Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1945 (15.7.1924)
- Date
- 1924-07-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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"/^T.V Nr. 1945 Wien, Diensbag Wiener Morgenzeitung. 15. Juli 1-24 Sei-e 8 Hafenbaukonfortiums, dem unter anderem Schneud er-, C r e u z o t und die Po lni sch e I n d u st r i e b a n k angehören, um den Ausbau des Hafens von Gdingen an dem in polnischen Besitz übergegangenen TeÄ der Ostsee-! küste handelt. Gdingen soll im Lause der nächsten Jahre durch das genannte KonsorKum -u einem .Hasen ausgebaut werden und der im Entstehen begriffenen p o l n U ' ichen Kriegsflotte als Stützpunkt diemn. Inland. Rintir in Wien. Gesten: um halb 3 Uhr nachmittags traf der jugoslawische Minister des Aeußevn, Dr. Nincic, mit Gemahlin in Begleitung des Kabinettschefs Ra sie und des Pressechefs Jfkovic aus der Rückreise aus Prag in Wien ein. Im Bahnhofe wurde der Minister namens der öfterveichifchen Bundesregierung vom Bu ndes minister für Aaußeres, Dr. Grünberger, der mit den Gesandten Pogatscher, Junker und Wildner erschienen war, herzlichst begrüßt. Nach Vorstellung der Erschienenen fuhr ' Minister Dr. Nincic mit Bundesminister Dr. Grünberger ins Hotel Imperial", wo der jugoslawische Minister für Aeußeves für die Dauer seines Aufenthaltes abgestiegen ist. Nachmittags erschien Minister Dr. Nincic in Begleitung des Gesandten Milosevic beim Bundesprasidenten Dr. Hain'sch. der ihn in einer längeren Audienz empfing. Vom BundespvLsidenten Dr.' Hämisch begab sich Minister Dr. Nincic zu Vizekanzler Dr. Frank, mit dem er eine Unterredung über die allgemeine Lage und über das in den morgen beim Außenminister Dr. Grünberger beginnenden Verhandlungen zu erledigende Arbeitsprogramn: hatte.. Abends waren Minister Ninoic und Frau Gäste des Ministers für Aeußeres Doktor Grünberger. ' Kein „LenWer Tag" in Seskrreich. Eine Maßregel gegen die Hitler-Leute. Für anfangs August haben die österreichischen Naiio- /absozialisten einen sogenannten „Deutschen Tag" nach Salzburg eiwberufen. Zu dieser Veranstaltung sollten auch korporativ die Hakenkreuzler aus Deutschland kommen. Ludendorff und alle bekannten Führer der reichsdeutschen Recht^bolschewiken hatten bereits zugesagt, in Salzburg zu erscheinen und in nationalistisHsn Kreisen rechnete 'man mit einem Zuzug von 18.000 Mann derverschiedenen Wchr- und Kampfiverbände. Es bestand die Gefahr, daß von sozia listif che r U nd de m ok r a tis cher Se ite «ine Gegentagung nach Salzburg einberufew werden wird. Darum hat der Min iste r ra t vor einigen Tagen beschlossen, durch das Bundeskanzleramt den SalMvger Nationalsozialisten e ine a m t l i ch e Mitte i l ü n g zugehen zu lassen, in der es heißt, daß gegen die geplante Veranstaltung in Salzburg, mit Rücksicht auf verschiedene Umstände, sehr begründete Bedenken außenpolitischer Natur obwalten.' „Eine solche Veranstaltung würde nicht nur in unliebsamer Weise die Aufmerksamkeit^ einzelner für Oesterreich vom Standpunkt des Sanierungswerkes besonders wichtiger fremder Regierungen erregen, sondern dürste auch gerade der d e utschen Regierung im Hinblick auf deren Verhältnis zu den Westmächten besonders gegenwärtig unerwünscht fein." Aus diese Zuschrift intervenierten die Führer der Salzburger Ha-kenEveuzler rm Außenministerium. Bunde's-- minister Dr. Grünberger erklärte, daß er die Abhaltung des „Deutschen Tages" u n t e r ke i n.e n U m stä nden bewilligen könne. Eine Bewilligung könnte nur dann erteilt werden, wenn auf die Teilnahme der ' reichsdeutschen Wehvvevbände und der führenden Personen der nationalistischen Bewegung in Deutschland verzichtet würde. Die österreichische Regierung hat nun die Paßstelle.in Deutschland' angewiesen, den Hakenlkrenzlern Es n r e i s ebewilligungen' und Paßvisa nach Oesterreich n i ch t zu erteilen. Zwei weitere Verbote. Die amtliche Nachrichtenstelle des Landes Nieder-öster- Kich berichtet: Das Polizeikommissariat Wr.