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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-18 · Heft 1948 (18.7.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1948 (18.7.1924)
Date
1924-07-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 1 Mm, We8as - Wiener MorsenzeZtiwS. Me Halenkreuz-Wiffenschaft. Sine SrklSrung der sozialistische» Hochschullehrer. . Am Schlüsse des eben abgelaufenen Studienjahres sieht sich die Vereinigung sozialistischer Hochschullehrer veranlaßt, der Dessen tlichkeit von einer Reihe von Rechtsverletzungen Kenntnis zu geben, die während dieses Jahres von seilen des Prosessorcnkolsegiums der philosophischen Fakultät der Universität Wien und der Technische n H o chschule in Wien gegenüber sozialistisch gesinnten Habiliiationswerbern begangen wurden. In offenkundigem Zuwiderhandeln gegen den Geist und gegen den Wortlaut der geltenden Habilitationsvorschristen wurden diesen sozialistischen Bewerbern, nachdem sie, eiugegen dem Gutachten der Fachmänner dieser Kollegien, vom Plenum znrnckgewiesen worden waren, die Gründe der Ablehnung nicht rnitgeteilt, wobei man sich zur Rechtfertigung dieses Borgehens auf Bestimmungen der Geschästsordnung dieser Kollegien berief, die angeblich eine Mitteilung dieser Gründe nicht möglich erscheinen lassen, eine Argumentation, die schon deshalb als unrichtig bezeichnet werden muß, weil der Wortlaut der Geschäftsführung eines Beamtenkollegimns nie und nimmer dazu verwendet werden darf, die Ausführung von V e r o r d n n n g c n, die jüngeren Ursprunges als diese interne Geschäftsordnung sind und deren Befolgung dem betreffenden Kollegium zur Pflicht gemacht ist, unmöglich zu machen. In einem dieser Fälle hat man den Habilitationswerber, der sich gegen die ihm zugefügte Unbill mit den durch die Rechtsordnung gewährleisteten Mittel.« zur Wehr setzte und es auch ans diese Weise erreichte, daß das Unterrichtsamt den abweisenden Beschluß des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät wegen Mangelhaftigkeit des Verfahrens aufhob und die Angelegenheit an das Kollegium zum Zwecke einer neuerlichen Beschlußfassung zurückleitete, bei dieser erneuten Erledigung mit seinem Ansuchen um Erteilung der Lehrbefugnis mit der Begründung zurückgewi-esen, daß er durch seine Abwehchündlnngen den Beweis dafür geliefert habe, daß ihm ein- 'ko Ilegiale s Empfinden fehle. Die Vereinigung sozialistischer Hochschullehrer hält es für ihre Pflicht, nicht nur jene Mitbürger,- die sich zum Sozialismus bekennen, mit allem Nachdruck auf diese Vorgänge aufmerksam zu machen, sondern auch jenen, die diese Vorgänge verschuldet haben, bedenken zu geben, daß eine Methode, die darauf abzielt, Anhänger eines Bekenntnisses, das fast zwei Drittel der Bebol« kerung Wiens, mehr als ztvei Fünftel der Wählerschaft Oesterreichs umfaßt, von der Lchrbefngnis ausznschlicßen, mag sie auch vorübergehend von Erfolg begleitet sein, schließlich doch unter um so schwereren Erschütterungen an dein Mißverhältnis zwischen der akademischen Kleinwelt und der sie umgebenden Umwelt scheitern muß. , * . Diese Mitteilung der sozialistischen Hochschullehrer geht dem Wesen der Sache, um die es sich handelt, mit schärfster wissenschaftlicher Genauigkeit aus dem Wege und macht denen, die solche Zustände verursachen, mit einer derart gefaßten Darstellung die Mauer. Es wird so getan, als wäre der Sozialismus und die sozialistische Gesinnung der Grund für das schandbare Treiben an den Hochschulen. Das ist eine Schiebung. Nicht der Sozialismus wird gestraft, sondern die jüdische Abkunft, nicht die Gesinrul'ng, sondern die Geburt. Die Fälle, in denen das politische Bekenntnis den Anlaß zur