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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-21 · Heft 1951 (21.7.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1951 (21.7.1924)
Date
1924-07-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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-Leite 5 Wien, Montag fr— L... —■■■— ..... ' —„ . - -; schrift, entspricht aber mehr dem Charakter unserer ■ Zeit, der sich an Blut gewähnt hat. i Die Spanier sind in Marokko beschäftigt. Ihre Ne- .gierung hat vor kurzer Zeit dem Parlamentarismus den Krieg erklärt. Spanien hat eine Generalsdiktatur . bekommen, übertrumpft also die Italiener, die cs nur .bis.zu einem Bürgerlichen gebracht haben. Ein General ji|t verpflichtet, erstens alle Dinge besser zu verstehen, Zweitens mit dem Säbel zu regieren und drittens, wenn Ir dem Volk schon kein Brot verschaffen kann, ihm doch ^wenigstens ZirknSspiele zu bringen. Und so hat Spionen den soundsovielten Krieg int Nif angesangen, verliert ihn zum soundsovielten Male und wird vielleicht in Bälde die erste europäische Macht sein, die notgedrungen auf den Kolonialbesitz verzichten muß. Es tut wenig zur Sache, das; das blutige Spiel des Generals Primv de Rivera nicht von ihm, sondern von dem armen Volk bezahlt wird, dessen Sohne in den grauenhaften Felsschluchten des Atlas verbluten, Opfer der furchtbaren Rache der Mauren, deren Ahnen vor etwas über 400 Jahren zwischen Tajo und Ebro verröcheln mußten. Gut katholisch war damals die Zeit, von Frieden und Menschenliebe erfüllt. Den Mauren brachte sie den ewigen Frieden, den Inden das holländische und amerikanische Asyl. Sie trieft auch heute von Frieden und Menschenliebe; die abgeschnittenen Köpfe toter Araber, die die Bajonette der spanischen Infanteristen in den vier Presidios zieren, sind ein Beispiel hierfür, ein Zeichen, daß die nimmer rastende Kultur Europas Ä^iner neue Effekte zu ersinnen weiß. / - * An Revolutionen hat die abgelaufene Woche wenig gebrachr. Nur einen Aufstand in Brasilien, in dem Kaffcedistrikt Sao Paolo. Es gab nur etwa 5000 Tote, eine Ziffer, von der sich der Weltkriegskiebitz blasiert abwendet. Was den Aufstand veranlaßt hat, ist bis zur Stunde unklar, auch der Verlauf ist einstweilen noch nn Fragezeichen. Man hat in Europa darüber nur das »Jahren, was die Partei, die zufällig dem Kabel am nächsten war, zu melden für gut befand. Am Abend ijörte man von dem Sieg der Revolutionären, am nächsten Morgen erfuhr man den Triumph der Regierungsirnppen. Die letzte Depesche besagt, daß die von Gott tingefetzte Behörde fortfahre, das Zentrum der 'Revolution zu bombardieren und daß sie bereits auf dem Theaterplatz angelangt fei. Die strategische Bedeutung können wir nicht ermessen, aber es ist eine grausame Begleitmusik zu der Londoner Reparationskonferenz. Die österreichische Regierung hat Geschmack genug /esefsen. die Salzburger Äakenkreuzparade mit Rücklicht auf den ungünstigen Eindruck auf das Ausland zu untersagen. Das ist eigentlich schade, denn die Oestersicher kommen dadurch uni den Genuß, der ihnen versprochen war. Ludendorff und Gräfe sollten das Fest nit ihrer Anwesenheit ehren und so wäre immerhin ein Schein des großen Weltgeschehens auch am die arme steine Republik gefallen, die, Gott sei Dank, dazu verurteilt ist, bei den diversen politischen Revuen nur Zu- 'chauer zu fein, stresmann deutscher Delegierter für Londsn. (Eigendienst der <„Sßteuer Movgen.zeünng".) Berlin, 21. Juli. Tie Berliner Blätter berichton ein» stimmig aus Paris, beziehungsweise ans London, daß wahrscheinlich heute oder morgen eine Vollsitzung Ser Londoner Konferenz