Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1947 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8_Wien, Donnerstag Bühne und Kunst? Baftftziel -es Prager tschechischen Nationaltheaterr in der Bolrsoper. Bor wenigen Wochen lernten wir gelegentlich des Prager MufikfesteS die Oper des Prager Naiionalthmters kennen und ihre reichen künstlerischen Bestände auf der Bühne und ,m Orchester, ihre geschmackvolle Inszenierung und ihr/musterhaftes Enfemblesprel schätzen. Gäste aus gang Europa, welche das Mnsikfest in Prag besuchten, erkannten, daß man heute auf keiner anderen Opernbühne so vollkommene Smetana- Aüfstihrungen zustande bringt; denn hier paart sich feiner Kunstverstand mit der Ursprünglichkeit eines gefunden, kraftstrotzenden Bauernvolkes und mit der höchsten Begeisterung einer jungen, aufwärtsstrebenden Nation. — Bei dem Wiener Gastspiel der tschechischen Opfer muß man leider ckit Druck'- stücken des Prager Ensembles vorlickb nehmen: Es fehlen das vorzügliche Prager Orchester und die stilvollen Dekorationen, um so mehr freut sich das Auge an den bunten Originalkeftümeii der Sänger und Tänzer, und die treffliche Regie des Herrn Emil Poltert und die Diri.genienpersön!ichkeit des Herrn Josef Winkler, unter dessen temperamentsprühendcr Leitung das Volksopernorchester kaum wiederzuerkennen war, geben den Wienern einen Vorgeschmack davon, was daß Prager Theater auf seiner heimischen Bühne vermag. Ganz unübertrefflich ist der Chor: Keine aus einer Maskerade ertappten Städter, wie man ihnen sonst auf unseren Opernbühnen begegnet, sondern richtige Bauernburschen und Bauernmädeln, die mit froher Selbstverständlichkeit ihre nationalen Trachten tragen, mit blühend frischen Stimmen ihre nationalen Weifen singen und sich schmuck und natürlich im Tanze zu drehen wissen. Es ist, wie wenn die fruchtbare böhmische Landschaft samt ihren derben, starken Bauern und deren mufikanlischer Frohnatnr für eine kurze Spanne Zeit'auf der Bühne der Vvlksoper lebendig würde! — Ganz prachtvoll Herr Emil Pollert als geriebener bäuerlicher Heiratsvermittler, breit und wuchtig in der Stimme uud unerschöpflich an immer neuen lustigen Einfällen, recht drastisch Herr Wladimir Stork als stotternder, stolpernder Bauerntölpel, stimmlich ausgezeichnet, vielleicht um eine Nuance zu vornehm, Frau Kamilla U ng r o v a al§ Dorfschöne. Der Beifall, der von Akt zu Akt immer mehr anwuchs und zu stürmischen, wohlverdienten Ovationen für alle Mitwirkenden führte, galt nicht zuletzt dem Hans des Herrn Kubla, dessen Wirken an der Volksoper noch nicht vergessen ist. Seine darstellerisch und besonders gesanglich hervorragende Leistung läßt uns den Verlust des Sängers um so schmerzlicher empfinden, als die Volksoper noch immer keinen Ersatz für ihn gesunden hat. f[&. Bus den Theatern. 4 m® ® & e T< Heute, */?8 Uhr, gelangt vom Ensemble Ser Prager Nationaloper Smetanas „Der Ku ß" zur Aufführung. Morgen Freitag wird Smetanas „Dar Geheimn i 8* aufgeführt. Im Theater in der Jolefstadt um l/*8 Uhr abends die Erstaufführung „Mutterliebe", Schauspiel von August „Die Spieler", Komödie von'Nikolaj Gogol, „E in Heiratsantrag", ein Scherz von Anton Tschechow, statt. findet heute der Einakter Strindbexg, Tanzabende im Burggarten. In den abwechslungsreichen Programmen der Burggarten Veranstaltungen figurieren die Tanzabende als besondere Anziehungspunkte, da sie die Möglichkeit bieten, eine umfassendere Kenntnis von der Leistungsfähigkeit unserer Wiener Tanzkünstlerinnen zu gewinnen als durch da§ einmalige Auftreten in der Wintersaison. Rita Bugno, das ehemalige Mitglied unserer Staatsoper. ließ sich an ihrem Abend von einem