Verletzung von Gesetz und Takt bietet, sind außerordentlich selten. Dagegen sind sie, wenn die jüdische Zugehörigkeit in Frage kommt, so zahlreich, daß man von einer generellen Maßregelung der jüdischen Dozenten sprechen kann. Die sozialistischen Hochschullehrer drücken sich um diese allein wahre Grundursache der akademischen Hakenkreuzlerei herum und sie bleiben damit auf der Linie ihrer Partei, die so tut, als gäbe es diese antisemitische Krankheit gar nicht. Diese Feststellung kann natürlich nicht daran hindern, zu sagen, daß die Vorgänge in der Professorenschaft ein niederträchtiger Skandal sind. Hinter dem Mantel der Autonomie tobt sich engstirnigste Bosheit aus, die niemals um eine Ausrede verlegen ist und die das darstellt, was man unter Menschen von Reinlichk-rit am meisten verabscheut, die listige Auslegung von Gesetzen und Verordnungen. Will die Sozialdemokratie, die als Vertreterin von Recht und Freiheit auftritt, diese Dinge endlich einmal aus der Welt schaffen, so kann sie das nur durch die Einbringung und Durchsetzung eines Gesetzes tun, welches mit der Autonomie Schluß macht und den Professoren die Ueberzeugung beibringt, daß anch sie einen Amtseid und die Regeln der Anständigkeit einz uh alten haben. Wildwest in Rumstnie«. Ein Eistribahnzug aufgehalten. Aus Bukarest wird unterm 17. d. gemeldet: „Dimiüeata" meldet aus Galatz: Der Persontznzug Czernow;i tz-^G a l a tzwurde gestern auf offener Strecke von einer Räuberbande überfallen. Die Banditen stellten sich längs'der Streck« auf und bewarfen den Zug mit großeil Sternen, um so den Lokomotivführer zum Anhalten des Zuges zu zwingen. Die Reifenden/wurden von groß r Panik erfaßt und mehrere Personen wurden von den Wurfgeschossen und Glassplittern verletzt. Der Kassier der Stadt Galatz wurde schwer verletzt iu das Spital von Jassy gebracht. Universttatsfonds. Die Harward-Universität in Cambridge (Vereinigte Staaten) sammelt jetzt einen Fonds 'von 10 Millionen Dollar zum Zwecke der Ansgsstaltnng ihrer wissenschaftlichen Institute. Unter den großen Speichen befinden sich sehr namhafte Betrage, die von jüdischen Persönlichkeiten Amerikas beigesteuert wurden. So finden wir unter den Spendern für den Harward-Fonds: Julius Rosenwald mit 500.000 Dollar, Icsse, Herbert. und Percy Straus mit M0.000 Dollar, Artur Lehmann mir 200.000 Dollar, Goldman, Sachs u. Co. mit 100.000 Dollar, Samuel Sachs 60.000 Dollar, Mortimcr Schiss 60.000 Dollar. Dies nur eine Auslese der größten Spenden; es gibt überdies eine Reihe von Juden in Amerika, welche für den Harward-Fon-ds Beträge zwischen fsi.000 und 60.000 Dollar beigesten-ert haben. Es mag ja als recht erfreuliche Tatsache angesehen werden, daß gerade die Juden es sind, welche in den Vereinigten Staaten für die Förderung der wissenschaftlichen Tätigkeit so viel übrig haben. Es ist dort eben nicht anders als hier. Aber auch in einem anderen Punkte besteht die Analogie mir Europa und da erscheint es denn doch notwendig, den Tatsachen genauer ins Gesicht zu schauen. Das „Freiheitsland" hat in den letzten Jahren neben anderen unerfreulichen Erscheinungen antijüdischer Einstellung auch Europas jüngste .Kulturerrungenschast, den wissenschaftlichen Antisemitismus, sich rasch anzueignen verstanden. Es ist noch in allgemeiner Erinnerung, daß in der Columbia- und auch in der HarwaUd ^Universität vor gar nicht langer Zeit der Numerus clausus zur Debatte stand. Wenn man diese Erscheinung in den Vereinigten Staaten in Rechnung zieht, dann.läßt sich -auch verstehen, aus welcher Einstellung heraus die großen jüdischen Spenden für den Harward-Fonds erslossen sind: Es ist die typische Ehettoübuna, daß durch solche Spenden den