Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1949 (19.7.1924)
- Date
- 1924-07-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,;&r L?L0Lgenzenrrngr ra MN V321 Seit« 8 Gang rum Herzl-Grabe. afseuerkmnkimgen in einer Heil Kt. Wien, gyamgiflg_ tztrahlen ausfendet. Der Agent nennt ein« Ziffer, worauf der andere mit.-dem Kopf zustimmend oder ablehnend, nickt, und das Geschäft ist, je nachdem wie diese mimstche Antwort ausfällt, aWchloW «der reWert. An jedem der vielen kleinen Tischchen steht eine überaus e-mpfiüdliche Wage, in deren Schal« der. Diamant gelegt wird, damit seine Gewicht seftgestellt werden kann. , „Diese kleinen Päckchen" — lautet die weiter« Erklärung — „wandern dann in alle größeren Städte der Welt. Nicht nur Europa, sondern auch Amerika, Asien und Australien werden von hier mit Diamanten und Brillanten versorgt. Das Kollier, das den g-lben Nacken der eleganten Dame'von Tokio ziert, kommt ebenso von hier wie der Schmuck, in dem etwa eine Prinzessin in Paris. beneidet wird. Hier in Antwerpen werden die Preise bestimmt und an diese Mt sich gegenwärtig der. Weltmarkt." Antwerpen hat diese Führerrolle erst vor nicht langer Zeit an sich gerissen. Noch in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg beherrschte Amsterdam souverän den Diamvntennarkt. Als aber nach dem Krieg die Werivevhältnrfse der Valuten ins Wanken gerieten und der Wert des belgischen ranken allmählich abbröckelte, vermochte Antwerpen die onkurrenz mit Amsterdam aufzunchmen. . . Vor meinen Augen flimmerte es, als ich auf die Straße trat. Mir schwebten noch die Diamanten vor. die mit ihren blitzenden Aeuglein mir aus den kleinen Cachets entgegenleuchteten. ,-Bitte um ein Almosen, Herr ..." Ein zerfetztes, kränkliches, schmutziges Weib mit eingefallenem Gesicht streckte mir'ihre Hand entgegen. Bevor ich in meine Tasche griff, mußte ich unwillkürlich einen Blick aus die Fenster der Diamantenbärse werfen . . . Ne groben Ausstellungen in Stuttgart. DK jüngste Malerei. — Bmiarisstellung. — Werkbund. Die Stuttgarter Ausstellung der jüngsten Malerei beweist deutlich, daß es zwischen den erirzelnen deutschen Künstlerindividualitäten keine Bindungen gibt. Die Zusammenhänge sind gegeben nur durch die großen Ziele der modernen Malerei, die Wege selbst sind verschieden. Das Schwankende, Mystische unserer Epoche: Edvard Münch; das Pathos, das sich dekorativ auslebt: Hobler. Natur im alten Sinne ist verblichen, Entwicklung ein romantischer Begriff. Aber was unsere Epoche so tief wahr macht, ist der Wille, durch die Oberfläche der Natur auf den Grund zu kommen, neue Substanzen, neue Ideale zu entdecken. Me großen Künstler suchen in ihrer Einsamkeit dieses Erlebnis. E. L. Kirchner, Heckel,, Bauknecht, Otto Müller schaffen neue Formen, P e ch st e i n wird präziser,. No l d e schäumt, Klee spintisiert, Schmipt-Rotluff zeigt trotzige Gebärden, Caspar ergeht sich in religiösen Bildthemen, Kanoldt und Ewald reißen sich zu Träumen empor. Franz Marc, der Gefallene, preßt Phantastisches ins Ornament. Otto Dix wU das Dasein formen, bleibt, aber im Aeußerlichen stecken. In Max Beckmann wirkt das Neue mit elementarer Kraft, unbedingt, traditionslos. Er gestaltet seine Erlebnisse, bleibt nicht an der. Peripherie haften. In Karl Hofers Bildern scheint die Materie durch eine tiefe Melancholie durchleuchtet. Von nach-- haltigster Wirkung die Gemälde Oskar K o k o sch k a 8. Welche Lust am Malen, welche breite - vibrierende Farbigkeit, in seinem Selbstporträt, welches .Farbenschwelgen in der „Sächsischen Landschaft" und in der „Frau mit Papagei"! Lebende Kontur, Grazie und dekadente Kultur, sich rundend zu einer unerhört lebenswahren Welt! Die Bauausstellung gibt einen Ueberblick über das Deutsche Baugewerbe und