Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1951 (21.7.1924)
- Date
- 1924-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Efnzafnnimsr K1200 Wien: Zun» Abholen in der Expedition, IUTaborstr. 1-3; oder in einer Verschleisstelt« (Tr,»fik) monatl. K 35.000 Strassenvericauf in Wien dar eh die Kolporteure der Fama Go!dschmiedt,I.Bezn Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oepterr. monatl. K 35.000 Ts ehe eh o-S I owi Ic e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mob. Dinar60. Polen: Mon, 31/, Zloty, Dentsehland: Mon. Gold mark 4, Frankr., Belgien: Mob. Frcs. 12 W* Ntc.hr.hUn jeo "W» lx» PfWierMhuBten Vorbehalten p» DER Wiener orgenjeitü WERDEN SIE , . JAHRES' J k ABONNENT^ SICHERN SIE i t DIE k GRAETZ PRÄMIE. Nr. 1951 Me». Montag. 21. 8s» 1924 .'V- .— Polen: 20 groszj Italien: Monatl. 12 Lirr, Rumänien Mon. 150Lei. Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr sbds. 21-102,25-282 IX. Universitätsstr. 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreiehisches Postspar* kassen-Konto Nr. 150.698 Paris, 20. Juli. Tic Ageuee Havas meldet aus Ärl>en: Das Kabinett hat demissioniert. Kaphandaris wird wahrscheinlich mit der Neubildung des Kabinetts betraut werde». (Das Kabinett Papanaftasiu fällt, tveil es die Ue-bergrrffe der Militaristen, besonders in Saloniki, nicht zügeln kanUte oder wollte. Es hot von der Kannner mit 178 gegen ^.31 'Stimmen ein Mißtrauensvotum eMlien.) Paris, 20. Juli. (Eigenbericht.) Gegen den Schnellzug Kvon—P <l x i s ist gestern früh ein Altenteil verübt worden. An einer der Schienen war eine Bombe befestigt worden, die auch explodierte, ohne aber den Ing zum Entgleisen zu dringen. Paris, 20. .Just. Wie die Blätter melden, hat der Ge- Nerolkommistär in Elsaß-Lothringen Alapetite demrsstomert. Generalsekretär Cacaud wird interimistisch die Geßchäfte sichren. Der Rektor der Straßburger Universität Eharletv wird in Hinkunft als Berater des MiNisterprästdenten -Hervot für elsaß-lothringische Fragen, fungieren. Der abessynrsche Kronprinz Ras Taffari tvrfft ktde nächster Woche in Wien ein. I Mat Donald und Hughes. , Eine bedeutsame Unterredung in London. tEigendienst der „Wiener Morgenzenung".) London, 21. Juli. Ter gestrige Sonntag hat im Fortgang der Konferenz keine Unterbrechung gebracht. Das wichtigste Moment des gestrigen Tages war unzweifelhaft die Zusammenkunft Mac Donalds mit dem amerikanischen Staatssekretär Hughes, über deren Ergebnisse keim Mitteilung an die Oesfentlichkeit ausgegeben wurde. Wir in politischen Kreisen verlautet, habe Hughes erklärt, daß nur die Einigkeit der Entente in ihren fernerem Borg-ehen gegenüber Deutschland eine M i ta r b e it Amerikas in gewissen Grellen möglich mache. Mac Tonal d hat noch gestern abends einzelne Kongreßterlnchmer von dieser Unterredung in Kenntnis gesetzt und so erivartet man, daß die heutige Plenarsitzung von besoudercr Bedeutung für den ferneren Gang der Konferenz und den Wiederaufbau Europas sein wird. Die heutige Sitzung wird sich nicht nur mit dem Berichte der Kommissionen zu beschäftigen haben, sondern es soll auch die Frage der Z u l a s s u n g D e u l s ch l a n d s erörtert werden. Es wird angenommen, daß-Mittwoch die Deutschen zur Londoner Konferenz eiugoladcn werden. Eine Annäherung. Paris, 20. Juli. Die Agencc Havas meldet aus London: Nach der vormittag abgehaltenen Sitzung des Subkomitees des zweiten Ausschusses (Aufhebung der Pfänder) zeigt sich eine Annäherung der Standpunkte Frankreichs, Belgiens und Englands. Der Gang zum Riesige Beteiligung. - Gestern vormittags hat der Gang zum Grabe Theodor H e r z l s