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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-23 · Heft 1953 (23.7.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1953 (23.7.1924)
Date
1924-07-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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v ir- 7'*' ''T.’f "xvmnr »■ hi*'"' »* f.3 [Inzelnnmnier R1200 W\e n s Zum Abholen in der Expedition, ILTaboratr.1-3, »der in einer Verschleiprtelle Trafik) monatl. K 40.000 Strasaenverkauf in Wien ctürch die Kolporteure der Firma Goldachmiedt,l.Bez.« Wollzeile 11. Mit Postveraand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.000 Ta ch e c h o-S 1 owa k e i J Mon. K 18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. P o 1 e n: Mon. 37t Zloty, Deutschland: Mon.Goldmark4, Frankr,, Belgien: Mon. Frcs. 12 WM" Nachgahlungea 'M bei Prelierhohunjen Vorbehalten WE R DEN SI E «iRÜI ABONNENT DER Polen: 20 grony Italien: Monatl. 1^ l..in» Ru m a n i e n Mon.-I50l ei* Bulgarien Mon. 80 Lew». 8 ob weis und;dpa übrige Ausland mündlich Fr es. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborntrasselr-S Telephone: 44-0-38,43-3-1$, ab 6 Uhr ,bd, 2 ' 102.25-282 IX. Universlt3tsstr.:(>—-8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Poatapar* kaaaen- Konto Nr. 150.698 Sir. 19S3 Mm. Mittwoch. 23. Zu» 1924 6. Mrsang SK Bankiers Hatten die Garantien kör ungenügend. - die RevarationrkammMan. — Aussichten aut ein Für und gegen M M I (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 22. Juli. Heute. vormittags hatte Mae Donald mit Herriot eine lange Unterredung, bei welcher auch die Frage der Einladung Deutschlands zur Konferenz aufgeworfen wurde, ohne daß jedoch eine Entscheidung getroffen worden wäre. Der französische Frnanzminister Elemente! hatte vormittags in der amerikanischen Botschaft eine Besprechung mit dem Staatssekretär Hughes. In dieser dürfte ebenso wie in der heute vormittags stattgefundenen Vollsitzung des britischen Kabinetts die Anleihefrage für Deutschland welche durch die Besprechung der alliierten Finanzminister mit Morgans Vertreter Lam o n d und dem englischen Finanzrnann Sir K ind er! eh . in ein ziemlich schwieriges Stadium getreten ist, eine wesentliche Bolle gespielt haben. Die Bankiers Erklären, daß die Kontrolle etwaiger Verfehlungen Deutschttrnds durch die Reparationskommissioy^ für bie GÄvährung einer Anleihe k e\ *t 4 g ejtb « © 4; bo§ die Banken sich ge gen den auf der^Konserenz akzeptierten. Nandpunkt Frankreichs aussprechen und ähnlich den englischen Vorschlägen dem am/e^i kirn i sich iin Kontrollorgan einen weit größeren Einfluß schassen wollen, als es Frankreichs Wünschen entspräche. Zur Bereinigung dieser Frage, hatten heute nachmittags die F i N a n z m i niste r d e r A l l i i e r t e n eine neuerliche Konferenz mit den Vertretern der an der Uebernahme der deutschen Anleihe interessierten Banken, L a m o n d und M o n t a g n - N o r m a n. Wie die Dinge jetzt stehen, dürste Frankreich nachgeben müssen; wie ihr Korrespondent erfährt, beabsichtigt der belgische Ministerpräsident T h e u n is in der Frage der Anlerhegarantien, beziehungsweise der Feststellung von Verfehlungen Deutschlands eine Kompromiß forme! vorznschlagen, nach welcher im Falle einer deutschen Perfehlung nicht nur der Zahlungskontrollor und der Vertreter der Obligationen, sondern auch das Sachverständigenkomitee und der F i n a n z a u s schu ß des Volk e rb U n d e s befragt werden müßten. Heute tagten am Vor- und Nachmittag die Aus- 'chüsse der Konferenz; die Subkommission des Ausschusses für die Aushebung der Pfänder hat das Gutachten der Eisenbähnsachverständigen entgegengenommen, wonach bereits am 1. Oktober d. I. die d e nt s ch e Eisenbahngesellschaft gebildet werden könnte, welche im R.uhrgebiet die französisch-belgische Regie zu ersetzen hätte. Nach der Ansicht der Finanzsachverständigen könnte am 1. Oktober auch die Emissionsbank gebildet