Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1954 (24.7.1924)
- Date
- 1924-07-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 v > ^>- -■ > - " "XT Nr. 1954 Wien, Donnerstag Wiener: Morgenzeitung. 24. Juli 1924 Seite L Mn neuer Buch Mttis. Aus Rom wird gemeldet: Das neue Buch Nittis „Die T r a g ö d i e E u r op a s" wird in den nächsten Tagen erscheinen. v Re RakÄikaveke in Worms. Zu ihrem 390jährigen Bestand. David Oppenheim hat im Jahre 1624 seiner Heimatgemeinde Worms die Raschikapelle gestiftet. Es ist ein schlichter, an die alte Synagoge angelehnter kleiner Bau aus rotem Sandstein, von kaum 20 Quadratmeter Gesamtfläche. Seine Decke kann ein Mann mit der Hand erreichen. Um die Seiten ziehen sich mit gehobelten Brettern überzogene aufgemauerte Sitzgelegenheiten, die an der zugespitzten Stirnseite , an einem erhöhten steinernen Sessel münden, auf dem der Lehrer thronte. Der Sessel.scheint.nach dem gemeißelten Vorderteil der Wände viel älter als die Kapelle und von einer anderen Stelle verpflanzt zu sein. Oder aber, die alte Kapelle war baufällig, wurde abgebrochen und von Oppenheim erneuert, und der Steinsitz — der „Raschistuhl" — wurde in sie übernommen. Diese an und für sich geringfügige Sache wird nur deshalb besonders erörtert, um an ihr zu zeigen, wie echte Deutsche unsere Juden sind. Es entstand nämlich eine „querelle allemande" unter zwei jüdischen Gelehrten von Ruf, ob Rasch! in einer Kapelle an diesem Platze sich schon aufhielt und lehrte oder in einem anderen, 20 Meter davon -befindlichen Gebäude. ■ * Wer Rafchi, auf den die Juden stolz sein können, war, wissen nicht einmal alle mchr, die die Bibel im Urtext lesen können, und noch weniger die, so dazu außerstande sind. Weshalb sollten sie auch in bezug auf ihre Herren mchr wissen als jene Rekruten, die einige Jahre nach Bismarcks Tode in der Jnstruktionsstunde nach ihm gefragt wurden, und von denen nur der allerkleinste Teil vom Reichseiniger einen schwachen Dunst hatte. „Rafchi" ist in bezug auf Namensbildung der Urahne der „Hapag", eine Zufammenzichung der ersten Buchstaben von Rabbi Schlomo ben Jzchak. Er war in Trotzes in Frankreich 1040 geboren, beschäftigte sich früh mit der jüdischen Wissenschaft, besuchte, als er, 20 Jahre alt war, die damals berühmten jüdischen Lehrstätten in Worms und Mainz, begab sich dann nach seiner Heimat zurück, wo er ehrenamtlich Lehrmeister von Weltruf in jüdischen Dingen wurde und seine freie Zeit — er ernährte sich wahrscheinlich durch Weinbau — dazu benützte, Kommentare zur Bibel und zum Talmud zu schreiben, die später selbst von Luther beachtet wurden und auch heute noch in ihrem Scharfsinn und natürlichen Verstand nicht übertroffen sind. * In Worms geht die Sage, -daß eine Ohrfeige von unsichtbarer Hand erhalte, wer auf den „Raschi-Stuh!" in der Kapelle sich setze. Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen, sondern soll besagen, daß, wenn Junge alles - besser wissen wollen als die Alten und durch ihr Draufgängertum alte Erfahrung und Besonnenheit ersetzen wollen, sie sich und anderen schaden. Lange Zeit war der Autoritätsglaube die Grundlage nicht nur der jüdischen Religion, sondern auch des jüdischen Familienlebens. Was in der Bibel steht, unterstand keiner Kritik. „Es steht geschrieben..." und man glaubte, und die Kinder folgten auch in weltlichen Dingen ohne Widerrede der Elternmeinung, selbst wenn sie glauben durften, daß das Recht mchr auf ihrer Seite stand. * Nicht nur die Juden von Worms sind stolz auf Rasch:, sondern auch die Stadt ehrte den trefflichen Mann, der einst in ihren Mauern sich aufhielt, indem sie ein Tor an ihrer Umfassungsmauer „Raschi-Tor" benannte. Die jüdische Gemeinde hat vor dem Kriege Mittel, die ihr von Salomon Lreb, einem geborenen Wormser, Mitbegründer der New- Yorfor Bankfirma Kuhn, Loeb u. Co. und Schwiegervater von Jakob Schiff, zur Verfügung standen, zur Herausgabe von Preisschriften über Raschi verwendet, die von den Rabbinern Dr. Beermann und Doctor verfaßt wurden und die Bedeutung Raschis für seine Zeit und die Gegenwart schildern. Jetzt hat der verdienstvolle Lehrer und Sekretär der Wormser Gemeinde, S. Rothschild, eine, Schrift „Rafchi", mit Illustrationen (Verlag Ch. Herbst, Worms), erscheinen lassen; sie wird gern gelesen werden, da sie in volkstümlicher Form die Persönlichkeit eines Mannes vorführt, der auf Nachruhm vollen Anspruch hat. Hofrat Max Levh (Worms) in der Berliner „C. B.-Zeitung". Schwerer Unglück bei einem Feuerwerk. 2 Tote, 18 Schwerverletzte. Aus Genua wird gemeldet: In Alghero auf Sardinien erfolgte bei einem Feuerwerk anläßlich einer kirchlichen Feier eine Explosion, bei der die Präsidentin des Festkomitees und ein Mann getötet sowie 18 Personen schwer verletzt wurden. Brand auf Schloß Leopoldskron. In der Nacht auf geistern ist .bei Salzburg das große Oekouom-iegebäude des Schloßbesitzers Leopoldskron Max Reinhardt vollständig niedergebrannt. Das Feuer wurde erst bemerkt, als -der ganze Dachstuhl d-foses «tüchtigen Gebäudes bereits an allen vier Seiten l i ch t e rloh brannte. Di« Entstehungsursache ist unbekannt; man nimmt an, daß sich das neu eingebrachte Heu selbst entzündet hat. An eine Rettung des vierkantigen ungeheuren Gebäudes war n i chb meh r zu de>nke n. Die vielen erschienenen Feuerwehren beschränkten sich nur auf die Rettung des Schlosses und der Badeanstalt, die unversehrt blieben. (Radiodienst der „Wiener Morgenzeitung".) London. 23. Juli. Baumwolle. Schlußkurser Liverpool. Juli 17,98, August 17,02, Oktober 16.0!), Jänner 15,69, März 16,60. New-York eröffnete; Juli 33,20. Oktober 26,56, Dezember 26,88, Jänner 26,76. Um 11 Uhr: Juli 83,78, Oktober 27,99, Dezember 27,06, Jänner 26,46. Baumwolle. Liverpool, 16 Uhr 20 Min. Amerikanische Terminware stieg scharf ruf höhere New-Yorker Notierungen und bedeutende Hitze in Texas. Juli 17,88, Oktober 15,93, Jänner 15,45, März 16,38, ägyptische Baumwolle 10 bis 20 Punkte höher. New-York eröffnete um 25 bis 46 Punkte höher. New-Orleans um 14 Punkte höher. Zucker. In London geringe Nachfrage bei unveränderten Preisen. Weißer Javazucker März-Juni 21,4, Juni-Juli 20,6, Juli-August 19,9 franko London. Amerikanische granulierte Ware Juli-August 34-2 franko London. Weiße Terminware August 22,4, Dezember 19,5. Wechselkurse: Wien 813,500, Prag 148‘fo New-York 4,40 ">/,«, Paris 85,15, Brüssel 94,76. Rom 101,66'/., Zürich 3393"/,«, Madrid 82,85, Amsterdam 11,50'/., Kopenhagen 27,20'/., Cbristiania 32,80, Stockholm 16.62'/,, Helsingfors 175'/«, Berlin 18.30 Billionen. Paris. 