Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1951 (21.7.1924)
- Date
- 1924-07-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 'i Wien, Mo niag Wir««« Morarmettuitg. 2L Juli IW /Za «7. LEP FUSSBALL- HOR ROMAN DNEY r. (Nachdruck verboten.) <21. Fori^stzunig.) . Gleich hinter dem Fußballplatz des Hollywood-Klubs ibqgamr schon das offene Land und wenige Manien später (trifte fcec Wagen langsam eine menschenleere Landstraße , entlang. ,Mner meiner Gründe, warum ich Ihnen Vertrauen ^schörcke, ist der, daß Sie, als Stanleys Freund . . Das 'Mädchenzuckte Plötzlich zusammen und schwieg. ( Marr wandte sich mit einem Ruck zu chr. . jf ,Ms würde mir die größte Ehre bedeuten, die mir,; widersichren könnte, wenn Sie mich Ihren Freund nennen ' würden!" sagte er. Menu ich Ihnen jetzt oder irgend wann ‘ Helsen kann, veMgen Sie über wich. Versprechen Sie mir das!" ' ,-Ia, und ich danke Ihnen. Was ich Ihnen jetzt erj zahlen muß, wird Ihre Freundschaft aus eine harre Probe ^stellen. Etwas Furchtbares hat sich ereignet und ich bin! nümM schuld daran!" j '.' MMlen Sie mir doch/ sagte Marr; „vielleicht kann > ich helfen."! „Das D ja das SchreMche . . . niemand kann Helsen! i Oh, ich hätte niemals geglaubt, daß dieser Mensch so! schlecht sein kann!" Ihre Augen funkelten zornig. ' ,Me sprechen von Mr. Stopford", bemerkte der Fußballer, als wenn er. Gedanken lesen könnte- ,-Was hat er denn — getan?" " „Er will den Hollywood-Klub zum Vrnkvott zwingen! Das bedeutet nichts anderes, als daß die Stadt ihre Mann- - schast verlieren wird! Und Sie . . .!" ,-Sorgen Sie sich nicht um mich, Miß Kirkby, ich bin ßr exst seit ein Paar Tagen bei der Mannschaft; aber es gibtso diele andere, die dadurch hart getroffen lverden. Und wenn der Klub wirKich untergeht, daun bin ich daran Mld!" ,Me meinen Sie das?" fragte Diavgerh Kirtbh Mit wenigen Worten erzählte ihr Marr von StopsoÄs Brief an den Klub und der allgemeinen Bestürzung, die unter den Klubsunktionären herrschte. Das Mädchen hörte schweigend zu, bis der -Fußballer geendet hatte urä> rief dann entrüstet aus: „Wie durfte ein solcher Mensch von mir erwarten, -aß ich ihn heirate?" In plötzlicher Erregung Packte Marr das junge Mädchen beim Arm. Der Gedanke, daß dieses entzückende unvornehme junge Mädchen für ihr ganzes Leben an jenen widerlichen Burschen gefesselt sein Me, trieb ihm das Mut in den Kopf. „Sie werden ihn doch nicht heiraten?" schrie er aus. ,-Sagen Sie mir, bitte, daß Sie ihn nicht heiraten werden!" Margery Kirkby sah ihn an. Sein Benehmen hatte sie sichtlich bestirnt gemacht. Im Augenblick kam er wieder zu sich und l^ß ihren Arm Ws. „Verzeihen. Sie mir", sagte er niedergeschlagen. „Ich habe mich vergessen. Mer Sie wollten doch, daß ich Ihnen ein Freund sei; ich habe nur meinen Gedanken Ausdruck gegeben. Uebrigens glaube ich nicht,, daß es Ihrem Bruder recht wäre, wenn Sie einen solchen Menschen heiraten wollten." „Ich werde Mr. Stopford nicht heiraten. Er machte Mr gestern Abends einen Heiratsantrag, aber ich wies ihn Das hat ihn scheinbar so