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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-18 · Heft 1948 (18.7.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1948 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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M. WZ 18. gitö'MT €5e*ife / Gesteigertes Interesse für pölnisHe Jnduftriewerte an öer Wiener Börse/An der gestrigen Börse machte sich ein erhöhtes Interesse sür -»polnische Jndusttiewerte bemerkbariwährend -galizische Petroleumwerte weniger Beachtung fanden. Die Börse begründete dieses Interesse Mit den bevorstehenden Steuerermäßigungen und der Verringerung der Zinssätze für die polnische Industrie.' Die günstige Erledigung der Lohnstreitigke-iten in der Industrie, die eine Verlängerung der Arsbeitszeit brachte, welche die Konkurrenzfähigkeit der polnischen Erzeugnisse steigern dürfte, wurde günstig kommentiert. Die Dapiere der mit der polnischen Industrie in Verbindung stehenden Banken waren ebenfalls gesucht,-da man aus dem besseren Geschäftsgang der Industrien Porteile für die Banken erhofft.; , >4- . Der Ausgleich bet Koburg-Werke. NuS PreWuvg Mrd MS gemeldet: Am H. August d. I. tritt der GläubigerauSschuß der Ksburg-Werke abermals in Bratislava Msanrmen, um über die endMtige Höhe der WusgleichSguote zu entscheiden. Für die letztangeboten«. Quote i!m Ausmaße von 4V Prozent soll die Masorität bereits gesichert svin. Sobald der Ausgleich Rechtskraft erlang, ewvden die Gläubiger bis spätestens anfangs Jänner IM befriedigt werden. Zur Wetterführung des Betriebes wurde ein Akttenkapiital durch die Erhöhung des jStummtkapitals im Wege der Emission neuer Aktien in der Röhe von 83 Millionen tschech. Kronen geisichert, welches Haupt- Schlich durch die Get-eiligung des ausländischen Kapitals', Mfgebvacht -wurde. I i Die BNdapester Konteruri,m 6er Memme. Die Konter-' vckne in Bredapest ist in einer Reihe von Effekten nicht in der ' ge, ihr-M Lteserungsverpflichtungen m entsprechen, da fast , ' gesamten Stücke sich im Besitze oer Mehrheitssyndikat^ inven. Insolgedeffeu haben - die interessierten Konters Mineure beim Börsenrat Schritte unternommen, damit dief-eSH ste von der Verpflichtung, effektive Stücke zu Infern, enthebe? und einen LvquidationSkurS ftststelle. Sie berufen sich daraus/ daß sich vor drei Jahren die Unmöglichkeit per Lieferung i von SÄdbahnalktien ergeben hatte und damals der Börsenrak . ein ähnliches Vorgehen bekundete. Dieses Ansuchen der Konter» mine dürfte «jedoch vom Börsenrat abgel-chnt werden, unter dem Hinweis darauf, daß das Beispiel der Enthebung vost dev Lreserungspflicht in Südbahnaktien nicht angszvgen wer«- den könne, weil damals die Interessenten Mer' die an der ' Budapest-er Börse abgegebenen SüdbähUstücke verfügten, sie jedoch von Wien nach Budapest nicht bringen konnten. > Für die Ernennung brancheknMger Ans-gleichsver- Kalter. In letzter Zeit mchren sich aus den verschiedensten Mäsen die Klagen, daß die vom Gericht bestellten Aus- ' ichsverwalter nicht immer den Anforderungen entsprechen, für die sachgemäße Durchführung eines AuSgleichsderns erforderlich sind. Insbesondere aus Kreisen der Textilanche mehren sich die Beschwerden darüber, daß von den erichten M Ausgleichsverwaltenu eiPrstnen bestellt werden, "che nicht brauche kundig sind, was für die Gläubiger im einnen Falle eine arge Gefährdung chver Interessen bedeuten n. DaS Gremium dar Wiener Kaufmannschaft hat sich aus diesem Anlasse an, das Bundeskanzleramt mit dem Ersuchen gewendet, die-Gerichte anzuweisen, bei der.Bestellung Von MllSgleichsveüwaltern auf die B ranchekUndü gkeit der zu nominiereudsn Personen besonderes Gewicht zu legen. Sollten in den aufgesteNten Listen, welche Ibei den einzelnen Gerichten aufliegen, dieverschiedenen Branchen nicht genügend vertreten sein, so wiimn entsprechend der Häufung der Insolvengen in den letzten M'onateN diese Listzen entsprechend zu ergänzen. .. / ' ' k ' -- Die Wammiirve. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeiiung".) - ■ Jute. ' i~ Rohjute hatte im Auslande eiueu recht lebhaften Markt gehabt. Obgleich die Aussichten für die neue Ernte andauernd aut bleiben, war die Stimmung fest, so daß die Preise auzogen. Außer Deutschland haben fast alle Länder in denen dieser Rohstoff verarbeitet wird, flott gekauft. Auch die Bestände aus der alten Ernte, soweit sie einigermaßen brauchbar sind, finden guten Absatz, sodaß schon auf die in deutschen Einfuhrhäfen lagernden Mengen zurück^ gegriffen werden mußte. InDundeehat der Markt schon seit, einigen Wochen seine alte Festigkeit »urückgewonnen. Die - Spinnereien haben beschlossen, die Einschränkung auf fünf Arbeitstage in der Woche zu beseitigen. Der Gewebemarkt' ist im den letzten Tagen wieder etwas ruhiger geworden, so daß sich, die Preise behaupteten, denn die Webereien sind Noch immer auf gute Zeit mit Aufträgen versorgt. In Deutschland hat sich die Lage der Juteindustrie eine Kleinigkeit gebessert. Der Absatz ist noch immer I sehr schwach, doch ist die Nachfrage etwas lebhafter geworden. Die Fabrikanten sind oft gezwungen, Aufträge zu gedttickteu Preisen anzuuehmen, um bestehende Geschäftsverbindungen nicht abreißen zu lassen. Die Frage von Betriebseinschränkungen wird allerdingtz, hie und da erwogen werden müssen. ... " " ———rs 4 BiehmMte in Ct. Marx. (Eigenbericht der „Wiener Mvvgenzeitmvg",) P Rtu dermark t. Der gestrige Anstrich, belief sich auf 'W1 Stück inländisches, 186 Stück ungarisches, 24 'Stück.tschechoslowakisches, 434 Stück jugoslawisches mtd 197 Stuck rümänisches. Zusammen 892 Stück Schlachtvieh, worunter sich 569 Stück .Mast- und 332.Stück Beinlvieh befanden. Der Gattung nach Awaren 569 Ochsen, 173 Stiere und 160 Kühe. Bet ziemlich 'lebhaftem Verkehr.haben sich Primasorten um 600 K. und alle -anderen Qualitäten um 1000 K. gegenüber Montag im er-, 1—afeifltJ v '■- '•. S t e ch v l e b m a r k t. Die gestrig» Gesaintzufuhr ellef sich auf 1691 Stück Kälber, darunter 669 lebende,.;"378 Weidnerschweine, 33 Weidnerschäfe, 31 lebende, 7 Ziegen, 7 Kitze und Lämmer. Trotz verminderter Zufuhr tendierten Kälber flauer als in der Vorwoche. Primasorsen blieben schwach behauptet, während die anderen Qualitäten bei reservierter Kauflust Infolge verminderten Bedarfes bis zu 2000 K. pro Kilogramm im Preise eingebüßt haben. Hingegen sind Fleischschweine um 4000 K. «nd Fettschweine um 1000 K. pro Kilogramm im Preise gestiegen. Es notierten: Lebende Kälber 16.000 bis 26.000 K., Weidner 16.000 bis 28.000 K.. Fleischschweine 21.000 bis 29.00l> K.,> Fettschweine 24.000 biS 25.500 K., Weidnerschafe 8000 bis 16.000 K., lebende 9000 bis 12.000 K., Ziegen 4000 bis 8000 K., Kitze und Lämmer 10.000 bis 16.000 K. pro Kilogramm. 3fr Aanmwollmartt. Dew-VorK, 16. Juli. Baumwollruführen in den Älant. und Golfhäfen 4000, im Innern 3000, Ausfuhr nach Großbritannien —.—, nach vem Kontinent —.—. 1 Lokalmarkt middling: 81;45 (letzt. Kurs 31.05). Tendenz; gut behauptet. — Termine r Zult 80.50, August 27.