dadurch herab ged rückt wurde, >daß gegenüber der bisherigen Einreihung in Rang und Gehalt eine völlige Degradation / um mehr als eine volle Rangsklasse eingetreten ist. Es wird den emgelnen Hochschulen in einer Denkschrift von den vergeblichen Schrittest ihrer Vertreter bei den Verhandlungen Kenntnis gegeben und ihnen Gelegenheit geboten -werden, im Herbst zu dieser Angelegenheit weitere Stellung zu nehmen. London, 24. Juli. Die Sitzung des. Aktionskomitees wurde Dienstag den 22. Juli, .11 Uhr vormittags, eröffnet, Anwesend tvaren von der Exekutive die Mitglieder: Weizmann, Sokolow, Co wen, Lipsky, SPrinzak, Pick. — Vom Finanz- und Wirtschaftsrat: Dr. H a l p e r n, Dr. Feiwel, KaPla.nsky, Z lato Polski. — Mitglieder des A. C.: Artosoroff, Blumenfelid, Bvudny, Cha j e S, Faribstein, Florentin, Fischer, GoVdbloont, Göttlich, GrtinbaiU'M, Han-tke, Jacobson, .Levitc, Löwiusohu, de Lieme,. Motzkin, Reich, Stricker, Struck,. Twersky, Ussischkin, Marburg, Dellin' — E r s a tz 'Mitglieder: Alemikoff, Hi-ndes, Federbusch, Rurok, Hermann, Weltsch, Goldmann. Präsident Dr. E h a je s eröffnet die Sitzung mit einer Gedenkrede auf Theodor H e r z l anläßlich des 20. Todestages des Führers. Sodann gedachte er der kürzlich verschiedenen Frau Rivka Sokolow und sprach dem Präsidenten der Exekutive, Herrn Sokolow. das herzliche Mitgefühl des A. C. aus. Als erster Punkt der Tagesordnung gelangte der Bericht der Exekutive über die politische Lage und das künftig« Arlbei tsprogr.amm der Exekutiv e, insbesondere im Hinblick auf die Er w e.i t erung der Je'wifh Agency, zur Bechandlüng. Dr. Weizmann gib: ■.'.nt Schilderung d«r politischen Lage, die er nach seiner Rückkehr aus Amerika vorgefunden hat und einen Bericht über die Unterredungen, die er mit Mitgliedern der Regierung, und mit hervurragenden Persönlichkeiten Ve8 englischen politischen Lebens gehabt hat. Er bezeichnet die gegenwärtige Lage als günstig, da.verschiedene Momente zu unseren. Gunsten gewirkt halben, vor allem unsere A rbeit in Pal ä st i u a selbst, die ihren Eindruck auf die öffentliche Meinung und auf alle eingeweihten Personen nicht verfehlt hat. Man ist heute überzeugt, daß es sich um eine ernste und reale Sache handelt, die vorwärts schreitet, und daß. die Juden entschlossen sind, das Mandat in Buchstaben und im Geist ernst zu nchmen Und zu verwirklichen. Auch in England hat man heute erkannt, daß Palästina für das Weltreich von großer Bedeutung. ist und wir finden immer wenigev öffentliche Angriffe auf die britische Palästina-Politik. Wir können erwarten, daß wir in der nächsten Zeit keine Störungen haben werden^ zumal auch die Regierung, wie sie bereits im Parlament eMnr'k'hät, ‘ ,; ' ' " ' an der Politik der nationalen Heimstätte festhalt. Allerdings wäre es falsch, nicht zu schon, daß auch die Men« wärtige politische Position von Gefcchren bedroht ist, niSbesondere von den verschiedenen antisemitischen Tendenzen und Fccktoren m der Welt, die uns in wechselnder Gestalt in den Weg treten und die wahrscheinlich noch aktiver werden werden, wenn unser Evfolg großer werten wird. Aber im ganzen ist die Konjunktur heute so, daß wir ein großes Stück vorwärts kommen können. Dazu gehört aber eine große Anstrengung unsererseits. Vor allem gehören dazu große Mittel. Dr. Meizmann schildert nunmehr die finanzielle Lage, inslbefondere die Resultate seiner Arbeit in Amerika. Er betoüt, daß es in Amerika potentiell genügend Geld gibt, mn Palästina auszubauen, es ist aber schwer" es heransznholen. Der Keren Hajessod war ein großer Erfolg, <cher er hat nur 10 bis 15 Prozent der jüdischen Bevölkerung Amerikas erreicht. Es ist zu Aweiseln, ob unter, den heutigen