wild gemacht. Er sagte furchtbare Dinge zu mir über . . * über einen Freund von mir mb. meinte schließlich, daß er den Hollywood-Klub nur MeineHvegen erhalten und daß der Klub nun, zum Teufel gehen könne. Er würde den Grund mit Beschlag belegen Wen, sagte er, und. das ganze Geld, das ex dem Klub vorgeschossen hat, zurückverlangen.. Es tut mir Ihretwegen st» furchtbar leid, Mr. Marr." ' „Glauben Sie nicht, daß Sie mich Stanleys zuliebe >,D-ick" nennen könnten?" antwortete Marr. „Mr. Marr" ffmgt so formell — zu formell, jetzt, wo wir Freunde sind. 0 muß Ihnen meinetwegen auch nicht leid tun; machen M sich keine Sorgen meinetwegen. Ich fteue mich, daß. E hen Schurken abgewiesen haben!" .. . „Qh, ich hätte ihn niemals geheiratet!" antwortete AaMch. ,-Obgleich er-mich feit längster Zeit mit Aüs- EWAÄetten überschüttet, konnte ich ihn doch Niemals recht leiden. Ich hatte ein unbestimmtes Gefühl, daß er ein schlechter Mensch ist. Auch habe ich ntanches über ihn ergHlen Wen, obwohl er nichts davon wußte. Jetzt aber", fWe^ sie /mit einem' UäHdeMchen. Stirnrunzeln hinzu, ,H»irp mir das.Leben Wohl etwas, schwer gemacht lverden, Weil''ich ihn abgewiesen habe." ' . „Ihre Tante wollte, . daß Sie ihn heiraten, nicht | wahr?" bemerkte der Fußballer. „Nehmen Sie mir die Freiheit nicht übel, aber ich bin nach unserem Beisammensein am Samstag zu diesem Schluß gekommen." „Ich beglückwünsche Sie zu. Ihrem Scharfsinu." Das Mädchen lächelte Verziveiselt und fuhr dann fort: „Sie haben ganz recht; meine Tante hat es sich in den Kopf gesetzt, daß ich Fäirfax Stöpford heirate. Sie war wütend heute morgens, als ich ihr erzählte, daß ich ihn abgewiesen habe." : ' »Können Sie nicht anderswo wohnen /.. in Hollywood, meine ich?" sagte Marr, der die letzten Worte rasch hinzugefügt hatte. „Wenn es unerträglich/wird/ muß ich wohl versuchen, ein anderes Heim zu finden. Aber bitte, sorgen Sie sich nicht meinetwegen. Me man Hollywood retten kann, muß nun unser erster Gedanke sein, nicht wahr?" „Das und Ihr Glück!" antwortete der Fußballer ernst/ ■ ' Wieder röteten sich die Wangen des jungen Mädchens und sie schien dem. jungen Mannwelcher ihr, ohne es zu wollen, so diel voy seinem Geheimnis verraten hatte, schöner und begehrenswerter denn je zuvor. Sie drehte' das Auto herum und fuhr mit rasender Geschwindigkeit zurück sum Fußballplatz. Der Wagen hielt , vor dem Tor. „Sie werden mir bestimmt.schreiben, was es Neues gibt, nicht wahr?" sagte'das junge Mädchen. ,^ch möchte Sie viel lieber selbst sehen, als Ihnen, schreiben'," antwortete Marr) „Darf ich?" „Natürlich," lächelte das junge. .Mädchen. Vielleicht, führen Sie mich heute.abends in Kino? Ich tveiß allerdings nicht, ob der Film gut sem wird." ,-Ich werde ihn nicht'fthm"/anttvoiteteder Zenterstürmer galant. 