Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1946 (16.7.1924)
- Date
- 1924-07-16
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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* m DAS BUCH ] IM URTEIL DER ZEIT Reiselektüre ' Friedrich Markus H u e b n e r macht in seinem im Verlag Karl Rauch, Dessau, erschienenen gehaltvollen Essay „Das Buch und der Mensch“ wertvolle Bemerkungen über das Thema „Reiselektürs", denen folgendes entnommen sei: Menschen, die sich auf Reisen begeben, pflegen Bücher mit sich zu nehmen,«Bücher, die sie im Zug, m Hotelzimmer, auf besonnter Berghalde, in einem schaukelnden Ruderboote zu lesen gedenken. Manche geben sich dieses Lesen wie eine Pflichtarbeit auf ran dem einen Reiseziele wollen sie diese Lektüre, an crem anderen Reiseziele jene Lektüre vornehmen, hoffend, daß sie alsdann gerade den richtigen Ort für die Aufnahme gerade des fraglichen Buches gefunden haben. Von diesen Leseplänen erfüllt sich meistens wenig genug. Ist die Stunde da, der Ort erreicht, wo man sich seit so langem den besonderen Zustand der Empfänglichkeit versprach, so stellt es sich nach kurzem Versuche heraus, daß man' nicht im mindesten gewillt ist, sich unter den Einfluß des betreffenden Buches zu begeben, daß man zu zerstreut oder zu nachdenklich geworden ist, daß das Buch langweilt. Und so ist jedes Buch, dessen man in einer Hotelbücherei, auf einem Bahnhofkiosk, in einer städtlichen Lesehalle sich bemächtigen -kann, willkommener als das von daheim mitgenommene. , Die Schuld an dieser Trübung des Einverständnisses trägt das Buch sowohl als der Leser. An und für sich ist ein Buch geeignet, im Tumulte einer Hotelhalle wie in der Stilüe des Studierzimmers, an Bord eines Ozeandampfers wie im Comptoir eines Geschäftshauses gelesen zu werden, denn wie das Glühen des Radiums bei jeder Witterung und jeder Luftwärme, so ist die im Buche aufgestapelte Geistigkeit befähigt, allüberall Wirkung auszuüben. Keineswegs geeignet ist aber ein Buch für jedwede Gemütsstimmung. Die richtige Wahl seiner Reiselektüre wird nur derjenige treffen, der weiß, weshalb er im tiefsten Innern sich auf Reisen begibt. ■ \ Die Wahl des mitzunehmenden Buches muß kraft unbewußten Spürsinns erfolgen, sie muß befohlen sein von jener geheimen Ahnung des Notwendigen, die in der Menschennatur schlummert und allezeit angibt, was ihr frommt. Hier grenzt an den Zwang ganz nahe der Zufall, und eben diese Freiheit, sich erforderlichenfalls* ganz in die Arme des Zufalls zu werfen, muß der Reisende mit allen Vorausberechnungen, die er für seine.Reise macht, auch gegenüber dem Buche sich Vorbehalten. VON BÜCHERN, DICHTERN u. VERLEGERN L 8. Macbar: „Hier soßten Rosen blühen.“ Freie ftediidticihtungen aus dem Tschechischen von Ernst M andO.er.' Gustav Kiepenheuer Verlag, Potsdam. — Macher ©äblt ®u den bekanntesten Erscheinungen der tschechischen Literatur, die er mit einer Fülle von Gaben beschenkt bat. Sein Schaffen ist von besonderer Vielseitigkeift und kommt in einer Reibe großaragelegter epischer Werke ebenso zur Geltung wie dn der Kausflik seiner satirfechipolitisöhen Gedichte, die wie Geißelhiebe auf die verschiedensten, seinerzeit im Vordergrund der tschechischen Oeflentteahkeit agierenden Gestalten niedenprasselten und ihrem Autor bei seinen Landsleuten eine unerhörte Popularität edirtrugen. Seine gesch iohtephi 1osophisöhe Epik hat zur besonderen Zielscheibe das Christentum und sein Ra/dtskalitetmis lag stes im Kampfe gegen allerlei heilig gesprochenen Popanz. Diese