Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1950 (20.7.1924)
- Date
- 1924-07-20
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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m. 1S8B §’f V“‘ Ä-# ' V'4k VlSiJ, / i >''»<üwi'« so . Mi I M Geiers 1»®**' LL^'iMKN I^Ä itn Der Sport u«V Mode. .In Deäuville, Trouville, Touquetoder wie svttst hie fashronablest' Seebäder heißen, sieht man jetztttt großen Scharen die sympathischen, blonden Gestalten der jungen Engländer auftauchen, die mit Vorliebe das französische Gestade frequentieren. Die Tageseleganz wird ganz vom Sport in allen seinen Zweigen bestimmt. Denn im Zeichen des Tennis, Football, Golf und auch des Flirtsportes wickelt sich das sommerliche Leben dieser englischen Männergeneration ab. Die Spezialisten der Modebranche kreieren beitu auch min eifrigst allerlei' S p o r 1 d r e ß mit interessanten Details und hochfliegender Phantasie. Die männlichen S w e at er s und Jumpers folgen nämlich, was Farben, Stickereien, komplizierte Handarbeit betrifft, , den Schwesterexemplaren der Damenwelt getreu, selbst die Vestons, die man nach getaner „Arbeit" anlegt, werden heuer sehr-weit geschnitten. Für die weißey, roten oder gelben, gehäkelten und gestrickten wie gewieften Sportchandails ist das enorme Monogramm, links unterm Herzen placiert, nun obligat, und zwar mit wechselnden Sportinsignien, da sich die Buchstaben, je nach dem Sport, den man meist zu betreiben gedenkt, um Fußbälle winden, an Tennisschlägern lehnen oder Golsschläger umklammern. Auch durch die Pracht der langen, weichen Schärpen zieht die männliche Sporttracht ins weibliche Gebiet ein. Das eine der flatternden Enden ist mit einem durchbrochenen Ricsenmonogramm verziert, ebenso wie die länglichen Gürtelschnallen die Initialen ihres Trägers preisgeben und die Weißen Foulard-Pochettes ihre sichtbarste Ecke diesen ebenfalls überlassen. Die Abendeleganz ist ganz dem mondänen Charakter der Champagnerstätten angepaßt. Die Wahl, des Fracks geschieht mit ausgesuchtem Raffinement. Dessen lange Schöße laufen ganz'spitzig zu, die Beinkleider sind sehr hoch ansteigend. .Man kommt auch im Jackett, hellbraun, mit gleichfalls sehr langen, sehr spitzig zulausenden Schoßen, mit eiriein Keulenstock in der Hand. Der ^tiefblcm-e F i lzh u t ist als Kopfbekleidnng sehr -beliebt. Graue Hüte, sei es rin weichen Genre, in Zhlinder- und selbst Melonenformen, wirken dagegen unauffälliger. Dann sieht man jetzt unter den weichen Hüten sehr viel mittlere Beige, neuestens zweifarbig ausgerüstet, das EinfÜRarJ) l, Mahtersfrasse tZ Ökkasfonsverkattf von eleganten DamenhÜten K25Ö»Ö00 MM HWhstMM vor. Das^P.yiD^MmMWWl.HUm^EtrauÄ geworden. Es M^sM)Ms'Meiten,'W BeiMeibern zusammen! WU^WWDK'DuMräM tzehiöüt?HW 'dem Atlas, att.SKUMr''Äüch,MMWendo,'.neue Gewebd/ und aus einer Art Jacke. Sie ist eher anliegend geschnitten, die Taille, markierend, mit sich ziemlich erweiternden, langen Schoßteilen, vom Halse ab rechts in einer großen Ecke hoch verschlossen, mit schmälen Offizierskragen.. Das Ganze ist aus hellblauem, silbern schimmerndem, von Silberblumen durchwehtem.Brokat gearbeitet. Äeußerlich aber, erkennt man den Engländer schon an seiner Barttracht. Er ist .nämlich immer amerikanisch Katt rasiert,' während der Franzose in dev'Mehrzahl noch dem Schnurbart treu geblieben ist und den Spitz- und Vollbart für den besten. Schmuck des. Mannes, erachtet. ' . R. Menczel, Arbiter elegantfaruni. Von Kärlfriedrich Babervdt. i Sich kor r e k t anzitziehen ist eirnc Sache, die auch - eines