Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1956 (26.7.1924)
- Date
- 1924-07-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981039--19836-3007015- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tiiat»nniuiiltEr t\TZUO Wiens Zum Abholen in der Expedition, II„Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleißteil« (Trafik! monatl, K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Ber„ Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Tsoheeh o-S I owa keit Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar 60. Polen: Mon. 3*/» Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark4, Franks Belgiens Mon. Frcs. 12 WU" N « oh t«h 1 u n s e n -W> bei Preinerhnhonoen vorbeheUe» Polen: 20 groszi England: Mon.4 Schilling Italien; Monstl^i 2‘-} :irb Romani e n Mph. 1501 ei| Bülgarieh Mop. W 1 ewa. S c h w ei z und'das,übrige, Ausland monatlich Freu. 4 Redaktion u, Admim^tratlon Wien, II., Taborstraße 1 —3 Telephone: 44-N-A6,43»3-19. ab 6 Uhr abd«, 2 lVt02,55-2«2 IX. Uni versitz tphtr. 6-^8' (Druckerei Stetnmann) Oesterreichiqche/i Postspar*, ka*sen-Konto Nr. m «t. 1956 Wien. Samstag, 26; FM 1924 L.Mrgüna Bor der Einladung ZenWands. Beschlußfassung in der Vollsitzung am Montag. — Kein Fortschritt in den AnieiHebemtungen. (Ergrndienst der „Wiener Morgenzeitung".) hat die französische Delegation die Verschiebung der für London, .25. Juli. Halbamtlich wird bskanntgegvben, daß die n ä ch st e Vollsitzung der Konferenz M o ntag um 4 Uhr stattfindet., Auf der Tagesordnung steht der Beschluß zur Einladung an Deutschland. Das bedeute jedoch, wie das Reutersche Bureau meldet, nicht, daß die notwendige Formel schon gefunden fei, sondern es erscheine für jeden Fall angezeigt, die bisher zustande gekommenen Vereinbarungen und die augenblickliche Lage ’it erörtern. Die französischen und d'.e englischen Juristen sind der Ansicht, daß es notwendig sei, die Deutschen einzuladen, um sie über gewisse Modalitäten der Durchführung des Dawes- P lau es anzuhören.. Demgemäß wibd die i*m Prinzip beschlossene Einladung offiziell nach \ Berlin übermittelt werden, sobald die Arbeiten der'Konferenz hinreichend fortgeschritten , stnd, um das Datum 'festzufitzen. Das, lüriistische.. KostüUe. wich^durch^^^ißWn^-'öes'fböllgifchen. Vertreters P ö u r q u i n, ' des - 'Italieners P i l o t t i und. des Amerikaners 'Frager ergänzt, werden.^Eine Frage, die in Schwebe bleibt, ist die' der Sich e rh,e„i.'t d e r O kk u pa ti o n 8 tr u ppe n. Der einsiimmig" vom ‘ Ausschuß für die Aufhebung der Pfänder vorgelegte Bericht stellt die Frage des Elfenbahnverkehrs wegen der diesbezüglichen Meinnngsverschicldenheit der Sachverständigen zurück. - Die fünf Delegationscheiss hielten heute eine kurte Sitzung ab. Da Clementel von London abwesend ist, —--— heute vorgesehenen Sitzung des ersten Ausschusses um der dritten Vollsitzung der Konferenz verlangt. Die nächste Sitzung der Delegationschefs und des ersten Ausschusses findet am Montag vormittags vor der Vollversammlung statt. Was die Dauer der. Konferenz betrifft, so besteht in offiziellen Kreisen starke Hoffnung, daß der schwer st eTeil 'der Arbeit in Montag über acht Tagen erledigt sein wird. Wenn Deutschland Vertreter, nach London entsendet, werden diese nicht imstande sein, viel früher als Donnerstag dort einzutreffen,, und es wird zweifellos nach ihrer Ankunft noch eine Woche notwendig sein, bevor es möglich ist, irgendein Abkommen zu erreichen. Die Zusammenkünfte mit den Bankiers : finden immer noch statt, aber es ift; unmöglich, irgend ■ einen Fortschritt feststelleu oder sagen zu können, 'welches ' Ergebnis.diese Besprechungen haben werden'..'Es ist nicht; w a h.r, soweit die ■ britilch em->Delegierten' m Frage kommen, daß - irgend eine Ve ta g^u.Dg,vd-e.r Mo-.n.s e- ■ i e n'z angeregt wurde. - i t '; ..'' ' iBHireife-:j Löndon, 25. Juli. Der Mnerikanr^-Htoatss-eki^tär :des Aenßern H.ugh'e ß/der mit den' amerikanischen Teles gierten -und anderen Mitgliedern der Konferenz in London'! Fühlung, genommen: .hatte, um sich genau über die Lage z-u informieren, reist nun-mehr von London ab und wird sich vorerst auf einen