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Wiener Morgenzeitung · 1924-07-16 · Heft 1946 (16.7.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1946 (16.7.1924)
Date
1924-07-16
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1946 ' Wien, Mittwoch . Re krblichlelt des Krebses. ' . ' ... Die Entstehungsursache dieser Erkrankung ist der Medizin noch bis heute verborgen. Doch geht'das Studium darauf los, aus' dem gehäuften Aus treteil des Krebses Schlüsse über dessen Entstehung zu ziehen. Die Beobachtung vieler Familien, in denen häufig Krebserkrankungen auftraten, ließen die Vermutung auskommen, daß diese Krankheit zum' Teile.vererbbar sek. In der medizinischen Literatur siud verhältnismäßig viele Familien bekannt, in der mehrere Familienmitglieder, wie Großeltern, Eltern und Geschwister, an diesem Leiden erkrankt waren. So ist es bekannt, daß Napoleon, sein Vater, ein Bruder und zwei Schwestern der Krebskrankheit erlagen. Die einzige Feststellungsmöglich keit für diese Untersuchung war die Anamnese der Patienten und ihrer Angehörigen. Die Angaben für diese Statistik sind sehr ungcnan, zumal nur zuverlässige Angaben berücksichtigt werden müssen: Denn selten erlebt man solche Unwissenheit, wie sie bei der Ausfragung von Patienten zutage tritt. Infolge dieses mehr ober minder guten Glaubens an die Krankengeschichten gehen die Statistiken über die Erblichkeit des Krebses ziemlich auseinander. Die Schwankungen geben 13 bis 20 erbliche Erkrankungen des Krebses von 1000 Fallen an. Der Leiter des Radium!nstitutes in Krakau Dr. Wachtel hat Untersuchungen darüber angestellt und die Ergebnisse in dex „Münchner medizinischen Klinik" veröffentlicht. Seim Untersuchungen teilt ec mach der von Man d e S l he gemachten Erfahrungen über die Vererbung des Mäüsekrebses ein. Ebenso wie M au de S l y e findet .er, daß das Me nd elf ch e Gesetz für das Auftreten der Kr^bskränkheit maßgebend sei. Er fand Fälle von Krebserkrankungen, bei denen in' der ganzen Familie keinerlei ähnliche Leiden nachzuweisen waren; ferner wurden ihm Fälle bekannt, wo der Vater und nur eines von vielen Kindern von dieser Krankheit befallen waren, Patienten aus Familien mit gehäufter Krebserkrankung in zwei bis drei Generationen sind von ihm ebenfalls untersucht worden. Schließlichhat er Patienten gefunden, die von gesunden Elürn. ab stammten; durch genaues Fragen erfuhr er jedoch, daß ein Zweig der Großeltern krebskrank war. In der zule^t genannten Klasse sehen wir ein latentes Bestehen der Krankheit, welche eine Generation ganz überspringt, dann aber wieder.auft ritt. Aus diesen. Untersuchungen schließt Dr. Wachtel aus die verschiedene Reaktion der Krebserkrankung ans dieselbe Behandlungsmethode. Während in manchen Fällen die radikale. Operation oder die Strahlentherapie glänzende Erfolge ausweisen, - versagen dieselben. Methoden in anderen Fällen. In den ersten Fällen scheint es sich um eine akquirierte Krebserkrankung (vielleicht parasitärer Art) zu handeln; deswegen die glänzende Wirkung der lokalen Therapie. In denwanderen Fullens handelt es sich wahrscheinlich um eine Dispositton.des Gesamtorgamsmus. Jedenfalls ist mit einer wenn auch geringen Vererbbarkeit des 'Krebses zu rechnen. Obs aus dieser Tatsache Konsequenzen über Eheschließung und Kinderzeugung zu ziehen sind, wird erst die weitere Forschung über die Entstehung des Krebses lehren. Es ist'aber mit 1,3 bis 2 Prozent (13 bis 20 Promille über die Peretbung des Krebses bei Eheschließungen rechnen. . •, Mn Brandleger. Riesiges Aufsehen hat gestern nachmittags in der Inneren Stadt ein Vorfall erregt, bei dem die Feuerwehr