geistig interessierten/Menschen durchaus'würdig ist> denn nicht nur beim Weibe, fonbecn auch beim MaMe ist der Anzug immer ein Auszug seines Innern. Das Natur- Lurschentum ist meistens .' eine Foyn ohne Inhalt und sehr oft Ära Posei Es gibt Gesetz'e,' die nicht' bloß vost dem' Individuum, abhängen, sondern die aus einem durch die Sache selbst begründeten Geschmack entspringen. Hiezu gchöreir in erster Linie die Gesetze der Mode- Sie lassen der Individualität genügend Spielraum, sich zu "äußern, und geben ihr die Möglichkeit, je nach Charäkteranlage und wird« schastlichen oder sozialen Vechäftnissen. entweder sich aus dev'großen Masse zu erheben, oder in ihr zu versinken. Dü nun die Voraussetzungen Mesür -bei.-allen Menschen' die gleichen sind und fich.nür^hUüh'. MltersMbe des Grades-! von einander abheben, sö bedarf 'zur Entfaltung persönlicher Eigenart eines Reglers .rst^eh^t der Ge sch mack. I Der Anzsig des M. a-u &&& ist.cheutss - tftcht,meh r Symbol der Einzelanschauung, .sondern gewifseünaßen Symbol <des allgemeinen Zustarrdes der Menschheit, besser: der Mannheit, Daher die tveitgchendeA-llg ernein gül tigleit dev- Modegesetze. Ihre ViTMtigkeit entspricht. den gesKttschastlichen Gelegenheiten^- Der - Mann, der - - nichtauffallen wiA wird es' möglichst öMneiben, ,hegest diese Gesetze zu vWoßen. Er wird ztzm Beispiel bei Tage — es sei denn, dicchM einem - festlichen Mahl -beiwohnt:,- oder daß-. sonstwiü> der' Nachmittag zum Abend - gerechnet wird.:^. - w^er im . Frack, noch im Smoking KflmV-.öelde sind.aus-- gesprochene AbendwrzügL Er wE zürn. 'Frack auch - keine ' Mchsstiefät, WhemLaÄschuhö. trägen und zum FrM keine' schwarze, zum SmoKng oder Gehrock keine weiße Krawatte Megan. Gn halbwegs geschmackvoller Mensch wirb eS ebenso vermeiden, Krawatten zu tragen, die man fertig gebunden und genäht, mit Einsatzstücken aus Pappdeckel odK SchMlchen bekommt, wie die' Vorhemden oder die losen Manschetten. Beide sollten nach guter'Regel mit dem Hemd einen festen, untrennbaren Bestand bilden. Die.Wahl der Kraw atte - zum Straßenanzug.läßt erkennen,', wie weit der Farbensinn und der gute Geschmack des Trägers Entwickelte ist. Hat sie d'ä. einziger Teil der heutigen Herrenkleidung, dir ExinnemiiH die farbenfrohe Tradition d«S historischen Wüm's bewahrt. Sie stellt Probleme und bildet das dekorative-Meinent im Afttagsgewand. Jede Farbenfreude ist hier cmr-Platz) und man wird stets wählen müssen, ob man tüe Harmonie durch Uebereinstimmung oder durch den Kontrast helstellt, wobei zu beachten ist, daß b«* Kontrast das Kühnere und 'Edlere ist, Schönes Material und feiüp Mpste'r sind nehen der Farbe von Bedeutung. Was für b.ie'Kräwatte gilt, hat neuerdings auch für die Strümpfe Bedeutung. Auch hier spielen Farbe und Muster eine Rolp im Ausbrück der Herrenkleidung. Englische Herrenkleidang. Uebertriebene Winke. Für den Herrn beruht die Knust, eines tadelloseu ÄU» iüg'es auf der Beobachtung vieler Einzelheiten'und 'Klemigfeiten, die gerade desivegen meist nicht genüc> berücksichtigt die eigene'Erscheinung sehr berücksichtigen. Ein Kleiderstoffes kleiner dicker für -. 0s.