8. Kapitel. Gin vergeblicher Kaperversuch. Als Mqrrsich dem Eingang, zum Spielfeld näherte, trat ein Mann, der ihn schon während der Abschiedsszene mit Margery .scharf beobachtet hatte, auf ihn zu und faßte ihn beim Arm. , „Ist Ihr Name nicht Marr?" fragte der Fremde. „Ich glaube", antwortete Dick abweisend. „Aber ich kann mich jetzt nicht aufhalten," fügte er hinzu. „Sie werden es nicht zu bedauern haben, junger Mann, wenn Sie hören, was ich Ihnen zu sägen habe!" antwortete der andere mit Nachdruck. „Nun, was immer es auch sein mag," bemerkte der Fußballer, „ich habe jetzt auf keinen Fall Zeit, Ihnen zuzuhören." Er machte seinen Arm frei und schritt durch das Tor. Wenn ihm im Augenblick nicht so viele Dinge durch den Kopf gegangen wären, hätte diese seltsame Begegnung ihn wohl anhaltender beschäftigt. So aber schenkte er ihr keine Beachtung und hatte sie bald vergessen. Unglück hat seine eigene Atmosphäre und an diesem Tage Herrschte eine düstere Stimmung auf dem Hollywoodgrund. Als Marr das Ankleidezimmer betrat/standen die Spieler erregt plaudernd in kleinen Gruppen. Sonst waren um diese Zeit alle damit beschäftigt sich umzu-. ziehen, heute war noch nicht ein einziger Kasten offen. „Hatheute vormittags jemand mit dir gesprochen, Marr?!" fragte Pat Finnegan, als der Rekrut den Raum betrat. Alles horchte auf und blickte auf Dick, der ein verdutztes Gesicht machte. - „Ja," sagte er, „ein fremder Mann hat mich'jetzt eben beim Tor festgehalten und mir angeblich etwas sehr Wichtiges Mitteilen wollen." - --••• „Was hast du ihm geantwortet?" ■ „Ich habe ihn abgeschüttelt, und ihm - gesagt, baß ich keine Zeit hätte, ihm zuzuhören. Ich wollte wissen, was es hier Neues gibt." . . .. Zu Marrs größter Ueberraschung rief seine Antwort allgemeine' Heiterkeit unter seinen Zuhörern hervor. „Was gibt es da zu lachen?" .fragte er. . Er gehörte nicht zu den Leuten, die keinen. Spaß vertragen können, aber in seiner jetzigen Stimmung machte der . scheinbar grundlose' Heiterkeitsausbtüch ihn nervös. ' . „Sag' uns, wie der Mann ausgesehen hat, . dann ltvollen;; wir: Mr: sägen,:. warum wir /lächert," - antwortete Tranfield, der linke Verteidiger. „Ich habe ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt, .ober ich glaube, es war ein sehr großer, etwas starker Mami von ungefähr 50 ^Jahren. „Rötlichen Schnurbart?" fragte Tranfield. „Ja. Kennst du ihn?" „Ob ich ihn kenne! Wer kennt ihn nicht? - Es ist Jo» Moorfield, der Kaperer von „Hampton Villa".. Joe ist sehr erfolgreich, er hat mehr Stars gekapert, als irgend ein and-rer bei dem Geschäft. Auch mich wollte er hohen/ fügte der Back mit Stolz hinzu, „aber Hollifter wollte mich nicht freigeben!" V „Du willst sagen, Ben, daß-du selbst nicht' gehen wolltest!" verbesserte Walter Bell, der linke Flügelstürmer. „Hollifter ist noch niemandem im Wege geweseü, wenn wirklich einmal einer wandern wollte. Ihr werdet sehen, er wird es auch jetzt nicht tun." ' „Ihr meint doch nicht, daß der Mann mich für einen anderen Klub kapern wollte?" fragte Marr verdutzt. ’ „Jetzt bist du der Sache auf der Spur, - du Sherloä Holmes! Joe Moorsields einzige Beschäftigung im Leben ist das Einfängen von guten Spielern. Wenn du für den berühmtesten Klub Englands spielen willst, dann hast dv jetzt die Chance!" ' . \ - Marr saß still und nachdenklich. Er