Landsitz und dann, nach Par i s begeben. Damit erscheint seine Tätigkeit in. den Fragen der Londoner Konferenz beendigt. . Neuerliche WMlfzenen im , Reichstag. Billigung der Außenpolitik der Regierung. (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeitung".') Berlin, 25. Juli. Der deutsche Reichstag war heute wieder Schauplatz erregter Skandalszenen. -Zur Behandlung kamen kleinere Gesetzesvorlagen, die,an sich kein besonderes Interesse hätten beanspruchen können. Trotzdem suchten und fanden die Störenfriede der äußersten Rechten und äußersten Linken Gelegenheit, um mehr oder weniger erhebliche'Zusammenstöße herbeizuführen. Den Reigen der Tumulte eröffnete der Mg.. Jakob (Nationalsozialist). Seine Angriffe galten dem sozialdemokratischen Mg. Lübring, dem er vorwarf, das deutsche Offizierskorps verleumdet zu haben, wobei er ihn „gemeiner Lügner", „Schwindler" usw. nannte, was ihm einen O r d n u n g s r u f des Präsidenten einbrachte. Als ein Antrag, auf Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen den in Haft befindlichen. Abg. Kriebel zur Erörterung gelangte, kam , es wiederum zu wenig erfreulichen Szenen zwischen Ratio-, nalsozialisten und Kommunisten. ., '' ' Es folgte darauf die Debatte über den Noteta t.. Zunächst ergriff der Reichsfinanzminister Luthe r.das Wort, worauf der Mg. Fvhrenbach im Namen, des Zentrums, der Demokraten und der deutschen. Volkspartei eine kurze Erklärung abgab, diel die' Außenpolitik der Reich sregierung billigte und der R e g e l u n g d e r R e p a r a t i o n sfrage auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens zustimmte. Sodann hielt der Reichskanzler T>oktor Marx eine kurze Ansprache, in der er es zunächst ablehnte, eine nochmalige eingehende. Darlegung der Außenpolitik der Reichsregierung angesichts der nochungeklärten Weiterentwicklung der Londoner Konferenz abzugeben. Er verwies auf'die bereits gegebenen Ausführungen im auswärtigen'Ausschuß und stellte dabei fest, daß die Haltung der Reichsregierung nach wie vor unverändert wäre. An Erfolg Mar Donald« im Unterhaus. (Eigenvunst. der ..Wiener Morgcnzeitung".) London, 25. Juli. Der Antrader konservativen Partei, die Vorlage betreffend den Bau von Arbeiterwohnungen pt verwerfen, wurde mit 226 gegen 131 Stimmen zurückgewiesen. Tie Vorlage wurde sodann unter dem Beifall der Arbeiterparteiler in dritter Lesung angenommen. §a« neue griechische Kabinett. Athen, '25. Juli. (Agenoe d'Whenes.) Das neue Kabinett ist endgültig gebildet. Den Vorsitz und 'i-nterimistisch -da's Mari-mportefeurNe übernimmt Sofulis, dos Portefeuille des Aeußern Nussos. Krieg. — Katechkis, Inneres — General Pierrako Mavromichalis. Finanzen — Tsudews, Verlichrswesen — Bot'akis, Ackerbau und ‘ interimistisch Justiz — Mhlonas, soziale Fürsorge — Orfanidis, Unterricht — Velianitis, Polizeiwesen — Protosynegelos. Das Kabinett umfaßt die Vertreter aller Parteien, die gegen das Ministerium Papa na stasin gestimmt Haben. Es wird sich am 28. d. der Ka-mmer vorstellen und nach einer kurzen Session ihre Vertagung verlangen. BelasernnarzustanÄ in RnrnSnien. ' (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung^ Bukarest, 55. Juli. Die rumänische Regierung.hat den B e l a g e r u n g s z u st and in allen Gebieten verhängt, wo er im, April d. I. herrschte, Heute hat der Kom'mandant der zweiten Armee in Bukarest im Verördnungswege alle össentlichen Versammlungen verboten, deren Zweck es ist, gesetzliche oder staatliche Einrichtungen anzugrcifen. Fn Polen Getreide ralisrei. (aigendicnst der '„Wiener Morgenzeikung".) Warschau, 25. Juli. Der neue Zeelltarif, der in der.vorigen Woche in Kraft getreten ist, setzt für die Tarifpost 1: Getreide in Körnern, Korn, Gerste, Hafer, Weizen, Mais, Heidekorn, Hirse' sowie- Hülsenfrüchte^ (Crbseit, Linsen, Wicken, Fisolen, Bohnen, Lupinen), die Zollfreihert stst. Zer ttanke Geist.; —y, W i. t n. M.' Juli. ' Die. Völkerbundkommission zur Orgamfiernng der Intelligenz hat sich in Genf zur Fortführung zihrev Ar-: beiten versammelt. Ihre Aufgabe ist nicht etwa^ wie^. man nach dem Titel annehmen sollte, die 'Gründung einer über alle Staaten sich