Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1953 (23.7.1924)
- Date
- 1924-07-23
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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rat ms Wiener Morgenzeitung Alle Arten von Kommandlte der Kroatischen Eskomptebank, Agram Kreditum j Bankgeschäften WÜ@Ft, I. SeltZSrgaSSe 4 Warengeschäfte , Telephone > 60-4-82, 60-4-93, 63-4-85, 64-4-42, 68-4-78, 69-4-82 um«; Telegrammadresse j Prapobanlc * »-1> mm »»»„ umanaasiwr Bolkswirt. Der Solltarif. Mn Kompromiß über die DisenzSlle. Die Beratungen des Zollausschusses gehen seit Wochen« beginn flott von statten. Gestern'wurden die letzten Positionen der WeAvarenzölle angenommen' und auch die E i s e n z ö l l e unter teillweiser Berücksichtigung der Anträge der Opposition gu m Beschlüsse erhoben. Es scheint hier zu einem Kompromiß mit den Sozialdemokraten gekommen zu sein, die im Hinblick auf die drohende Industriekrise sich den schUtzMnerischen Forderungen der Industrie geneigt zeigten. Ob das Zollgesetz als Ganzes noch vor den Sommerserien vom Parlament verabschiedet wird, hängt von den im Zuge befindlichen ParteienvechaMungen über die Lebensmöttelzölle ab, deren Führung Abgeordneter Fink üb er nome n hat. Den Abschluß dieser Verhandlungen erwartet man für Freitag, an welchem Tage Finanzminister Dr. Kienböck von seinem kurzem Erholungsurlaub nach Wien zurückkchrt. . Der ZollauZschuß nahm gestern zunächst die Tarisklasse 19 (Flachs, Hanf, Jute, Garn und.Waren daraus) unverändert nach der Regierungsvorlage an.! Textilzölle. Die Tarifklasse 20 (Wolle, Wollengarne und Wollwaren) wurde mit folgendem vom Bericht-erstatter H e i n l beantragten Abänderungen angenommen: In Position 188 (F u ßtep piche) wird als neuer Punkt e) eingefügt: Velourteppiche und Axminsterteppiche - mit ausgestellter Chenille 20 0 K., ferner wird in derselben Position die Post „andere und solche aus F ilz", auch bedruckt, von 1-60 K. auf 120 K. herabgesetzt. In Position M (Technische Artikel) wird die Post a) K r o l l h a a r e von 30 K. auf 35 K. hinaufgesetzt. Die Tariifpost 21 (Seide und Jeidenwaren) wurde in der Fassung der Regierungsvorlage unverändert angenommen. Bei Tarifklasse 22 (K o n f e k t i o n S w a r en) beantragte der Berichterstatter in Poifition 314 (künstliche Blumen. Blüten und Blätter, fertige, gang oder toikweffe äuS Gespinststoffen) den Zoll von 1000 K. auf 110 0 K. zu e rhöhen; in Position 21S (Bestandteil? künstlicher Blumen, ganz oder teilweise aus Gespinststoffen) den Zoll von 15 0 K. a ufzuheb en; ferner über Anregung des Abgeordneten Dr. Gürtler in Position Sitz (Schmuckfedern) sowie in ^Position 317 (kü n stIich es F ed esppelzwerk) den Zoll von 1000 K. auf 1100 K. zu erhohen. Die Tarifklasse 22 wurde gemäß den Anträgen 'des richterftatters a n g e n o m m e n. Die Sitzung wird bis HM 4 Uhr nachmittagsunterbrochen. Tagesordnung der Nachmittagssitzung: Eisenzölle.. Herabsetzung der Eisenzölle. In der Nachmittagssitzung wurde die Tarifklasse 34 (Eisen und Eisenwaren) in Pechandlung gezogen. * Berichterstatter Hei ul beantragte folgende Aenderun* gen: Die Position -335 folgendermaßen zu fassen: ,,a) Eisen und Stahl, alt, gebrochen und in Abfällen; Gießereiroheisen