23. Juli. Die Börse verkehrte, wie an den vorangegangenen Tagen in sehr ruhiger Haltung. Das Hauptinteresse ist auf die politischen Ereignisse in London konzentriert, sodaß abgesehen von den geringen Spekulationskäufen auf dem Arbitragemarkte die abwartende Haltung die allgemeine Tendenz bildet. Das Pfund das zu Beginn des Marktes etwas zurückgegangen war (84.80), war am Schluß der Börse 85,21. Französische Anleihe fest, französische Eisenbahnwette teilweise gestiegen. Rio Tinto eröffnete mit 29,34 um zum Schluffe auf 29,07 zurückzugehen. In der Kulisse herrschte dieselbe GeschäftSstille wie in Franken. Russische Wette und Royal Dutch waren leicht gebessert. Wechselkurse: London 85.28, New-York 19,35. Prag 57,60, Bukarest —. Paris, 23. Juli. (Radio.) Effektenschlußkurse: Banque de France —, Pragobanka 412.—, Credit Lyonais 1600, Suez 14,206, Platine —.—> Dabrowa 7,96. Banque Ottomane 7,70, Centtal Mining 9.45, Rio Tinto 29,07, Le Rapbta russe 412, Sueceried Egypte 113, Cautichoues sin 156,50, Chartere!) 48,60, Debeers ordin. 980, Goldfields 79,50, HuanckakaS 345, Jägers Fontain 260.—, Malacca ordin. 166.—. Maltzoff —. Mexican Eagle 75.—, Padanq 374,—, Rand Fontain 86,50, Randmine 257,50, Silva plana 166,£0 Tanganhika 166.—, Tnbiee wie 636.-, Utah Ccpper 1520. Shell 342.-, Royal Dutch 24,109, Burnmh —, Bakou 2665. Aew-YorK.23.Juli. Effektenbörse. Canadian Pazific 149',«. United Textil 161*/«, Atchlnson 105'fo Baltimore 61'/«, Eary 31"/«, Greath Northern 69, Northern Pazific 67V«, Milwaukee 87, Royal Dutch 50. New-York. 23.Juli. (Radio.) Devisenschlußlurse Taggeld 2°/«, Wechsel auf London 4,40, 60 Tage-Wechwl 4,37, Patts 5,13, Amsterdam 38,24, Berliner -ffchlußkurs 23'/, bis 24. Silber Prag 2.97. Die ßakenkreuzler-Plage. Wie aus Berlin berichtet wird, fonrott es in den Ost see bäde r n in -dieser Saison zu uno-ngenchmen Zwischenfällen, die durch Hake n kreu zler hervorgevusen werden.-In Kolberg wurden jüdische und jüdisch ausschende Badegäste durch Hakenkreuz tragende Leute provoziert. Es kam zu Zusammenstößen, wobei die Hakenkreuzer den kürzeren zogen. Wie die „Deutsche Zeitung" meldet, hat die Polizei das Ersuchen, gegen die Hakenkreuzler einzuschretten, ab ge lehnt. Wie der Fremdenverkehr in Oesterreich gefördert wird. - Wir erhalten folgende Zuschrift: Ein-er Dame kam auf ihre Anfrage wegen Sommer-, aufenkha-ltes in Stuppachgraben bei Gloggnitz von dem dortigen Vermieter Haberle eine Karte zu, die lautet: „B e d a u r e, hier werden nur A r i e r a u fg e n o m m e n." Die Karte trägt rechts unten ein Hakenkreuz und darunter zwei abgekürzte Unterschriften, neben einer davon drei schiefe Krenzchen. allem Anschein nach die Bezeichnung einer akademischen Charge, wie übrigens die ganze Fertigung der einer Studentenverbindung gleicht. Es wird sich wohl empfehlen, diese Sommerfrische der weiteren Oeffentlichkeit bekanntzugeben, schon damit das Hotelgewerbe die Totengräber des österreichischen Fremdenverkehrs kennen lernt.