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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-22 · Heft 1952 (22.7.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1952 (22.7.1924)
Date
1924-07-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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;v.: v."-- Men, Dienstag Miene« Moraenzeitung. SS. >FM IVS4 grt. woa gewann. Zunächst Karl Spitzweg, als Landschafter trefflich zur Geltung kommend, dann Defregger mit älteren Wer« ken, Arnold Böck lin mit Studien aus seiner Münchener ' Zeit, Grützner mit seinen populären Falstaffbildern, Münchener Lokalgrößen wie Schleich, Schmid, Wenglein, Piloty, Lier, Lindenschmidt, und mehrere Jugendarbeiten von Lenbach, im ganzen also ein Stück jenes schlichten, halbbohemeartigen München, von dem uns heute in lustiger Anekdoten erzählt wird. Die N eue Sez e ssi o n ist der Sammelpunkt der Stürmer und Dränger. Ihr Plakat schon, drei rote Trommler, brüllt revolutionär — trotzdem auch sie in einer Tradition be- Langen sind oder —, sagen wir — in einem Wahn, aus dem er nur ein böses Erwachen gibt. Ihr Auge sieht grotesk, ihre HsschmackskuHur kämpft noch mit unverdauten orientalischen Formen, die Relativität des Raumes bringt die Formen der Natur durcheinander. Ein starker Wille, ein heißes Temperament, das Ueberschäumen der Jugend, all das torkelt noch un- > sicher auf einem Bein und hohnlacht dem Philister. Immerhin, Starkes setzt sich durch, ehrlich Ringendes kämpft Widerspruch nieder. Brüne, Teutsch, Unold, Schrimpf, Lichtenberger, Kanold, Kasper beginnen sich durchzusetzen. Neben diesen Unentwegtesten stehen die Unentwegten Feldbauer, Puttner, Th. Th. Heim, Schinnerer. Sie kämpfen, obwohl die Würde ernsten Namens auf' ihren Schultern tragend, mit. den Jungen. Kubin gibt das Niveau der Graphik an, Edwin Scharff das der Plastik. Wenn man Liebermann, Corinth' und Heinrich Wölfflin modelliert hat, kann man auf Beachtung Anspruch erheben. Nach jeder Klassik kommt eine Moderne. Und man muß . »wr abwarten, bis diese Moderne wieder — Klassik wird. München, Mitte Juli. —r. —ld. Musik in sowietrußland. Die künstlerische Bilanz der Moskauer Saison. Der DduisMritiker der „Jswestia", A. Sabanejew, schreibt über die Ergebnisse der künstlerischen Saison und kommt zu dem Schluß, daß die russische Kunst eine ungeheure ^Krise erlebt, die ,-verderblich für die russische musikalische Kultur werden kann". Ter Grund liege nicht im Fchlen schöpferischer Werte oder etwa in der Verarmung der Estrade, die immer noch auf künstlerischer Höhe steht, sondern in den kolossalen Defiziten, die die musikalischen Veranstaltungen ausweisen. Die Kulturschicht der Bevölkerung ist derart verarmt, baß Konzert, Theater und ein Buch für sie unerschwinglich er Luxus wurden. Die Staatskasse kann auf die Dauer nicht mithelsen und die früheren Mäzene gibt es nicht mehr. Das Kommissariat für Volksausklärung und die Leitung des Mademischen Theaters in Moskau bildeten in Form einer Mtiengeselbschaft die Russische Philharmonie, um Symphonie- und Kammerkonzerte zu geben. Man will Dirigenten aus dem Anslande emladen, wie F u r t w ä n gler, und-die russischen Dirigenten Medtner und. Prokoffj e^)t Dur MKchr bewegen- Die Russische PhiHar-mpnie laßt sin eigeneSOrgan, die „Neste Rampe", erscheinen, in dem die ersten MuMschrfftsteller Rußlands, mit wichtigen Beiträgen vertreten sind. Vits den Mater«. Volksope r. - Die Abschiedsvorstellung * des Opernensembles des Präget tschechischen NationaltheaterS findet' morgen statt. Zugunsten des' deutschösterreichischen Bühnenpereins sowie des.Orchesters..und des technischen Personals der Lolksoper-gelängt die komische Oper „Die verkaufte Braut" zur Aufführung. — Heute. Tschaikowskhs „Pique dame". Die Lisa singt in dieser Aufführung Marja Bogucka. Lust spie lth-e ater. Heute bis Donnerstag „Der kühne Schwimmer". Freitag Premiere der Schwanknovität „Die Kleine vom Variete" von Alfred Möller. Im Carl-Theater bringt heute das jüdisch-amerikanische Kunsttheater „Tewje. der Milchmann" wieder zur Aufführung. Donnerstag ist ein zweiter Bunter Abend angesetzt. Neues Wiener Stadttheater. Heute „DaS grobe Hemd". M e t r o p o l t h e a t e r. Die Wohltätigkeitsvorstellung am 31. d., halb 8 Uhr abends, findet trotz des Zusammenbruches der Direktion statt. Ensemblegastspiel des Modernen Theaters in der Prager Kleinen Bühne. Diese Woche gastiert ein Ens emble des Modernen Theaters in der Prager Kleinen B ü h n e. mit der dreia-ktigen Komödie „B. G. B. § 1312" von Ernst Hess e und mit dem Schwank „M a i s o n Grün W ald". Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik. Die internationale Ausstellung neuer Theaiert e ch n ik wird von der Gemeinde Wien im Rahmen des Musik- und Theatersestes vom 15. September bis 10. Oktober d. I. veranstaltet. Die Ausstellung findet im Wiener Konzert Hans statt. Zweck der Ausstellung ist, die Resultate der neuesten Bemühungen auf dem Gebiet des Thsateiwasens und auch des Kinos, sofern es mit dem Theater züsammenhängt, zu zeigen. Die Ausstellung, verwirklicht nach Mänen des Malers Friedrich Kiesler eine neue Ausstellungsform, um Enttvürse, Figurinen und Szenenmodelle, ferner das bühnen-, theater- und kinotechmsche Material vorzuführen. Die theater- und kinotechnische Industrie wird gemeinsam mit den Künstlern ausstellen und innerhalb der Ausstellung lebendige Fäbrikationsbetriebe einrichten. Im mittleren Konzerchaussaal wird ein neuer Bühnenbau durchgesührt werden, um dem Spiel eines Theaters .der Zeit eiq^e. umfangreichere Basis zu geben, als ihm die jetzige Guckkastenbühne gewährt. Abgesehen von den Vorführungen der gesamten technischen Apparatur am Vormittag, werden nachmittags und abeüds Schauspieldemonstrationen stattsinden. Die Düsseldorfer Kunstausstellung. Am Samstag wurde im Kölner Exil (der Düsseldorfer Kunstpalast wurde von den Besatzungstruppen beschlagnahmt) die G r o ß e Düsseldorfer Aus stellung eröffnet. In etwa 30 farbig, aufeinander abgestimmten Räumen wurden ungefähr 1200 Pilder untergelbracht. Die Jury hat fleißig chres Amtes gewaltet und scharf gesichtet.'Wir wenden aus'die künstlerischen Ergebnisse der Ausstellung noch zurückkammen. Ehrengabe für Rirarda Huch. Die Gottfried Keller-Stiftung in Bern hat Ricarda Huch zu ihrem sechzigsten Geburtstag eine Ehrengabe von tausend Franken verliehen. Tod eines bekannten französischen.Schriftstellers. In der Nähe von Renn.es wurde aus dem Eistnbahngeleffe der halbenMeidete Körper eines Mannes gefunden, 'dessen Kopf, fehlte. Aus den bei dem