über die Möglichkeiten neuzeitlicher Baugestaltung. Gerade wir in Wien wissen den Wert der Baukultur auf Grund per Ideen der Peter Behrens und Josef Hoffmann zu schätzen. Was es qn Bairbedarf und Baustoffen gibt, bietet sich hier dar, für -alle Verwendungsmöglichkeiten ist gesorgt. Trefflich ausgestattete Veröffentlichungen führen tiefer in die Materie hinein. Das Wesentliche besteht darin, daß Sachlichkeit sich mit Schönheit paart und daß die Bauindustrie ihre Produktion der heutigen Wirtschaftslage achzupasserr versucht. Neue Materialien zielen auf Ersparungen.ab, neu« Verfahren versprechen einen besonderen Nutzeffekt. Es ist ein Kampf der Stoffe und Methoden; Aufbau und Einrichtung, Muster der Präzision in der Verwendung der Materialien.zeigen die Elemente, aus detten die Totalität gewonnen wird. Eine Reihe von Siedlungsbauten führt die Entwicklung vom geräumigen Einfamilienhaus zum Kleinhaus vor. Das Haus selbst wird zum Element, das sich dem Stil der Straßen und Plätze emzugliederir hat, deren Gestaltung nach städtebaulichen Grundsätzen durchgeführt wird. Die technischen Waren sind von eindeutigem, prägnantem Wert, sachlich korrekt, während die zipeckvolle Gestaltung noch Vieles zu wünschen übrig läßt. Da gibt es noch viele zweifelhafte Dinge, die Schnörkelsucht ist noch nicht ausgestochen, die kunstgewerbliche Scheinhrftigkeit bedarf einer radikalen Korrektur. - ' Hier seht die Berechtigung der WerkbundauSstellung „Die Form" ein. Man muß endlich an den üblen Beiklang vergessen, den der Begriff „Kunstgewerbe" in der letzten Zeit erhalten hat — dadurch, baß die. Gebilde der Werk- und Kleinkunst sich in verschiedene wirtschaftliche, kulturelle und künstlerische Traditionen verstrickt und sich den Bedingungen des realen, praktischen Lebens entzogen haben. Groß sind die Ausartungen des Kunstgewerbes, die Das Zionistische Lan'deKkomitee teilt mit: Anläßlich des 20. Todestages Theodor 'HerzlS wi d die Wiener / Judenschaft durch «ine Massenbeteiligung am Gang zum Grabe das Andenken des großen Führers ehren. Der Gang findet, morgen den 26. Juli statt. Jede Bezirkssektion, jeder Sonderperband und jede Föderation hat beim Gang mit einer Aufschristtafel zu erscheinen. Die'Leitung des Zuges hat das Mitglied des Zionistischen Landeskomitees Herr Paul FöldeS inne. Die Leitung der Sammeltätigkeit für den Keren Kajemeth ruht in den Händen des Herrn Karl Glaser. 4- Die Teilnehmer versammeln sich um 9 Uhr früh wie folgt: 1. Die Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomrtees, Parteirates, Mandatare,' Lokalkomitee, Keren Hajessod, Keren Kajemeth, Palästina-Amt, akademischer Landesverband sowie die akademischen Verbindungen, die. den Zug eröffnen, in der H och sch ulstr atze, gegenüber der Hochschule für Bodenkultur. 2. Turn- und Sportverband, zionistische Jugend, Chalnzim Karl-Ludwig-Platz bis Felix-Mottl-Straße. 8. Bezirkssektionen 1, 2, Prater, Z, Jehuda HalewiPcter- Jordan-Straße> 4. Bezivkssektionen 4 und 5 Feistmantelstraße (Ecke Hochschulstraße). 5. Bezirkssekttonen 6 bis 8, 9, 10 und 11 Felix-Mottl- Straße. 6. Bezirkssektionen 12 bis 1ö Cottagegasse (Ecke Felix- Mottl-Straße). 7. Bezivkssektionen 16 und 17 Cottagegass« (Ecke Hasenauerstrahe). 6. Bezirkssektionen 18 und 19 Cottagegasse (Ecke Felix- Mottl-Straße). 9. Bezirkssektionen 20 und Zwischenbrücken Blaasstraße 1 (Ecke Hasenauerstraße 82 bis Felix-Mottl-Straße). 10. Hitachduth Lannerstraße (Ecke Blaasstraße). 