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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-25 · Heft 1955 (25.7.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1955 (25.7.1924)
Date
1924-07-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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J ^rettag Mlener MyrzaenzelLuirü. Ne Ärzte gegen die Wiversitöt. Ser Fall Hochenrgg. ' Wie schon gestern von uns mitgeterlt, hat der Ausschuß , öer wirtschaftlichen Organisation der Aerzte Wiens in einer ad hoc emberufenen Sitzung .zu der Angelegenheit Hochenegg Stellung genommen unfolgende Entschließung gefaßt: „Die wirtschaftliche Organisation der Aerzte Kiens schließt sich . dem vermteilenden Erkenntnis des Ehrenrates der Wiener Aerztekammer ' gegen Professor Hochenegg vollinhaltlich an. Daran kann sie weder die aus formal juristischen Gründen er- > folgte Aufhebung des Erkenntnisses durch die Wiener ^Landesregierung hindern noch der Umstand, daß der akademische Senat auf Grund ihm angeblich vorgelegten Materials . sich nicht bestimmt gefunden -hat, gegen den genannte!: Professor disziplinär vorzugehen. Für diese Stellungnahme sind folgende Gründe maßgebend: Professor Hochenegg hat, ohne vorher zum Zwecke der Abstellung der von ihm behaupteten Mißstände sich mit den zuständigen Stellen, Aerztekammer und Aerzteorgamsation, in Verbindung zu setzen, sofort den Weg in die Oeffentlichkeit genommen. Er hat, von der auch für ihn zuständigen Aerztekammer aufgefordert, das Material für seine Behauptungen beizubringendies verweigert und dadurch einerseits der Kammer die Möglichkeit des Einschreitens gegen die stände s widrig arbeitenden Aerzte genommen, andererseits den Beschuldigten die Möglichkeit zur Rechtfertiglnig und Aufklärung gerauht. Seine Vorwürfe treffen daher den ganzen Aerztefland und wiegen um so schwerer, als sie durch den Vorwurf des Eommererfrischurige«. Die „Hundstage", die zufolge einer alten Bauernregel eben jetzt ihren Anfang nehmen, haben mit. einer in diesem Jahre sonst nicht'gewohnten Pünktlichkeit eingesetzt. Das Thenia „Sommerfrische" ist in wellen Kreisen in diesem Jahre bei weitem nicht so aktuell wie das der „Sommererfrischungen", denn auch die schönste. Schilderung der Badefttübvr eines anderen kühlt weniger ab als ein selbstgegessenes Himbeereis. Es ist ein weitverhreiteter Jxrtum, daß man sich durch das Trinken gro^ ^Mgen kalken Wassers Abkühlung verschaffen nNd den Durst löschen könne. Im Gegenteil, die Mehrarbeit für das Herz, das die gesamte Flüssigceitsmenge durch das Gefäßsystem - pumpen muß, bedingt die Verbrennung von größeren Mengen Nahrungsmitteln und damit eine Erhöhung der Körpertemperatur. Zu den bevorzugten Erfrischungsgetränken zählt seit' altersher die Limonade, entweder mit gewöhnlichem oder Sodawasser zubeceiüit. Daneben erfreut sich das „Soda mit tzimbeer" namentlich in der Damenwelt unverminderter Beliebtheit; hingegen wird das „Kracherl" (welch entsetzliche Mischung wurde doch im Kriege unter diesem Namen vertrieben) sich wohl nur weniger Anhänger rühmen können. Vermerkt, sei hier, haß sich unter den m fester Zeit neu auf den Markt gebrachten kohlensäurehältigen Erfrischungsgetränken eines befindet, . das mit seinem säuerlichen Geschmack auch einen verwöhnten Gaumen befriedigen kann. Auch die Brausepulver, hie es auf Touren leicht gestatten, ein erfrischendes Getränk zu bereiten, erfreuen sich nicht der Verbrellung, die ihnen zukommen sollte. Ein solches Getränk wird aus einen: Ausflug immer besser am Platze sein als ein alkoholhältiges, dessen ermüdende Wirkung sich sehr bald bemerkbar macht. Biel zu wenig bekannt ist auch die durstlöschende Wirkung zedör rter Pflaumen, die ein erfahrener Tourist nie in seinem. Proviant wird vermissen wollen. Schließlich sei noch der Phosp