Toten, aufgeifundenen Papieren geht hewor, daß es sich umden Schriftsteller Leon Claretie, dem Neffen des verstorbenen Direktors der Eomedie Fvancarse, Jules Elaretie, handelt. Es scheint ein Unglücksfall oder SÄbftmord vorzuliegen. Claretie hatte vor seiner Abreise feinen heftigen tztreit mit seiner Frau gehabt. Er war in zweiter Ehe. verheiratet. Seine erste, von chm geschieden, Gattin sst'jetzt die Frau der ehemaligen Minlsterprasidenl« Caillaux. . .. - ■ Operntexte nach StvlnMrg und Büchner. Dal „T r a u m js p t c l" von St rindberg hat der Freiburgei Komponist Julius Weis mann zu einem OPMntext der« , arbeitet. Weiterhin dichtet den Komponist an einem WeM/ dem Büchners Lustspiel ,Leonce und Lena" zur .Grundlage dient. — Büchners „Wozzeik" hat bekanntlich l der Wiener Komponist Min Berg vertont. Eine SegantinüAirsstellimg in St. Moritz. Anläßlich des 25. Todestages Giovanni Segantinis findet, im S e g a n t i n i - M u s e u m die Eröffnung einer G edächtnisausstelllung statt. Sie soll ein Bild vom Werdegang des Meisters vermitteln. Ein amerikanischer Theaterkonzern in Berlin. Di« S ch u b « r t - K o mP a g ni >e, der größte amerikanische Theaterkonzern, beabsichtigt, die Notlage der Berliner Bühneni Unternehmungen auszuwerten und durch den Dheaterageuten Hirsch einige Theater zu erwerben. Die Schubert-Kompagnide will die AuDattungsoPerette, die Revue und die Oper in Angriff nehmen. Hoffentlich bleibt Wien trotz seiner Theater- .Misere von dieser kunstfeindlichen Invasion verschont. Aus der Musikwelt. Das National theater in Mannheim hat die Oper „Taifun" (nach dom Schauspiel von Lengyel) von Theodor Szanto-zur Uraufführung erworben. Die neue Oper „König Roger" von Karol Stzhmono wski kommt in der bevorstehenden Spielzeit, im Nationaltheater -zu Warschau zur Uraufführung. Das Ballett „Achilles aus Skyros" von Egon Wellesz wird am Stadltheater in Duisburg seine Uraufführung erleben. Kleine Kunstnachrichten. Die Kollektion napoleonischer Reliquien, die der Kaplan Napoleons,. Abbe Paul Bignali, nach de-m Tode des Kaisers von St. Helena zurückgeibracht hatte, ist nach Amerika verkauft worden. Die Sammlung Bignälis enthält 40 Napoleon-Reliquien, darunter das silberne Besteck, das Napoleon bis zu seinem Ende benützt hat, seinen Becher, seine Kleidung und — seine Briefe. Auch die Totenmaske Napoleons befindet sich in dieser Sammlung. — In der Berliner Galerie Flechtheim werden Gemälde von Lautrec, die Montmartre-Motive bringe-n, und von Marie La u r encin zu „L e s B ich e s" des ruMchen Balletts Dlk-ja gh il ew s, ferner Landschaften von Mfred Mez aus Freiiburg, die er in Bneisach gemalt hat, gezeigt. Die Reihe der Kollektivausstellungen eröffnet im September der Berliner Max Rappaport) einer der begabtesten jungen jüdischen Maler. Das Wch'enlager eiuer MasarchUell. Friedrich Bevilaqua wegen Uebertretung -es WaffenpatentV verurteilt. Im August 1922 gelangte es durch anonyme Anzeigen zur Kenntnis der Polizei, Laß der Geschäftsdiener Friedrich Bevilaqua in seiner Wohnung, beziehungsweise im Keller des Wvhnhaüses/«in wahres Waffenlager besitze. Friedrich' Bevilaqua ist der bekannte Monarchist, der durch die große Schießerei in Hütteldorf, bei welcher der Arbeiter B i r n e ck e r sein Leben ließ, zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist. Gegen Bevilaqua und feinen Freund ünd Gesinnungsgenossen Anton Langway wurde die Anklage wegen liebertretung Copyright Nachdruck verboten. JMscher Verlag, Berlin. 