- An vereitelter Raubmord. Gestern mittags wäre im 16. Bezirk fast ein Raubmord verübt worden. Nur durch die Vorsicht eines JMveliers wurde das gräßliche Verbrochen verhütet und der Täter verhaftet. Wir erfahren darüber: Um die Mittagsstunde kam tu das Geschäft des Juweliers Leo L e w i t a ein junger Mann und ließ sich dort Juwelen zur Ansicht vorlegen. Dßm Juwelier, der allein im Laden war, kam das Gehabei^es jungen Mannes verdächtig vor, und er ließ ihn nicht aus den Augen. Dabei fiel ihm auf, daß der Fremde die Hand immer in der Rocktasche hielt. Ein Blick üb.evzeugte Lewita, daß aus der Rocktasche der Griff eines Rasiermessers hervorsah. Der Juwelier ahnte, daß es auf Le-ben und Tod gehe. Noch ehe der junge Mann recht ahnte, wasihm bevorstand, hatte Lewita heimlich nach einem für alle Fälle bereit gehaltenen Revolver gegriffen und ihn plötzlich auf den jungen Mann angelegt, so daß dieser sich nicht zu rühren getraute. So konnte der Juwelier die Sicherheitswache in Kenntnis setzen und die Verhaftung-des unheimlichen Besuchers veranlassen. Der Bursche wurde zum Kontmissariat gebracht. Es zeigte sich tatsächlich, daß er in der Tasche ein offenes Rasiermesser hatte. Er ist der Frisenrgehilfe Josef Schnla. Bei seiner Einvernahme gab Schyla zu, die Absicht gehabt zu haben, dem I uw e l i e r d e n Ha bs z u d u r chf ch ne id e n und dann das Geschäft auszürauben. Ein Flug Locatellir «ach Nordamerika. Aus Rom Wird berichtet: Der italienische Flieg Locatelti steigt heute in Pisa zu einem Flug üb Islandnach Nordamerika auf. . Nochmals der FM Mehr als sechs Monate sind vergangen, seit Profess« H o ch e n e g g die schweren Bcschuldignn gen gezen deü g samten Wiener Aerztestand erhoben hac. Noch immer .ist trc Eingreifens der maßgebenden Behör.e i die ganze schmutz:. Affäre nicht klargestellt, im Gegenteil, es scheint, als o wir erst am Beginne des Waschens der schmutzigen Wch'ck eines großen als ehrenhaft angesehenen'Standes vor di gesamten in dressierten Oeffentlichkeit stünden. Das Publikum kennt sich in; dieser mißlichen Affäre nach den verschiedene Verlautbarungen der Aerztekammer, der Landesregierun und der medizinischen Fakultät nicht mehr aus.. Es lohnt sich, den Gang der Angelegenheit ein wen: zu verfolgen. Nach Bekanntwerden der schweren Anklage "Hocheneggs gegen den Wiener Aerztestandgut ein Sturm der Entrüstung durch die Aerzteschaft ob solche Verunglimpfung eines ganzen Standes. Die Aerz U Jammer als zuständige Behörde forderte Hochenegg zu ' Verantwortung auf; denn auch ein so hochgestellter Arz und Professor untersteht der Aerztekammer und-hat di Pflicht, ihre Anordnungen zu respektieren. Das war abe immer die Art dieser hohen Götter, auf die misera plebi der A-erz-te und der Praktiker verächtlich herabznschcn. Wenn o sich abdr um Begutachtung und Zucrkennnng hoher Honorari., handelte, da-fanden sie gleich den Weg zur Kammer. Da Hochenegg also vor der Kammer nicht erschien jede Aussage verweigerte, das angeblich in seinen Hän-dei befindliche Material, das die Berechtigung seiner Anwürf beweisen sollte, nicht auslieferte, verurteilte ihu der Ehrenra der Aerztekammer, der aus Männern all et Partei richtung en zusammengesetzt ist, c instimmig. Di Kammer Hütte bei der Urteilsfällung gar nicht in eine eingehende Untersuchung der Pauschalverdächtigung durck Hochenegg eingehen müssen, doch wollte sie zeigen, baß ihi ernstlich an dieser Sanierung des angeblich gefährdeten ärzt lichen Betriebes gelegen ist. Die Anssagen herovorragendH ärztlicher Persönlichkeiten ergaben die völlige Halb