Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1953 (23.7.1924)
- Date
- 1924-07-23
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zbsens „Gespenster". Aufführung in jüdischer Sprache durch das Ensemble des New-Aorker jüdischen Künstlertheaters. Da es noch immer viele Leute gilbt, die die jüdische Sprache Mt ihrem eigenen mehr oder weniger schlecht fo» schiert Ln -Jdiomveriwechseln, gab es hu Carl-Dh vater große Neugifrlde, > Mtz sich wohl Frau Alving, ÖAvald, Pastor Mander-, her alte EMstrand und Rrgme üusnrhmen'würden, Wenn sie Misch sprächen. Es gab in diciser Hinsicht keine Sensationen, denn die. „GeipMterf u-I)ntng des Now- Aorcker jüdischen KÜnstlerchtzüters Hütte sprachlich genau dasselbe Gewandwie eine fvanMsche, deutsche, englische oder russische Aufführung dieses Stückes. (Irgend jemand konstatierte mit jener *—1 na sagen wir Unbefangenheit, wie sie nur absolute. Sachunkenntnis verleiht, daß ein „strengeres Jüdisch" gesprochen worden sei, diese EvkenntniS eines Feinhörigen ist nur insoweit richtigzustellen, daß ein schlechtere- Jüdisch gesprochen wurde, denn die lleibersetzung der „Gespenster" ist hundsmisevalbel heruntergehaut.) Die Frage, ab eine jüdische Aufführung der „Gespenster" neben den BühnenauMhmngen anderer Völker bestehen könne, ist von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus zu beantworten, a!s vom sprachlichen. Das Theater in der jüdischen Volkssprache, ist knappe fünfzig Jahre alt und der Stil seiner Darstellung war bisher zum großen Teil durch die dem Milieu des jüdischen- Ostens entnommenen BHnenwevke begrenzt; an den Darsteller trat selten die Ausgabe heran, seine Darstellung und ihre Mittel über das Milieu hinaus zu erstrecken. Es gibt auch im jüdischen Theater bisher eine große Zcchl ausgezeichneter Judendarsteller, aber wenig gute Menschendarsteller. Hier liegen die' Gefahren einer jüdischen Auffichrung fremder Literatur, und nicht in der Sprache; man könnte das Problem auf die Frage reduzieren, db die Geste der Darstellung im Mischen Milieu bleibt oder nicht. In der Aufführung des — übrigens heute unerträglich langweiligen und nichtssagenden Ibsen-Stückes, welche die NewGorter Künstler bieten, ist die große Uedervaschung die Frau Alving Anna Appel-s; diese Darstellerin, welche die jüdischen Weiber aus der Volkssphäre mit dem schrillen Ton des Marktes, der auch im Salon erhalten bleibt, ganz köstlich zu gestalten versieht, War als Frau Alving in Ton und Geste Mensch, Frau, Dame, weitab von dem Rollenkreis, der ihr sonst zugewiesen ist. Nichts Derbes, nichts Kleines und gar nichts Volksmilieichaftes. In der meisterhaften Ausführung b& „Gespenster", die einst das Brahin-Ewsemlble bot, spielte dir große Else Lehmann die Frau Alving; trotz wunderbarer Momente, die ihre große Kunst sich albrang, mevkte man etwas Gezwungenes; bei Frau Appel tritt es nirgends hervor; ihre Frau Alving zählt zu den darstellerischen Meisterle-istungen. Usber das Milieu ist auch Herr Goldfaden hiüausge-ommen, dessen Pastor Mauders reise Gestaltungskraft verrät. Oswald war Morris Schwa r tz; er versuchte mit dom Mittel der Bcherrschtheit, der Figur beizukomimen. Sein Kuttskverstand mvg sie — ebenso wie seine Regie, die der Aufführung szenisch und in jver Stimmung Niveau gab — ersaßt hoben; seine grüße schMspielevksche Begabung liegt auf ganz anderem Gebiet. Die Neugierde tm Theater wich bald