llinständen und mit den heutigen Kräften erheblich mehr erreicht Miden kann, vielleicht eine Steigerung um 5 Prozent jährlich, damit aber können wir nicht Schritt halten mit den wachsenden Bedürfnissen in Palästina. Daher steht das Problem so, daß wir neue Kraftgltellen erschließen müssen. Wir müssen konzentrische Kreise ziehen, um unsere Kraft moralisH, sozial und finanziell zu vergrößern. Dr. Weizmann schildert nun die Bemühungen zur Heranziehung der nichtzionistischen Juden in Amerika. Es handelt sich dort um drei Schichten: erstens die Oberschicht, die durch das American Jewish Committee repräsentiert wird, zweitens die Mittelschicht, die» ist den Friendlh Societies ovganisiert ist. und drittens, die gut organsierte jüd ische A rbeitersch ast. Die letzte Gruppe ist noch a m w e i t c st e n von uns entfernt, die ersten Mei Gruppen können für praktische Zwecke als eure Einheit betrachtet werden. Dr Weizntann berichtet über die Ae vebührennovelle. Der Finanzausschuß nähtst gestern die G e b ü h r e n- -u ovrl l e, d:e unter anderem auch eine Herabsetzung der Einsatz gebühren von Tvta lisate urri n d B u ch m a che r w e t t e n, eine Neuregelung der Gebühren für M il" und Pachtverträge, die Verlassenschaftsabgäben, der E. richtsgebi'chren und e'nu: Neufostsetzung der Fahrkarteiiuud Gepäcksbeförderungtza bgab e n enthält, an. Auch das Gesetz über Aeuderungen in der Einrichtung der Bundesfinanzvcrwaltung in den Ländern wurde zum Beschlüsse erhoben. Der Besuch Rincic' in Wien. Unrichtige Meldungen jugoslawischer Blätter. Einige jugoslawische Blätter bringen über die anläßlich des Besuches des jugoslawischen Außenministers Nincie in Wien stattgefundenen Befprechringen Mitteilungen, wonach unter anderem der österreichische Minister für Aettßcres, Dr. Grün b erg er, sich verpflichtet habe, die mnterielle Lage der slowenischen Lehrer und Beamten in! Konferenz vom 17. F e b r u a r *tt Rew-Vork und über die Arbeit >yer beiden Komitees für die Investment Corporation und Ieto ish Agen ev. Dr. Rüppich nit den er in herzlicher Kollegialität in Amerika zusammen-' gcartbcitet hat, vermochte die Entwicklung der " Investment Corporation so weit zu fördern, daß wir hoffen können, daß diese bereits in einigen Monaten in Palästina arbeiten wird. Das Komitee für die Jewish Agency hat erst am 2. Mai eine Sitzung abgchalten, in der die Vorschläge tot Zionistischen Organisation ab.ge lehnt .wurden, weil die Herren der Ansicht waren, daß kein U-ebergangsstadmm geschaffen werden soll, sondern eine definitive Form, bei der die Verantwortung der ganzen Körperschaft festgestellt wird. Demgemäß soll ein . Jewish Council auS 160 Mitgliedern gebildet werden, der zur Hälfte aus Zionisten, ^ur Hälfte auS Nichtzionistcn '.besteht. Die nichtzionistischen Mitglieder sind von den Judenschaften der einzelnen Länder zu wählen. Der Council wählt eine Exekutive aus 18 Mitgliedern, gleichfalls nach dom Prinzip 50:50 und diese Exekuiive schasst' sich ihre Organe in Palästina. Dr. Weizmann beifürwortet die Annahme dieses Planes und betont die großen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben würden. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß die Zionisten bei Intensivierung der Arbeit auch in Europa imstande sinv noch viel mehr zu leisten als bis jetzt Wir sind auf einem Punkt, wo wir ein Budget von etwa 400.000 Pfund Vorschlägen müsien. Unser Budget reicht für die künftigen Jahr? gerade dazu auS, die bestehenden Siedlungen zu festige n. Um äber eine größere Einw and er u n a u n d A n s'i ed l u n g durchznDhren, brauchen wir' zumindest das Doppelte..Wir müssen Vor allem von den Zionisten ganz andere Anstrengungen verlangen als bisher, crft dann werden wir auch von den Juden in Texas.oder, sonstwo größere Anstrengungen verlangen können. „Ich halte die - Verwirklichung des nationalen. Heims, wenigstens in i et ncn erft*n Umrissen, in unserer Generation für möglich. Dazu müssen wir ckber den Zustand der Stagnation überwinden. Ein . Markstein auf diesem Wege ist die Jewish Agency." ' Die Zionistische Organisation wird aus dieser Enttvicklnng gestärkt. hervorgchen. Sie wird zwar ihre Rechte aus dem Mandat mit anderen teilen; ober sie bleibt die treibende Kraft einer viel größeren Entwicklung und wird von den quälenden Lasten etwas erleichtert, um chrer «igerMichen Ausgabe dienen M können. Dr. Weidmann gibt sodann ein Bild dessen, war in Palästina m der nächsten Zeit geleistet werden muß, um wirklich weiter zu kommen, ES müssen Möglichkeiten neu.er la ndw irtscha f'tl.iche r Anjfiedlliunge n geschaffen werden, Bedingungen für die Entwicklung einer Jndustrie und das große kulturelle Werk, die U niv ersitä t. Dazu kst äber auch erforderlich, daß unser administrMver Apparat in Palästina reorganisiert und gestärLt wird. Dr. Weizmann schließt mit dem Mpell, das Mtionskomitee möge die Situation mit allem Ernst äbwägen uni den Weg gehen, der die Zionistische Sache wirklich vorwärts bringt.! Nach Dr WeiMann ergreift Sokolow das Wort. Er gedenkt zunächst Herzls, des Schöpfers litt* ferer Organisation, mit dem wir uns besonders stark verbunden Mlen in einem Moment, wo wie daran gehen, so wichtige Asnderungen in unserem zionistischen Werk durchzuführen. Er -dankt dem A. C. für daS Mitgoffchl anläßlich des schweren Verlustes, der ihn betroffen hat. Auf die politische Lage eingehend, schildevt der Redner mSbÄsondeve die große Blutung, die in der heutigen politischen Weltlage der Völkerbund hak, jene Körperschaft, mit der unsere A r b t: t i n P a -l 8st ist & in besonderer Weise verbunden ist. Daraus evacben sich auch für UNS Konsequenzen, denn wir dürfen den Dofferbund als wichtigen Faktor nie auS dem Auge verlieren. Im zweiten. Teil seiner Rede wendet sich der Redner gegen die Versuche, die von jüdischer Seite immer wieder gemacht wevden, UM auch in der Sufee*eit' Politik di« einheitl-iche Front zu durchbrochen. Diese bedauerlichen Erscheinungen verdienen mehr AüfmerGauckeit, als wir ihnen bisher zuyÄvendet hckben. Nach den beiden Rsferasen wurde die Generaldebatte eröffnet, in. der als erster Redner Doktor HaUtEe (Berlin) und nach chm Jean Fischer (Antwerpen) sprachen. Die Sitzung , wurde sodann unterbrochen. Kärnten zu bessern und in kürzester Frist die Minotitätenfrage inKärntenzu regeln. Me amtlich, gemeldet wird, dürfte es genügen, darau! hinzuweisen, daß die Materielle Stellung österreichischem Bundes- und Larldesangestellter slowenischer Sprache duröj die allgemeinen Gesetzesbestimmungen geregelt ist, daß hinsichtlich dieser niemals eine Sonberbehandlung Platz ge< griffen hat noch Platz greifen konnte und daß sich dies« österreichischen Bundesbeamien im Besitze der gleicher Rechte wie alle übrigen Angestellten befinden.. Was di< Slowenen in tarnten betrifft, so genießen sie in alle, rechtlichen, kulturellen und politischen Frästen die boll> Gleichberechtigung. Es ergibt sich daraus Von selbst, das diese Fragen nicht in bert Rahmen der obevwähn'ten Wienei Besprechungen sielen. Di« Anwesenheit'deS jugoslawischen Außenminister! in Wien hat Gelegenheit zu einer eingehenden poli tischen und wirtschaftlichen Aussprache geboten, in deren Versauf beiderseits das durchaus freund schaftliche Verhältnis zwischen der Republik Oesterreich un! Kötägreich der Serben, Kroaten und Slowenen fest gestellt werden konnte. >