Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1952 (22.7.1924)
- Date
- 1924-07-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 1 ‘'V»' Nr. 1952 1 Wien, Diensiag Wiener ÄvraeniettWg. W. Juli 1924 Heit« 5 Ae Krise in der Metallindustrie. Ae Aasipnrung bei Waagner & Biro. - Ser Streik bei Srilf & Stift. - Set Berbandrtog des Metallarbeiterverbandes. Gestern hat der Verbands tag des Oe st erreichischen Met all arbeiterverband es seine Beratungen 'begonnen, die die ganze Woche' andauern werden. Der Verbandstag wird sich unter anderem auch zu beschäftigen haben, daß mit dem Wiener Jndustriellenverbande ein neuer Kollektivveritrag abgeschlossen werde, damit für die Wiener Metallarbeiter bessere Lohnbedingungen geschaffen werden. In der österreichischen Schwerindustrie ist eine Produktionskrise ausgebrochen, die für die Volkswirtschaft von nachhaltigen Folgen sein kann. Der Großteil der Metallindustriellen mußte infolgedessen die Betriebe einschränken und Arbeiter entlassen oder die Kurzarbeit einfi'chren. Während nun die Vertreter der Schwerindustrie behaupten, von diesen Einschränkungsmaßnahmen nicht ab gehen zu können, stehen di e Arbeitervertreter auf dem Standpunkte, daß es in erster Linie Pflicht der Unternehmer sei, auch in einer Krisenzeit für ihre Arbeiter finanzielle Opfer zu bringen. In vielen Fällen führten die Verhandlungen zwischen Unternehmern und Arbeitern zu keinem Ergebnis und es kam infolgedessen zu Aussperrungen oder Streiks. Verschärft wurde die Lage noch durch die Forderungen eines Teiles der Arbeiterschaft, die Teuerung der letzten Monate durch Lohnerhöhungen zu kompensieren. So kam es, daß sich die Zahl der arbeitslosen Metallarbeiter in Wien bis auf 14.000 erhöhte. Auf eine Umfrage bei einer Anzahl der bedeutendsten Firmen der Metallindustrie, die gegenwärtig in Lohnkämpfe verwickelt find, erhielten wir folgende Auskünfte: Die Brückenbaufirma Waagner, Biro u. Kurz hat ihre in Stadlau befindliche Gießerei seit drei Wochen geschlossen und zirka 400 Arbeiter ausgesperrt, weil diese auf die Forderung nach einem Abbau von 80 Arb ei t e r n nicht ein gehen wollen, Die Zwistigkeiten wegen Entlassung des Obmannes des Betriebsrates wurden auf die Werse Leigelegt, daß letzterer eine sechswöchige Abfertigung erhielt und sich mit seiner Entlassung eirrverstanden erklärte. Bekanntlich hat die Firma erst in jüngster Zeit von der Gemeinde Wien den Neubau der Brigittabrücke zugewiesen erhalten. Bei der Maschinenbau-Aktiengesellschaft i Körting sind 40 Jnstallationsarbeiter in den Ausstand getreten, weil die Firma deren Fordeung nach einer Erhöhung der Stundenlöhne um durchschnittlich 2000 K. nicht bewilligen wollte. In der Werkstätte der Internationalen Schlaswagengesellschast, . die sich in Favoriten befindet, sind gleichfalls 88 Arbeiter wegen Lohnforderungen in den Streik getreten. Die 650 Arbeiter der Automobilfabrik Griff n. Stift, die fett Anfang dieses Monats in Streik stehen, verlangen eine IZprozentige Lohnerhöhung. Außer den genannten Betrieben steht noch eine ganze Anzahl anderer, sowohl großer als auch mittlerer und kleiner Betriebe, vor schweren Lohnkämpfen. Der Mllerrdorler Skandal. Herr Pochwadt ist gekränkt. Mitteilungen aus dem Publikum. Zwischen der Regierung und den Parteien scheint ein stillschweigendes Übereinkommen geschlossen zu