48. Fortsehnng. MM W r? H 88«, kt. IQ 2Jjfc II' STOFFE Hawdoloh und Fapfeustrerch. Von Sammh Gronemann. Also eines Tages saß ich wieder mit einem sehr nett plaudernden Mädchen, die einen beinahe an die Wahrheit von Näkhanael Sichels Bildern Glauben machen lassen kannte, bei Strall und 'bewunderte mit einigem Vergnügen die Fertigkeit, mit der diese Ruth oder Esther nneMiche Mengen von Gebäck bewältigte, als mich ein fremder Unteroffizier ansprach und mich bat, mit ihm einen Augenblick beiftite zu treten. Ich folgte dem Ersuchen und hörte nun folgende merkwürdige Ansprache: ,/Herr Kamerad, gestatten Sie, daß ich Sie freund-, schastlich warne. Ich nehme an, daß Sie hier fremd in W-.lna sind. Wir hier in Wilna fallen auf diese Frauen- , ziwmer nicht mehr 'herein. Ich warne Sie auf das dringendste vor. diesen niederträchtigen Judenweibern, sie sind die gemeinsten Schwindlerinnen, die es gibt." Ich starrte ihn nicht wenig betroffen an und bat um nähere Erklärung. „Also," fuhr er da fort, ,/es ist ein für alle Mal totirchei dieselbe Geschichte. Diese Mädel lassen sich zum .Kaffee einwden, stopfen möglichst viel in sich-hinein — zu Hause haben sie ja nichts zu ftesfen —, und wenn sie satt sind da nn v e rschw inden s"." Ich habe mich durch wiederholte Experimente davon überzeugt, daß die ,Marnung" 'berechtigt -war. Nie in niemem- Leben aber habe ich einen Menschen ifo voll sittlicher Empörung gesehen -wie diesen Korporal. Ein literarisches Gericht. .. -Mer Gelegenheit hat, die ostjüdische Jugend in ihren freien Stunden zu beobachten, weiß,.-daß diese jungen Leute auf einem hohen, sittlichen Niveau, stehen. Sie benützen. jede Gelegenheit, um intensiv an ihrer geistigen Erziehung zu arbeiten. Der Atmosphäre des Äehrhauses sind sie. entfremdet und es ist interessant, zu sehen, in welcher ^se sie sich einen Ersatz dafür schaffen. Ich will ein Beispiel geben: Eines Tages fand ich im Bureau einen Zettel des Lehrers K. vor, in 'dem er mich bat, abends in den jüdischen Kultuiverein zu kommen, in dem ich etwas Interessantes sehen -würde. Ich konnte erst mit einiger Verspätung - dort eintreffen und die Sitzung war bereits im Gange. Der ziemlich große Saal war dicht geMt, das Auditorium bestand fast ausschließlich aus jungen Leuten beiderlei Geschlechts. Sehr viele hielten ein aufgeschtlagenes Buch vor sich. Ich drängte mich bis vorn durch.' Auf der Bühne stand eine 'kleine Hufeis-entafel, an 'der neun Leute saßen, an jeder Tafel drei, darunter auch eine Dame. Im Saale, unmittelbar vor der Rampe, stand ein Tisch, an dem eine Anzahl Damen und Herren saßen, die sich eifrig -Notizen machten. Sie alle, ebenso wie die Leute auf der Bühne, hatten auch. ExemMre jenes Buches, das ich im Saale bemerkt hatte, vor sich. Die Verhandlung dauerte einige Zeit, bis ich begriff, was eigentlich vorg-ing. Es fand eine Gerichtsverhandlung statt — ein fogenantes literarisches Gericht. Den Mitgliedern des Vereines war vor einigen Wochen ausgegeben worden, einen bestimmten Roman'zu lesen, und nun fand die Aussprache über dieses Werk in Gestalt einer