Störmernatur hat lange Jahre kJ Wien gelebt, ist oft mit der österreichischen Reaktion in Konflikt geraten, bis endlich der Dichter nach der ProktemaJtion der techedho-'Slo'wiakischen Staatlichkeit nach Prag ging, um alsbald sein bürgerliches Beamtentum mit der Stelle eines GeneraMnspekftons der Armee m vertauschen, was wie eine echte Miacbarsche Groteske anmutst. Das Werk des Dichters ist bruchstückewcise von Wiener Verlegern in LT Übersetzungen dem deutschen Lese» publtStaum vermittelt worden, ohne jedoch weitere Beachtung zu finden. Auch Ernst M a nd-l ers freie Nachdichtungen, das erste Werk Maahars, dias «in einem reiichsdeutsehen Verlag erscheint, wird tieiere Wirkung kaum za Üben vermögen — eine würdige Machar-Uebersetzutjg als Auswahl seiner besten Arbeiten bleiibt wohl noch, weiterhin Aufgabe für einen unternehmungslustig?" deutschen Verleger. „Hier sollten Rosen blühen” bekanntlich der Titel eines JakobsensChen Poems — umfaßt eine Reihe episch-lyrischer Dichtungen, vom Dichter „lyrische Dramen“ genannt, welche alle dem Weibe und dessen Erdenschicksal gelten. Was diesen Versen ihr Charakteristisches gibt, rst die verhailtenie Ruhe, semtimentai-kotftemplatfivcr Stimaniung, die liebevoll feine PastellrttalleröL und die überraschend scharfe Beobachtung. Süße Jtogenlderirmer/ungen des Alternden geben den Stimmamgsakkond, die zu Leben-sibsjahung führende Liebe zurni eigenen küefnen Mädchen in der Wiege den Ausfolang; dazwischen wickeln sich FnauenscbiaktsaJle ab, deren Motive Liebe, Hingabe. Kummer, Enttäuschung, Resignation sind. Das Weib erscheint hier als das zum Leöiden bestimmte Geschlecht. Aber leider läßt Mandlers Niachidichtuirg vieles m; wünschenübrig. Sie ist durchaus urdgleicharOg, und während ihm manches recht gut gelungen «st. ist anderes mit seiner Banalität von Sprache und Reim, Versen, die ledfgteöh.verschleierte, üb erniüchterne .Prosa sind, stank mißraten. Uebersetzungen oder Nachdichtungen, besonders solche wirklicher Dichter, haben hekianntl/ich die Eigen» sebaft, transparent zu sein; sie lassen dias Original irgenjäwfieahnen oder diurohscbimmern, und so vermittelt auch diese, nur stellenweise geglückte Nachdichtung einen gewissen Eindruck von einem interessanten dichterischen Werk. -r. -4. PAS BUCH DER ZEIT DLR BÜCHERMARKT SOEBEN E R S C H l JE N E N: HICHARDlWA@NER Briefe an rlans Richter Erste Veröffentlichung ln Ganzleinen 95.000 K Broschiert 75.000 K PIERRE DOMINIQUE Unsere Liebe Frau von derWeisheit Roman DER CROSSE BALZAC-PREIS 1924 Ein Werk monumentaler Wucht origineller Einstellung und visionärer Psychologie ln Ganzleinen 60.000 K Broschiert 40.000 K In allen Buchhandlungen I PAUL ZSOLNAY VERLAG Kürzlich isi erschienen: Maximilian Harden BAND IV AUS DEM INH ALT: Stinnes Lenin . Lloyd George Clemenceau Max Holz ♦ Von Danton zu Erzberger Napoleon . Der Preusse Der Bayer Sarah Bernhardt ♦ Die Familie Wagner Paulus ' Joseph Penthesilea Faust Preise geheftet Goldm. 9.—, Halbleinen Goldm. 11.— Zu beziehen durch: , R. LÖWIT, Abt. Versand, WIEN, I. FLEISCHMARKT 1 Die Werke des grossen Wiener Sozialphil osophen Josef P opper-Lynkeus Flugtechnik. Heft 1. .Sonderdruck aus der „Zeitschrift für.Luft«chiffabrt“. K 70.000 Frfedensvorschläge, Schiedsgerichte, Völkerbund. K 5.000 Fundament eines neuen Staatsrechts. K 48.000 Die physikalischen Grundsätze der elektrischen Kraftübertragung. Mit einer Figurentafel. (Vergriffen!) K 30.000 Das Individuum und die Bewertung menschlicher Existenzen. Zweite Auflage. Brosch. K 64.000, geh. K 80.000 Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassung. Brosch. K 100000, geh. K 120.000 Leben und Werke des Ingenieurs Anton Jarolimek. Zugleich ein Beitrag zur Theorie und Geschichte der Aerodynamik und Flugtechnik. K 18,000 Der Maschinen- und Vogelflug. Eine historischkritische flugtechnische Untersuchung. Mit besond. Hervorhebung der Arbeiten von Alphonse Penaud. K 18.000 Die allgemeine Nährplllcht als Lösung der sozialen Frage Zweite Auflage,, Brosch. K 100.000, Halbleinen K 120.000 Phantasien eines Realisten. Geh. K 162.500 Philosophie des Strafrechts. Aus dem lit. Nachlasse Jirsg. v. Margit Qrnstein. Brosch. K 24.000, geh. K 36.000 Selbstbiographie. Mit dem Bildnisse des Verfassers (vergriffen) K 40.000 Ueber die Quelle und den Betrag der durch Luftballons geleisteten Arbeit. K. 9.600 Ueber Religion. Aus dem lit. Nachlasse herausgegeben von Margit Qrnstein. Brosch. K 57.600, geh. K 72.000 Voltaire. Ein Bild seiner Persönlichkeit. Geb. K 162.500 Zu beziehen durch Löwit, Buchhandlung u. Antiquariat Wien, /. Bezirk, cl£ptenturmstrasse 22 POPPEIULYNkEÜS: Philosophie des Strafrechtes Aus dcm NschLss hernuigegeHen von MARGIT ORNSTEIN ’ ’ " ■ Vorwort von JULIUS OFNSR Brnschirrl. K ^.'TO. P-lrin^n VC Vi.OOO Emil Löbl: „Verlorenes Paradies.“ Etinnerungen eines alHen Wieners. Miit vielen Illustrationen von Theo Tasche und Emil Hühl. („Die gute, alte Zeit,“ henausgegebeti von Adam Müller-Ouitenbrunn.) Rikola Verlag- A.-G. WiennLeipzig-Miündien. 1924. . Das Wien der Achtziger- und. Neunizigerjahre des vorigen Jahrhunderts ist es, das vor uns ersteht mit seiner unabsehbaren Fülle von Stimmungen und ästhetischen Werten, von Ueberlieferungen und heimlichen Reizen, von typischen' Gestalten und ortsgeschichtMchen Figuren, von lokalen Farben, Linien und Parfüms, die den eigentümlichen'. in Worte kaum zu fassenden Zauber dieser Stadt geschaffen haben. Der Verfasser widmet sein Werk allen, difce gleich ihm dieses Wien mit seinem Frohsinn und seiner Leichtfertigek'it, mit seiner Anmut und seiner Charakterschwäche, mit seiner vornehmen Kultur und seinem schwankenden Wesen, mit seiner Liebenswürdigkeit und seinem Unernst gekannt und diese Schöne samt allen Reizen und Mängeln geliebt haben. Theo Zasche J»at kurz vor seinpm Ableben die zeichnerische Ausschmückung des Werkes übernommen. Jede« seiner Bilder atmet Wiener Luft und Wiener Lust. Als der Griffel jählings seiner Hand entfallen war. vollendete Ern® Hübl den illustrativen Teil. Seine Bilder sind vornehm auf das Allegorische, Witzige und BeziehungsreicHe eingestellt, sie bilden eine glückliche Ergänzung zu Theo Z-asohes liebenswürdigem Naturburschentum. Der künstlerische Schmuck des Umsohlagllfettes stammt von Prof. Viktor Schufinsky. Bl BBMnUl Papierfabriks- und BLBCt^lWSTlL Verlags-Gesellschaft Zentralbureau: Wien, I. Grdnangergasse Hr. 2 Erzeugen alle Papiersorten, holzfreie und taiitelfeine Kanzlei-, einseitig glatte Plakatpapiere, PellÜre, Löschpapiere, einseitig glatte Superiorsorten usw. urnw. AUS DER WERKSTATT DES BUCHES Rückgang , des Bücherkonsums in England, Die englischen Verleger beklagen sich über die Einengung ihrer Absatzgebiete. Im „Manchester Guardian“ wird darauf hingewiesen, daß ein Büchertypus, der früher großen Absatz auf dem englischen Büchermarkt fand, fast' vollkommen verschwunden ist, nämlich das knappe' populäre Buch, über soziale Probleme. In den ersten Jahren nach dem Kriege erschienen sehr viele Schriften dieser Art, die so billig Verkauft.. werden konnten, daß Studenten und