sein, über den Wöllersldprfer Skandal jetzt nichts zu reden. Die Gesellschaft reichsdeutscher Schieber, die für die Materialverschlieppungen in Wollersdorf verantwortlich ist und großen geldlichen Nutzen aus ihnen gezogen hat, hält die Regierung unter andauerndem Druck mit der Dachung der gänzlichen Betriebsstillegung der Wöllersdorser Werbe. Herr Sklavz läßt sogar flunkern, daß er der Regierung bei. der Entente recht unangenehm werden könnte, wenn es ihm an den Kragen ginge.' Weit empfindlicher ist der Geheime Kommerzienrat Adolf Pochwadt. Auch er weilte, als die. .WllerSdorfer Affäre recht brenzlich.zu werden begann, fern vom Schnß. In einem Schreiben, das er uns zuisendet, tut er nun sehr gekränkt über einen in unserem Blatte, erschienenen Artikel, der den Passus enthielt, daß Pochwadt sich neben Herrn Sklarz saldiert und Wien verlassen hätte. Er appelliert an unser Gerechtigkeitsgefühl und begründet seine Abwesenheit von Wien mit einer längeren Auslandsreise, die er zwecks Aufhellung eineß be-> stimmten ' Wöllersdorfer Vorfalles horgenommen habe. Er habe gar kerne Veranlasisung, sich vor irgend einer, wie immer gearteten Maßnahme der österreichischen Regierung zu schützen. Er hätte keinerlei Veranlassung, sich zu saldieren und im Gegenteil die Absicht, sich außerordentlich stark in Oesterreich zu betätigen. Herr Pochwadt versichert weiter, daß er Wien außerordentlich liebe und sich hier Wähler als an irgend einem anderen Platz der Welt fühle. Der letzte Satz seines Schreibens ist zu köstlich, als daß er hier nicht wörtlich zitiert werden sollte. Herr Pochwadt schreibt: ,Zch hoffe auch noch, Gelegenheit zu finden, beweisen zu können, daß es auch Reichsdeutsche gibt, die gewillt find, auf ehrliche Weise in der österreichischen Wirtschaft zu arbeiten." Die ärgsten Feinde dev in Oesterreich arbeitenden Reichsdeutschen hätten wohl keinen ärgeren Schimpf gegen sie ersinnen können, als er in der vorstehenden AMindigung des Geheimen Kommerzienrates' enthalten ist; besagt sie doch nichts anderes, als daß noch der Beweis für die ehrliche Arbeit der Reichsdeutschen in Oesterreich zu erbringen wäre. Da Herr Pbchwadt diese Beweisführung erst ankündigt und seine Behauptung auch für ihn als Reichsdeutschen gilt, so enthält sie implicite auch eine Selbstbeschuldigung Pochwad ts hinsichtlich seiner bisherigen Tätigkeit in Oesterreich. Ohne viel Gewicht darauf zu legen, da sich ja immerhin der Geheime Kommerzienrat aus dem Deutschen Reich in den Schwierigkeiten der deutschen Sprache verstrickt halben, könnte, sei die Bemerkung gestattet, daß wir den Unlschnlbsbetenerungen des Herrn Pochwadt nur jenes Maß von Glauben entigegenbringen können, das ein Mann verdient, der in Weimar ein hak-entkreuzlevifches Sudelblatt aushält, das von Lügen und Verleumdungen gegen einzelne Juden und das gesamte Judentum strotzt. Daß er sich bei' seinen Beziehungen' zu den hakenkreuzlieriisch . verseuchten Regierungsstellen in Wien außerordentlich wohl fühlt, ist ihm auf's Wort zu glauben; daß er gewillt sei, in dev österreichischen Wirtschaft auf ehrliche Weise zu arbeiten, dafür ist er den Beweis noch schuldig. Hoffen wir mit ihm, daß er ihn auch erbringen können wird. im städt. Strandbad Klosterneuburg mit einem und mehreren Raumen. Sommer über bewohnbar, verkauft mit 20]übrigem Pachtvertrag auf den