dem sachlichen Interesse, steigerte sich zur Ergriffenheit und entlud sich am Schluß in Beifallsstürmen. Die Aufführung des schwer zu bewältigenden und undankbaren Ibsen-Stückes war in diesem Sinne ein Erfolg jüdischer TheaterDunst. Siegfried Schmitz. ras tschechische SpemgaWiel. MS letzte.Mwitot brachten die Prager Künstler die Tschaikowsky-Oper „Pique-Dame", welche einst in der Hofoper unter Gustav Mahler eine überaus glanzvolle Aufführung erfahren hatte — die Damen Weidt und Cahier und Herr Slezak spielten damals die Hauptrollen — und seitdem gleich so vielen anderen wertvollen Opern aus dem immer enger werdenden Spielplane der Staatsoper verschwunden ist. Im Gegensätze zu Tschaikowskys vollständig verblaßtem „Engen Onegm" Ware diese Oper einer Wiederaufnahme wert, ihre sieben Bilder müßten nur entsprechend gekürzt werden und sie müßte mit erstklassigen Künstlern, für die sie wahre Bombenrollen enthält, herausgebracht werden. Ungleichwertig wie die meisten Werre Tschaikowskys, ist die „Pique-Dame" Überreich an bühnenmäßigen Kontrasten, aber auch an allerlei Änklängen und fremden Einflüssen. Ganz überraschend sind die mannigfachen Anlehnungen an Mozart, dessen in der Rokokoszene zwischen Daphnis und Chloe, in welcher^ eine Melodie aus der „Zanberflöte" fast notengetreu übernommen wird, besonders liebevoll gckacht wird. — Bekanntlich hat Tschaikawsiky seinem Lieblingskomponisten anläßlich der. Jahrhundertfeier des „Don Juan" durch Zusammenstellung einer Suite „Mozartiana" aus verschiedenen von ihm selbst instrumentierten Mozart-Sätzen noch ausgiebiger gehuldigt. Am unmittelbarsten wirkt Tschaikowskys Oper heute Noch hast, wo sie aus dem Volksleben schöpft, m ihren Tanzweisen, Chören und echt-russischen Melodien, und da fühlten sich auch die tschechischen Sänger — gleichwie im ,-Eugen Onegin" — ohne den äußeren szenischen Apparat nicht recht herauszubringen sind. IM großen ganzen waren die Sänger, welche uns bereits liebe Bekannte geworden sind, ihrer Ausgabe gewachsen: Allen voran die hochbegabte, kultivierte Frau Marja Bo guck a als Lisa, ferner Herr Wurf er und Herr P o l l e r t, ebenso die Damen P i v o n k o v a und H o r v atova, die Herren Burian, Fifka»und Stork. *• , ¥' : Sie alle verdienten den lebhaften Beifall und es spricht für die tapferen Künstlers MMdenen wir den klangreichen Eh o r und den umsichtiges Dirigeuken Joses Winkler noch einmal besonders hevvorheben, daß sie sich trotz deZ fremden Orchesters und ohne Bühnendekoratiouen' durchzusetziN vermochten; ihr Smetana hat es eben den Wienern angetan. In ihrem Präget Heim freilich wirken die Aufführungen viel einheitlicher, die Leistungen der einzelnen Künstler ungleich stärker. Wenn sie wieder nach Wien kommen, so mögen siv nicht, nur ihr eigenes Orchester und ihre schönen Dekorationen, sondern duch ein umfangreicheres Repertoire Mitbringen. .Neben den lyrischen Opern Dvorakgibt es noch genügend in Wien völlig unbekannte Werke von F i b i ch, K o v a c e v i c, Förster, Otakar Zich, Novak, Ostrcil usw. Vor allem sollten die Prager Künstler die Wiener Musikfreunde mit Janaceks Oper „Katja Kabanova" in der schönen Ausführung des Prager Nationaltheaters bekannt machen, wenn es schon die Wiener Opernhäuser nicht der Mühe wert finden, dieses neben Janaceks „Jenussa" bedeutendste Werk der neueren slawischen Opernbühne einzustudieren. Erwin Fel her. Aus