sein. Sämtliche Ausschüsse dürsten heute ihre Arbeiten beenden. Morgen vormittags treten die alliierten Ministerpräsidenten und die Vorsitzenden dex drei Ausschüffse zu einer Beratung zusammen, der am Nachmittag eines Plenarsitzung der Konferenz folgen wird. Dieser werden die Berichte des ersten und dritten Ausschusses bereits vorliegen. Morgan kommt nach London. (Eigendienst der „Wiener Mor-genzeitnüg") New-Iork, 22. -Juli. Morgan Wd Samstag seine drißefönib'iigte-fe^ m , Anschluß I r a n k re ich . Es wird dn-. genommen, daß er sich mit der Frage dßr/de Uis'che ü Anleihe befassen Wird. Don der Bank -MorWnsmd Kurzes in London anwesend: Lamont und Witney, ferner sind noch folgende amerikanische Grohbankleute in London und nehmen an den-VerhaMungen/offiziell teil: Mellon, Kahn von der Firma Kahn, Loeb u. Eo., ferner H a n n i s von der englischen Nationalbank, Prasser, der Vorsitzende der Bank Prest Company, ferner Speyer von der Firma Speyer u. Eo. Die deutschen BeraLunsen über London. Berlin, 22. Juli. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich heute mit der außerpolitischen Lage, besonders in bezug ans die Londoner Konferenz. Außenminister Dr. Stresemann hielt eine ausführliche Rede, in der er alle außenpolitischen Fragen eingehend darlegte. -Die Debatte über diese Ausführungen wurde auf M i t t w o ch vertagt. Nachmittags empfing der R e t ch^s kanzler die Fraktionsführer, denen er die Gesetzentwürfe zum Sachverständigengutachten überreichte und sie daün mit ihnen vertraulich besprach. I HD Der Kampf um das Petroleum. (Eigendienst der „Wiener Movgenzeitung".) Paris, 22. Juli/ Der Korrespondent der „C hicago Tribun a" übermittelt seinem Matte folgende Meldung: Es ist im Laufe der letzten Woche zwischen Jtal-i e n und Mos ka u ein mi I i t a r i s cherPa kl abgeschlossen worden. Diesem Vertrag zufolge würde Italien der russischen Regierung Garantien im Falle eines Angriffes seitens der Türkei zur Wiedereroberung der Petroleumquellen v o n B a k u geben und militärischen Beistand leisten. In Haris nimmt man diese Meldung mit großer Reserve auf. Lie franzöfisch-ingoslawischen Biindnisverhandlungen. . (Eikiendienst der „Wiener Mornen;eitnng"0 ' - Belgrad, 22. Juli. Bekanntlich/haben die französisch e n und s ü d s I «wische n Rsgierungsvertreter Verhandlungen zwecks Schließung 'eme.S: Schu tzb ü'n dnifses geführt. Diese Verhandlungen hatten bereits'zu einem - prinzipiellen Einvernahmen geführt?' Rach der Demission des Kabinetts P o i n c a r e/und der Regierüngs- ' ■ ■ ■■■ "■■■■ 1 ■ I Übernahme durch H e r riot wurden sie zeitweilig e i n- -gesiellt. In diesen Tagen sind die Verhandlungen neu .ausgenommen worden. Der juigoslawische Gesandte in Paris Spalaikowitsch konferierte in der Angelegenheit mit Ministerpräsidenten Herriot und ebenso Wurde auf der Konferenz der kleinen Entente in Prag die Frage eingehend erörtert. Man glaubt in hiesigen Politiken Kreisen, daß die Verhandlungen, zu einem Abschluß gebracht und im Herbst dieses Jahres das Bündnis geschlossen loerden wird. ©ine neue parlamentarische Niederlage Mac Ionalds. London, 21. Juli. (Reuter.) Im Unterhaus wurde die Regierung bei der Beratung über den Gesetzentwurf betreffend die Ä r b e i t e r w o h n u n g e n mit 201' gegen 155 Stimmen geschlagen.- Diese Niederlage- . hat ke i ne politischen K o n s e q u e n z e n. Das Unterhaus hat ferner mit 137 gegen 119 Stimmen einen von der Arbeiterpartei eingebrachten und von der Regierung genehmigten Abänderungsäntrag bezüglich des Arbeiteriwohnungsgesetzes - v e r w/g r s e n. Ein Amrag iauf Vertagung des Unterhauses wurde mit 174 gegen . 