-Neustadt hat die für den 20. Juli 1924 geplanten Feste, und zwar' das zweite Kreisturnfest des Kreises 1 des d e n tsche n T u rnerbunde's und die Fahnemntlhüllung des r e p u b l ila n i s ch e n Schutzbundes. Kreis W-r.-NeusMt, aus Gründen der öffentlichen Ruhe und Ordnung untersagt. Eine unter dem - Vorsitze des Landeshauptmannes für Niederösterreich Dr. Bure sch abaehaltene Besprechung mit den Vertretern der beteiligten Parteien führt zu dem Ergebnis, daß das Fest des republikanischen Schutzbundes am 27. Juli 1924 im Rahmen der „Nie wieder K r ie g!"-Feier und . das Tnmerfeft in der Zeit vom 9. bls 10. August 1924 in Wr.-Neustadt abgehalten wird. Mn Borschub a» die Beamten. Der Vollzugsausschuß der Bundesangestellten erschien gestern beim Vizekanzler Dr. Frank und erinnerte, ihn an die stinerzeit von der Regierung gemachte- Zusage, sie werde im Monat Juli au die Bundesangestellten eine Pauschasanszahlung auf die Besold'nngs»rdnüng "verfugen. Der Vizekanzler teilte der Abordnung mit.7daß.:dir.se- Huzzahlung sofort nach der parlamentarischen Erledigung des Gehaltsgesetze's erfolge. Die für die Auszahlung notwendigen Vorbereitungen seien bereits getroffew KIBEM KAJEMF.TH IEJISRAEL HuifDiirt des M wer I N BADENS Zionisten, die sich augenblicklich in Baden aufhalten, geben ihre Adresse am Buffet des Cafe Central in Baden an Tagesbericht. Gang zum Herzl-Grabe. Das zionistische Landeskomitee gibt bekannt: Wie bereits angekundigt findet Sonntag den 20. d. um 9 Uhr vormittags ein Massengang zum Herzl-Grabe statt. Um sine rege Propaganda für die Massenteiln ahmen zu entfalten, haben die Bezirkssektionen in ihren Bezirken Flugzettel zu verteilen, in denen die Judenschaft zur Ehrung des 20. Todestages unseres Führers aufgefordert wird. Diese Fln-grzettel können mi Bureau des Landeskomitees, 2. Bz., Taborstraße 20 a, täglich zwischen 10 u n d 12 Uhr vormittags und 4 bis 7 Uhr nachmittags abgeholt werden. Wir fovdern die Bezirkssektionen auf, umgehend die Abholung der Flugzettel zu veranlassen und eine entsprechende systematische Verteilung in ihren Bezirken zu organisieren. ■ Für den Ordnerdienst während des Ganges zum Herzl- Grabe hat jede Sektion zehn Ordner aus ihren Jugendlichen beizustellen, deren Namen dem Landeskomitee ehestens bekannkzugeben sind. Jede Sektion, Sondrverband und Föderation hat beim Herzl-Grabgang mit einer Ansschrifttafel zu erscheinen. Diese Tafeln können irn Landeskomitee im Laufe dieser Woche <2. Bez., Taborstraße 20 a) abgeholt werden. Zur Besprechung näherer technischer Details findet Mittwoch den 16. d. um halb 8 Uhr abends eine Besprechung statt, zu der jede Bezirkssektion, Sonderverband und Föderation je -einen Vertreter und einen Orndr zu entsenden, haben. Me Feyhardim und die „Wiener Morgenzeitung". Am Samstag abends fand rm Hotel Continental eine stark beisuchte Versammlung der Wiener Sephardim . statt. Der Chefredakteur der „Wiener MorgenzÄtung", Herr Julius Löwy erstattete ein Referat über „Die Bedeutung der jüdischen Presse -mit besonderer Berücksichtigung der. sephardischen Welt". Nach längerer Debatte wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche die Anerkennung der Verdienste der „Wiener Morgenzeitnn-g" um die jüdische Sache ausspricht, deren Ausbau zum Weltorgan verlangt und sich bereit erklärt, die hierzu notwendigen Geldbeträge stcherzustellen. Die Resolution macht es allen Sephardim zur Pflicht, für die Verbreitung der „Wiener Morgenzeitung" nach Kräften zu sorgen. Die Resolution lautet: „En Representacion del Clubo judio „Union Espaniola“, de la Asociacion Sionista „Yehuda H a I e v y“ reconocemos