Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1947 (17.7.1924)
- Date
- 1924-07-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Nr. 1947 Wien, Donnerstag Wiener MorgenreUung. 17. Juli 1924 _' Leite S r E I F E LÄ T TC Eine wirklich reine Freude empfinden Sie beim Reinigen Ihrer Vorhänge und Spitzen mit LUX Durch das Waschen Ihrer Vorhänge und Spitzen unter Verwendung gewöhnlicher Seife werden dieselben beschädigt, weil solche Seifen starkes Reiben bedingen., LUX-Seifen-Blättchen, von wunderbarer weiß-durchsichtiger Feinheit, in heißem Wasser aufgelöst, erzeugen einen reichen, weichen Schaum, welcher den Schmutz aus dem Gewebe herauszieht, ohne daß das geringste Reiben erforderlich wird. LUX, das weltberühmte, sehr geschätzte Edelprodukt, ist wieder in allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Man beachte genau die Waschvorschrift auf den Originalpaketen. Inland. ein italienisch-Ssterreichisches Wirtschaftsabkommen. Rom, 16. Juli. Eine Mitteilung der Agenzia Stefani besagt: Ministerpräsident Mussolini und der österreichische Gesandte Dr. E gger haben heute im Palais Chige ein Ueberei nko mitten technisch-wirtschaftlicher Natur unterzeichnet, wodurch zahlreiche zwischen Oesterreich und Italien schwebende Fragen bezüglich der Durchführung einiger Bestimmungen des Saint-Germainer Staatsvertrages geregelt werden. Dieses Abkommen, das nach längeren Verhandlungen zustande gekommen ist, bildet ein neues Element für die friedli che Wiederau frichtung Mittelen.ro pas und trägt gleichzeitig zur freundschaftlichen For tentw-icklung der guten Beziehungen der Leiden Länder bei. Ae Verhandlungen mit Rumänien. Bukarest. 16. Juli. Der Generaldirektor der Abteilung für Kriegsentschädigungen im rumänischen Finanzministerium Emil G iuan, der in Abwesenheit des Ministers Ni stör die Verhandlungen in Wien über den Abschluß verschiedener wirtschaftliche r rrnd finanziel ler A bm ach un? gen mit Oesterreich leitete, ist nach Bu ka r est zurückgekehrt und hat dem Ministerrat den Text von sechs Spezial kvnvention en unterbreitet, die mvt der österreichischen Delegation vereinbart wurden. Die Konventionen beziehen sich auf die Durchführung des St. G ermainer Friedensvertrages. Die Konventionen werden im Herbst zwecks Ratifizierung dem rumänischen Parlament unterbreitet werden. Die rumänisch-österreichischen Verhandlungen in W ie n werden am 25. Juli been digt. Da» habsburgische Privatvermögen. Der chrrstlichsoziale Abgeordnete Ernst Wense, der einzige Vertreter der Legitimisten im Nationalrat, hat dem Nrt-ionalrat eine Petition mit vorläufig 46.740 Unterschriften Wahlberechtigber überreicht, in der d ie s o f o r t i g e Aufhebung der Konfiskation des .Habs-, burgischen Priv at vermögen s gefordert wird. Das Nnanzminifterium von Invaliden beseht. Wegen Verschleppung der achten Novelle zum Jltvalidenentschädigungsgesetz. Gestern vormittags gegen 16 Uhr erschien eine Gruppe von ungefähr 350 Invaliden aus der KoPsschuWation, aus dem Jnvalidenhaus in der Fasangasse und aus Hetzendovs beim Finanzministerium, besetzte die Eingänge des' Gebäudes und verlangte den Finanzminister zu sprechen. Die Invaliden gaben an, sie seien über die Verzögerung in der Erledigung der