ausrücken mußte, um einen gelegten Zimmerbrand zu löschen. In dem Hause Rotenturmstraße 5 bewohnt im 3. Stockwerk der bulgarische Fremdenführer Christa che Ba karges cu eine kleine Wohnung. Einen Teil der Wohnung hat er einem Ehepaar Horowitz vermietet. Diese Untermieter befinden sich schon seit einiger Zeit auf dem Lande und Bakargeseu betveut allein die Wohnung. Gestern nachmittags bemerkten nun Hausparteien, wie aus einem der Fenster der Wohnung des Fremdenführers Rauchqualm ins Freie drang. Da auf Läuten niemand öffnete, wurde die. Feuerwehr sofort berufen. Unter riesigem Aufsehen wurde mit Hilfe einer pneumatischen Leiter Zugang zu dem Zimmer, aus dem der Rauch drang, verschafft, — es waren gerade die Räume, die den Untermietern gehören —, und man fand die Wohnungselnrichtung in b r c it n c n dem Z ust a n d e vor. Die Löschaktion war bald beeirbet, doch als man. sich noch weiter in. der. Wohnung u insah, verspürte man -einen immer stärker werdenden Leuchtgasgeruch. Man entdeckte im Klosett der Wohnung den Wohnungsinhab-er Bakargcscu, mit einem Schlauch, der an die Gasznleitung angesetzt war, im Munde bewußtlos vor. Die Rettungsgesellschaft würbe berufen, man stellte Wiederbelebuttgsversuche an, die nach einiger Zeit auch von Erfolg waren und brachte den Mann ins Spital. Es wurde durch die eingeleiteien Erhebungen-sestqcftellt, ' daß der bulgarische Fremdenführer selbst der Brandleger war. Er hatte kurz vorher die Zimmer seiner Untevm'ieter, die versperrt waren, erbrochen und nach Wertsachen gesucht, ohne jedoch welch zu finden. In.einer Wiener Morgrnzeitrrrrg._ 16. Juli 1924_&*** b Hakenkreuz an den Hochschulen. Parteiische Handhabung der Habilitatlonrvokschrlfte«. Im Nationalrat richtete gestern Mg. Seitz an den Uttterrichtsinlnister eine Anfrage wegen der parteiischen Beugung der Habibitationsnolun gegen Sozialdemokraten, l In der Interpellation heißt es unter anderem: In den Köpfen einer Reihe von Hochschullehrern scheint die Vorstellung zu sputen, daß die Verleihung eines Lehramtes an den wissenschaftlichen Forschnngsstätten ihrem Wesen nach eine Privatangelegenheit engster. Zirkel zu sein habe, die sich ihre ^Angelegenheiten nach Gutdünken tu vertraulichem Kreise ausmachen dürfen. Zu der Auffassung, die in einem Rechtsstaat allein zulässig und möglich ist, daß das Häbtlitationsverfahren nichts anderes ist als eine Form des Berwattungsverfahrens, das mit allen Rechtsgarantien ausgestattet ist, daß in der Handhabung der Habilifoftonsvorschristen Rechtlichkeit und Gesetzlichkeit betätigt iverden muß, ni ch t aber Parteilichkeit und Willkür, zu dieser Auffassung scheinen sich die Professorenkolleg'ien unserer Hochschulen noch immer nicht bequemen können; ist doch geradezu kennzeichnend für den Geist mancher akademischer Würdenträger jener berüchtigt gewordene Stoßseufzer eines Rektors der Wiener U ni v e r s i t ä t (gemeint ist Doktor Diener), der sich nicht ent'blödete, in der Presse sein Bedauern darüber z u w e r >l a n t e n, daß nach der geltenden Habilitationsnorm ausschließlich die wissenschaftliche Qualifikation eines P r i v a t d v z e n t e n m a ß g e b e n d sein darf. Gin Beispiel für diele: Der Assistent am Ersten physikalischen Institut der Universität Wien, Dr. Karl Hör o- Vitz, suchte nach jahrelanger AfsistententätigEeit um die Habilitation als Privatdozent für Physik an. Seine Eingabe wurde in Behandlung gezogen, seine Habilitationsschrift wurde von den mit der Prüfung betrauten Fachmännern e i n st i m m i g geeignet befunden. Das Prosessoren'kollegium hatte om 7. Dezemtber 1923 die wesentliche Entscheidung zu treffen. Da erschien am Vortage in einem von den Geldgebern der reichsdeut s che n Be rbrachero rg an isa t io ne n ausgehaltenen Blättchen eine Notiz, in der der Habilitationswerber Dr.