Kammerorchester unt.'r Leitung ihres Gatten, Kapellmeister Erich Meller, begleiten. Der musikalische Teil war in der Wiedergabe sicher der' wertvollere. Der tänzerische litt unter der Unzulänglichkeit im Rhht'hmischen, unter der Armut an Tanzideen. Ein gewisser Grad erreichter Ballettechnik kann über die künstlerische Begrenztheit nicht hinwegtäuschen. An den: Tanzabend, den Gertrud B o d e n w i e j e r und ihre Gruppe veranstalteten, wirkten die besten Schülerinnen mit, die schon in eigenen Menden den Anspruch auf künstlevische Wertung echoben haben. Gisa Gehrt ist die reifste der Schülerinnen. Sie hat nicht nur den Willen zur tänzerischen Konzentration auf ein zentrales, entwicklungsfähiges Motiv, sondern auch eine persönliche Kraft, ore sich besonders an der Spitze einer Gruppe unfhemmt durchsetzt. Das Formproblem bereitet ihr noch manche orgen. Ob Lrsl Rrnaldini mehr als ihre persönliche Anmut auf der TcmMhne wird durchsetzen tonnen, bleibt äbznwarten. _j&t. Das österreichische Musikfest in Salzburg Die Kunstkommilfsion der Bereinigung W'ienav Musiker veranstaltet vom 18. Ibis 28. August in Salzburg ein fünf Konzerte.umfassendes M-uiDstst, bei dem hauptsächlich Werke jungösterreichischer Komponisten Marco Frank, Fr. Jppisch, Egon Kovnantlh, Otto Rieger, Ir. Moser, Hugo Kauder und andere) zur Aufführung gebracht werden. ' Die Berliner Volksoper zahlungsunfähig. Der Eigentümer des Theaters des Westens in Berlin, in dem die (Stofen Volksoper ihre Aufführungen veranstaltete, hat gegen die Oper das Konkursverfahren beantragt, da dichekbe ihren Verpflichtungen seit Monaten nicht nachgeckommen ist. Max Reinhardt in London. Das Mir-atkebspiel von Bollm oll er wird in d-r Jnszenievung von Max Reinhardt zur Weihnachtszeit in London aufgeführt werden. Neue Opern von Ermanno Wolfs-Ferrari. Ermauno Wolff-Ferrar>i, der deutsch-italienische Komponist, dessen muMramatische Werke „Die neugierigen Frauen". „Die vier Grobiane" und „S-usanuas Gcheimnis" ebenso Me sein Ehorwerk ,Mu>es Lehen" starken Aulklang fanden, hat eine Reihe van neuen Arbeiten teils vollendet, tvils in Angriff genommen. Fertig sind die neuen Opern „Gli amgntf sposi" („Die verliebten Ehegatten") und „Veste df Ei e l v" („Himmelskleid"), und m Apbett befinden sich M'i weitere Opern: „J l d o n o bei m a t ti«i o" („Mvrgengabe^ nnp „2 ly". Mit Ausnahme der „Beste di Eielo", deren Libretto Pom Komponisten selbst stammt und eine Art psychoiogi cher Autobivgra- _Wiener Morgenzeitirng.__ BSderaktion des Keren Kajemetfr l’israel (Jüdischer Nationalfonds) Der Keren Kajemeth l’Nrael wird s?lne WerbetüHijkelt In nächster Zeit in allen Kur- «nd Badeorten Oesterreich» aufs nachdrücklichste auf. nehmen. Es handelt »Ich darum, an jeden Kreisleanzukoromen, der ntr Irgend unseren Zielen zu gewinnen Ist. Das Wiener Bureau (11. Zirkusttas.se 33) glaubt, dass es Hier auf die tatbereite Unterstil zung aller Gesinnungsgenossen rechnen darf und btltet jeden, der unserer Sache dient n will und den Sommer ln irgend einem Kurort verbringt, so rasch wie möglich — das heisst sofort — Namen und Aufenthaltsort bekanntzugeben. Die hohe Verpflichtung, d e wir UaslschWrt gegenüber auf uns genommen haben, und die ernste Lage in Palästina fordern gesteigertes Verant'vortliclikeitsgefühl und ges ei erte Hingabe an unsere Alltagsarbeit für Erez Israel Phie darstellt, haben die übrigen Opern zu textlichen Grundlagen Dmmen des jungen italienischen Dichters Giovacchino Forzano. Der angezweifelte Rembrandt. Der frühere Gvoßherzog van Oldenburg hat in diesen Tagen den Teil seiner Gemäldesimmlung. den er seinerzeit nach Holland gebracht hatte, in Amsterdam