achten Novelle zum Kriegsinvalivenemschädigungsgesetz verbittert, außerdem seien sie mit den Kündigungen der Tabaktrafiken nicht einverstanden. Finanzminister Dr. Kienböck, der sich im Parlament befand, konnte infolge der parlamentarischen Verhandlungen über die Beamtenfrage die Invaliden nicht empfangen. Daraus erklärten die Invaliden, daß sie nicht eher die Ausgänge des Gebäudes freigeben, bevor sie nicht ihre Forderungen dem Finanzminister zur Kenntnis bringen könnten. Am Laufe des Vormittags erschienen die sozialdemokratischen Abgeordneten Lmthner, Zelenka unld Forstmr im Finanzministerium, um auf die Invaliden beruhigend eiMwirken. Die Invaliden ließen sich inzwischen im Prästdialfalon nieder und wollten nicht w ichen. Wachleute waren zur Stelle, doch wollten sie gegen die. Krüppel : und Schwer invaliden, die sich nur schwer aus Krücken vorwärts bewegten, nicht Vorgehen, zumal sich die Invaliden ruhig verhielten. Nach 12 Uhr erschienen Finanzminister Dr. Kienböck und Minister für soziale Verwaltung Schmitz und empfingen eine Deputation der Invaliden. Dr. Kienböck gab die Erklärung ab, daß er trachten werde, in der achten Novelle zum Inhalidenentschädigüngsgcsetz den Wünsche \v dtzr J'n- \ validen nach Möglichkeri gerecht zu werden. In der Angelegenheit der Vergebung von Tabaktrafiken an Invalide werde er nochmals die Verleihungen überprüfen Die Invaliden wollten sich mit den Ausführungen der Minister, welche nach Abbruch der Verhandlungen wieder ins Parlament zurückkehrten, nicht zufrieden geben und beschlossen nach einer stürmischen Versammlung in den Borsälen des Ministertzimmers, weiterhin im Gebäude zu bleiben. Da sie schon hungrig geworden waren, ersuchten sie den Polizeikommandanten, zu gestatten, daß Proviant besorgt werde. Da aber die Polizei wohl alle hinaus, aber niemanden herein lassen wollte, wurden diese Bemühungen vereitelt. Die Kriegsinvaliden öffneten hierauf die in die Himmelpfortgasse mündenden Fenster und Balkontüren und riesen: „Wir haben Hunger! Die Polizei läßt uns aushungern!" Diese Rufe erregten großes Aufsehen und es sammelten sich viele Passanten vor dem Gebäude an, so daß die Polizei die Straße absperren mußte. Kurz darauf wuvde das Holen von Proviant bewilligt und die Kriegsbeschädigten machten es sich auf den Polstermöbeln der Empfangssalons bequem. Dazwischen wurden Roden gehalten, aus welchen die Absicht herausklang, auch über Nacht zu bleiben, wenn leine (Nadiodienst der „Wiener Morgenzeitnng".) London,,. 16. Juli. Die Börse war sehr still wegen der Unsichery-üt 'des Ergebnisses der alliierten Konfer.nz Be-' sonders waren Petroleumwerte ichwrch. Diese sinkende Tendenz geht von New-Nork aus, wo seit mehreren Tagen übereinstimmend eine unmittelbar bevorstehende allgemeine Hausse wegen der Kapitalsfülle vorausgesagt wird, da der Umsaug des liquiden Anlage suchenden Kapitals alle bish.'rigen Rekorde n'bertrisst, Tatsächlich erzielten an der gestrigen New- Aorker Anfangsbörse die meisten Papiere das höchste Niveau der letzten Wochen, bis ein Rückschlag vom 'Petroleummarkt ausging. Die ungarischen Anleihen waren heute insoferne gebessert, als das Disagio heute nur ein halbes Prozent betrug, und zwar infolge einer Erklärung aus