jirdenfeindlichen Einflüssen der Boden abgegrabenwerden könne. Diese Erwägung aber ist grundfalsch. Wenn die amerikanischen Inden aus ihren eigenen Erfahrungen dies nicht sehen können, so muß es ihnen das europäische Beispiel mehr als deutlich klar machen. Gerade in diesem Punkte der Verwendung jüdischer Spenden für die Wissenschaft, ihre Jnstitut-e und Hitssorgamlütionen, zu antisemitischen Zwecken, steht Oesterreich obenan. Hier wird für die Mensa academica bei Juden Geld geschnorrt und die armen jüdischen Studenten werden mit Brachialgewalt vertrieben. Hier lassen sich die sogenannten wissenschaftlichen Institute der Universität Wien gar gern die aus dem Ghetiogeltungsgelüst her. vorgegangenen Zuwendungen der Bösel und Konsorten gefallen uud gestalten mit diesen Geldern die wissenschastlichen Institute zu Brucherden der niedrigsten und pöbelhaftesten „rassischen Wissenschaften" aus. Die Dinge in Amerika weisen auf eine ähnliche Entwicklung hin. Anzeichen hierfür haben die letz'len Jahre genug gege-ben. Daher werden die jüdischen Spenden, mögen sie nun für die Harward-Unrhersität oder für andere Institutionen dieser Art fließen, nicht hindern können, daß sie zu genau den entgegengesetzten Zwecken verwendet Werden, als es in der Absicht der Spender lag. SUcctotti Garibaldi gestorben. Wie u>is aus Rom gemeldet wird, ist dort nach längerer Krankheit General Niccioiti Garibaldi im 77. Lebensjahre gestorben. Der General war der zweite Sohn des italienischen Nationalhelden Giuseppe Gar-Hba-Vdis aus dessen erster Ehe mit Anitla und nahm schon in frühester Jugend an den kriegerischen Unternehmungen seines Bakers, besonders bei Dijon im Jänner 1871 teil, lieber diesen Felldzug schoi-eib er ein ausführliches Werk. Als Mitglied der italienischen Deputierten« ka-mmer schloß er sich der Linken au. Wie die Kmrc-spondcnz Herzog mitteilt, wurde ln der vorgestrigen Sitzung des medizinischen Professorenkolleginms das DisMmarerkeN'Nknis des akademifchen Senats der Wiener Universität in bezug auf die Affäre Hoch-onogg zur Kenntnis gebracht. Unter dem Eiichrmck des Erkenntnisses beschloß das Professorenkollegium, die Sanierung der durch dieses Ereignis fe st ge st eilt en U edelst änd e selbst in die H a n d z u n e h nt e n. Zu diesem Zwecke hat das Professoren, tollegiinn aus seiner Mitte ein Komitee eingesetzt, das im Verein mit anderen maßgebenden Faktoten über die zu - > IS. AM 1984 - der. 19& straffenden Maßnahmen b waten und entsprechende Anträn stellen wird, Ger Weltrundslug. Mar Laren vermißt. Tokio, 17. Juli. Tochchobootzevstöve-r sind auf der Such nach dem Flieger Mac Laren, von dem »um keine Rach richt besitzt, seit er Net ofof-u verlassen hat. kl« Sstemichilche« Wm'knsemble l» Par^ verhaftet. Der Film bereits in Wien eingetroffen. Wie bereits berichtet, wurden die Mitglieder de! zur Fertigstellung von Freilichtaufnahmen in Frankreich ent sandten Ensembles der Wiener Helios-Filmgesellschaft ü der Station Mühlhausen verhaftet u-nd nach Paris zu rückge-bracht, wo eine Untersuchung gegen sie derzeit im'Gang, ist, deren Ende woch nicht -aibzusehen ist. Ms Grund der Vechaftwng diösor Filmleute wurde, tvi Pariser Blätter melden,' die Aufnahme einer Badesizone uni anderer Bilder mit leichkbekleideten Mädchen in Berfaill-es an gegeben. Die Anzeige erfolgt« seitens einer französischen Film sirma, die angeblich das alleiu-ige Recht für FilmausnahMn n den Parkanlagen von Versailles besitzen will. Nachdem ab«' die belastenden Aufnahmen unter der 'Assistenz des Konserda. tors der Museen von Versailles und seiner Beamten vor fid gingen, die 'dabei absolut nichts zu beanstärrden hatten, wird e: sich wohl um nichts anderes als