versteigern lassen. Unter den Gemälden befand sich auch Rem'brandts „Taufe des Hofmeisters der Gandaco durch oen Apostel Philippus". Am Tage vor der Versteigerung gab es eine große Ueberraschung. Der holländische Rem« bvandt-Kenner Hmsieede de Groot sprach in einem Aussatz dem Bilde, das Gcbeimrat Bode unter einer Reihe von Kopien ait Orig'um! angesehen hatte, die. Echtheit aib und bezeichncie es als eine Schüleravbeit nach der Radierung des Meisters Das Bild vermochte daraufhin in der Versteigerung nur 4700 Gulden zu erzielen. ArichtssM. RIWich der Struerdeuunziation beschuldigt. Der Dsnunziant ein Verwandter — des Angezeigten. Oberlandesgerichtsrat Dr. Weiß (S!'.asbe.;ir:ksgericht 1) beschäftigte sich gestern mit der Ehr.Mbeleidigungsklage, dis der Beamte der Merkantilbanik, Bernhard Ewinger, durch Tr. Leopold Plasch! es gegen den Privatdetektiv Karl A. Mach et an; erhoben hatte, welcher ihn in einer Auskunft als einen berufsmäßigen Steuerdenumzionren hingestellt hatte. In diesem Prozeß ist es durch die Intervention des Klagevertreters Dr. Plaschkes;um ersten Male gelungen, mit Zustimmung des Finanzministeriums entgegen den Bestimmungen des Personalsteuergesetzes, welches Auskünfte, über Steuerairzeiger untersagt, eine Auskunft von den Finanzbchörden zu erlaugsn und zur Rchatbilitierung des um seine Existenz ringenden Klägers sogar eine anonyme Anzeige zur Vornahme eines Schriftsachverstäwdigen.gutrchte»s an das Gericht zu übermitteln. Es handelte sich um folgenden Fall: Der Kaufmann Israel Freudmann wD Klient der Merkantitbank, wo der Kläger Schalterbeamter ist. Gleichzeitig ist Herr Elvinger in feinen freien Stunden privat bei Herrn FreuldmaNlii tätig gewesen, so daß er aus das intiniste und genaueste mit dessen Gefchästsgebarung veMraut war. Anfangs dieses Jahres wurde gegen Herrn Freu-dniaun bei der Financhchärde auf Grund, einer Anzeige ein Verfahren wege-n Bal-utenfchieberei und wegen Ste'.icrhiittevziehnng eingeleitei, dos auch zu einer empfindlichen Bestrafung fühne. Freu dm an \\ wendete sich an den Pvivatdetelliv Karl A. Machet an;, dem er unter anderem auch mitteilte, daß Ewinger bei ihm Buchhalter sei. Wie nun in der Ehreichelridigungsklage^ des Herrn Ewinger gegen Machetanz ausgeführt wird, hat nun Machetanz im März dem Frendmann eine Information dahin gegeben, daß entweder am 4. »der 14. Jänner dieses Jahres der BanGeamte Ewinger fnni, der der ständige Vertrauensm>ann des Nachrichtendienstes der Wiener Flnanzlandcsdircktwn ist, mit einsm Agenten des Nachrichtendienstes namens Novak beim Referenten erschienen sei und die Frendmann bet ressenden Mitteilungen erstattet, hicfür die Anzeigenprämie ollerdings noch nicht erhalten hatte. Freudmann stellte Ewinger wegen dieses doppelten schweren Bertranensmißbrauches zur Rede und erstattete auch bei der Direktion der Mevkantilbanik von dieser <m-ge^blichen Denunziation -ihres Beamten die Anzeige, was zur Suspendierung des Beamten führte. Herr Ewinger, der erklärte, daß er zu mrecht denunziert worden fei, forderte Herrn Fveudnmnn auf, mir ihni zu Machetanz zu gehen, und als peide dort erschienen, erklärte Mach-etanz, daß er (Eaninger) die Anzeige erstattet habe, was er ihm beiweifen werde. Er wiederholte diese seine Bei-chntdigung mit der Anffovde« rmdg, ihn nur zu klagen, er werde ihm das schon beweisen. Tatsächlich bot über die Klage auch Machetanz einen Wahrheitsbeweis au. Wie mm Herr Tr. Ploschfes ausführte, habe er, da sein Klient in ein Netz gefährlichster Art verstvickt schien, zumal ja die Finanzbrhörideir über Steueranzeiger das Amtsgeheimnis zu wahren pflogen, alles daran« gefetzt, um hier einmal dtzr Sache auf