—, September 26.10, Oktober 25.80, November —, Dezember 24.95, Jänner 24.86, Februar , März 35.04, April 26.05, Mai 25.09, Juni Reise- und Sommeraufenthalt i taaaaumBaamnmsBmgmBatmwmmmmmmmamtmmmmmmmmmmmmmmenai Schweiz, Schuls-Tarasn Karlsbfider-Kuren — Höhenluft HOTEL VICTORIA! Hau« I. Ranges, 70 Betten, Mod. Kömfort 15. Jun! bis 15. Juli bedeutend herabgesetzte Preise Qefi. illustrierten Prospekt verlangen. 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Mein Zimmer «war oine Art Antichrmbre gewovden für — ja, wie soll ich ÄaS ansdrücken einige v " i weiter im Gange gelangte man an die Tür M ern>sm r, das Jeder im Laufe deS Tages wenigstens eintszufuchen gewohnt >war. /Und da wir in einenr sehr win!Mig und ungeschickt angelegten Hause einguartiert waren, scheute man sich, wenn man etwa, am Ziel der ^Dnaderung angelangt, entdecken mußte, daß em anderer das Rennen gemacht und zuerst am Ziel angelangt war, vor dem Rücklveg. Wenn nicht Sieg, wollte man Platz gewinnen, und es wurde Hebung, indessen sich ibei mir antznsiedeln. So hatte ich fortwährend Besuch und bei mir wurden die neuesten Parolen ausgetauscht, auf den hohen Chef geschimpft oder neue Streiche ausgeheckt. Unsere we-ißruthemsche Dolmetscherin, die Toine, liebe Duscha, die originellste aller russischen Studentinnest hatte eine Teemaschine aufgestellt, und wir hatten ibei mir einen richtigen Minsuhrtee, z.u dem sich auch die anderen Damen der ßZvessealbteilung bisweilen einsau'den. Sehr gemütlich!war es auch im Ziurpier von Arnold >eig, der sich seine Arbeitsstätte freilich nicht gang in <bem ierten Stil der „Novellen um Glaudia" l)e musstaffiert hatte. Er teilte seine Auftnerksambeit zwischen den Dutzenden von Büchern, die er in Erfüllung seiner Dienstpflicht zu lesen hatte, and gle^ichzRtig las und einer sehr sorgsamen Perivaltnng seiner ÄobensmittelvMrätc. Nomane und Käsekugeln, Mampstripte und Eierbisten. Kommißbrote und KorrMurjahnen bildeten ein nicht ohne architektonisches Talent geordnetes, im Endeffekt ^harmonisch anunutendeS GantzeK. Nahm man ein Buch auf, um hineinKublicken, sicklen einem wohl einige Wuvstscheild auf den Boden, dve «r dann Kvrutg aufklaubte, um unter gvimlniiger Bo» Währung gegen den UnordimngSstif.t>er t»ie betreffenden Seiter» auszusuchen. in die er die als Lestzeichen dienenden •riv. Wir hatten auch ein neues Tätigkeitsgebiet erhalten: die gesamten Fronttheater waren unserer Abteilung unterstellt. In der Person des Leutnants Näsler befand sich ibei uns ein Mann dom Fach — Literaturhistoriker und Schauspieler zugleich. So wurde die Leitung der Mbtsilung einem Theologen — immer den rechten Mann am falschen Platz —, der nun die Komödianten lehnen sollte.^ Herr v. Wilpert hatte nun aber zufälligerweise auch reiches Verständnis und Fntevesie für diese Aufgabe, u nd mit ihm zusammen widmete auch ich mich mit Feuereifer der neuen Arbeit. Da lagen bovn^ und in der Etappe ungeheure Massen von Menschen, die sich in dem öden Stellungskriege unendlich langllve-ilten. Zuw allergrößten Teil waren das Leute, die daheim nie ein ernsthaftes Theater ^besuchten —. wollten sie sich etwas leisten, gingen sie in den Zirkus oder ins Varietee, wenn eS hoch laut, noch zu einer blöden .GesangSposse. Hier war eine kaum wiederkehrende Gelegenheit gegeben, an diesen Menschen eine Kirlturausgäbe zu vollziehen, ihnen flutegeistige Kost zu reichen und sie recht zum Interesse,für Dichtung und Kunst zu erziehen. Hier hatten die Leute ja kein« Wahl —- sie mußten nehmen, >was ihnen gegeben wurde, und