anläßlich seines 20. Todestages unter imposanter Massenbeteiligung jstattgesunden. Schon lange vor 9 Uhr hatten sich die verschiedenen Verbände und ^Sektionen eingefunden und ihre Standplätze in der Nähe der Endstation des 40er- Wagens bezogen. Vom Karl Ludwig-Platz bis zur Felix Mottl-Straße, bei der Hasenauerstraße, Blaas- 1 trage und der Hochschulstraße standen die einzelnen Teile des Zuges. Bis gegen 10 Ilhr dauerte die Einreihung des Zuges, es war kein leichtes Stück Arbeit für den Leiter des Zuges, Paul Földes, die ungeheuren Missen , des Zuges in musterhafte Ordnung-zu bringen. Und wohlgeordnet blieb der Zug während des ganzen Ganges. An der Spitze schritten die Mitglieder des Zinistischen Landeskumitees, des Parteirates, der Lokalkontitees, die Leitung des Keren Hajessod, Keren Kajemeth und des Palästina-Amtes. In Vertretung des Präsidiums der Kultnsgemeinde waren Börsenrat G l ü ck, .Hofrat R i c s e n f e l d und Vizepräsident Dr. Friedmann erschienen, mit ihnen der Vizepräsident des Landeskoinitees Doktor Löwenherz, mit den Mitgliedern des Landeskomitees Dr. Korner, Dr. Gelber, Gemeinderat Doktor Plaschkcs mit den zionistischen Mandataren, die Kultusvorsteher Kommerzialrat M a r k u s, A u st erlitz und andere. AuH Polen war das ÜNitglied des polnischen Senates Dr. Ringel anwesend. .Hernach kamen der A k a d e m i s ch e L a n d c sb e r b a n d und. die Vertretungen der a k a d c m is ch e n Per b i n dünge n. Die Zionistische Frauenorganisation hatte ein starkes Kontingent ihrer Mitglieder entboten. Jetzt folgten die Chaluzim und die jüdische Jugend, deren Zug endlos schien, wobei die Al ä d ch e u u n d Knaben, die recht stramm marschierten, sehr wirkungsvollen Eindruck machten, dann der Grabe Herzls. Musterhafte Srlumng. Kreis österreichischer Turn- und Sportvereine, in dent die H a k o a h n e r und Hakoahnerinnen zu sehen waren und der alles umfaßte, was Zion an hoffnungsvoller, Heranwachsender Sportjugend besitzt; hieraus folgten die 21 Bezirkssektionen, denen sich der zionistische sephardifche Verein „Jchuda Halevi", die starke Gruppe des Misrachi, von dem eine Gruppe eine Tafel mit dem Bildnis Herzls trug, und die H i t a ch d u t h anschlossen. Dem offiziellen Zuge folgte eine große Zahl von Anhängern und Verehrern Herzls. Der riesige Zug, der in Viererreihen marschierte, bewegte sich um 10 Uhr vormittags ungefähr Dreiviertelstunden zum Grabe; die Defilierung vor dem Grabe war erst gegen 12 Uhr mittags beendet. Er dürfte etwa 25.000 bis 30.000 Personen umfaßt haben. Vor dem Grabe hatte ein Teil der Studentenschaft Aufstellung genommen und in lautloser Stille marschierten die Tausende vorbei, ein langer Zug, in welchem Väter und Großväter kleine Kinder auf den Armen trugen und Knirpse an der Hand führten, um ihnen später einmal zu sagen, daß sie schon in früher Jugend das Grab des Führers der zionistischen Bewegung gesehen hatten. Auf. dem Grabe lag ein Kranz mit. deutscher und jüdischer Aufschrift: „Vom jüdischen Kunsttheater aus Amerika." .Um das Grab stand die Menge dicht gedrängt, die dem heranmarschierenden Zuge Spalier bildete. Reden wurden nicht gehalten. . Die Leitung der Sammeltätigkeit für den Keren Kajemeth hatte.Karl Glaser inne und niemand war in dem Zuge ober unter den Zuschauern, der nicht das Abzeichen trug, das von jungen Burschen und Mädchen, angeboten wurde. Es herrschte musterhafte Ordnung. Die Weisungen der Ordner fanden überall Entgegenkommen. Die Feier Verlief ohne jeden Zwischenfall und die Waä)e hatte nirgends Anlaß, einzuschreiten. Nach 12 Uhr leerte sich langsam der Friedhof und bald lag er einsam