und Stahlroheisen frei; b) Ferrosilizium 1 K.; c) ander? Ferrolegierungen frei," so. daß Sta.hlroheisen, welches nach der Regirungsvorlage. mit 50 Heller beantragt war, nunmehr zollfrei fein soll, ferner beantragte er den Zoll für die Position 867 (Borgewalzte Blöcke, Platinen und Zaggel) von 1 K. ans 8 0 H. Hera H z u f e tz e n; ferner in Position 368 (Eisen und Stahl in Stäben, auch geschmiedet) dm Zoll für Post a) roh, van 8 K. a u f 2.80 K. und für Post b) bearbeitet, auch kaltgewalztes Bandeisen von 10 K. auf 8 K. z u >e r mä ß i ge n; sodann die Position 371 wie folgt zu beschließen: „Draht, gewalzt oder., gezogen: a) roh, auch geglüht in der Stärke: 1. von Ich Millimeter oder mehr 7 K. (Regierungsvorlage 9 K.); 2. unter Ich Millimeier bis Och Millimeter 9 K. (11 K.); 3. unter. Och Millimeter 11 K. (14 K.)"; bei Position 372, die lautet: ,/Schirmdraht und anderer besonders geformter Draht, 16 K.", hinguzufügen: ,Mit Ausnahme des gewellten Drahtes". Mbg. Dr. Dauer beantragte, den Zoll in Position 367 (Borgen» atzt« Blöcke, Platinen und Zaggel) auf 50 Goldheller zu ermäßigen, ferner den Zoll in Position 368, Eisen und Stahl in Stäben, auf 2 K. 50 H. herabtzttsetzen, schließlich in Position 838 (Schienen, Eisenbahnschwellen) den Zoll von 4 K, 50 H. auf 3 Goldkronen zu ermäßigen. Ferner schlägt er unter Hinweis ans.die Betriebsstillegungen der Alpine vor, in das Gesetz eine Klauseil austzunchmen, durch welche es der Regierung ermöglicht wiÄ, Betriebsstillegungen sofort mit der Suspension von Zöllen auf die Dauer der NichtertzeuWug der betreffenden Waren zu beantworten. Abg. Reiner schlug vor, den Zoll in Position 367 (Borgewalzte Blöcke, Pllatinen und Zaggel) entsprechend dem Antvage des Berichterstatters mit 80 Goldheller festzufrtzm. Dagegen schloß sich der Redner dem Anträge ds Abg. Doktor Bau er an, den Zoll für Stabe-isen, roh (Position 368a). mit 2 K. 50. H. festzusetzen. Schließlich verlangte er die bevorzugte Behandlung allen Materials für den Transformatoren- und Dynamobau. Die Abgeordneten Reiner und Dr..W e id e nh offer erklärten sich ferner.mit dem Vovschlage des Dr. Bauer aus zeitweise Suspension der Zölle unter der Voraussetzung einverstanden, daß Garantien gegen eine mißbräuchliche Anwendung dieser Maßnahme,. so etwa in. Streitfällen, geschaffen werden. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Dr. Bauer betreffend die Ermäßigung des Zolles für Stab roh eisen auf 2 K. 50 H. (Position. 368 a) angenommen. Im übrigen wird die Tarifklasse Eisen und Eifenwaren nach der Regierungsvorlage mit den Anträgen des Berichterstatters unter Ablehnung ' der übrigen Anträge deS Abg. Dr. Bauer beschlossen. Betriebseinschriinkung der Karvathen A.-S. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Der Petroleumkonzern Dabrowa, dem auch die Karpathen- A.-Gangehört, schreitet zu umfangreichen B-etrie'bsvedu.ktionen. Die Zahl der Arbeiter in Borh'slaw wird von 1200 auf 500 herabgesetzt. Weiterer Abbau bis zu 70 Pro- _1924.. ®eite_T_ zeut wird bis'zum 1.