horsäure-„Limonade" Erwähnung getan, ..die im deutschen Heere ausproüiert wurde und sich vollkommen bewährte. Es zeigte sich, daß eilt mit einigen Tropfen Phosphorsäure und Zucker hergestelltes Getränk auch in geringen Mengen, besser durstlöschend wirkt als zewöhnliches Wasser. Das heurige Jahr hat nach der langen Kriegsunterdrechnng wieder die Figur des „Gefrorenesmannes" in Operierens ans gewinnsüchtiger Absicht bei laxer Jndikationsstellung den Vorwurf geradezu verbrecherischer Handlungsweise beinhalten. Die von ihn: dadurch sowohl dem Publik:::::, dem er das Vertrauen zum Arzt nahm, als den wirtschaftlich schwer ringenden Aerzten zugefügten Schäden rechtfertigen vollauf seine Verurteilung. Die AushebunH des Urteils durch die Landesregierung erfolgte ausschließlich aus formalen Gründen und bedeutet keineswegs eine amtliche Bestätigung der Behauptungen Hocheneggs. Dem Beschlich der Disziplinarlammer des akademischen Senates, gegen Hochenegg nicht einzüschreiten, well er durch vorge- -logtes Material die Berechtigung zu seiner öffentlichen KÄtik nachgewiesen habe, kann die wirtschaftliche Organisation der Aerzte Wiens insolange eine Bed/utung n: ch t z:: e r k e n n e n, als das Material nicht der zuständigen Behörde, wie immer verlangt worden ist, zur Verfügung gestellt wird. Die anscheinend offiziöse Nachricht,-daß das Professorenkolleginm >der medizinischen Fakultät die von Hochenegg berührten Standessragen und andere einer selbständigen Regelung unterziehen wolleveranlaßt die wirtschaftliche Organisation der Aerzte Wiens schon heute, auf das Nachdrücklichste zu erklären, daß sie wie immer im Einvernehmen mit der Aerztekammer die bezüglichen, seit langer Zeit betriebenen und ziemlich weit vorgeschrittenen Arbeiten zur Regelung aller einschlägigen Fragen in wenigen Monaten'zum Avschkiß gebracht ha'ben wird und dann i» einer öffentlichen Versammlung der Aerzte Wiens das Resultat -zur Beruhigung des Publikums ebenso deutlich zum Ausdruck bringen wird, wie die einmütige Verurteilung des Vorgehens Professor Hoheneggs. das Wiener Straßenteben gestellt. Er ist das sommerliche Gegenstück zum Maronibrater, zieht, mit seiner Gloäe bimmelnd durch die Straßen und scheut sich, nicht, selbst an der Sirkecke stehen zu bleiben, wenn sich dort der Zeittmgsverkänfer heisergeschrien hat yder der. Schuhputzer plötzlich „gesrorneshrukgrig" geworden ist. Besonders geschäftstüchtige Verkäufer pflanzten sich iit den Schulen ans unb fanden reißender: Absatz für ihre Ware, sei es in den Pausen oder nach Unterrichtsschluß. Daneben wdht einen: alle paar Schritte ans irgeuo einem obskuren Laden eine rotweiße Fahne ins Gesicht, die in Wen seit altecsher als das Zeichen dafür gilt, daß hier „garantiert echtes Natureis" „auch über dis Gasse" verkauft wird. Wie noch erinnerlich, Haber: die Zuckerbäcker erst vor kurzen: eine energische Agitation gegen die Gesrorn^smänner geführt, ohne daß es ihnen aber gelrrngen wäre, die bunter: Wägelchen, die mit der: feinsten Wiener oder orientalischen Spezialitäten , gefüllt sind, aus dem Felde zu schlagen. Auch die O b st st a n d e l u, die an fast jeder Ecke zu sinder: sind, machen ihr Geschäft, das aber durch die hoher: Preise stack vermindert wird. Hingegen können sich die Männer und ebenso,die zahllosen Greislec, die frische Salzgurken um nur tausend oder zwölfhundert Kronen das Stück anbieten, namentlich ir: den Mittagsstunde:: und abends nach Geschäftsschluß nicht über mangelnder: Absatz beklagen. Der ehernals so beliebte Jausenkasfee hat einen gefährlicher: Konkurrenten in der sauren Milch und namentlich in der Doghu rthmilch gefunden, die mit vollem Rechte in Professor Metschnikoff vom Pariser Pasteurinstitut einen beredten Fürsprecher fand. Die im Deutschen Reiche so beliebte Spezialität Saure M i lch mit Himbeersaft