den Grund zu kommen und tatsächlich erfuhr er beim Nachrichtendienst der FIn-an,zlandeWreirtjon vom Hofrat Woffch, daß dort überhaupt weder am 4. .noch am 14. Jänner H^rr Ewinger «erschienen sei, daß es. einen K o n f i d e n r e n Novak überhaupt beim Nachrichtendienst nicht gäbe und daß daher die dieslbezügliche Information des M a che t a n z voll kommen unrichtig sei, was auf Eüuchen des sDr, Plafchkes auch schriftlich in einer Aeukernng der Finanrbezivks'direktisn 'dem - Gerichte betkanntgeg^bm wurde. Es wurde nun erhöben, daß bereits a-m 18. Dezember vorigen Jahres ein a n o n y m e 8' S ch xe i b e n bei der SteueradM'inistvation des 1. Be-sirkeS gegen Freudinnnn eingelangt war u-nd auf Grund dieses .Schreibens das Steuerstrs.'verfahren gegen Frendmann cmg-stciiet wvrde>n iri. _17. Juli 1924 , >_jtt. 194'. Machetanz stellte sich nun auf den Standpunkl, daß diesr anonyme Anzeige vom Ewinger herrühre, wobei ev offenbar dawii rüchnete, daß diese anonyme Anzeige im Sinne des Perfonalsteuepgesetzes dem. Gericht, nicht zugänglich .gemacht werben würde.' Dr. Pla.schkes erwirkte nun Unter Hinweis, daß es sich um die Existenz eines Bankbeamten^ handle, durch Intervention beim Finanzmimster Dr. Kienböck, daß dieses anonyme Schreiben tatsächlich dem Gerichte zur Vornahme eines Schr»if tsachverständigen gut achtens übergeben wurde, wöbei der Vertreter des Angeklagten Dr. Weiß drei vom Herrn Frendmann übergebene Bergleichsschriften, wovon zwei von der Schrift des Herrn Ewinger und eine dritte von einem Berwanidten de^s Freudmann herrührten, den Sachverständigen vorgelegt wurden. DiüseS Schriftisachv>erständigengutachten ging nun dahin, daß auch der anonyme Brief, der die Anzeige herb eigeführt hatte, nicht von Ewinger herrühre, sondern offenibar von der Hand desjenige-n, von dem die dritte Vergleich s u r k u n ld e gesch ri ebe n w o rd en war. Angesichts dielses Ergebnisses erklärte nun gestern der Verteidiger des Angeklagten Machetanz, daß zweifellos nicht Herr Ewinger der Anzeiger war-, daß jedoch Machetonz auf Grund der vorgelegten Urkunden glaulben konnte, daß der Konfident von Ewinger informiert worden sei. Dr. Plafchkes erklärte, daß es geradezu frivol war, daß Machetanz, bloß um ein paar Millionen zu verdienen, eine geradezu erdichtete und wider besseres Wissen verfaßte Mitteilung dem Freudmann zugahen ließ, die geeignet war, die Existenz eines Menschen zu untergraben und dann behauptete, daß die Anzeige von ■ Ewinger herrühre. Israel Freud mann, auf Wunsch heS , Dr. Plafchkes als.Zeuge einveruom-men, eEorte, daß er tatsächlich diese Vergleichsschriften lange, nachdem er die beschuldigende Relation von Mache tanz erhalten hatte, dessen Vertreter gegeben habe. Herr Freud mann bestätigt, daß Machetanz den Kläger als denjenigen auch mündlich bezeichnet halbe, welcher als Vertrauensmann der Finanzlandesdirektion ihn ange-zeigt habe und daß e« diese Beschuld-igun-g aufrecht hielt. Ich weiß, erklärte der Zeuge nun nvit Bestimmtheit, daß Herr Ewinger nicht -der Schuldige ist und daß auch die anonym« Anzeige nicht von ihm hrrrühren kann. Dr. PlaschkLS: Kennen Sie die Person, welche diese Amzeige gegen Sie erstattet hat und sind Sie in der Lage, sie hier zu nennen? — Zeuge: Ja. Ich kenne sie, aber ich werde sie nicht nennev, denn es wäre eine Schande und Spott für mich» wenn ich sie ohne Nötigung hier be-kanntgeben würde. Ich kann nur sagen, daß es auch kein« amtlich« Vertrauensperson der Finalrzibohöude war. Obevllaudes. gerichtsrat Dr.' W e i ß verurteilte den Angeklagten Machetanz wegen Ehrendeleidigun>g , zu acht Tagen Arrest. In der Pegründung führte der Richter unter anderem