- H o r o v i tz fälschlich als k o mm it n i stischer I u.d c denunziert und an das Professorenkollegium die Erinnerung gerichtet wurde, daß ein Jude nicht als Privatdozent hab i l i t ie r.t.werden müsse. In der Debatte., im Proi fessorenkollegium spielte tatsächlich das politische Glaubensbekenntnis des Dr. Horovitz die. entscheidende Rolle. Die Habilitationsnovm setzt fest,, daß dann, wenn die Habilitation aus einem in der Person des Bewerbers gelegenen Grunde abgelehnt wind, dem Bewerber aus Verlangen -die Gründe schriftlich 'bekannt gegeben werden, müssen. Trotz der klaren Vorschriften der Habilitationsnorm verweigerte der Dekan der philosophischen FaEultät dem Bewerber die Mitteilung der Ablehnungsgvünde, und zwar mit Berufung daraus, -daß die Abstimmung geheim gewesen sei. Dr. Horovitz suchte sein Recht bei den in Betracht -kommenden Instanzen zu finden —- ein Grund für den Dekan der philosophischen Fakultät, ihm zu eröffnen, daß das für ein gedeihliches Zusammenarbeiten unerläßliche kollegiale Empfind? n und' ein kollegialer Verkehr mit ihm nicht mög- I ich s e i n iw e r d e. Der Vorgang gibt ein erbauliches Beispiel dafür, wie sich das Professorenkollegium einer Hochschule ein rechtliches Verfahren vorstellt: Der Bewerber verfügt über die - 'wissenschaftliche Qualifikation; ein S ch m i e r b l a 11 dichtet ihm kommunistische Gesinnung an; das genügt für die Mehrheit des Proscssorenkolleg'iums, sie läßt sich bei der Entscheidung v on de r B e r l e u m d u ngundvon Parteilichkeit leiten und verweigert dem Bewerber in niederträchtiger Weise nicht -nur das Gehör, sondern auch die Bekanntgabe der Ablehnnngsgründe. Die Behandlung des Häbilitationsgesuches des Herrn Doktor Horovitz ist aber kein Einzelsall, sie ist typisch dafür, .wie an -unseren Hochschulen unter Mißachtung von Recht und Gesetz gegen sozialdemokratische Habilitationswerber vorgegangen wird. Dr. Lambertz, ein Gelehrter, der sich an der Universität siir die vergleichende Sprachforschung habilitieren wollte, wurde ebenfalls ohne Angabe der Gründe abgelehnt, obwohl die Fachkommission seine Zulassung de- . an tragt hatte. Für die Entscheidung des Professorenkollegiums war der Umstand hinreichend gewesen, daß er einmal von der sozialdemokratischen Partei in den G"' nleinderat von Mauer entsendet worden war. An der medizinischen Fakultät hatte Herr Dr. Peller sin Jahre 1921 ein Habilitationsgesuch ciugebracht; zu» nächst wurde ihm 'bedeutet, man müsse erst untersuchen, ob die Sozialhygiene ein zur Habilitation eines Dozenten geeignetes Fach sei; diese Untersuchung ist nicht erfolgt. Seit.dem Tode des Prof. Schattenfroh heißt es, es fehle ein geeigneter Referent. Das im Jahre 1921 überreichte Gesuch ist also im Jahre 1924 noch nicht behandelt, trotzdem § 7 der Habilitationsnorm zwingend verschreibt, daß der Beschluß des ProfessorenkollegiümS binnen I ah r e s f r i st seit der Ueberreichung der Hab ili ta ti on se'ingabe zu fassen ist. An 'der Technischen Hochschule ln Wien hatte ein Bewerber F e i g l um die Habilitation für Chemie eingeweicht, die Fachmännerkommission hatte sich für die Zulassung ausgesprochen. Sein, Gesuch wurde jedoch abgelehnt, ihm selbst die stereotype' Mitteilung gemacht, daß.. die Ablehnnngsgründe nicht b e k a mt tgegeb e n. werden könnten, weil die Abstimmung geheim war. An den U-nterrichtsmiuister werden die Fragen ge-., richtet, was er zu veranlassen gedenkt, damit über die Zulassung