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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-23 · Heft 1953 (23.7.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1953 (23.7.1924)
Date
1924-07-23
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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UM? y1!,-'v«G.. >nyy»{wro-r!»-.<r>»?«m™*? ~ «M« M«, r~~ *'* " WlMer Morgenzeituns. m.im gesehen hnicb. Sie wird zu dem Mantel, in den sich die politische Korruption gerne hüllt. Düs Treiben der geheimen chauvinistischen Mordep- «ftllfchaften hat in Deutschland die Lust verpestet. Sicherlich gibt es in der deutschen Polizei viele tausende ehrenhafter, disziplinierter Beamten, die da wissen, daß' sä mtt Diener der' O'effentlichkeit und des G^etzes sind. Aber sie sehen, daß der Mord als staatserhallend geehrt und gepflegt wird, daß die Mörder unter dein hohen Schutze der O'bricfteit stehen; sie sehen, daß die Mockpredigt wider die Juden ungeahndet bleibt und daß in der bayrischen Ordnungszelle sogar die Primi-! tiven Rechte der Juden außer Kraft gesetzt werden konnten, ohne daß die Republik ihre Autorität geltend machte. Me demoralisierend müssen solche Erfahrungen, deren jeder Tag zu Dutzenden bringt, auf diese Beamten wirken!'Und so ist es politisch erklärlich, daß sie zu ihren KWorganen Schubbejacken und Subjekte wie diesen Hermann wählen,, der zu den Stützen der deutschen Gesellschaft gehörte. Wo das Hakenkreuz herrM, wird Haarmann zum Repräsentanten des Systems. Die deutsche MndelpMik. Die „Abschnürung" des besetzten Gebietes. , Lerkin. 28, Juli. (Woilff.) Der ReichstaMusfchutz befaßte sich mit den neuerlichen Paß- und Einreises chwieri gk eiten und nahm einstimmig einen ZewtvWrsmrtrag an, der das Eingreifen der Reichsregie r ang zur Beseitigung dieser Schwierigkeiten fordert, da diese geeignet seien, eine vollständige Mschnürung des-bssetzten Gebietes vom unbesetzten Deutschland herbeizUsühren. Der blecherne Kanzlerkandidat und seine Politik (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 22. Juli. Großadmiral d. T i r p i tz, der bekanntlich von den Deutschnatwnalen zum Reichs'kanzlerkandi'daten nominiert worden war, hat in eine-m Jntervieiw, das er der Berliner Spezialkorespondentin des ,^Jnternationevlen New Service" gab, seine -Stellungnahme zum Dawes-Bericht in einer Weise geäußert, die zeigt, daß er treu der schwarzMiß-ryten Flagge wenig von Politik -versteht. Tirpitz erklärte sich von Vvrnehe-rein als entschiedener Gegner des Dawes-Planes und bemerkte 'weiter, daß Deutschland total verarmen würde, wenn es. den Dalwe's-Plan. annehme. Aber in demselben Interview eMrte dieser entschiedene Gegner des Dawes-Gutachtens,-er/würde.es annehm en, trotzdem Deutschland nach seither Annahme noch mchr versklaven würde^ als seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages, sofern die Rühre, und Rheingegend völlig geräumt werden würde. Üeher die Folgen, welche sich durch die Ablehnung des Dciwes-Gubrchtens fiir Deutschland ergeben könnten, schwieg sich der blecherne Kanzlerkandidat aus. Krawalle im Reichstag. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 22. Juli. Bei Beginn der heutigen Reichskagssitzung veranstalteten die.Kommunisten, die üblichen Kiemen Demonstrationen für die politischen Gesänge n e n. Eine Reihe weiterer Rust und lärmender Tumult wurde auch gegen den Reichstagspräsidenten laut, als «r die Frage der Haussuchung in den Reihen der kommuntstischen Fraktion zur Debatte stellte und darüber.berichtete. Es gab Rust wie: ,Mie Verbrecher, Pie politisch e r L u st m 3 r d e r." Die Völkischen ergingen.sich in Gegenrustn; erst allmählich trat Ruhe ein, so daß der Präsident seine Rede fortseotzn konnte. Die Krawalle wiederholten sich noch öfter. Nach einer zweieinhalbstündigen Rede eines.kommunistischen Abgeordneten vor leerem Hause, wmde^'die Sitzung, v e r t a g t. mKlagemurt. Sie litauische Politik in Memel. Gegen die Minderherteu. Kowno, 22. Juli. (Tel. d. ,Mener Morgenzeitung >) Wie bereits mehrmals berichtet wurde, fü'hrt der litauische Regievungökommissär in Memel eine ausgesprochene UnterdrückungSpolitik gegen die nationalen Minderheiten. Die Vertreter der jüdischen und Polnischen Minderheiten im liMischen Sejm haben eine gemeinsame Besprechung abgehalten, in der Äschlofsttt wurde, geM diese Unterdrückung der Mindecheitsrechte schärsste'ns aUfzutreten. Ein gemeinsamer Protest bei der Regierung ist bereits erfolgt. _ Sic Umbildung der Kabinetts Srübski. Noch kein Außenminister. „ (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") ÄaDHarr, Arrll. Die Sejmsession ist bereits geschlossen, trotzdem sind die Führer der großen Schmklubs in Warschau geblieben, um die mit der teilweistn Kabinettskrise zusammenhängenden Fragen zu Äsen. Die Nominierung eineS neuen Außenministers ist noch nicht erfolgt, obwohl die Hiesigen leitenden politischen Faktoren der Meinung sind,. daß es bei der heutigen Läge' in der internationalen Politik unmöglich sei, das Außenministerium längere Zeit unbesetzt zu lassen. Aus dem Auf Veranlassung der Kammer ftir Arbeiter und Angestellte hat das Buibdeskanzlebamt (Justiz) in die oßfizielle Sammlung der prinzipiellen Entscheidungen (unter 3212 ex 1924) ein Urteil des Ci nigu n g§ aMte s in Klagen- . furt ausgenommen, welches auch schon wegen seines Tatbestandes bomevkenswert ist, weil daylms ersichtlich ist. zu welchen Zwecken Hakenkreüzlersturmkompagnien zu haben sind^ Ein Schauspieler.in Klagenfurt, der als j u g e n dl ich er G e s a N g s k o m i k e r engagiert war — sein Name Wird in dem amtlich Publizierten Urteil nicht genannt — war, obwohl sein Engagementsvertvag . bis Palmsonntag d. I. lautete, vom Direktor schon am 6. Dege-mber 1923 ohne Kündigung entlassen worden. Da auf Viesen Vertrag die Bestimmungen des Kollektivvertrages des Verbandes 'der österreichischen Theaterdirektoren und des Deutschösterreichischen Bühnettvereines Anwendung hatten, 'brachte der SchaltspNer, der auch Betriebsrats m. i t g l i e d war, beim EiniHUNgSamt best Antrag ein, seine Entlassung für unzulässig und unwirksam zu erklären. Der geklagte Thmterdivektor machte als EntlafsungSgrund geltend, der Klager habe, um das Auftreten eines anderen Gesangskomikers zu verhindern, eine Siürmkompagnie der Hakenkteuzler aufgeboten, die teils vor dem Theatergebäude Aufstellung nahmen, teils sich i n d a s T h e a t e r selbst begaben, um wie der Kläger selbst angekündigt habe, seinen Konkurrenten äuszupfeifen. Dazu sei es allerdings nicht gekommen, well der Kläger sich offenbar im letzten Moment anders besonnen habe, allein schon die Vorbereitungen hierzu bilden für den Dheatevdirektor, für den ein Theaterskandal verhängnisvoll werden könne, einen Entlass u n g sg run d gegenüber einem Schauspieler, der zu solchen Mitteln greift, mn das Auftreten eines anderen Schauspielers von seinem Fache zu verhindern. Nebenbei machte der Geklagte auch künstlerische Unfähigkeit des Klagers, die auch in der PDesiermnd