beschließen wird, die deutsche Regierung e i n z u l a d e n. Eine Delegation zu der Mittwoch oder Donnerstag stattfindenden Sitzung wird dann entsendet werden. Wie der ,/Montag" hierzu berichtet, soll innerhalb >er Leu'scheu Regierung beschlossen worden sein, im Falle riner solchen Einladung Tr. Stresemann zum Fünr der Delegation zu bestimmen. Bor einer deutschen Regierungs- Itife? Die Sozialdemokraten gehen in Opposition. (Eigendienst der „Wiener Morgcnz-ürung") Berlin, 21-. Juli. Für hmte nachmittags Hai die sozialdemokratische Reichsta-gs-fvaStion eine Sitzung einbe rufen. Der „M o n t a g -M o r g en " will wissen, daß in dieser Sitzung eine entscheidende W c n d u n g in der Partei Politik erfolgen wird. Die Sozialdemokraten, die bisher den deutschen Reichsregierungen gegenüber eine zuvorkommende Haltung eingenommen haben, 'haben eine taktische Schwenkung vor und werden in eine grundsätzliche Op P o s i t i o n zur bestehenden Reichsregierung treten. Die Möglichkeit einer Reichstagsauflöfung schreckt dieSozialdemokraten nicht mehr. Heute dürfte die Fraktion dien Uebergang in b4e Opposition beschließen. Wiener Morgenzeituns. 'Traget 704 Schuhe! mit eingebautem „B0rs>öira44-Gumnii-Absatz Stollendurchschlag im Spponiher Kraftwerk. Schüsse donnerten gestern wieder durch die in der Sommersonne ruhende Landschaft. Aber es war nicht der grelle Klang frevelhaften Treibens, der diesmal den Frieden zerriß. Es waren Böller der Freude über ein ruhmvolles Stück am Werke des Aufbaues. Durch vereinte Kraft von Stadt und Land wurde gestern wieder ein wichtiger Schritt zum wirtschaftlich selbständigen Gemeinwesen getan, das, auf sich selbst gestellt, aus Eigenem feine schlummernden Kräfte erwecken und der Allgemeinheit dienstbar machen muß. Der glückliche Durchschlag des F r i c s l i n g [1 o U Ic.u§ durcb das Geheimnis der Berge, muß auch aus den dunkle-ri Jrrgängen jener Tage vor zehn Jahren führen, denen jetzt Millionen fluchen werden. Op Ponitz ist ein Kraftwerk des Geistes und der Arbeit. Gestern war wieder einmal ein Ehrenlag Oesterreichs. Wenn schon in diesem Staate geschossen werden must mögen es immer solche Frendenschüsse sein . . . * Ter F r ie S l i n g st o t l e u bedeutet den fünften Durchschlag in der Reihe der Wasserkraftwerke; der vorletzte war T e i g i t s ch. In einer 3 4 5t i l o m e t e r langen Strecke zwischen G ö st l i n g und O p p o n i tz wird das Wasser der?)bbs seinem netten Ztveck zugeftihrt werden. Durch einen Wehrba n bei Göstling gestaut, in einen offenen .Kanal und dann durch einen 3700 Meter langen Stollen getrieben, wird es in den durch den 1328 Meter hohen FrieSl i n g führenden vier Kilometer langen Stollen gelenkt werden, um sich schließlich zum Kraft Haus zu ergießen und Elektrizität zu spenden, die nach Dien geleitet werden wird. Die Arbeiten sollen noch in diesem Herbste beendigt sein. Rach Durchführung aller Wasserkraftproickte werden 8 0 Prozent der notwendigen Elcktrizitälsmengen Testerreichs durch diese Ueberwindung der.Kohle durch Wissenschaft nnb Technik int In lande gedeckt fein, bis wiederum, wer weiß, Genie und Erfindung neue phantastische Wege weisen. Der Tag galt froher Festesstimmung. Die Fahrt durch das grüne Gelände stand überall im Zeichen freudiger Begrüßung. Der schlichte B u n d e S p rä s i d e n t wird stürmisch bejubelt, der Bürgermeister als Repräsentant des erstarkten und den Ban finanzierenden W i en gefeiert. Reden schallen, Gläser' klingen. Musik ertönt. Die Verdienste werden gewürdigt. Gelingen und Vollendung sind den Bauherren ein Fest, der Tausenden, die eigenhändig das Werk schufen, vielleicht neues Fasten. Aübeiterlos. Aber jetzt summen sie alle ein in die Hochrufe für die Solidarität der geistigen mtb manuellen Arbeit. -Verloren—, wurde beim Herzlarabgcmg ans dem Wege Endstation 40 — Döblinger Friedhof eine GM. IgWslmLntel'Remonkükrnhr mit Kette in seidenem Leibgurt. Gegen Hobe Belohnung abzugeben Schnhfadrik Max Alt schul. 