> August durch^üführt. WDvhntt gen, mit Ausnahme dieser Schächte, die produktiv sind, solle! eingestellt werden. Die Zahl der entlassenen Arbeiter beträg- 35 Prozent. Die Allgemeine Fndnftrialbank will die rllli ständigen «MUer nicht zahlen. Demonstrationen beabsichtigt, Die Allgemeine Indu^albank erklärt, nicht in bei Lage zu sein, den Angestellten die rückständiger Gehälter und Abfertigungen zu zahlen. D« Abgeordnete Allina hatte in dieser Angelegenheit gefteri eine Besprechung im Finanzministerium, da die Erregung unter den auf die Straße geworfenen Angestellten vor Tag zu Tag wächst. Me wir hören, sind Demonstra t io n e n von Angestelltem gegen die Bank b e a bs i cht i g t doch haben die ruhigen Elemente unter -den Entlassene, erklärt, den Gang der Verhandlungen nicht stören zu wollen Ter Ausgleichsver Walter B a r t a hat den Borschlag ge macht daß die Arbeiterbank oder der Neichsvereiu de; Bankbeamten die betreffenden Beträge für die Angestellte, aus.zahle, um sie später von der Bank zur-ückzuerhalten doch hat dieser Bovschlag bisher (eine Zustimmung ges-uu den. Eine Anzahl von Aug-csiellton beabsichtigt, die Klag! gegen die Bank unter Hinweis auf die Ungesetzlichkeit de! erfolgten Kündigung zu erheben. Devisen« und Balutenkurse. (Mitgeteilt von der Oesteneichtschen Nationalbank.) VlslL Amsterdam s. \ stall. Qulden Aaranil Jtiqf. Kronen , ► . Belgrad 1 Diner 8erlln* 1 deutsche Reichsmark Brüssel 1 belgische Francs ,. Budapest®* 1 ungarische Kronen Bukarest f l.el .. Chrlstlania 1 norwee. Kronen Kopenhagen 1 dünfache Krön« London 1 Pfund Sterling . . Madrid I Pesetas . . . . , Mailand I Lire. New York 1 Pollar ..... Paria 1 Francs ...... Ptn% 1 tscbecho-slow. Kronen Sofia I Lewa .. Stockholm 1 schwedlscheKronor Warschau*** I polnische Marie Zürich 1 schweizerische Francs . Noten Amerlkan. Noten v. 5 Dollar aufvr. . „ kleinere « . , Belgische Noten 100 Francs . . Bulgarische Noten zu 1000 Leva . , . . 100 . . , * kleinere. , . Dänische Noten 100 Kroner Deutsche Noten* . . .100 . . . „ . „ . kleinere* ... Engt. Noten von 5 Liefest, aufw. „ - » Heinere Französische Noten 100 Francs . Ho"»indische Noten 100 dulden . 2700».-, 27201.- Halft i Ische Noten v. 100 Lire aufw, 2075,-, z095.- . , kleinere . . . 3045.— zo65.- tngoal. Note» ungest. zu 1000 Dinar 835. - 842.- . . ' , „ 100 . -- . . •. . ,, , . kleinere . . 826.— *«2.- Norweglsche Noten 100 Kroner . 931o,— <‘330.- Polnlaehe Noten ***.l35io,— 13670.- n m kleinere . . . 13330,— 1347»,- Rumänische Noten zulOOOu.SOOLel 301,— 305,- . kleinere ... 291,— 295,- Russ. Noten (Roman., zu 500 Rubel — . > , . 100 . , , kleinere, . —- Schwedische Noten 100 Kronor . Schweizerische Noten 100 Franca. Spanische Noten 100 Pesetas . . Tschecho-slow« Not. v.lQOO aufw. . , kleinere . Türkische Pfund-Noten ..... Ungar. Noten** (n. Em.l zu lOOQKr. . P au 10,000 Kr, ... . . kleinere ..... * Für eine Billion Mark, für 1 Zloty aufwärts.?2. Inh 21 , Oeld Wer* Geld 273on, 7400— 27000— <>37. 841 — 836.— 87.- »41 — «36— 16860.— 16940— 16840— 3294. 33fO - ■3274i^ 86.91 88.90 86.25 815,-. 307 _ 307— 9430,, 0470— 0531— 11780— 11320— ' (1280— 311500— 312500— 311200,— 9380— c|42ö,- 928-7— . 3069— 41)81,— 3°49. - 70935— 71185— 70935— 3672— 3688— 3677— 2111— 2121 — 2H-7— S14— M8— .414— U72n— ,3780— 18720— 13550— 13650— 13550— I3'«5— »3135.— 12955— , 70460— 70860— 70469— 70360— 70760— 70360— •3250— 3281— 3230— 438— 496— 488— -*68— 476— 468— ll!4o— J1220— 11140— I6520— ,664.0.