de» Theater». In der Äolksoper verabschiedet sich heute das Ensemble der Prager Nationaloper mit Gmetanas „Die verkaufte Braut" vom Wiener Publikum. Diese Vorstellung geht zugunsten des DeutschSsterreichischen Bühnenvereins, des Vereines des Wiener Volksopernorchesters und des technischen Personals der Wiener Volksoper, in Szene. Morgen wird vom Ensemble der Volksover „Madame Butterfly" aufgeführt. Theater in der Josef st ad t. Allabendlich, '/,8Uhr, Mutterliebe", „D i e S p i e l e r", „Ein H e i r a t s a n t r a g". Im Raimund-Theater bringt hie Cxl - Bühne Samstag den 26. d. die Novität «D a s v e rschlosiene Himmelreich" von Eutzen W r a n y zur Erstaufführung. ._ Slezak und Kurz in der Operette." James Klein, der Direktor der Berliner Komischen Oper und des Apollotheaters. hat Leo Slezak und Setma .Kurr für feine nächsten Operetten'schlager verpflichtet. Otto Ehrhardt an die Wiener Volksoper berufen. Der Oberregisseur am Württembergischen Landestheater i-n. Stuttgart. Är. Otto Ehrhardt, hat um sein« Entlassung vor Ablauf seines bis 1926 geltenden Beut vages gebeten, um einem Ruse an die Wi e n t1 B olksdpsr Folge leMNM könnest, Hakenkreitz und Theater. Justus Prüwer, ^ber We i m a r r r G e ne ralmuf.ikidi r«Et or. hat sein Mit am Deutschen . Notionaltheater. niederpelegt. Politische Gründe Men ihn *um ' Rückweg - bewogen. Weitere Berändernngen Men in Weimar bovarst-ehen. Prüwer «ist bekanntM Mde, und da die Thüringische.Rechtsregierung Politik auch ln die Kunst hineinträgt — ihr Kampf gegen das Weimarer Bauhalls ist eine Kulkurschande —. sv ist per verdienstvolle Dirigent ein Opfer deutschvöMcher Niedertracht geworden.; „ Das Frankfurter Schauspielhaus als UvMfühWngsbühn«. An alleinigen oder gleichzeitigen UrauMhrunigen wurden- M die kommende Spielzeit zunächst folgende Werke vertraHich erworben:.Walter Eihl i tz: ,Mer Berg. in. der Wüsttz"; Lusdwig Berger: „Der goldene Schnitt^; Karl Huchs Mayer: »^KÄtahan oder die HinieNwälvler"; PiraNellä: Mechs Personen suchen airven Autor" (im Wiener Raimund« Theater der größte. Erfolg der heurigen Saison); Fntz v.. Unruh: .Meirich"; Mktor v. Driesland: „Der verlvvene Sohn"; Arnost BroNnen: Me katalvunische Schlacht"; Klabund: „Der Kreidekreis^; Wolfenstertd- Shelley: ,^Die Genci"; Calderon EM: Mndacht zuck Kveuz". Weitere Abschlüsse stehen bevor. Das Theater im Zeughaus. Die Stadt N e u'ß (Rheinland) Lat ihr Zeughaus. das 1633 als Kirche im gothifchen Stil er« baut worden ist. zu einem Theater um-gestalten Assen. Dev frühere Mt-arraum würde eine modern eingerichtete BühH, mit Rundhorizont und in der Sakristei sind jetzt die Schckt« Wler-Garderobey iMtergebracht. Das neue Theater, dawÄhl zu den fchönisttn KammerfpiöMhnen DeutfDands ge- HSven dürfte.'hat etwa 7ö0 Sitzplätze. ' Lheatarsiemeinschaft Mkln--Üsielb»rf. M§ Köln wäch «Meldet: Dos Schauspielhaus Düsseldorf (Diva-» non Louise Dumont'-Lind emann) und das Städtische Schauspielhaus Köln (Gustav Hartung) haben sich'ru. oiner» kKnstlerischen Gemein- <ichaftsarb eit HsäMckeWschlosssn. Mche strr das wostoeutsche Th^eat-erlebew von einschneidender Bedeutung sein wird. Der Zusammenschluß der beiden großen Bühnen des Rheinlandes gewinnt an Bedelltung dadurch, ' daß er nicht nur in einem Austausch von Spielleitern» Schauspielern und künstlarifchen Beiräten bestcht, sondern auch in einer Wechselwersen Ueberlassung von Dekorationen