in seiner stillen Schönheit da- J0>'' T^Sjl Uklffhedfek Der ewige Reparationsrummel. — Spanien in Ma» rokko. — Bombardement in Brasilien. — Oesterreich als Zuschauer. Wien, 21. Mi. Es scheint, daß sich die so bequeme Einrichtung der Drehbühne auch in der Politik einbürgerü Bor dem Publikunt wird mit Eifer und Fleiß ein Stück abgespielt und die Darsteller vergessen nicht in der Hitze ihrer Rolle in das Parkett zu schauen und die beifallssrendigen Freunde zu suchen. Inzwischen wird rechts oder links von der Bühne ein anderes Bild gestellt, das aus einen Kurbelgriff hin plötzlich vor dem Zuschauer erscheint. Dieser Einrichtung hat sich die internationale Politik bemächtigr und sie hat ihr neuen Schwung gegeben. Es ist vielfach keine Drehbühne mehr, sondern eirt verrücktes Karussell, das da vor uns kreist und imnier wieder die gleichen Bilder bringt, die wir schon längst abgespielt glaubten. In London tagt die Reparationskonferenz. 150 Delegierte, die Kopfe des politischen Lebens der Enrentestaatcn, haben sich zusammengefunden zur souitdsovielten Reprise des Einakters „Wie bekommt man von Deutschland Geld?" Es ist eine Neubesetzung. Die tragenden Rollen liegen in den Händen neuer Männer, die Regie hat gewechselt und das Stück wird in anderem, ernsterem Ton abgespielt. Auch die düstere Soloszene fehlt nicht: der amerikanische Beobachter, der, als einziger Repräsentant des griechischen Chors, mit langsam abgemessenem Schritte aus dem Hintergründe auftaucht und mit tragisch aufgerccktem Finger die nahende Katastrophe beschwören will. Um ihn gruppiert sich mit verstörter Miene das Volk. Es kann das Problem nicht lösen, weil die Helden, die da Geld wollen, aneinander und an den Beobachter verschuldet siud. Sie fürchten, daß von dem deutschen Geld, wenn Deutschland wirklich zahlen sollte, nientand anderer etwas einstecken wird als der Herr Beobachter; sie fürchten, daß dieser Herr Beobachter, da einmal von Geld die Rede ist, sich nicht um die Zahlungspflicht und Zahlungsfähigkeit Deutschlands kümmern.wird, sondern daß er den fälligen Wechsel aus der Brieftasche heraussingern und. mit einfacher Geste vorlegen wird. Die Handlung ballt sich zu einem Knoten zusammen, der unentwirrbar scheint, uitd irgend jemand unter den höchst gelangweilten Zuschauern denkt schon an einen neuen Alexander, der der Sache mit dem Schwert ein Ende machen wird. Dazu wird's nicht kommen. Es ist kein Geld da, um den Gläubiger zu bezahlen, kein Geld, einen Krieg zu führen. Das Publikum ist enttäuscht; es weiß, daß bestenfalls aus diesem Stück eine neue Konferenz entstehen wird und daß der Knoten bis dahin wieder eilte neue Verschlingung erfahren haben wird. Es fehlt an dem Mut, die Kriegsschulden intb die Reparationen zusammen in das Massengrab des Krieges zu legen. Das wäre die einzig mögliche Lösung, die. der Vernunft entspricht wtd die cs allen Völkern ermöglichen würde, das Leben von neuem zu bcgiltnen. Im Bnhucnraum sind inzwischen die nächsten Bilder gestellt worden. Sie sollen dem Zuschauer etwas Aufregung bringen, ihm aber auch gleichzeitig sagen, daß der erste Akt, den er sah, nicht gar so ernst genom- :iucn cherden darf. Es war nur Vorbereitung für die folgenden Bilder der Weltrevue. Er wurde nur gespielt, um das Publikum darauf aufmerksam zu machen, daß eine Steigerung des Genusses geplant wird. Die Helden des erftcit Aktes treten nicht mehr auf. Ihre geistige Kraft ist mit her Reparationsfrage beschäftigt und erschöpft. Es kommen primitivere, weniger komplizierte Menschen zu Wort, die Tragödie nach dem Salyrspiel. Das ist zwar eine Umkehrung der griechischen Vor-