eS kam nur ^darauf an, was man ihnen geben wollte. Ich arbeitete ein großes Memorandum aus, in dem ich nreine Pläne entwickelte; ohne besondere Unkosten konnten wir bei dem verhäftniSmähig -guten Schausptelermaterial, das uuS zu iGebote stand, eine Reihe anständiger Borstellungen! guter deutscher Stücke veranstalten. Mt „Minna von >Barnhelm^ sollte es beginnen. Das Memorandum -wurde von Wilpert gezeichnet und dem Hauptmann übergeben -der fügte seine A-endevUlwgen ein und gab es im Instanzenweg weiter. Das Resultat war niedcrschnnetternd; der will nichts als lachen. Und Las Hauptzugstück unserer deutschen Fronttheater im Osten, -das ein Wahrzeichen -deutscher Ku-ltur sein und bleiben sollte, blieb nach wie vor: „Eharleys Tante" — sre-ilich ein LteMngsstück auch Seiner MastM. S ol^ja tc u h ühnc. -Mir ist -es während des Krieges öfter beschiehen ge-- iuefen., selbst auf -den Brettern zu agtemi. Zum ersten Male geschah das 1015 in Rathenow kurz vor dem Ausinavsch. Dort saß ein nmsik- und theaterbegeisterter Major, j b-cr „znm Besten der Hinterbliebenen des Regvm-enis^ von ^Avit zn Zeit große küngtlevischc BMnMstingen ^rangierte. So gin^^ eines Tages, nach einem rasselnden, von dem Hofschau-spieler Schröder aus.Hannover geschmetterten Prolog, in dem viel von deutscher Kunst u.nd deutschem Med die Rede -war, Verdis „Ni-goletto" in Szene. Schröder hatte gut schmettern! Gigefts, um dm ad hoc gedichteten Prolog von sachverständiger Seite auf seine Brauchbarkeit und — Haltbarkeit prüfen zu 'lassen, hatte er acht Tage Urlaub nach Berlin erhalten. Ich wirkte als Statist in der dank einige« Gästen nicht, Men Vorstellung mit, hatte aber außerdem die besondere Ausgabe zuerteilt erhalten, die Damen der Komparserie und des Balletts während ihres dreitägigen Aufenthaltes mit den Sehenswürdigkeiten und 'der Umgebung der Stadt bekannt zu machen, -eine Aufgabe, der ich mich mit ttt-eUtet; bereits von mir gswurdigten Pflichttreue (siehe früher) ge-- -wifsenhaft unterzog. Nach 'der Probe beauftragte mich der Major, den Künstlern seine kritischen Ausstellungen zu übermitteln. Die Kritik war kurz und bündig: ,Alles sehr! gut. — nur der Page im dritten Akt solle mehr Vorkommen — hat Berne, -die sich sehen -lassen Wunen!" Äin Aufsührungstagc früh -erschien beim Komipagnieappell überraschenderweise der Herr BatMon'sadfti-iant und rief Zu meinem Erstaunen meinen -Namen: „Landsturmniann Grone mann"! Ich stürzte vor und Pflanzte mich vor ibm auf — schnell in meinem Hirn überlegend^ -was für eine Schreckenstat ich begangen haben konnte, die den -hohen Herrn in aller Frühe schon mobil machte. Aber es 'kam anders-: ,Heute Übend geben die Of-ftziere den Künstle^-, im Deutschen Hanse nach -der Vorstellung ein Souver. Die Damen haben die Bedingunig gestellt, daß Sie tei-lnehmen. Sie wollen sich also einfin-den!" „Zu Befehl, Herr Oberle-Utnaut!" -- Na, es -war eine seltsame Situation für Mich als den einzigen ,Mmeinen^. Mit -den Off-izieren allein — das wäre noch gegangen — auch mit den Damen allein hätte ich mich -vertragen — aber so ich war neben dem Pagen mit den sehenswerten Beinen so eine Art Platzhalter. Aber in vorgerückter Stunde nach erheblichen Moholgenuß erhob sich ein älterer Mim-e und reoete den Herrn BataillonLadjutaitt-en sokgenderm^ßeu an: „Eins verstehe ich u-icht! Sie — l-up i; ■ so'u hohes Tier — und — und st''u •?' . Grone mann — hirp — der ist nur kann so was möglich sein?!" (Fortsetzung folgt..

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