im Publikum zum Ausdruck gekommen sei, j Entlassungsgrund geltend. ' Die „Ehre" der HorM-Agentm. Budapest, 22. -Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Das Budcvpester Strafgericht verurteilte heute zwei Mitarbeiter des.Blattes ,Kz E st",, die nn Vorjahre im Zusammenhang mit der Entscheidung - der Rep-arati-onskommlffwn in der ungarischen An.leihefrage in ihvom Blatts behauptet hatten, die.Pariser Nachvichtenagendur Havas hatte das Ungarische Telegraphen - Korrespondenzbureau der F a l s ch u n g bezi chtigt, Wegen Verleumdung zu -je zwei Wochen Gefängni's und zu je fünf Millionen Kronen Geldstrafe. (Das sattsam bekannte Ungarische Telegrap'hen- 'Korre-spondenKbureau hat tatsächlich den Bericht der Agenoe Hadas über die.Beschlüsse der Reparationskommission in der ungarischen Anleihefrage verfälscht und wurde auch von der Pariser Agentur berichtigt. Die Red.) Sie Haftpflicht der BanlsunktioirSre. Wie erinnerlich, wurde der von der Bankenkommission ausgearbeilete Gesetzentwurf betreffend die zivilrechtli che Haftung der Gaukfunktion a re als Initiativantrag von den Parteien eingebracht und einem Unterausschuß des Finanzausschusses nüt &em Aufträge zugewiesen, binnen drei Wochen dem Nativnalrat einen verhandlinngsreifen Bericht vorznlegen. Der Referent dieses Unterausschusses, Abg. Strveruwitz, hat seinen Bericht strtiggestellt und ein völlig neues Gesetz geschaffen, besten Bestimmungen den Sozialdemokraten zu wenig scharf dünken. Im Zusammenhang damit waren 'Gerüchte verbreitet, daß .das HaftWcht- ' gesetz Vor den Ferien nicht ntt'fft irtt Parlament erledigt weivdött wird. Auf Betreiben der Großdeutschen hat nunwehr Präsident Miklas die Erklärung abgegeben, er werde die zweite Lesung des Gesetzes auf die Tagesordnung der nächsten NationalratS- 'sitzung stellen. __ Unzusriedenheit unirrde» BundesangesteAten. Wegen der Gehaltsvorschüsse. In einzelnen Dienststellen wurde bereits mit der Auszahlung der Vorschüsse aus die Neue Beso'ldungsrelforM begonnen. Die vom'FinanMiuisterium^ ftstgelegte Bevechs nungsgrundlage für das Ausmaß diejör Borschüste hat in den unteren Verwendungsgruppein ÜuwMn herborgevufen, der sich durch le bhafte Auftritte in /den Aemtevn kundtat. ß WerbeLMonnentenfürdie ß I „Wiener Mrgenzeitung" I D!e^Polizeilichen Erhebungen ergaben die Richtigt keit dieser Angaben. Drei Schauspieler, die infolge der Anzeige des Direktors von der Sicherheitsbehorde vernommen wurden, gaben an, der Kläger habe ihnen in der Theatergarderobs erzählt, c5 fei tags vorher, beim, ersten Ausiveten des ange'kÜndiHten Gesangskomikers, eine Gtuvmkompaguie >der HvbeNkveuzler vor dem Dheater aufmarschiert, wobei er.(Kläger)" die Parüde abgehalten habe. Sodann fei rin Mann kwrgetreten mit der Frage, ob er w e i t e r « Befehle habe, worauf er, zur Antwort gab: „Heute Nicht." Darauf sei die Kompagnie a bmarschiert. Der . Kläger.selbst gab dies bei seiner Hnberna'hme zu und bestätigte auch, daß er mehrere Herren der Stuvntkompagnie ins Theater dirigiert habe,. . um als Äaque zu dienen. Da er aber, alles widerrufen habe und es weder vor, Noch im Dheater zu Ausschreitungen gekommen sei, -könne der Direktor keinen EntlastungSgvund ldaraus ableiten. Auf Grund dieses SachivechaWeS wies das EinigungSamt die Klage ah und erklärt« die.Entlastung des Klägers für gerechtfertigt. In der Belgründung wird hervorgchoben: Ein Thea-berfkaudal, wie ihr: der Kläger im Sinne hattestt geeignet, den Ruf des Unternehmens ungünstig zu beeMflusten, anderer