11. Misrachi Aannerstraße (Ecke Blaasstraße). Die Aufstellurrgsplätze sind durch Tafel« gekennzeichnet. Die Tafelträger de« Sektionen und Sonderverbände versammeln sich «m 8 Uhr früh bei der Endstation des 46er-Wagens. Sämtliche Ordner und Sammler haben sich um halb 8 Uhr früh Lei der Endstation des 46er-Wagens eiuzufinden. Die Jugendlichen erscheinen in Wanderkleidung mit Kopfbedeckung. Die Weisungen der Ordner, die durch Armschleifen gekennzeichnet sind, sind unbedingt zu befolgen. Ruhe und Disziplin sind zu bewahre«. in Wien vom Architekten Adolf Loos ausgegebene- Parole „Los vom Ornament" hat ihnen nur zum Teil Halt geboten. Die Stuttgarter Schau hat sich zum Prinzip durchgerungen, daß unserer Zeit nur eine Kunstübung entspricht, die ohne schmückendes Beßwetk den Gegenständen eine gebotene Form zu. verleihen, sich auf des sachlich Geforderte zu beschränken hat. Tatsächlich ist die fachliche, unsentimentale Gestaltung der Dinge der einzige Weg, der in der Zeit -der Auflösung der geselligen, bürgerlichen Kultur und im Heraufkommen sozialer Empfindungen beschritten werden kann. Die individuelle Behandlung der Gegenstände, der schöne Zierat sind Lüge und Schein. Die Gestalt der Dmge muß im Einklang stehen mit der praktischen Wahrheit. Das ist das Losungswort des Werkbundes. Daher sind seine Schöpfungen eine Mischung von Technik und Schönheit, von Zweck und Ausdruck. Möbel, Tücher, Kannen, Vasen sind auf ihre schlichten Grundformen zurpckzuführen, die objektiven Erfordernisse führen zur Sachlichkeit zurück. Die Verwendung des unsachlichen Ornaments verhindert die Reinheit des Zwecks. Es ist eine Genugtuung, feststellen zu können, daß die W i >e n e r W e r k st is t t e und der Oeste rreichische Werkbund sich von jeder Halbheit ferngehalten haben. Die Zartheit und Ausgeglichenheit der Form ist hier ein Stück alter Kultur und reifsten Geschmacks, sinnlich und zweckmäßig zugleich und dadurch ein Musterbeispiel für die neue Jdde im Kunstgewerbe. — r. — ld. Sie zweite Mische Emisrationrkonserenr. Wie die I. T. A, erfährt, -wird die aus Initiative des Vereinigten ■ Komitees für jüdische Auswanderung einbevufene zweite jüdische Emigrationskonferenz vom 12. bis 16. August in Prag im Hause der dortigen jüdischen Gemeinde tagen. Das Programm der Konferenz ist folgendes: 1. Eröffnung durch Herrn Leo Motzbin. 2. Die Lage der jüdischen! Emigration (Referent Dr. Silberfarb). 3. Bericht des Zentralkomitees (Emigdirekt) und der Landeskomitees, erstattet von Herrn Dr. S. Tiom'kin. 4. .Die Lage in den Immigrationsländern. Referate 'werden. von Vertretern der einzelnen Länder gehalten werden, lieber die Lage in den Vereinigten Staaten wird ein Hias-Vertreter sprechen; über Südamerika der Delegierte des Emigdirekt Herr W. Latzki-Bartholdi. Ferner werden Referate über Kanada, Palästina und Südafrika gehalten -werden. 5. Die Zukunftsarbeit für die jüdische Emigration (Referent Wen Nathan). 6. Organisation (Referent Dr. Brutzkus). 7. Budget (Referent Dr. Lewin-Epftein). 8. Die Frage der Emigrationsbank (Referent Dr. Iochelmann, London). 9. Bericht der Sektion für juridische, medizinische und Transpovtfragen. 10. Wahlen. 828 Personen durch Benutz an Erdbeere« vergiftet. Aus Berlin wird uns telegraphiert: In der bekannten^ Dr. Brehmerschen Lu ng e nHeilanstalt in Görbersdorf in Schlesien sind m den letzten Tagen schwere Erkrankungen unter V arges tu ngs er sch ei nun gen vorgekommen. Von der Erkrankung sind bis jetzt insgesamt 2 2 8 Personen betroffen worden, davon 190 Kraule und 38 Angestellte und Aerzte. Den Patienten und den Gesamtiusassen der Anstalt war am vergangenen Samstag ei ne E r db ee rspe i se als Nachtisch gereicht worden. Kurz danach erkrankten eine Zahl der Patienten. Die Speise, war ■ während der Nacht in einem Kühlraum untergebracht, scheint aber von Bazillen, wie sie bei Fleisch und Wurst Vorkommen, ergriffen worden zu sein. Die Erkrankungen nahmen in kurzer Zeit einen großen Umfang an. Als einer der ersten starb der langjährige Chefarzt der Anstalt Dr. R o w e. Der größte Teil der Erkrankten