78^ Stimmen abgelehut. ' ‘ . System Haarmauu. . -y. Wien. 23. Juli. Köpenick erfährt eine vergröberte Kopie. Dort gab es, als - noch Frieden war, einen verdrossenen Schuster, der aus Haß gegen die Welt sich eine Königlich Preußische i Hauptmannsuniform anzog und' eine auf'der Straße aufgelesene Patrouille zum... Sturm/-auf.diestädtische , Steuerkasse führte. Die ganze Welt erkannte hinter dieser Karikatur das wahre Bild des militaristischen Stgätes. .. Inzwischen hat es den großen Krieg mit dazügeWigem Seelenausschwung gegeben. Den geänderten Zeitläuften entsprechend muß das Bild der Entartung heute .grausiger und blutiger ausfallen. Die Entwicklung ist von dem Schuster Voigt bis zum Viehhändler Haarmann gediehen, der in Hannover ein bestialisches Handcherk betrieb, junge Burschen mißbrauchte und ihnen im Rausch der sexuellen Extase die Kehle durchbitz. Einigezwanzig Opfer beklagt die Einwohnerschaft Hannovers, / auf etwa fünf Jahre gehen die Scheußlichkeiten, dieses - Vampirs zurück.'Die Frage, wie dies möglich war, wieso viele junge Leute spurlos verschwinden konnten, 'hat nun eine sonderbare Aufklärung gefunden. Dieser/Haarmann, ein schwer vorbestrafter Zuchthäusler/sta.nd/als- Spitzel im Dienste der Polizei und war durch' lan'ge / Zeit vermöge der Blechmarke, die er in der Tasche trug, / gegen'-Verdacht und üble Nachrede gedeckt. Diese Fest- / stellung hat denn auch die - sonst so polizeifrommen- Ge- ’ Wüter in und außerhalb Hannovers in Aufregüng ge-' bracht- und.einen Politischen Skandal verursächhcher,stch.-.. sogar in^dem an solchen-Affären nicht' ärmM -MMch^ ' lgnd von heute sehen lassen kann.^;xf- \ Das Spitzeltum ist ein altes, gernangdvenMed/ Requisit der Polizei, die im Kampfe mit Em brechertum die einfache, klare Linie ihres Zweckes ver-' loren hat. Sie soll die Ruhe in Straße und Haus sichern-. Dieser ersten und ursprünglichen Bestimmung ist sie durch ihren Mißbrauch zu politischen Dingenentzogen worden und sie sichert heute/ wohl in allen Staaten' der Welt, die jeweils herrschende Richtung. Sie dient, nicht dem Gesetz, sondern der Obrigkeit, und deshalb ist ihr' die Unterstützung durch Denunzianten, Gesinnungs-- schnüffler, Briefabschrerber und haltlose Lumpenpröletarier stets willkommene Hilfe. Wenn man die Autorität der Regierenden berufsmäßig zu verteidigen hat, so be-- grüßt man gerne die Mitwirkung von Leuten,-die sich im Publikum umhertreiben und-aus der Unzufrieden-' heit ein Geschäft machen, das sie'nährt und das gleichzeiüg auch andere lichtscheue Geschäfte verdeckt.. Der- Spitzelberüf blühte seit je;, bürgerliche Achtung'brachte er nie, wohl über Geld und Macht.- Der Antrieb', das Schicksal von Menschen in der Hand zu haben, sie..zu überwachen, in ihren Mienen zu lesen, sie zu verführen, ist für viele ein Narkotikum, dem sie sich gerne-hingeben, auch wenn es ihnen keinen klingenden Lohn bringen würde. In dieser Institution greifen die Systeme unmerklich ineinander. Die Tscheka der Sowjets ist die direkte Fortsetzung der zaristischen Ochrana. / .Beide stehen aus der Grundlage der Klasse, deren williges. Instrument sie bleiben und deren Diktatur - sie/dienen. Nun ist aber Deutschland, wie. ein-ziemlich glaubhaftes Gerücht behauptet, eine demokratische Republik mit allem, was dazu gehört. Sie hat StaatsgrUndgesetz, Volksbeauftragte, Parlament und Harlamentchen, sie hat die öffentliche Kontrolle. Aber das alles ist nur äußerliche. Fassadenverkle'ldung. Innerlich steht es arger als vorher. Die Republikruht aus . tönernen Füßen, sie chat keinen Freund, keine tatbereite Partei, keinen Lebenswillen. Nicht einmal eine! ihr ergebene Polizei. Diese Institution kann "nur von! dem festen Willen einer Autokratie beherrscht werden. Sie kann-sich, solange sie ein politisches Instrument ist, mit der Herrschaft des Volkes nicht befreundenweil es ihr nicht in einer scharf präzisierten, sinnfälligen Form entgegentritt. In solchen Fällen entsteht eine Diktatur der Bureaukrätie, der die Polizei gerne dient, weil sie.Fleisch von diesem Fleisch ist unb tveil sie Allgewalt und Allmacht erhält. Sie beschützt die -Kläffe und ihre starr gewordenen Anschauungen üb^'r alles, was so als ftaa'tserhaltend und als/sein Widerspiek an- -

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