Grund. Wir liefern auch Holzhäuser nach auswärts Klosterneuburger Wagenfabrik A. G., Wien, 12. Bezirk, Grieshofgasse 16, Telephon 82-4-39 m Wien, 22. Juli 1924. * Personalnachricht. Herr Julius Abrahamer, Chef der Firma Leon Abrahomer, hat sich mit Fräulein Liesl Fould verlobt. (Entgeltlich.) _ * Das abgestürzte Wiener Ehepaar. Heber das Wiener Ehepaar, dessen Absturz in der Schweiz wir gestern meldeten, wird noch mitgeteilt: Es handelt sich um den Frauenarzt Dr. Herbert Lothar Braum (nicht Braun) um» seine Gattin. Er war der Sohn des Schriftstellers und Literarhistorikers Karl Braum. Er galt als'tüchtiger SportSmann und Tourist. Dr. Braum stand im 29. Lebensjahre. * Ein Totschlag in Floridsdorf. Gestern in den frühen Morgenstunden kam der 22jährige Rudolf Staffel mit einer schweren. Stichverletzung in oer Brust in ein Wachzimmer in Floridsdorf.' Er gab an, kurz vorher von einem beiläufig 30 Jahre alten, unbekannten Mann bei der Nordbahnbrücke ohne Veranlassung gestochen worden zu sein. Er wurde ins Spital gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag. * Der neue akademische Senat. Nach den nunmehr durch- - geführten Wahlen an der Wiener Universität wird sich der akademische Senat im kommenden Studienjahr aus folgenden Hochschullehrern zusammensetzen: Rektor Prrs. Dr. Sperl,, Prorektor Prof. Dr. D ö l l e r, Dekan der juridischen Fakultät Prof. Dr. Voltolini, Prodekan Prof. Dr. Wlassak, Dekan der theologischen Fakultät Prof. Dr. T o m e k, Prodekan Prof. Dr. Innitzer, Dekan der medizinischen Fakultät Prof. Dr. Wassizky, Prodekan Prof. Dr. Fischl, Dekan der medizinischen Fakultät Prof. Dr. Uebersberger, Prodekan Prof. Dr. S u e ß, Dekan der evangelisch-cheologischen Fakultät Prof. Dr. Völker und endlich dem Prodekan dieser Fakultät Prvf. Dr. B o h a t e c. * Wiedereinführung der direkten Schnellzugsverbindung Holland—Belgien—Wien—Budapest—Bukarest. Durch die Ruhrbesetzung wurde die bis dahin bestehende direkte Schnellzügsverbindung von Ho l l a n d und v o n' B e l g i e n über Wien und Budapest nach Bukarest unterbrochen. Die Generaldirektion der Oesterreichischen Bundesbcchnen hat nun die Vertreter aller an dieser Verbindung beteiligten Eisenbahnverwaltungen und die Internationale Schlafwaaenge'sellschaft zu einer Konferenz in Wien eingeladen, die am 18. und 19. d. stattfand um die Wiedereinführung dieser für den internationalen Reiseverkehr besonders, wichtigen Verbindung ab 26. d. beschloß. * Eine zeitgemäße Warnungstafel. Mit Rücksicht darauf, daß sich in der engen Augüstinerstraße im 1. Bezirk schon mehrere Autounfälle ereignet haben und die LeMr der Kraftwagen trotzdem ihr Fahrtempo nicht mäßigten, wurde von Amts wegen in - der genannten Straße eine weichin sichtbare Warnungstafel angebracht, auf der zu lesen ist: „A u t omobile 6 Kilometertempo! Vorfahren verboten!" Es steht zu erwarten, daß die Chauffeure dieser behördlichen Aufforderung strikte Folge leisten werden. * Fünfzigjähriges Schriftstellerjubiläum. In diesem Monat feiert der bekannte hebräische Schriftsteller Mordechai Ben, Hillel Hakohen das fünfzigjährige Jubiläum seiner literarischen Tätigkeit. Geboren im Jahre 1856 in Mohilew, begann er im Jahre 1874 seine literarische Tätigkeit in dem von Perez Smolenski herausgegebenen „Haschachar". Er ist einer der letzten hebräischen Schriftsteller, die