losigkeit der Anschuldigungen gegen den ganzen Stand wobei darauf hingewiesen wurde, daß es möglich ist, daß auch im Aerztestand vereinzelt unlautere Elemente ihr Unwesen treiben und daß es ein Interesse aller ist, zur Kenntnii gelangte Uebelstände mit Nennung v on Namen zu« Anzeige zu bringen. - Denn nur bei Mitteilung einzelner Tats ache n sei Abhilfe möglich. Das Urteil der Aerztekammer, das von maßgebenden Juristen als in jeder Hinsicht treffend und glänzend abgefaßt bezeichnet wurde, wurde vom Magistrate Wien als tec übergeordne'en Behörde der Kammer aus formalen Gründen für ungültig erklärt. Obgleich durch dieseAufhebung der Kammerentscheidung die sachliche Seite der Angelegenheit keineswegs berührt war — es wird damit nur eine neuerliche Untersuchung angeordnet — glaubte d a s Professorenkollegium der medizinischen Fakultät sich berechtigt, ohne Eingehen in eine nähere Untersuchung, Hocheneggs Anklagen . gewissermaßen zuzustimmen und kündigte außerdem neue Maßnahmen zur Behebung der angeblichen Uebelstände an. Nun begann plötzlich eine Handvoll Aerzte ans dem Ga u Wien deH-Ve reines deutsche r Aerzte eine kleine Komödie aufzufühcen. Sie beauftragten ihre Vertreter in der Aerztekammer, ihre Stellen niederznlegen und hätten auf diese Weise die Demmission der Kammer erzwingen ' können. In einem Augenblicke, wo wie nie zuvor die Einigkeit aller Aerztegruppen und die Ausschaltung aller Sonderinteressen notwendig wäre, fällt eine kleine Gruppe arischer Aerzte, deren Vertreter einstimmig am Urteile der Kammer gegen Hochenegg mitgewirkt haben, der Aerzteschaft in den Rücken. Die breite Oeffentlichkeit würde eine D eint iss io n der Aerztekammer einem vollen Siege Hocheneggs gleichhalten. Der Versuch eines Sturzes der Aerztekammer, deren Mitglieder über Witnsch der Negierung nach dem Kriege im Amte geblieben sind und deren Neuwahl ohnehin für den Herbst 1924 In Vorbereitung ist, veranlaßte die Wirtschaftliche Organisation der Aerzte Wiens endlich zum Eingreifen in die Affäre Hochenegg. Es war klar, daß durch den Protest der arischen Gruppe politische Momente in. die Sache hineingetragen würden und damit auch der Zusammenbruch der Wirtschaftlichen Organisation der Aerzte, die eine unpolitische Vertretung aller Gruppen dr^stellt, besiegelt g?we en wäre. ' Ist einer Beratung führender Persönlichkeiten der Wiener Aerzteschaft unter dem Vorsitze der ve.-dienstvollen Führer Dr. Stritzko und Dr. Thenen sahen sich die Vertreter des Gaues Wien deutscher Ae rzte genötigt, Farbe zu bekennen und das Vorgehen des Wiener Magistrates und des ProfesforenkollegiumS zu mißbilligen. Gleichzeitig wurde die Aerztekammer der Gefolgschaft aller Gruppen versichert-und gebete::, bis zu den Neuwahlen auszuharren. Die - lebhaft abgeführte Diskussion hatte aber den Erfolg, daß sich alle, eritsteren Vertrauensmänner der Aerzteschaft darüber im klaren waren, daß der legale Weg zur Rettung der schwer gekränkten Ehre des Wiener AerztefraNtes mangels geeigneter Machtmittel der Aerztekammer und n:it .Rücksicht auf die voreingenommene Stellu:;gi:ahme der ntedizinischen Fakultät nicht genüge, sondern daß nur eine mächtige Protestkundgebung der Wiener Aerzteschaft imstande sei, die unerhörten Verunglimpfungen der Wiciter Aerzte zurückzuweisen.