Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1954 (24.7.1924)
- Date
- 1924-07-24
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1951 Wien, Donnerstag vereine. Bortrllge und Versammlungen. Ing en d gr Up p e d er z to ui st t.s ch en S e U ktönZ w i s ch e« b r ü ck t tt. Heute, 7 Uhr abenbs,im. CäfL Park, 20. Bez., Allerhetligenplätz 2, erste, Generalversammlung. Sämtliche Jugendliche ZÄischenvruckenS werden ersucht, bestimmt zu erscheinen. Referat: Herr Mensch er, Obmann der Kulturgruppe XX. Nachher UnterhaltttügSabenb. Kollegen die dem Sp> Cl. Rejim angehört haben, wollen bestimmt erscheinen. Bädevaktion des Keren UJsrael (Jüdischer Nationalfonds.) Die Kurgäste Gleichenbergs veranstalten Donnerstag den 24. d. um 7 Uhr abends im Restaurant Barschak, Villa Theresienhof eine Herzl-Feier, bei der der Film „Eine Reise durch Erez Israel im Jahre'1929* vorgeführt werden wird. Eintrittskarten erhältlich an der Menbkassm Helfet den Mische« Kriegslnvaliden! Mx. erhalten nachstehende Zuschrift: Die Folgen des Krieges lasten am schwersten auf den jüdischen Kriegsopfern. Hilflos, dem Elend preisgegeben, wären sie kläglich zugrunde gegangen, wenn sie nicht der Verband der jüdischen Kriegsinvalrden bisher vor dem Aeußersten bewahrt hätte. Aber seine Mittel sind erschöpft und die jüdischen Kriegsopfer wären dem nackten Hunger ausgeliefert, wenn ihr, jüdische Mitbürger, nicht helfet. Aber kein Almosenverlangen die Unglücklichen, sie bitten nur um Unterstützung der vom Verbände zu ihren Gunsten veranstalteten Effekten lotterte, durch Ankauf von Losen. Jedes Los, das nur 5000 K. kostet, sichert einem der Unglücklichen eine w a r m e M a h l z e i t. Die stets hilfsbereiten jüdischen Mitbürger haben bisher gerade diese Hilfslosen Armen vergessen, deshalb mußte die Ziehung der Lotterie auf den 16. September verschoben werden. In letzter Stunde ergeht der Appell der Invaliden, Witwen und Waisen an das jüdische Herz: Helfet und rettet uns! Lose sind in allen Trafiken sowie bei der Verwaltung, 2. Bez., Obere Donaustraße 66, erhältlich. Der Gesamtwert der Treffer beträgt 300 Millionen. Mhne und Kunst. Frank Wedüind. Heute wäre ein großer Dichter 60 Jahre alt geworden, /denn nicht ein ununterbrochener Kampf der Außenwelt gegen sein unermeßlich reiches künstlerisches Werk die Lebenskraft dieses tapferen Eroberers altzu früh geknickt hätte. In ein Neuland.ist Frank W e d e k i n d vorgestoßen, dessen ganze Größe aufzuschließen, eine gewaltige Reihe von dramatischen Wiener Morgenzeitung. RESTAURANT ^2 S. RILLET VORZÜGLICHE POLNISCHE KÜCHE Wien, II. Hammer- Purgstallgasse ■■ 4 BPAUid-LIMONATX. nud epischen Schöpfungen notwendig war: in das Reich des unabänderlichen weiblichen E^os. Wenn in der „Luln" die Amoralität des Weibes jene endgültige künstlerische Formung gefunden hat, die diese Schöpfung ebenbürtig neiben die Gestaltung des Don Inan- und Faust-Problems rückt, so sind auch alle übrigen Werke Abwandlungen des einen Themas, daß das Fleisch seinen eigenen Geist hat. Im Zeitalter des dichterischen Realismus hat das die menschliche Erscheinungsform in chren Urgründen ausschließende Werk kaum Widerhall finden können. Erst als die durch den Krieg unterdrückte Lebenskraft' mit der Stärke eines vulkanischen Ausbruches an die Oberfläche sich ergoß, da erinnerte man sich des Dichters, der das Leben selbst in seinen Untiefen bejaht hatte, und warb auf allen Bühnen um die Bereicherung durch die dramatische Fülle seiner Gestalten. In dieser Stunde sei aber auch des Menschen nicht vergessen, der im Zeitalter des niedrigsten Servilismus auf allen öffentlichen Gebieten mutig gegen den Absolutismus und den Bureaukratismus, der sich selbst die Herrschaft über die ganze Kunstpflege anmaßte, kämpfte und im Zeitalter nationaler Engherzigkeit die Fahne wahren Europäerimns erhob. verschollen und vergessen.... Der geachtete Maurus