- w - und schlanker. Der große dünne Herr dagegen wird auffällige Karos und lebhastere Farben sich aussuchen dürfen. Aehnlich ist es mit der Bevorzugung des doppelreihigen Jacketts- und der neuen weiten Beinkleider, die von Klemen und Dicken vermieden-werden müssen. Für solche Figuren ist es Vesser, bei der einreihigen Jacke -zu bleiben und die Beinkleider lieber enger machen zu lassen. Besonders hat man darauf zu achten, daß man den richtigen Kragen und Schlips wählt. Der hohe Umlegekragen wird am besten nur zum Gesellschastsanzug getragen und .darf nie mit eurer Krawatte in Schlersensorm ge' schmückt sein.'Bei der Farbe der Schlipse soll man sich am besten nach der Augenfarbe richten, und es kann im allgemeinen , allen Herren, die blaue Augen haben, empfchlen werden, -blaue, gvatle und schwarze Favben zu wählen, während der : Mann mit .-grauen Augen rot und gelb und die jetzt siehnmodernen 'Wallnußfarben sich'aussuchen-darf. Eine Krawattennadel ist - zum gewöhnlichen Anzug unpassend, besonders wenn sie kost- '' bar und auffällig ist; sie bleibt der eleganten Toilette dorbehalten. Auch bei ver Wahl des Hutes muß man. vorsichtig sein. ' Der runde steife Hut paßt nicht zum Gesellschastsanzug, sondern zu - ihm. muß der Zylinder getragen werden, der jetzt in der englischen Gesellschaft wieder mehr und mehr in A,tsu-ahme tamnt Bei. FesÄichkeffen aus dem Lande ist auch das Tragen eines weichen Fift- oder Strohhutes gestattet. kMLWW«8IMWK XunstZev/erbUefter Arbeiten aller Art Bios «d / Handarbeiten / Hippes Handgemalte Kleider und Tücher Hausindustrie EXPORT Hanna Menzel & Cie» Kunstgewerbe Wien, I. Burgpassage io&aa ...Copyright Nachdruck verboten. JMschne Verlag, Aerlin. d7, Fortsetzo«g. . / Don Sammy Gröllemann. Las Märchen v'om sittlichen TiesMnb. - Ich habe mehrfach von ldem Flirt gesprocheir, Jkt zwischen Besatzung und d'em w-eiWchen Teil der BevWerungeine ganz gern betretene Brücke der VevständlgünH wurde. 80 hävnvloS ulld liebenswÜLdig' sich diese Beziehung gen fttt Mgemeiiren gestalteten, fürchtete W doch, idaß der eine oder andere hier eine nbue'--Bestätigung der -oft..gehörten Behauptung von dem sittlichen Tiefstand der -jüdischen Frän im Osten finden könnte. Ich weiß, daß van ernsthaften und durchaus nicht Wswilltgen Besuchern des ostjüdischen Landes solche Anschauungen -im besten Glauben vertreten werden — von' -den Venleumdern ganz abgeseheft —, ich halte -es für meine Pflicht, -dem. entgegenMtreten, Es -ist nicht wahr! Wahr ist, daß 'dl-e ^rchMve-'-'-Rst dev' Kviegszeit manche Frau und Mutter in den Sumpf W* trieben hat, daß Mädchen,- um sich mch ihre^ Kmifte. Brot ML vevscha-ffen,- >iu - Verzweiflung Me .Wege' - emschkugen. «Und selbstverständlich -war Verstihrung und' Dockung zu . leichtem Lebensgenuß . nirgends urck nie so'.groß , chi-e! damals. Aber jeder wahve Kenner der Bechältnisje wird es mir bestätigen, -daß solche Fälle trotz alledem verschwindende Ausnahmen blieben, und -weiter, daß, wie diesen Frauen sich nur eine Möglichkeit bot, sich auf anständige Meise eine noch so, dürftige Existenz zu schaffen, sie sofort .jenem Leben -den Rücken kehrten. Da wurden in BiaWok Jüt diese.Mädchen Arbeitsstubew eingerichtet, Mlss-enweise ^strömten sie herbei, man hat mit ihnen die besten Ersahrnngen genmcht, und sie bewiesen durch emsige Arbeit, daß sie im. Kern anstnädige Mnschen gebliebenr waren. j>Unseve Feldrabbrner Wunen das beMgen, und jeder von'! ihnsn l-'wsrd von entsetzlichen seelischen Mggödien - erzählen, isovgMig «glemeMverten und protegierten Häusern-abspielten. ' . , . ' ' Ich begreife aber, sehr wohl, wie. jene Oerichtevstatter zu ihren -irreführenden Berichten kamen. . Einmal, beobachteten sie, daß die deutschen Soldaten fast nur «vit jüdischen Mädchen spazierten. Kein Wunder,. wenn «ttitt 'bedeM, daß hier die Sprachschwierigkeiten wegsielen und daß diese . -'Mädchen kulturell natürlich-den-Deutschen am nächsten 'standendaß ferner bei einem.großen Teil der