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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-20 · Heft 1950 (20.7.1924) · p. Seite 16

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1950 (20.7.1924)
Date
1924-07-20
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Geike 19 Wien, Sonnkas WrenerMoLsenzettun^ 20'. M E Mt. 1980, AUTO-BEILAGE DER WIENER MORGENZEITUNG-ERSCHEINT SON.NTAG Met ein Kleinauto als lein Auto! Lange, merkwürdig -lcmge währt es, bis die Welt, auch die von dev Autokultur sehr intensiv beleckte, die Binsen- Wahrheit genehmigend zur Kenntnis nimmt: Besser ein Klömwuto als Lein Auto! Mit Händen und Füßen, mit hundert AiMmenten (d ie sich im Nu widerlegen lassen) kämpft sie dagegen an, daß das Kleinauto auch Existenz-, auch lebensberechtigt sein soll im Zeitalter der Demokratie, die ganz gewiß Leine AutodsmoLmtiie genannt werden kann. Und dennoch: Der Ueinautomobilistische Gedmcke marschiert! Marschiert in Frankreich, iw England, in Deutschland, .M ein haar Jahve'n sogar in Oesterreich. Much hier hegt und pflegt mar: neuestens den kleinen, den zarten, den anspmchslosen Wagen, sei er mm inländisches Gewächs oder im Ausland geboren, auch hier beginnt man, fteilich nur in autosexuell aufgeLlärten Kreisen, das Bolksauto für voll zu nehmerr, es gelten W lassen. DaM «hat, darüber kann kein Zwaiifel ^stehendie große, erst kürzlich verrauschte Akfold-Alhenfahrt des Qesterreichischen und Ungarischen AutondobMlubs ' das Ihre beigetragen. Ihre volkstümliche Ausgabe, die „kleine, große AlPensahrt", über 2000 Kilomreter unL Dutzende von hochanschnlichen Gebirgspässen führend, sah eine Reihe kleiner Wagen österreichischer, tschechischer, ungarischer und reichsdeutscher Provenienz am Start, die alle, ohne Ausnahme, mehr, weit mehr hielten, als sich selbst rosaroter Optimismus von ihnen versprochen hatte. Spielerisch leicht, ohne Wimperzucken der Maschine, in verblüffend eleganter Manier haben diese Liliputs der Kplonne ihr Pensum erledigt, sind «sie pünktlich a la Minute —. ohne die sahr- PlannräMe Verspätung unserer Bundesbahnen — in den einzelnen Etappenzielen und schließl-ich in der Endstation Wien eingerollt, und auch die hochnotpeinliche ", KonhMonsPvüfunig des antomobllistischen Gesundheitsamtes (sprich: Versuchsanstalt. für Kraftfahrzeuge) haben sie glatt inberstanden. M-er jetzt noch, nach. dieser einzigartigen Kraftprobe der Schwächlinge, zweifelt^. nörgelt und Achsel zuckt, dem ist'glattevdings nichl zu helfen, auch nicht mit großen, kleinen Mpenfahrt Wer "die doppelte Distanz. Der nrag ruhig weiterhin der Ansicht huldigen, wonach der Mensch erst beim Bankdirektor, Pardon, beim H. P.-Grossisten, anfängt, daß man zumindest zehn Pferdestärken versteuern müsse, um seine Wohlhabenheit, seine Kreditwürdigkeit, sein gesellschaftliches wie kommerzielles Mrriviertsein ad oculus der Außenwelt zu demonstrieren. Die Sache des Kleinautos «in Oesterreich hat. übrigens einen rührigen Schrittmacher: Den Kleinautotaxi, den BenzinkoMfortabler, den. vertausendfachen, Heber die Maßen schnell 'hat er sich durchzulsetzen verstanden, der Gr¬ und Sie-Magen mit der populären Taxe, und wenn es auch unleugbar ist, daß seine wachsende Beliehlhelit mit der wachsenden Stierität, die dem Wien von heute den Stempel aufdvuckt, Hand in Hand geht, so bleibt es doch erstaunlich, wie.rasch tief eingelvurzelte Vorurteile über. Gehirnbord geworfen werden können,/wenn S. M. die Brieftasche daraus Vorteile zieht. Nun denn, die 'Glanzkarrier-e