bedeutet für uns noch eine vollkommene Neuheit. Wir warnen Neugierige. R> D. Sie Verteuerung des Brotprriser. Ungünstige Ernteaussichten. Für diese Woche ist, wie gemeldet, eine Erhöhung der Brotpreise um 100 K. beim Laib Brot bestimmt worden. Diese Steigerung ist gänzlich ungerechtfertigt, da die letzte Erhöhung der Mehlpreise hierbei noch nicht berücksichtigt ist. In der nächsten oder übernächsten Woche haben wir bereits mit dein aus Grund der erhöhten Mehlpreise gestiegenen Brotpreis von 7500 K. für den Laib Brot zu rechnen. Diese Steigerungen S6. Juki 1 m Nr. 1955 Reiseand Sommeraufenthall DAS SCHÖNSTE AN DER ADRIA tnn#oi.“ “ - unmittelbar am Meerufer gelegen, herrliches Baden, sandig, 400 Meter langer Strand, modernes Hotel mit 200 Zimmern Ausgezeichnete Kilche, eigene Eisfabrikation Konzerte 1/ Bar // Verschiedene Unterhaltungen // Sport Verpflegung I. Kl. 65 Dinar täglich Zimmer von 30 Dinar aufwärts KURORT Gleichenberg HOTEL MAILAND best empfohlenes Haus ersten Ranges, in schönster, zentralster Lage / Pension / Vorzügl. 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Ernteaussichten..werden allerdings als nicht ungünstig bezeichnet, doch, da unser Land auf die Einfuhr angwie.sen ist, kann die geringe Ernte Oesterreichs nicht von besonderer Bedeutung sein. Auch aus der Ukraine werden heuer infolge verminderter Ernteaussichten geringe Getreidemengen eingeführt werden. Die Tschecho-Slowakei wi.rd einen Teil ihres Bedarfes in Ungarn decken und Rumänien Hot eine Erhöhung des Ausfuhr? zottes elngeDhrt. In Rußland scheinen die Erntesargen besonders groß zu sein. Die mehrwöchige über Südrußland brütende Hitzewelle, die stellenweise bis zu 41 Grad Reaumur anst-ieg, hat die durch die Agrarrevolution, den Mangel an geeignetem Saatgetreide und das Fehlen der notwendigen landwirtschaftlichen Betriebsmittel ohnehin dauernd verminderten- Ernteaussichten in den Kornkammern der Gebiete des. Kuban und der Wolga sowie,vm- Kaukasus und der Ukraine derart verschlechtert, daß selbst o'.e Sowjetpresse eine Mißernte zugibt, wobei sie sich mit der Schilderung, der vorbeugenden Maßnahmen gegen eine dr"-. hende Hungersnot begnügt. --—-AN UNSERE P. T. ABONNENTEN!-—-- Am 1 August 1924 beginnt ein neues Abonnement auf die «Wiener Morgenzeitung». Wir ersuchen, die Bezugsgebühren rechtzeitig einzuzahlen, damit die Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleide. BezugsgebUhren ab 1. August 1924 s ABONNEMENT Monatlich ÄS für Wien und Oesterreich (zum Abholen in (bei Vorausbezahlung) einer Verschleisstelle oder durch die Post) K 40.000 480.000 Tschecho-Slowakei.. . tschech. K 18 216 Polen. Zloty 3.50 42 Jugoslawien. Dinar 60 720 Deutschland. Qoldmark 4 48 Rumänien. Lei 150 1800 Holland .. holl. Gulden 1.50 18 Italien .. Lire 12 144 Bulgarien... . . Lewa 80 960 Schweiz. schw. Fr. 4 48 Frankreich ..frättz. Fr. 12 144 Belgien ..belg Fr. 12 144 England*. ..Schilling 4 48 Amerika ...... Dollar 1; 12 VERSCHLEISS PREISE für Wien und Oesterreich ab Sonntag den 27. Juli 1924s Wochentagsnümrner.K 1400 (auch an Montagen) Sonntagsausgabe . ....... K 1800 WH- Ftir Versendung des «Graetz» sind K 25000 (bezw. deren Kurswert) an Versandgebühren zu zahlen ~EM0 ZAHLSTELLEN! Oesterrelchisches Postsparkassenkönto 150;693 Tsch e ch osl owak i sch e s Postsparkassenkohto (Prag) 59,531 Polnisches Postsparkassenkonto (Warschau) 190.227 Deutsches Postscheckkonto (Berlin W 7 108.722 Rumänien und B-u k o w i n a i Ostbank A. G. in Cernauti und deren Filialen Schweiz: Schweizer Volksbank in St. Gallen Jugoslawien: Postspatkassenkönto (Zagreb) 40.085 Italien: Societa di Credito Commerciale Trieste Via Mazzini 80... Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung", Wien, 11. Taborsträsse \—3, Telephone 44.038, 43.319

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