bildungsbedürftige Arbeiter sie erwarben. Infolge der Steigerung der Herstellungskosten ist dieses „billige“ Buch so teuer geworden, daß die in Frage kommenden Kreise es nicht mehr kaufen können, und so ist, denn in den diesjährigen Herbstanküridigungen der englischen Verleger das populäre wissenschaftliche Buch fast vollständig verschwunden. Die britischen Verleger sehen sich immer mehr auf den.Absatz in den Dominions angewiesen. Australien und , Neuseeland sind eifrige Käufer englischer Bücher, und hier findet man auch den besten Platz für wissenschaftliche Werke. In großem Maßstab hat Japan englische Bücher eingeführt und auch übersetzt. Die Großbuchbinderei F. Rolling er, Wien, XII., Niederhoisträße 37—39, empfiehlt sich zur Anfertigung von modernen Verlagsbänden und Handbänden für Private und Vereinsbibliotheken. .. (Entgeltlich.) „Rikola-Büclierschreln.“ Ein schönes Bücherverzeichnis mit 31 Dichterbildnissen und ebenso vielen Originalbeiträgen von Dichtern und Denkern über das Thema: „Ueber Büch er, Lesen und Menschen.** Verlangen Sie kostenlose Zusendung vom Rikola Verlag, Wien, 3. Bezirk, (Entgeltlich.) NEUERSCHEINUNGEN Walter Bloem: „Das Land unserer Liebe“ (Roman.) 1924. Verlag Grethlein & Co., Leipzig. Salamon Demb.itzer: „Nächte im Vondelpark.“ 1924. Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig. Kapt. Emo Descovich: „Was ist Radio?“ 1924. Verlag Jos. Rubinstein, Wien. F. M. Dostojewski: „Kindergeschichten.“ (Uebersetzt von Karl Nötzel.) Verlag Ernst Bircher A.-G., Bern und Leipzig. Chalide E d i b : „Das Flammenhemd.“ (Roman.) Interterritorialer Verlag Renaissance, Wien-Berlin-Leipzlg- New-York. Emil E r 11: „Der Halbscheid.“ Erzählung. 1924. L. Staackmann-Verlag, Leipzig. Hans F a 11 a d a : „Anton und Gerda.“ Roman. 1923. Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin. Johann Ferch: „Mensch, nicht Jude!“ (Roman.) 1924. Verlag Ernst Oldenburg, Leipzig. Rudolf Gfeinz: „Gordian der Tyrann.“ (Eine lustige Kleinstadtgeschichte.) 1924. Verlag L. Staatsmann, Leipzig. Knut Hamsun: Gesammelte Werke.'Band I bis VI. Verlag Albert Langen, München. Sch. R ubin : „Das hohe Lied (Salomonis)“ 1924. „Argonauten“-Verlag, G. m. b. H., Berlin. Karl Vorländer: „Immanuel Kant.“ (Der Mann und das Werk.)'Zweiter Band. 1924. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Ernst Weiß: „Daniel.“ 1924. Verlag „Die Schmiede“, Berlin. Dr. Moritz Za!mann: „Die Valorisierung von Kronenforderungen nach österreichischem Rechte." 1924. Verlag der Buchhandlung „Altes Rathaus“, Wien, I. Wipp lingerstraße 8. „Der Jude.“ Eine Monatsschrift, herausgegeben von Dr. Martin Buber. 7. Heft, 8. Jahrgang. Jüdischer Verlag, Berlin, NW. 7. „K1 n e m ä t o g r a p h i s c he Monatsheft e.“ 5. Jahrgang, Heft 3/4, März/April 1924. Verlag der Lichtbild« Bühne, Berlin, SW. 48. Friedrichstraße 225. „Lichtbild-Bühne.“ (Luxusnummer.) 30 Jab«-- Film. Verlag der „Lichtbild-Biiline“, Berlin, SW. 48. „Der Piper-Bote fiir Kunst und Literatur.*1 ’ 2. Heft, Sommer 1924. Verlag R. Piper & Co., München. „Das neue'Ru ß 1 and.“ (Monatsschrift für Kultur- und - Wirtschaftsfragen.) Herausgegeben von der Gesellschaft der Freunde des neuen Rußland in Deutschland. Doppelheft 1-2, Mai-Juni 1924. Schriftleitung: Erich Baron, Berlin-Pankow. Kavalierstraße 10. „Der. Vorhof.“ (Ein Führer zum guten Buch.) 2, Jahrgang. Juli 1924, 4.’ Heft. Verlag Karl Rauch, Dessau. Die liier angeführten Bücher sind durch R. I.erhner (Willi. Müller). Wien. [., Crabcn Nr. 31, rii' beziehen.' fy* r iL.t.v Lli *‘J: ilCJ«/