des Klrinautotaxis in Wien sollte auch jenen zu denken geben, die sich zu prinzipiellen Gegnern der KleinjfaHrze-uggattung bekennen. Wasdiese kleinen Perlen in ICH FAHRE NUR Souple-Gord und Vollgiimmi- R eilen Autozubehöre Reparaturen Vollgummlpresse Kaufmann & Eissler Wien, III. Ungargassa 12a :: Tel. 7388 u,842/8 einem Tage abraideln, tzcht inS Aschgraue. Mr weite Ueberlandfahrten — Semmering, Mariazell, Linz usw. — werden sie gedungen, und wer mit ihnen fährt, ist voll des Lobes über den Rvisekomfort, den sie gewähren. Wie geisagt: Die fulminante Hausse in Kleintaxis in Wien sollte zu einer endlichen Revision der Meinungen über die angebliche Minderwertigkeit und Mindertauglichkeit' des Kleinautos int allgemeinen, soweit es sich um strapaziöse Reisen handelt, Anlaß geben. Nirgendwann war es müheloser, sich überzeugen zu lasten, wie eben jetzt. Man mietet einen Klointaxi, jagt ihn auf den Kahlenberg, auf den Kobenzl, sucht sich dann eine Straße aus, wo sich der Knirps in puncto Ge>schwindigkeit ausleben kann/ interviewt den Ehauffeur über die Belwährnis des Wagerls, über sein allfälliges Reparaturkonto und weiß, woran man ist. Dies getan, geht man idaran, seinen automobiliftischen Haushalt, den man bereits, der Börsen:rot gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, auisßukösen gewillt war, zu reduzieren, zu vereinfachen, zu verbilligen im Wege der Anschaffung eines sparifam veranlagten, modernst konstruierten Kleinautos «bekannter Marke. Allerdings,. iusolange es keine segensreiche Einrichtung von Sorte öffentlicher H. P.-WechseiMuben gibt, wo man den Zchnsteuerpferder beim Schalter einveicht, um dafür ohne Verzug und Ausgeld einen Drei- oder Fünffteuer-H. P. ——■ -fr-. ■■■ " ~ "■ : AUTOMOBILE 18/60 .12/40 9,30 6/24 PS 3094 ADLER -Auto ttio bile und-Schreibmaschinen R. BAYER Gesellschaft m. b. H. Wien, IX , Althanstraße 45 Tel. 11293 ‘ in Empfang zu nehmen, stößt die Dömokratisierung des Benzinhaushaltes immerhin auf diverse Schwierigkeiten, zumal in diesen geldknappen Tagen, da man die Benzmfrißlinge von Luxuswagen s-Msagen nachgeworfen be-; kommt^ indes die kleinen Wagen ^sich rar machen und dabei s relativ hoch im Kurse stehen. Je kleiner, desto teurer! lautet die Devise am -sommerlichen Automarkt 1924. Steüerpferdekrafte, die der Wagen nicht hat, Betriebsstoff, den der Wagen nicht braucht, Kil-ogramme, die der Wagen nicht-wiegt — das alles wird neuerdings in dem Verkaufspreis sorgfältigsi ein-kalkuliert. Und doch wächst die Zahl der Kleinautos ans dem Wiener Pflaster, wächst rapid. Neue Fabriken entstehen, die das leichte Genre und nur dieses pflegen: immer neüe Repräsentanzen (G-eneralvepräsentanzen, bitte!) öffnen ihre inner- und vorstädtischen Pforten für den'Vertrieb ausländischer Volks-Wagen. Vom egoistischen Standpunkt des Konsumenten ein erfreulicher Zustand der Dinge. Denn nur ein überreich beschickter 'Kleinautomarkt kommt dem Reflektanten, kommt seinem Portemonnaie entgegen. Im Ausland blüht ge-- ' rade auf diesem Handelsgelbiet das Ratengeschäft. Kleinautos auf Abzahlung, hei lächerlich kleinem Angeld, sind dort gang und gäbe. In Oesterwich hält nran's. vorerst noch mit der Skepsis, derartigen Geschästsviskm gegenüber. Das ist schade. Denn was nützt der. Allgemeinheit . die schöne ■ Erkenntnis: Bester ein - Kleinauto,, als kein - Auto! wenn sie auch das Kleinauto, das bescheidenste und vMstümlichste, nicht'erschwingen kann. Auch der anderen 1 Seite, der Industrie und Bräuche, ist mit--Wunsch-.. ■ kleinautomobilisten, von denen, Wien dermalen . überquillt,. in keiner Weist gedient. Wichtige Gesichtspunkte für die KoErultton und Fabrüatio« von ' Kleinkraftlvagen.; . Man sollte meinen, dieses -Thema sei schon - reichlich' oft - -und-bis zum Mberdruß - in' der' Fachpresse, behändest,, daß ein nochmaliges Eingehen auf', dasselbe' reine Leerlaufarbeit sei. Das "ist /aber doch nicht der-' Fall, he-weist doch . eme '-Betrachtungder. in Deutschland produzierten Kleinkrastwagen, daß deren Konstrukteure Und Hersteller sich entweder gar nicht oder nur in gam 'beschränkt»»«, Umfange über die Gesichtspunkte klar sind, welche für die Gesichtspunkte klar fhA* welche für die Konstruktion und Fabrikation eines brauchbaren, preiswerten und wirtschaftlichen Kleinautos unbedingt maßgebend-sein müssen. Das sicht auch der Nichtfachmann ohnewviters an den Preisen der deutschen Kleinkraftwagen, die durchwegs zu teuer sind, als daß sie ein BolksfahrzeUg im weitesten Sinne werden könnten. Sicht man sich-die ganzen deutschen Kleiukraftwagen an, so findet mau,' daß dieselben,' mit gang verschwindend wenig Ausnahmen, weiter nichts sind als eine verkleinerte Nachbildung desgroßen Kraftwagens. Ich sehe darin einerseits einenbedauernswerten Mangel an konstruktivem Denken, andrerseits aber -auch einen 'Mangel.an kaufmännischer Initiative und eine KnrKsichtigkeit, - die sich einmal schwer rächen muß. Ich stehe, seit ich mich mit der Frage der Kleinautos befasse^ aus dem Standpunkt, daß der Konstrukteur eines solchen Wagens' völlig vergessen muß, daß es einen hochentwickelten großenKrastwagen gibt, sonst wird er nie eine neuschaffende, sondern-immer nur. ein« nachschaffende Täti-gk-eit ausüben und das'Produkt seiner Arbeit wird stets ein Mißerfolg sein. . . ' ■ \ Welche Gesichtspunkte müssen nun bei der Konstruktion eines Kleinkra'ftwagens den Konstrukteur leiten? Da ist zunächst der Grundsatz an die Spitze zu stellen, daß das Kleinauto ein Bollsfahrze-ug im weitesten. Sinne werden muß, wie cs zum Beispiel seit langen Jahren das Fahrrad ist, das heißt auchder tveniger bemittelte erwerbsmäßige Mittelstand muß in der Lage sein, sich ohne drückende finanzielle Opfer einen Kraftwagen zu halten. Aus diesem Grundsatz ergeben sich im Grunde genommen alle anderen Gesichtspunkte von selbst. Wie kann nun aber der Kraftwagen ein Volksfahrzeug werden? Nur dadurch,, daß man ihn verbilligt und tnfnter wieder verbilligt. Diese Verbilligung muß.sich in zwei Richtungen betyegen, sie muß sich einmal auf den Anschaffungspreis des Wagens erstrecken, auf der anderen Seite auf »ine möglichst weitgeheM Hera-bdruckung der, Betriebskosten. Eine Ermäßigung der Anschaffungskosten. läßtsich ciber nur - dadurch erreichen, daß man den . Wagen' konstruktiv so durchbilbet, daß seine Herstellung an sich so billig wie möglich wird und daß man in derartig großen Serien fabriziert, daß d'ie Fabrik auch bei geringem Nutzen am '-einzelnen Objekt doch rentabel ar'beitet, was bei. richtiger Betriebsorganisiation ohneweiters rnöglich ist. Auf bidi Organisation der Massenfabrikation an sich brauche ich in' diesem Zusammenhänge nicht ein gehen, da ich an anderer Stelle diese Frage wiederholt auM-hrl-ich. behandelt habe. Eine.Produktion in großen. Serien setzt natürlich auch die Zulie-seranten instand, ihre ’ Preise entsprechend niedrig zu halten. Voraussetzung ist natürlich die Verwendung des besten Materials' und hochwertigste Qualitätsarbeit. (Schluß folgt.) 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