Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1948 (18.7.1924)
- Date
- 1924-07-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Unter beleidigenden Zurufe» folgten die Zivilpersonen der Abteilung, die jedoch nicht reagierte. Bei der Haltestelle der Straßenbahn ließ der Offiziersstellvertreter die Abteilung halten und entsendete eine Charge um einen Sicherheitswachbeamten. Nach Fortsetzung des Marsches wurde der Offiziersstellveriveter von einer Zivilperson wegen des Singens der Abteilung ungestüm zur Rede gestellt. Die Abteilung hielt neuerlich. Da die Haltung der die Abteilung umgebenden etwa 100 Zivilpersonen drohend wurde, wurde das Bajonett aufgenommm, jeedoch von der Waffe kein Gebrauch gemacht und zur Polizeiexpositur Prater Hauptallee marschiert, wo das Bajonett wieder abgenommen wurde. Der Offiziersstellvertreter begab sich sodann mit zwei Wachebeamten und zwei Wehrmäunerchargen zur Auhal tung der h aupt b eteilt gt en Zivilpersonen zur Jesuitenwiese zurück. Ein in Bedrängnis geratener Sich erheitswa chebeamte r mußte zu seinem persönlichen Schutz den Säbel ziehen, ohne ihn jedoch zu gebrauchen. Die Sicherheitswache stellte drei Personen zum Amte, die nach Feststellung der Personsidentität und des Sachverhaltes wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Während der Amtshandlung der Sicherheitswache blreb die Abteilung unter Kommando eines Wachtmeisters bei der Expositur zurück. Als ein Wachebeamter,, der schon von weitem das Zeichen „Laufschritt" gab, auf den Wachtmeister zulief, setzte dieser die Abteilung in der Richtung auf das Polizeikommissariat Prater-Ausstellungsstraße, in Laufschritt, traf hinter dem 3. Kaffeehaus den Offiziersstellvertreter mit den beiden Soldaten, die Wachebeamteu mit den Ungehaltenen und die angesammelte Menschenmenge. Ohne weiteren Zwischenfall marschierte sodann die Abteilung zum Polizeikommissariat und rückte nach der' Einverirahme unbehelligt ein. Gegen die rngehaltenen Personen wurde die Strafamtshandlung eingeleitet. Die militärische Untersuchung führt im Aufträge des Bundesministers V a u g o i n der Stadtkommandant von Wien. Was geschieht mit den Soldaten, die das „K. u. k." gesungen haben? - Wassermelonen, die gestern eintrafen, kosteten noch 10.000 K. pro Kilogramm, - während Zuckermelonen im Kleinhandel schon um 20.000 K. pro Stück käuflich waren. Sa« Wetter. Die angekündigte Verschlechterung des Wetters ist gestern Angetreten. Für heute wird wieder eine Besserung vorausgesagt. ' . Wien, 18. Juli. * Todesfall. Die Gattin des Fürforgemt-es E. M. Felldstein ist vorgestern im Wer von 38 Jahren nach schwerem Leiden gestorben. Das Leichenbegängnis findet heute Freitag um halb 10 UIHr vormittags aus dem Zentrasiri-edhos, 3..Tor, statt. Die Mandatare und Mitglieder der Zionistischen BeziMsektion 2 werden ersucht, der Toten die letzte Ehre zu erweisen. * Tödlicher Touvistenunfall. Aus Pretzburg wird gemeldet: Der 25jährige StalLtsibcch-nib-eamte Franz Bandas ist beim Abstieg vom Z:egen.gru:id zum grünen See abgestüvzt und konnte nur mehr als Leiche geborgen werden. * Neuerliche Erhöhung der Telegrammgebühren. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, wurden die telegraphischen Gebühren für ein Wort nach Jugofl-awim von 1600 aus 2000 K., nach der Schweiz von 1800 aus 2000 K., nach Italien von 1800 ans 2000 K>, nach der Tschecho-SAvaikei von 1600 ans 1800 K., nach Deutschland van 1000 ans 1600 K. und nach Ungarn van 1000 auf 1100 K. erhöht. * Der normale Fahrpreis «ms der Straßenbahnlinie 4? „Flöhcrsteig-Steinhof". Der Sonderfchrpreiis aulf der Linie 47 „Flötzer-steig—Steinhds" wurde mit 16. d. ausige- Ässen. Die Fahrscheine des Tarifgebietes 1 (1700 K.) gelten nunmehr bis zur Endstelle der Linie 47. * Verkürzung der Reisedauer Wien—Berlin. Kürzlich fand in Nürnberg eine Eisenbahnkonferenz statt, ans der in der derzeit bestehenden Verbindung Wien—:Li>rz—Passau —Regensburg—Leipzig—Berlin eine neuerliche Berbessernng erzielt wurde. Ab 1. Oktober d. I. wird die Fahrzeit in beiden Richtungen nm 2 Stunden 10 Minuten gekürzt. Der bisher von Wien (Westbahnhos) nm 14 Uhr 6 Mm. abgchon.de - D-Zug 405-165 wird nach dem Winterifahrplan erst um 16 Uhr 16 Min. von Wien abgehen und in Mn trotzdem wie bisher nm 9 Uhr 8 Min. eintrchfen. In.der Gegenrichtung wird die Abfahrt vair Berlin statt um 31 Uhr erst um 21 Uhr. 80 Min. und die Ankunft in Wien schon um 14 Uhr 40 Min., also um 1 Stunde 40 Min. früher, erfolgen. Dieser Zug wird in Berlin einen neuen' günstigen Anschluß von Stockholm und CHristiania Herstellen. Die neue Fahrzeit Wien—Berlin (16 Stunden 53 Minuten) kürzt die Reisedauer gegenüber dem letzten Wimterfahrplan mn 3 Stunden 18 Minuten, in der Gegenrichtung um 2 Stunden 40 Minuten. * Eine blutige Hochzeit. Aus Muunikacz wird der Korrespondenz Herzog gemeldet: In Kaluik farrd dieifer Tnge die Hochzeit eines jüdischen Kaufmannes statt. Nach dem Hochzeit sschmause wollte die Jugend tanzen. Die orthodoxer: Juden wollten dies jedoch mit Rücksicht auf ein roligjidfts Gesetz, das den Tang ungleicher Geschlechter verbietet, nicht zulassen. Trotzdem wurde nach dem Abzug der Orthodoxen bei ZtgerMerimusik getaiHt. Unr Mitternacht kamen die Orthodoxen, mit Stöcken und Cisenstaben bewaffnet, wieder, beisetzten die Ausgänge und Fenster des „Hauses der Sü>ck>e", drangen ein, verlöschten die Lichter und verprügelter: die HochzeitsMe derart, daß viele vom ihnen -ohnmächtig am Böden liegen blieben. So.gar die Zigeuner trugen in -der DmÄellheit Hiebe davon. Mehrere der Verprügelten mutzten ins Spital, gebracht werden. Die Haupträde-lsftihre-r wurden von der Gendarmerie vechalftet und dem Gerichte eimMefevt. Gang zum Herzl-Grabe. Das Zionistische Landeskomitee teilt mit: Anläßlich des 20. Todestages Theodor Herzls wird die Wiener Judenschaft durch eine Massenbeteiligung am Gang zum Grabe das 'Andenken des großen Führers ehren. Der Gang findet am 20. Juli statt. Sämtliche zionistischen Sektionen, Sonderverbände und Föderationen werden hiermit aufgefordert, eine rege Propaganda für eine Massenteilnahme am Gang zum Herzl-Grab zu entfalten. Durch Verteilung-von Flugzetteln ist die Judenschaft der eiMlnen Bezirke zur Massenbeteiligung auszufordern. Diese Flugzettel können im Bureau des Landeskomitees, 2. Bez., Tckborstraße 20 a, täglich zwischen 10 und 12 Uhr vormittags und '4 und 7 Uhr nachmittags abgeholt werden. Tie Abholung, der Flugzettel ist .sofort zu veranlassen und .eine entsprechende systematische Verteilung zu organisieren. Jede Bezirkssektion, jeder Sondevverband und jede Föderation hat beim Gang mit einer Aufschriftstafel zu erscheinen, die heute bis 6 Uhr nachmittags im Bureau des Landeskomitees äbzuholen ist. Die Leitung des Zuges hat das Mitglied des Zionistischen Landeskomitees Gesinnungsgenosse Paul Földes inne. Die Leitung der Sammeltätigkeit für den Keren Kajemeth ruht in den Händen des Gesinnungsgenossen Kurl Glaser. Die Teilnehmer versammeln sich um 9 Uhr früh wie folgt: 1. Die Mitglieder des Aktionskomitees, Landeskomiters, Parteir-ates, Mandatare, Lokalkomitee, Keren Hajcssod, Keren Kajemeth, Palästina-Amt, akademischer Landesverband sowie die akademischen Verbindungen, die de:: Zug eröffnen, in der Hochfch ulst ratze gegenüber der Hochschule für Bodenkultur. 