aus, daß durch die Information, in dev der Kläger förmlich als berüfSmäßigrr Steuervenunziant' gegen Bezahlung hingestellt wunde, der Kläger in der gemeinsten Weise bloßgöstellt und gefährdet wurde. Der Angeklagte habe nicht einmal den WahrheitMetneis dafür erbringen können, daß tatsächlich die Anzeigen bei. der FiuLNZbgzir^Ädirektidn p;rsör lich durch den Kläger -gemacht wurden. Gegen die «ngerechtfertigte Ztierkennuna des Armen» rechtes im Prozeßverfahren^ Bei zahlreichen Gerickisverhandlungen kam es zutage, daß Prozeßparteien, die nmjt als arm gelten fönnen, mit dem Armenrecht (Befreiung von den Pro. ießkosten und Stempeln) und mit einem Armruvertreter in den Prozeß treten. So wurden vielfach auch Besitzer von mehreren Häusern mit dem Armenrecht -ausgelstattet. Dos Bundeskanzleramt hat nuü in einem an die'Landeshaupt, männer aller Bundesländer gerichteten Erlass« auf die Beschwerden wegen ungerechtfertigter Zuerkennung des Armenrechts im Prozeß- und Exekutionsverfähren aufmerksam gemacht. Diese Vorgänge lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, daß die mit der Ausstellung von Armutszeugnissen trauten Behörden nicht immer ntit dar nötigen Sorgfalt Vorgehen,, sich mehr oder weniger auf die Angaben der Parteien verlassen und eine Prüfung der Bermügensvcr'hältnisse unterlassen. Es werden daher in dem Erlasse die in Betracht kommenden Behörden angotviesen, Zeugnisie zur Erlangung des Armenrechtes nur bei Vorhandensein aller Voraussetzungen auszustellen und bei den Erhebungen mir der größten Umsicht und Gewissenhastigk«it vorzugehen. Die Erhebungen werden sich auch auf das Vermögen des Gesuchstellers, das allenfalls zur Bestreitung des ProzetzaufwandeS herangezogen werden könnte, zu erstrecken haben. - Ohne Reifeprüfung keine Ernennung eines Doktors der Philosophie zum Wttelschullehrer. Bernhard F. hatte phnc Reiftprüsung das Doktorat der Philosophie in Bern erlangt und war an- »wer Wiener Mittelschulen als Supplent für den isroelitifchcn Religionsunterricht bis zum Krwkisboginn tätig. Bei Kriegsausbruch rückte er als Feldrabbiner em, wurde aber als Supplent auf Kriegsdaucr antomriisch weiter bestellt. Nach Beendigung des Krieges wurde er als Supplent in den Dienst der österreichischen Republik übernommen. Im Jahre 1920 sucht« er um Ernennung zum wirklichen Lehrer an, wurde aber vom Unterrichtsministerium abgewiesen, dg er nicht in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis, sondern lediglich in aushilfsweiser Verwendung stehe. Der PerwaltungsgerichtShof gab seiner Beschwerde Folge, da auch Supplenten in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverl)äl1nis stehen. Gestützt auf diese' Vcrwaltungsg-erichtshoferkermtnis verlangt« nun Dr. F. die Vollziehung der Ernennung zum Mittelschullchrer, wurde iedoch qbermals abgewiesen, weil er nicht dm Nachweis der Neiieprüfnna erbracht habe. Pr. F. brachte mm beim Verfassungsgerichtshof gegen b?n Bund oie Klage auf Ernennung nun wirklichen LHrer ein. Der Verfassungsgerichtshof (Borfitzendec Präsident Dr. V lttprelli) hat die Klage abgew lesen. In der Begründung wird l)ervorgehob«n. daß nach der Dshrcr« hienstpragmatik der zu Ernennende allen gesetzlichen Erfordernissen bezüglich bestiinpiter Prüfungen gemäß den aeltcnden Vorschriften entsprechen müsse. Dazu gehört auch die Nei»e- Prüfung. Es müsse dahingestellt bleiben, ob schon die Besttstlnng des Klägers zum Supplenten ohne Maturitäisprnsnnfl zulässig war. Aus der Tatsache, daß er trotz Mangels des Reifezeugnisses zum Supplenten bestellt wurde, könne kein Recht abgeleitet werpen, bet-Fortbestand des Mangels zum wirklichen Lehrer ergamii.^u werden, ,