um ein Koirlkurrenzuranöre' der Firma handeln, da in einem anderen Falle eher eine Anzeige aus dem Kreise der vielen Zuf-cher, die sich bei den Aufnahmen ansammelten, erfolgt wäre. Wie leicht begreiflich, erklären sich die Verhafteten fii: unschuldig, da ja solche Ausnahmen in zahllosen Filmen genkach werden und schon mit Rücksicht aus die Zensur und die begannt Prüderie der Amerikaner derartigen Szenen gegenübe, immer äußerst dezent gemacht werden müssen. Uebrigens wnrd» mit solchen Szenen iu dem letzten namhaften Film französischen Ursprungs, in „La garcoune", nicht gerade gespart Viel bellender ist allerdings der Umstand, daß sich in ihrer Pässen unrichtige, das heißt verschleierte Berufsan-gaber finden, die darauf zurückzulsühren sind, daß Frankreich bei Ansuchen um Eiureis>ebewilligun>g für Mmgefelkschasten imm-n sehr viele Schwierigkeiten zu machen pflegt. Da bereits seit Monbrvg früh im D r e a m l a n d- Atelier ans der Hohen Warte die ersten Bauten für die Innenaufnahmen dieser Filmgesellschaft stehen uud verschiedene Gayen unbedingt weiter gezahlt werden müssen, kann man leicht berechnen, welch großer Schaden der Firma durch diesen Schrill der französischen Behörden entsteht, der schließlich nur auf ein Konkurrenzmanöver zurückzustihren ist. ' ,Wie verlautet, soll der exponierte Nogativsilm mit dein übrigen Gepäck der Filmexpedition bereits in Wien eilig e« 'troffen sein. Ob der Film -im Sinne der Anklage entlastend sein konnte, ist fraglich, da ja zwischen den Vorbereitungen zu einer solchen Ausnahme und dieser selbst ein sehr beträchtlicher Unterschied fein kann. Der Bund der FilmiMchriellen, der Bund der künsteritchen und kunsttechnischen Mitarbeiter der FilnOvanche und di-e Veve-inigung der Fitmidarsteller werdcn sich in der kürzesten Zeit zu einer Protestversammlung z-usarmn-cnsinden, d' •. eine Interpellation im Parlament in dieser Angelogenhei! bezwecken soll. Für die Mitglieder des Ensembles, Direktor Dttu Kreisler, Josef und Aloista Fleck, Eugen Neu seid 2es!h Hal^rsison und Frl. Schmied wurde der Pariset Anwalt Beer als Rechtsvertreter von der österreichischen Gcsaudtschast bestellt. Weitere Nachrichten über die Ergebnisse der U-ntechuchu-ng liegen bis jetzt nicht vor. Die Abgeordneten Dri Gim-pl und Strecruwin haben gestern an den Minister .des Aeußem Dr. G r ü n b c rger eine Anfrage betreffend die Inhaftierung österreichischer Filmdarsteller und Industrieller in Frankreich gerichtet. Der wirtschaftliche Schaden, den die österreichische Gesellschaft durch diesen Zwischenfall erleidet, ist enorm. De, Gcsamtschaden der Gesellschaft ist bis heute..auf mindeste t§ 5 00 Millionen Kronen zu veranfchlagen, wenn ma.i die Miete des hier nicht rechtzeitig benützten Ateliers, die Gagen -der infolge der Anhaltung der Houptpersoneu uubeschäjtig'teu Schauspieler, mitwirken-den Regisseure, Architekten, Operateure ufw. in Betracht zieht. Der Schaden ist bei längerer Anhaltung gar nicht abzusehen. Die Gefertigten stellen daher die Anfrage: 1. Was hat der Herr Minister bisher unternommen und gedenkt er wene-: zu unternehmen, damit die verhafteten Personen ehestens wieder irr Freiheit gesetzt tveeden? 2. Was gedenkt der Herr Minister zu unternehmen, um der Gesellschaft einen Ersatz für der. erlittenen Schaden zu verschaffen? Me Lebensmittel. Auf dem Najchmarkt trafen gestern besonders viele italienisa- Paradeissp ein. Die Preise gingen daher wesentlich zurück. Während sie gestern noch 6000 K. kosteten, waren sie heute um 4000 K. schwer anzubringen. Auch Blumenkohl gab im Preise nach, dagegen bis jeder Me den Schekel entrichten wirdffiahum Sokolow)

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