noch mittelbar von der H a s k a l a h, der Aufklärungsbewegung im jüdi- , schen Osten, beeinflußt worden sind. Er zählt auch zu den ersten Mitarbeitern der „Ehowewe Zion", und schloß sich dann dem Herrschen Zionismus an. Es gibt fast keine hebräische Zeitung oder Zeitschrift der letzten 50 Jahre,, an der Mordechai Bm Hillel Hakohen nicht mitgearbeitet hätte. Seine publizistischen Aufsätze wurden stets mit Vorliebe vom hebräischen Leserkreis gelesen. Im Jahr« 1904 gab er seine gesammeltn.Schriften untr dem Titel „Meerewad Erew" (,,Von Abend zu Abend") heraus. Im Jahve 1907 übersiedelte er nach Palästina, wo er bis henke eine führende Stellung im nenhebräifchen Leben einnimmt. Er ist auch der Begründer der ersten hebräischen Schriftstellervereinigung und hat ans dem Gebiete des Wirtschaftslebens durch Gründung von verschiedenen Kredit- und Sparkassen für den Wiederaufbau Palästinas Bedeutendes geleistet. Vor einigen Monaten gab er im Stybel-Verlag ein Memoirenw erk, „Kw ar", heraus. Mordechai Ben Hillel Hakohen zählt auch jetzt zu den eifrigsten Mitarbeitern der hebräischen, insbesondere aber der palästinensischen Presse. Pereine, Borttiige und Bersammllmse«. Jugend gruppe der zionistischen Sektion Prater. Heute, halb 9 Uhr abends. 2. Bez.. Jungstraß- 8. Herzl-Gedenkfeier. Festredner Dr. Klaber. Alle Jugendlichen ind eingeladen. Eintritt frei. — Verband, der zionr- 'tischen Jugendgruppen Oesterreichs. Heute, 8 Uhr abends, im Wiener Bürgercafe, 2. Bez.. Praterstraß: 11, Herzl-Feier, zu der alle Freunde der zionistischen Jugend c:n geladen sind. Regiebeitrag 2000 K. * Betlokale für die hohen Feiertage. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde teilt mit, daß er für den Be- . darf an temporären Bethäusern für die hohen, Feiertage durch eigene Maßnahmen vorzusoraen beabsichtigt; er, wird demgemäß nur in dem Falle tatsächlichen Bedürfnisses die Genehmigung ftrr ein temporäres Gebethans an Private ertcnen, welche vor Erlangung der behördlichen Genehmigung emgeholt werden muß. Die Gesuche um Bewilligung sind bis längstens 31. August im Einreichnngsprotokoll der JsraeliUjchen Knstnsgerneinde, Wien, 1. Bez.. Seitenstettengasse 4, 2. Stock, zu überreichen. Später cinlongende Gesuche werden nicht angenommen. Ueber die für die Gesuche erforderlichen Belege erteilt bn* Israelitische Kultusgemeinde Auskunft. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) Ale Wiener Kaufmannsbank i., Schwarzrnbersplatz 1, VI., Marialt lsersiratze 75, 1., Aoterrlurmstraße 20. I r t n ft t zur allgemeinen Kennlni s baß i e mit der „yesterreichr schon K a ulnünnischen Bank", 1. Bez., ^arkrtng 8, n keinerlei Interessengemeinschaft Oesterreichische Kaufmännische Bant. Gegenüber den haltlosen Meldungen eines Wiener Spätrbendblattes teilt die Bank mit, daß erst vor wenigen Tagen sie Bankenkommission das Unternehmen revidiert und keinerlei Anlaß gefunden hat, irgend einen Anstand zu erheben. * '' Protest, der Beamtenschaft. Die Beamtenschaft der Oesterreichischen Kaufmännischen Bank erklärt hiermit, daß die in einem Wiener Abendblatte veröffentlichten Mitteilungen über den angeblichen Zusammenbruch ihres Institutes vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Sie ist durch ihre Tätigkeit in der Lage festzustellen, daß die dortselbst mitgeteilten Tatsachen jeglicher