nichkjüdischen. EiuwohA-evschaft M' siavker Haß gegen die deutsche Okkupation herrscht^. ' \ Es ftimntt, -wenn erzählt wird,' daß in Wilna 1A5 Halbwüchsige Jungen ' die -Soldaten am Rock zupften: ,Momniien Sie mit — Herrl Schöner'-Gänsebrate-u! Ich hob' eine schöne Schwester." ‘ Ob der ,Junge eine -Schwester hatte und ob sie schön 'war, ließ "sich in keinem Falle festsollen. Sie kam.Mnsälls nicht zum Börschei-n. Und der auf den 'Köder gegangene Gast ließ sich ilachmd den -wivk-> Och k-SsAchen Braten .schmecken und zahlte seine. Rechnung-; . reklamiert hat bei den' stillen alten WirtZlouiten in dem . ävnllicheu Zvmmerchen tvohl keiner. Oder die -berüchtigten TeEnimievftuben. Es gab -Wohl eine Anzahl solcher Stuben, in -denen -es, bei sehr ^bescheidenen Preisen übvigeM, uicht-vvrl anders zugmg, als (ch einer Berliner Tanzbar. GeueM Wurde selten Alkohol Hb es käum -7, aber' es -ivurde - getgnzt und - die Ä« diemnden Mädchen- Waren, u-ichhlehen fpröde. In diesen., ^beschsld^nMMügiMMtßen ober gcMEkaum einvml- -Jüdinnen. Wohl abersah-Mu etwa- .in'Wilna und -in anderen Orten Mit grellsarbi-- . gen Vorhängen geschmückt -wärest^, und vor-der-Mr standen lüppige und gewöhnlich schiene-. JMnuen mit buMn Umjschlagtüchern, die hevausföpdevnd die Vorübergehenden an-- l lächelten und sie cherein-wiEten. Dann' stießen sich die bie- 'deren Landsinrttl'leute mit den Ellenbogen c-tt und derschivanden-mit. derlegeneur Schm-üNHeln'. iu her.- Tür. Die FvaUenblieben, 'draußen-und-ilmen brachte -ihnen einkleiner blasser Junge den^Dee mit -Zucker au den einfachen, DMDDDHMWMDWWWEHDDWWWWnMßaWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWWniWWWU!nDWWnaWWWinWe^UaiaaE8ed> ungedeckten Hvlztisch. Kein -weibliches Wesen zeigte sich, als höchstens hie alte H-ausfmu. Da saßen die Gaste und guckten sich dumm an — löffelten langsam -den -Tee aus und zogen . nach längerem -Umherstarven ab — auf die plötzlich unnahbar gewovdemn Frauen vor der Tür -nur scheue Blicke werfend. Es sah eben Vieles,-was nicht gerade erfreulich und schön «war, für den oberflächlichen Beobachter nach etwas . Viel Schlimmeren aus. Man darf nichts nur von außen betrachten, ,-nwn muß schon ins . Innere dringen. Ichbin htneingega-nssn. l Daneben: gab es eine Reihe durchaus -solider Teestuben; die nett ' eingerichtet waren, in denen eine anständige Heiterkeit herrschte, wo Musik getrieben wurde, und mau mit derMirirn und,ihren Töchtern, die oft bessere Zeiten geschenhatten, angenehm Plaudern konnte — wie etwa in dsr Teestube der Sonia in -der sich oft Herrenvom Jutellektuellsntifch trafen. Ich -wiT aber-eine. Episode erzählen-, die ich -im Wilna erlebte und die eigentlich aw besten -die Sachlage Mnstzievt: Auf -demgroßen Korso des.GeovAewM-iPro-spekt sah man gegen- Abend viele auffallend schöne junge. Mädchel^ pronrenieren, -deren feurige und verLeißungsvolle Blicke selbst öfteren Semestern -wohl gefährlich werden konnten. ..Jni. Äauft^ineim-r - SbichbrrGhrten traf es sich wohl bisweilen/daß ich mit einem.-oder dem anderen dieser Mädchen in -der schönen Konditorei von Strall beim Kaffee saß. Bäin kennt das Schema der Lovettenerzählungen -im Westen. Der Vater -tvar Staboffizier, ist früh gestorben^ die Mutter von allepr Adel usw. Es, ist ganz bezeichnend, welches Kolorit solche Erzählungen im Osten annehmen. ' Dort ist der Vater vegeftnaßig bin Rabbiner und DaÜmudgelehrter gewesen. Auch hier,^ in dieser verzerrten' Form, dMlmentiert sich,- -welche-m Stande, -das Volk die größte Ehrevbieümg - entgpgen-bviWt. '(Fortsetzung folgt.)