New-Aork, daß die Nachricht unzutreffend sei, wonach Amerika seine Tranche an der ungarischen Anleihe nach London abtoälzen wolle. Das die Tranche übernehmende amerikanische Konsortium darf die auf Dollar lautende Stücke nicht außerhalb der Vereinigten . Staaterl und Kanada verkaufen. Die Tranche ist im übrigen jenseits des Ozeans leicht unterzubringen. Brasilianer waren heute trotz,der Nachrichten, die keineswegs beruhigend waren, erholt. Einige Goldaktien und Zinnpopirre stiegen. Die Wechselkurse waren durchwegs schwach. Ter Sterling schloß höher, als er anfangs notierte. London, 16. Juli. Devisenschlutzkurle: Wien 308.500, Prag 147,75, New-Bork 4,36*/,, Paris 85,077», Brüssel 98.18'/., Rom 101,31'/., Zürich 23,95. Madrid B2,87 V2, Amsterdam 11,537*, Kopenhagen 27,10'/,, Christicmia 32,407», Stockholm 16,407», HelsingforS 174'/,, Serliit-,>18,10 Billionen, Bukarest 950. - Wechselkurse; New-Dork 4,37376, Poris 84,55, Brüssel 95,626, Berlin 18.25 Billionen, Wien 310,500, Prag 147,25, Amsterdam 11,55, Christiania -32,40, Stockholm 16,42, Kopenhagen 27,10, Schweiz 23,97, Finnland 174.50, Madrid 32,84, Warschau 22,72, Athen 257, Sofia 600, Bukarest 945, Konstantinopel 860. Budapest 340.000 bis 370.000, Riga 22.62. O e st e r r e i ch i s ch e Anleihe 89.50, tschechische 98,60, Nohal Dutch 29,125, Shells 4 Brief, Eentremining 11, Diamvnds 16,3, Debeers 11,50, Generallnining 12, Rio Tinto 33,25, Prag 83,50, Bankverein 7,3, Bodenkredit 17,6. Metallmarkt Kupfer Standard prompt 61 bis 61,2,6 dreimonatig 61,17,6 bis 62, Elektrolyt. 65 bis 65,10, Zinn Standard prompt 231,10 bis 231,15, dreimonatig 232,15 bis 233, Blei englisches 34, ausländisches 32,17,6 bis 30,10, Messing ausländisches 32,1,3 bis 31,15. Baumwolle: Liverpool, FnllmidLling 16.95, amerikanische Terminware anfangs 13 bis 16 Punkte niedriger, 11 Uhr 6 bis 5 Punkte niedriger, mittags: 7 bis 10 Punkte niedriger, 1 Uhr 15 Min.: 12 bis 9, 2 Uhr 15 Min.: 14 bis 9 Punkte niedriger, Juli 16,34, Oktober 14.61, Jänner 14,23, März 14,13, Umsatz 5000 Ballen. Paris, 16. Juli. /Radio.) Essektenschlußkurse: Banqne de France —, Pragobcmka 415.—, Credit lÜMais 16,19, Suez —Platine 790, Dabrowa 781.—, Banqne Ottomane —, Central Mining 949, Rio Tinto 28,129, Le Naphta russe 414, Cucceried Egypte 155, CautjchoueS fin 161,50, Chartered 48,75, DebeerS ordin. 981, GoldsieldS 82.—, Huanckiakas 354, Jägers Fontain 267.—, Malacca ordin. 165.50. Maltzoff —, Mexican Eagle 76,65, Pndcmg 380, Rand Fontain 86,50, Randmine 261.-, Cilva plana 175, Tanganyika 176,—, Tnbice soie 651.—, Utah Eepper 1447, Shell 341.—, Royal Dntch 25,100, Burma!- —. Aon» Nork»16.Juli. Effektenbörse. Canadian Pazific 148, Union Pazific 136,50, Union Steels 100,125, Atchinson 104,37a, Baltimore and Ohio 61.25, Eary 84, Milwaukee 14,50, Cheaspeake 86, Greuth Northern 63,375, Southern Pacific 93. günstige Nachricht einlange. Gegen 4 Uhr erschien aus dem Parlament ein Bote unld teilte mit, daß der Unterausschuß für Sozialpolitik zusammengetreten sei und in einer ad hoc- Sitzung sich ausschließlich der Kriegsbcfchävi^ienfrage widme. Kurz darauf traf auch der Abg. Forstner ein, und ihm sowie dem Präsidenten des Landesverbandes Brand eis gelang es nach längeren Ausführungen, die