Grundlage entbehren. Sie geben ihrer Entrüstung darüber Ausdruck, daß ein Wiener Blatt in einer derart frivolen Weise durch solche unkontrollierte und unwahre Mitteilungen an die Öffentlichkeit beinahe zweihundert Beamte und Angestellte unter Umstanden brotlos macht. Die Beamtenschaft setzt die größte Hoffnung daran, daß die öffentliche Meinung sich durch derartige Lügennachrichten nicht weiter irritieren lassen werde und das Bestehen des Institutes und somit, der Lebensunterhalt der Bühne und Kunst. Münchener Kunstleben. Modernes. — Klassisches. — Sturm und Drang. München versucht, feinen Namen als Kunststadt zu rehabilitieren. Kitsch und Kunst standen nirgends so nahe nebeneinander wie hier, nirgends gab es so viele und so „berühmte" Bluffer »nid Götzen und Götzendiener, denen die Dämmerung versagt blieb. Daß sich aber in der Stadt der Hitler, Ludendorff, Lossow, Kahr ein ehrlicher Kunstwille auffchwingt zu erfreulichen Resultaten, das beweisen drei Ausstellungen, die neben dem obligaten Jahrmarkt aufmarschieren. Zunächst eine ins Allgemeine und Weite gehende: Deutsche Malerei in den letzten fünfzig Jahren. Wichtig, daß die Lokalgrößen zum großen Teil fehlen, und wichtig, daß man sich daran erinnert, was gerade die letzten 50 Jahre in der deutschen Kunst bedeuten: den Weg aus der Atelierenge über eine engbrüstige Biedermeierzeit und Pseudorenaissance in eine Epoche der Licht- und Luft- Probleme, in eine Naturauffassung, die bei aller aus Frankreich importierten Problematik zum BMichen gestaltet wurde, Eine Gruppe ehrlicher, ringender Künstler, denen nichts Ueberlebtes anhaftet, Freilichtmaler mit einem Zuschuß von Formbildung, die ein bleibendes Gut bedeutet. Da ist zunächst MHelm Lerbl mit 20 seiner besten Werke, Porträts und Genrebilder (aus der Berliner Nationalgalerie, aus .dem Leipziger Museum, aus Münch>ener Galerien); HanS Tho m a, der als Naturalist begann und immer tiefer sich in eine seelisch glaubhafte Religion versponnen hat, mit Bildnissen aus den Siebzigevjahren und Landschaften der jüngsten Zeit, in denen ein zartes, göttliches Lächeln atmet. Bon den Meistern der Achtzigeru>rd Neunzigerjähre Arnold B ö ckl i n mit einer toskanischen Landschaft, der Historiker Wilhelm Diez, die Genremaler G r ü tz n e r und D e s r e g g er, der lyrische Haider und ein Gipfelpunkt deutscher Malerei, HanS v. M a r e e s, dessen Idyllen und Dithyramben noch immer nicht recht verstanden werden, der religiöse Naturalist Uh de, Lenbach, Klinger, Steinhausen und die starke Berliner Gruppe Liebarmann, Slevogt, Corinth und Zügel. Einige Kabinette sind den neuesten Künstlern gewidmet: Franz Marc, Macke, Hüther (in Wien durch seine Ausstellung in der Sezession bekannt), Feininger, der als Illustrator begann und als Expressionist endete, Kaspar, Coester, bei aller Drausgängerei einer Läuterung zustrebend, die noch vieles erhoffen läßt. Die Zeit von 1850 bis 1875 wird repräsentiert durch die Jubiläumsschau des Münchener Kunstvereines. Es ist dies eine schlichte, bescheidene, vielfach vergessene oder in ihrem Wert unterschätzte Epoche,' von der hauptsächlich Studien und erste Entwürfe, weniger fertige Bil- > der zu sehen sind: Fesselndes und Verblüffendes in erstem Anhieb, das bei späterer Fertigstellung im Atelier Licht und Luft verlor, dafür aber die braune Sauce des Galeriebildes