und Kostümen, sowie in einem Austausch fertiger Aufführunoen. Bsi voller Wahrung der SeshstäMgrei-t jeder der beiden Bühnen soll die Gemeinschaft zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit bei großen rheinischen Festspielen führen.. Sensationelle Funde in einem Petersburger Museum. Wie sich der „Figaro" aus Moskau melden läßt, machte ein AM-iter, der bei den Bauavbeiien im alten Museum in Petersburg beifchästigt ist. einen sensationellen Fund. Beim Reinigen der Keller, pes großen Gebäudes, das ehemals das Palais des Grafen Obrinsky war und das jetzt dre Bureaus der Verwaltung der sibirischen Eisenbahn Uhevbergt, stieß der. Arbeiter ans drei Geheimtüren, die zu untevEschen Räumen führteni Er erstatwte sofort bei der Verwaltung oes Musenms MMlng. Die Stahltüren wurden daraufhin dott Wien, Mittwoch Wiener MorftenzeituttF. viel heimischer ülä --in den großen^ Gesellschüftsszenen, welche " 83. Juli 1824 1953 der Polizei erbrochen, die in .zwei.Räumen mehrere Tonnen * Waffen und Munition fand, die hier versteckt worden wären. Bei der weiteren Untersuchung der Kellerräume entdeckten die Polizisten etwa ein halbes Hundert e-rleseper Gemälde und Truhen, die Schmuckstücke von unschätzbarem Wert sowieeine große Zahl roher Edelsteine enthielten. In einer der Truhen fand man außerdem mehrere vertrauliche Briefe, die von dom Mönch Rasputin an Mitglieder der Familie Obrinsky gevichtet worden waren. <>Dex französische Karikaturist Depaquit gestorben. Der bdlandte KynMurist und Zeichner des „Rire", Jules Dep a q Ü i t, A in Paris gestochen. Er war eine der bekanntüsteü-H-MMchkeiten des Montmartre-Kreises und einer der ätzten Bohemiens aus der Zeit des „Chat, now" und des „Pere Ravenez". Ohne 'Rücksicht au>f die Nachkriegszeiten trug er stets einen Seidenhut uwd ein Monokel an einem tot-,grünen Bande. Abzeichen seiner „Diktatorwürde", in der „Nepnhlik" des MontMartre.' Sem sonderbares Aeußere verbarg ein warmes Herz und eine hohe Intelligenz. Nahozu älle künstlerischen GroßeU Frankreichs staüden zu Dopaquit in zum Teil engen Beziehungen. Er betätigte sich übrigens auch als Schriftsteller und schrieb sogar eindge Thoatevstücke, die heute allerdings vergessen sind. Don besonderem Interesse werden seine Memoiren sein, die bisher underöffentlrcht find und erst jetzt von seinen Freunden herausgogtzben werden dürften. Der mißverstandene Haydn. In Märienbad belauschte ein Kurgast folgende kleine Episode: Es war Sonntag nachmittags, wo neben den Kurgästen auch Einheimische auf den Beinen sind, und so standen zwei Damen, die anscheinend Marienbaderinnen waren, vor dem Musikpavillon auf der Kolonnade. Das! Orchester spielte gerade die Äbschiedssymphome, bekanntlich ein geistreicher, musikalischer Scherz Papa Hahdns, bei der ein Musiker nach dem anderen zu spielen aufhört, sein Instrument uiederlegt und abaeht. Dte Synwhonie wird dann von zwei Instrumenten zu Ende gespielt. Die beiden Damen sahen mit wachsendem Interesse diesem Schäuspie! zu und als gerade ungefähr der sechste Musiker in obengeschilderter Weise sich hinausgeschlichen hatte, sagte die eine Dame zur anderen: „Ja, ja — unser Wasser!" Kultur in KeeSkemet. In der Pogromstadt K-ets kem ei wurde btetfier Tage das städtische Museum eröffnet. ES hat zwei Männern seine Cntst-ehun-g und feinen reichen Kunst- ,besitz zu dau'ken. dem früheren Bürgermeister GM Kava, ' einem ehrlich