— 16520— I6420— I6540*— 18420— 309700,U 3,1300.— 309*00— 3095'0. - 311,00— 309200— 3640— 3670— 38-0— 2671.0. 3060.. 3030. 635. 825*- 9410.- 13530.- 13330.- 303.- 293.- 21. .Tnlf War« 27100.- 840.- *40.- 16940.- 3285.- SS.« M.-. . 9570,- ,1320.- M2200,- 9320,- 3061,- 7U85.- 3693- 2117- 518- 1R780- 13650- 13L05- 70860.- 70760— 3200.- .498,- 476*— 11220,- 16640,—!854o|- 311000— 310800— 3700— 26900;- 3980— 3050— - 841— 8au- 9490— 13ST0— ,3470,- 307— *** 18510.— 18610— 18510— 186JO— 13060— 13140— 12960— »040— 9260— 9340— 9| 60— 9240— 2102— 2118— 2092— 2108— 2597— 2113— 7087— 2103— 33800— 34600— 33800— 34600— 84.60 . 87.50 84.25 87.A 79*50 82^50 79^25 S?.'?! ** für 100 ungarische Kronen. Copyright Jüdischer Seriem, Berlin. Nachdruck verboten. 49. Fortsetzung. -awdoloh Md 3apsevftreich. Bon Sammy Gronemann. Nun muß man sich vovftellendaß diese ga>nze Prozedur mitten im Sommer vor sich ging, und in einem sehr schönen t'.nd heißen Sommer. Da haben disse jungen. Menschen, die tagsüber hinter dem Ladentisch, im Bureau oder auch in der Werkstätte hockten, ihre Abende m einem stickigen, heißen, überfüllten Zimmer zugebracht, ganz und gar nur jenem geistigen Problem hingegeben. Es mag sein, daß sie einen Teil der Zeit hätten besser aNbriugen können^ cuet eins steht wohl fest: Diese Jugend ist sittlich nicht verdorben! Wie man schon gesehen hat, beschränkte sich das Interesse der Leute nicht etwa nur auf jüdische Dmge. Man kann sich ka!nm verstellen, mit welchem Eifer Hort die gute Literatur des Westens verschlungen wird. Ich möchte behaupten, daß selbst unsere humanistisch gebildeten jungen Leute im. Wösten im Durchschnitt längst nicht so beschlagen in der deutschen Literatur und zumal in den Klassikern sind, wie die meisten ihrer Altersgenossen dort im Osten, die doch größtenteils wenigstens nach dieser Richtung hin Autodidakten sind. Unsereins fturn direkt dort in Verlegenheit. Ick. erinnere mich, daß ich mit einigen jungen Leuten eines Tages spazieren ging. Es entspann sich unter ihnen ein Gespräch über 'Knust, das Mit großem Eifer geführt wurde. Ich hörte im allgemeinen ruhig zu und warf nur einmal, vermutlich um zu zeigen, daß ich doch auch etwas über, Kunst gelöfert hätte, hin, ' „etwas Mhuliches sagt' Lessing im Kapitel 5 seines ,-Laokoou". Darauf sahen sich die Lrutchen verdutzt an und ein junges Mädchen sagte/ bejche:den: ,/Verzeihen.Sie, aber das steht im Kapitel 6." — Ich war künftig vorsichtiger. '• Zugegeben ist, daß Lieblinge des deutschen Volkes, wie die Cöurths-Mahler, im Osten wenig bekannt sind. Die von unserer Verwaltung eingerichtete Presse aber, welche sich um die Verbreitung deutscher' Kultur verdient zu machen hatte, suchte diesem Mamgel abzuhelftn. Aber ich fürchte, daß selbst die ,F!ownoer Zeitung" mit der Veröfsentlichung eines langen Romans von Anny Wothe dieser Dichterin keinen neuen Vevehrerkreis hat schaffen können. BereinZleben. Äußer dem Kultzurverein gab es in Bialystok noch eine große Anzahl von Vereinen aller Art, die alle eins gemeinfam hatten: unendlich ausgedchnte Debatten. Der ruffische Jude ist der geborene Redner, aber ihm fehlt jede Fähigkeit, sich zu beschränken, und so werden die