möglicher Folgen nich zu gedenken. Der Kläger hat allerdings s^ne Msicht nicht in die Tat umgesetzt,,er ist von der Ausführung feines Vorhabens zurückgetreten, allein schon seine Vorbeiverbungshandlungen rechtfertigen seine Entlastung. Durch seinen knapp bis zur Ausführung gediehenen Entschluß hat er ein Verhallen an den Tag gelegt, welches in dem Theaterdirektor die Befürchtung Hervorrufen mußte, ein Mann, dem das Schicksal des Dienstgebers und des Untemehmens gleichgMg ist, könne zur Becholyung Pevsönlicher Interessen Mittel anwenden, die das Interestsdes Direktors schwer gefährden. . Es wurde als soziale Harte bezeichnet, daß man den ohnehin wirtschaftlich schlecht gestellten - Angeste l l te n der untersten BerwendnngSgrnPPen bis zu 20 DieusthahreN nur drei biß sechs Prozent des Gehaltesd. 1.100.000 Vis 300.000 K., als Bovschuß gab.' während die wirtschaftlich bessevgesMten oberen Gruppen bis zu 60 Prozent, das sind gegen Kvei MiNonen Kronen, und die höchsten Gvüppen 100 Prozent als Vovschüste erhielten. ES gab einen Sturm der unteren MgesteMmckategovien auf die Gewerkschaften und auf die Psrsonalbertretuugen. von tvelchcn in erregter Weise eine Mtron zur AusgleichälNg dieser Gegensätze verlangt wurde. Me «eueu UulverfltAsinWute. DÄannMch wurden schön vor Krichsbeginn die Pläne für das Dritte medizinische Unnivevsitätsinstitut in der Schwarzfpanierstraße und für die-zwei neuen chemischen Institute in der Währingerstrahe fertiggestellt und mit den Bauarbeiten begonnen. Wahrend des Krieges, konnten die baulichen Arbeiten vollendet werden, für die innere Ausstattung der drei Institute fehlten aber die Mttel. Nun sind seit dem Kriegsende schon nahezu sechs Jahre verstrichen. Mit Ausnahme des notdürftig ausgestatteten Dritten m ediz inis ch en U n iv ersitL ts i n st it u t e s, in welchem die LchrküNzeln für Neurolygie, Histologie üttd Embryologie uutergebracht sind, konnte der volle Lehrbetrieb nicht ausgenommen werden, so daß die beiden chemischen Institute, obwohl sie in baulicher Hinsicht wahre Muster davstellen, verwaist sind. Der Unterricht in allen chemischen Disziplinen wird noch immer in dem itnzuläniglichen Institut nächst der Türkenstraße erteilt. Nun soll es, wie in akademischen Kreisen verlautet,gelungeusMM Mittel für die innere Einrichtung der zwei Zwischen Institute f l ü s s i g zU machen. Es soll mit allem Nachdruck auch an die Beendigung dieser Ar-- beiten gegangen werden, so daß die Hwei neuen chemischen Institute spätestens im Svmmersemester 1926 ihrer Bestimmung zugeführt werden können. Me Me lu d« Metallinvustrie. 36.000 arbeitslose Dketallarbeiter. Bei dem gegenwärtig in Men abgehaltenen Verbandstage des Oesterreichischon Mtüllärbeiterverbändes machte der Vorsitzende Nationalrat Domes Mitteilungen über die Wirkungen der Wirtschäftskrste auf die Metallindustrie. Er.führte unter anderem aus, W iwn 85:000 Wiener Metallarbeitern bereits 15.0 0 0 arbeitslos gowovdsn seien und daß von insgesamt 180.000 Metallarbeitern m Oesterreich 30.000 feiern. Sodann kam der Referent auf die Einstellung der Betriebe zu sprechen und wies daraus hin, daß von den 18 Kassenfabriken heute nur noch ztvei in, Betrieb, feien. Die Sensenindustrie stehe seit Monaten still und auch die NähmaschiNensadr.ikation habe aufgchört.. Rädner kündigt schließlich für die nächste Zeit Lohn kämst fe v o n großem Umfang fowie eine Erhöhung der Streik- Unterstützung im Verbände an, t.

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