Jokai. Aus Budapest wird uns berichtet: Am 18. Juli waren es 99 Jahre geworden, daß der ungarische Dichter Maurus Jokai geboren wurde, und am 16. Mal waren 20 Jahre verflossen, - seit dieser einst vergötterte Romancier Ungarns in der ____24. Juli 1924 __ Seite 7 bescheidenen Wohnung einer Zins'kaserne gestorben ist. Im nächsten Jahre also soll Ungarn sein Jokai-Centenarium feiern. Aber bis heute, obgleich schon 20 Jcchr-e seit seinem Tode verstrichen sind, bezeichnet noch immer kein Grabmal die letzte Ruhestätte Maurus Jokais. Der Dichter des in alle Weltsprachen übertragenen „Gdldmensch" und zahlloser anderer Romane und Novellen, der dem modernen Ungarn nicht nur den Roman, sondern auch die Literatursprache geschaffen hat, ist in seinem Vaterland geächtet, und gäbe es heute in Ungarn keine Juden, so wäre Jokai schon längst in Ungarn vergessen und verschollen. Auch jetzt ist es wieder ein Jude, der die Ehre Ungarns und das Andenken des Dichters rettet. Es ist der Besitzer jenes Hauses, in welchem Jokai vor 20 Jahren seine Augen für immer schloß. Leo Berger, der die Initiative zu einer Aktion ergriff, um das Grab Jokais mit einem würdigen Denkmal zu bezeichnen. Berger brachte auch an dem Steckehaus eine Gedenktafel an. Ueber Betreiben Bergers hat sich ein Komitee zur Ehrung des Andenkens Jokais gebildet und Berger selbst hat die zu diesem Zwecke eingeleitete Sammlung mit einer Spende von 6 Millionen Kronen eröffnet. Der magyarische Undank gegen den größten Profadichter, den Ungarn aufzuweisen hatte, wird verständlich, wenn man weiß, wie schwer sich Jokai vergangen hat gegen den Geist, der in Ungarn schon zchn Jahre vor dem Kriege in Wirklichkeit geherrscht hat und während des Krieges nnd nach dem Zusammenbruch zum StaatSdogma erhoben wurde. Jokai war selbst Protestant, dabei aber ein überzeugter Judenfreund. Bekannt ist seine Erzählung „Wie ich Philosemit wurde". Ebenso bekannt ist seine mannhafte Stellungnahme für die Rechte des Judentums seit 1846, so oft diese bedroht wurden. Das größte Verbrechen a!ber hat Jokai begangen, als er nach dem Tode seiner ersten Gattin die jüdische Schauspielerin Bella Groß zur Frau nahm und daraus bestand, daß sie Jüdin bleibe. Damit hat sich Jokai schon in den letzten Jahren seines Lebens die Gunst der Aristokraten und der gesamten klerikalen Reaktion verscherzt, deshalb ist das Grab Jokais bis auf den heutigen Tag. wie die Grabstätte eines unbekannten, zugewanderten Fremdlings ünbezeichnet geblieben, und deshalb hat es besonders in den letzten Jahren der Herrschaft der Erwachenden Ungarn niemand gewagt, das Andenken Jokais zu ehren, bis der Jude Leo Berg er kam und die ungarische Nation an ihre elementarste Schuld gegen ihren Nationaldichter mahnte. Aus den Theater«. V o l k 8 o p e r. Heute „Madame Butterfly* Morgen „Cavalleria ruatiea na" — a ja z z o"' An unsere P. T. Abonnenten! Am 1. August 1 924 beginnt ein neues Abonnement auf die „Wiener Morgenzeitung“. Wir ersuchen, die Bezugsgebühren rechtzeitig einzuzahlen, damit die Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Bezugsgeb iilireu ab 1. August 1924: Monatlich Abonnement für Wien und Orsterrelcli (zum Abholen in einer Vers Leissteile oder jrch die Post) IC 40.000 Tschechoslowakei ..«... tschech. K 18 Polen .. Zloty 8 50 Jugoslawien .. Dinar 60 Deutschland.. , . ..Goldmark 4 Rumänien .. Lei 150 Holland . ... ..holl. Gulden 150 Italien . Lire 12 Bulgarien .. Lewa 80 Schweiz . schw. Fr. 4 Frankreich . .. franz. Fr. 12 Belgien ..belg. Fr. 12 England .. Schilling 4 Amerika. Dollar 1 Jahresabonnement mit Qraetz-Prämie (bei Vorausbezahlung) 480.000 216 42 720 48 1.800 18 144 0 0 48 144 144 48 12 Verscbleisspreise für Wien und Oesterreich ab Sonntag den 27. Juli 1924: Wochentagsnummer, auch an Montagen ........ . K 140v Sonntagsausgabe.... . . K 1800 J! 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