gerichtlichen VevhaudluNg statt. Die Heldin des Buches war eine Art Novafigur, die von Mann und Kindern, anderen vermeintlichen Pflichten folgend, weggegangen war. Sie war nun wegen 'böswilliger Vertassung der Familie und wegen anderer Delikte unter Anklage gestellt. Die drei Herren am Mitteltisch bildeten den. Gerichtshof, an dem einen Seitentifch saßen die Vertreter der Anklage, an dem anderen Seitentisch die der Verteidigung, während die Leute vor dem Podium die Gefchwornenbank bildeten. Die BerhalNdlung gingin folgender Weise vor sich. Ein Vertreter der Anklage Avi-ef sich ettvü auf den Zeugen R., indem er sagte, der Zeuge R. sage auf Seite 83 —: überall wurde die Seite' aufgeschlagen — folgendes: t . und nun verlas er die betreffende Stelle. Flugs erhöh sich einer der /Verteidiger und sagte: „Der Zeuge, widerspricht sich, auf 'Seite-122 sagt er" — wieder blätterte alles — und nun erfolgte die Verlesung der anscheinend widersprechenden Aeußerungen des R. So erfolgte Hin- und Widerrede, und bisweilen' -wurde als Sachverständiger der Autor — Seite 68 und Seite 154 — vernommen. Aber auch. andere Sachverständige erschienen. DostofewM, Ibsen, der Prophet iJesaiäs, Knuch Hansum und Nietzsche mußten vor Gericht ihre Aussage machen. Die Geschwornen beteiligten sich eifrig und das PubMum folgte mit großer Spannung den Vorgängen. Man muß sich nun nicht vorstellen, daß die- Verhandlung irgendwie humoristischen oder pavodistischm Anstrich hatte; es 'war allen Beteiligten ungeheuer ernst, und 'der Vorsitzende leitete die Verhandlungen in ganz scharmanter Weise. Einmal, nach einer schlagfertigen Bemerkung eines der Prozeßbeteiligten, brach das PubMum in Geifallklats-chen aus. Der Vorsitzende wies, nachdem er die Ruhe wiederhergestellt hatte, in sehr eleganter Weise das Publikum zurecht, indem er sagte: „Ich bin nicht in der Lage, den Saal räumen zu lassen, ich bitte Sie; diese meine Schwäche mir nicht wieder, vor Augen zu führen." Die Verhandlung dauerte acht Tage, von 7 Uhr bis kurz vor. 10 Uhr, zu welcher Zeit ja alle Zivilisten in ihren Wohnungen sein mußten, am Sonnabend und Sonntag begann, die VerhaMung aber schon um 4 Uhr. Der Andrang des Publikums wurde von Tag zu Tag großer und buchstäblich Mußten täglich Hunderte unverrichteter Sache umkehren. In der Stadt wurde über den vermutlichen Ausgang des Prozesses gesprochen, wie es etwa bei einem Senfatid-nsprozesse in Berlin oder in Wien der Fall sein würde. Als am Sonnabend die Plaidoyers begannen, -würde -der Andrang beinahe lebensgefährlich. Ich habe selten so gute Anklage- und Verteidigungsreden gehört, wie -bei jener Gelegenheit. Von der einen Seite wurde die alte jüdische Tradition Und Sitte gegen die Angeklagte ins Feld geführt, von der anderen Seite rückte man mit dom Geschütz der Modernen an. Die Redner zeigten eine große Belesenheit Mnd äußerste Sprachgewandtheit. Nie während meiner langen Anwält'stätigikeit ist. mir ein Staatsanwalt so sympathisch gewesen, wie jene bildschöne Vertreterin der Anklage. - Welches Resultat schließlich herauskam, ist mir nicht mehr genau erinnerlich,,iso-viel ich weiß, kamen die Gefchwornen zu einem fuvistifchen Freispruch, aber einer moralischen Verurteilung, (Fortsetzung folgt.)

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