stbevalen Mann, und dem jüdischen Sammler und Kunskmäcen Marcell Nem es, der der Stadt Keeskemet seine Überaus reichhaltige Kunstsammlung spendete, die heute einen Wert von vielen Milliarden revräsentrert. Bürgermeister Kada ist schon -gestorben. Marcell Nemes wähnt in Budapest. Zur GEnungsfeter dieses Museums wurden alle möglichen und in Kuiltuvstaaten sonst umnögilchen. verantwortlichen und unverantwortlichen Elemente emgÄaden, aber weder die in Kecslkemet lebende Witwe des Bürgermeisters Kada, noch der jüdische Spender Marcell Nemes wurden würdig befunden, an dieser Eröffnungsfeier tettzunchmen. Auch die 'Festredner, die Minister, stellten sich unwissend und vergaßen zu erzählen, daß das Museum seine Existenz und seine Schätze dem liberalen Bürgermeister und der Munifizech deS Juden Marcell N e me * zu danken hat. Der Geliebten vke Nafonspitze weggebrssen. Cm Goldarbeitetgehilfe,. der sich mtt Kökainschmuggel befaßte und selbst em leidenschaftlicher Kükainifchnupfer war, begann mit entern unter sfttenpoWÄicher Kontrolle stehenden Mädchen ern Ltebesverhältms. Da er gegen sie brutal wurde, «rsiaktete sie gegen ihn die Strafanzelge wegen gefährlicher Dröhung. Als sie im. Häuskümmrssürtat her Polizeidirektion ihrer Genugtuung über seine Verhaftung Ausdruck gab, stürzte er sich auf sie, umschlang sie mit beiden Armen, und« — biß ihr.die Nasenspitze weg. Er wurde gestern vom« Emzelrichter Hosrat Dr. Hotter wegen schwerer Körperbes^chä d.igung zu brer Monaten schweren Kerkers verurter'lt, d:e durch die Untersuchungshaft verbüßt erscheinen. D« rote Nelke. Der Wehrmann Eduard Janda war beim' Strafbezirksgerrcht 1 wegen Uebertretung der G u bordiNatronSve'rretzung attgeklagt. Die Anklage mrd damit begründet, daß der Angeklagte am 1. Mm die Kaserne mit einer roten Nelke betrat und dieses« Parteiabzeichen, dessen Tragen, der Wehrmacht nach einem Erlasse des MMiflers Vaugom verboten ist, trotz Auftrages feinet Vorgesetzten, nicht oder erst widerstrebend abgelegt haben soll. Dabei habe er gegen« den Hauptmann eine bedrohlrihe Äeußerung gemacht. Der Angeklagte gab im, nicht 'gewußt zu habendaß das Tragen roter Nelken verboten sei. Der Verteidiger beantragte nun die Unterbrechung des Verfahrens. ES sei beim Verfastungsgericht em Verfahren auf Ueberprüfung der Verordnung des Ministers Vaugom, welche das 'Verbot des Tragens der Abzeichen enthält» anhängig und diese .Entscheidung wäre für diesen Prozeß eventuell von größter Bedeutung. Weiters verweist er darauf, daß 'm dem - Erlaß nur ein Verbot de öt Tragens von Parteiabzeichen ausgesprochen wäre; Cr müsse die RequisitiM d.-ejes Erlasses beantragen und weiters beantrage er, da sestgestellt sei, daß der Angeklagte nur eine rote Nelke getragen habe, die Vernehmung peS Nationalrates, des Parteisekretärs Dr. Deutsch darüber, daß die Sozialdemokratie ein eigenes Parteiabzeichen habe, und daß daher dte rote Nelke nicht als das Parteiabzeichen! im Smne des Baugom^Erlasses aufzüfässen sei. 'Der Richter beschloß, sich die Beschlügsirfsung Über die Anträge vorzubehalten und die" Äe r H an dl u n g zur Vorladung dev Torwache und deS Unteroffiziers zu vertagen, die dem Angeklagten den Auftr«ig erteilten» das Abzeichen abzulegen und'deren Aufforderungen er sich widersetzt habe. Weiters beschloß der Richter, den 'Erlaß zu requ\rte11«. WIIN.i.AOLCAdAS^K ■ %ri«fonN, 7ö2ü<.!• 1^1' mm. Hu < STOFFE,