la eminente .necesldad de sostener la accion en pro del organo judio „Wlener Morgenzeitung“ cjue tiende a representar en modo conciencioso e independiente sobre la tribuna de la prensa mondial la causa de nuestro pueblo esparcido aynda por todas las partes del mundo y toma parte activa al com bäte por la defensa de nuestros intereses nacion a 1 e s, todo en respetando los derechos de los otros. Por consiguiente consideramos por nuestro vero deber moralnacional que cada uno de nosotros tome parte al encura jamiento efectivo de este diario. Nuestro organo „W lener Moigenzeltung“ debe ser el orgullo de todos los lectores y asi podremos confiarnos en su actividad en favor del judaismo"en general, Tomemos parte a esta obra de. extrema importarcia por la realizacion de nuestros esfuerzos y por el cumplimiento de las esperanzas vitales del pueblo unido de Israel. El diario „Wlener Morgenzeitung“ no osa faltar-en ni una casa judia. Nuestro ’organo „Wiener M o r g e nz e i t u n g" debe gozar del concurso de cada uno de nosotros, los presentes y absentesegun nuestras fuerzas, para que y nuestro ’organo de publicacion pueda a su torno reenchir su alta mision qiie es y la ruestra propia., ___ Sie IWWe «Me«. Eine Mitteilung des Völkerbundes über das Danziger Projekt. In Beantwortung eines Briefes des Weltverbandes jüdischer Studenten, der um eine . wahrhci-irZri.eue Information über die Rolle des Völkerbundes i-n der Frage einer jüdischen llnivei-sität gebeten hat, schreibt dev stellvertvete-nde Generalfekrelär und Direktor des Internationalen Bureaus des Völkerbundes Nitobe: Das Uuiversitäls-Subkomitee des Komitoes für intellektuell!: Zusammenarbeit hatte während seiner im April statbgefuudenen Sitzung über einen von Herrn Doktorswicz in Warschau genmchien Vorschlag, eine jüdische. Acadenüa Judaica benannte Universität in der freien Stadt Danziig zu gründen, verhandelt. .Herr Doktorowicz ersuchte den Völkerbund um Zustimmung un-d Unterstützung. Das Komitee war sich jedoch nicht klar, wie es den Plan fördern könnte, und soweit dies den Völkerbund angeht, war die Frage erledig t. Inzwischen erschienen in verschiedenen Zeitungen Berichte über den Erfolg des. Herrn Doktorowiez, der angeblich von dem Völkerbund selbst beanstragt wo oder: wäre, eine jüdische Univevsität w Danzig zu gründen. Diese Mitteilung beruhte natürlich nicht auf die Wahrheit. Was die Erwähnung Spaniens irr diesen Berichten anbetrifft, so handelt es sich wahrsrhein'l'ich um gewisse Vorschläge, die von der spanischen Regrevuing bezüglich einher akademischer Fragen gemach worden sind." ' , . . Das Komitee für intellektuelle Zusammenarbeit und der Völkerbund wurden von der Union jüdischer Studenten ersucht, falls in Zukunft ähnliche Vorschläge dem Völker, bund unterbreitet werden sollten, dieselben wor einer endgültigen Entscheidung dem Gutachten des Weltverbandes jüdischer Studenten sowie den großen jüdischen Institutionen, die au der Erbauung einer jüdischen Universität bereits interessiert sind, zu unterbreiten. (I. T. Ä.) Kim intereffante astronomische KMeinüns. Wie wir aus wisfenschaflichen Kreisen erfahren, werden die Wiener am 14. August d. I. den vollständigen Verlauf einer totalen M o n d e s f i n st e r n i s beobachten können. Für Wien geht.nämlich an dem Tage der Mond um 19 Uhr 2 Minuten auf. Die Finsternis beginut um 19 Uhr 31 Minuten; die totale Verfinsterung des Mondes tritt um 20 Uhr 31 Minuten ein. Um 23 Uhr 3 Minuren hat die astronomische Erscheinung ibr Ende emicfii An der Wiener Universitätssternwarte wird in der Nacht vom 14. auf dem 15. Augirst ein verstärkter N-achtbeobachiu-ngsdienst in Tätigkeit feilt. ÄohlrMme E» tnfterMcfe. Ein Abteilnngschef am I ü d i s ch e >r Nation ab Hospital in Denver, Tr. Corper, legte kürstich der American Medical