7. Bezirk, Seide,igasse Nr. 35 Arische Aufrichtigkeit. „Donauland" soll bis 30. Oktober auSgeschiedcn werden. Rosenheim, 21. Juli. Die Generalversammlung 3>c§ Deutschen und Oesterreichischen Alpeuvcreins hat beschlossen, baß dem § 1 der Statuten des Hanpwereines ein Zusatz beigefügt werde, wonach der Alpenvercin kein politischer V er eilt ist und alle politischen Bestrebungen der Mitglieder nur außerhalb des Vereines und außerhalb der Bereinstätigkeit verfolgt werden können. Ter zweite Beschluß, der mit 1547 gegen 110 Stimmen angenommen wurde, lautet: Die Sektion „Donauland" hat bis zum 30. Oktober auszuscheiden. Ist bis zu diesem Termin der Austritt ilicht erfolgt, so wird bis spätestens Ende Dezember eine außerordentliche Generalversammlung ein'bcrufen werden. Die nächste ordentliche Generalversammlung des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins wird wahrscheinlich m Innsbruck abgehalten werden. * Dieser Beschluß ist das Verlogenste, was je auf sportlichem Gebiet vorgekommen ist. Aus der einen Seite wird erklärt, daß der Verein unpolitisch ist, und ans der anderen Seite, daß die Sektion „Donauland" ausznscheiden hat. Nach dem Ausschluß von „Donauland" würde der Alpenverein, der durch jüdische Gelder unterstützt wurde, ganz antisemitisch werden. Dieser Beschluß wird von weittragender Bedeutung für das sportliche Leben werden und hoffentlich dem Alpenverein die Unterstützung aller anständigen Kreise entziehen. Die Juden seien darauf aufmerksam gentacht, daß es einen Jüdischen Sportverb and für Oesterreich gibt und daß sie es nicht nötig haben, ihre Mitgliedsbeiträge antisemitischen Bev> einen zuzuwenden. CREPE-MAROCAIN 100 cm breit 81. FM IM - Kt. 198t Bin Wiener Ehepaar vom Mntterhorn abgestürzt. Zermatt, 20. Juli. (Schweiz. Dep.-M.) Doktor^ Braun u n d F r a u aus Wie«, die heute früh ohne! Führer das M a t t e r h o r n bestiegen, sind a b ge« ftürzt und waren sofort tot. Eine Bergungskolonne ist unterwegs. Zermatt, 20. Juli. (Schweiz. Dcp. A§.) Doktor Braun lvar mit seiner Gattin Samstag 7 Uhr abends hier eingetrosfen und hatte sofort den Weg nach der Matterhorn-HRtte fortgesetzt. Die Hütte verließ er gegen 2 Uhr morgens, um mit seiner Frau ohne Führer das Matterhorn zu besteigen. Vor ihnen ging eine von den Brüdern Pöttinger aus St. Ntklaus geführte Partie. Plötzlich wurde die vordere Partie von Dr. Braun angcrusen, der meinte, er sei nicht ans dem richtigen Wege, man möge auf ihn warten. Fast im gleichen Augenblick hörten die Brüder Pöttinger den Fall. Es war halb 3 Uhr. Der Fels war äußerst schlecht. Der Tod der Abgestürzten muß augenblicklich eingetreten sein. Die beiden Leichen fand man im ersten Couloir nach der Hütte. 'Stach heute uns zugekommenen Mitteilungen ist der Bcrnnglücktc der in der Gentzgasse wohnhafte Dr. Herbert Braun. Selbstmordversnch eines Bndaprster Bantteer. Budapest. 