2. Turn- und Sportverband, zionistische Jugend, Chalnzim Karl-Lubwig-Platz bis Fclix-Mottl-Stratze. * 3. Bezirkssektionen 1, 2, Prater, 3, Jehuda HalewiPcter- Jordan-Stratze>, 4. Bezirksfektionen 4 und 5 Feistmanielstraße (Ecke Hochschulstraß e). 5. Bezivkssektionen 8 bis 8, 9, 10 und 11 Felix-Mottl- Stratze. 6. Bezirkssektionen 18 bis 15 Cottagegasse (Ecke Felix- Mottl-Straße). 7. Bezirkssektionen 16 und 17. Cottagegasse (Ecke Hasenauerstratze). 8. Bezirkssektionen 18 und 19 Cottagegasse (Ecke Felix- Mottl-Straße). 9. Bezirksfektionen 20 und Zwischenbrücken Blaasstraße 1 (Ecke Hasenauerstratze 32 bis Felix-Mottl-Straße). 10. Hitachduth Lannerstraße (Ecke Blaasstraße). 11. Misrachi Lannerstraße (Ecke Blaasstraße). Die Ausstellungsplätze sind durch Tafeln gekennzeichnet. Die Tafelträger der Sektionen und Sonderverbände versammeln sich um 8 Uhr früh bei der Endstation des 4ver-Wagens. Sämtliche Ordner und Gammler haben sich nm halb 8 Uhr früh bei der Endstation des 4i)er-Wagens einzufinden. Die Jugendlichen - erscheinen in Wanderkleidung' mit Kopfbedeckung. Die Weisungen der Ordner, die durch Armschlch'e,: ge- 'kennzeichnet sind, sind unbedingt zu befolgen. Ruhe und Disziplin sind zu bewahren. - IS. Juli 19Z4 - * ' Seile 5 ,—.----' # -fr * Zum Todestage Herzls. Seit Jahren hat der Ker« Kajemeth l'Jsrael di« großen Gedenktage unseres Volkes u-ntt der zionistischen Bewegung zu Aktionen, für den Anikcmf vor Grund und Boden m Palälstina benützt. Auch der 20. TauM dieses Jahres, der 20.- Doldestaig Herzls, wind im Zeichen bei ,.Keren Kajemeth" stehen n-nid es ist zu hoffen, daß besoi^de-r? große Dpenlden den Beweis erbringen, drrß die Wiener Jude::- sthaft ihren großen Führer in lebendigen: Andenken bchält. Di« Bogünstigu-ngen, die unser K. K. L. bei Versichernngsadschtüssermit dem „Phönix" genließt, verhelfen ihm zu großen Cinwahmen. Der 20. Todestag Herzls ist ein besonderer Anlaß, ein: Lebensversicherung, deren Beginn mit dem 20. Tamug übereinstimmt, $n ent vieren, und so unserer populärsten JnstidNtiE denn „Jüdischen Natüonalifonds", einen Ertrag z-n sichern, de: unter den zu Ehren Theodor Herzls am 20. Damuz geleisteten Spenden alusgewiesen werden wird. Vevsichemn-g ist die beste Kapitalsanlage! Zuschriften an: Samnsl Cappon, Wien, 2. Bez., Hote-l Contin-enlcrl, Organlisat-i-onSbe-amter der Bev lichcrnngsgos-ellsch-a-st „Phönix". (EirtgÄtlich.) * Tanzinstitut Hermann Braun-14. Bez., Reindorfgasse 42 (Entgeltlich.) Im israelitischen Waisenhause der Freiherr Mas Springerschen Stiftung werden n:it Anfang des Schuljahre 1924*25 einige jüdische Knaben im schnlpflichtigei: Alter bi 11 Jahre -anfgenoimnen. Mit Dokirmenten versehene Gesuch sind bis 31. August d. I. an das Kuratorium der Fveihe: Max Springerschen Waistnhomsstiftung, 1. Bez., Augustme: straße 8, zu richten. (Entgeltlich.) Bühne und Kunst. Las tschechische SpemgaMiel. Am zweiten Abend spielten die Tschechen Tscha: k o w s k y s „Eugen O n e g i n", der seit vielen Jahren in Wien nicht mehr zu hören war. Die Geschichte des russischen Abentenrers Onegin, der die Liebe der reizenden Tatjana verschmäht, ihrer Schwester den Hof macht, deren Bräutigam in: Duell niederknallt und sich nach einem wüsten Leben vergebcns nach Tatjana zurückschnt, vermag uns heute