erstreckenden'Vereinigung der Intellektuellen vorzubereiten. Dieser Gedanke, den schön vor dem Krieg ein österreichischer Offizier', her inzwischen verstorbene Major Hueber, aüssprach und an den er fruchtlos Zeit und Geld verschwendete, üfi heute naturgemäß von einer Realisierung weiter denn je' entfernt. .Die Gelehrten, die vom Völkerbund, derufen -wurden, sollen gewisse technische Vorbedingungen für: eine höhere Wertung geistiger Arbeit' schaffen,, sozu- sagen einen Minimaltarif der Feder ausarbeiten.. Es ist eine an sich recht bescheiden anmutende Ausgabe die aber in dieser von der Magenfrage so stark beherrschten Zeit ihre Lösung ebenso dringlich fordert, / ipje jedes: Verlangen arbeitender Menschen. Immerhin liegt.in der Tatsache, daß es eine überstaatliche Komntission die'er , Art gibt, daß Gehirnmenschen den Haß durch gerneinsame Arbeit überwinden, eine sehr bedeutsame Er-.. rungenschaft des Völkerbundes. Der Bestand dieser Körperschaft ist. sä'on ein ResMat .von nicht zu. unter-- schätzendem-Gewicht, ' . , V Die Intellektuellen neigen im allgemeinen wenig zum Prinzip der Organisation. Zu tief sind/die nationalen. chie.- .politischen. ldnterschiede-, zu fiarf.,M.Hech^ > -müügen,>die stich Gerödestn den Kreisen, die berufsmäßig Äe -JnterfiaWs,. 'nMM.'.'zu pflegen und die MaMcheN'' Grenzlinien a'nszüschalten.hättM,' ^heppfcht He'.MqH i ^, der chanvimstischen. Phrase, des 'NgtrpnÄitzmü^ MB'/fast.' ausschließlicher.Geltung. Immer und' immer' Weder, . künden es'die geistigen Arbeiter, daß die: Wissenschast,. die Lehre wie die Forschung vorurteilslos ünd-sunbefangen'über den Schranken der Politik stehe, und' daß sie den Niederungen des gemeinen Alltags, fernist. . Mer düs ist nur ein Lippenbekenntnis, das.vielleicht/, einmal innere Wahrheit hatte, als' sich die Forschung von den Fesseln des Klerikalismus befreite, als im deutschen Sprachgebiet Reuchlin und Hutten, in Frankreich Rousseau und Voltaire lehrten, als Lessing und . Klopstack ihrem.Tranm von der Gelehrtenrepublik nach- . hingen. Niemals seither war die Wissenschaft frei und es gibt tausend boshafte Worte der mit dem-Menschenmord beschäftigten „Großen", die der Feigheit der-Die-- ner der Forschung und damit der Forschung selbst gel-; tcn. Alle Feldherren wußten es so einzurichten, dqß',die . Ergebnisse der geistigen Arbeit zuerst ihrem Beruß zuflossen. Das traurigste Bild, aber zeigte sich -in dem großen Weltkrieg, dessen zebnjähriges/Geburtsjubiläum; die Menschheit eben feiert. Was die Gelehrten ersonnen > hatten, gaben sie, wie die schöne Formel lautete, freu-, dig und bedenkenlos dem Vaterland, das heißt,/: dem , Schlachtenmoloch.- Die Hochschullehrer gingen voran, die. akademischen Bonzen, die zu Lakaien des losgelasse-' nen Patriotismus wurden, und sich in ihre Rolle umso leichter, schicken konnten, weil sie zeitlebens nichts ^anderes .als byzantinische Beamte der staatlichen: Lvhrplantagen geivesen waren. Kein Slaat bildete eine Äus-: nähme und die Lehrer, die sich der Blutsuggestion,.sernhalten konnten, sind an den Fingern herzuzählen. , ... Freilich gibt es einen MilderungsgrUnd, dereben in dem Rausch der großen Zeit, in der von den Staaten, mit frecher Stirn erlogenen Gefahr des. Heimötlandes lag. Wo alles verrückt und feig war, wurdest'es auch die Wissenschaft, die Hochschulen-, die Profesioren, - die Diener der Humanität, des Rechtes, der. -völkerbefreienden und völkerverbindenden Philosophie. /Aber diese Bedingungen sind doch heute nicht mehr vorhanden.- Wenn jemals, hätte heute die., geistige Arbeit, die Mission, den Gedanken des Friedens,'der Zivilissttiön tief in die dürstenden Seelen zu senken. Dies geschieht nicht und' man kann es insbesondere' in Mitteleuropa merken, wie die Seuche des Hasses sich an den, Hochschulen - festgesetzt hat, - so fest, daß sie.durch keine-Erwägung der Vernunft und der Würde gefaßt werden kann. Die, Führung liegt in deutschen Händen. Bon den deutschen Hochschulen geht der Geist der Verhetzung und der Rache. aus, an diesen Stätten der Bildung ckvird vor allem der dümmste Antisemitismus gepredigt..'und dort herrscht die Reaktion, die Borniertheit der.Küste V