von Privatdozenten an den Hochschulen im Sinne,. der Habilitationsnorm bloß nach sachlichen -und nicht nach , politischen Geisichtspunkten entschieden werde. Was gedenkt der Herr Minister gegen die krass e Mißa chtu ng d e r Habilitationsnorm durch die Lehrkörper der Universität und der Technischen Hochschule in Wien zu tu»? Was gedenkt der Herr Nnndesminister zu veranlassen, damit die durch die Willkür der Professorenkollegien verfolgten Habilitationswerber nicht nur zu ihrem Recht kommen, sondern auch die gebührende Genugtuung erhalten? Das sehr löbliche Bemühen des Bürgermeisters Seitz, seine Parteigenossen gegen die Hakenkreuzlere: an den Hochschulen zu schützen, in allen Ehren, aber das Unrecht, das den Betroffenen und vielen anderen, nur weil sie Inden sind, geschieht, davon ist auch in der vorstehenden Interpellation nicht die Rede. ■ Tür fand man auch noch ein Brecheisen. Es wurde festgestellt, daß der Mann sich in Zahlungsschwierigkeiten befand und daß gerade in der letzten Zeit die Gläubiger immer mehr und mehr auf sofortige Bezahlung seiner Schulden drängten. Um dann den Einbruch zu bemänteln, hatte er den Brand hervorgerufen und sich dann, da er nichts gefunden hatte, durch Leuchtgas zu vergiften versucht. Die Strafemts.haudlung ist eingeleitet. Die Aurfliigler aus Argentinien. Die Erzählungen der Heimgckehrten. Gestern sind die Mitglieder des Operetteuensemblcs von der Verunglückten Südamerikatournee hierher zurückgekchrt. Nur, Tedh Ferarh ist freiwillig zurückgeblieben. Angeblich ist es den Künstlern nicht so schlecht gegangen, wie berichtet wurde. ' Sie haben bis auf einen kleinen Nest ihre Gagen ausbezahlt erhalten. Allerdings geschah dies erst über Intervention des? österreichischen diplomatiickM Vertreters in Buenos Aires.: Mcrklvnrdig ist bei der Sache, daß das Unternehmen mißlang,, obgleich nach Angabe der Mitglieder säst alle Vorstellungen — es fanden zirka zehn statt — ausverkauft waren. Es ist bis jetzt nicht möglich gewesen, den eigentlichen Schuldtragcnden. zu eruieren, da eine Menge Personen mit dem Engagement. der Begleitung, der Regie nsw. zu tun hatten und jeder di» Schuld aus den anderen schob. Frau Rosy Werginz teilte einem unserer Mitarbeiter folgendes mit: Der eigentliche Impresario war der Spanier Mendozza, den jedoch kein Mitglied unserer Truppe jemals zu Gesicht bekam. Während der Hinreise sah man überhaupt niemand von den Unternchmern, und als wir in Buenos-Äires sankamen, standen wir völlig ratlos uns selbst überlassen da. Damals war gerade ein Streik der Antotaxi und cs regnete in Strömen. Er,blich kamen wir nach) langem Ilruhcrirrerr in das prachtvolle Theater Cervantes, wo unser eine neue äußerst nnangen-chme Ueberraschung harrte. Wir - öffneten die Garderobekisten und sahen zu rrnserer Bestürzung, daß sie am Stelle erstklassiger Pariser Toiletten ganz minderwertige Kostüme enthielten. Die Dekorationen waren von gleicher Qualität. Ich muß hierzu bemerken, daß man in Südamerika an einen Kleiderluxus geivöhnt ist, bei man hierzulande nicht kennt und der selbst in Paris nicht seinesgleichen hat. Durch diesen' Uinstand sowie durch die exorbitant hohen Eintrittspreise .— ein besserer Sitz kostete 15 Pesos — konnten wir trotz äusopfern'd guten Spieles nicht reüssieren. Erst als wir nach zwei schwach besuchten Vorstellungen die „Rose von Stambul" von, Spielplan abfetztcn und „Madame Pompadour" spielten, hatten wir große Erfolge zu verzeichnen. Da wurde uns plötzlich mit- Bureau des Kereu itf, ftitlusgoffe 33 * Telephon Nummer 45>606 Poftsparkaffenlouto 100208

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