weniger denn je zu fesseln. In seinem „Eugen Onegin" steht Puschkin starl unter dem Einflüsse Lord Byrons, auch eigene Erlebnisse und echt russische Zwiespältigkeit spielt in den Roman hinein, welcher uns durch eine holprige, zerdehnte Bühnenbearbeitnng die peinliche, nicht ganz saubere Angelegenheit nicht näher bringt. Noch ungleich rascher als die Puschkinsche Dichtung scheint uns Tschaikowskys konventionelle Opernmusik gealtert. Wie arm an Ausdruck und innerer Wahrheit ist sie doch im Vergleich mit den Bühnenwerken feines älteren Zeitgenossen Mussovgsky! Wie so oft bei Tfchaikowsky wechselt hier hrlbafiatifche Roheit mit französiischem Sentiment, das bis zur Banalität herabsinkt, und theatralische Bombast:! tritt an die Stelle dramatischer Kraft. Nur ganz wenige Szenen, nament. lich einzelne Tänze und die im Volksleben wurzelnden Chore, wirken heute noch echt und stark. Zudem war die Aufführung durch das Prager National», theater dem Werke durchaus nicht förderlich. Der Zusammen-" Hang zwischen russischer und tschechischer Kunst ist denn doch nicht so enge, wie panslawistische Kunstfchwärmer gerne -glauben machen möchten, und die Tschechen, welche das Leidenswerk Smetanas mit so großartiger Naturtreue -wiedergeben, stehen dem Mnsikstil Tschaikowskys anscheinend weit ferner. „Eugen Onegin" spielt nicht im einfachen Volk, sondern m der vornehmen Gesellschaft und in diesem Milieu fühlte sich das natnrburschenhafte, in der Volkskunst wurzelnde Prager Enselnble etwas befangen; dies nm so begreiflicher, da die Sänger einem fremden Orchester gegennberstanden, des notdürftigsten -szenischen Apparat-es 'entbehrten und so lediglich aus ihre Persönlichkeit angewiesen waren. Am besten schnitt Frau Marja B o g u c k a als Tatjana ab, eine kultivierte, seelenvolle Sängerin, und zugleich eine gewandte Darstellerin. Herr Burian als Onegin hatte starke Momente und Herr H u m l fühlte sich im Vollbefitze eines gewichtigen BasieS. Das übrige Ensemble hielt unter Kapellmeister Winklers energischer Führung tapfer durch. Es spielte Dschaikowsky nicht gerade schlecht, aber Smetana weit, weit besser! fkb, Am de« Theatern. Volksoper. Heute V,8 Uhr abends, Ensemble der Prager Nationaloper, „Das Geheimnis" von Smetanw Morgen „Die verkaufte Braut". Theater in der Josef st ad t. Heute V,8 Uhr abends, „O n k e l ch e n h a t geträumt". Samstag den IS. und Sonntag den 20. 7«8 Uhr abends, „Mutterlt e L e" „Die Spieler", „Ein H e i r a t 8 a n t r a g". Im Theater ander Wien wurde infolge best großen Erfolges der Kalmanschen Operette „O r L f i« M a r i z a", welche heute zur 150. Aufführung gelangt, di« Spielzeit bis 15. August verlängert. Der Spielplan einer kleinen Opernbühne. Der Opevnspielplan dor Vereinigten städtischen Bühnen in Dortm u ii d (für die Leiter der Wiener Staatsoper sicher die „tiefste Provinz") sieht für die kommende Spielzeit an Urausführungen L e s js i -n g s „T e >m p e 1" rniib „D a s Zi >e >l" von S e u b e I (nach einer Dichtung von Gerdt B a s s e w i tz), an ErstauffühmnM „Boris Godunow" von Mnisiso rysky, „Intermezzo" von R. S t r a n ß, „Der Fremde" von Kann, „Türki-senblaue Gärten" von Szendreis. „Akkestis" von W elles z sowie die P nec-i n i-Einakter „Mantel" und ,-Schwester Angelika" vor. Außerdem schweben mit Puccini, Schreker und Noetzel Vevha-ndl-ungen über Aufsüchrungen ihrer neuesten. Werke. + <%/ Spenden nimmt entgegen: Bureau des Keren Kajemeth f Israel. 2. Bezirk. Zirkusgasse 23 ♦ Teleirfjon Nummer 45*696 Vostsvartastenkouto 169? 68