befindet sich zurzeit aus dem Wege der Besserung. Schwer krank sind noch ungefähr 30 Personen. An grausiger Fund in Berlin. Blutige Bettwäsche mit Menschenteile«. AuS B erlin wird uns gemeldet: Me erst jetzt bekmin wird, wurde bereits vor einigen Tagen in der T i e f e n dachst r a ß e im Süden Berlins ein P a k e t gefunken, das mit Menschenblut besudelte Bettwäsche enthielt, an der sogar noch menschliche Fleisch teile hingen. Trotz eiftigster Nachforschungen der Polizei ist es bishe^ noch nicht gelungen, den Mord aufzuklären. Das Paket soll von einem Kutscher weggelegt worden sein wahrend er an einem in der Nähe stehenden Brunnen seim Pferde tränkte. __ Mac Laren anfgesandea. AuS Tokio wird telegraphiert: Der englisch» Weltflieger Mac Laren und sein Begleiter sind wohlbehalten in einer Bucht an der Westküste der Insel aufgefnnden worden. _ Ar Wiener Herbstmesse 1824 in der Neuen Barg. Früher als bei den vorangegangenen Messen haben diesmal die Anmeldungen für die in der Neuen Burg untergebrachten Gruppen der Textil- und Bekl eidun gsbvanche einen Stand erreicht, der weit über das Maß des v-ochaNdenen Mächenraumes hmausgcht. Es sind zahlreiche einheimische Firmen, hauptsächlich aus der Schuh- und' Texdilibranche, die sich früher ferngchalten hatten, hinzugekommen, und sine Reihe ausländischer, insbesondere ilalienifcher Firmen neu erschienen. In der Sch uh gruppe mußten zwei neue Räume zur Verfügung gestellt werden, in denen hauptsächlich Galantcriefchnhe gezeigt werden. Wesentlich vergrößertist auch di-r Teppichgruppe, welche im ersten Stock, im Kuellunld Oberlichtsaal sehr ge-korasftv untergelbrächt sein wird. Im mit tleren Kuppelsaal stellen '6i e L e d e r k o n s e k t >i o n ä r e und L e d e r h u t f a b r i k a n t e n' zum erstenmal kollektiv au s und zeigen die Fortschritte dieser heimischen Branche, die in den letzten Iahten einen kolossalen Aufschwung genommen hat. Die Stricker eiwarenbr,anche, welche stets eine der re'ichstbeschickten Gruppen der Bekleiidjungsmesse war,, ist wieder die stärkste Gruppe und beansprucht nicht weniger als vier große Säle. Ein Novum auf der Wiener Messe ist das Erscheinen der w e st - i n d i s ch e n K a u t s ch u fi nd u st r i e (vert keten durch die Wiener Messe Proaganda machen will. Ein televhonloser Vormittag. Ein Demonstrationsstreik. Die Telephonangestellten haben ihre Drohung ausgeführt und den Betrieb während des gestrigen Vormittags von 9 bis 12 Uhr stillgelegt. Während dieser Zeit hielt die. Techuhche Union eine Versammlung in der Bolkshalle des Rathauses äb, in der gegen die Ablehnung der Forderungen der Telegraphen« und Telephonangcstellten durch die Regierung und die Regierungsparteien Stellung genommen wurde. Abgeordneter Zelenka wendete sich dagegen, daß das Besoldungsgesetz eine Besserstellung bedeute und erklärte, er habe den Generaldirektor Hoheisl auf den Ernst der Situation aufmerksam gemacht. Wenn auch mittags der Dienst wieder ausgenommen werde, so bedeute dies nicht einen Verzicht auf die Forderungen; im geeigneten Moment werden neue .Schritte unternommen, wobei sich auch andere Betriebe cvschließen werden. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die Brüskierung und Vergewaltigung 'der gesetzlichen Personalvertreter durch Nichtanhoren Derselben in Dienstangelegenheiten Protest erhoben und die Annahme der Abänderungsanträge des Zentralausschujses im Rationalrat gefordert wird. Nach Schluß der Versammlung formierten sich alle Teilnehmer zu einem geschlossenen Zuge, der vor das Parlaruent Sonntag den <E «dstation 41 er am Gang zu Hochschnlsiratze, 8*15 vorm. a g e n) (Ab Börse verstärkter ~ marschierte. Hier war die Nautpe an beiden Aufgäugeu durch Polizeiposten abgesperrt. Aus der Mitte der Demonsirauten