Invaliden z u m B erlassen des Mi n isteriu ms zu b e weg en. Eine Deputation begab sich ins Parlament und wurde dort van den Mitgliedern des Unterausschusses für Sozialpolitik empfangen. Der Abzug der Invaliden aus dem Ministerium erfolgte in voller Ruhe. Der Zug der vielen Bein- und Armampntierten, der Blinden und Gelähmten erregt^ auf der Straße riesiges Aufsehen. Die Forderungen teilweise bewilligt. Der Ausschuß für soziale Verwaltung erledigte in mehrstündiger Sitzung die 8. Novelle zum Jnvalideuentschädi'gnngsgesetz. Die Rente der Schwerstinvalrden wird in Zukunft in der Ortsklasse 1 1,2 Millionen betragen. Auch die Witwenrenten erfahren eine Verbesserung. Das Verfahren wird reformiert, es ist ein Bureau vorgesehen, die Jnvalidenentschädi- , gungskommission und eine Schiedskommission. Der Schiedskommission wird als Vorsitzender ein ordentlicher Richter und zwei Beisitzer anaehören, von denen der eine aus dem Kreise der Invaliden genommen wird. Die Entscheidungen dieser Kommission sind endgültig. Das Gesetz wird mit aller Beschleunigung im Plenum des Nationalraies verabschiedet werden. Ike Wöllerrdorfer Affäre. Generaldirektor Neuhofer «indernomrnen. Bei der Wkifchaftspolizei, werden jetzt die polizeilichen Einvernahmen der unmittelbar Beschuldigten durchgesührt. Gestern nachmittags wurde Generaldirektor Neuhöf er zur Wirtfchaftspoligei vorgeladen und einem Verhör unterzogen, das heute vormittags fortgesetzt wurde. Dir Einvernahme Neuhösers dauerte mehrere Stunden. Ferner werden auch in Wollersdorf selbst an Ort und Stelle van Dolizeibeamten Erhebungen gepflogen werden. S 81 c> rz droht inzwischen der Regiernng mit Enthüllungen und die Regierung läßt sich diese Drohungen gefallen. tzufammenstoß zwischen einer Wehrmachtrabteilung und Zivilisten, Demonstrationen gegen das Deutschmeisterlied. Gestern ereignete sich im Prater ein aufsehenerregende Zwischenfall. Auf der sogenaunteu Wasserwiese exerzierte eine Abteilung der Wehrmacht, die dem I. Bataillon des Infanterieregimentes Nr. 4 angehört. Die Soldaten fangen deutsch- ■ nationale und m o n a r ch i st i s ch e Lieder, wie das Bismarcklied und das Deutschmeisterlied, worüber sich die Passanten aufhielten. Trotz wiederholter Pfuirufe ließen die Soldaten vo" ihrem Gehaben nicht ab, als ein Zivilist den Kommandanten ersuchte, weitere Provokationen zu unterlassen, gab dieser den. Befehl,', die B a j o n e 11 c aufzu pflanzen, worauf die Passanten in Pfuirufe auSürachen. Es wäre zu Tätlicbke ten gekommen, wenn sich nicht die Polizei ins Mittel gelegt und die erregte Menge zerstreut hätte. Die Wache nahm wegen Nichtfolgeleistung mehrere Verhaftungen vor. Die Menge, die den Verhafteten bis. zum Praterkommiffariat folgte und ihre Freilassung forderte, blieb noch lange vor dem Kommissariate versanunelt. Wie wir von dem Kommando des J.-R. Nr. 4 erfahren, handelt, es sich um junge Rekruten, die das Teutschmeisterlied sangen. Das Singen derLieder gehöre mit zu der.vom Bundesminister V a u g o i n anbefohlenen „Pflege der T r a d i t i o n" im Heere. Der Zugsführer Hobe korrekt ge-, handelt. Ler Flug um die Welt. 7' Ocn, 15. Juli. (Hcrvas.l Die a m e r i k a n i s ch e n W e l. n! i s! i e g e r sind hier eingetrosfen