Association eine neue Tuberkulose« theörie vor. Corper stützt seine Theorie ans dreijährige Untersuchungen an Tausenden von Tieren, nachdem er mit seinen beiden Assistenten entdeckt hatte, daß drei Prozent Kohlensäure in einem Organ das Wachstum pon Tub erkelbazille n v erhindern und daß 16 Pr ozent sie töten. Diese Entdeckung sieht Corper als Erklärung dafür an, daß die Tuberkulose hauptsächlich die jungen, befällt, gegenüber der relativen Immunität anderer Organe, weil ja in den Lungen der Austausch von Kohlensäure und Sauerstosf vor sich geht. Die Leber, die mit venösem Blut ernährt' wird und daher den höchsten Kohl-ensänregehalt von .allen Organen hat, wird weniger häufig infiziert als andexe Organe, in denen die Sauerstosfzufuhr stärker ist. ■ Für die Behandlung schlägt Corper vor, mit Hilfe des Blutes Kohle im Körper zu deponieren, und zwar in so kleinen Teilchen, daß sie nicht die Haargefäße-verstopfen kann, so baß ein Teil der Kohle in die Lunge gelangt.und dort liegen bleibt. Er hat Versuche angestellt, in welchem Maß Kohle, die in die Venen eingespritzt wird, an die verschiedenen Organe gelangt, und er hat gefunden, daß' die Lungen die kleinste Menge erhalten. Bei Versuchen mit Ratten.'hat der Forscher gesunden, daß eine lange Zeit hindurch intravenös eingespritzte Aufschlemmung von Kohle hauptsächlich, in Leber und Milz deponiert wird, am wenigsten in den Lungen, hier aber doch in genügendem Grad, nm einen hindernden Einfluß auf -das Fortschreiten der Lnng>'ntuberkulose ausznüben. Garibaldi im Sterbe«. Aus Rom wrid uns telegraphiert: General Ricioib Ga.ribaldi liegt im Sterben. D-er König und Mussolini lassen sich regelmäßig über seinen Zust.md Bericht erstatten. __ Großer Zuweienrmb in Budapest. Boutons im Werte von 1,5 Milliarden gestohlen. i Aus Budapest wird uns gemeldet: Ein Juwelenvaud von ungewöhnlicher Größe wurde gestern bei der Polizei angezeigt. Einer Baronin Pilet de Rihain wurden Bontons im Werte von 1,5 Milliarden gestohlen. Als. Belob-- mmg firr das Zustandebringen der Juwelen wurden un Millionen ausgesetzk. __ Sie amerikanischen Weltrundflieger. Irr Frankreich gelandet. Aius Paris wird uns telegraphiert: Die am-er'.k.u-u scheu Weltumflieger haben Paris^überflogen und sind um 5 Uhr 5 Minuten nachmittaH rn Bour-get gelandet. z»m LoWelleben verurteilt. Bei Tag Redakteur, nachts irrsinnig. Der merkwürdige Geisteszustand, der den Eigentums, und Herausgeber des „I o n r n a I of Co mm e t c e" in Philadelphia,' James M a c u s k e r, zu einem Doppelleben verurteilt, wurde der Oeffcntlichkeit durch eine befremdliche Gerichtsentscheidung bekannt, die Maensker am Tage für gesund, nach Eintreten der Dämmerung aber für geisteskrank erklärt. Jeden -Tag begibt sich Maensker, ein grauhaariger Herr mittleren Alters, in sein Bnrean, nimmt hier mit einem erleichterten „Gott sei Dank, ich bin wieder gesund", vor seinem Schreibtisch Platz und beginnt, sich in die R e d a k t i o n s a r b e i t zu vertiefen.' Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends ist er ein freier Mann. Er stellt das Material für seine Zeitung zusammen, schreibt Artikel und erledigt nebenbei die Expeditionsarbeiten. Sobald der Abend hereingebrochen ist, verlaßt er die Redaktion und lenkt seine Schritte nach der I r r e n a n st a l t, die wenige Kilometer von der Stadt entfernt liegt. . Var einiger Zeit strengte seine Frau gegen ihn eine Klage wegen Verweigerung des Lebensunterhaltes an. Das Gericht ordnete darauf die Untersuchung -es Angeklagten ans seinen GeisteszustanL an. Frau Maensker beschuldigte den Gatten weiterhin, daß er sie mit dem Tode bedroht und nachts mit vorgehallenem Revolver ans dem Haus gejagt habe, eine Anschuldigung, die Maensker als'die Folge einer gegen ihn angezettelten Verschwörung bezeichnete. Er verlor ink 36