2o. Juli. Der viernudzwanzigjährige Bndnpesier Börsenkommissär Kvloman P o n g r a c z erschien heute im Hotel A st o r i <i und verlangte ein Zimmer. Ta er sehr elegant gekleidet war, fiel cs dem Portier nicht auf, daß er kein Gepäck mitführte und er ließ ihm ein Zimmer anweisen. Pongracz zog sich zurück und einige Minuten später hörte man aus seinem Appartement die D e t o n a t i o u eines Schusses. Man drang in das Zimmer ein und fand ihn mit einer Kugel in der B r u ft s ch w e x Verl e tz t am Baden liegen. Er wurde sofort mittels Auto in ein Sanatorium gebracht, wo er z in i f cf) c n L c b e n und Tod schwebt. Pongracz hinterließ drei Briefe, die an Private gerichtet sind. Da die Briefe noch nicht geöffnet wurden und er wegen seines besorgniserregenden Zustandes behördlich noch nicht einvernommm werden konnte, ist das Motiv der Tat n och n i ch t b e k a n n t. Tas Bankgeschäft Pongracz war zwar nicht sehr groß, aber er selbst war eine in Budapest sehr bekannte Person. Zer gesiihrliche Lorberrkronz. Gestern abends kam cs aus dem Praterstern wiedcV aus einem geringfügigen Anlaß zu einem Zusammenstoß. Anläßl'ch der 58. Wiederkehr des Iahrestagcs. der S e e s ch l a ch t von Li s s a hatte der östereeichischc Marineocrband am Fuße des Tegetthosf-DenkmaleS eirnn L o r b e e r k r a n z mit einer rot-weißcm republikanischen Schleife niedelgp.ügt. Einige Kommunisten, denen dies mißfiel, demonstrlirleu abends, als sie von einem Fest aus dem Prater hcimkehrten. gegen die Niederiegung des Kranzes «und bald war das Denkma>l von Hunderten erregten Mei'.'schcn umgeben. Tie Leute glaubten, daß ein Mord geschehen , andere sprachen von einem Attentat, die Arbeiterwehr wurde alarmiert, Polizei rückte aus. um Drduung zu schaffen, doch Ruhe trat erst ein, bis der gefährliche Krau; entfernt wurde. W i e u, 21. Juli. * Alois Czedik gestorben. Samstag ist hier der ehemalig^ Präsident der Staatsschuldenkontrollkommission Alois Czedik im 91. Lebensjahre gestorben. Er war im Jahre 1818 Kommandant der akademischen Legion gewesen, vorn Offiziers - stände zum Lehrfach iibergetreten, seit 1809 Mitglied des Abgeordnetenhauses, 1870 Cektionschef im Unterrichtsministerium, später Generaldirektor der Elisabethbahn, dann Mitglied des Herretchauses. * Tod infolge Erschöpfung. In der Taborstraße wurde Samstag nachts der 10jährige Philipp Wilhelm Singer, ohne Unterstand, mit Zeichen völliger Erschöpfung bewußtlos anfgesnnden. Die Rcttungsgesellschaft brachte ihn auf ihre Station, doch ist der Unglückliche trotz der ärztlichen Hilfeleistung augenscheinlich einem Herzschlag erlegen. Er dürfte infolige von Hunger und Ers ch ö p f u n g gestorben sein. * Celbfkmorde. Die 22jährige Studentin Dina K. hat gestern in selbstmörderischer Absicht Zyankaliunt genonmten. Die Rettungsgesellschaft fand die Studentin bereits als Leiche vor. Ein binterlaffener Abschiedsbrief gibt über das Motiv der Tat keine Auskunft. — Samstag nachts hat sich der 20jährige Bankbeamte Seebald E. in seiner Wohnung aus unbekannter Ursache aus einem Fenster in die Tiefe gestürzt und erlitt schwere inttere Verletzungen. Die Rettungsgesellschast brachte ihn aus die erste Unfallstation. * Der Nationalökonom Alfred Marshall gestorben. Der Senior der englischen Nationalökonomen, einer der bekanntesten Vertreter der Wiener Schule in England, Alfred M a r s h a l l. ist, wie aus London gemeldet wird, im Alter von 82 Jahren gestorben. Von 1885 bis 1908 war er Ötbi* narius. für VollStvirtschastslehre in Eamlbriidge, viele Jahre auch Vizepräsident der Royal Economic ©ocietty, ferner Ehrendoktor von Krakau und Christiat^a, Mitglüd der meisten europäischen Akademien usw. Von seinen Arbeiten hat er das vorzügliche Lehrbuch „Prinzipes of Ecconomies, das in verschiedene fremde Sprachen übersetzt wurde, die größte Verbreitung gefunden. Mit seiner gelehrten Gattin veröffentlichte er „Economics of Jndu-stry" u. a. * Tanzinstitut Hermann Braun» 14. Bez., Reindorfgosse 42. . (Entgeltlich.) L .IMISM.UADVCRe.

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