war überzeugt, . daß feine Kameraden, ihn keineswegs neckten, sondern' .daz man ihm die Wahrheit gesagt hatte. Für Hampton Bill« zu spielen, die berühmteste Elf in Englands Fußball» geschichte! Der Gedanke war überwältigend. „Wo bleibt nur Warriner?" fragte eine Stimme. „Ich habe ihn schon gesucht. Wo ist er?" -fragte Marr-. „In der Kanzlei mit Hollifter und sämtlichen Direktoren, die vom Geschäft äbkommen konnten. Gott weiß, was da drüben vorgehl! Auf eines können wir uns «ff jeden Fall verlaffen; Ben wird schon dazu sehen, daß unS kein Unrecht geschieht!") Wrenlocks Worte W^ugftn/eckv unerschütterlich festes Vertrauen in seinen Kapitän. „Wollen wir nicht hinaus an die Lust? Wir Wer. cyts, wie bei einem Begräbnis!" sagte Bennie der Links- . innen. . •. . . '' -; Die Versammlung verpflanzte sich auf die Sitzreihe, die längs des Spielfeldes unterhalb, der Tribüne dahirv lief. Kaum halten sie sich aber niedergelassen, als sie spsort wieder aüfsprangen. Von der Kanzlei her sahen sie B« Warriner und Hollifter düsteren Antlitzes auf sich zukommen. - . - - : : „Jetzt sind wir geliefert!" sagte Tranfield grimmig. „Jungens," sagte der Kapitän, als dar Paar. vor^de« Spielern stand/ ,-Mr. Hollifter hat euch eine Mitteilung zn. machen, deshalb ist er hierher gekommen." WattmÄ setzte sich mit mühsam unterdrückter Bewegung aus/die : Bank und grub den Absatz seines Schuhes m den Erdboden. - ' ' Die Hollywoodspieler sahen ihren Manager erwartungsvoll an. In ihren Augen und in ihre« Gesichtern malte sich Ueberrafchung, denn vor ihnen stand ein neuer Hollifter, nicht der Hollifter, den sie gekannt hatten.' Dev Mann, der da vor ihnen stand, schien zögernh, nerdSs, um nicht zu sagen schüchtern. Er schien sich zu fürchten, den Spielern ins Gesicht zu sehen, und heftete, seinen Mick auf die obersten . Sitze'der Tribüne. „Was Warriner euch gesagt hat, ist richtig, InnMnS," begann er. „Ich habe euch eine Mitteilung zü machen.- Wir sind immer sehr gut miteinander ausgekoytmen;/so gut es eben zu erwarten war, und was ich euch jetzt sage, biv ich euch.gewiffermaßen schuldig." Eine lautlose Stille lagerte sich plötzlich über die Keine Gruppe der Zuhörer und ihre Gesichter drückten hoMd Erwartung uns/ ' , . / ,./ .. ■ „Wie ihr wißt, befindet sich der Klub in einer:sHe . schwierigen Lage," fuhr Hollifter fort. „Der Mann/der uns bisnun die Rechnungen bezahlt hat und überhaM das Geld für den Klub vorgeschoffeU hat/ will nun Mötzlich kein Geld mehr hergeben. Es mutzte einmal so kommen und die Direktoren ebenso wie ich Haben schön seit einige«- Zeit so etwas erwartet." . „Ihr wißt auch, wie es gekommen ist, daß der Klub jn Schulden geriet. Weil die Einwohner dieser Stadt serem prächtigen Team' die Unterstützung veesngt^ haHe»^ dis sie Uns schulden/ Ja, Jungens, ich muß es euch fa^ettr; obgleich ihr es selbst gUt genug wißt, ihr Habt dieses Jahr) verdannnt guten Fußball gespielt!" Ein' wehmütiges^Mcheln huschte über das sorgenerfüllte .GesichtTeaM- Managers, bevor er sortfuhr.. .. ' ' ' (Fortsetzung Mt.) . . -