besten Reden durch ihre Länge oft um ihre Wirkung gebracht. Da es im.zaristischen Rußland ja kaum ein rechtes Vereinsleben geben konnte, ist es nur begreiflich, daß man sich im Osten nur schwer und allmählich a.n die dm Westen längst bekanntsn ^rlamentarischen Notwendigkeiten zu gewöhnen vermag; fehlte doch bis zur Revolution von 1905 den Räassen Rußlands jede Keutnis der Parlamentsformen. Als 1897 der erste Zienistenikongreß stattsand, geschah es, >daß mitten in einem Referat ein Herr S. aus Südmßland sich von!seinem Stuhl erhob und aus allen Kräften mit einer aus der Tasche gezogenen Tischglocke zu läuten begann. Ms Dr. Herzl empört und erstaunt auf-. , fuhr, meinte Herr S. gang unschuldig: „Sie haben doch auch 'ne Glocke, Herr Pväsident!" Als darauf Alexander Marmvrek, der vor Lachen fast bersten wollte, sich der Glocke bemächtigen wollte, rief Herr S.; „Die Glocke gehört meinem Hotel!" Menst man sich solcher Episoden erinnert, muß man sich wundern, wie schnell man in Ruß- land sich ans parlamentarische Formen gewöhnt hat. Fast alle Vereine haben irgend einen parteimäßigen Einschlag. Das Parteiwesen ist im Osten sehr, entwickelt,. Wem,;,*»« uud ihre Gegner bekämpfen sich heftig, ebenso Orthodoxe und. Fortgeschrittene. Nur etwas der westlichen Assimilation Achnliches gibt es dort kaum. Kein Fude bildet sich etwa ein, daß er zu einer anderen Nation gehöre, als der jüdischen. Der Gedanke der nationalen.Gin* heit steht über allen Differenzen und sie wird nicht daduH gefährdet, daß hei Verfolgung eines jeden Parteiprogramms ein Radikalismus in die Evfcheinung-tritt, dem im Westen kaum etiwa's an die Seite gestellt werden, kann. Zu Kompromissen irgendwelcher Art herrscht dort wenig Neigung. Wne große Rolle im Veremsloben spielt «das Liehhabertheater, Gs gibt eine Reihe ausgesprochener Theater vereine, aber auch sehr viele andere Vereine pflegen von Zeit zu Zeit zur Füllung der Bereinskasse Aufführungen zu veranstalten. Solche Aufführungen werden dort viel ernster genommen, als bei uns rm Westen. Man spielt nicht etwa jene entsetzlich harmlosen Einakter, die die Froude unsever Backfische 'bilden, sondern man wagt sich an sehr ernsthafte und schweire Aufgaben. Die Inden sind überhaupt ein theaterwütiges Volk. Für die jungen Menschen . dort, denen ein fester, unabänderlicher Rhythmus das Leben gliedert, ist das Theatevspielen ein Ventil für ihre Lebenshedürsnisie. Hier können die jungen Mädchen, die ihren ganzen künftigen Lebensiveg, den PflichtenkxM, der sich nach der Verheiratung ihnen auftun wird, klar vor Augen sehen, ihre.Sehnsucht nach dem Leben da draußen in »der fferne, eine ihnen nur aus der Literatur bekannte Welt, in künst- ' Wischen Träumen befriedigen, hier ihre Sensation finden -und sich recht eigentlich ausleben. Für diese jungen Leute gilt iroch das Wort von den „Brettern, die die .Welt be- -deuten", und so wird mit gswaltiger Hingabe gespielt diese.Menschen erleben wahrhaftig, wasftcdarstellen. - Mus diesen Liebhaberbühnen hat sich manches Talent entwickelt und viele haben de-n Weg zur großen Pühne gesunden; denn «'s gibt ein jüdisches Theater und natürlich gab es auch in Bialhst-ok eine ständige jüdische MW. ■ (Fortsetzung solat.) 5981399519^85971